Henning Mankell – Die Rückkehr des Tanzlehrers (5/5)

 

Der 37-jährige Polizist Stefan Lindmann erfährt das er an Krebs erkrankt ist. In seiner Zunge befindet sich ein Tumor.

Zufällig liest er in der Krankenhauscafeteria einen Artikel in der Zeitung, der berichtet, dass sein ehemaliger Kollege (und Mentor) Herbert Molin brutal ermordert, eigentlich eher hingerichtet wurde. Molin lebte seit seiner Pensionierung völlig zurückgezogen auf dem Lande in einem Waldgebiet, wo sein „nächster“ Nachbar etwa 2 Kilometer entfernt wohnte.

Lindmann, von der Krebsdiagnose völlig geschockt, überlegt ob er bis zum Beginn der Strahlenbehandlung nach Mallorca fliegen soll oder nach Härjedalen, jenem Ort indem das grausame Verbrechen an Herbert Molin stattfand. Er entscheidet sich für das zweite Reiseziel, in der Hoffnung auf Ablenkung von seiner Angst und aus „beruflicher“ Neugier.

Dort angekommen lernt er den leitenden, ermittelnden Polizisten Guiseppe kennen, unterstützt ihn „so nebenbei“ in seinen Ermittlungen, schließt Freundschaften und erfährt viel neues über seinen ehemaligen Kollegen Molin… den er offensichtlich nicht wirklich kannte.

Es geschieht ein zweiter Mord, der scheinbar nichts mit dem ersten zu tun hat. Es werden Naziverschwörungen aus dem zweiten Weltkrieg aufgedeckt, die Ermittlungen reichen an die 50 Jahre in die Vergangenheit… und auch in der Gegenwart ist die Verherrlichung von Hitler und seinen nazionalsozialistischen Verblendungen noch lange nicht vorbei … im Gegenteil.

Dies war mein erster ‚Mankell‘. Ich habe bereits einige gesammelt aber um seinen Schreibstil kennenzulernen habe ich absichtlich einen Roman ausserhalb der Wallander-Reihe gewählt.

Mankells Schreibstil gefällt mir sehr, das mal vorneweg. Er schreibt kurze, knappe Sätze. Um es salopp zu formulieren : Fakten, Fakten, Fakten ;o …  ganz so ist es nicht aber er vermeidet längere, verschachtelte Kommasätze. Es liest sich eher so: Er ging aus dem Haus – Punkt – Er blickte sich um – Punkt – Die Straße war menschenleer – Punkt. Dadurch liest sich die Geschichte sehr flott und rasant. Das heisst aber nicht, dass die Handlung oberflächlich ist. Ganz im Gegenteil. Mankell gibt seinen Figuren, besonders dem Protagonisten Stefan, eine sehr tiefe, sensible Persönlichkeit. Er beschreibt seine Sorgen um die Zukunft, die schleichende Angst vor dem Krebs, den Rückzug in die Ermittlung und somit fort von seiner Freundin. Dies alles bringt er sehr gefühlvoll und echt rüber und es macht Vergnügen die Hauptfigur so gut kennenzulernen. Die Spannung kommt nicht zu kurz, die Verwicklungen in der Vergangenheit sind nicht leicht durchschaubar aber auch nicht verwirrend.

Zu Anfang dachte  ich, Mankell ist kein Freund von wörtlicher Rede aber das hat sich ab Seite 60 ganz klar gelegt. Und was mir auffiel: Bei Henning Mankell legen sich die Menschen nicht einfach ins Bett, sie „kriechen zwischen die Laken“. Eine Beschreibung die mir sehr gut gefallen hat.

 

 

Das Ende war nicht durchschaubar, gab der Geschichte einen angenehmen Abschluß, der ein Lächeln in mein Gesicht zauberte. Ach, und Herr Mankell hat es geschafft, das der Leser (ich zumindest) für den Mörder keinerlei Greuel, sondern absolutes Mitgefühl und Verständnis entwickelt.

Mein Mankell Romandebut hat mir definitiv Lust auf mehr bereitet und daher erhält „Die Rückkehr des Tanzlehrer“ für sein Genre ‚Krimi‘ volle 5 von 5 Sterne!

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