Die letzten und die ersten Menschen von Olaf Stapledon

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Erschienen als Hardcover
im Piper Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis:  25,00  €
ISBN: 978-3-492-70632-8
Kategorie: Science Fiction

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Wie sieht die Zukunft der Menschheit aus? Gibt es in zwei Milliarden Jahren die menschliche Zivilisation überhaupt noch? Und, wenn ja, wie und wo leben die Menschen dann?

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Zuerst einmal muss ich auf die überaus ansprechende Neuausgabe dieses SF-Klassikers im Piper-Verlag eingehen: Der Umschlag des Buches ist trüb-transparent und sein Aufdruck ergänzt sich dadurch hervorragend mit dem Bild auf der eigentlichen Buchvorderseite. Buch- und Coverbild ergeben somit das sichtbare, absolut gelungene Titelbild. Alleine optisch ist dieser Science Fiction-Meilenstein also schon ein echter Hingucker und sollte in keiner SF-Sammlung fehlen.
Auf den Buchinnenklappen sind die Originalskizzen der Zeitleisten von Stapledon abgebildet, was ebenfalls einen sehr hochwertigen Blickfang abgibt. Insgesamt hat sich der Verlag wirklich sehr große Mühe für diese Sammlerausgabe gegeben und verdient daher ein dickes Lob.

Nun zum Roman: Stapledons Zukunftsepos hat über achtzig Jahre „auf dem Buckel“ und man kann es manchmal gar nicht glauben, wie weitsichtig und philosophisch er seine Visionen entwirft. Das Buch liest sich meistens wie eine Art Geschichtsbuch, trocken und voller Informationen. Aber wer nun meint, „Die letzten und die ersten Menschen“ wäre ein Sachbuch, täuscht sich, denn hat man sich erst einmal an den (aus meiner Sicht sehr hochwertigen) Schreibstil gewöhnt, wird man von den Schilderungen mitgerissen. Es ist bestimmt nicht jedermanns Sache, über hunderte von Seiten eine detailliert ausgearbeitete Zukunft in menschlicher, politischer, religiöser und sexueller Hinsicht zu verfolgen. Ich selbst hatte nur an einer einzigen Stelle einen „Hänger“, der mir zu langatmig erschien, ansonsten empfand ich diese perfekt ausgearbeitete Zukunftsvision extrem spannend.
Vor allem das Ende in seiner höchst philosophischen und teils auch esoterischen Auslegung hat mich sehr angesprochen und war für mich auch vollkommen nachvollziehbar.

Stapledons Roman umfasst Äonen und erinnerte mich vom Gesamteindruck (nicht vom Schreibstil oder den Ideen) an Stephen Baxter, der es ebenfalls schafft, den Leser auf eine Reise über Millionen von Jahren mitzunehmen. Aber anders als Baxter vermittelt Stapledon den Eindruck, eine wissenschaftliche Abhandlung über die Zukunft der Menschheit geschrieben zu haben. Dennoch wirken seine Visionen innovativ und wissenschaftlich durchdacht. Für den Roman wurden anscheinend lediglich die Informationen, die im Jahr seines Entstehens vorlagen, „hochgerechnet“ und in ein plausibles Gewand hineingearbeitet. „Die letzten und die ersten Menschen“ ist ein unglaublich ausuferndes Porträt der menschlichen Rasse, die an manchen Stellen in geistige Sphären vordringt, die höchst philosophisch und wunderschön erscheinen. Ich konnte gerade diese Entwicklung des Menschen absolut nachvollziehen, denn hinter unserer Existenz wird mit Sicherheit solch eine geistige Gemeinschaft stecken, davon bin auch ich überzeugt. Vielleicht liegt es gerade an dieser Übereinstimmung mit dem Autor, die für mich diesen Roman zu einem wunderbaren Erlebnis gemacht hat.

Olaf Stapledon hat ein komplexes Weltbild der Zukunft erschaffen, analysierte Gesellschaftsstrukturen und deren Entwicklungen sehr nachvollziehbar und hat mit seinem Roman ein kleines Meisterwerk erschaffen. Wer populäre Science Fiction mit Weltraumabenteuern und Raumschiff-Schlachten mag, wird an diesem Buch schwer Gefallen finden. Wer sich jedoch für ein gut konstruiertes Zukunftsbild interessiert, das sich fast schon wie ein historisches Lehrbuch liest, wird begeistert sein, wenngleich an manchen Stellen Durchhaltevermögen erforderlich ist. Und eines sollte man auch noch wissen, bevor man sich an Olaf Stapletons fast schon bahnbrechendes Werk einlässt: Es gibt keine(n) Protagonisten, den man begeleitet. Es gibt lediglich den Erzähler aus der Zukunft, der die Ereignisse fast emotionslos schildert.

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Fazit: Komplex und gut konstruiertes Zukunftsbild der Menschheit, das, wenngleich erfunden, dennoch nachvollziehbar echt sein könnte. Fernab von Weltraumschlachten wird hier ein Sf-Roman in einer einem Sachbuch ähnlichen Form vorgelegt.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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