Die Karte meiner Träume von Reif Larsen

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Erschienen als Taschenbuch
bei S. Fischer
insgesamt 464 Seiten
Preis: 12,95 €
ISBN: 978-3-596-18444-6
Kategorie: Belletrstik

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Der zwölfjährige T.S. Spivet ist begeisterter Kartenzeichner. Er hält alles aber wirklich alles in Form von Karten, fest. Als er für eine Universität Zeichnungen von Insekten anfertigt, wird er eingeladen, dort zu arbeiten und Vorträge zu halten, denn man glaubt, er sei erwachsen. Spivet entscheidet sich in einer sternenklaren Augustnacht, auf eigene Faust zu dieser Universität zu fahren und erlebt dabei das größte Abenteuer seines Lebens.

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Reif Larsens Debüt ist wie eine Mischung aus Romanen von John Irving und Mark Danielewskys „Das Haus“. In einem sehr angenehmen Schreibstil entführt Larsen seine Leser in eine Welt, in der noch so ziemlich alles in Ordnung war. Sein kindlicher Protagonist ist naiv und erwachsen gleichzeitig. Diese Mischung macht den kleinen Helden sympathisch und man begleitet ihn gerne auf seiner Reise ins Erwachsenwerden.
Die handschriftlichen Zeichnungen, Notizen und Querverweise an den Rändern der Buchseiten vermitteln der Geschichte einen Hauch von Realität und man ertappt sich dabei, dass man sich auf die Einschübe ebenso freut wie auf die eigentliche Story.

„Die Karte meiner Träume“ eröffnet dem Leser, der sich auf diese Art der Geschichte einlassen kann, einen kleinen Kosmos, der vor Ideen und Emotionen sprüht. Aber nicht nur die ungewöhnliche Aufmachung des Romans macht den Reiz aus, sondern auch das Universum des kindlichen Helden, der die Welt mit anderen Augen sieht als die Erwachsenen. Auf faszinierende Weise ergänzen sich Haupttext und an die Seitenränder gekritzelte Notizen zu einem ganzen, zu einer märchenhaften Welt, in der aber auch Schuld und Zweifel eine große Rolle spielen. „Die Karte meiner Träume“ ist wie ein Road-Movie zwischen zwei Buchdeckeln, voller skurriler Einfälle und liebenswerter Charaktere. Ähnlich wie bei „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ von Brian Selznick nimmt man am Leben eines Kindes teil und kann sich schwer dieser Welt entziehen.

Im Verlauf der Geschichte entwickelt sich die anfangs noch sehr authentische Story gegen Ende hin zu einem fast schon Fantasy-Plot. Ich persönlich fand diese Entwicklung nicht weiter schlimm, aber es gibt bestimmt manch einen Leser, der mit dieser Entwicklung unzufrieden ist, nimmt sie letztendlich der Gesamtgeschichte die Glaubwürdigkeit.
Larsen hat einen sympathischen Helden erschaffen, der trotz seines Mutes auch Ecken und Kanten hat und so manches Mal ein bisschen abgedreht wirkt. Durch die Skizzen und Gedanken, die einen durch den gesamten Roman begleiten, taucht man tief in die Welt des Protagonisten ein und lernt, so zu denken wie er. Der Leser begleitet den Jungen sozusagen hautnah auf seinem Weg zur Selbstfindung.

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Fazit: Auf zauberhafte, ideenreiche und ungewöhnliche Art und Weise wird die Geschichte eines Jungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden geschildert. Larsens Debüt glänzt durch eine hervorragende Aufmachung und verrückte Charaktere. Wer das Außergewöhnliche in der Literatur liebt, sollte zugreifen.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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