Chrysaor von James A. Sullivan

chrysaor

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 512 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3-492-70403-8
Kategorie: Science Fiction

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Auf dem Planeten Chrysaor werden die Überreste einer uralten, anscheinend außerirdischen, Kultur entdeckt. Es handelt sich dabei um eine Station, die voller rätselhafter Maschinen steckt. Die Menschen hoffen auf einen neuen technologischen Fortschritt, sobald sie das Geheimnis des Fundes entschlüsselt haben. Der Pilot Chris soll das Geheimnis jener fremdartigen Technologie ergründen, bevor die Uranosier, ein kriegerischer Stamm von Außerirdischen, sich ihrer bemächtigen können. Chris wird verfolgt und man trachtet ihm nach dem Leben. Während seiner Reise zum Planeten Chrysaor entdeckt er immer mehr Puzzleteile, die sein Weltbild komplett verändern …

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Ich war wirklich sehr gespannt, mit welchen Werken der Piper-Verlag in seinem neuen, noch jungen Science Fiction-Programm in diesem Jahr an den Start geht. Die Inhaltsangabe von James A. Sullivans „Chrysaor“ machte mich neugierig und da ich Fan von epischen Science Fiction-Romanen von zum Beispiel Peter F. Hamilton, Stephen Baxter, Iain Banks und Andreas Brandhorst bin, konnte ich es kaum erwarten, dieses Abenteuer zu lesen.
Leider wurde meine anfängliche Euphorie bereits nach den ersten Seiten gehörig gedämpft, denn Sullivans Schreibstil sagt mir so überhaupt nicht zu. An manchen Stellen dachte ich, ich lese gerade einen unlektorierten Schreibversuch eines fünfzezhnjährigen Schülers, der sich für Science Fiction begeistert.

Sullivan, der einst Co-Autor bei Bernhard Hennens erstem Elfen Roman war, hat aus meiner Sicht kein wirkliches Gefühl für Sprache. Zu umgangssprachlich schildert er Situationen, die eigentlich einen anderen, niveauvolleren Stil verdient hätten. Dadurch verliert die geplante (und mit Sicherheit gut gemeinte) Epik jegliches Fundament und verliert sich in teils hilflosen Ausdrucksproblemen, die wie oben schon erwähnt, amateurhaft wirken. Der Plot wird zwar zügig vorangetrieben, so dass man durchaus weiterlesen will, aber durch die sprachlichen Holpersteine, die einem als Leser in den Weg gelegt werden, verliert man desöfteren dann doch die Lust. „Epische Science Fiction für alle Fans von Peter F. Hamilton“, wie  auf der Buchrückseite, ist „Chrysaor“ defintiv nicht. Bei weitem nicht, denn dieser Roman erreicht nicht einmal annähernd das Niveau eines Peter F. Hamilton und bewegt sich weitab von bombastischer Epik, wie einem durch den Text auf der Buchrückseite suggeriert wird. Ich würde James A. Sullivans ersten Science Fiction-Roman eher als seichte Unterhaltung für Jugendliche bezeichnen, die keinen besonderen Wert auf sprachliche Qualität legen.

Sullivan schafft es aus meiner Sicht auch nicht, seinen Protagonisten echte Charaktereigenschaften zu verpassen. Sehr unemotional und trocken wird die Geschichte erzählt. Die Story wirkt unausgegoren, undurchdacht und konstruiert. Die Handlungen der Personen grenzen manches Mal schon an ungewollter Komik und wirken unglaubhaft. Die Story läuft einfach nicht rund und zu viele Unpässlichkeiten stören den Lesefluss.
Ohne Frage stecken einige passable Ideen in der Geschichte, die aber leider nicht zufriedenstellend ausgearbeitet und geschildert werden. „Chrysaor“ hätte durchaus ein episches Science Fiction-Werk werden können, hätte sich der Autor mehr Mühe gegeben und die umgangssprachlichen „Patzer“ überarbeitet. So manches Mal habe ich mich gefragt, ob dieser Roman überhaupt durch ein Lektorat gegangen ist, denn auf mich wirkte das Ganze wie eine unüberarbeitete Rohfassung.
Es gibt so viele deutsche, noch unbekannte Science Fiction-Schriftsteller, die weitaus bedeutendere Werke vorlegen könnten, aber von großen Verlagen permanent abgelehnt werden. Da frage ich mich ernsthaft, wie es Sullivan mit dieser Geschichte geschafft hat.

Geschmäcker sind verschieden und ich bin sicher, dass Sullivan mit seinem Erstling im Science Fiction Genre Anhänger finden wird, die er auch begeistern kann, denn Ideen sind durchaus vorhanden. Mein Fall ist es aber leider nicht, weil eben zu unemotional, konstruiert und umgangssprachlich geschrieben.

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Fazit: Epische Science Fiction sieht anders aus. Sullivan schreibt emotionslos und ein wenig unbeholfen eine konstruierte Geschichte, die es auf keiner Seite schafft, den Leser in den Bann zu ziehen.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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