NSA – Nationales Sicherheitsamt von Andreas Eschbach

NSA

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Bastei Lübbe Verlag
insgesamt 796 Seiten
Preis: 22,90 €
ISBN: 978-3-7857-2625-9
Kategorie: Thriller, Belletristik

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Wie hätte sich der Krieg entwickelt, wenn es im Dritten Reich schon Computer, das Internet, Handys und soziale Netzwerke gegeben hätte? Wäre die Überwachung der Bürger durch die Nazis nicht erschreckend gewesen?
Die Programmiererin Helene arbeitet im Weimar des Jahres 1942 im sogenannten Nationalen Sicherheits-Amt (NSA) und entwickelt Programme, mit denen alle Bürger des Reiches überwacht werden können. Durch Zufall lernt sie die Liebe ihres Lebens kennen, der allerdings das Deutsche Reich durch Fahnenflucht verraten hat und gesucht wird. Helene gerät zunehmend in Konflikte und muss zusätzlich noch feststellen, dass die durchgeführten Überwachungen bei weitem bedrohlicher sind, als sie jemals gedacht hätte …

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Und wieder hat sich Andreas Eschbach einen sehr brisanten Thema gewidmet, das er zwar in der Vergangenheit ansiedelt, aber geschickt die Gefahren des Internets in der heutigen Zeit mit einbaut. Was zuerst wie eine modernisierte Version von Robert Harris‘ „Vaterland“ anmutet, entwickelt sich allerdings schon nach kurzer Zeit zu einer erschreckenden Vergangenheitsvision, die dem Leser einen Spiegel der gegenwärtigen Situation vorhält. Eschbachs Roman erschreckt und jagt einem auf fast jeder Seite unglaubliche Angst ein, weil man sich oftmals nicht sicher ist, ob es sich denn heute genau so verhält, wie der Autor es in seiner fiktiven Geschichte schildert. Es ist unglaublich, mit welcher Detailgenauigkeit Eschbach unsere Gegenwart in das Szenario einer schrecklichen Vergangenheit transportiert und einerseits „die Geschichte neu schreibt“ und andererseits exakt den Nerv der heutigen Zeit mit ihren übertriebenen sozialen Netzwerken trifft. Vor allem wirft dieser Roman ein völlig neues Licht auf die Debatte um die Speicherung von Daten im Internet. Und es zeigt, dass Macht auch missbraucht werden kann, um Unschuldige zu bedrohen.

Ich bin ziemlich sicher, dass es wieder unzählige „Nörgler“ geben wird, die dem Plot nichts abgewinnen können (oder möchten) und etwas völlig anderes in die Geschichte hinein interpretieren, als von Eschbach gedacht. Wer sich aber auf solch eine historische „Möglichkeit“ einlässt, wird mit einem extrem spannenden und hervorragend geschriebenen Roman belohnt, der einen nicht mehr loslässt, hat man einmal damit angefangen.  Es ist eine Gratwanderung, die Andreas Eschbach mit seinem neuen Werk begeht. Aber er meistert die Herausforderung brillant und weckt im Leser unzählige Gedanken. Fast möchte man den Umgang des Autors mit der Hitlerzeit und der damit verbundenen „Menschenhatz“ zurückhaltend nennen, so feinfühlig wird damit umgegangen. Aber trotzdem hält man unweigerlich den Atem an, wenn man Zeuge von Aufspüraktionen und Verfolgungen nicht gewollter und geduldeter  Menschen wird. Die moderne Aufbereitung jener Zeit hat mich tief beeindruckt.

Andreas Eschbach widmet sich aber nicht nur den zwielichtigen Unternehmungen der Nationalsozialisten, sondern beschreibt auch eine wunderbare und stets nachvollziehbare Liebesbeziehung, die mir ebenfalls absolut gefallen hat. Man konnte die Gedankengänge, Ängste und Hoffnungen der Protagonisten absolut verstehen und fühlte mit ihr. Was mir außerdem positiv bei „NSA“ aufgefallen ist, sind die nicht zimperlichen Sexszenen, die Andreas Eschbach eingebaut hat (und die auch im Rahmen der Handlung absolut Sinn ergeben). Denn sie sind alles andere als reißerisch, obwohl sie, wie schon erwähnt, auch nicht zurückhaltend sind. Doch auch hier hat Eschbach einen hervorragenden Weg gefunden, erotische und sexuelle Szenen auf eine Art und Weise zu beschreiben, dass sie keinesfalls plump, billig und lächerlich wirken, sondern eine entsprechende Stimmung vermitteln können, mit der man als Leser unbedingt umgehen kann.
Man kann definitiv nicht umhin, den Plot dieses Romans als genial zu bezeichnen. Die Mischung aus Fakten und Fiktion ist dem Autor dermaßen gut gelungen, dass man sich manchmal  während des (vertieften) Lesens dabei ertappt, alles für bare Münze zu halten, so authentisch wurden die elektronischen Möglichkeiten der Neuzeit in das historische Handlungsgerüst mit eingebaut. Hut ab, Herr Eschbach vor dieser Kunst und auch vor dem Mut, solch ein Thema (gerade in der heutigen Zeit) aufzugreifen. Absoluter Lesetip meinerseits, da dieses Buch schlichtweg süchtig macht und einen ganz eigenen, hypnotisierenden Sog entwickelt. Ich freue mich deshalb schon sehr, auf ein neues Werk von Andreas Eschbach.

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Fazit: Geniale Idee, die unglaublich gut umgesetzt wurde. Andreas Eschbach macht auch mit diesem Buch wieder süchtig.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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