Die Entdeckung des Hugo Cabret von Brian Selznick

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Erschienen als Broschur
im cbj Verlag
insgesamt 544 Seiten
Preis: 12,95 €
ISBN: 978-3-570-22118-1
Kategorie: Jugendbuch

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Hugo Cabret lebt nach dem Tod seines Vaters verborgen in den Gemäuern des Pariser Bahnhofs. Eigentlich hätte der Onkel auf den Waisenjungen aufpassen sollen, doch auch der stirbt und so hütet Hugo seine geheime Existenz und wartet alle Uhren des Bahnhofs, um den Anschein zu erwecken, sein Onkel, dem eigentlich die Aufgabe oblag, auf die Bahnhofsuhren aufzupassen, wäre noch am Leben. In seiner Freizeit versucht Hugo an einem geheimnisvollen Schreibautomaten, einem mechanischen Mann, zu basteln, an dem schon bereits sein Vater gearbeitet hatte. Hugo denkt, wenn er den Apparat zum Laufen bekommt, bekommt er vielleicht eine geheime Botschaft seines verstorbenen Vaters. Und dann wird Hugo plötzlich von einem Mädchen entdeckt. Gemeinsam finden sie auf einmal heraus, dass der Automat, der Vater des Mädchens und ein geheimnisvolles Notizbuch, das Hugo von seinem Vater bekommen hatte, miteinander zusammenhängen und einen Weg zu einem Geheimnis weisen, das in der Vergangenheit liegt …

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Brian Selznick hat mit seinem Buch „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ ein Experiment gewagt, das ein voller Erfolg für den Leser geworden ist. Selznick erzählt seine Geschichte nicht nur mit Worten sondern auch mit einer Vielzahl von Bildern. Diese Mischung aus Roman und Daumenkino verleiht dem Leser eine völlig neue Erfahrung in der Literatur. Man liest und sieht zwischendurch Passagen der Story sozusagen als Kinofilm. Es ist einfach wunderbar, in diese Geschichte einzutauchen.

In einem zwar einfachen, aber keinesfalls minderwertigen, Schreibstil lässt uns Selznick an der Gefühlswelt seines jungen Protagonisten teilhaben und entführt den Leser in eine Welt, in der das Kino noch etwas Außergewöhnliches und Visionäres war, das die Träume der Menschen zu bewegten Bildern machte. Melancholisch, aber niemals traurig, verschleppt uns Selznick in eine magische Welt, die wir durch seinen Text und die hervorragenden Bilder durch die Augen eines Kindes sehen. Was der Autor zwischen zwei Buchdeckeln versteckt hat, ist grandios und beeindruckend, lässt uns zu staunenden Kindern werden, die in einer eigenen Welt leben und dennoch an der der Erwachsenen teilhaben wollen.

Gerade die Einfachheit der Geschichte ist es wohl, die einen nachhaltig beeindruckt und nachdenklich beziehungsweise auf gewisse Art und Weise glücklich macht. „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ ist ein durch und durch gelungenes literarisches und künstlerisches Projekt geworden, das mit Sicherheit Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu begeistern vermag. Altmodisch und gleichzeitig innovativ legt Selznick ein Buch vor, das zum Klassiker werden könnte (und hoffentlich auch wird!).

Ich werde mir auf jeden Fall noch weitere Bücher dieses Autors  und Künstlers zulegen.

Vielleicht noch eine kleine Anmerkung zur Verfilmung des Buches durch Martin Scorsese: Besser hätte man die Vision und den Geist des Buches nicht umsetzen können. Scorsese hat auch mit seinem Film ein Meisterwerk geschaffen.

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Fazit: Innovativ und in seiner bildlichen Ausdrucksweise (Sprache und Zeichnungen vermischen sich in einer einzigartigen Weise zu einer Handlung) einzigartig. Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden dieses Buch auf verschiedene Weisen lieben. „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ ist ein Roman, der im Gedächtnis haften bleibt, als hätte man einen Kinofilm gesehen. Volle Punktzahl!

© 2015  Wolfgang Brunner für Buchwelten

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3 thoughts on “Die Entdeckung des Hugo Cabret von Brian Selznick

  1. Es überrascht mich bei einigen Rezensionen auf amazon zu erfahren, dass man angesichts der wundervollen Zeichnungen, enttäuscht über dieses Buch sein kann. Ebenso, dass einige die Geschichte für dünn und naiv erachten. Hugo Cabaret ist meines Erachtens im besten Sinne aussergewöhnlich und sollte zum Kanon der Kinderbücher zählen. Ich habe es mit meinem sechsjährigen Sohn gelesen und das kleine Wunder erleben dürfen, dass wir beim Vorlesen von Büchern ersehnen: er ist gänzlich in die Welt von Hugo eingetaucht, zitterte und freute sich mit ihm, verliebte sich auch ein wenig in Isabel und wünschte sich danach unendliche viele Zeichnungen von Zahnrädern in seinem eigenem Notizbuch. Hugo war über Wochen bei uns zu Haus.

    Das Buch ist auch für den erwachsenen Vorleser faszinierend. Die Bilder besitzen eine enorme suggestive Kraft. Sie wecken den Filmemacher in uns, lösen einen kompletten Kopffilm aus. Damit vermittelt uns Brian Selznick eine kleine Ahnung dessen, was die erwachsene Hauptfigur des Romans Georges Méliès angetrieben hat. Denn den französischen Filmpionier Georges Méliès gab es wirklich. Sowohl die Filme als auch die entscheidenden biografischen Details in der Geschichte sind real. Den Film „Reise zum Mond“ findet man heute dankbarer Weise ebenso auf youtube wie viele andere Beispiele seiner Kunst. Und wenn man wikipedia glauben mag, erfährt man u.a., dass er tatsächlich vor dem 1. Weltkrieg mit seinem Studio pleite gegangen ist und nach dem Krieg lange Zeit einen Spielwarenladen in einem Pariser Bahnhof hatte.

    Diese spannende Spurensuche habe ich ebenfalls mit meinem Sohn gemeinsam gemacht, nachdem wir im Anschluss an das Buch auch die herausragende Verfilmung von Martin Scorsese mit Ben Kingsley genossen haben. Das alles zusammen war für uns beide ein richtig schönes, langes Abenteuer, dass uns wohl lange unvergesslich bleiben wird.

    • Hallo Thomas,
      da Du direkt Deine komplette eigene Rezension hier als Kommentar einstellst, gehe ich mal davon aus, dass Dir die Rezension von Wolfgang gefiel? 🙂

  2. Pingback: Die Karte meiner Träume von Reif Larsen | Buchwelten

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