Das Rote Licht des Mondes von Silvia Kaffke (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch bei
rororo
512 Seiten
Preis: € 9,99 €
ISBN:  978-3-499-24813-9

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Der historische Roman spielt in Ruhrort im Jahre 1854. Ist Ruhrort heute „nur“ noch ein Stadtteil der Stadt Duisburg, war es damals eine wichtige, eigenständige und stetig anwachsende Stadt. Sie war mit ihrer Lage direkt am Rhein und dem damals schon sehr modernen und geschäftigen Hafen ein wichtiger Umschlagplatz und industrieller Standort, der Menschen aus verschiedenen Bereichen und Ländern angezogen hat.


Lina Kaufmeister ist eine wunderschöne Frau von Anfang 30 und Tochter aus wohlhabendem Hause. Sie lebt gemeinsam mit Ihrer Familie im geräumigen Wohnhaus auf der Carlstrasse. Ihre Schwestern sind beide verheiratet und haben Kinder. Mina, ihre Zwillingsschwester, lebt mit Mann und Kind in Brüssel. Lina hat einen Makel. Durch eine Krankheit in ihrer Kindheit hat sie eine steife Hüfte zurückbehalten und hinkt. Da hilft auch ihr schönes Gesicht nicht, solch eine Frau will keiner heiraten.

Daher lebt Lina nach wie vor im elterlichen Haus, wo sie den Haushalt führt, die Kleider für die gesamte Familie näht und ändert und sich hingebungsvoll um den an der „Schüttelkrankheit“ leidenden Vater kümmert.

Die Vormundschaft für Lina hat ihr älterer Bruder Georg inne. Er ist ein sehr jähzorniger Mann, der mit einer Holländerin verheirat ist, die zu faul ist den Haushalt zu leiten. Lina ist sicher, ihr Bruder will sie nur weiterhin im Hause haben, damit sie seiner Frau die lästigen Pflichten abnimmt und um sie als billigste Arbeitskraft auszunutzen.

Als sie eines Abends von einem Besuch bei ihrer Freundin kommt, stößt sie durch Zufall auf die grausam zugerichteten Leichen zweier Kinder. Beiden wurde der Brustkorb aufgebrochen und die Herzen aus dem Leibe gerissen. Der älteren wurde außerdem der Unterleib aufgeschnitten und das ungeborene Kind aus dem Körper entfernt. Lina ist natürlich entsetzt aber andererseits hat die ihr angeborene Neugierde sie gepackt und sie will wissen, was hinter diesen Morden steckt.

Sie lernt den ermittelnden Commisar Borghoff kennen und dieser ist von der schlagfertigen, frischen, gerissenen Art dieser Frau angetan. Sie ist für ihn so absolut untypisch für die Frauen dieser Zeit und er bespricht sich in diesen Ermittlungen immer wieder mit Lina und hofft sogar auf ihren Rat oder Denkanstösse.


Als erneut Morde nach dem gleichen Muster geschehen ist Lina sicher, dass es in Ruhrort eine Verschwörung des Bösen gibt. Doch wer oder was soll das sein? Und was ist der Grund für solch grausame Morde? Lina lässt nicht locker und als sich ihr Leben dann in extremster Weise ändert, bringt sie sich zu ihren bisherigen Problemen auch noch in große Gefahr …

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Auf diesen Roman bin ich durch absoluten Zufall gestoßen. Als ich in den Vorbereitungen zu meinem Interview mit Horst Eckert war, stöberte ich durch seine Facebook Fanseite um mich ein wenig durch seine persönlichen Interessen zu lesen. Da stieß ich dann auf: Ruhrort-Krimi als Schlagwort und stutzte: Ruhrort? Das Ruhrort? Duisburg-Ruhrort, wo ich viele Jahre gelebt habe und meine Kinder ihre ersten Lebensjahre verbrachten? Ich klickte den Link und landete auf der Beschreibung des Romans.
Da erfuhr ich dann, dass es sich um einen Krimi im eben
dem Ruhrort handelt und zwar um einen historischen. Meine Neugierde war natürlich sofort geweckt und ich stellte mich beim Rowohlt Verlag vor und bat um die Zusendung eines Rezensionsexemplares, welches ich dann bereits 2 Tage darauf im Briefkasten vorfand.


Relativ zeitnah wollte ich den Krimi natürlich auch lesen, denn ich war sehr gespannt auf die Kombination von Krimi und Historie. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Silvia Kaffke schreibt flüssig und angenehm, für mich ein sehr guter Schreibstil. Sie hat die Begriffe der damaligen Zeit verwandt und ebenso die alten Schreibweisen. Teilweise wird niederländisch oder „Ruhrorter Platt“ gesprochen. Ich konnte beides lesen, denn ich bin Niederländerin und habe viele Ruhrorter Platt sprechen hören. Mein ehemaliger Schwiegervater war auch gut darin. Wobei das heutige mit dem damaligen nicht vergleichbar ist, wie ich im Nachwort erfuhr. Silvia Kaffke musste das Platt etwas „entschärfen“.


Es hat mir großen Spaß gemacht durch die Strassen und Gassen im alten Ruhrort zu streifen und die Menschen der damaligen Zeit kennen zu lernen.

Lina ist eine sehr gut ausgearbeitete Protagonistin, die absolut liebenswert ist und einen sehr hellen Kopf hat. Aber auch die Nebencharaktere sind sehr real, authentisch und glaubhaft dargestellt.

Kaffke hat in ihrem Roman vieles verarbeitet: Kriminalistik, das Elend der damaligen Zeit, das sogar Kinder zur Prostitution zwang, die aufstrebende Industrie im Ruhrgebiet und die Stellung der Frauen zu dieser Zeit.

Aber auch Dinge wie Mut, Tapferkeit und Durchsetzungsvermögen kamen neben Hinterlist und ausartenden dunklen Kulten nicht zu kurz.

Für mich ist der Roman absolut vielseitig. Ich habe viel erfahren, Bekanntes kennen gelernt (z.B. den Bürgermeister der damaligen Zeit William Weinhagen: ich habe in der nach ihm benannten Strasse Weinhagenstr. Nr. 21 in der dritten Etage gelebt…).

Auch über die Zugehörigkeit der Städte damals und heute und die Familie Franz Haniel, die damals sehr groß war und auch noch ein wichtiger Name in Ruhrort ist, konnte ich neues erfahren.

Die Liebe kam ebenso nicht zu kurz, es entwickelt sich eine besondere Verbindung zwischen zwei Menschen die einfach Freude bereitet hat.

Für mich ist „Das Rote Licht des Mondes“ ein absolut empfehlenswerter Roman für alle, die gerne Krimis und/oder historisches lesen und die starke Persönlichkeiten mögen. Dazu muss man Ruhrort nicht zwingend kennen oder dort gelebt haben aber ich gestehe: ich fand gerade das richtig klasse. Immer habe ich überlegt, in welcher Hausnummer auf der Carlstrasse die Familie Kaufmeister wohl gelebt hat oder mir vorgestellt, ob oder wieviele der damaligen Häuser wohl noch erhalten sind? 

Vieles an Hintergrundinformationen hat die Autorin noch im Nachwort erklärt. Ihre sehr ausführliche Recherchearbeit ist aber bereits während des Lesens deutlich zu spüren.

Ich habe große Lust alsbald mal wieder Ruhrort zu besuchen und durch die Strassen des Romans zu laufen, auf der Mühlenweide spazieren zu  gehen und dabei einen Blick auf den noch stehenden Hebeturm auf der Homberger Seite zu werfen!

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Mein Fazit: 5 von 5 möglichen Sternen aus den oben schon erwähnten Gründen.„Das Rote Licht des Mondes“ ist ein besonderer Krimi, der sehr vieles zu bieten hat. Der Roman hat mir großen Spaß gemacht, war spannend, fesselnd und zusätzlich sehr informativ! Ich werde ihn aus diesen Gründen auch zu Weihnachten verschenken. Natürlich nicht mein Exemplar!

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Ich danke dem Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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Wer Lust hat mehr über Ruhort zu erfahren, der kann hier ein wenig stöbern:     Ruhrort.de

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© Buchwelten 2011

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2 thoughts on “Das Rote Licht des Mondes von Silvia Kaffke (5/5)

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