Ligeia von John Everson

 

Erschienen als Taschenbuch
bei Festa-Verlag
insgesamt 407 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-188-0
Kategorie: Horror, Thriller

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Abend für Abend spaziert Evan am Strand entlang und denkt darüber nach, wie sein weiteres Leben verlaufen wird, nachdem er seinen Sohn bei einem Unfall verloren hat. Evan und seine Frau Sarah durchleben eine schreckliche Zeit der Trauer, an der ihre Ehe zu zerbrechen droht. Sarah sucht Vergessen, in dem sie sich betrinkt, und Evan weint heimlich bei seinen Strandspaziergängen. Eines Tages trifft er auf eine geheimnisvolle, nackte Frau, die aus dem Meer steigt und ihn durch einen hypnotischen Gesang verzaubert.

Evan weiß nicht, wie ihm geschieht, als sich sein sexueller Trieb sozusagen verselbständigt und er mit der mysteriösen Unbekannten direkt am Strand schläft. Wie eine Droge ergreift die bildschöne Ligeia von seinen Gedanken Besitz und läßt ihn während der kommenden Tage, und vor allem Nächte, nicht mehr in Ruhe.
Zwanghaft sucht Evan jeden Abend die Stelle am Strand auf, um mit der Frau zu kopulieren, während sich Sarah wegen dem Verlust ihres Sohnes betrinkt.

Als Evan versucht, aus der Affäre auszubrechen, erkennt er erst, in welche Gefahr er sich begeben hat, als er sich auf Ligeia eingelassen hat.
Allem Anschein nach handelt es sich bei ihr nämlich um eine uralte Legende, eine Sirene, die schon vor über hundert Jahren ihr Unwesen auf dem Meer getrieben hat und einzig und allein darauf aus ist, ihre Opfer nach einer gewissen Zeit bei lebendigem Leib zu fressen.

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In unbestimmten Abständen gerät man an ein Buch, das einen vollkommen überrascht, indem es etwas anderes bietet, als man erwartet hat. „Ligeia“ von John Everson ist so ein Buch. Und, bis auf das leider etwas schwache Finale (dazu aber später), für mich im Bereich Horror eine der großen Neuentdeckungen für das Jahr 2013.

Everson schreibt flüssig und es macht ungeheuren Spaß, die Geschichte des Protagonisten zu verfolgen. Ich fühlte die Trauer wegen seines Sohnes, seine Schwäche und sein schlechtes Gewissen bezüglich der Affäre mit Ligeia, aber auch die unerschütterliche Liebe zu Sarah. Die Zerrissenheit zwischen trautem Eheleben, das Evan wieder auf die Reihe kriegen will, und dem Abenteuer eines Seitensprungs, der Begierde nach Ligeia, der er durch ihren hypnotischen Gesang einer Sirene nicht entgehen kann, ist so intensiv zwischen den Zeilen zu lesen, dass die Geschehnisse absolut glaubhaft wirken.

Leider driftet Everson am Ende in ein klischeehaftes Mainstream-Showdown-Ende, das die einfühlsame und dennoch sehr spannende Geschichte meines Erachtens überhaupt nicht gebraucht hätte. Aber vielleicht sind da die Geschmäcker zu verschieden und vielen ist das Buch zu langweilig, so dass sie die actionlastige Schlussszene willkommen heißen. Ich für meinen Teil hätte mir ein ruhiges, der ganzen Atmosphäre des restlichen Buches angepasstes Ende gewünscht.
Allerdings bügelt Everson mit dem Epilog wieder so einiges aus. Auch wenn dieser Anhang ganz am Schluss nicht allzu lang ist, führt er doch wieder zur Grundstimmung der Geschichte zurück.

Fazit: Einfühlsamer, atmosphärisch dichter Horror-Thriller, in dem am Ende leider die Stimmung ein wenig kippt. Insgesamt ein stimmiger, gekonnt geschriebener Roman, der mich teils an die Bücher von Greg F. Gifune denken ließ, aber auch an Genre-Klassiker des Horrorfilms wie z.B. „Tot & begraben“ oder „The Fog“ erinnnert. Ganz klare Empfehlung für Freunde von gehobenem, stimmungsvollem Horror. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

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© Cryptanus für Buchwelten 2013

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