Violinen wachsen nicht auf Bäumen von Olaf Lux

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei epubli
erhältlich bei Bandcamp
insgesamt 540 Seiten
Preis: 39,99 €
ISBN: 2000043321528
Kategorie: Biografie, Musik

Auf über 500 Seiten wird das Leben und Werk eines der bedeutendsten musikalischen Künstler der Elektronischen Musik beleuchtet, von der ersten Schülerband bis zum aktuellen Album.

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Es ist der pure Wahnsinn, was Olaf Lux da in fünf Jahren an Informationen zusammengetragen hat. Was mich noch viel mehr erstaunt und begeistert hat, ist die Art und Weise, wie er seine Recherche, sein Wissen und die Begeisterung über Klaus Schulze in Worte gefasst hat und den Leser dabei auf eine wunderbare Reise mitnimmt, die man nicht mehr so schnell vergisst. Ich komme gleich wieder ins Schwärmen, während ich diese Rezension schreibe, weil ich mich gleich wieder an so vieles erinnere, das mich in die 1970er-, 1980er- und 1990er Jahre zurückgeschleudert hat. Lux ist Fan, das merkt man auf jeder Seite und wenn ich daran denke, wie er viele von Schulzes’ Titel analysiert und „auseinandergenommen“ hat, dann kommt meine Begeisterung gleich wieder hoch. 😉 Ich habe noch nie eine so derart detaillierte Biografie über das Leben (und eben auch das Werk) eines Künstlers gelesen wie die vorliegende.

Nachdem ich mich selbst mehrere Jahrzehnte lang mit elektronischer Musik beschäftigt habe und diese mich auch fast ein ganzes Leben lang begleitet, kannte ich viele Namen aus der Szene. Es war, als träfe man wieder alte Freunde, als ich vom Beginn der EM-Ära las und erkennen musste, dass vieles schon damals zusammenhing und ich es nur nicht erkannt habe. Durch die faszinierenden Beschreibungen der Alben, an denen sich Lux auch grob durchs Leben des Musikers hangelt (was ich übrigens eine sehr gute Idee finde), wurden mir die Klänge von Klaus Schulze nähergebracht, so dass ich nun viele Alben auch mit einem anderen Ohr höre.
Olaf Lux geht weitestgehend chronologisch vor, so dass man die Weiterentwicklung der Musik ebenso nachvollziehen kann wie auch die der Person Klaus Schulzes. Wenn ich anfangs noch dachte, dass sich das Buch bestimmt „trocken“ in die Länge ziehen würde, so wurde ich schon bald eines Besseren belehrt. Lux schafft es mit seinem angenehmen und flüssigen Schreibstil den Leser sofort zu packen, so dass sich „Violinen wachsen nicht auf Bäumen“ fast schon wie ein Roman liest, wenngleich auch voller Informationen.

Am Ende tat es mir tatsächlich leid, die Welt von Klaus Schulze und die der elektronischen Musik zu verlassen. Glücklicherweise habe ich viele Schulze-Alben, wobei ich nach der Lektüre dieses Buches mit Erschrecken feststellen musste, dass mir schon noch so einige CDs in meiner Sammlung fehlen. nach Lektüre dieser Biografie meint man, den Menschen Klaus Schulze zu kennen, was wahrscheinlich an der äußerst ehrlichen und manchmal auch witzigen Beschreibung liegt, die Olaf Lux dem Leser nahebringt. Ich habe so einige Anekdoten gelernt und manchmal immer wieder mit Erstaunen festgestellt, wie viele Musiker mit Klaus Schulze „zusammenhingen“. „Violinen wachsen nicht auf Bäumen“ hat meinen Horizont diesbezüglich erweitert und ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben, dass sich übrigens auch hervorragend als Nachschlagewerk in Bezug auf Klaus Schulze benutzen lässt.
Ein Wort noch an alle, die sich von dem im ersten Moment relativ hohen Preis eventuell abschrecken lassen: Es lohnt sich definitiv, sich dieses Buch zuzulegen, zumal man neben dem Lesegenuss auch noch ein Album des Musikers Michael Brückner mit dem Titel „Klaustrophilia“ zum Download mit dazu bekommt.

Abschließend noch ein paar Worte zum Album von Brückner: Mit einer Laufzeit von fast 90 Minuten entführt es den Zuhörer in eine faszinierende, hypnotische Klangwelt, die zum einen wie eine Hommage an Klaus Schulze klingt, was ja in diesem Fall logischerweise beabsichtigt ist, klingt aber zum anderen wie ein eigenständiges Werk von Michael Brückner. Genau diese Mischung macht den Reiz dieses Albums aus, denn irgendwie hört man ein Klaus-Schulze-Album, das aber gar keines ist. Was mir hier persönlich gefällt, ist, dass Brückner mit seiner Musik, wie auch Lux mit seinem Buch, eine gedankliche Zeitreise in mir auslöst. Beim Lesen der Biographie und beim Anhören des Albums fühlte ich mich in die 1970er-Jahre zurückgeschleudert und mit wird wieder bewusst, wie elektronische Musik damals „funktioniert“ hat, nämlich als etwas Neues, Experimentelles und Beruhigendes zu erschaffen.
Die Symbiose zwischen dem Buch „Violinen wachsen nicht auf Bäumen“ von Olaf Lux und dem Album „Klaustrophilia“ von Michael Brückner könnte aus meiner Sicht gar nicht besser klappen.

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Fazit: Hervorragend recherchierte Biografie über einen großen Künstler und seine Werke. Unbedingt lesen!

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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