Das Bild (Rose Madder) von Stephen King (5/5)

 

Rose Daniels ist die Ehrfrau eines Cops, eines brutalen, schlagenden Cops. Jahrelang wird sie von ihrem Mann schwer misshandelt.

Aus den fadenscheinigsten Gründen, weil sie zum Beispiel einen Roman liest, der seiner Meinung nach nichts für sie ist oder oft auch einfach, weil ihm irgendetwas gerade nicht in den Kram passt.

Norman (wie Norman Bates, passt irgendwie) ist ein „Beißer“, er beißt seine Frau so schwer, dass sie Narben zurückbehält. Er tritt ihr in die Nieren (man will keine Spuren hinterlassen, als Cop kennt er sich aus) und er löst bei seiner Frau eine Fehlgeburt aus, weil er sie im vierten Monat ihrer Schwangerschaft so schwer verprügelt, dass sie letztendlich in ihrem eigenen Blut auf dem Boden sitzt und alles zu spät ist. Dennoch bleibt Rose (Rosie, wie sie viel lieber genannt würde) noch weitere zwölf Jahre bei diesem Mann, vor dem sie nur noch Angst, eher Panik empfindet.

Eines Tages sitzt sie in ihrem liebsten Schaukelstuhl und entdeckt auf dem Bettlaken einen winzigen Tropfen Blut. Der rührt diesmal nicht mal von einer Verletzung ihres Ehemannes, sondern ist einfach nur die Folge von nächtlichem Nasenbluten, wie es ab und an vorkommt. Doch genau dieser kleine Tropfen Blut reicht aus, um Rose endlich dazu zu bringen ihren Mann zu verlassen. Dies geschieht ganz spontan. Sie geht ohne Gepäck, einfach nur mit den Kleidern die sie am Leib trägt und ihrer Handtasche. Sie nimmt die Bankkarte ihres Mannes mit, die zufälligerweise auf dem Kaminsims liegt (Ende des Monats darf Rose sich Haushaltsgeld abheben) und spaziert einfach so zur Türe heraus.

So genau weiss sie selber noch nicht, was sie tun soll. Wohin sie gehen soll. Sie entschließt sich erst einmal zum Busbahnhof zu gehen. Dort hebt sie 300 Dollar vom ehelichen Konto ab, wirft die Bankkarte danach in eine Mülltonne und kauft eine Fahrkarte für eine Fahrt in den Ort, der am weitesten entfernt ist. 800 Kilometer sollten reichen um ihr das erste Gefühl der Sicherheit zu geben. Denn sie hat Angst. Furchtbare Angst. Ihr Mann ist Cop und es ist sein Job Menschen zu finden. Das kann er und er wird es auch in ihrem Falle schaffen, da ist Rose sich fast sicher. Dennoch, sie hat es geschafft. Sie  hat es gewagt den Schritt aus diesem Horrorleben zu gehen und ist guter Dinge, dass es nur besser werden kann.

Am Zielbahnhof angekommen, wendet sie sich an einen Travellers Aid Schalter. Dort erhält sie die Adresse eines Frauenhauses, das sie aufsuchen soll. Nach einer weiteren Busfahrt und Stunden des Verirrens trifft sie dort ein und wird von Anna Stevenson aufgenommen. Sie bekommt ein kleines Zimmerchen mit einer Pritsche zugewiesen und kommt langsam endlich zur Ruhe. Rose lernt neue Freunde kennen, wird endlich wieder ein Stück weit sie selbst. Sie lernt es mit ihrer Angst umzugehen und öffnet sich.

Eines Tages geht sie nach der Arbeit (Zimmermädchen in einem Hotel) in eine Pfandleihe, weil sie dort ihren Verlobungsring versetzen will. Der Ring ist natürlich nichts wert, etwa 50 Dollar. Ein Silberring mit Zirkon. Ihr Mann hatte ihr erzählt, er hätte für das Geld einen Buick bekommen – alles Lüge, wie so vieles. Sie beschließt den Ring zu behalten und will die Pfandleihe verlassen (obwohl Bill, der Mann hinter dem Tresen wirklich sehr nett ist…) wird aber aufgehalten. Sie läuft an einem Bild vorbei, das sie zu rufen scheint. Ein eigentlich unscheinbares Bild: ein Hügel, am Fuße dessen ein verfallener Tempel und auf dem Hügel eine Frau in einem roten Chiton, mit einem blonden, geflochtenem Zopf der ihr lang über den Rücken fällt und einem Goldreif um den Arm. Die Frau hat dem Betrachter den Rücken zugekehrt…. irgendwie sagt dieses Bild: „Rose, nimm mich mit, ich bin deins“.. zumindest fühlt es sich für Rose so an, also tut sie es. Sie tauscht das Bild gegen ihren wertlosen Verlobungsring und nimmt das Bild mit zu „Daughters & Sisters“, dem Frauenhaus in dem sie noch lebt. Bald soll sie ihre eingene 1-Zimmer Wohnung bekommen und dort will Rose es als ihr erstes eigenes Stück „neues Leben“ an die Wand hängen.

Es geht aufwärts. Rose zieht in ihr Appartement, bekommt einen neuen Job als Hörbuchsprecherin und lernt Bill, den netten Kerl der Pfandleihe näher kennen. Doch Norman wäre kein guter Cop, würde er nicht in Roses Haut schlüpfen  können und ihr folgen. Er will sie finden, er muss sie finden… sie hat seine Bankkarte gestohlen und es gewagt ihn  zu verlassen…..

 

Eigentlich ist „Das Bild“ von der Zeit her ein „alter“ King aber für mich ist dieser Roman schon ein „neuer“ King, wie ich ihn im Roman „LOVE“ kennengelernt habe. „Das Bild“ ist kein Stephen-King-Horror-Roman, sondern ein erstklassiger Psycho Thriller, vermischt mit Mysterie und Fantasy Elementen.
Die Figur des Ehemannes Norman hat King so echt rübergebracht, dass ich jedesmal wenn ich die Kursivschrift sah (das was Norman erlebt ist immer kursiv geschrieben, Roses Erlebnisse in Normalschrift) schon einen Anfall bekommen habe. Ich habe diesen Typen gehasst mit seiner abartigen, niedrigen, diskriminierenden Ausdrucksweise. Aber so soll es ja auch sein 😮 . King hat die Figuren, nicht nur seine Protagonistin Rose (Rosie Richtig – Richtig Rosie) so real geformt, das sie mir sehr sympathisch oder eben verhasst waren.

Der Wandel, den Rose durchmacht, die Angst, die Hoffnung, die neue Liebe… all das hat er wunderbar beschrieben. Das Rose in „ihrem“ Bild verschwindet und dort wahrlich Dinge erlebt und zu erledigen hat, ist für mich der Fantasy und Mystery Teil. Genau so hat King es in „LOVE“ auch gemacht. Die reale und eine Traumwelt vermischen sich, das gefällt mir auch in „Das Bild“ sehr gut.
Das ist halt der „neue“ King. Dieses Bild spielt im Finale eine wichtige Rolle, eigentlich die Hauptrolle. Ich möchte ja nichts vorweg nehmen, sollte jemand noch Lust bekommen den Roman zu lesen. Aber vielleicht darf ich verraten, dass der psychopatische Ehemann in der Welt des Bildes erledigt wird. Auch diese Variante hat King in „LOVE“ aufgegriffen und es liest sich nur genial.

Was mir auch sehr gut gefiel… etwas das Wolfgang (Brunner) auch sehr gerne macht und immer wieder tut. King hat seine Romane miteinander verknüpft. So hatte ich doch Spass zu lesen, dass Rose es liebt Liebesromane von Paul Sheldon – die Misery Reihe zu lesen und sich darüber mit der Leiterin des Frauenhauses austauscht.

Faitz: Ein spannender King-Thriller, der nur in den brutalen Schläger- und Mordszenen an den „alten“ Horror Meister erinnert. Wenn er zum Beispiel beschreibt, wie ein Unterkiefer ausgerenkt wird oder sich ein Opfer „ausversehen“ den Augapfel an einem Kleiderhaken aussticht… ansonsten ein „neuer“ und sehr guter King, den ich sehr gerne las und nur empfehlen kann.

Für sein Genre volle Sternzahl: 5 von 5

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