Ein plötzlicher Todesfall von J.K. Rowling

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9783551588883

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Carlsen Verlag (der von Harry Potter 🙂 )
576 Seiten
24,90 €
ISBN: 978-3-551-58888-3
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Am Abend seines Hochzeitstages stirbt das Gemeinderatsmitglied Barry Fairbrother der Kleinstadt Pagford mit Anfang 40 plötzlich an einem Hirnschlag. Die Bewohner des schmucken Örtchens sind geschockt. Auch wenn Barry im Gemeinderat einige Gegner hatte, so war er doch ein beliebter Mann, der eine Frau, Kinder und einige gute Freunde voller Trauer zurücklässt.

Für die Kleinstadt ist ein solches Ereignis natürlich etwas, dass für einige Aufregung sorgt. Es wird geredet, spekuliert, sich an seinem Tod ergötzt. Aber das Ableben von Barry Fairbrother bewirkt noch mehr: Ein Krieg um den freigewordenen Platz im Gemeinderat bricht aus. Gleich drei potentielle Nachfolger stellen sich zur Wahl, wovon zwei Barrys Einstellung vertreten: Nämlich dafür Sorge zu tragen, dass der „Armenstadteil“ Fields weiterhin zu Pagford gehört, um z.B. den Kindern aus sozial schwächeren Familien eine Schulbildung in der örtlichen Grundschule zu ermöglichen. Barry Fairbrother stammte selbst aus Fields und hatte es geschafft, ein ganz Großer zu werden.

Doch natürlich will der Großteil des so hübschen, ordentlichen, ehrlichen und sauberen Pagford eben nicht, dass Fields weiterhin zu ihnen gehört. Sie wollen genau das Gegenteil. Fields soll der Stadt zugeordnet werden. Problem beseitigt! Barry Fairbrother ist ja leider plötzlich verstorben, somit sollte dies machbar sein. Doch da hat der Gemeinderat die Pläne ohne ihre Bewohner gemacht. Denn man kann den Menschen bekanntlich nur vor den Kopf schauen, was sie wirklich tun oder denken, dass bekommt man eventuell doch gar nicht mit ….

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Zunächst einmal, ich bin ein großer Fan der Potter-Reihe, wobei ich hier schon fand, dass die J.K. Rowling von Band zu Band gewachsen ist und man die letzten Romane mit den ersten zwei, drei Teilen, den Schreibstil betreffend, überhaupt nicht vergleichen kann.

Von daher war ich natürlich sehr neugierig auf ihren ersten „Erwachsenenroman“. Also, ein Krimi ist dieser Roman definitiv nicht (sollte der ein der andere Leser auf Grund des Titels damit rechnen). Eigentlich ist dies ein Roman in dem so gar nichts passiert und doch so viel! Rowling hat hier einen sozialkritischen Gesellschaftsroman geliefert, der das Leben in einer offensichtlichen Kleinstadtidylle beschreibt. Die unterschiedlichsten Menschen leben dort: Reiche Gemeinderäte mit ihren Ehefrauen, für die der tägliche Klatsch und Tratsch der einzige Lebensinhalt ist. Psychotische Schulleiter und Beratungslehrerinnen. Eine Sozialarbeiterin, die der Liebe wegen in Pagford gelandet ist und in ihrer Arbeit versucht, eine verwahrloste Familie zu retten, zu Hause jedoch mit ihrer pubertierenden Tochter zu kämpfen hat. Eine indische Ärztin, die es auf Grund ihrer Herkunft schon nicht leicht hat und deren Tochter extremst gemobbt wird. Diese kurzen Personenbeschreibungen zeigen auf, was für unterschiedliche Menschen in diesem Roman zu Hause sind. Und Rowling hat sie, alle wie sie da sind, so lebensecht und greifbar dargestellt, dass ich mich als Leserin wirklich in Pagford befand. Sie hat die unterschiedlichsten Probleme in sämtlichen Alters- und Sozialschichten beschrieben, sie miteinander verknüpft und sich Lebenswege kreuzen lassen.

Neid, Hass, Ängste, Aggressionen, Langeweile, Mobbing, Drogensucht, vernachlässigte Kinder, Macht, Gier und Gewalt an Kindern. Dies sind nur einige Themen, die die Autorin in ihrer Kleinstadtidylle behandelt hat. Und das sehr, sehr gut. Der Schreibstil ist absolut gehoben und auch wenn es viele verschiedene Personen gibt, so behält man doch den Überblick. Unverhofftes trifft auf Vorhersehbares. Lustige Momente lösen traurige und erschreckende ab. Ein wunderbar gelungener Mix wird hier geboten. Für mich ist der Roman eine Mischung aus John Irving und dem Stephen King aus „Joyland“ oder „Der Anschlag“. Besser kann ich es nicht beschreiben.

Ich habe mich jedesmal gefreut, wieder nach Pagford und den dort lebenden Figuren zurückzukehren und ich war ganz und gar nicht erfreut, als der Roman zu Ende war. Ich mochte die Personen gar nicht verlassen, wäre gerne noch ein wenig länger in ihrer Mitte geblieben.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Roman, der bei vielen gefloppt haben mag, bei mir defintiv nicht. Ich habe mich in dieser Geschichte sehr wohl gefühlt und gelernt, dass J.K. Rowling viel mehr ist, als die Schöpferin von Harry Potter und seiner Welt. Ich freue mich auf weitere Werke von ihr.

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© Buchwelten 2014

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3 thoughts on “Ein plötzlicher Todesfall von J.K. Rowling

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