Feuer im Kopf von Susannah Cahalan

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im mvg Verlag
insgesamt 304 Seiten
Preis: 17,99 €
ISBN: 978-3868824674
Kategorie: Tatsachenbericht, Biographie

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Susannah Cahalan ist eine junge, beliebte, aufstrebende Journalistin. Sie fühlt sich wohl in ihrem Job, lebt in ihrer eigenen Wohnung und hat eine glückliche Beziehung. Doch urplötzlich dreht sich ihr Leben um mehr als 180°. 

Es beginnt mit einer eingeschlafenen, linken Hand. Dann kommen Wahnvorstellungen hinzu, die so schwer sind, dass sie nicht nur aggressiv wird, sondern sich ihr Wesen komplett verändert. Zunächst wird sie in der Klinik in die Abteilung für Epilepsie eingewiesen, es folgt die Psychiatrie, wo sie sogar ans Bett gefesselt werden muss, da sie immer wieder versucht zu fliehen. 

Es werden Unmengen an Untersuchungen an Susannah durchgeführt. MRT, CTG, Blutuntersuchungen, Proben aus dem Rückenmark werden entnommen. Doch niemand findet heraus, was ihr fehlt. Alles scheint normal, einige Ärzte sind der Meinung, sie habe einfach zu viel Stress, würde zu viel feiern und Alkohol konsumieren. Nur, dass ihr Zustand sich während des Klinikaufenthaltes sichtbar verschlechtert, wo sie nun mal definitiv keinen Alkohol zu sich nehmen kann. Allerdings hat Susannah auch vorher nur in Maßen getrunken, nur glaubt ihr das niemand. 

Einer der Ärzte sieht als letzte Möglichkeit die Hinzuziehung des Neurologen Dr. Souhel Najjar, der dafür bekannt ist, weiter zu forschen, wenn die Fälle wirklich schwierig sind und nur noch Rätsel aufgeben. Er selber hatte vor einiger Zeit einen Bericht über Autoimmunerkrankungen gelesen, der in einer Medizinerzeitschrift veröffentlicht wurde. Im Verlauf dieser Krankheit (eine Entzündung des Gehirns) greift der Körper das eigene Gehirn an und dies erzeugt Symptome wie eben Schizophrenie, Autismus und Wahnvorstellungen. 

Diese Vermutung bestätigt letztlich eine Untersuchung, die eigentlich ein Witz ist: Dr. Najjar lässt Susannah eine Uhr zeichnen und diese Zeichnung bringt erstaunliches zu Tage. „Brain on fire“, „Dein Gehirn steht in Flammen“, sagt er zu seiner Patientin. Um ganz sicher zu gehen, lässt der Neurologe in einer OP eine kleine Gewebeprobe von Susannahs Hirn entnehmen und schickt diese an den Mediziner, der den Artikel über die Autoimmunkrankheit verfasst hat. 

Nach Bestätigung der Diagnose kann der Patientin mit den richtigen Medikamenten endlich geholfen werden und ganz langsam findet Susannah ins Leben zurück ….

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Wie schmal der Grad zwischen Gesundheit und (anscheinendem) Wahnsinn liegt, dass zeigt dieses Buch. Eine kerngesunde junge Frau verändert sich, versucht zunächst selber dahinter zu kommen was ihr fehlt,  flippt aus  und landet schließlich gefesselt und am Kopf verkabelt an einem Bett.

Diese Geschichte ist erschreckend zu lesen, allerdings zeigt sie auch, wie wichtig das Zusammenspiel von Familie, Freunden, Kollegen und den Ärzten ist. Susannahs Eltern, geschieden, haben sich aufopfernd um ihre Tochter gekümmert. Susannahs Partner ist nicht von ihrer Seite gewichen, was sie im Nachhinein selber nicht versteht. All diese Menschen waren ihr eine große Stütze und haben ihr geholfen nicht aufzugeben und ihren Weg zurückzufinden. Sie haben alle gesagt, dass sie die wirkliche Susannah noch immer in diesen leeren, gehetzten, panischen Augen sehen konnten. 

Die Autorin selber kann sich eigentlich so gut wie gar nicht erinnern. Nach ihrer Genesung wollte sie verstehen, was mit ihr geschah und begann die ganze Krankengeschichte aufzuarbeiten. Dies gelang ihr mit Hilfe von Tagebüchern, die ihre Eltern geschrieben haben, um miteinander zu kommunizieren. Dann existieren Videoaufzeichnungen, die Susannah in der Klinik im Krankenbett zeigen und natürlich hat sie lange, ausführliche Gespräche mit den behandelnden Ärzten geführt. 

Zwischenzeitlich ist dieser Bericht (natürlich) sehr medizinisch, jedoch ist er recht verständlich geschrieben, so dass auch der Leser als Laie folgen kann. 

Der Verlag präsentiert das Buch als gebundene Ausgabe. Es liefert ein umfassendes Vorwort der Autorin, einen ausführlichen Anhang mit Bemerkungen und eine Danksagung. Innerhalb der Erzählung gibt es immer wieder Notizen, Bilder und Zeichnungen zu sehen. 

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Tatsachenbericht, der absolut ungeschönt und erschreckend geschrieben ist, dennoch auch viel Gefühl, Mut, Liebe und Hoffnung rüberbringt. In diesem Fall scheint das Zusammenspiel von Menschen und der Schulmedizin wirklich funktioniert zu haben. Für mich das erste Buch dieser Art, daher kenne ich mich nicht wirklich aus. Ich gebe dennoch gerne eine Leseempfehlung!

Ich danke Amazon Vine für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Für Interessierte hier noch einige Links:

Susannah Cahalan beim mgv Verlag

Original Homepage der Autorin

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© Buchwelten 2013

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