Terror von Dan Simmons (5/5)

 

England im Frühjahr 1845.

Die beiden Schiffe HMS Terror und HMS Erebus stechen unter dem Kommando von Sir John Franklin in See um die legendäre Nord-West Passage in der Arktis im Pazifik zu entdecken.
Kapitän der HMS Terror ist Francis Crozier, ein zur Trunkenheit neigender Mensch, was seine Qualitäten zur Führung eines Schiffes und seiner Besatzung allerdings nicht im Geringsten schmälert.

Die Besatzung der beiden Schiffe beläuft sich auf 129 Mann, es sind Vorräte für mehrere Jahre vorhanden.

Zunächst kommen die Schiffe gut vorwärts, doch dann werden sie vom Packeis gefangen genommen und es führt kein Weg mehr heraus. Die Temperaturen belaufen sich auf mitunter -45 °C, und unter Deck selber empfindet die Besatzung Temperaturen um dem Gefrierpunkt dann schon als „warm“. Geheizt wird höchstens noch eine Stunde am Tag um Kohle zu sparen, sollte das Eis aufbrechen und eine Fahrt der Schiffe möglich sein.
Die Vorräte werden knapp oder sind verdorben, was auf die Halsabschneiderei eines Konservenfabrikanten zurückzuführen ist.
Die Seeleute werden schwächer, erkranken an Skorbut und viele sterben…

Mit der Zeit scheint klar zu sein, dass die Schiffe nicht mehr fahren werden, die Besatzung macht sich mit Booten, Schlitten und Zelten auf den beschwerlichen Weg über das Eis um auszukundschaften ob es irgendwo offene Fahrrinnen gibt, über die sie entkommen können.
Hier macht ihnen nicht nur das verdammte Packeis das Leben zur Hölle, die Seeleute werden von einem riesigen weißen Wesen verfolgt und bedroht, dass sich regelmässig Opfer aus ihren Reihen zieht und bestialisch tötet! Was ist das für ein Wesen? Für einen Polarbären der Arktis ist es viel zu gross und gegen Kugeln oder Schrot scheint es immun zu sein.

Über 960 Seiten in denen eigentlich nichts passiert, ausser Eis, Eis und nochmals Eis – und dennoch passiert soviel … und die Geschichte fesselt vom Anfang bis zum Ende. Mich zumindest. Manch einem Leser mag es langatmig erscheinen aber ich habe jede einzelne Seite dieser Geschichte genossen und habe mit der Besatzung gelitten, gehofft und mich gefreut oder getrauert.

Dies ist mein erster „Simmons“ und er hat mit TERROR einen historischen Roman geschaffen, der geschichtlich nachvollziebar ist und eine fiktive Geschichte beinhaltet. Die Besatzungsliste stimmt bis auf den letzten Mann, er hat hier sehr gut recherchiert. Jede einzelne Person ist im Anhang aufgeführt. Simmons hat ausserdem im Anhang alle Begriffe der Seefahrt erklärt – und sei es nur der kleinste Fachbegriff. Dies habe ich gerne und ausgiebig genutzt, denn viele Bezeichnungen kannte ich nun einmal nicht. Die Eskimobegriffe hat er ebenfalls übersetzt und zwar in der Reihenfolge in der sie im Buch erscheinen.

Simmons hat mich mit diesem Roman gefesselt, der gewiss nicht nur historisch ist. Er hat viel mystisches in sich, denn das verfolgende Wesen ist nunmal nicht irgendein Polarbär. Das Leiden der Männer, die Krankheit, der Hunger – all das hat mich wirklich mitgenommen und ich war so sehr auf das Ende gespannt, das mich auch nicht enttäuscht hat, wobei von einem Happy End nicht die Rede sein kann.

Er hat das Buch anfangs in Zeitsprünge aufgeteilt, was heisst, es beginnt mit einem Kapitel wo die Schiffe bereits im Eis festsitzen und dann springt er immer mal in die Vergangenheit und die Vorgeschichten einzelner Figuren zurück, daher wird dieses Buch eben keineswegs langweilig oder zieht sich in die Länge. Immer wieder gibt es Kapitel, die aus Tagebuchauszügen des Dr. Goodsir bestehen und in der alten Sprache geschrieben sind! Hier muss ich unbedingt den Übersetzer Friedrich Mader, für seine erstklassige Arbeit loben. Er hat diese Worte einfach fantastisch in die damalige Schreibweise übersetzt!

Mein Fazit: Ein erstklassiger historisch-mysteriöser Roman in einem erstklassigen Schreibstil, der Dank der guten Übersetzung einfach nur Spass macht und fesselt. Ich habe sehr viel über die Seefahrt und die Arktis gelernt und jedes einzelne Kapitel genossen und war dann doch traurig als die Geschichte vorbei war, denn irgendwie war es immer „heimelig“ diesen Roman wieder in die Hand zu nehmen und weiterzulesen.

Volle Punktzahl 5 von 5 für diesen Roman

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