Fräulein Wolf und die Ehrenmänner von Gabriella Wollenhaupt & Friedemann Grenz

Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 288 Seiten
Preis: 13,00
ISBN 978-3-89425-781-1
Kategorie: Historischer Kriminalroman
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Sicherheitshalber sei vor eventuellen „Spoilern“ gewarnt

Im Jahre 1930 kommt Leonore „Leo“ Wolf aus Wien nach Berlin, um dort als Reporterin für den Sozialdemokratischen Pressedienst zu schreiben. Relativ kurz nach Arbeitsantritt wird im Wedding ein Uhrmacher ermordet. Doch der war kein unschuldiger alter Mann, sondern einer, der mit Mädchen Geld verdient hat. Er hat junge Mädchen aus seinem Viertel, dem Wedding, nackt und teils in eindeutigen Posen fotografiert und diese Fotografien verkauft. Er hat auch gerne mal das ein oder andere Mädel vermittelt, wo sie den Herren gefällig sein mussten. Angeklagt des Mordes werden die 16-jährige Luise „Lieschen“ Neumann, ihr Verlobter und ein weiterer Freund.

Leo übernimmt die Berichterstattung zum Prozess und recherchiert fleißig im Umfeld der Angeklagten und des Opfers. Dabei erfährt sie, dass auch Nazis zum Kundenstamm des Uhrmachers gehörten und durch ihre Artikel macht sie sich diese zu Feinden. Zumal Leo auch noch Jüdin ist, was den braunen Herren übel aufstößt. Doch Leo lässt sich nicht ängstigen und macht ihre Arbeit mit viel Mut und Einsatz weiter …

***

Ich bin ein großer Fan von Gabriella Wollenhaupt und war nach dem Ende der absolut umwerfenden Grappa-Reihe natürlich sehr froh, dass es doch wieder etwas Neues von ihr gibt. Diesen historischen Krimi hat sie wieder gemeinsam mit Ihrem Ehemann. Dr. Friedemann Kleist, ach nein, Dr. Friedemann Grenz ☺, geschrieben. Das haben sie ja schon einmal erfolgreich getan.

Ich wurde entführt ins Berlin im Jahre 1931, was wirklich toll und auch interessant war. Ich erlebte die Stadt der damaligen Zei.t Das Lebensgefühl und der Flair kamen sehr gut rüber. Für mich persönlich war es insoweit besonders, da ich vor kurzem erst die gesamte Serie „Ein Mann will nach oben“ gesehen habe, die auch in Berlin und zur damaligen Zeit spielt. Und wenn die Mädels aus dem Wedding ihr Berlinerisch gesprochen haben, hatte ick immer die „Rieke“ im Ohr.

Aber auch die schwierigen Umstände der damaligen Zeit, die Probleme, die die jüdischen Mitbürger seinerzeit schon mit und wegen der Nazis hatten, war sehr gut beschrieben. Da wurde z.B. der Polizeivizepräsident als „Isidor“ beschimpft und von Untergebenen beleidigt. Ich mag Bücher, die mich anregen, in der Geschichte nachzuschnüffeln und das hat auch dieser Roman geschafft.

Die Haupthandlung an sich beruht ja schon auf einer wahren Geschichte. Den Prozess um Lieschen Neumann gab es wirklich und unheimlich viele Charaktere im Roman sind reale Personen. Hierzu gibt es ein ausführliches Register im Anhang. Natürlich habe ich mir dann die Bilder dieser Menschen und auch alten Gebäude angesehen und noch einiges dazugelernt. Gut, die Seite von Berlin sagt, dass Dr. Bernhard Weiß, Leos Onkel, in London verstarb, währen die Autoren schreiben, er sei kurz vor seinem Tod nach Deutschland zurückgekehrt. Aber ich finde, dass der Roman sehr gut und gründlich recherchiert ist, wobei ich kein Historiker oder Geschichtsfachmann bin.

Der Schreibstil ist für mich schon sehr typisch „Wollenhaupt“, was mir unheimlich Freude gemacht hat. Allein die Überschriften der Kapitel, die in flotten Stichworten immer den Inhalt des Kapitels umschreiben, sind Grappa-Stil und einfach toll. Dann geht es weiter mit den Artikeln, die die Protagonistin Leo verfasst und publiziert. Auch diese „Schreibe“ ist schon sehr Grappa-ähnlich, auch wenn die Zeit und natürlich die Sprache eine andere sind. Der Kern ist unbedingt erkennbar. Dann die Hauptfigur: Leo ist jung, hat einen dunklen Bob-Haarschnitt, ist eher zart. Aber auch sie ist, wie Grappa, sehr gebildet, schlagfertig, mutig, wortgewandt, humorvoll, und wissbegierig. Sie ist liebevoll, romantisch, dennoch tough und auch stur. Sie isst, wenn sie Hunger hat, worauf sie Lust hat und achtet nicht bei jedem Bissen auf ihre Figur.

Also, Parallelen sind definitiv da und ich wüsste schon gerne, welchen Teil Friedemann Grenz geschrieben hat. Vielleicht den politischen oder geschichtlichen?

Wie dem auch sei. Ich hatte ein großartiges Lesevergnügen und eine wunderbare Zeit zusammen mit Leo Wolf in Berlin und ich würde mich riesig freuen, wenn es weiteres über und mit ihr zu lesen gibt. Zumal auch Leo ihren „Friedemann“ gefunden hat, eine weitere kleine Parallele ….

© Marion Brunner_Buchwelten 2021

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Das Leben und die Musik von Peter Gabriel von Daryl Easlea

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Hannibal Verlag
insgesamt 496 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 9783854454595
Kategorie: Biografie

Peter Gabriel, wurde ursprünglich bekannt durch Genesis und ist mittlerweile einer der größten und bedeutendsten Solokünstler überhaupt. Bekannt dafür, dass er sich immer wieder neu erfindet, nie im gleichen Fahrwasser bleibt.

Dafür, dass er sich für Menschenrechte einsetzt, dass er Musik aus fremden Kulturen in seine Musik einfließen lässt und Musikern aus aller Welt mit seinem Label Real World und auf seinen WOMAD Festivals eine Plattform gibt.

Peter Gabriel ist nicht einfach nur ein Musiker, er ist etwas Besonderes …

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Ich bin wahrscheinlich eine der eher seltenen Fans, die keinen Schimmer hatten, dass Peter Gabriel Gründungsmitglied und Sänger von Genesis war. Ich lernte Peter Gabriel, ich glaube, 1986 (16 Jahre alt) kennen, denn rückblickend war die SO wohl schon erschienen. Für mich war das erste Album, das ich kennenlernte, die Plays Live und dann rückwärts Cars, Scratch, Melt, Security und die deutschen Alben. Erst dann kam für mich die SO, die so völlig neu und anders als die ersten Solo-Alben war. Ich liebte Songs wie „Here comes the Flood“, „Games without Frontiers“ (wie oft haben wir die deutsche Version gehört und rauszubekommen, ob er wirklich „Ihr seid auch gefi$$t“ singt?☺).

Die Biografie erzählt sehr ausführlich die Anfänge von Genesis, das Kennenlernen der Jungs auf dem Internat, die ersten Jahre als Band, die Wechsel der Musiker, die Versuche einen Plattenvertrag zu erhalten, die ersten Konzerte. Inzwischen kenne ich durch meinen Mann auch die alten Genesis-Alben, aber erfahren habe ich durch dieses Buch unheimlich viel und es war absolut spannend und interessant. Irgendwie hängen sie doch alle zusammen und jeder kennt jeden und produziert oder spielt als Musiker mit. Ich habe mir im Anschluss an den ersten Teil erst einmal alte Genesis Videos angesehen, denn Stücke wie Musical-Box (Fuchsköpfe oder Blumen) waren mir neu. Ich fand es toll und damals war Peter Gabriel schon sehr vielseitig und ideenreich.

Für mich ging es dann mit Teil 2 so richtig los. Die ersten Alben, Hintergrundinfos zur Entstehung der Songs, der Musik, der Musiker, die in den Anfängen dabei waren. Auch für mich gab es noch so viele tolle und interessante Dinge zu erfahren. Die Biografie springt von Album zu Album, erklärt die Entstehung, die Bedeutung der Texte. Aber auch die Gründung des WOMAD-Festivals, sein Einsatz für Menschenrechte, Peters Liebe zur afrikanischen Musik und deren Einsatz in seinen Songs, der Bau der Real World Studios, all das wird ausführlich erzählt und beschrieben. Auch privat lernen wir Peter Gabriel ein wenig kennen, den scheuen, freundlichen und doch oft rastlosen Menschen. Der in jungen Jahren Vater von 2 Töchtern wurde und im reifen Alter Vater von 2 Jungs.

Wie man sieht, es kommt nichts zu kurz: die Biografie ist interessant, fesselnd und ein Muss für alle Fans von Peter Gabriel. Und nein, mir ist der Genesis-Teil nicht zu lang. Im Gegenteil, ich fand ihn sehr spannend und informativ.
Zwischendurch gibt es viele tolle Fotos zu sehen, die Peter Gabriel durch die Jahre begleiten. Von Genesis-Zeiten (rasierter Scheitel) bin hin zu 2014, wo er aussieht, wie man ihn heute kennt. Ich hätte es schöner gefunden, wären die Fotos in Farbe. In schwarz-weiß auf dem cremefarbenen Papier wirken sie leider wie Zeitungsfotos.

Danke Hannibal-Verlag. Ich habe viele schöne Stunden mit meinem Lieblingssänger verbracht und noch unheimlich vieles erfahren, das ich noch nicht wusste.

Links:

https://petergabriel.com/

https://www.witness.org/

http://realworldstudios.com/

© Buchwelten 2021

Eigenbedarf von Michael Opoczynski

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Benevento Verlag
insgesamt 240 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783710900662
Kategorie: Kriminalroman

In Berlin herrscht der Miet(er)terror. Ein älteres Ehepaar sucht die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen auf, da der gesamte Block, in dem sich ihre Mietwohnung befindet, an einen mysteriösen neuen Eigentümer verkauft wurde.

Nun sollen alle Wohnungen saniert werden und das zwar auf so extreme Art und Weise, dass man sich erhofft, die Mieter so zu vertreiben, um anschließend die Luxuswohnungen teuerst zu verkaufen. Arbeiten werden angefangen und nicht weitergeführt, alte Fenster werden herausgerissen und keine neuen verbaut, sondern nur Folien zum „Schutz“ verklebt. Und das im Oktober, und das waren nur zwei Beispiele.

Die Gesellschaft nimmt sich dem Fall der Szymanskis an, damit sie in ihrer Wohnung verbleiben können, der Terror am Berliner Immobilienmarkt zumindest einen Dämpfer erhält und die Gerechtigkeit wieder hergestellt wird…

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Dies ist der dritte Fall für die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen und der Autor greift wieder ein hochbrisantes, aktuelles und auch politisches Thema auf, dass er mit viel Biss und auch schwarzem Humor zu einer wunderbaren Handlung verbaut hat.

In seiner Gesellschaft treffen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander, doch jeder für sich ist mit seinen besonderen Kenntnissen und Fähigkeiten wichtig für die Gesellschaft. Das Zusammenspiel derer liest sich immer wieder sehr fesselnd und kurzweilig.

Ich mag Autoren, die es schaffen, politische und teils trockene Themen zu einem Roman zu verarbeiten, sodass ich als Leser trotzdem richtig Spaß habe und auch oft schmunzeln kann.

Michael Opoczynsky hat nunmehr zum dritten Mal bewiesen, dass er genau dies kann. Ich freue mich jedes Mal aufs Neue auf einen weiteren Fall der bunt zusammengewürfelten Gesellschaft mit ihrem Ehrenkodex: Gerechtigkeit schaffen, wo der Staat es nicht tut oder schafft.

Die Charaktere sind mir inzwischen alle gut bekannt und auch ans Herz gewachsen. Man trifft auf alte Bekannte, die perfekt miteinander zusammenarbeiten und auch Grenzen überschreiten, wenn es nötig ist. Schadenfreude spielt auch eine große Rolle, die der Leser wahrlich auskosten kann.

Neben der Haupthandlung gibt es auch hier wieder einen Nebenstrang, der meist die privaten Belange eines der Mitglieder betrifft und die Handlung sehr gut ergänzt und auffrischt. Denn so lernt man Nebencharaktere auch immer ein wenig intensiver kennen.

Fazit: Bitte mehr davon. Es mögen hoffentlich noch einige verrückte Anfragen an diese außergewöhnliche Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen gerichtet werden.

© Marion Brunner_Buchwelten 2021

Billy Summers von Stephen King

Billy Summers von Stephen King
Erschienen gebundene Ausgabe mit Leseband
im HEYNE Verlag
Preis: 26,00 €
720 Seiten
ISBN: 9978-3-453-27359-7
Kategorie: Roman

Achtung – ggf. spoilere ich doch ein wenig …

Billy Summers, ehemaliger Scharfschütze der US-Marines, nimmt einen letzten Auftrag an, bevor er sich zur Ruhe setzen will. Sein „Boss“ Nick vermittelt ihm den Auftrag, der einige Vorbereitungszeit benötigt, da das Zielobjekt erst in noch nicht absehbarer Zeit aus dem Gefängnis überführt wird, und zwar zu dem Gericht, wo auch der Job ausgeführt werden soll.

Was Nick nicht weiß ist, dass Billy Summers den „Einfältigen“ nur mimt. Billy ist viel schlauer als angenommen, absolut gebildet und sehr belesen. Doch da dies gefährlich werden kann, lässt er das nicht durchblicken.

Für diesen letzten Job zieht Billy vorübergehend in ein Haus in einem beschaulichen Vorort ein, er erhält ein Büro, in dem er als angeblicher Schriftsteller David Lockridge an seinem nächsten Roman arbeitet. Worüber er natürlich mit niemandem sprechen darf.

Tatsächlich aber ist das Büro der Platz, von dem aus der Job erledigt wird. Dort wird er sein Gewehr platzieren, wenn die Zielperson vor Gericht vorgeführt wird und den Polizeiwagen verlässt.

Nun, Billy, alias David Lockridge, nutzt die Zeit im Büro und beginnt tatsächlich zu schreiben. Er schreibt sein Leben auf, im Stil des Einfältigen, um die Tarnung aufrechtzuerhalten, denn Nick hat den Laptop garantiert angezapft. Und wie es so oft der Fall ist, verselbstständigen sich die Dinge. Billy, alias David, schließt eine private Freundschaft mit seinen Nachbarn und auch mit den Kollegen im Bürogebäude. Und als der Tag näher rückt, an dem der Job erledigt werden soll, naht der Abschied.

Was Nick nicht weiß ist, dass Billy, der Einfältige, sich eine weitere Existenz, von der niemand weiß, aufgebaut hat. Nämlich die Existenz der Person, die er sein wird, wenn der letzte Auftrag erledigt ist. Denn auch wenn er Nick seit vielen Jahren kennt und für ihn Jobs übernommen hat, so traut er ihm keineswegs.

Nach dem Auftrag taucht Billy unter, da er sich zum eigenen Schutz nicht an den vorgeschrieben Fluchtplan gehalten hat. Er hat unter seinem Decknamen eine Souterrain-Wohnung angemietet, wo er ausharrt. Dort bekommt er eines Abends mit, wie eine Gruppe Männer einen leblosen Frauenkörper am Rinnstein ablegen und davonfahren. Billy kann die Frau nicht dort liegen lassen und holt sie in die Wohnung. Er rettet ihr das Leben und päppelt sie sowohl körperlich, also auch seelisch wieder auf. Hierzu nutzt er kleine, aber überaus hilfreiche Tricks aus seiner Zeit bei der Army, beispielsweise um Panikattacken zu bekämpfen.

Die beiden freunden sich an, Billy Summers, der Sniper in seinen 40ern und die junge Frau Alice, das Vergewaltigungsopfer ….

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Ja, eigentlich habe ich schon viel zu viel von der Handlung verraten, andererseits aber auch nicht, weil die Geschichte so vielseitig und intensiv ist.

Man liest vielleicht heraus, dass ich absolut begeistert bin, von dieser eigentlich doch sehr ruhigen Geschichte. Dennoch hat sie viele Spannungsmomente und sie hat mich absolut in ihren Bann gezogen. Ich hätte gerne noch einige hundert Seiten mehr mit Billy, Alice und Bucky verbracht.

Stephen King hat hier wieder einmal so wunderbare und vielschichtige Charaktere geschaffen und ihnen eine Geschichte gegeben, die einfach nur gut ist. Sein Protagonist hat genaugenommen sogar mehrere Charaktere, da er sich ja selbst oft anders gibt, und das sehr überzeugend.

Die Hintergründe der Geschichte sind sehr intensiv und gehen teils wirklich nah. Diese Geschichte ist absolut menschlich, egal ob im negativen oder positiven Sinne. Der Roman liest sich wie ein Film und wenn man nicht ganz gut aufpasst, dann führt der Autor einen auch ganz schnell mal hinters Licht.

Der Roman entstand inmitten der Covid-19-Pandemie und der Zeit der harten Lockdowns, und das hat Stephen King geschickt immer mal wieder in die Handlung einfließen lassen. Warum sollte diese doch krasse Zeit, mit extremen Einschnitten in unsere Leben in Romanen auch nicht existieren?

Ich mag den neuen King sehr gerne und auch hier hat er wieder einmal bewiesen, dass er es einfach kann. Ich hoffe, dass er des Schreibens noch lange nicht müde wird und uns noch viele wunderbare Geschichten erzählt.

Marion Brunner_ Buchwelten 2021

Geisterfahrer von Michael Opoczynski

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Benevento Verlag
insgesamt 224 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 13 9783710900655
Kategorie: Krimi

Der Einsatz der „Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen“ ist erneut gefragt. Diesmal benötigen die italienischen Gastronomen in Berlin Unterstützung, denn sie werden von der Mafia gezwungen, billigen Fusel anzukaufen, der nicht genießbar und somit den Gästen nicht zuzumuten ist. Der Trick dahinter ist jedoch einfach. Es wird nämlich nicht einfach nur Schutzgeld erpresst, es wird ja schließlich etwas verkauft. Dass dies unter Zwang und extremen Drohungen geschieht, bringt die Berliner Polizei nicht weiter. Kommissar Dreier sucht Silvio Cromm, seinen Freund und ehemaligen Kollegen auf, als ein Restaurant abbrennt. Ein Racheacht der Mafia? Hat sich der Besitzer gewehrt?

Da Silvio Cromm selbst Italiener und Buchhalter seiner Schwester, die einige gut laufende Restaurants führt, involviert ist, übernimmt die Gesellschaft den Fall.

Dann gibt es da noch den Skandal um einen großen deutschen Autokonzern, wo die Käufer durch fingierte Software und damit falschen Emissionswerten in ihren Dieselfahrzeugen betrogen werden. Ein Mitglied der Gesellschaft hat einen ehemaligen freien Mitarbeiter des Großkonzerns als Arbeitskollegen, der hochbrisante Informationen mitzuteilen hat und über exzellente Softwarekenntnisse verfügt.

Auch hier beschließt sich Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen tätig zu werden. Der Autolobby muss der Weg gewiesen werden. Die Kunden sollen entschädigt werden und hierfür sind die Maßnahmen auch sehr unkonventionell …

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Ich hatte es in meiner ersten Rezension zum Debüt des Autors bereits geschrieben, dass den meisten von uns Michael Opoczynski bisher als Moderator der Fernsehserie WISO bekannt war. Man bekommt dadurch die Vorstellung eines trockenen Wirtschaftsjournalisten, der einige unspannende Sachbücher geschrieben und ansonsten über trockene Themen im Fernsehen gesprochen hat. Aber weit gefehlt! Michael Opoczynskis Romane um die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen machen richtig Spaß.

Er hat die unterschiedlichsten Charaktere erschaffen, die mir als Leserin sehr sympathisch sind, mit allen ihren teils verschrobenen Arten/Ecken und Kanten. Der Autor schreibt in einem sehr guten, flüssigen Schreibstil und hat einen herrlichen, oftmals trockenen Humor. Die Art, in der die Gesellschaft die Dinge in die Hand nimmt, plant und ausführt, zaubern mir regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht und lassen mich vor Schadenfreude die Hände reiben.

Opoczynski greift in seinen Krimis brisante und aktuelle Themen auf und setzt diese auf wunderbare Art und Weise um. Wer Krimis mit Hand und Fuß, Biss und einem guten Schuss teils herrlich gemeinem Humor gerne liest, der ist hier sehr gut beraten.

Ich freue mich bereits jetzt auf den dritten Teil seiner Buchreihe mit dem Titel „Eigenbedarf“, der am 26.08.2021 im Benevento Verlag erscheinen wird.

© Buchwelten 2021

Die Stunde der Wut von Horst Eckert (Melia/Vincent-Reihe II)

Erschienen als Klappenbroschur
im Heyne-Verlag
insgesamt 448 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN:  978-3-453-27343-6
Kategorie: Thriller/Politthriller

Melia Adan (vormaliger Deck(nach)name Khalid) arbeitet inzwischen als Kriminalrätin und ist somit die Vorgesetzte von Vincent Che Veih.

Eine Abiturientin stirbt nach einer Messerstecherei in ihrer Wohnung. Sie kann noch den Notarzt rufen, die Hilfe kommt jedoch zu spät. Als die Sanis eintreffen, ist sie ihren Verletzungen erlegen. Alles deutet auf einen Streit mit ihrem Freund hin. Doch liegt der Fall so einfach? Schließlich hat eine dritte Person in der gemeinsamen Wohnung übernachtet. Wer war das und was war der Grund des Besuchs? Dies gilt es für Vincent nun herauszufinden.

Melia indessen gibt nicht auf, nach Solveig Fischer zu suchen. Während des letzten Falls ist die Verfassungsschützerin und Kollegin spurlos verschwunden. Melia ist der festen Überzeugung, dass Solveig auf dem ehemaligen Bauernhof, den sie im Zuge der Ermittlungen gegen Neonazis aufgesucht hatte, ermordet und im Fundament des neu errichteten Gebäudes eingegossen wurde.

Vincent ist zwischenzeitlich nicht der Meinung, dass der Freund der Abiturientin Klara Dorau der Mörder ist. Denn in diese Familie scheint es einige Unstimmigkeiten zu geben. Und damit ist nicht nur der ältere Bruder gemeint, der einmal den Neonazis sehr zugehörig war …

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Was ein spannender und fesselnder Thriller. Ich bin nur so durch die Handlung gerast und bin begeistert. Vincent Che Veih ermittelt ja nun bereits seit einigen Jahren und alle seine Fälle gefielen mir sehr gut. Melia Adan (Khalid) kenne ich seit dem letzten Band „Im Namen der Lüge“. Und mir gefällt dieser zweite Teil sogar noch besser. Kam ich im ersten gemeinsamen Fall der beiden doch ab und an mit den Namen der Figuren durcheinander, so habe ich hier voll den Überblick behalten. Und das, obwohl es verzwickter und verwobener eigentlich gar nicht geht. Alles und jeder hängt miteinander zusammen, „klüngelt“ untereinander. So eine umfangreiche und komplexe Handlung so logisch, spannend und fesselnd zustande zu bringen, da gehört schon was zu. Eckert vergisst nicht eine Kleinigkeit in der Geschichte, Nebenfiguren aus vorgehenden Romanen, alle tauchen irgendwie wieder auf und kommen zu Zuge.

Horst Eckert recherchiert wirklich gut und bringt die Dinge so zu Papier, dass man merkt, dass er sein Handwerk und das des Polizeiapparats und der Politik versteht. Er beschreibt Machenschaften, die hinter den Kulissen ablaufen, wie Drogenhandel, Geldgeschäfte und soviel mehr. Und nebenher zeichnet er seine Charaktere gründlich, sehr menschlich und tiefgründig. Gibt ihnen ihre eigene Geschichten und viel Zwischenmenschlichkeit und macht den trockenen Stoff damit „wett“, schenkt dem Leser Zeit, abzuschalten, sich zurückzulehnen und etwas runterzukommen.

Ich lese Horst Eckert seit vielen Jahren und bin ein großer Fan seiner Werke. Hier auf Buchwelten gibt es bereits einiges von mir über ihn zu lesen. Unter anderem ein Interview, dass wir vor einigen Jahren geführt haben –>hier <–

Ich kann den zweiten Teil der Melia/Vincent-Reihe nur empfehlen. Fesselnde, sehr spannende Lesestunden mit wunderbaren Protagonisten jeder Art sind garantiert.

© Marion Brunner_Buchwelten 2021

Später von Stephen King

Erschienen als gebundene Ausgabe mit Leseband
im Heyne-Verlag
insgesamt 304 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN:  978-3-453-27335-1
Kategorie: Horrorroman

Jamie Conklin ist der Sohn der Literaturagentin/Lektorin Tia Conklin. Gemeinsam mit seiner Mum lebt er in Manhattan in einer sehr guten Wohngegend. Das Geschäft von Jamies Mum läuft sehr gut, auch nachdem sie die Agentur inzwischen lange allein führt. Ihr Bruder, der damalige Geschäftsgründer ist früh an Alzheimer erkrankt.

Jamie und seine Mum kann man wohl als perfektes Zweiergespann bezeichnen. Sie haben eine tolle Mutter-Sohn-Beziehung und sind gern zusammen. Jamies Mum Tia ist auch die einzige Person, die um Jamies Geheimnis weiß: Jamie sieht Tote. Er sieht kürzlich verstorbene Menschen und kann mit ihnen sprechen. Aber nur wenn er sie anspricht bzw. Fragen stellt. Dann antworten sie. Und zwar wahrheitsgemäß. Tote können nicht lügen. Nach einigen Tagen verschwinden sie dann langsam. Ihre Stimme wird leiser, wie durch Watte und dann sind sie weg. Wohin auch immer.

Als plötzlich der beste Autor der Agentur stirbt droht dieser der totale finanzielle Ruin. Der letzte abschließende Band sollte die Kasse auffüllen, doch mehr als die ersten 30 Seiten hat er nicht geschafft. Doch da ist ja bekanntlich Jamies Gabe. Tia fährt gemeinsam mit Jamie zum Wohnsitz des Autors, in der Hoffnung, dass Jamie seinen Geist dort trifft (man weiß nie so genau, wo sie sich aufhalten, bis sie entschwinden). Und ja, er ist tatsächlich an seinem Arbeitsplatz und Jamie fragt ihn nach der Handlung des Romans. Doch natürlich hat die Sache mit den Toten auch einen Haken. Sonst wäre es ja kein Horrorroman … 😉

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Als ich den Klappentext las, dachte ich zuerst, dass Stephen King auf seine alten Tage noch seinen Kollegen Dean Koontz kopiert und einen Charakter wie Odd Thomas aufs Papier bringt. Der sympathische Grillkoch hat es schließlich über viele Jahre mit Toten zu tun gehabt. Doch nein, Jamies Gabe ist dann doch etwas anders als die von Odd.

Jamie erzählt die Geschichte selbst und ist noch ein Grundschuljunge, als er damit beginnt. Dementsprechend „einfach“ ist der Schreibstil. Allerdings nicht einfach einfach, sondern absolut liebenswert und kindgerecht. Einfach wie durch die Augen eines Kindes gesehen. In der Zeit stirbt die Ehefrau des Nachbarn Prof. Burkett. Jamie spricht mit ihr, weil Mr. Burkett nach dem Tod völlig verzweifelt die Ringe seiner Frau sucht. Die verstorbene Mrs. Burkett sagt es Jamie schließlich. Sie liegen an einem total verrückten Ort und die Begründung, die die tote Mrs. Burkett darin findet, geht dem Leser nicht mehr so schnell aus dem Kopf (Mrs. Burkett erlitt einen Schlaganfall). Sie sagt: Wahrscheinlich sind meine Gedanken da schon in meinem Blut ertrunken.

Die Beziehung, die sich zwischen Jamie und dem Professor entwickelt, erinnert mich ein wenig an die Kurzgeschichte aus „Blutige Nachrichten“ mit dem Titel Mr. Harrigans Telefon. Mr. Burkett in diesem Buch hier ist allerdings charakterlich ganz anders, viel liebenswürdiger und nicht so schroff, doch meine ich einfach das Miteinander zwischen Jung und Alt. Der Respekt von beiden Seiten zueinander und die Freude am Zusammensein. Wahrscheinlich ein Thema, das Stephen King nun im Alter auch beschäftigt. Ich finde diese Freundschaft sehr schön.

Es geht noch um soviel mehr in diesem doch relativ dünnen Roman: Homosexualität, Drogen, Sucht, Liebe, Neid, Bombenanschläge, einige wirklich ekelige Leichen und ebenso um das absolute, richtige Böse. Viel mehr mag ich eigentlich nicht verraten, denn das würde natürlich die Spannung stehlen.

Fakt ist, dass mir der Roman sehr gut gefallen hat und ich mir gewünscht hätte, Jamie und Tia noch ein wenig länger zu begleiten. Es ist eine sehr gute, abwechslungsreiche Geschichte mit ganz viel drin. Beginnend vorher und endend … Später ☺.

© Marion Brunner_Buchwelten

Die Bücherdiebin von Markus Zusak

Erschienen als Taschenbuch
bei blanvalet
insgesamt 588 Seiten
Preis: in der Ausgabe nur gebraucht
ISBN: 9783764502843
Kategorie: Roman

Im Alter von 9 Jahren muss Liesel Meminger dabei zusehen, wie ihr kleiner Bruder stirbt. Eigentlich sollten sie beide von ihrer Mutter nach Molching bei München gebracht werden, um dort bei einer Pflegefamilie zu leben, da ihre Mutter nicht mehr für sie sorgen kann.
Werner ist aber zu krank, um diese Reise zu überstehen. Während ihr Bruder neben den Gleisen im Schnee begraben wird, tut Liesel es das erste Mal: sie stiehlt ein Buch. Es fällt dem Totengräber aus der Tasche und sie hebt es klammheimlich auf. Nimmt es mit in ihr neues Leben, hütet es wie einen Schatz. Und das, obwohl Liesel nicht einmal lesen kann. Doch das soll sich bald ändern.
Denn in vielen Nächten voller Albträume lehrt ihr Pflegevater Hans Hubermann Liesel das Lesen. Sie entdeckt die Welt der Worte und liebt sie über alles. Und sie liebt ihre Pflegeeltern Hans und Rosa. Und irgendwie auch Rudi, den Saumensch.
Und Liesel stiehlt weiter: Bücher aus dem Haus des Bürgermeisters (wobei …), auch die Herzen von Hans, Rosa und Rudi und natürlich das von Max. Und irgendwie auch das Herz des Todes …

***

In diesem Fall habe ich zuerst den 2014 entstandenen, gleichnamigen Film gesehen, der mich sehr beeindruckt und emotional aufgewühlt hat. Als mein Mann mir das Buch aus unserer Bibliothek zeigte, war klar, dass dies meine nächste Lektüre wird. Und ich bin absolut begeistert. Von dem Buch genauso sehr, wie von der filmischen Umsetzung, die ich nun beide miteinander vergleichen konnte. Selten werden Filme nahezu 1:1 umgesetzt, wie der Autor es in seiner Buchvorlage geschrieben hat.

Markus Zusak wurde in Australien geboren und wuchs dort auf. Seine Eltern stammen jedoch aus Wien und München. Und aus deren Geschichten über den Krieg in der Heimat entstand die Idee zu diesem Buch. Er erzählt über das Nazideutschland, die Entbehrungen im Krieg, über Freundschaft, Liebe und das Glück einer Kindheit. Ja, die Zeit war schlimm, aber Liesel sagt, es war ihre schönste Zeit. Wir begleiten sie über viele Jahre in der Himmelstraße, hoffen, bangen und lachen mit ihr. Begleiten sie auf Ihren Streifzügen durch Molching und erleben, wie ihre Liebe zur Literatur wächst, als sie die Worte hinter den Buchstaben zu erkennen begreift.

Das Besondere an der Geschichte mag sein, dass die Erzählerrolle der Tod übernimmt. Er stellt sich vor, beschreibt uns seine Arbeit und erzählt, dass es Menschen gibt, die ihn faszinieren und eben dies der Grund sei, warum er uns Liesels Geschichte erzählt. In diesem Buch steckt soviel und ich hatte mehrere Male Tränen in den Augen.

Zusak hat einen sehr schönen Schreibstil, er zeichnet die Charaktere wunderbar detailliert und lässt den Leser eine starke Verbundenheit zu ihnen allen empfinden. Dass immer wieder der Tod selbst in Erscheinung tritt, Momente vorzieht, oder Dinge erläutert, lockert ungemein auf und liefert auch lustige Momente.

Mich hat das Buch wirklich nachhaltig beindruckt und mir einen Einblick gegeben, wie das Leben der einfachen Leute zur Zeit des Zweiten Weltkriegs war. Und dass es trotz allem möglich war, eine schöne Kindheit zu genießen, voller Liebe und Freundschaft.

© Buchwelten

Lehrerin einer neunen Zeit von Laura Baldini

Maria Montessori – Die schwerste Entscheidung ihres Lebens traf sie für das Wohl der Kinder

Erschienen als Klappenbroschur
im PIPER Verlag
insgesamt 368 Seiten
Preis: 12,99 €
EAN 978-3-492-06240-4
Kategorie: Biographischer Roman

Rom gegen Ende des 19ten Jahrhunderts. Die junge Frau Maria Montessori setzt sich in einer männerdominierten Studienwelt durch. Fest dazu entschlossen, ihr Medizinstudium erfolgreich zu beenden, gibt sie nicht auf und kämpft sich, entgegen aller Erwartungen der Männer und Kommilitonen, mit Bravour durch. Als erste Dotoressa Italiens wird sie plötzlich hochgelobt. Die schöne Frau ist bemerkenswert schlau, engagiert und glänzt in Ihren Vorträgen vor großem Publikum.

Schon während ihres Studiums arbeitet Maria Montessori neben zwei Assistenzstellen in zwei Krankenhäusern und ebenso in einer psychiatrischen Klinik mit schwachsinnigen Kindern. Als Maria den Schlafsaal der Kinder das erste Mal betritt, herrscht absolute Stille in dem kargen Raum. Die Kinder unterschiedlichen Alters sitzen still und starr auf ihrem Bett und starren mit ihren leeren, traurigen Blicken geradeaus. Montessori besteht darauf, den Kindern Spielzeug zu geben. Einfache Dinge, angefangen mit einem Knäuel Wolle über eine leere Zwirnspindel bis hin zu einer harten Drahtbürste. Diese Dinge reißen die Kinder aus ihrer Starre und sind der Beginn einer großartigen Studie und einer grandiosen pädagogischen Karriere.

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Ich bin im Vorbeigehen bei einer Buchhandlung auf das Buch aufmerksam geworden. Aber nicht wegen dem Cover, denn leider erleben die historischen Romane alle ein geklontes Aussehen (alle sehen sie gleich aus; pastellige Farben, ein altes Gebäude im Hintergrund und einige Schnörkel), nein, es war der Titel, der mich angesprochen hat. Als ich den Namen Maria Montessori las, war meine Neugier geweckt. Ich habe natürlich von den Montessori-Schulen gehört, kannte als Kind auch ein Mädchen, dass eine solche Schule in Kaiserswerth besuchte. Aber wirklich auseinandergesetzt hatte ich mich mit dieser Lernform oder Form der Pädagogik nicht.

Das Buch ist sehr interessant und zeigt auf, welch schweren Weg die junge Frau zur damaligen Zeit gegangen ist. Sie wollte unbedingt Ärztin werden. Ihr Vater hat es mit Murren hingenommen, ihre Mutter stand ihr jedoch immer unterstützend zur Seite. Es war nicht leicht für sie. Sie musste immer als Letzte in den Vorlesesaal und durfte erst als Letzte auch wieder gehen. Sie hatte den „echten“ Studenten den Vortritt zu lassen. Ihre Sezierstunden musste sie allein am Abend, nachdem alle anderen fertig waren, im Lichterschein durchführen. All das hat den starken Willen der jungen Frau aber nicht gebrochen. Sie hat ihr Studium mit Bestnoten abgeschlossen und wurde nach dem öffentlichen Vortrag ihrer Abschlussarbeit mit stehenden Ovationen gefeiert.

Allerdings hat sich Montessori in ihrem Wirken verlagert und nicht mehr als Ärztin praktiziert, sondern sich voll und ganz den Kindern verschrieben. Sie hat den angeblich schwachsinnigen Kindern, die in irgendwelchen Irrenhäusern vor sich hinvegetierten, das Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt. Sie hat durchgesetzt, dass der Geist von Kindern gefördert werden, sich entfalten muss und ihnen die Hilfsmittel dazu wortwörtlich in die Hände gegeben. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Das eine Kind lernt motorisch, das andere visuell.

Mehr möchte ich von der Handlung nicht verraten. Es ist ein biographischer Roman und keine Biografie. Die Autorin Laura Baldini beschreibt auch im Nachwort, dass die Recherche recht schwer war, da über die private Maria Montessori nicht viel herauszubekommen war und ist. Das Archiv ist in Amsterdam nach wie vor nicht zugänglich.

Nun, ich hatte bei Maria Montessori immer eine Lehrerin vor Augen, die sicherlich Kindern sehr geholfen hat, jedoch mir immer irgendwie unnahbar schien. Dieser Roman zeigte mir allerdings eine junge, schöne, mutige und kämpferische Frau, die voller Liebe für kleine Menschen war und darin aufgegangen ist, ihnen den Weg in ein „normales“ Leben zu weisen. Die diesen Kindern ihren Wunsch nach Wissen und Lernen in einer wundervollen Art und Weise erfüllt hat. Sie war einfach eine tolle Frau, deren Arbeit noch heute ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft ist.

© Buchwelten 2021