Der Buchhändler von Matt Cohen (4/5)

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im btb Verlag
ISBN: 978-3442 750030

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Die Geschichte erzählt von Paul Stevens, einem Buchverkäufer, der in jungen Jahren seine Leidenschaft für die Werke von Charles Dickens und Flaubert entdeckte.
Wir begleiten Paul ab seiner Kindheit, die man als chaotisch beschreiben kann. Die Mutter hat seinen Vater, seinen älteren Bruder Henry und den kleinen Paul verlassen, um mit einem neuen Mann völlig neu anzufangen. Der Vater kommt über diesen Verlust nicht hinweg, trinkt und erleidet schließlich am Tresen seines Juweliergeschäftes einen Herzinfarkt.
Als junger Mann findet Paul die Anstellung in einem Buchladen, die sein Leben völlig verändern und auf den Kopf stellen wird. Dort trifft er auch auf Judith. Die schöne, verführerische junge Frau beginnt ebenfalls im Buchladen zu arbeiten und es entsteht eine Affäre, die Paul völlig einnimmt.

Paul, der sich auch als Erwachsener nicht von seinem großen Bruder loslösen kann, stellt auf einmal fest, dass dieser in der Unterwelt von Toronto in seltsame Geschäfte verwickelt ist, die Henry in große Gefahr bringen. Wie kann Paul ihm da nur raushelfen….

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Als erstes mal vorneweg: die Übersetzung des Originaltitels des Buches ist schlecht gewählt. Paul Stevens ist kein Buchhändler, sondern Buchverkäufer, ein Angestellter in einem Buchladen. Der Buchhändler ist eine eigene, nicht unwichtige Figur in diesem Roman. „The Bookseller“ heisst der Titel im kanadischen. Manchmal sollte man vielleicht einfach den Originaltitel beibehalten, anstatt eine schlechte, unpassende oder sogar falsche Übersetzung zu liefern.

Cohen hat eine Geschichte geschaffen, die mich in ihrem Schreibstil und der Erzählweise teils an John Irving und teils an Carlos Ruiz Zafón erinnert hat. An John Irving in Bezug auf die Erzählung eines Lebens, mit allen menschlichen Stärken und Schwächen, sehr real und mit greifbaren Figuren. Wobei der besondere, oft schwarze Humor von Irving hier fehlt. Was aber nicht negativ ist. Und an Zafón hat es mich erinnert, wie er die Liebe zur Literatur, den Ort des Buchladens und der Menschen, die darin arbeiten beschrieben hat. Also eine sehr schöne Mischung, die sich angenehm lesen lässt.

Der Leser begleitet Paul ab seinen Teenager Jahren und beschreibt das besondere Verhältnis zu seinem Bruder und die Abhängigkeit zu Judith sehr gut. Überhaupt sind die Charaktere alle sehr ausdrucksvoll und in all ihren Facetten, mit allen guten und schlechten Eigenschaften intensiv ausgearbeitet.

Was mir aufgefallen ist, der Autor mag Blätter an Bäumen sehr gerne. Diese beschreibt er in allen Farben und Zuständen an verschiedenen Bäumen, den Jahreszeiten entsprechend. Es vergeht nicht ein Kapitel in dem die Blätter des Ahorns nicht in der untergehenden Herbstsonne in einer Brise erzittern oder ähnliches. Da hat Cohen wirklich die verschiedensten Beschreibungen gefunden, die gut zur Stimmung des Buches passen, mir aber einfach nur ins Auge stachen.

Der Roman liest sich zügig, wird nicht langweilig, denn in Pauls Leben herrscht wirklich viel Trubel. Die ruhigsten Momente erlebt er eigentlich im Buchladen während seiner Arbeitszeit. Dort kommt er zur Ruhe und geniesst die Umgebung „seiner“ Bücher.
Ansonsten pendelt Paul zwischen Drogenräuschen im Hotel Savoy, dass seine besten Tage lange hinter sich hat oder seinem rauchigen Stamm-Billardsalons.

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Mein Fazit: Insgesamt 4 von 5 Sternen und empfehlenswert für Leser, die den Schreibstil von Irving und Zafón mögen.

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© Buchwelten 2011

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