Todeseis von Bernward Schneider

todeseis

Erschienen als Taschenbuch
im Gmeiner Verlag
insgesamt 276 Seiten
Preis: 9,90 €
ISBN: 978-3-83921-252-3
Kategorie: Krimi

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Gladys‘ Liebhaber wird auf offener Straße ermordet. Gladys gelingt zwar die Flucht, aber die Mörder sind hinter ihr her, um sie ebenfalls zu beseitigen, da sie Augenzeugin des Verbrechens war. Kurzentschlossen begibt sich Glayds auf die Titanic, um nach New York zu flüchten. Ihr Liebhaber hatte die Karten für die Jungfernfahrt besorgt, um Geschäften nachzugehen. Wie sich herausstellt, sind es genau diese Geschäfte gewesen, die seinen Tod zur Folge hatten. Schon bald muss Gladys feststellen, dass sich ihre Verfolger auf der Titanic befinden und weiter Jagd auf sie machen …

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Als Titanic-Fan kam ich um dieses Buch nicht herum. Und als ich dann noch ein paar positive Meinungen darüber hörte, machte mich der Roman neugierig. Was ich dann zu lesen bekam, entwickelte sich zusehends zu einem Alptraum für mich. Aber eines nach dem anderen:

Der Plot machte anfangs tatsächlich noch neugierig, und der Protagonistin auf die Titanic zu folgen machte (logischerweise 😉 ) Spaß. Doch je mehr Seiten ich umblätterte, desto abstruser wurde die Handlung und desto schlimmer der Schreibstil. Die Recherchen beschränken sich aus meiner Sicht aus relativ bekannten Details über die Titanic und sind eigentlich nicht wirklich der Rede wert. Aber darum geht es auch gar nicht, denn recherchiert wurde und das auch nicht unbedingt schlecht. Wer sich mit der Titanic noch nicht wirklich beschäftigt hat, erfährt tatsächlich auch Neues. Aber wie der Autor dann sein dadurch erlangtes Wissen weitergibt, in dem er nämlich seinen Figuren an oft unpassenden Stellen diese Details in ihre Dialogen verpackt, wirkte auf mich völlig unglaubwürdig. Doch auch dieses Tatsache war es nicht, die mich fast dazu veranlasste, diesen Roman abzubrechen.

Die Handlung wirkt an den meisten Stellen konstruiert und absurde Ideen wie Seancen, in denen Geister vor dem Untergang warnen oder die angebliche Anwesenheit des legendären Jack The Ripper an Bord ließen das Ganze in eine unglaubwürdige Richtung abdriften. Hinzu kam der wirklich einfach gestrickte, umgangssprachlich gespickte Schreibstil, der in Verbindung mit den oben erwähnten „Ideen“ den Eindruck erweckte, als hätte ein vierzehnjähriger Schüler einen Aufsatz in Romanform über das Thema „Titanic“ versucht und seine Fantasie wäre mit ihm durchgegangen.

Was aber wirklich schlimm war, ist die permanent sexuell stimulierte, nymphomanisch angehauchte Protagonistin, die unentwegt auf der Suche nach dem besten Partner ist, mit dem sie sich körperlich verlustieren kann, und sich innerhalb von Sekunden in Männer verliebt, die umwerfend gut aussehen und auch „gut gebaut“ sind.  Das hatte teilweise das Niveau von Groschenheften (Liebes-, Schicksals- und Arztromane). Selbst beim dramatischen Untergang lieben sich die Passagiere auf Deck, zeigen ihre wollüstigen Schenkel und stoßen lüsterne Schreie aus, während um sie herum die Titanic versinkt. Das war mir echt zuviel und zerstörte jegliche Dramatik, von der teils naiv, umgangssprachlich saloppen Ausdrucksweise des Autors abgesehen. Oft wirken die schwülstigen Dialoge lächerlich und gehen sogar über die Grenze eines kitschigen Nicholas Sparks hinaus. Da wird „ein gemütliches Plätzchen“ in einem der Rettungsboote gesucht oder die naiv immergeile Gladys versucht ihren Entführer mit eindeutigen Angeboten zu verführen, um ihr Leben zu retten, während das Schiff sinkt. Als die Titanic dann unter einem „Weihnachtskartenhimmel“ gesunken ist, hat das Elend der Geschichte noch immer kein Ende gefunden. Da taucht ein Überlebender auf, der „seit einer Stunde unterwegs ist“ und eine Flasche Whisky getrunken hat, worauf Lightoller bemerkt, dieser wäre „voll wie eine Haubitze“. Ähm … wir reden hier von einer der größten (und vor allem bekanntesten) Katastrophen in der Passagierschifffahrt. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass in solchen Momenten derartige Worte gebraucht wurden, geschweige denn, an Deck des sinkenden Schiffes gef … wurde.

Alles in allem: Dieser Titanic-Roman ist Trash pur. Titanic-Hardcore-Fans wie ich werden an diesem Krimi nicht vorbeikommen. Zurück bleibt allerdings einer der bittersten Nachgeschmäcker, die ich bis jetzt in der Literaturwelt erlebt habe. Dieses (Krimi)Experiment mit historischem Hintergrund ging aus meiner Sicht gründlich in die Hose. Aber das Werk findet durchaus auch begeisterte Anhänger, wie man in anderen Rezensionen nachlesen kann.

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Fazit: Unglaubwürdig und konstruiert wird der Titanic-Mythos vertrasht. Selbst für Hardcore-Titanic-Fans nur bedingt empfehlenswert.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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