Das finstere Tal von Thomas Willmann

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Erschienen als Taschenbuch
im Ullstein Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN ISBN 13-13 978-3-54828-368-5
Kategorie: Historischer Roman

Ende des 19, Jahrhunderts, kurz bevor der Winter beginnt, erscheint ein seltsamer Fremder im Dorf, das in einem entlegenen Hochtal liegt. Sein Name sei Greider und er wolle den Winter im Dorf verbringen, um sich ganz dem Malen zu widmen, erzählt er den Bewohnern, die ihn misstrauisch abweisen wollen. Doch Greider kann die Leute mit Geld locken und so darf er den Winter im Haus der Gader-Witwe verbringen. Die Söhne des Brenner-Bauern, der wie ein König über das Dorf herrscht, beobachten den Fremden argwöhnisch. Als das Dorf durch den Wintereinbruch komplett von der Außenwelt abgeschnitten wird, gibt es einen Toten. Wenige Tage später geschieht ein zweites Unglück und  eine dramatische Geschichte um Rache und Vergeltung gerät ins Rollen.

***

Thomas Willmann besitzt ein Sprachgefühl, das einen sofort in den Bann zieht. Schon nach den ersten Seiten wird einem bewusst, dass man kein alltägliches Buch in den Händen hält, zumal Willmann den bayrischen Dialekt, wie damals Andrea Maria Schenkel mit ihrem Roman Tannöd, sozusagen „salonfähig“ macht.
Willmann schreibt im Nachwort, dass er seinen Roman Ludwig Ganghofer und Sergio Leone sozusagen „widme“, was ihm auch erstklassig gelungen ist. Die Stimmung, die der Autor mit seinen gewählten Worten vermittelt, ist tatsächlich Heimatroman und Western in einem. Derart geschickt verbaut Willmann die Zutaten dieser beiden Genres zu einer (seiner) eigenständigen Romangattung, dass es einem so manches Mal die Sprache verschlägt.

Es fällt sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen, weil man unbedingt wissen muss, wie die Geschichte weitergeht. Mit einer sprachlichen Rafinesse, in der bayrische Ausdrücke mit fast schon poetischen Satzkonstruktionen vermischt werden, zieht der Autor den Leser in einen Strudel aus Gegenwart und Vergangenheit, der  tatsächlich so manches Mal an Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ erinnert. Doch zieht Willmann die Register der Dialektsprache so geschickt, dass man seine „Vorbilder“  (Ganghofer und Leone) schon bald wieder vergisst und sich auf die Geschichte um Liebe, Hass, Rache und Gewalt konzentriert.

Man spürt während des Lesens die bedrückende Stimmung im Dorf, begeht mit dem wortkargen Protagonisten die herrlichen Landschaften und fühlt die Kälte des Schnees. Man sieht einen Film vor sich und kann den Blick von den Seiten, auf denen sich dieser atmosphärische Film abspielt, nicht mehr abwenden.

Der Roman ist für mich eine Verbeugung vor der hochdeutschen Sprache und dem bayrischen Dialekt, die man beide nicht geschickter verbinden könnte, als Willmann es getan hat. Eine Hommage an alte Heimatromane und itaienische Kultwestern. Mit dieser intelligenten Mixtur hat Thomas Willmann seinen eigenen Kultroman geschrieben.

***

Mein Fazit: Volle Punktzahl für dieses sprachliche Meisterwerk, das die große Kluft zwischen der hochdeutschen Sprache und dem bayrischen Dialekt meisterhaft überwindet und dadurch eine einzigartige Stimmung schafft. Willmanns genreübergreifender Roman ist ein Kultbuch.

Wer sich dafür interessiert, wie ich die gleichnamige Verfilmung des Romans finde, kann dies auf meinem Blog „Film-Besprechungen“ nachlesen.

© 2014 Wolfgang Brunner / Buchwelten

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2 thoughts on “Das finstere Tal von Thomas Willmann

  1. Pingback: Das finstere Tal (2014) | Film-Besprechungen

  2. Ohja, das hatte auch von mir volle Punktzahl.
    Ich bin ja nicht so die Krimileserin, wurde aber hier wirklich eines besseren belehrt. Irgendwann hat es mich dann doch gereizt, wegen dem Dorf, dem Schnee der alle einschließt und gefangen hält…..

    Dabei wollte ich das nie lesen, auch nicht als eine Freundin so auf der Buchmesse davon geschwärmt hat 🙂
    Manchmal muss man einfach über den Tellerrand schauen, denn eigentlich lese ich ja auch keine Thriller 🙂

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