Buchwelten im Gespräch mit Michael Schröder

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Dieses Mal hat sich der Schriftsteller Michael Schröder die Zeit genommen und sich meinen Fragen gestellt. Er ist der Autor der Romane „131 Briefe“ sowie „Jeder Tag endet mit dem Tod„. Da ich bekanntlich „jüngere“ Autoren, die in kleineren Verlagen veröffentlichen gerne unterstütze, freue ich mich euch nun das gesamte Interview vorzustellen:

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Michael, Du hast bereits im Alter von acht Jahren mit dem Schreiben von Kurzgeschichten begonnen und mittlerweile zwei Romane veröffentlicht. War es ein steiniger Weg die Bücher bei Verlagen unterzubringen? Wieviele Absagen hast du erhalten?

Wenn ich die Geschichte dazu zum Besten gebe, kratzen sich viele meiner Mitstreiter immer am Kopf. Ich habe lange, sehr lange für mich selbst geschrieben – nur weil es einfach Spaß machte. Ich hatte damals angefangen King zu lesen und dachte mir: Hey komm, das probierst du auch mal. Es war schrecklich, las sich wie Schulaufsätze der achten Klasse. Aber es hat verflucht nochmal Spaß gemacht. Klar denkt man irgendwie, man könnte auch mal groß raus kommen damit. Aber je älter ich wurde und je mehr ich gelesen hatte, um so sicherer wurde ich mir, nie verlegt zu werden. Und als ich dann einmal auf der Buchmesse in Frankfurt war, war ich mir ganz sicher: Nie Michael, nie würdest du unter all den Autoren hier „gefunden“ werden. Also hab ich den Traum einfach aufgegeben – allerdings nie aufgehört zu schreiben.

Anfang 2009 hat mich eine alte Schulkameradin wieder gefunden – danke Social Network – sie hat ein Buch von mir gelesen, die da noch frei im Internet gelesen werden konnten und war begeistert. Zusammen mit ihr habe ich dann angefangen meine Bücher zu verbessern. Und ihr verdanke ich es, dass ich jemals den Mut gefunden habe, mich überhaupt an Verlage zu wenden.

Ich habe eine Reihe von Verlagen angeschrieben und im ersten Step den selben Fehler wie viele gemacht: Durckkostenvorschussverlage. Nach vielen Zusagen und Autorenverträgen bis hin zu 21.000 Euro Kosten hab ich den Traum verworfen. Schreiben sollte ein Hobby sein und keine Berufung und keine Kosten erzeugen. Zeit kostete es ja schon genügend.

Die beiden Bücher „131 Briefe“ und „Jeder Tag endet mit dem Tod“ sind Zufälle gewesen. Beim ersten Buch hat mich ein kleiner Verlag angeschrieben und nach Manuskripten gefragt. Ich habe ihnen drei Stück geschickt und nicht damit gerechnet, dass ihnen eines gefallen würde – aber sie haben sich für die Lovestory entschieden und ich hab zugesagt. Beim zweiten Buch hab ich aus Spaß bei einer Art Wettbewerb mitgemacht und auch da „gewonnen“. Auch das hat mich überrascht.

Oh, ich habe auch an die „großen“ Verlage was geschickt und von denen bislang nicht mal Absagen bekommen. Ich kann jedem Autor nur raten, macht eure Schritte bei Kleinverlagen, die noch richtig verlegen. Wie in jedem Beruf muss man mit kleinen Schritten zum Erfolg gehen. Die „Über Nacht Autoren“ sind wie die Millionengewinner eher selten.

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Wie viele andere „kleinere“ Schriftsteller musst du einen Vollzeitjob ausführen, weil du von der Schreiberei (noch) nicht leben kannst. Wie lässt sich das zeitlich vereinbaren?

Ich schreibe wo ich Zeit dazu habe. Das ist eigentlich alles. Ich habe schon früh die Vorteile von mobilen Rechnern erkannt und ein kleines Netbook, das ich überall dabei habe. Und ich bin ein Nachtmensch. Wenn meine Frauen ( 36 und 11) ins Bett gehen, dann bleibe ich noch lange wach und schreibe. Ich bin auch ein Schnellschreiber. Die meisten Bücher entstehen in ein bis drei Monaten. Also bleiben noch viele Monate Zeit für Beruf und Familie.

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Du hast bislang einen Krimi (Jeder Tag endet mit dem Tod) im Epidu-Verlag und eine Liebesgeschichte (131 Briefe) im Titus-Verlag veröffentlicht. Bei welchem Verlag wird dein neustes Werk (die Fortsetzung um den Kommissar Elmar Kreuzer) erscheinen?

Bislang hab ich geplant, beiden Verlagen weitere Bücher anzubieten um selbst zu entscheiden, ob sie ein weiteres Buch mit mir verlegen wollen. Bücher habe ich noch genug in der Schublade. Daran mangelt es – nach 30 Jahren sammelt sich schon was an – nicht. Nach „131 Briefe“ kommt, wenn alles gut geht bis Leipzig 2012 ein weiteres Buch heraus mit dem Titel „Schicksal“ und wie es mit dem zweiten Teil von Elmar Kreuzer aussieht wird sich auch bald entscheiden. Da bin ich aber selbst noch gespannt.

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Die Rohfassung zu diesem Werk scheint fertig zu sein, denn du suchst auf deinem Blog Testleser. Wann können wir in etwa mit dem Erscheinen rechnen?

 Elmars zweites Abendteuer ist ja schon lange fertig, schon etwas weiter als nur die Rohfassung. Es soll „Sterben für einen neuen Morgen“ heißen. Da es logisch nach „Jeder Tag endet mit dem Tod“ folgt, würde es Sinn machen, das auch bei Epidu verlegen zu lassen. Aber wie gesagt, liegt das nicht unbedingt in meiner Hand. Es hängt auch von den Verkaufszahlen ab, die das Buch noch bringen muss. Also kauft mein Buch 🙂

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Überarbeitest du deine Manuskripte selbst? Wenn ja, magst du diese Arbeit???

Nein, ich hasse es. Ganz ehrlich. Bücher zu überarbeiten ist schlimmer, wie sie ein zweites mal zu lesen. Nehmen wir mal „131 Briefe“. Das Buch hat 13 Überarbeitungsversionen gehabt, bevor er letztendlich gedruckt wurde. Wie viel Bücher kenn man schon, die man freiwillig 13 mal lesen will?

Ein Buch hat bei mir so in etwa diesen Erstellungsablauf: Rohfassung, dann meine erste Überarbeitung, in der ich logische Fehler suche und Ungereimtheiten beseitige. Dann bekommt es meine „Erstleserin“. Die verbessert neben der Rechtschreibung auch Ausdruck und Satzstellung und kleistert mir das Buch mit Kommentaren voll, die ich in einer weiteren Version verbessere. Die Version bekommen schließlich die Testleser. Zum einen meine Fans, die mich seit langer Zeit kennen und unbedingt auch Menschen, die mich gar nicht kennen. Diese müssen als Gegenleistung eine Reihe Fragen beantworten und mit mir das Buch besprechen. Damit mache ich eine vierte Version, die auch wieder meine Erstleserin bekommt. Das Ergebnis von ihr überarbeite ich wieder und dann ist das Buch erst mal fertig.

Autoren sollten es tunlichst vermeiden alleine an einem Buch zu arbeiten. Und man sollte seine Freunde nicht richtig erst nehmen, wenn sie dich loben, denn sie versuchen nur nett zu dir zu sein. Am besten man findet einen, der Ahnung hat von dem was ein Lektor so tut und auch einen, der peniblen Spaß dran hat zu kritisieren.

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Du scheinst ein Autor zu sein, der sich auch in keine Genre-Schublade stecken lässt. Hat das einen besonderen Grund?

Ja – ich habe noch kein Genre gefunden, in dem ich mich für immer festlegen will. Ich vergleiche Schreiben gerne mit einem Handwerkerjob. Ein Maurer tut seine Arbeit und mauert alles, was er mauern muss. Im Laufe der Zeit bekommt er Berufspraxis und vielleicht hat er Talent und kann besonders gut Rundbauten mauern oder spezialisiert sich auf sonst was. Aber am Anfang wird er alles mauern, was es zu mauern gibt – um eben Erfahrungen zu sammeln. So in etwa ist das auch mein Plan, erst mal.

Der zweite Grund ist der, dass ich ein Ideenschwamm bin und ich liebe gute Geschichten, die ich in mich aufsauge, wie andere gerne Bilder betrachten. Ich sehe Dinge und frage mich, was hinter ihnen für eine Geschichte steht, die sie antreibt oder verändern. Ich mag auch Extreme jeder Art – Grenzerfahrungen – und in der Schreiberei liegt ja die Macht, der Gott seiner eigenen kleinen erfundenen Welt zu sein. Sei es nun Horror – daran schreibe ich gerade – sei es nun die erste Liebe. Sei es nun ein Kommissar in einer Zeitschleife, sei es der faszinierende Traum meiner Tochter, ein guter Kinofilm – was auch immer. All das erzeugt von ganz alleine Geschichten in mir, die nie nach dem Genre fragen, sondern nur erzählt werden wollen. Und das mache ich dann: Sie erzählen. Das ist alles.

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Gibt es den Autor Michael Schröder den ganzen Tag oder kannst du während deines Alltags auch einmal abschalten bzw. deine Ideen ausblenden?

Oh ja … und das muss auch sein. Viele Ideen reifen lange in meinem Kopf und viele davon liegen da schon seit Jahren rum – unfertig. Wenn ich nicht abschalten würde, beruflich familiär beschäftigt werden würde, würde ich zum einen ein armseliges Leben führen  und zum anderen verrückt werden. Ich kann auch nicht immer schreiben – was nun keine Schreibblockade ist – sondern nur eine Stimmung. Ab und an packt es mich, dann schreibe ich und wenn nicht, dann eben nicht. Mir ist es wichtig im Leben zu stehen und zu leben – dazu gehört es auch Michael der Vater, der Ehemann, der Freund und Kumpel zu sein.

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Meine Frage an jeden Autor: hast du besondere Eigenarten beim Schreiben? Absolutes abschotten oder laute Musik oder einen Talisman auf dem Schreibtisch?

Ich schreibe fast immer mit Musik. Das ist so ein Hassbild meiner Frau: Ich mit Notebook und Kopfhörer auf der Liege im Sommer, auf dem Sofa im Winter. Mit der Musik schotte ich mich ab und blende mich aus dem Alltag. Stille ist auch gut – je nach dem was ich schreibe. Aber Musik ist schon oft dabei.

Eine kleine Eigenart gebe ich gerne preis. Das ist was zum Lachen. Ich bin ein großer Fan von realistischen und lebensnahen Figuren und Dialogen. Ich denke das ist eine meiner Eigenschaften oder Merkmale. Um das so hin zu bekommen, das es gut ist, rede ich für die Dialoge laut und mit einem schwarzen Glaskopf. Die Dinger, auf die man in den 80gern immer die Kopfhörer stülpte. Ich fuchtele mit dem Armen herum, übe Gesten und laufe auch schon mal im Zimmer umher – rede mit dem Kopf, spreche die verschiedenen Dialoge aus beiden Blickwinkeln. Das ist eine der besonderen Eigenarten 😉

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Welche Bücher/Autoren liest du selber gerne? Kommst du überhaupt regelmässig zum lesen?

Stephen King, Richard Morgan, Katzenbach, Dan Simmons, zur Zeit Joe Abercrombi, der einfach nur fantastisch schreiben kann. Aber ich mag auch Douglas Preston und Lincoln Child, Dean Koontz, Christopher Moore und viele mehr. Und ich gehöre zu den Menschen die absichtlich schlechte Bücher lesen. Schon alleine um einen Vergleich zu haben, wie man es meiner Meinung nach nicht machen sollte. Ich werde mich aber nun hüten, da nur einen Autoren zu nennen.

Ich lese übrigens auch Lustige Taschen Bücher mit Donald Duck und Mickey Mouse – nicht lachen, aber da sind schon gute Ideen drin und sie sind so herrlich anspruchslos. Auch das muss mal sein.

Lesen – das sagte schon King – ist das wichtigste Hilfsmittel auf dem Weg zum Erfolg eines Autoren. Wer schreibt und nicht liest, wird – meiner Meinung nach – nie gut schrieben können.

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Meine letzte Frage: Fühlst du dich in mittelständischen Verlagen wohl(er) oder arbeitest du nach wie vor daran, einmal ein Werk bei den richtig „Grossen“ zu veröffentlichen? Sind die Grossen denn überhaupt gross?

Also Großer Verlag bedeutet große Auflage und viel Geld verdienen. Das bedeutet aber auch, viel Zeit zu opfern und ein Tag hat nun mal nur 24 Stunden. Das bedeutet, da bleibt was auf der Strecke. In meinem Fall der Beruf oder die Familie. Zur Zeit könnte ich mir das nicht vorstellen.

Also nein, ich arbeite nicht auf einen großen Verlag hin. Mein Plan ist es, bei kleineren Verlagen oder dem Verlag, eine Reihe Bücher heraus zu bringen und mir damit einen „Namen“ für gute, lesbare Literatur zu machen. Der Rest ergibt sich. Ich bin ja neu in dem Geschäft und lerne noch, wie das so alles funktioniert. Da lernt man bei kleinen Verlagen schon leichter, wie in die Maschinerie eines „Großen“ zu gelangen. Und ich will mit vielen der Autoren solcher Verlage nicht in einem Regal liegen. Das mal nur so nebenbei. Schreiben muss Spaß machen.

Zum anderen denke ich, wird sich das ganze Verlagswesen verändertn– es tut das auch schon. Ich denke, nicht heute oder in den nächsten 10 Jahren, aber spürbar deutlich werden Printmedien verschwinden. Die Bücher als schnelle Kost zu kleinen Preisen auf Ebooks und ahnlichem. Ich kann mir schon vorstellen, Kurzgeschichten zu einem Euro zu verkaufen und damit eine ganz andere Art der Medienpräsenz zu erlangen oder Bücher zu schreiben, die unter 5.- Euro geladen und gelesen werden. Es wird immer die Büchersammler geben. Keine Frage, aber es wird auch die geben, die nur lesen wollen, wie sie essen oder fernsehen oder ins Kino gehen.

Ich sehe mich glaube ich, als Futterlieferant für hungrige Leser. Und die werden sich auf Ebooks stürzen, sobald die Lesegeräte immer besser das Buch ersetzen können.

Ein kleiner Verlag ist ein guter Start in das Geschäft des „Verlegt werdens“ Er macht den Job nicht schlechter als die Großen.

Michael Schröder

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Ich danke Dir Michael, dass Du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Ich bin sicher, den Lesern wird es gefallen einen Einblick in deine Interessen und Arbeitsweise zu erhalten.

Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und ich freue mich auf den neuen Roman um Elmar Kreuzer…

Wer die Rezensionen zu den Romanen lesen möchte:

131 Briefe

Jeder Tag endet mit dem Tod

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© Buchwelten 2011

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3 thoughts on “Buchwelten im Gespräch mit Michael Schröder

  1. Danke Marion,

    es hat richtig Spaß gemacht, auf die Fragen einzugehen. Schon alleine, weil ich nicht die ewig selben Fragen beantworten musste, wie bisher. Woher nimmst du die Ideen, wie kommt man auf so was und wie viel „Ich“ steckt in welchem Buch.

    also danke auch an dich … und für die Glückwünsche

  2. Hallo Michael,
    das ich nicht die „Standard“-Fragen stelle liegt vllt. daran das ich selber mit einem Schriftsteller zusammenlebe und ich ein bisschen weiss, wie sie ticken und was sie für Eigenarten haben und ich auch gerne vergleiche, wie die anderen so drauf sind 😀
    Und … Autoren(hirne) interessieren mich einfach 🙂
    Dir auch noch einmal ein dickes Dankeschön, es ist ein schönes Interview geworden.

  3. Pingback: Sommer 1985 von Michael Schröder | Buchwelten

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