Buchwelten im Gespräch mit Barbara Schnell

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Buchwelten hat bereits ein Interview mit einem Übersetzer veröffentlicht, und ich finde den Blick hinter die Kulissen immer sehr interessant.

Denn gerade bei den deutschen Ausgaben steht und fällt ein Roman ganz gewiss mit der Arbeit des jeweiligen Übersetzers. Es ist an ihm/ihr, genau das rüberzubringen, was der Autor/die Autorin sagen will. Es gilt, den besonderen Schreibstil in Deutsche mitzunehmen, damit auch wir in der Übersetzung die Stimmung erleben können, die ein Autor beabsichtigt.

Ich bin auf die Arbeit der Übersetzerin Barbara Schnell – wie soviele andere wohl auch – durch die Romane der Highland-Saga von Diana Gabaldon gestoßen.

Und da ich ihre Übersetzungsarbeit absolut fantastisch finde, freue ich mich sehr, dass sich Barbara Schnell die Zeit genommen hat, mir und den Buchwelten-Lesern einen Einblick in ihre Arbeit zu geben.

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Meine erste Frage bezieht sich (natürlich 🙂 ) auf die Highland-Saga. Diana Gabaldon braucht schon sehr lange für ihre ausführlichen Romane. Wieviele Wochen/Monate arbeiten Sie an der Übersetzung eines dieser „Mammut“-Bücher?

Das lässt sich gar nicht genau auf den Punkt bringen, da ich ja Roman-Teile von der Autorin geschickt bekomme, sobald sie genug zusammenhängendes Material hat. Zwischendurch kommt es dann auch vor, dass ich einige Wochen etwas anderes mache, während ich auf Nachschub warte. Im Prinzip kann man sagen, die Arbeit an einem der großen Romane dauert 12 bis 15 Monate, aber das ist nicht verlässlich kalkulierbar.

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Wie funktioniert ihre Arbeit an den Gabaldon-Romanen. Bekommen Sie erst das fertige, gedruckte Buch zur Übersetzung? Oder beginnt ihre Arbeit schon weit früher, indem Sie Druckfahnen oder Kapitel über die Datenleitung gesendet bekommen?

Das einzige Buch, das ich vom gedruckten Exemplar übersetzt habe, war „Der Ruf der Trommel“. Alle anderen Bücher habe ich übersetzt, während Diana noch daran arbeitete. Nur so konnten sie auf Deutsch teilweise gleichzeitig mit den Originalausgaben erscheinen.

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Sie haben Diana Gabaldon im immer wieder im Nachwort erwähnten CompuServe-Forum kennengelernt. Erzählen Sie uns ein wenig mehr darüber, wie sich das vor 20 Jahren abspielte?

Im Sommer 1992 habe ich in mehreren Foren des Onlinedienstes CompuServe für einen Artikel über „Frauen im Netz“ recherchiert. Damals war das Internet ja noch kein Haushaltsartikel wie heute, und es gab kaum Frauen, die mit Computern gearbeitet haben bzw. dabei ernst genommen wurden. Viele empfanden die Anonymität solcher Online-Foren als angenehm, weil sie dort nicht preisgeben mussten, dass sie eine Frau sind. Im Rahmen dieser Recherche bin ich auch auf das damalige „Litforum“ gestoßen und habe dort auch Diana kennengelernt, die mir als Forumsmitglied auf meine Frage geantwortet hat. Sie war eine hoch interessante Gesprächspartnerin, und irgendwann habe ich aus Neugier eine amerikanische Bekannte gebeten, mir Dianas erstes Buch zu schicken (auch Händler wie Amazon gab es ja damals noch nicht, und es war schwierig, hier an englische Bücher zu kommen). Aus der Online-Bekanntschaft wurde Freundschaft, und da ich die Bücher von der ersten Zeile an geliebt habe, später auch eine Arbeits-Partnerschaft.

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Sie kennen die Autorin persönlich. Ich denke, dass dies auch zwingend nötig ist um diesen speziellen Schreibstil, den Diana Gabaldon hat, auch genauso rüberzubringen, wie es im Original der Fall ist. Denken Sie, sie könnten eine solch gute Übersetzungsarbeit liefern, würden Sie sie nicht persönlich kennen?

Das ist schwer zu sagen, denn ich kenne es ja nicht anders. Generell ist es aber der Text, der die „Marschrichtung“ vorgibt, und man kann auch viel über Dianas Arbeitsweise und Intentionen erfahren, wenn man einfach den Text genau liest. Allerdings ist es eine große Hilfe, Diana direkt kontaktieren zu können, wenn ich Fragen habe – und ich würde nie den Fehler begehen, leichtfertig irgendwelche Details wegzulassen, denn man weiß bei ihr nie, was und wer in der Geschichte später noch einmal auftaucht.

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Wie sehr sind die Romane um Jamie und Claire auch Ihr „Baby“, sehen Sie diese überhaupt als solches? Denn ich denke, bei soviel Herzblut und Zeit, die eine Übersetzerin in einen jeden Satz dieser langen, ausführlichen Romane steckt, geht das gar nicht anders, oder?

Es ist jedesmal aufs Neue ein großartiges Gefühl, wenn mir der Postbote das erste gedruckte Buch bringt. Und ich bekomme viel Leserecho auf meine Arbeit. Es ist mein Wunsch, den deutschen Lesern möglichst viel vom „Feeling“ der Bücher mitzugeben – und eine große Freude, wenn das gelingt.

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Nun ein kleiner Schwenk in die zweite Buchreihe von Diana Gabaldon. Viele Leser sehen die Lord-John-Romane als Lückenfüller zur Highland-Saga. Ich selber bin da völlig anderer Meinung, denn ich finde Lord John ist eine so wunderbare Figur, die ihre eigene Reihe verdient hat. Wie gefällt Ihnen die Lord John-Reihe?

Das sind tolle Bücher, die mir beim Lesen und Übersetzen nicht weniger Spaß machen als die großen Romane, denen sie erzählerisch absolut gleichwertig sind, auch wenn sie „kompakter“ sind.

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Ich glaube gelesen zu haben, dass Sie auch auf den Lesereisen von Diana Gabaldon in Deutschland mit dabei sind. Können Sie ein bisschen erzählen, wie diese Lesungen dann ablaufen? Ich denke, dass es einige Fans noch nicht live erleben konnten.

Da sich herausgestellt hat, dass die meisten deutschen Besucher der Lesungen genug Englisch können, um zumindest in Ansätzen zu verstehen, was Diana liest, moderiere ich ihre Texte nur an und fasse zusammen, was sie zwischendurch erzählt. Wir sind auch da ein gut eingespieltes Team, und den Reaktionen des Publikums nach funktioniert unser Konzept ganz gut.

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Was macht Barbara Schnell, wenn sie gerade keine Romane von Diana Gabaldon übersetzt? Ich weiß, Sie arbeiten als freie Journalistin. Wie sieht Ihr sonstiger Arbeitstag aus?

Ich arbeite als Pferdesportjournalistin und -fotografin und betreue die Websites einer ganzen Reihe von Athleten. Das sorgt für viel Abwechslung und verhindert, dass ich am Schreibtisch festwachse.

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Neben der Übersetzungsarbeit gilt Ihre ganze Liebe den Pferden und auch der Fotografie. Sind Sie privat auch eine begeisterte Leserin? Welche Autoren lesen Sie gerne?

Ich lese gern gute Krimis. Zu meinen Lieblingsautoren zählen Dana Stabenow (auch von ihr habe ich zwei Bücher ins Deutsche übersetzt; leider hat die Reihe um die aleutische Spürnase Kate Shugak in Deutschland nicht viele Leser gefunden), Don Winslow oder Ian Rankin. Humor und Satire können mich auch begeistern, z.B. von P.G. Wodehouse oder Terry Pratchett. Ein Buch, das ich immer wieder lesen kann, ist aber auch „Der Herr der Ringe“.

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Nun gehe ich noch einmal zurück zur Highland-Saga. Haben Sie einen Favoriten unter den verschiedenen Teilen der Romane? Gibt es Bände, die Sie schlechter finden, und ist Diana Gabaldon für Sie von Mal zu Mal gewachsen und besser geworden?

Es ist Teil der Faszination dieser Bücher zu sehen, wie Diana als Erzählerin wächst und kühner wird. Trotzdem kann ich kein Lieblingsbuch aus der Serie benennen.

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Meine letzte kurze Frage: Wer ist ihr Lieblingscharakter in Diana Gabaldons Büchern?

Jamies Neffe Ian.

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Ich danke Ihnen ganz herzlich für die Zeit zur Beantwortung meiner Fragen und ich selber – sowie alle anderen Fans – werden ungeduldig auf den Abschluss ihrer derzeitigen Arbeit warten:

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A Trail of Fire“ — Deutscher Titel: „Zeit der Stürme“ – vier Kurzromane von Diana Gabaldon, erscheint am 16. September 2013 bei blanvalet

Zeit der Stürme

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Written in my Own Heart’s Blood“Band VIII der Highland-Saga, ein Erscheinungsdatum steht noch nicht fest

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Wer mehr über Barbara Schnell erfahren möchte …. www.bschnell.de

Deutsche Fassung der offiziellen Website von Diana Gabaldon: www.dgabaldon.de

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© Buchwelten im August 2012

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2 thoughts on “Buchwelten im Gespräch mit Barbara Schnell

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