Brudermord von Holger Weinbach – Ein tolles Debüt (4,5/5)


Erschienen als Taschenbuch im ACABUS-Verlag
Preis: 13,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-86282-006-1

Es wird das Jahr 956 geschrieben und im Reich von König Otto herrscht endlich wieder Frieden. Dennoch werden Intrigen geschmiedet, denn Rurik, der Bruder des Grafen Farold – ein vom Volk geehrter, geachteter und angesehener Mann – strebt nach dessen Position. Er inszeniert einen Überfall auf die Greifenburg,  den Sitz des Grafen Farold und seiner Familie. Farold und seine Frau Sigrun kommen bei dieser Tat ums Leben, einzig ihrem siebenjährigen Sohn Rogar gelingt – dank des Mutes seiner Mutter – die Flucht.

Er wird in einem benachbarten Benediktinerkloster als Waisenkind aufgenommen. Dort lebt er als Novize unter dem Namen Faolán und wird somit vor seinem bösartigen Onkel versteckt. Faolán selbst hat keine Erinnerungen mehr an die schrecklichen Erlebnisse dieser Nacht, doch der Abt des Ordens sowie der Kellermeister Ivo erkennen anhand eines eindeutigen Beweises wer er ist.

Faolán wächst unter den Argusaugen des Abtes Degenar und des Cellears Ivo zu einem Jüngling heran und bekommt in diesem Alter ein weiteres Privileg, dass nicht alle Novizen erhalten: er darf gemeinsam mit Ivo, dem Kellermeister, an Markttagen die nahe gelegene Stadt Neustatt aufsuchen und die Waren des Klosters feilbieten oder tauschen. Hier trifft Faolán – mittlerweile 14 Jahre alt – das erste Mal auf die gleichaltrige Svea. Das Mädchen stellt das Gefühls- und Seelenleben des Novizen völig auf den Kopf und somit nimmt das Schicksal seinen Lauf….

Dieser Roman ist das Debut des Schriftstellers Holger Weinbach und er hat eine historische Geschichte geschaffen, die alles andere als „staubig“ ist. Er versteht es, den Leser in die Welt des Mittelalters zu versetzen. Er schreibt in einer schönen, angenehmen aber nicht übertrieben alten Sprache die sich flüssig  liest. Er schafft eine Atmosphäre, die mich als Leserin wirklich durch die zugigen Burgen und kalten, dunklen Klostergebäude hat gehen lassen. Die Markttage in der Stadt beschreibt er mit sämtlichen Eindrücken des Protagonisten so real, das man z.B. den Gestank der Stadt riechen kann.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, sowohl die sympathischen als auch die unsympathischen. Die Handlung wird in drei Strängen erzählt. Immer wieder gibt es Wechsel zwischen diesen. Die Kapitel sind relativ lang gehalten, werden aber ab und an durch Szenenwechsel innerhalb eines Handlungsstranges unterbrochen. Somit zieht sich die Geschichte nicht in die Länge, sondern es gibt immer etwas Abwechslung. Gegen Ende des Romans verknüpfen sich die drei Stränge und fliessen ineinander ein.

Was mir auch sehr gut gefallen hat war, dass es keinen „Charakteroverload“ gab. Die Namen der Figuren sind  „alt“ und somit nicht so leicht zu behalten wie Frank oder Paul. Dadurch das es aber in jedem Teil der Geschichte immer nur eine Handvoll an wichtigen und regelmässig wiederkehrenden Figuren gibt, bleibt alles angenehm überschaubar und man kann sich auf die einzelnen Personen und deren Position in der Handlung einlassen.
Das faszinierende an der Geschichte ist für mich ausserdem, dass oft über viele Seiten hinweg gar nichts Spannendes geschieht. Man erlebt beispielsweise „nur“ mit, wie Faolán seinen Alltag als Novize bestreitet, arrangiert und versucht den unangenehmen Dingen dieses Lebens aus dem Weg zu gehen. Aber dennoch wird es nie langweilig, sondern es macht einfach Freude dabeizusein.
Auch wenn ich nichts weiter von der Handlung erwähnen möchte, muss ich noch eines loswerden. Weinbach hat es auf wunderbare, sehr einfühlsame Weise geschafft, das Gefühlschaos um seinen Protagonisten zu beschreiben. Faolán trifft als 14-jähriger auf das Mädchen Svea und urplötzlich geschehen Dinge in seinem Gefühlsleben (sowohl seelisch als auch körperlich) von denen er nichts wusste und über die auch nie eine Person mit ihm gesprochen hat und ihn somit völlig überrumpeln und verwirren. Dies zu lesen hat schon eine Gänsehaut beschert.

Die Ausgabe, die ich gelesen habe ist die 3. Auflage. Der Roman ist als Taschenbuch veröffentlicht und mir gefällt das Cover sehr gut. Es ist in angenehmen, schönen Farben, dezent gehalten. Allerdings fällt mir leider wieder auf, dass die Haltbarkeit der Bücher nicht wirklich gut ist. Wie auch beim ersten Exemplar, das ich vom Acabus-Verlag gelesen habe, löst sich bereits wieder die Folie an den Seiten des Buches. Und ich bin jemand, der mehr als sorgsam mit seinen Büchern umgeht. Auch bin ich der Meinung, dass man aus diesem Buch noch mehr hätte machen können. Ich habe an anderer Stelle gelesen, dass es Verlage gibt, die aus solch einer Handlung ein 800 Seiten Buch zaubern. Das sehe ich auch so. Dieser erste Teil umfasst knappe 340 Seiten und hätte man diese ein wenig aufgelockert und nicht so vollgepackt, wäre es nicht nur für das Auge angenehmer zu lesen, sondern auch optisch schöner. Was mir wiederum sehr gut gefällt, ist das Personenregister im Anhang des Buches. Es ist sehr hilfreich und ich habe es mehrmals genutzt. Dieses Register wurde wohl auch erst in der 3. Auflage hinzugefügt.
Die Inhaltsangabe auf der Rückseite ist leider weder im Blocksatz noch zentriert geschrieben und wirkt somit für mich unordentlich. Ich denke für den guten Gesamteindruck eines Buches gehört auch eine „aufgeräumte“ Inhaltsangabe auf die Rückseite.

Diese hier genannten kleinen Mängel am Buch, nicht am Werk des Autors, haben mich veranlasst einen halben Punkt in der Bewertung abzuziehen.

Also bekommt dieses Romandebüt von mir in der Gesamtwertung 4,5 von 5 Sternen.

Hier auf Buchwelten gibt es ein  aktuelles Interview mit Holger Weinbach —> Interview 03.05.2011

Mitterweile bin ich bereits dabei, den zweiten Teil der Eiswolf-Saga „Irrwege“ zu lesen, den ich gut zur Hälfte durchgelesen habe.

Genau wie sein Vorgänger absolut lesenswert, auch wenn man vorher kein Extremleser von Historischen Romanen war, so wie ich!

© Buchwelten 2011

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2 thoughts on “Brudermord von Holger Weinbach – Ein tolles Debüt (4,5/5)

  1. Bin ja gerade selbst dabei, Brudermord zu lesen und obwohl es mein 1. hostorischer Roman ist, bin ich sehr angetan und kann dir ab der Hälfte bereits in einigen Dingen zustimmen, bei den anderen Dingen bin ich eben noch nicht soweit. 🙂 Aber das wird schon noch… Lass dir Sternchen da 😉

    • Das einzige was ich voher an historischen Roman gelesen habe, ist die Highland-Saga von Gabaldon und die kann man nicht wirklich vergleichen… ich war auch sehr angetan und freue mich auf Teil III. 🙂

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