Im Gespräch mit Markus Walther

Wie kommt man von der Werbetechnik über die Kalligraphie zum Schreiben von Kurz-, bzw. Kürzestgeschichten? Hast du immer schon nebenher geschrieben?

Mit der Werbetechnik und der Kalligraphie verdiene ich schlicht meine Brötchen. Und die Wurst. Aber gleichzeitig hatte und habe ich durch diese Berufe von Anfang an die Möglichkeit in bescheidenem Maße meine Kreativität umzusetzen.
Das Schreiben von Geschichten habe ich im Teenageralter angefangen. Allerdings waren die Ergebnisse mehr als dürftig und landeten früher oder später (eher früher) in der Tonne. Mein Hobby war zu diesem Zeitpunkt mehr die Malerei. Speziell der Pointillismus hatte es mir angetan.
Meine erste richtige „Kürzestgeschichte“ entstand zufällig. Ein guter Freund stand mit der Gebrauchsanweisung zu seinem Textprogramm auf Kriegsfuß. Er bat mich, dass ich die Software für ihn ausprobieren solle, um sie ihm dann mündlich zu erklären.
Das war noch zu Zeiten des „Commodore Amiga“. Mit anderen Worten: Learning by doing …
Ich saß also am Homecomputer und überlegte, wie ich das Textprogramm ausprobieren könnte. Ein Blindtext schien mir nicht geeignet. Also tippte ich eine Geschichte. „Der Vampir“ enstand auf diese Weise in einer ersten Rohfassung. Die Kurzgeschichte war genau eine DIN-A4-Seite lang (Was eine Kürzestgeschichte ist, habe ich erst vieeeel später erfahren). Schon stand die Frage im Raum: Ob ich in diesem Seitenformat nochwas zu Papier bringen kann?
In den folgenden sechzehn Jahren kamen somit einige Stories dazu. Mal schrieb ich täglich, mal vergaß ich das Zeug auf dem Rechner. Aber nie hätte ich ernsthaft gedacht, dass das Geschreibsel für ein Buch gut genug wäre.

Wie lange arbeitest Du an einer Deiner Geschichten?

Wenn ich im „Flow“ bin, rattert eine Geschichte innerhalb einer Stunde aus mir heraus. Andere Geschichten müssen erst lange in meinem Hirn gären. Dieser Reifeprozess kann mehrere Tage dauern. Insbesondere wenn ich in einer so kurzen Geschichte einen Metatext unterbekommen möchte, muss jedes Wort punktgenau sitzen. Dann braucht eine Din-A4-Seite bedeutend mehr Zeit.

Wie gehst du bei Deiner Arbeit vor? Steht die Pointe/der Schluss schon von vorneherein fest oder entwickelt sich das erst im Laufe des Schreibens?

Die meisten Geschichten müssen sich natürlich von der Pointe heraus entwickeln. Der Plot entsteht quasi rückwärts: Am Anfang weiß man die Pointe, dann entsteht der Weg dorthin. Handwerklich ist es kaum möglich ins Blaue zu schreiben und am Ende den Leser zu überraschen. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel.
Für die besondere Kurzform meiner Texte habe ich mir angewöhnt, zunächst die Story in drei bis vier Sätzen zusammenzufassen. Gelingt mir dies, entsteht meist eine brauchbare Geschichte aus diesem Sklett.

Wann hast Du Dich entschieden, den Weg einer Veröffentlichung zu gehen?

Gar nicht. Meine Frau (und einige Testleser) sagte(n), dass ich es mal versuchen solle. Und wer wagt es, seiner Frau zu widersprechen?
Die Suche nach einem seriösen Verleger war ausgesprochen kurz und erst heute -angesichts der zahlreichen Autoren, die auf Veröffentlichung warten- weiß ich so richtig, was das für ein großes Glück war. Meine ersten 136 Kurzgeschichten fanden 2008 ein Zuhause im Persimplex-Verlag.
Beflügelt von der Tatsache ein Publikum gefunden zu haben, ging ich die Schriftstellerei nun ernsthafter an. In den folgenden beiden Jahren entstand mein zweites Buch „Kleine Scheißhausgeschichten“.

Wie sieht ein Arbeitstag von Markus Walther aus?

Oh, vollkommen uninteressant. Ich steh‘ um spätestens 4.00 Uhr auf. Gehe arbeiten. Danach kommen die Alltagserledigungen und nicht zuletzt das Familenknuddeln. Am späten Nachmittag ruft dann mein Arbeitszimmer für meine zweite Schicht, damit ich am nächsten Tag meinen Kunden was verkaufen kann.
Ach ja: zwischendurch bewege ich mich gerne im „Social-Web“. Ich bemühe mich zum Beispiel, nützlich im Autorenforum Federfeuer zu sein oder schreibe den ein oder anderen Text für GlobalTalk.
Bloggen und twittern ist mir auch nicht fremd – aber dafür rauche ich nicht und ein Laster braucht der Mensch ja. Wo wir bei Lastern sind: Die Zeit zum Schriftstellern nehme ich mir hin und wieder auch, aber das mehr am Wochenende des Abends, wenn die lieben Kleinen im Bett sind.

Wird es irgendwann einmal einen Roman von Dir zu lesen geben oder bleibst du der „Microfiction“ treu?

Der Microfiction werde ich treu bleiben. Mein drittes Buch entsteht gerade unter dem Arbeitstitel „EspressoProsa“. Die kleinen, schwarzen Geschichten bewegen sich im Windschatten (puh!) der „Scheißhausgeschichten“.

Parallel arbeite ich noch an „100 Seiten von Pandora“. Aber ich weiß nicht, ob dieses Buch einen Verleger finden wird. Ich schreibe es mehr für mich. Der Markt für Kurzgeschichten ist in Deutschland sehr klein. Und düstere Texte in dieser Literaturform sind für Verlage gewiss schwer an den Mann zu bringen.

In der Plotphase befindet sich außerdem ein erster Kurzroman. Mit „Blutland“ werde ich mich im Horrorgenre versuchen.
Und mein Bestreben ein Kinderbuch zu Papier zu bringen, habe ich auch noch nicht ganz aufgegeben: „Schorsch, der Tröstebär“ erweist sich allerdings als äußerst widerspenstig.
Fortgeschrittener ist mein Weihnachtsbuch „Engelskirchen“. Aber auch da bin ich von einer Fertigstellung meilenweit entfernt.

Welche Bücher liest du gerne? Gibt es bevorzugte Autoren oder Genres?

An erster Stelle muss ich hier wohl Terry Pratchett und seine Scheibenwelt-Romane benennen. Ich mag seine Kombination von engl. Humor und Philosophie.
Stephen King hat meine „dunkle Seite“ sehr geprägt. Schade, dass er heute nicht mehr so gut schreibt, wie vor zwanzig Jahren.
Auch Mark Twain  benenne ich gern. Obwohl ich zugeben muss, dass ich nur einige seiner unbekannteren Werke tatsächlich kenne. Aber gerade für diese bewundere ich ihn.
Douglas Adams schätze ich für die Fähigkeit vollkommen ab- und überdrehte Handlung unterhaltsam zu verpacken. Er ist leider viel zu früh gegangen.
Auch in der ernsteren SciFi bin ich gerne unterwegs. Allen voran Asimov und seine Roboter-Kurzgeschichten und William Gibson mit seinem Cyberspace haben es mir angetan. Auch wenn ich sträflich wenig von diesen Autoren gelesen habe, so haben sie meine Schreibe doch nachhaltig geprägt.

Meine letzte Frage lautet: Liest du wirklich Bücher auf dem „Scheißhaus“ :-)?

Gegenfrage: Wo sonst findet ein zivilisierter Mensch denn heute noch die Ruhe und Muße zum Lesen ..?

Lieber Markus, ich wünsche Dir und Deinen schriftstellerischen Werken für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg. Ich danke Dir für das sehr interessante Interview.

Und hier gehts es zur Rezension zu „Kleine Scheißhausgeschichten“:

Das Interview wurde geführt im Februar 2011.
© Buchwelten 2011
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2 thoughts on “Im Gespräch mit Markus Walther

  1. Pingback: Eine Frage hab ich da noch …an Markus Walther « Wortsplitter

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