Die Frucht des Bösen von Lisa Gardner (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im Rowohlt Verlag
560 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-499-25712-4

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Der Thriller erzählt die Ermittlungen um zwei extreme Mordfälle in Boston, die die Ermittlerin D.D. Warren aufzuklären hat. Dem ersten Mord fällt eine beliebte Familie zum Opfer. Sie war unauffällig, in der gesamten Nachbarschaft gerne gesehen und es gibt keinen erkennbaren Grund für deren Auslöschung.
Am nächsten Tag wird ein weiterer, ähnlicher Mord an einer kompletten Familie entdeckt. Nur dass diese Familie das komplette Gegenteil der ersten Opfer war: Diese Familie war im Drogenmilieu einschlägig bekannt und gehörte definitiv zur Unterklasse.

D.D. Warren glaubt nicht, dass es sich um Zufälle handelt, zumal es einige Übereinstimmungen gibt. Die Mordwaffen waren sowohl eine Feuerwaffe, als auch ein Messer. Und in beiden Mordfällen wurden sogar die kleinen Kinder (z.B. ein Säugling in seiner Wiege) umgebracht.

Gemeinsam mit ihrem Partner Phil und dem Professor Alex, der einfach mal wieder die praktische Arbeit der Ermittlung miterleben will um nicht einzurosten, beginnt D.D. Warren mit den Untersuchungen und versucht den Dingen auf den Grund zu gehen …

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Dies ist der zweite Fall der Ermittlerin D.D. Warren, für mich war es das erste Buch überhaupt von Lisa Gardner. Erzählt wird der Thriller in verschiedenen Handlungssträngen.

Zunächst gibt es Danielle, eine junge Frau, die vor 25 Jahren einizige Überlebende eines Familiendramas war: Ihr Vater hat ihre Mutter, die beiden Geschwister und dann sich selbst getötet. Warum er Danielle verschont hat, weiss sie bis heute nicht und diese hat nach wie vor mit den Erlebnissen zu kämpfen. Sie arbeitet als Krankenschwester auf einer Station für psychisch kranke Kinder und kümmert sich aufopferungsvoll um sie. Sie geht auf in ihrer Arbeit, nutzt diese als Eigentherapie. Kann sie schon sich selbst nicht helfen, dann wenigstens den Kindern in ihrer Obhut.

Dann gibt es da Victoria: Mutter von Evan, einem psychisch kranken 8-jährigen, der mitunter sehr gefährlich ist, denn er will seine Mutter töten. Wobei nicht ER das will, das Phantom sagt ihm, er muss es tun. Victoria lebt eigentlich kein Leben mehr, sondern versucht ausschließlich alles in ihrer Macht stehende sich um ihren Sohn zu kümmern und dabei nicht verletzt zu werden. Ihr Ehemann hat sie verlassen und die gemeinsame Tochter, 6 Jahre alt, mit sich genommen. Der Bruder war einfach zu gefährlich für das Mädchen. Victoria sieht ihre Tochter nur einmal in der Woche und ihr Ehemann hat kein Verständnis dafür, dass Victoria Evan nicht in eine entsprechende Anstalt gegeben hat, um für den Rest der Familie da zu sein.

Dann gibt es natürlich noch den Handlungsstrang um D.D. Warren und ihre Kollegen, die mit den Ermittlungen und der Aufklärung der Mordfälle beschäftigt sind.

Im Laufe der Geschichte verbinden sich die Handlungsstränge und dies ist Autorin gut gelungen. Die Protagonistin war mir eigentlich nicht mal sonderlich sympathisch. D.D. Warren scheint eine etwas bissige und zickige Ermittlerin zu sein, die nicht unbedingt leicht ist.

Was mich an diesem Buch aber absolut gefesselt hat, waren die Hintergründe und die Ausführungen um die Störungen der kranken Kinder: Warum will ein 8-jähriger seine Mutter töten? Was geht in einer 9-jährigen vor, wenn ihr Vater sich vor ihren Augen erschiesst? Was ist ein Wolfskind und warum kommt es nur dann zur Ruhe, wenn es sich benimmt wie eine Hauskatze und sich im Sonnen- oder Mondlicht einrollt? Wie geht es einem Kind, dass jahrelang in einer ausgeschalteten Tiefkühltruhe mit einigen Luftschlitzen gefangen wurde?

Diese Themen werden behandelt und das war es, was mir an diesem Buch sehr gefallen hat. Die Art und Beschreibungen wie die Schwestern und Pfleger in der Psychiatrie versucht haben, diesen Kindern zu helfen und zwar ohne sie mit Medikamenten zuzudröhnen, sie zu fixieren oder mit Stromschlägen zu „behandeln“. Dies war sehr gut recherchiert und wurde mir als Leserin spannend und interessant nahegebracht.

Die Art, wie die Autorin die Krankenschwester Danielle mit ihrem Trauma hat umgehen lassen, gefiel mir auch besonders. In Rückblenden war ich als Leserin immer Zeuge der damaligen Nacht. Danielle ist für mich die heimliche Protagonistin, sie hat (natürlich) einige Ecken und Kanten aber sie war mir recht schnell ans Herz gewachsen.

Auch die Erklärungen wie Eltern mit ihren „schwierigen“ Kindern umgehen und sich zuletzt an jeden Strohhalm klammern – und wenn es Wunderheiler sind – war für mich sehr plausibel geschrieben.

Die Aufklärung der Mordfälle hat mich nicht enttäuscht, war mir ehrlich gesagt aber auch nicht das Wichtigste an diesem Thriller. Mich haben andere Dinge viel mehr interessiert, von denen ich wissen wollte, wie sie zu Ende gehen. Und diese Aufklärungen hat Lisa Gardner auch geliefert.

Der Schreibstil war ein einfacher aber schön zu lesender, die Kapitel sind in einer angenehmen Länge verfasst und die Wechsel innerhalb der drei Handlungsstränge haben für ein kurzweiliges und fesselndes Lesen gesorgt.

Das Cover zeigt eine junge Frau mit dunkel geschminkten Augen, wirren Haarsträhnen im Gesicht und passt für mich zum Buch.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Thriller, den ich absolut als Psychothriller einstufen würde. Der Roman liefert sehr gute Hintergrundinformationen und Einblicke in kranke oder kaputte Kinderseelen. Sicherlich nicht nur interessant für Eltern vor „schwierigen“ Kindern.

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Ich danke Rowohlt / rororo für die (unangeforderte) Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

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2 thoughts on “Die Frucht des Bösen von Lisa Gardner (5/5)

  1. Vielen Dank für Ihre tolle Rezension,durch Ihren Blog-Eintrag habe mich entschieden dieses Buch zukaufen und wurde nicht entäsucht ich würde es jedem weiterempfehlen.

    lg
    Frank

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