Buchwelten im Gespräch mit Thomas Elbel

Im Spätsommer diesen Jahres erschien der Debüt-Roman ASYLON von Thomas Elbel im Piper Verlag. Er hat mit seinem Werk ein postapokalyptisches Endzeitdrama geschaffen, dass ich in meiner Rezension bereits besprochen habe und das absolut lesenswert ist.

Ich freue mich, dass Thomas Elbel sich die Zeit für ein Gespräch genommen hat.

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Dein Debüt ASYLON ist ein postapokalyptisches Endzeitdrama, sog. Dystopie, wurde aber mittlerweile in das Genre „Science Fiction“ eingeordnet. Warum hast Du gerade einen Roman in diesem Bereich geschrieben? Bist Du selbst ein großer Fan dieser Stories und wolltest daher solch ein Werk erschaffen?

Oh, ja. Ich bin tatsächlich ein großer SciFi-Fan, von Space Opera (Dune) bis zu Crossoverleckerbissen wie Pandorum. Vor den „Tributen von Panem“ wurden Dystopien – mit Ausnahme von einigen Zirkeln Eingeweihter – ohnehin dem Bereich SciFi zugeschlagen. Von der normalen SciFi unterscheiden sich Dystopien meist dadurch, dass sie näher an der Jetztzeit sind und bereits absehbare, tendenziell negative Entwicklungen aufgreifen und extrapolieren. Ich mag ihre Lebensnähe. An unseren schlechteren Tagen scheint unsere Welt ohnehin schon heute dystopische Züge haben. Innerlich setzen wir alle uns permanent mit Fragen auseinander wie z.B.: „Was wäre wenn die Wirtschaftskrise das Finanzsystem des ganzen Planeten zu Fall bringt?“, „Was wäre wenn Antibiotika nicht mehr wirken?“, „Was wäre wenn das Klima noch schneller ansteigt, als wir jetzt schon vermuten?“ etc. In unseren pessimistischen Momenten sind wir also alle Dystopisten. Ich greife diese Gedanken auf und verarbeite sie literarisch. Vielleicht ist das eine Art lustvoller Angstexorzismus.

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Du liest selber – soweit es Deine Zeit erlaubt – gerne Bücher. Welche Schriftsteller sind Deine Liebsten und gibt es für Dich als Autor Vorbilder?

E.T.A. Hoffmann, Franz Kafka, Philip K. Dick, Stephen King. Allgemein: Autoren die es schaffen, eine Atmosphäre zu kreieren, in der das Surreale zur Selbstverständlichkeit wird.

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Du bist ein relativ junger Professor der Jura. Wie lässt sich für Dich diese Arbeit mit der Schreiberei abstimmen?

Da die Professur selbst viel Schreibarbeit beinhaltet, ist die Kluft vielleicht gar nicht so groß, wie man denkt. Es gibt ja das Phänomen der schreibenden Juristen, also eine statistisch auffällige Anzahl literarisch produktiver Rechtswissenschaftler. Oben stehen schon zwei Beispiele. Offensichtlich passt das gut zusammen, ohne dass ich genau sagen könnte, warum.

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Du hast während Deines Studiums in den Staaten gelebt. Wolltest Du jemals dort bleiben oder kam das für Dich nie in Frage?

Nachdem ich da war, kann ich guten Gewissens sagen, dass es für mich immer ein Sehnsuchtspunkt sein wird, ich es aber dort lebenslang nicht aushalten könnte. Ich lebe lieber da, wo es mehr Vollkornbrot und weniger Waffen gibt.

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Du lebst nun in Berlin. Was bedeutet die Hauptstadt für Dich? Liefert Sie Dir nur einen schönen Wohnsitz oder durch ihre bunte Vielfalt auch Inspiration für Deine Arbeit als Autor?

Berlin ist sicherlich eine tolle Inspirationsquelle. Es ist so gegensätzlich. Wenn es – wie jetzt – kalt und regnerisch ist, lebt man in einer kräftesaugenden Steinwüste und im Sommer ist es dann Montmartre an der Spree.

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Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus? Wechselst Du rasant zwischen Uni und Arbeitszimmer oder schreibst Du nur an „professorfreien“ Tagen?

Eine Professur besteht neben den Vorlesungen und Gremiensitzungen zu 60 bis 70 Prozent aus Schreibtischarbeit. Während des laufenden Semesters komme ich dann allerdings nicht zur Arbeit an Buchprojekten. Das muss also bis zur vorlesungsfreien Zeit warten.

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Wie viele Tage schaffst Du es ohne das Schreiben? Geht das überhaupt oder lassen Dir deine Ideen so wenig Ruhe, dass sie danach ’schreien‘ niedergeschrieben zu werden?

Meine Ideen schreien Gottseidank nicht. Wenn ich an ihre WG-Tür klopfe, bitten sie mich meist freundlich zum Tee hinein. An manchen Tagen wollen sie allerdings auch mal unter sich sein. Nein, im Ernst: Ich bin ein recht systematischer Schreiber. Das ist eben durch die Wechsel zwischen Brot- und Nebenberuf bedingt. Tatsächlich muss ich mich dann zum Beginn der Arbeit an einem Projekt auch erst mal wieder in meinen Kreativmodus einfinden. Das sind immer ein paar quälende Tage des Übergangs. Aber irgendwann fließt es dann wieder. Es wäre schon ein Traum, dass irgendwann besser kombinieren zu können. Aber ich stehe halt in beiden Berufen erst am Anfang. Da muss sich sicherlich vieles noch zurechtrütteln.

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Aus Deinem Nachwort weiß ich, dass Du zu ASYLON von Filmen wie z.B. „Die Klapperschlange“ mit Kurt Russel inspiriert wurdest. Bezeichnest Du Dich als Filmfreak? Ist das eines Deiner Hobbies, dem Du gerne und regelmäßig nachgehst?

Ich bin eher jemand, der sich hier und da mal in einen Film verliebt, den er dann wieder und wieder sieht. Dafür verliebe ich mich eher selten. Letztes Wochenende habe ich mir mal wieder „Die neun Pforten“ angeguckt, zum etwa halbdutzendsten Mal; diesmal auf Englisch, mit beiden Katern auf dem Schoß, während mein drei Monate alter Sohn an seinem Spielreck rumwerkelte. Das war herrlich. Polanski ist ein begnadeter Regisseur. Vielleicht das filmweltliche Pendant zu Kafka. Das Skurrile wächst aus der Normalität, als hätte es schon immer hinter der nächsten Ecke gelauert. Ich muss unbedingt mal die Romanvorlage lesen. Von Pérez-Reverte stammt ja auch die Alatriste-Reihe, die auch sehr ansprechend verfilmt wurde.

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Meine Standard- und Ritualfrage in meinen Interviews wurde bereits in einem anderen Gespräch gestellt, daher weiß ich bereits, dass Du am liebsten mit leisen Hintergrundgeräuschen Deiner Familie schreibst. Arbeitest Du dann an einem Laptop auf der Couch oder hast Du ein separates Arbeitszimmer?

In unserem familiären Wohnzimmer ist für mich eine Arbeitsecke reserviert. Auf der Couch schreiben könnte ich gar nicht. Dafür kann ich sogar dann schreiben, wenn meine Gattin auf dem Sofa „Dr. House“ guckt. Ich bin der perfekte Realitätsausblender.

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Hast Du Dir den Titel ASYLON selber ausgedacht? Wenn ja, ist es eine Ableitung von „Asyl“ oder dem englischen Asylum – Anstalt? Wenn nein, was ist die Bedeutung, die Du im Sinn hattest?

Asylon ist altgriechisch für Zuflucht. Ich weiß noch, dass ich mit allen möglichen anderen Symbolnamen für einen letzten Ort der Erde gespielt habe: „Ultima Thule“, „Vineta“, „Armageddon“, etc. War mir aber alles zu pathetisch und abgeschmackt. Ich hatte dann zwar noch weitere Titelideen, die eben andere Aspekte des Buches hervorhoben, aber Asylon war die, die Piper am besten gefiel. Ich und Cheflektor Carsten Polzin haben uns dann in der Vorbereitungsphase einen Spaß draus gemacht, unsere Emailbetreffe immer daran anzulehnen. In der Vorphase zur Leipziger Buchmesse gab es da einen Emailstreak „Messylon“. Eine Mail zu meinem Buchentstehungsblog bei Piper titelte „Diarylon“. Ziemlich albern. Ich war immer ein bisschen ängstlich, die Leute könnten Asylon mit einem Fachschmöker für Integrationspolitik verwechseln. Bis jetzt hat sich allerdings noch niemand in dieser Hinsicht geäußert.

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Eigentlich stelle ich nur 10 Fragen aber da Du ein so ausführliches Nachwort geschrieben hast und ich ein Fan eben dieser bin: Liest Du selbst auch sehr gerne Nachworte und … liest Du sie– so wie ich – auch immer zu Beginn des Buches?

Ja, mache ich in der Tat. Schön zu wissen, dass ich nicht der einzige bin, der dieser schlechten Angewohnheit frönt.

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Lieber Thomas, ich danke Dir für die Beantwortung meiner Fragen und die Zeit die Du Dir genommen hast.

Ich wünsche Dir für Deinen Debüt-Roman ASYLON viel Erfolg und ich bin bereits sehr gespannt auf das, was wir in der Zukunft noch von Dir lesen dürfen…

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Zu Internetpräsenz von ASYLON

ASYLON bei Piper-Fantasy

ASYLON bei Facebook

Rezension zu ASYLON bei BUCHWELTEN

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© Buchwelten 19.11.2011

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Eine Antwort auf „Buchwelten im Gespräch mit Thomas Elbel

  1. Pingback: Megapolis von Thomas Elbel | Buchwelten

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