Das Vermächtnis der Montignacs von John Boyne

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Erschienen als Taschenbuch
bei PIPER
insgesamt 512 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-492-30154-1
Kategorie: Historische Familiengeschichte

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London im Jahre 1936. Der erst kürzlich auf den Thron gestiegene König Edward VIII. hat eine Affäre mit einer geschiedenen Amerikanerin. Es gibt eine Reihe Personen auf Regierungsebene, die seine Abdankung erzwingen wollen, obwohl der Monarch beim Volk beliebt ist.

Owen Montignac, der Neffe des kürzlich verstorbenen Peter Montignac ist nicht nur Geschäftsführer einer bekannten Londoner Galerie, er ist außerdem ein Spieler. Und dies hat ihn in eine missliche Lage gebracht. Er schuldet dem Londoner Spielbankbesitzer Nicholas Delfy knappe 50.000 £ und die will er natürlich wiederhaben. Und zwar bald. Owen bekommt ein eindeutiges Ultimatum gesetzt: Innerhalb eines Monats hat er einen Abschlag von 10.000 £ zurückzuzahlen und den Rest muss er bis Weihnachten liefern, sonst wird Delfy Owen körperlichen Schaden zufügen (lassen).

Owen wartet nun sehnsüchtig auf das Erbe seines Onkels. Zwar ist er nicht das leibliche Kind des Verstorbenen, doch er ist seit seinem fünften Lebensjahr in London bei der Familie aufgewachsen. Nach dem Tod seines Vaters (der ältere Bruder von Peter Montignac), der der Liebe wegen nach Frankreich gegangen war, hat sein Onkel Owen  aus Frankreich holen lassen und ihn in die Familie aufgenommen.

Und da die Montignacs eine Tradition wahren, nämlich das Erbe nur an männliche Nachkommen weiterzugeben, zweifelt Owen nicht einen Moment daran, dass das Vermächtnis der Montignacs in seine Hände gelangt.

Doch er irrt sich. Sein Onkel hat mit der Tradition gebrochen und die Erbin des gesamten Vermögens ist Stella Montignac, die leibliche Tochter des Verstorbenen und die Owens Cousine.

Somit steht Owen nicht nur mit leeren Händen da. Er muss um sein Leben bangen, denn wie soll er nun binnen weniger Monate einen Betrag von 50.000 £ auftreiben, um die Spielschulden bei Nicholas Delfy zu begleichen? Owen sucht händeringend nach einer Lösung und dabei schreckt er nicht vor kriminellen Handlungen zurück.

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John Boyne, vielen Lesern bekannt durch sein Buch „Der Junge im gestreiften Pyjama“ hat mit diesem Roman eine wunderbare Erzählung geliefert. Die historische Geschichte hat kriminalistischen Einfluss, ist fesselnd, stilistisch ausgefeilt und anspruchsvoll geschrieben. Die Wortwahl, Sprache und Ausdruck sind gehoben. Den einfachen, schlichten Schreibstil des „Jungen im gestreiften Pyjama“ findet man hier keinesfalls.

Das Konzept der Handlung sowie der Aufbau sind gut ausgearbeitet. Die Hintergründe und Verwicklungen verständlich und spannend.

Der Autor erzählt in verschiedenen Erzählsträngen, wechselt innerhalb des Romans zu anderen Personen, von denen der Leser erst einmal nicht weiß, wie sie in die Handlung gehören. Doch all dies fügt sich perfekt zusammen und wird gut und logisch aufgelöst. Die Charaktere seiner Protagonisten hat Boyne glaubhaft dargestellt und sie wirken lebensecht. Hier gibt es einen sehr netten Nebencharakter zu erwähnen, der als Buchrezensent für die Londoner Times arbeitet. Der Einblick in seine Arbeitsweise ist doch interessant und vor allem amüsant. Ich selber gehe jedenfalls anders vor als er 🙂 .

Während der einzelnen Kapitel fügt der Autor durch Gedankengänge seiner Figuren immer wieder Rückblenden ein, die in die Kindheit von Stella und Owen Montignac zurückreichen. Diese Sprünge haben mir gut gefallen, führten jedoch auch dazu, dass ich einige Entwicklungen der Story zu leicht absehen konnte und letztendlich ein Überraschungseffekt ausblieb.

Das Buch umfasst ca. 500 Seiten und wird als Taschenbuch verkauft. Das sepiafarbene Cover zeigt das Themseufer und die Towerbridge London. Mich hat die Aufmachung sofort an die Einbände der Romane von Carlos Ruiz Zafón (z.B. Schatten des Windes) erinnert. Man möchte im ersten Moment denken, die Coverwahl sei somit einfallslos und abgekupfert. Doch gab es nicht auch eine Phase, in der sämtliche Thriller ausschließlich in weißen Einbänden mit roter und schwarzer Schrift erschienen?

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für diesen spannenden und fesselnden Roman von John Boyne, der in einem sehr guten Stil geschrieben ist und somit auch sprachlich Spaß macht. Auch wenn mir einiges zu absehbar war, gebe ich hier gerne meine Leseempfehlung für eine Reise ins London der 1930er Jahre.

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© Buchwelten 2013

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7 thoughts on “Das Vermächtnis der Montignacs von John Boyne

  1. Von John Boyne habe ich vor einige Zeit mal das „gestreifte“ Buch gelesen, das mich nachhaltig beeindruckt hatte. Dieses hier wandert dank deiner Besprechung gleich mal auf die Wunschliste. 🙂

    • Freut mich. Das „gestreifte“ Buch habe ich noch nicht gelesen, es steht aber hier im Regal, außerdem noch „Der Junge mit dem Herz aus Holz“. Ich werde gewiss beide alsbald lesen. Ich bin gespannt, wie dir die Montignacs gefallen werden 🙂

  2. Schöne Rezension – unbedingt auch „Das Haus zur besonderen Verwendung“ von Boyne lesen – eines meiner absoluten Lieblingsbücher!

  3. Pingback: Das Haus der Geister von John Boyne | Buchwelten

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