Hilflos von Barbara Gowdy

hilflos

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Kunstmann
insgesamt 336 Seiten
Preis: 19,90 €
ISBN: 978-3-88897-462-5
Kategorie: Drama, Thriller

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Bei einem Stromausfall verschwindet die neunjährige Rachel spurlos. Die Mutter und Freunde helfen der Polizei bei der Suche, nichtsahnend, dass sich das Mädchen gar nicht einmal so weit entfernt von ihnen befindet. Rachel wurde von Ron und Nancy entführt, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein eigenes Kind. Und Ron verspürt manchmal eine wahnsinnige Sehnsucht und Liebe gegenüber dem Mädchen, dass er sie nicht mehr hergeben möchte …

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Barbara Gowdy hat ein intensives Drama geschrieben, das sehr mitnimmt und emotional aufwühlt. Alleine die Tatsache, dass Gowdy versucht, eine Kindesentführung aus Sicht des Entführers, der Entführten und der betroffenen Mutter zu schildern, macht diesen Roman lesenswert. Denn die Autorin schafft es tatsächlich, jede Seite „verständlich“  und nachvollziehbar zu machen. Auf sehr ruhige Art wird eine Geschichte erzählt, die im Grunde genommen nur von einer Sache erzählt, nämlich der Macht der Liebe. Es ist eine Gratwanderung, die Gowdy hier entlang geht, ohne dabei auf eine Seite abzustürzen.
So schrecklich die Thematik auch ist, so einfühlsam und empathisch wird die Geschichte erzählt, dass sie so manches Mal sogar den Schrecken vergessen lässt und Hoffnung auf eine bessere Welt aussät. Immer wieder hofft man, dass der Entführer seinen Gelüsten nicht nachgibt. Wie diese innere Zerrissenheit des Mannes beschrieben wird, ist schon sehr realistisch und sensibel.

Eindringlich, nachvollziehbar und tiefgründig beschreibt Gowdy, was in einem Mann vorgeht, der Liebe und Begehren zu einem Mädchen nicht ganz unterscheiden kann. Andererseits spürt man die Verzweiflung der Mutter und die Anspannung, die solch ein Vorfall im Freundeskreis auslöst. Die Unsicherheit des entführten Mädchens wird so grandios in Szene gesetzt , als erhielte man tatsächlich Einblick in die Gefühlswelt eines solchen Opfers.
Barbara Gowdy hat sich in ihrem sechsten Roman einem schwierigen Thema gewidmet und hat dies aus meiner Sicht mit Bravour gemeistert. Ich konnte mich schwer von der Geschichte losreißen. Das Ende hat mich nachdenklich gemacht.
Gowdy versucht, sich in die Psychologie eines solchen Straftäters einzudenken und ich finde, das ist ihr sehr gut gelungen. Ihr geht es in ihrem Roman weniger um eine effektgeladene Krimigeschichte, als vielmehr um ein Psychogramm von Entführer und Entführter.
Wer sich auf das Thema einlassen kann, wird mit einer spannenden, aber dennoch sehr ruhigen Geschichte belohnt, die es in sich hat.

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Fazit: Einfühlsam und ruhig erzählt Barbara Gowdy die Geschichte einer Kindesentführung und versucht dabei, die Psychologie des Täters zu durchleuchten.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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2 thoughts on “Hilflos von Barbara Gowdy

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