Die Veschwundenen von Marko Kilpi (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
im
grafit – Verlag
335 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-89425-666-1

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Olli Repo arbeitet als Streifenpolizist/Ausbildungsbetreuer und betreut junge Polizeianwärter. Er selber ist als ehemaliger Werbefachmann spät zur Polizei gekommen und geht voll in diesem Beruf auf. Der Streifendienst genügt ihm vollends, er hat nicht die Ambitionen ins Kriminalkommisariat aufzusteigen. Der direkte Umgang mit den Menschen in akuten, oft extremen Situationen, das Wissen zu helfen und Gutes zu tun, füllen ihn voll aus.
Dies hat leider schlechte Auswirkungen auf seine Ehe, diese scheint zu zerbrechen. Seine Frau trennt sich von ihm, sie sagt, Olli ziehe sich immer mehr in sich selber zurück und sei nicht fähig zu lieben.

Mit seinem derzeitigen Anwärter und Streifenbegleiter Heikki hat Olli ein schweres Los gezogen. Heikki ist sehr gewaltbereit und scheint nur bei der Polizei arbeiten zu wollen um dies ausnutzen zu können. Als sie in einer Garage einen Sexualstraftäter stellen, der auf abartigste Weise Teenager bei seinem Lustgewinn zusehen lässt, schlägt und tritt Heikki den Täter zusammen, was natürlich Folgen hat.

Dann verschwindet in etwa zur gleichen Zeit der B-Promi Sami spurlos aus der elterlichen Ferienhütte. Sami hat nach seinem vorzeitigen Rauswurf aus dem Big Brother Container dort mit seinem Bruder feiern wollen. Als er kurz die Hütte verlässt um sich zu erleichtern, kehrt er nicht zurück. Er ist spurlos veschwunden. Betrunken ist er nicht, Drogen hat er ebenfalls keine genommen, was ist geschehen … ?

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Die Verschwunden ist der zweite Roman von Marko Kilpi, sein Debüt Erfrorene Rosen, habe ich (leider) nicht gelesen, denn auf den Autor bin ich kürzlich zufällig durch den Newsletter des grafit-Verlags gestossen. Dem Verständnis der Handlung zu diesem Roman tat dies allerdings keinen Abbruch.
Ich habe gleich einen sehr guten Einstieg in das Buch gefunden, denn die Charaktere wurden gut beschrieben und mir nahe gebracht. Der Protagonist Olli war mir gleich sehr sympathisch. Dies lag nicht nur an seiner Arbeit, sondern auch daran, dass kein zu grosses Aufhebens um sein privates Leben gemacht wird. Er trinkt nicht,  hat kein Medikamentenproblem, er hat keine chronischen Schlafstörungen.
Nur seine Ehe geht leider in die Brüche. Dies wird auch immer wieder aufgegriffen aber nicht unnötig in die Länge gezogen.

Was mir an diesem Krimi sehr gut gefallen hat ist, dass die Hauptperson mal kein Kommissar ist, sondern einfach nur ein Streifenpolizist. Dennoch ermittelt er an den Fällen mit, da er gute (platonische) Kontakte zu der Ermittlerin Boman pflegt und sie auf seine Meinung und sein Bauchgefühl grossen Wert legt. Es wird Hand in Hand gearbeitet, ungeachtet der eigentlichen Hirarchien.

Der Spannungsbogen war gut gehalten, die Verfolgungsjagden haben mir u.a. richtig Spass gemacht. Sie waren sehr real und rasant beschrieben und die Arbeitsweisen der Polizei waren interessant zu lesen (z.B. das Auswerfen von Nagelteppichen in der allerletzten Sekunde).

Kilpi hat auch die übrigen Charaktere gut ausgearbeitet. Sei es Ollis Vorgesetzter Tolonen, der in seinem Inneren gar nicht so der harte Kerl  ist, der von ihm als Ermittlungsleiter erwartet wird oder auch die Täter.
Was bewegt Menschen, derart böse Dinge zu tun? Was gibt den Anlass, dass sie sich auf derart schreckliche Art und Weise in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit schieben wollen/müssen? Auf diese Dinge geht der Autor ein und schildert sie sehr gut.

Das Trash-TV schneidet bei Marko Kilpi gar nicht gut ab, produziert es doch reihenweise angebliche Superstars und Sternchen, die als Vorbilder gelten, obwohl sie eigentlich nichts anderes tun als Mist von sich preiszugeben oder vor den Kameras dummes Zeug zu reden. Diese Einstellung fand ich sehr interessant. Ebenso geht er darauf ein, wie sich (oft auch sehr junge) Menschen im Internet hinter falschen Identitäten verstecken um sich aufzuplustern und Anerkennung zu finden.

Zum Anlaß für diesen Roman hat der Autor die Amokläufe an finnischen Schulen genommen und versucht dem „Warum“ auf den Grund zu kommen. Dies ist ihm sehr gut gelungen und ich hatte ein absolutes Lesevergnügen.

Das Ende hat mir auch sehr zugesagt. Immer wenn ich dachte, dass müsste es nun gewesen sein und es nähert sich nun ruhig und beschaulich dem Ende, wurde ich eines besseren belehrt. Immer wieder ging es noch weiter und es geschahen unvorhergesehene Dinge.

Das Buch präsentiert der grafit-Verlag in einer gebundenen Ausgabe mit Schutzumschlag. Das Cover ist in dezenten Farben gewählt, wass genau es darstellen soll, ist nicht erkennbar, machte mir persönlich aber nichts aus :-). Der Klappentext ist ordentlich im Blocksatz dargestellt, verrät nicht zuviel und macht neugierig.

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Mein Fazit: Ich vergebe die volle Punktzahl 5 von 5 Sternen für dieser Krimi mit einem Ermittler, der keiner ist. Spannend und fesselnd geschrieben und mit einem Hintergrund, der nachdenklich macht.

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Ich danke dem grafit-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2011

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