Endlich sind sie tot! von Sebastian Stammsen

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Erschienen als Taschenbuch
im grafit Verlag
376 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN: 978-3-89425-412-4
Katergorie: Krimi

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So einen schrecklichen Tatort hat die Krefelder Kripo noch nie vorgefunden. In einem unscheinbaren, „normalen“ Mehrfamilienhaus hat sich das Wohnzimmer der Familie Brose in ein Schlachthaus verwandelt. Drei Mitglieder der Familie, der Vater, die Mutter und der älteste Sohn, hängen kopfüber von der Decke. Die Leichen sind übelst zugerichtet, stundenlange Folter müssen die Toten vor ihrem Ende erfahren haben.

Die Sachlage scheint überraschend einfach. Denn der jüngere Sohn der Familie, der 16-jährige Marvin, sitzt in der Diele Wohnung apathisch und völlig verstört auf einem Stuhl. Er lässt sich ohne ein Wort oder überhaupt eine Reaktion abführen. Marvin ist der Mörder, das steht fest. Doch die Frage ist, wie hat der schmächtige 16-jährige solch grausame Morde verüben können, warum hat er das getan und wie hat er es körperlich geschafft, die Opfer an die Decke zu hängen?

Kommissar Oliver Busch kommt an den Tatort und ist nicht nur wegen des vorgefundenen Schlachthauseindrucks geschockt. Vor der Türe stehen pink farbige Pumps, das heißt, sein Vorgesetzter hat „Psycho-Barbie“ Daniela Ellinger hinzugezogen. Das fehlt im gerade noch, denn auf diese Blondine mit ihren bonbonfarbenen Kostümchen hat er gar keine Lust. Und das liegt nicht nur an ihrem äußerlichen Erscheinungsbild (er kann ja nicht wissen, dass die Ellinger diese Berufskleidung als Schutzwall benutzt, den sie Abends mit allen Problemen ihrer Patienten ablegt).

Busch kann mit diesen Psychologen nichts anfangen, denn er ist der festen Überzeugen, dass diese nur darauf aus sind, psychologisch zu belegen, dass ein extremer Straftäter auf Grund einer schrecklichen Kindheit zum Mörder wurde und somit seiner gerechten Strafe entgeht.

Es gibt keinen Weg daran vorbei. Die Ellinger wird im als „Partnerin“ zur Seite gestellt, sie soll helfen, das Motiv des Mörders zu ermitteln. Dummerweise wurde sein regulärer Partner Lars auch noch kurzfristig weggerufen, was diesem wiederum beim Anblick der Leichen gar nicht schwerfiel.

Also begibt sich das ungleiche Paar, Bruce Willis Verschnitt Busch und Psycho-Barbie Ellinger, an die Arbeit. Bereits nach ersten Befragungen der Nachbarn stellt sich heraus, dass die Familie Brose über Jahre hinweg sämtliche Mitbewohner des Hauses regelrecht terrorisiert hat. Egal wen Busch und Ellinger aufsuchen, alle sind erleichtert und froh, dass diese Leute ermordet wurden und fort sind: Endlich sind sie tot! …

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Psychokrimi, dass ist das erste was mir zu diesem Roman einfällt. Es gibt Krimis, Thriller und Psychothriller. Psychokrimis gibt es nicht, vielleicht sollte dieses Genre eingeführt werden. Denn genau als solchen würde ich dieses Buch bezeichnen.

Die Handlung ist nicht nur spannend und fesselnd, und dass obwohl ja offensichtlich ist, wer die Morde begangen hat, sondern eben auch sehr psychologisch. Ausführlich wird beschrieben, wie der 16-jährige Marvin untersucht, befragt und beobachtet wird, um in sein Hirn zu schauen und herauszufinden, was geschehen ist und was der Hintergrund der Tat war.

Auch die Nebenrollen, die Bewohner des Hauses, die ja alle extremen Belästigungen ausgesetzt waren, werden sehr psychologisch umschrieben, denn bei Terror – über Jahre hinweg – leidet auch jede normale Seele .

Der Schreibstil ist nicht einmal sonderlich gehoben, sondern eher flott und einfach. Dennoch fesselt die Handlung bis zuletzt, was natürlich auch an den beiden total gegensätzlichen Protagonisten liegt. Hier hat der Autor es außerdem sehr geschickt gemacht, dass er die Kapitel nicht klassisch gewählt hat.

Er wechselt kapitelweise immer zwischen Daniela und Oliver. Jeder erzählt die Handlung aus der Ich-Perspektive, was die Gedankengänge des jeweils anderen beinhaltet. Und die sind interessant zu verfolgen. Jeder der beiden hat seine eigene Sichtweise auf den Fall und den Kollegen. Wie sich die beiden dennoch zusammenraufen (müssen) und dann zusätzlich noch recht erfolgreich miteinander arbeiten macht schon Spaß zu verfolgen.

Was mir zusätzlich noch besonders gut gefiel war die Nebenrolle des behinderten Dirk. Menschen mit geistiger Behinderung sind nicht die klassischen Charaktere eines Romans, besonders nicht in einem Krimi. Und wir alle haben ja oft Berührungsängste diesen Menschen gegenüber, was aber eigentlich völlig unbegründet ist. Der behinderte Dirk ist hier so ein liebenswerter Mensch, der sehr eifrig einer Arbeit nachgeht und sich offen und ehrlich freuen kann. Auch wie der Autor den Umgang durch seinen Kommissar Busch mit diesem behinderten jungen Mann beschrieben hat, war absolut überraschend und gut geschrieben.

Das Ende des Romans nenne ich einfach mal psychologisch wertvoll und passend, es hat mich nicht enttäuscht.

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Mein Fazit: Eine gute Gesamtbewertung von 5 Sternen für diesen Roman, der von mir als Psychokrimi bezeichnet wird. Rasend, flott, oft amüsant aber auch hintergründig und erschreckend. Opfertechnisch stellenweise sicher nichts für schwache Lesernerven, doch spannend und gut ausgearbeitet. Ich hatte ihn ihn zwei Tagen „inhaliert“.

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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© Buchwelten 2012

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