Ich lebe, lebe, lebe von Alison McGhee (5/5)

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Erschienen als Klappenbroschur
im dtv premium Verlag
160 Seiten
Preis: 12,90 €
ISBN: 978-3-423-24934-8
Katergorie: Jugendbuch ab 14. Jahre

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Die 17-jährige Rose lebt in einer relativ verlassenen Gegend in den Bergen von Irgendwo. Im März, bei noch glatten Straßenverhältnissen geraten Ihre ältere Schwester Ivy und sie in einen Autounfall. Ivy saß am Steuer und konnte dem hellblauen Truck, der zu schnell in die langezogene Kurve fuhr, nicht mehr ausweichen. Während Rose bei dem Unfall nicht verletzt wurde, fiel ihre Schwester in ein Koma, aus dem sie bis heute nicht erwacht ist.

Rose und ihre Schwester Ivy hatten immer ein sehr inniges Verhältnis. Sie waren zwar sehr gegensätzlich aber dennoch unzertrennlich. Jeden Tag besucht Rose ihre Schwester im Pflegeheim, wo sie nur noch durch die Maschinen am Leben erhalten wird. Sie wird künstlich beamtet, sie wird ernährt, ansonsten schläft Ivy und schläft und schläft.

Rose bricht es das Herz, ihre Schwester dort zu sehen. Immer wieder spricht sie mit ihr, liest ihr vor. Sie kann nicht glauben, dass Ivy sie nicht mehr hören kann. Der Arzt sagt das zumindest, doch Rose ist der Meinung, dass er sich so sicher nicht sein kann.

Roses Mutter hat ihre älteste Tochter seit Monaten nicht mehr besucht. Sie wollte von Anfang an die lebenserhaltenden Maßnahmen, doch die in sich gekehrte Frau kann es nicht ertragen ihr Kind dort so liegen zu sehen. Statt dessen muss sie sich nach Feierabend zwanghaft beschäftigen, um nicht durchzudrehen. 

Auch Ivys Freund, die beiden waren immerhin seit 3 Jahren zusammen, besucht das Mädchen nicht. Er sagt, er kann nicht, er würde daran zerbrechen.

So sind es jeden Tag immer wieder Rose und der Nachbar William T., die bei Ivy im Zimmer sitzen. William T. kümmert sich seit Jahren um die Familie, um genau zu sein, nachdem der Vater sie verlassen hat. Nun fährt er Rose jeden Tag in die Klinik und bleibt mit ihr für Stunden dort.

Rose hat große Probleme mit dem Verlust ihrer Schwester, den immer wiederkehrenden Momenten des Unfalls und ihren Ängsten umzugehen. In der Schule tuscheln sie über die „lebende Leiche“, doch direkt ansprechen tut sie fast niemand. Rose kapselt sich ab, stürzt sich in wechselnde Jungenbekanntschaften. Doch nichts nimmt ihr den Schmerz in ihrem Inneren.

William T., der vor Jahren seinen Sohn verloren hat, kommt an Rose heran und kümmert sich liebevoll um sie wie ein Vater. Das Zusammensein und die Gespräche helfen Rose jedoch nur begrenzt.

Dann ist da noch ihr Mitschüler Tom, der immer wieder auf Rose zugeht, sie anspricht, fragt wie es ihr geht und so ganz anders ist als die Jungs, mit denen Rose versucht hat den Schmerz in ihrem Herzen zu vertreiben. Tom kennt den Schmerz des Verlustes und der Verzweiflung nur zu gut. Er hat seinen Vater verloren. Und er findet einen Weg, dass Rose sich öffnet und fallen lässt. Vielleicht schafft Rose es mit Toms Hilfe sogar, Ivy endlich loszulassen, damit sie in Frieden gehen kann und Rose selbst endlich wieder lebt, lebt, lebt …

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Eine Geschichte von Liebe und Verlust, so steht es als Überschrift auf dem Buchrücken. Eine sehr kurze Geschichte sogar, denn das Buch umfasst gerade einmal 160 Seiten. Doch die haben es wirklich in sich.

Sehr gefühlvoll und sehr intensiv beschreibt die Autorin Roses Leben, dass ja eigentlich keines mehr ist. Der Versuch mit dem Verlust ihrer Schwester umzugehen, der Kampf gegen den Schmerz, dass hat Alison McGhee in einem sehr eigenwilligen Schreibstil zu Papier gebracht.

Mit diesem hatte ich anfänglich meine Schwierigkeiten. Denn die Autorin arbeitet mit vielen Wiederholungen. Immer wieder erlebt Rose den Moment des Unfalls und diese Szene wirft sie wörtlich ständig wieder mitten in die Handlung. Sie arbeitet auch viel mit Wechseln zwischen Gedanken, Rückblenden und aktuellen wörtlichen Reden. Dies alles ist dann aber nicht durch Absätze abgegrenzt. Lediglich die Gedanken Roses sind immer in kursiver Schrift geschrieben.

Die Autorin schreibt sehr philosophisch und bildhaft. Beispielsweise vergleicht Rose sich und ihre Schwester mit Gewässern. Während sie ein stiller See mit umschützenden Ufern ist, ist ihre Schwester Ivy ein fließendes Gewässer, dass immer in Bewegung ist.

Sie hat allen ihren Figuren sehr viel Tiefe und Gefühl mitgegeben. Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg mit Schmerz, Angst und Verzweiflung umzugehen. Wie die Autorin es geschafft hat, dass alles in diese kurze Handlung zu verpacken ist sehr erstaunlich.

Empfohlen wird der Roman für Jugendliche ab 14 Jahre, ist aber unbedingt auch Erwachsenen Lesern ans Herz zu legen, denn genau das berührt dieses Buch. Die wichtigen Figuren in dem Roman sind ja nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene, wie Roses Mutter, der Nachbar William T. oder die kleine Nebenrolle der Schwester Angel.

Das Cover zeigt ein Mädchen auf einem Felsen in einem Gewässer, was sehr gut zur Handlung passt. Der Roman besteht aus relativ langen Kapiteln und ist in ziemlich kleiner und dünner Schrift geschrieben. Der Klappentext im Inneren der Broschur und die Inhaltsangabe auf der Buchrückseite sind sehr ausführlich, was ja auch der Auslöser war, dass ich auf dieses Buch aufmerksam wurde.

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Mein Fazit: Trotz anfänglicher „Schwierigkeiten“ mit dem besonderen Schreibstil 5 von 5 Sternen für eine Geschichte um Liebe, Verlust, Verzweiflung, das Loslassen und dem Versuch weiterzuleben, wenn man eigentlich keinen Sinn mehr darin sehen möchte/kann. Ein liebevoller und einfühlsamer Roman mit Tiefgang, der garantiert im Gedächtnis haften bleibt. Und wieder ein sehr gutes Buch, dass voraussichtlich auf keiner Bestsellerliste auftaucht, sondern höchtens durch die virtuellen Medien als Geheimtip gehandelt wird, wie so vieles … Schade eigentlich.

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Ich danke Amazon-Vine für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

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