Der König der Diamanten von Simon Tolkien

tolkien

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Klett-Cotta
insgesamt 448 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-608-93961-3
Kategorie: Krimi

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Vor zwei Jahren hat Inspektor Trave den Mörder David Swain hinter Gitter gebracht, obwohl er eigentlich gar nicht so richtig sicher war, ob Swain auch der Täter ist, nach dem gesucht wurde. Zwei Jahre später gelingt Swain ein Ausbruch aus dem Gefängnis und noch am gleichen Tag seiner Flucht wird seine damalige Geliebte ermordet. Und wie schon einmal deuten alle Hinweise darauf hin, dass David Swain der Täter ist. Doch Trave ist wiederum argwöhnisch, denn der zwielichtige Diamantenhändler Titus Osman, in dessen Haus der Mord geschah, hat zusammen mit seinem Schwager eine undurchsichtige Nazi-Vergangenheit. Trave sucht Indizien bei Osman und versucht Swains Unschuld zu beweisen.

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Ein bisschen fühlt man sich an die Kriminalromane von Agatha Christie erinnert, wenn man in Simon Tolkiens Buch liest. Der Enkel von Kultautor J.R.R. Tolkien, dem Erschaffer von „Der Herr der Ringe“, kann schreiben, das ist nicht von der Hand zu weisen. Es ist ein klassischer Kriminalroman, den der Strafverteidiger und Staatsanwalt da vorlegt, und auch wenn die Handlung an manchen Stellen ein wenig vorhersehbar ist, verliert man nie die Lust, weiterzulesen und in die Geschichte einzutauchen.
Gerade die klassische Art des Kriminalromans, die der Autor gewählt hat, ist in Zeiten von Psycho-Thrillern wohltuend. Tolkiens Schreibstil ist angenehm und schön zu lesen.

Die detailverliebten Beschreibungen mögen für viele langatmig und störend wirken, ich habe sie genossen. Genauso präzise wie Gebäude und Ereignisse beschreibt der Autor seine Personen, was dazu führt, dass ein ziemlich stimmiges Portät jener zeit entstanden ist, in dem der Kriminalfall angesiedelt ist. Der Leser wird nämlich in das Jahr 1960 entführt und bleibt dabei völlig verschont von psychopathischen Serienkillern, abartigen Todesarten und ausgeklügeltem Ermittlungsfirlefanz. Tolkien beschreibt eine Liebesgeschichte, eine Eifersucht zwischen zwei Männern und einen unspektakulären Mord.

Doch durch seine vielschichtigen Charaktere und seiner eindringlichen Schreibweise braucht Tolkien keine anderen Zutaten, um einen hervorragenden Roman abzuliefern. Für mich stellt sich hierbei die Frage, warum sich kein deutscher Verlag traut, Simon Tolkiens weitere drei Romane zu veröffentlichen. Wahrscheinlich zu wenig Blut und Psycho-Terror. 😦
Schade eigentlich, denn solche „Back to the roots“-Romane wären mit Sicherheit eine angenehme Abwechslung im mittlerweile drögen Brutalo-Thriller-Sumpf.

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Fazit: Überzeugende Charaktere und eine klassische Kriminalhandlung machen „Der König der Diamanten“ zu einem erfrischenden und unterhaltsamen Stück Literatur. Wer einmal etwas anderes als über geistesgestörte Massenmörder lesen will, ist hier gut bedient.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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