Selbstauslöser von Michael Lister (4/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
bei
Hoffmann und Campe
240 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-455-40328-2

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Der leidenschaftliche Hobbyfotograf Remington James ist in den Wäldern Floridas aufgewachsen und ein großer Natur und Tierliebhaber. Die familieneigenen Wälder kennt er so gut wie in- und auswendig, hat er doch als Kind sehr viel Zeit gemeinsam mit seinem geliebten Vater Cole dort verbracht. Der wollte den kleinen Remington eher für die Jagd begeistern aber der kleine Mann interessiert sich viel mehr dafür, die Umgebung und Lebewesen in der Natur festzuhalten. In dieser Hinsicht schlägt er eher nach seiner Mutter, die leider seit seinen Kindertagen durch eine schwere Multiple Sklerose Erkrankung stark eingeschränkt ist. Remington liebt seine Eltern über alles und leidet daher nach dem Tod seines Vaters Cole sehr. Er versorgt liebevoll seine kranke Mutter. Seine Ehe ist leider kaputt. Obwohl Remington seine Frau Heather über alles liebt kommt es immer wieder zu Streitereien.

Daher zieht es den Fotografen in die Wildnis, in die heimischen Wälder. Dort hat er Kamerafallen aufgestellt und macht sich relativ spät am Tag noch auf den Weg, um die Ergebnisse anzusehen und vielleicht schafft er es auch noch einige spektakuläre Fotos in der Dämmerung zu schiessen. Seine Frau erreicht ihn noch kurz auf dem Handy, bevor das Handysignal im Wald nicht mehr vorhanden ist und teilt ihm mit, dass sie ein seltsames Bauchgefühl hat. Das Gespür das etwas geschieht.
Da liegt sie leider nicht falsch, denn als Remington seine erste Kamerafalle überprüft und die Fotos auf der Speicherkarte ansieht, erkennt er, dass die Kamera einen Mord aufgezeichnet hat. Diese Bilder schocken den eher gefühlvollen Mann zutiefst und noch bevor er sich sammeln oder die schrecklichen Bilder verarbeiten kann, steht der Mörder vor ihm.

Eine schreckliche Hetzjagd durch die Wälder und Sümpfe Floridas beginnt….

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Michael Lister wuchs selber im Nordwesten Floridas auf, was wohl erklärt das er die Gegend und deren Pflanzen und Tierwelt in der Tat gut kennt. Dies bringt der Autor sehr gut rüber. Er beschreibt in seinem Roman so viele verschiedene Arten von Bäumen und Gewächsen, deren Namen ich nie gehört habe, weil es sie in unserer Fauna nicht gibt. Durch diese ausgiebigen Erläuterungen der Umgebung in der sich der Protagonist befindet und dem aussergewöhnlichen Schreibstil hatte ich als Leser das Gefühl selber durch die Wildnis zu fliehen.

Lister schreibt die Geschichte in der Gegenwartsform, was für die Spannung als erstes einmal schon gut ist. Dann schreibt er sehr viele Ein- oder Zweiwortsätze. Hier ein kleines Beispiel:

Knack.
Brechender Zweig.
Raschelnde Blätter.
Nahende Tritte.
Fluchtbereit.
Kampfwillig.
Erleichterung.

Diese Gehör- Gedanken- oder Gefühlsfetzen sind natürlich für die Spannung, die der Autor aufrechterhalten will, gut gewählt. Für meinen Geschmack wäre hier ein bisschen weniger mehr gewesen. Lister schreibt auch in ganzen Sätzen, auch in längeren Passagen aber immer wieder streut er diese Abschnitte ein. Die bilden auch teilweise eigene Kapitel. Mir gefällt diese Idee sehr, es war mir nur ein bisschen zuviel.

Weiterhin schreibt der Autor keine direkte wörtliche Rede. Ich meine, er benutzt keine „Gänsefüßchen“, er leitet sie mit einem Gedankenstrich ein: (- Wo bist du?). Ich denke er wollte damit die Schreiberei von „sagte er“ oder „schrie der andere“ usw. (der Spannung wegen) sparen aber ich hätte die „Gespräche“ auch mit Gänsefüßchen verstanden.
Ich finde es optisch einfach schöner eine wörtliche Rede mit “ als mit – einzuleiten. Das ist nur ein optischer Eindruck meinerseits.

Sehr gut gefiel mir, wie der Protagonist immer wieder in Erinnerungen gefallen ist um sich selber zu beruhigen oder in Gedanken mit seinem toten Vater gesprochen hat, um ihn um Rat zu fragen. In den Erinnerungen an seine Frau gab es auch sehr schöne, erotische Momente. Diese Mischung aus Spannung, Action und dann leisen Phasen haben mir gefallen.
Remington zwang sich ausserdem immer wieder an die beindruckendsten Fotos der Weltgeschichte zu denken, eben um kurz aufzuatmen und nicht durchzudrehen. Bilder wie der kleine Kennedy an J.F.’s Grab, Marilyn Monroe über dem Luftgitter, das kleine Mädchen nach dem Napalmangriff in Vietnam, Albert Einsteins Zungenfoto oder der „Kuss“ nach Pearl Harbour den der Marine Soldat der Krankenschwester gibt.
Dies waren immer die Stellen in denen ich als Leser dann auch mal durchatmen konnte, denn die Handlung ist doch sehr rasant und dramatisch.

Das Ende war für mich nicht vorhersehbar und hat mir gefallen.

Der Verlag präsentiert den Roman in einer gebundenen Ausgabe und das Cover in schwarz-weiss und dem gelben Schriftzug ist schlicht aber ansprechend.
Der Klappentext ist im Blocksatz geschrieben, was ordentlich aussieht. Die Inhaltsangabe ist kurz und knapp aber macht dennoch neugierig.

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Mein Fazit: Insgesamt 4 von 5 Sternen für diesen,  rasanten, spannenden Roman in einem aussergewöhnlichen Schreibstil, der mal anders ist.

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Ich danke dem Verlag Hoffmann und Campe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Wer auf der Startseite des Verlages ein bisschen runterscrollt, der kann den Buchtrailer anschauen. Leider ist es nicht möglich gewesen ihn hier einzubinden 😦

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© Buchwelten 2011

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