Die Arbeit der Nacht von Thomas Glavinic

Arbeit der nacht

Erschienen als
gebundene Ausgabe bei
Hanser
400 Seiten
Preis: 21,50  €
ISBN: 978-3-446-20762-2

*

Jonas wacht auf und ist mutterseelenallein auf der Welt. Kein Bus kommt, keine Radiosendung ist zu empfangen, niemand geht ans Telefon …
Was ist passiert? Ist Jonas der letzte Mensch? Er macht sich auf den Weg, um Maria, seine Freundin, zu suchen und entdeckt auf dieser Reise sich selbst …

* * *

Was Glavinic da erschaffen hat, wird die Lesermeinungen spalten. Die einen werden sagen, dass es sich um eines der langweiligsten, unlogischsten Bücher handelt, die sie jemals gelesen haben. Die anderen, und dazu gehöre ich, werden ein literarisches Meisterwerk erkennen, das einen förmlich umhaut, lässt man sich auf die Geschichte und deren Ausgang ein. Das Buch ist keine leichte Kost und wer auf Mainstream-Handlungen abfährt, sollte die Finger davon lassen.

Ich konnte mich sehr schwer von dieser düsteren (auf gewisse Art und Weise aber dennoch hoffnungsvollen) Erzählung losreißen. Die philosophischen Gedanken trafen mich teilweise mit einer Wucht, mit der ich nicht gerechnet hatte. „Die Arbeit der Nacht“ ist wie eine Lebenserfahrung, wie ein Monolog des Protagonisten über den Sinn und Nichtsinn des Lebens. Man sieht Dinge anders, beginnt über sein eigenes Leben nachzudenken und zweifelt so manches Mal zusammen mit dem Protagonisten, wo der wahre Lebenssinn sich versteckt hält.

Glavinic hält die Qualität seines Werkes durchgehend hoch, nimmt uns Leser mit auf eine Reise, die tief in unser Innerstes, in das Universum eines Menschen, führt. In einer Mischung aus Cormac McCarthys „Die Straße“ (Orig.: „The Road“), Marlen Haushofers „Die Wand“ und Richard Mathesons „Ich, der letzte Mensch“ (Orig.: „I Am Legend“) begleiten wir den Protagonisten durch eine menschenleere, dystopische Welt, die Angst macht.

Und (ich muss mich sehr in Acht nehmen, um nicht zu spoilern) das Ende, sofern man es versteht und interpretieren kann, verschlägt einem schier den Atem. Ich kann gar nicht richtig beschreiben, was in mir vorging, als ich am Ende des  Buches angelangt und „verstanden“ habe. Thomas Glavinic hat für mich ein Meisterwerk abgeliefert, das seinesgleichen sucht. Eigenwillig, intensiv und bombastisch in seiner Sprache und Aussage nimmt dieser Roman einen sehr hohen Stellenwert bei mir ein und lässt mich sich für mich in seiner nachhaltigen Intensität eigentlich nur noch mit Samuel R. Delanys „Dhalgren“ vergleichen.

Wer hier eine vernichtende Rezension abgibt, wie sie im Internet desöfteren zu lesen ist, der hat den Roman eindeutig nicht verstanden.

*

Fazit: Wuchtig und intensiv serviert Galvinic ein literarisches Meisterwerk, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. „Die Arbeit der Nacht“ ist Lebenserfahrung und philosophische Reise in die menschliche Seele zugleich. Volle Punktzahl für dieses Werk.

© 2014 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Advertisements

One thought on “Die Arbeit der Nacht von Thomas Glavinic

  1. Pingback: Das bin doch ich von Thomas Glavinic | Buchwelten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s