Im Land der Männer von Hisham Matar

MATAR-HISHAM-Im-Land-der-Maenner

Erschienen als Broschur
im Luchterhand Verlag
insgesamt 256 Seiten
Preis: 8,95 €
ISBN: 978-3-442-73865-6
Kategorie: Drama, Zeitgenössische Literatur

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Der neunjährige Suleiman hat keine Ahnung, dass sein Vater im Untergrund gegen den Revolutionsführer Gaddafi arbeitet und nicht auf Geschäftsreise ist, wie er dem Jungen weismachen will. Suleimans Mutter verfällt vor Kummer dem Alkohol. Suleiman versteht die Welt nicht mehr, als sich die politischen Fäden immer enger um seine Familie legen …

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Hisham Matars Debütroman ist trotz seiner politischen Hintergründe in erster Linie ein Drama über eine verlorene Kindheit inmitten politischer Querelen des Landes Libyen. Ganz fabelhaft erzählt Matar aus der Sicht des Kindes, das vieles nicht versteht, aber gerne verstehen würde. Es ist erschütternd, wie naiv der Junge die Grausamkeiten der Politik miterleben muss, ohne zu wissen, was um ihn herum geschieht. Trotz aller Schrecken hält der Protagonist an seinem Kindheitstraum fest und versucht, sein Leben zu genießen.

Matar ist ein absolut tolles und gefühlvolles Debüt gelungen, das in seinen Schilderungen so manches Mal an „Die Asche meiner Mutter“ von Frank McCourt erinnert. Man ist bei den Ereignissen förmlich mit dabei und sieht die Welt tatsächlich mit den Augen eines Kindes, stellt sich diesselben Fragen und verzweifelt an der Unwissenheit über die Zusammenhänge. Das hat Matar wirklich hervorragend und überzeugend rübergebracht. Auch wenn man sich für die politischen Verhältnisse des Landes Libyen nicht interessiert, so vermag die Geschichte zu begeistern, denn Matar schafft es, wie auch in seinem Nachfolger „Geschichte eines Verschwindens“, die Politik im Hintergrund zu halten und das Hauptaugenmerk auf die menschlichen Aspekte zu legen.

Man kommt nicht umhin, der Story eine gewisse autobiografische Perspektive zuzuschreiben, denn Hisham Matar ist, wie sein Protagonist Suleiman, ebenfalls in Tripolis aufgewachsen und später nach Kairo gegangen. Und Matars Vater ist in libyschen Gefängnissen verschwunden und sein Schicksal ist bis heute nicht bekannt. Da sind Parallelen einfach nicht von der Hand zu weisen. Umso beeindruckender wirken Matars Romane dadurch aber.

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Fazit: Beeindruckend, erschütternd und nostalgisch wird eine Kindheit erzählt, die von den politischen Wirren des Landes Libyen verdunkelt wird.

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© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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