Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne (4/5)

Der neunjährige Bruno zieht im Zweiten Weltkrieg mit seinem Vater, einem SS-Offizier, und seiner Familie von Berlin nach Auschwitz. Bruno versteht allerdings immer nur „Aus-Wisch“ und nennt seine neue Heimat nur bei diesem Namen. In der Familie wird nicht darüber gesprochen, welchen Beruf sein Vater ausführt und so lebt der Neunjährige in völliger Unwissenheit, dass sich ihre neue Heimat in der Nähe eines Konzentrationslagers befindet. Bruno sieht Leute in gestreiften Anzügen im Haus Dienste tun und bekommt auf seine Nachfragen keine befriedigenden Antworten, um wen es sich bei diesen Menschen handelt.

Auf der Suche nach neuen Freunden (die alten musste er in Berlin zurücklassen) kommt Bruno eines Tages an einen Zaun, auf dessen anderer Seite sich ein Junge befindet, der genau solch einen gestreiften Pyjama trägt, wie die Diener im Haus von Brunos Familie.

Die beiden Jungs freunden sich an und stellen fest, dass sie am gleichen Tag im gleichen Jahr Geburtstag haben. Sie führen lange Gespräche und stellen viele Gemeinsamkeiten fest. Die Freundschaft dauert über ein Jahr lang, aber Bruno begreift die Tragödie nicht, die sich auf der anderen Seite des Zauns abspielt. Er erkennt nicht, dass er sich mit einem jüdischen Jungen angefreundet hat, der eines Tages unweigerlich den Tod finden würde. Als Bruno zusammen mit seiner Mutter zurück nach Berlin soll, fällt er am letzten Tag seines Aufenthalts in „Aus-Wisch“ eine folgenschwere Entscheidung: er möchte ein einziges Mal in der Nähe seines Freundes sein und betritt in einem „gestreiften Pyjama“, den der jüdische Junge ihm besorgt hat, das KZ…

John Boyne ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das sowohl Jugendliche wie auch Erwachsene anspricht. Auf eine feinfühlige, fast schon „schöne“ Art erzählt er eine tragische Geschichte aus dem Blickwinkel eines naiven Kindes, das die Grausamkeiten des Dritten Reichs nicht einmal ansatzweise versteht. Es mag erscheinen, dass Bruno mit neun Jahren naiver geschildert wird, als ein Junge in seinem Alter sein sollte. Aber: zum einen darf man nicht vergessen, dass die Geschichte in einer Zeit spielt, wo die (beteiligten) Erwachsenen oft nicht über die schrecklichen Dinge, die den Juden damals widerfuhren, sprachen. Zum anderen würde „Der Junge im gestreiften Pyjama“ nicht funktionieren, wäre Bruno nicht so naiv wie von Boyne geschildert.

Insgesamt handelt es sich bei diesem Buch aus meiner Sicht fast schon um ein „Kultbuch“. Wie der Autor mit der Thematik umgeht, verdient Hochachtung und Respekt, zumal er es tatsächlich schafft, dem Schrecken der Geschichte eine Art Schönheit und Melancholie kindlicher Naivität zu verleihen, die sogar aus grausamen Dingen etwas „Gutes“ schafft.

John Boynes Schreibstil ist einfach, nichtsdestotrotz (oder vielleicht deswegen) von enormer Kraft und Wucht.

Am Schluss möchte ich noch erwähnen, dass ich die Verfilmung gesehen habe und als äußerst gelungen betrachte. Das Drehbuch hält sich sehr an den Roman und die Auswahl der Darsteller ist ein Glücksgriff.

An sich würde das Buch die volle Punktzahl verdienen, jedoch hätte der Autor ohne weiteres noch mehr aus dem Stoff herausholen können, somit ein Punkt Abzug.

Advertisements

One thought on “Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne (4/5)

  1. Pingback: Das Haus der Geister von John Boyne | Buchwelten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s