Mein böses Herz von Wulf Dorn (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
im  cbt Verlag
416 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN:  978-3-570-16095-4

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Die 16-jährige Doro hat einiges durchgemacht. Nach dem Tod ihres kleinen Bruders Kai (er war ca. 1 Jahr alt) ist die Ehe ihrer Eltern zerbrochen und Doro wurde in die Psychiatrie eingewiesen, weil sie unter Halluzinationen litt. Sie hat in der Schule ihren toten Bruder gesehen und sich schreiend in der Toilette eingeschlossen. Mittlerweile wird sie nur noch medikamentös behandelt und ist nach wie vor in ambulanter Psychologischer Behandlung.

Die soll ihr helfen, ihre Erinnerung wieder zu erlangen, denn sie hat komplett alles vergessen, was am Abend vor Kais Tod geschehen ist. Sie weiss nur noch, dass sie es war, die den Kleinen morgens tot in seinem Gitterbettchen gefunden hat und dass sich ab diesem Moment ihr Leben vollständig verändert hat.

Doro ist eine Synnie, eine Synästhetikerin. Das sind Menschen die viel intensivere Sinne haben als üblich. Sie können unter anderem die Farben der Menschen sehen. Die Farben, die ihrer Aura entsprechen. Das macht es Doro nicht unbedingt leichter. Denn als Synnie ist sie für heftige Träume, Stimmen in ihrem Kopf und Halluzinationen zusätzlich noch viel empfänglicher.

Doros Mutter hat auf dem Land, im kleinen Kaff Ulfingen, einen neuen Job gefunden und dort für sich und ihre Tochter ein kleines Hexenhäuschen angemietet. Sie hofft dort auf einen Neuanfang und natürlich auch, dass die neue Umgebung Doro gut tut und sich ihr gemeinsames Leben endlich wieder normalisiert.

Dass der neue Therapeut auch gleich ihr Nachbar ist, trifft sich natürlich gut.

Es schein alles recht gut anzugehen, das neue Haus ist zwar eher provisorisch eingerichtet, aber hat einen besonderen Charme. Doro und ihre Mutter fühlen sich sehr wohl und beginnen ein neues Verhältnis aufzubauen. Sie entwickeln sich zu zwei besten Freundinnen, was Doro sehr gut gefällt. Ist es doch völlig anders, als das frühere Mutter-Tochter-Ding.

Eines Nachts wird Doro von einem Gewitter geweckt und Lärm aus dem Garten treibt sie hinaus. Die Türe der Gartenlaube knallt im Wind ständig hin und her, daher schnappt sie sich eine Taschenlampe, um den Krach abzustellen. Da sieht sie plötzlich einen Jungen in der Laube. Er liegt unter dem Tisch. Blass, verwirrt, dürr und er redet wirres Zeug. Er bittet Doro um Hilfe und als sie diese holen will und danach zur Laube zurückkehrt, ist er plötzlich verschwunden.

Niemand glaubt Doro, weder ihre Mutter, noch ihr Therapeut. Sie ist verzweifelt, weil jeder in ihr nur den Freak sieht, der Stimmen hört und einfach nur „Psycho“ ist. Als Doro dann durch Zufall erfährt, dass dieser Junge bereits einige Tage bevor sie ihn in der Laube liegen sah Selbstmord begangen hat, ist sie einerseits völlig verwirrt, beginnt aber andererseits nun erst recht der Sache auf den Grund zu gehen.

Denn Doro ist sicher, sie ist nicht irre oder verrückt! Behilflich dabei ist ihr Julian, der Sohn ihres Nachbarn. Ein trauriger aber netter Junge, der es Doro angetan hat ….

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Als erstes möchte ich loswerden, dass ich am liebsten sofort einen Stern abgezogen hätte, weil der Verlag so „klug“ war, vor den Anfang des Romans ein Interview mit dem Autor abzudrucken. Dieses ist an sich gut, aber es enthält leider einige Aussagen, die tatsächlich als Spoiler zu werten sind, weil sie viel zu viel vom Inhalt verraten. Und das ist eine Schande bei diesem tollen Roman.

Nun, da der Autor aber offensichtlich nichts für diese Entscheidung des Verlages kann, habe ich diese erste „Enttäuschung“ einfach ausgeklammert.

Dennoch sollte der Verlag sich ernsthaft überlegen, zukünftig solche Autoreninterviews ans Ende des Buches zu stellen.

Der Roman ist als Jugendbuch für Teenager ab 14 eingestuft aber auch mich als 42-jährige hat er völlig in seinen Bann gezogen.

Ein sehr guter Aufbau, ein schöner Schreibstil, der eigentlich recht einfach, aber sehr flüssig und angenehm zu lesen ist.

Die Protagonistin Doro ist mir sehr ans Herz gewachsen, mit allen ihren Ecken und Kanten und der Autor hat die 16-jährige und ihr inneres Gefühlschaos sehr gut ausgearbeitet. Und das, obwohl der Autor kinderlos ist, wie ich im besagten Interview erfuhr. Jedoch arbeitet Wulf Dorn in einer Psychiatrischen Abteilung und sein Wissen, auch über Synästhetiker, hat er sehr gut rübergebracht. Es war hochinteressant zu lesen, wie solche Menschen funktionieren und was traumatische Erlebnisse mit unserer Psyche anstellen können.

Der Grundkern der Geschichte ist, dass wir alle einen bösen Teil in uns tragen, nur ob er zum Zuge kommt, liegt allein bei uns.

Dieser Roman ist ein äußerst guter Psycho-Thriller geworden, der sehr gut verständlich, aber dennoch absolut spannend und fesselnd ist. Es geht um Jugendliche, Musik, Mystery, alles Dinge die auch uns Erwachsene ansprechen. Marilyn Manson und Sisters of Mercy (mit „y Herr Dorn 🙂 !) höre ich übrigens selber sehr gern.

Die Szene in der leerstehenden Eisengießerei hat mir übrigens außerordentlich gut gefallen. Sind wir als Jugendliche nicht auch gerne in solch verlassenen Gebäuden herumgeschlichen, auch wenn wir uns vor Angst beinahe in die Hose gemacht haben? Ich schon.

Für mich ein Spitzenbuch, dass ich in zwei Tagen „gefressen“ hatte. Hiermit hatte neben der spannenden Handlung gewiss auch die Aufmachung des Buches mit den extrem kurzen Kapiteln zu tun. Immer wieder wurde ich verleitet noch eines zu lesen und meist wurden es dann noch mehr.

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Mein Fazit: Volle Punktzahl 5 von 5 Sternen für diesen spannenden Thriller, mit sehr guten Charakteren, der keinesfalls nur für Jugendliche geschrieben ist, sondern auch Erwachsene Leser zu fesseln versteht. Ein Lob an den Autor.

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Ich danke Amazon und cbt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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© Buchwelten 2012

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5 thoughts on “Mein böses Herz von Wulf Dorn (5/5)

  1. Hallo!
    Sage mal, wo ist denn in dem Buch ein Interview mit dem Autor? Das gibts bei mir gar nicht…. :o/ Was steht denn in dem Interview????

    Das Buch hat mir auch sehr gut gefallen, wie alle bisher von Wulf Dorn! :o)

    Viele Grüße,
    Claudia

    • Hallo Claudia,
      ich habe ein Leseexemplar von cbt über Amazon erhalten, dass ist auch ein Taschenbuch.
      Und da ist vorne, bevor das eigentliche Buch anfängt, ein seitenlanges Interview abgedruckt
      (auch mit vielen Bildern).

      LG Marion

  2. Hallo Marion,
    vielen Dank für die Antwort!
    Schade, dass das Interview in der „normalen“ Ausgabe des Buches nicht enthalten ist! :o/

    LG,
    Claudia

  3. Pingback: Bücherneuzugänge im März … « Buchwelten

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