Der Marsianer von Andy Weir

marsianer

Erschienen als Broschur
bei Heyne
insgesamt 512 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31583-9
Kategorie: Science Fiction

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Mark Watney gerät bei einer Marsexpedition in einen Sandsturm und wird bewusstlos. Als er aufwacht, sind seine Crew und das Raumschiff verschwunden. Watney befindet sich alleine auf dem roten Planeten. Mit einer dürftigen, von der Crew zurückgelassenen Ausrüstung beginnt für den Astronauten ein erbitterter Überlebenskampf …

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Man beginnt den ersten Satz zu lesen, dann den zweiten … und schon ist es um einen geschehen. Was Andy Weir da abgeliefert hat, ist Unterhaltung und autenthischer Sachbuchroman in einem. Ich kann gar nicht erklären, wie der Autor es schafft, einen von der ersten Seite an derart in seinen Bann zu ziehen, dass man die Nacht durchlesen möchte, um zu erfahren, wie es endet.
Technische Einzelheiten und physikalische Reaktionen werden so detailliert erzählt, dass man meinen möchte, es MUSS langweilig und ermüdend sein. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall: Man überlegt mit dem Protagonisten, versucht, die Zusammenhänge der Ereignisse zu verstehen und sucht selbst nach möglichen Lösungen für die unzähligen Probleme. Es ist wirklich unglaublich, welchen Sog diese Überlebensgeschichte entwickelt.

„Der Marsianer“ ist im Grunde genommen eine Einmann-Show. Weir hat mit seinem relativ einfachen Schreibstil schon gewonnen, wenn er komplizierte chemische Vorgänge beschreibt, die man als Laie dann sogar auch noch (zumindest grob) versteht. Das macht den Leser zum Verbündeten des Protagonisten, der seine brenzlige, lebensbedrohliche Situation mit einem gehörigen Schuss trockenen Humor beschreibt. Und das ist wahrscheinlich auch das Geheimnis dieses genialen SF-Romans: Man lacht, weint und fiebert mit, wie es autenthischer nicht sein könnte. Man hört den Sandsturm auf dem Mars förmlich, man erlebt Explosionen und unlösbare Probleme hautnah mit und spürt die Einsamkeit. Der (Anti)Held Watney gewinnt mit jedem Rückschlag, den er zusammen mit dem Leser erleidet, eine Portion Sympathiepunkte.
Es fällt wirklich sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Vom Szenario her erinnerte es mich desöfteren an zwei Werke von Stephen Baxter („Mission Ares“ und „Titan“).  Andy Weirs Debüt, das bereits vor einigen Jahren im Selbstverlag erschien, ist ein spektakuläres Weltraumabenteuer, das selbst Nicht-SF-Fans begeistern wird. Der Roman zeigt, dass sich unter den Selfpublishern genauso viele Talente verbergen wie bei den Independent Filmemachern. Aber erst einmal denken die Verlage, solche Geschichten will keiner lesen, bis das Publikum selbst entscheidet und sich die Perlen heraussucht. Dass Weir lange Zeit keinen Verlag gefunden hat, zeigt, dass die Mainstream-Politik der großen Verlage bei weitem nicht immer so aufgeht, wie sie meinen.

Tja, dass Ridley Scott die Verfilmung dieses Romans übernahm, lässt auf eine eindrucksvolle Umsetzung hoffen, die dem Buch gerecht wird. „Der Marsianer“ ist eines der realitätsnahesten Weltraum- und/oder Marsabenteuer, die ich kenne. Ich bin wirklich begeistert und freue mich schon jetzt auf das neue Werk von Andy Weir.

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Fazit: Realistisches und atemberaubend spannendes Szenario um einen Überlebenskampf auf dem Mars. Bereits in Buchform sieht man gedanklich einen spektakulären Film.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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