Der Sog von Stephen M. Irwin (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei Blanvalet
544 Seiten
Preis: 8,95 €
ISBN:  978-3-442-37575-2

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Nicholas (Nick) Close ist gebürtiger Australier, lebt aber jedoch die letzten Jahren in London. Dort hat er gemeinsam mit seiner jungen Ehefrau Cate ein alte Wohnung angemietet, die sie gemeinsam zu einem kleinen Kuschelnest gestalten wollen. Doch während der Renovierungsarbeiten geschieht ein Unglück, dass Nicks Leben völlig verändert.
Eigentlich geht nur das Schleifpapier aus und Nick will in den nächsten Baumarkt fahren um Nachschub zu besorgen. Dummerweise nimmt er das Motorrad, weil der PKW extrem zugeparkt ist.

Als Nick auf der Fahrt einen Unfall hat und Cate per Telefon benachrichtigen möchte, stürzt sie in den Moment in welchem sie das Telefon erreichen will von der Leiter und schlägt auf dem Wannenrand auf. Sie bricht sich das Genick und stirbt.

Von diesem Moment an ist nichts mehr wie es war. Nicholas leidet unter Selbstvorwürfen, extremen Kopfschmerzen und zieht sich immer mehr zurück. Das schlimmste jedoch ist, dass er plötzlich Geister sieht. Besser gesagt, er sieht ihren Tod, sieht sie sterben. Und das immer und immer wieder. In einer Endlosschleife sieht er Menschen, die z.B. auf der Straße überfahren werden und auch seine geliebte Cate immer wieder von der Leiter stürzen.

Nick sieht den einzigen Ausweg darin, zurück nach Hause zu gehen. Wieder nach Australien in seine Heimatstadt Tullong. Doch auch dort warten schlimme Erinnerungen auf ihn. Im Alter von 10 Jahren hat er dort seinen besten Freund Tristam verloren. Damals wurden sie von einem Mann in den unheimlichen Wald gedrängt und nach dem die Jungen sich trennten, hat Nick Tristam nie wieder lebend gesehen.

Der Wald ist auch nach so vielen Jahren noch genauso düster und vor allem unangetastet wie in seiner Kindheit. Nie wurde er gerodet und als Bauland verwendet und auch heute noch strahlt der Wald die seltsame, ungreifbare Gefahr aus. Dieser Ort scheint ein schreckliches Geheimnis zu wahren und Nick wird magisch von ihm angezogen.

Als Nick kurz nach seiner Heimkehr Zeuge wird, wie ein weiteres Kind in dem Wald verschwindet und einige Tage später seine Leiche gefunden wird kann Nick nicht anders. Er muss dem dunklen Geheimnis auf die Spur kommen, er wird von diesem dunklen Wald angezogen, wie von einem Sog …

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Ich habe mir das Buch mit einem Gutschein gekauft. Der Klappentext machte mich neugierig und da es sich um ein Debüt handelte, habe ich zugegriffen.

Kurz und knapp: ein fantastisches Buch. Fesselnd und spannend von der ersten bis zur letzten Seite! Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, er war sehr detailgetreu und bildlich. Hier möchte ich einfach ein kleines Beispiel bringen:

„Seine Beine stießen an dicht mit Moos bewachsene Wurzeln. Krakelige Zweige zerkratzten sein Gesicht, und dunkle, stechende Blätter klatschten ihm an den Kopf. Parasitenranken, dick wie Handgelenke und mit grauem Pilz gesprenkelt, ringelten sich wie gestürzte Fragezeichen, lauernd und würgebereit. Die breiten, gestreiften Stämme einheimischer Ulmen und alter Feigen waren nur eine Armspanne entfernt, und das Blätterdach darüber wurde immer dichter, bis es fast wie ein Festkörper war und nur winzige Himmelssaphire in die smaragdgrüne Düsternis darunter blinkten.“

In dieser Art und Weise zieht sich der Stil des Autors durch das ganze Buch. Die Ausarbeitung der Charaktere war sehr greifbar und genau. Nick, den Protagonisten, zeichnet eine traurige Einsamkeit, ein verbissener Ehrgeiz und ein ehrliches Wesen aus.

Seine Mutter ist eine sehr misstrauische, skeptische Person. Sie ist in sich gekehrt, kann nicht aus ihrer Haut heraus und kämpft täglich mit und gegen ihre eigenen Emotionen.

Suzette, Nicks Schwester, ist eine offene, lebenslustige Person, die die Sorgen und Vermutungen ihres Bruders sehr ernst nimmt und ihn in seinen Nachforschungen voll und ganz unterstützt. Etwas das der Protagonist selber von seiner Schwester niemals erwartet hätte.

Der Autor hat den Spannungs- und Auflösungsbogen der Handlung gut gesponnen und die Recherchen, die zur Aufklärung beitragen waren sehr interessant und geschickt miteinander verwoben.

Dieser Roman ist für mich ein Mystery-Thriller, den ich kaum aus der Hand legen konnte und daher ein absolut gelungener Debüt Roman. Ich kann ihn sehr empfehlen, möchte aber eine Kleinigkeit anmerken:

Leser mit einer Spinnenphobie, die diese haarigen Krabbeltiere auch gelesen nicht ertragen können, sollten sich überlegen das Buch zur Hand zu nehmen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für ein sehr gutes geschriebenes, fesselndes und spannendes Thriller-Werk der anderen, düsteren Art.

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© Buchwelten 2012

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