Der Berg von Dan Simmons

Berg

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Heyne
insgesamt 768 Seiten
Preis: 24,99 €
ISBN: 978-3-453-26896-8
Kategorie: Drama

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George Mallory und Andrew Irvine machen sich zusammen mit anderen Kletterern im Jahr 1924 auf den Weg, um den Gipfel des Mount Everest zu bezwingen. Sie verschwinden spurlos. Nur ein Jahr später organisiert der Bergsteiger Richard Deacon im Auftrag der Familie des damals ebenfalls verschwundenen Lord Percival Bromley eine zweite Expedition, um die Umstände aufzuklären. Bald entdecken Deacon und seine Begleiter, dass hinter dem Verschwinden der damaligen Expedition nicht menschliches Versagen, sondern etwas ganz anderes steckt …

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Dan Simmons neuer Roman spaltet die LeserInnen genauso wie „Terror“ und „Drood“. Was die einen furchtbar langweilig finden, erkennt der andere als anspruchsvolle und vor allem sehr atmosphärische Geschichte. Wie schon bei den oben erwähnten pseudo-historischen Romanen nimmt uns Meisterschriftsteller Dan Simmons mit auf ein Abenteuer, das schöner und spannender nicht sein könnte. In einer sehr ruhigen Gangart, die mich (natürlich) an „Terror“, aber auch an Bram Stokers „Dracula“ erinnert hat, erzählt Simmons seine Geschichte. Und das tut er so gut, das man anderen Menschen am liebsten vorlügen würde, man wäre selbst auf dem Mount Everest gewesen. So detailgetreu und authentisch wird man mit dem Bergsteigerleben, den Vorbereitungen und den Gefahren konfrontiert, dass man tatsächlich den Wind, die Kälte und den Schnee spürt und später, wenn man das Buch zur Seite gelegt hat und im warmen Bett liegt, denkt, man hätte dies alles vor ein paar Tagen selbst erlebt.

Das ist wirklich faszinierend, wie Simmons diese Stimmungen einfangen kann und sie auch noch so schildert, als hätte er die Dinge selbst erlebt und gibt sie nun in einem gehobenen Schreibstil an seine Leser weiter. Simmons ist ein Phänomen unter den Schriftstellern, der sich aus meiner Sicht ohne weiteres auf gleicher Höhe wie zum Beispiel Tolkien befindet. Seine Schilderungen sind einfach so bildhaft, dass man eher einen Film sieht als ein Buch liest. Manchmal könnte man sogar meinen, man wäre selbst dabei gewesen und lese nun noch einmal die von Simmons verfasste schriftliche Schilderung.

Viele meinen, „Der Berg“ nimmt erst zum Schluss hin so richtig Fahrt auf. Das stimmt auch, ohne Zweifel. Aber mir hat der Roman komischerweise genau ab jenem Moment nicht mehr so gut gefallen, wie zuvor, wo meist in ruhigen Tönen erzählt wurde. Meiner Meinung nach hätte Simmons den Spannungsbogen nicht unbedingt in Richtung reißerischem Pageturner herumreißen müssen. Aber wahrscheinlich wird das mittlerweile von einem Bestseller-Autor erwartet. Die Leute wollen Action! Mir wäre es weiterhin ruhiger lieber gewesen. Nichtsdestotrotz fügt sich „Der Berg“ nahtlos in Simmons Meisterwerke ein, allen voran aber bleibt nach wie vor  „Terror“ die absolute Spitze für mich.

„Der Berg“ ist für Bergsteiger gleichermaßen wie für abenteuerlustige LeserInnen geeignet, die sich in eine reale Welt entführen lassen wollen, von der sie schon nach wenigen Seiten glauben, sie hätten all dies selbst erlebt. Besser können (Abenteuer-)Romane eigentlich nicht sein.

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Fazit: Stimmungsvoll wie „Terror“, nimmt uns Dan Simmons mit seinem neuen Roman mit auf den höchsten Berg der Welt. Realitätsnäher geht es kaum, der einzige Unterschied zwischen der Wirklichkeit und diesem Roman ist, dass der Leser bei diesem Buch keine Sauerstoffmaske anlegen muss. Obwohl … 😉

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© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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