Zeit der Lieder (Der dunkle Kristall 2) von J.M. Lee

Erschienen als Taschenbuch
im blanvalet Verlag
insgesamt 332 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-7341-6295-4
Kategorie: Fantasy

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Das Abenteuer geht weiter. Nachdem Naia und Kylan die Verschwörung der Skekse aufgedeckt haben, machen sie sich auf den Weg, um die anderen Gelflinge zu warnen. Dabei stoßen sie auf tapfere Wegbegleiter, die ihnen dabei helfen, die Welt vor einer schlimmen Zukunft zu bewahren.

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Der vorliegende Band der vierteiligen Fantasyreihe von J. M. Lee schließt nahtlos an den ersten Band an und setzt die Abenteuer um die beiden Gelflinge Naia und Kylan auf spannende Weise fort. Denkt man am Ende des ersten Bandes „Ära der Schatten“ noch, dass der Autor ein episches Ende setzte, so übertrumpft er sich mit dem zweiten Teil sogar, denn am Ende kann sich jeder Leser gewiss sein, dass sich diese Geschichte zu etwas Größerem entwickeln wird. Lees Schreibstil ist, wie gewohnt, sehr flüssig zu lesen. Dadurch gewinnt die Geschichte eine rasante Geschwindigkeit und lässt den Leser in ein spannendes, fantastisches Abenteuer eintauchen, das man gar nicht mehr verlassen möchte.

Besonders gefallen hat mir eine Begegnung mit einem Charakter, den der Fan des alten Films von Jim Henson sofort erkennt. Dies war, nachdem die vorliegende Romanreihe ja ein Prequel zum Film darstellt, eine gelungene Überraschung, durch die die Stimmung des Originalfilms sofort zurückkam. Ich habe diese Szene wirklich genossen und dieses „Wiedersehen“ stellt für mich eine echte Bereicherung für das von Lee erschaffene „neue Dunkle-Kristall-Universum“ dar. Nach dem gelungenen Start in die Quadrilogie entwickelte sich die Story um Naia und Kylan in diesem Band, zumindest aus meiner Sicht, viel atmosphärischer und abenteuerlicher. Ich fühlte mich dieses Mal in der Welt von der ersten Seite an wohl und habe mich dort sehr gerne aufgehalten. Leider ist es oft sehr mühsam, die komplizierten und teilweise gleich klingenden Namen auseinanderzuhalten. Sicherlich gibt es ein Namens- und Sachglossar am Ende des Buches. Dies habe ich aber relativ wenig benutzt, weil ich sonst immer wieder aus der Geschichte herausgerissen worden wäre. Letztendlich wusste ich dann dennoch, wer wer war, aber es war, wie gesagt, an manchen Stellen etwas mühselig.

Ich bin wirklich gespannt, wie sich die Handlung entwickelt und freue mich schon jetzt auf den dritten Band dieser Reihe. Wer sich für Fantasy interessiert und Jim Hensons Meisterwerk „Der dunkle Kristall“ und die dazugehörige Netflix-Serie mag, sollte diese Reise unbedingt lesen. Aber man muss schon mit dem ersten Band beginnen, sonst versteht man nicht viel, soll heißen, die Geschichten sind nicht separat und unabhängig voneinander lesbar, sondern haben alle miteinander eine einzige Storyline, die sich von Buch zu Buch aufbaut.

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Fazit: Toller zweiter Teil der Reihe, der mir persönlich noch besser als Band 1 gefallen hat.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Echo von Thomas Olde Heuvelt

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 718 Seiten
Preis: 17,00 €
ISBN: 978-3-453-32098-7
Kategorie: Drama, Mystery, Horror

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Nick besteigt mit seinem Freund den Berg Maudit, der in der Schweiz liegt und über den so gut wie nichts bekannt ist. Sie spüren bereits beim Aufstieg, dass der Berg von einer unheimlichen Macht erfüllt wird. Als dann ein Unglück geschieht, wird nicht nur Nick in einen Sog des Grauens gezogen, sondern auch dessen Lebensgefährte Sam und immer mehr Menschen in seinem Umfeld …

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Da mich Heuvelts Roman „Hex“ schon extrem fasziniert hat, war ich natürlich gespannt, was er mit seinem neuen Roman abgeliefert hat. „Echo“ übertrifft „Hex“ sogar noch, denn der Autor hat das Thema des Bergsteigens in Verbindung mit den mystischen Eigenschaften örtlicher Legenden, die sich um solch einen Berg ranken, komplex und geradezu hypnotisch beschrieben, sodass man das Buch wirklich nur sehr schwer aus der Hand legen kann. Über 700 Seiten lang begleiten wir die Personen durch einen Albtraum, der Realität und Einbildung verschmelzen lässt. Für manch einen mögen die langatmigen Beschreibungen langweilig sein, für andere (und dazu zähle ich mich) ist es geradezu eine literarische Offenbarung, die der in den Niederlanden geborene Autor hier präsentiert. Heuvelt verbreitet von der ersten bis zur letzten Seite eine Atmosphäre, wie man sie selten so konsequent in Romanen vorfindet (am ehesten fällt mir da noch das grandiose Meisterwerk „Terror“ von Dan Simmons ein). „Echo“ ist wie ein Rausch, wie ein Sog, der seine Leserschaft unweigerlich mitzieht und nicht mehr loslässt.

Okay, zugegebenermaßen haben mich anfangs die eingestreuten englischen Ausdrücke (die ja mittlerweile zum größten Teil leider eingedeutscht sind) etwas gestört, aber im Verlaufe des Buches habe ich mich zum einen daran gewöhnt und zum anderen spiegelte es den Charakter des Protagonisten und auch die Stimmung dann doch auf ziemlich geniale Weise wider. Bei diesem Aspekt muss man sich einfach darauf einlassen. Und auch wenn man solcherart Denglish nicht mag, so schmälert diese Tatsache keineswegs die Spannung und die auf jeder Seite spürbare unheimliche Atmosphäre. „Echo“ ist ein literarischer Trip erster Güte, den man nicht mehr so schnell vergessen dürfte. Ich könnte mir das Ganze übrigens auch unheimlich gut als Verfilmung vorstellen. Heuvelt spielt hier mit der Sprache, bewegt sich trotz der umgangssprachlichen Elemente auf einem sehr hohen Niveau und beschreibt die Ereignisse mit einer bildhaften Sprache, die einen immer wieder in Erstaunen versetzt. Vor allem der Unfall in den Bergen hat mich vollkommen umgehauen. Ich konnte die Kälte und die Angst spüren, und das so intensiv, dass diese Zeilen manchmal sogar unangenehm wurden, so erdrückend war diese Situation geschildert. Diese Stelle(n) waren für mich Höhepunkte des Buches, die mich absolut in ihren Bann schlugen.

Was mir außerdem äußerst gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass „Echo“ ein Genre-Hybrid ist, der sich nicht um die gängigen Konventionen der Literaturrichtungen schert, die er behandelt. Heuvelt erzählt schlichtweg eine Geschichte und kümmert sich nicht darum, ob diese nun in die Kategorie Mystery, Horror oder Drama fällt. Hier zählt die Story und nicht das Genre. Und das macht „Echo“ auch aus, man weiß nie, was einen als nächstes erwartet, ob es die stürmischen Höhen des Berges sind, die Liebesgeschichte zwischen Nick und Sam, die Beziehung zwischen den anderen Personen, die mysteriösen Vorgänge, die Nick auslöst oder das seltsame Verhalten der Bergdorf-Bevölkerung. „Echo“ ist Literatur, wie sie sein sollte: überraschend, spannend, innovativ und flüssig zu lesen. Für mich eines der Jahreshighlights 2021, daher würde ich mich umso mehr freuen, wenn noch mehr Werke dieses Ausnahmeautors ins Deutsche übersetzt werden würden.

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Fazit: Unheimlich, mysteriös, spannend, melancholisch, poetisch. Ein literarisches Meisterwerk.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Bowie Odyssee 70 von Simon Goddard

Erschienen als Taschenbuch
im Hannibal Verlag
insgesamt 208 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-85445-712-1
Kategorie: Biografie

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Bildhaft geschriebene Biografie über die Anfänge von David Bowie.

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Es gibt wohl kaum jemanden, der den Namen David Bowie nicht kennt. Aber die meisten verbinden diesen Ausnahmekünstler mit seinen weltweit erfolgreichen Hits wie „China Girl“ oder „Let’s Dance“. Wer sich für die gesamte Diskografie dieses Musikers interessierst, weiß, wie vielfältig Bowie sein kann und wie extravagant er seine unvergleichliche Karriere begann. Das vorliegende Buch ist vor allem auch für Menschen interessant, die sich nicht nur für David Bowie begeistern, sondern auch etwas über die musikalische Entwicklung dieser Zeit und auch die damaligen Lebensgewohnheiten wissen wollen. Autor Simon Goddard beschreibt sehr bildhaft, wie die 1970er-Jahre waren, entführt seine Leser in eine Welt, in der vieles anders als heute gehandhabt wurde. Wir begleiten den jungen David Bowie auf seiner Reise in den Erfolg, lernen sehr eindringlich die damalige Zeit kennen und kommen des Öfteren mit Marc Bolan, den charismatischen Sänger der Band T. Rex, in Berührung. Wer also meint, eine reine Biografie über David Bowie zu lesen, könnte unter Umständen ein wenig enttäuscht werden, denn Goddard ist ausschweifend in seinen Beschreibungen der 1970er-Jahre.

„Bowie Odyssee 70“ ist ein besonderes Buch, das sich von anderen Biografien abhebt, in dem es sich nämlich nicht nur ausschließlich auf den Künstler selbst, sondern vielmehr auch auf sein Umfeld konzentriert. Dadurch versteht man aber letztendlich vieles, was den Menschen und Künstler David Bowie in seiner Ganzheit ausmacht. Wenn man diesen Mann durch eine relativ kurze Phase seines Lebens begleitet, spürt man die Dynamik und Kraft, die hinter diesem Musiker steckt und man hört die ersten Alben plötzlich mit anderen Ohren. Gerade die Anfangsjahre begründeten auch die Gerüchte und Spekulationen von Bowies Homosexualität und vor allem auch sein androgynes Auftreten. Es macht unglaublich Spaß, sich für ein paar (Lese-)Stunden in einer Welt aufzuhalten, die mit unserer heutigen nur noch (leider) relativ wenig zu tun hat. Man spürt auf jeder Seite, wie sich die Welt der Musik entwickelt hat und die Künstler neue Wege eingeschlagen haben. Das Buch ist eine faszinierende Reise in die Vergangenheit, in der man sich als Musikinteressierter absolut wohl fühlt.

Gerade weil Goddard einen (zumindest für die breite Masse) relativ unbekannten Lebensabschnitt behandelt, erfährt man hier viele Details, von denen man tatsächlich noch nichts gehört hat. Was mir persönlich besonders gefallen hat, war die Freundschaft (aber auch Konkurrenz) zwischen David Bowie und Marc Bolan. Man konnte sich diese Beziehung absolut gut, fast wie in einem Film vorstellen, so detailgenau und ausführlich wurde sie beschrieben. Auch hier bekam ich einen vollkommen neuen Bezug zu Bowies ersten Alben und auch der Musik von T. Rex. Insgesamt empfand ich diese Biografie als sehr außergewöhnlich, weil sie, wie oben bereits beschrieben, nicht nur den Künstler David Bowie beleuchtet, sondern auch ein Bild jenes Jahrzehnts aufzeigt, das, im Gesamten betrachtet, Bowies Leben und Karriere greifbarer als bislang macht. Ich habe das Buch sehr genossen und kann es aus voller Überzeugung empfehlen. Für Bowie-Fans ein Muss, für alle anderen ein beeindruckender Ausflug in die musikalische Welt der 1970er-Jahre.

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Fazit: Ein wunderbarer Ausflug in die 1970er-Jahre, in denen die unglaubliche Karriere von David Bowie begann.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Flug des Raben von Richard Wagamese

Der Flug des Raben von Richard Wagamese

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Blessing Verlag
insgesamt 304 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-89667-718-1
Kategorie: Drama, Abenteuer, Belletristik

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Garnet Raven wächst bei einer Pflegefamilie in einer Großstadt auf. Er weiß nicht viel über die Kultur der Indianer, von denen er abstammt. Erst als ihn ein Brief seines Bruder erreicht, beschäftigt sich Garnet mit seinen Vorfahren … und erfährt dabei, was es heißt, mit der Natur und alten Bräuchen eins zu werden.

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Auch wenn man weiß, was einen bei einem Roman von Richard Wagamese erwartet, so schafft der Autor es dennoch, immer wieder zu überraschen und zu begeistern. „Der Flug des Raben“ ist eigentlich Wagameses Debütroman, doch im Vergleich zu seinen nachfolgenden Werken kann man keinerlei „Anfängerschwierigkeiten“ entdecken. Ganz im Gegenteil, Wagamese nimmt seine Leser erneut mit auf eine philosophische Reise in die Kultur der Indianer, bei der wir permanent daran erinnert werden, dass wir den Bezug zum Leben und den wirklich wichtigen Dinge schon längst verloren haben. Wagameses Romane sind Fluchten in eine bessere und geistig wertvolle Welt, die man gar nicht mehr verlassen möchte.
„Der Flug des Raben“ zeigt bereits das Erfolgsrezept des Autors: Eine alte, teils vergessene Kultur vermischt sich mit dem modernen Leben und zeigt auf, was sein sollte, aber leider längst nicht mehr ist. Es sind die simplen Lebensweisheiten und die herzlichen Charaktere, die das Werk von Richard Wagamese ausmachen und denen man von den ersten Seiten an verfällt. Seine Geschichten sind so voller Leben und Liebe, dass man am liebsten zwischen die Seiten klettern will, um hautnah mit dabei sein zu können.

Wagameses Schreibstil ist unglaublich flüssig, sodass man nicht aufhören kann und eine Seite nach der anderen „inhaliert“. Ich fühle mich in jedem seiner Bücher wohl, und vor allem danach. Richard Wagamese ist einer jener Schriftsteller, die „einfach“ nur eine Geschichte erzählen, und das auch perfekt beherrschen. Und, wie bei allen seinen Roman, zeigt der Autor auch bei „Der Flug des Raben“ eindringlich auf, wie sehr die indigene Bevölkerung oftmals unter den Einflüssen der „weißen“ Menschen zu leiden hat, die natürlich in keiner Weise den Lebensstil und die Verbundenheit zur Natur nachvollziehen können, zumindest die meisten können es leider nicht. Aus diesem Grund finde ich Wagameses Bücher enorm wichtig, um wenigstens einen Teil der Menschen mit diesen Problemen und Erkenntnissen zu konfrontieren. Ich bin daher sehr froh, dass sich der Blessing Verlag den Werken Wagameses annimmt und diese veröffentlicht. Doch es sind nicht nur ernste, philosophische Passagen, die zum Nachdenken anregen und das Buch ausmachen, sondern auch ein ganz spezieller Humor, der auf tolle Art und Weise auf den Leser überspringt. Ja, man muss sich auf diese literarische Reise einlassen und darf keinen actionhaltigen Roman erwarten. Ruhig und stimmungsvoll wird die Geschichte von Garnet erzählt, sodass man während des Lesens die Zeit vergisst und sogar ein klein bisschen selbst zum Indianer wird.

Wagamese behandelt in seinem Roman (in seinen Romanen) immer wieder Aspekte, die gerade in der heutigen Zeit eine enorme Bedeutung haben und aus der Bevölkerung bessere Menschen machen könnte. Ich persönlich kann mich jedenfalls absolut in seine Geschichten fallen lassen und die Welt um mich herum vergessen. „Der Flug des Raben“ reiht sich also nahtlos in die bemerkenswerte Bibliografie des indigenen Schriftstellers ein. Und, was mir optisch ebenfalls unglaublich gut gefällt, ist, dass sich der Verlag konsequent daran gehalten hat, Wagameses Bücher ein gleiches Bild bezüglich des Schutzumschlages zu verleihen. Die bislang drei erschienenen Bücher machen sich dadurch sehr gut im Bücherregal.

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Fazit: Philosophisch und zum Nachdenken anregend. Ein weiteres Meisterwerk aus der Feder von Richard Wagamese.

©20212 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Universum von Phillip P. Peterson

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 442 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-596-70086-8
Kategorie: Science Fiction

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Mike Warnock will sich nach einer Karriere beim Militär mit seiner Familie zur Ruhe setzen. Er bucht einen Überlichtflug zu einem fernen Planeten, um dort ein neues Leben zu beginnen. Doch bei dem Sprung in eine Lichtjahre entfernte Welt geht es etwas schief und das Schiff rast Milliarden von Jahren in die Zukunft. Verzweifelt versucht die Crew des Raumschiffs zusammen mit den Zivilisten, einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden. Eine spannende Reise bis ans Ende des bekannten Universums beginnt …

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Wie nicht anders erwartet, legt Phillip P. Peterson nach „Vakuum“ erneut einen Pageturner vor, der es in sich hat. Da kann man über eventuelle wissenschaftliche Ungereimtheit jammern wie man will (ja, manche tun das wohl – ich hingegen bin kein Wissenschaftler und kann das nicht beurteilen), Fakt ist, dass „Universum“ eine unglaublich intensive Reise ist, die man nicht mehr so schnell vergisst. Immer wieder musste ich an einen meiner Lieblingsautoren im Science-Fiction-Bereich denken, nämlich Stephen Baxter, Ähnlich wie Baxter schafft es Peterson eigentlich Unmögliches derart schlüssig und verständlich zu beschreiben, dass man es absolut versteht (und auch nachvollziehen kann). Mit seinem neuen Roman nimmt Peterson seine Leser mit auf eine Reise bis ans Ende des bekannten Universums und noch weit darüber hinaus. Ich mochte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, so spannend war es für mich, den Versuchen der Protagonisten beizuwohnen, um sich aus diesem Dilemma zu retten.

Die flüssige Schreibweise tat, zusätzlich zur Handlung, noch das ihrige dazu, um nur so durch die Seiten zu fliegen, weil man unbedingt wissen wollte, wie es weiter ging. Hinzu kommen noch einige unerwartete Wendungen, die dieses Leseerlebnis perfekt für mich abrundeten. Ja, dieser Roman war wirklich ein Erlebnis. Immer wieder fühlte ich mich trotz der aussichtslosen, manches Mal sogar düsteren Situationen irgendwie heimelig auf dem Raumschiff. Es war jedes Mal, wie ein Nachhause-Kommen, wenn ich das Buch wieder aufschlug, um weiterzulesen. Peterson versteht es hervorragend, seine Leser zu faszinieren und in Bann zu schlagen. Es ist ein klassisches Science-Fiction-Abenteuer, das nostalgische Gefühle in mir hervorruft, weil es sich nicht zwanghaft um Weltraumschlachten und spektakuläre Monster bemüht, sondern eine „einfache“ Geschichte erzählt. Wobei „einfach“ nicht ganz stimmt, denn das Szenario und die geschilderten Örtlichkeiten könnten im Grunde genommen gar nicht spektakulärer sein. Peterson hat sich erneut ganz nach oben in meine persönliche Liste von Science-Fiction-Lieblingsschriftstellern geschrieben.

Die Charaktere werden gut und glaubwürdig beschrieben, sodass ich mit jedem von ihnen mitfühlen konnte. Auch die Handlungsweisen waren für mich nachvollziehbar.
Was mir noch besonders aufgefallen ist (und auch sehr gut gefallen hat) sind die emotionalen Aspekte, die Peterson sehr gut mit Worten ausdrücken kann. Vor allem die Gefühle des Protagonisten gegenüber seiner Frau und insbesondere dem Sohn sind ihm eindrucksvoll gelungen. Ich konnte wirklich jeden Gedankengang diesbezüglich nachvollziehen. Diese Szenen gingen mir sehr nahe.
Insgesamt bleibt mir nur zu sagen, dass Phillip P. Peterson sein Niveau von Roman zu Roman aufrechterhalten und an manchen Stellen sogar noch toppen kann. Seine Bücher machen süchtig und ich kann es schon jetzt kaum erwarten, bis ich wieder eine neue Geschichte von ihm lesen kann.

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Fazit: Ein unglaublich beeindruckendes Abenteuer, das über den Rand des Universums hinausführt.

© 2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Ceres-Mission von A.G. Riddle

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 572 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN: 978-3-453-42422-7
Kategorie: Action, Science Fiction

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Die Erdoberfläche wird immer kälter. Eine Mission wird in den Weltraum geschickt, um die Ursache zu ergründen. Dabei stoßen sie auf ein Phänomen, das das Überleben der Menschheit gefährdet. Ein unglaubliches Abenteuer beginnt, um die Bewohner der ganzen Erde zu retten.

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Im Grunde genommen weiß man ja, was man bekommt, wenn A.G. Riddle draufsteht. Und genau so verhält es sich dann auch bei „Die Ceres-Mission“: Action. Spannung. Atmosphäre. Wie gewohnt, liefert der Autor einen Pageturner ab, von dem man sich nicht mehr lösen kann, sobald man einmal begonnen hat. Die Geschichte führt ins Weltall, spielt aber auch auf der Erde. Und Riddle beschreibt die Ereignisse wieder so spannend, dass man die Zeit vergisst und einen Film vor sich sieht, der einen absolut in den Bann zieht. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, es macht einfach ungemein Spaß, dieses Buch zu lesen. Sicherlich fallen einem an der ein oder anderen Stelle ein paar Ungereimtheiten auf, aber was soll’s, man wird erstklassig unterhalten und nichts anderes wollte der Autor mit seinem Roman erreichen. „Die Ceres-Mission“ ist literarisches Popcorn-Kino erster Güte. Und auch wenn die Charaktere nicht so tiefgründig sind wie in einem hochliterarischen Werk, so fühlt und leidet man mit ihnen.

Was mir besonders gutgefallen hat, waren die Ortswechsel. Im Weltraum beginnend, verschiebt sich das Geschehen kurzzeitig auf die Erdoberfläche, bevor es dann wieder im All zum Finale weitergeht. Ich höre schon jetzt die Stimmen, die gegen eine bestimmte Wendung „wettern“, aber wenn man sich darauf einlassen kann (und das sollte man unbedingt tun), so wird man mit einem wirklich stimmungsvollen und spannenden Überlebenskampf belohnt. Ich fühlte mich an vielen Stellen an die alten Science-Fiction-Filme der 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre erinnert, in denen es um das Überleben der Menschheit ging. Das Titelbild könnte ein wenig in die Irre führen, denn man erwartet eine ähnliche Geschichte wie Roland Emmerichs „The Day After Tomorrow“, bekommt aber eher eine Art „Armageddon“ serviert.

Sehr ärgerlich ist, dass in keiner Weise darauf hingewiesen wird, dass es sich hier um den ersten Teil einer Trilogie handelt. Sicherlich und glücklicherweise liest sich der Schluss wie ein richtiges Finale und man denkt, die Geschichte wäre zu Ende. Ein kleiner Hinweis wäre dennoch angebracht gewesen, denn ich wäre dadurch mit Sicherheit ganz anders an die Story herangegangen. So bleibt nur zu hoffen, dass die beiden Folgebände auch noch in Deutschland erscheinen.
Abschließend bleibt zu sagen, dass A.G. Riddle ein Garant für spannende Geschichten ist und seine Plots so schreibt, als wären bereits die Filmrechte verkauft. Ich freue mich immer wieder auf ein neues Buch dieses Autors und würde es in diesem Fall natürlich besonders begrüßen, wenn uns der Verlag nicht mit einer unfertigen Trilogie sitzen lässt.
Auf jeden Fall bekommt „Die Ceres-Mission“ von mir die volle Punktzahl.

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Fazit: Spannender und filmreifer Einstieg in eine Trilogie, die vom Überleben der Menschheit handelt.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Mercury in München von Nicola Bardola

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne-Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-27352-8
Kategorie: Biografie

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Schon wieder ein Buch über Freddie Mercury, werden wohl viele sagen. Ja, stimmt, aber dieses Mal ist es ein anderes, ein weitaus persönlicheres und intensiveres Werk, das dem Sänger von Queen in eine Welt jenseits des Starrummels folgt. Nicola Bardola beschreibt die Jahre, in denen Mercury der Promiwelt den Rücken kehrt und sich seinem eigenen Leben, seinen Vorlieben, seiner Menschlichkeit widmet. Denn in München kann er einfach nur Mensch sein, und dieses Gefühl wird in dieser Biografie sehr toll vermittelt. Ich selbst bin in München aufgewachsen und habe in den 1980er- und 1990er-Jahren viele der Kneipen und Diskos besucht, die in diesem Buch erwähnt werden. Auch kenne oder kannte ich viele der Menschen, mit denen Freddie in Berührung kam, persönlich, sodass dieses Buch für mich eine ganz besondere Reise in die Vergangenheit bedeutet, die ich sehr genossen habe. Ich hörte sogar die Stimmen mancher Personen (Wirte) in meinen Gedanken wieder. 😉

„Mercury in München“ geht einem in vielen Momenten nahe, weil man spürt, dass Freddie unentwegt auf der Suche nach Glück, Zufriedenheit und vor allem Liebe war. Seine Beziehung zu Barbara Valentin wird toll beschrieben und man denkt oft, man sei direkt dabei. Nicola Bardolas Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Auch der Aufbau des Buches hat mich überzeugt. Wenngleich in den Zeiten manchmal etwas herumgesprungen wird, so ergibt am Ende alles einen Sinn, der beeindruckt. Die Atmosphäre des damaligen (Szene)Lebens in München wird sehr eindrucksvoll widergegeben und man spürt förmlich die Unbeschwertheit und manchmal auch Dekadenz jener Zeit. Für mich las sich das Buch wie eine Art Abenteuer in eine andere Zeit, bei dem ich Freddie und die anderen Bandmitglieder auf ihren Erlebnissen in der Weltstadt mit Herz begleiten durfte. Wie oben schon erwähnt, ist „Mercury in München“ für mich ein sehr persönliches Buch, das eine andere Seite von Freddie zeigt.

Neben den mir bekannten Örtlichkeiten erfuhr ich in dieser Biografie allerdings einige Dinge, die ich nicht wusste und die äußerst interessant für mich waren: Ich hielt mich beispielsweise des Öfteren auf dem Dach des Arabella-Hochhauses im Schwimmbad auf, ohne zu wissen, dass sich im gleichen Gebäude das Tonstudio befand, in dem neben Queen und Giorgio Moroder viele andere bekannte Künstler die Türklinke in die Hand gaben. Als junger Mann hat mich damals alles, was hinter den Kulissen der Musikszene geschah, nicht wirklich interessiert. Nicola Bardola hat hervorragend recherchiert und mich für ein paar Stunden in ein altes München entführt, wie ich es selbst noch erleben durfte. Dieses nostalgische (und teilweise melancholische) Gefühl mit dem Lebensabschnitt eines der größten Sänger aller Zeiten zu teilen, war magisch. Ich bin sicher, dass ich dieses Buch eines Tages noch einmal lesen werde, um erneut für eine kurze Zeit in einer anderen Welt versinken zu dürfen.

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Fazit: Hochinteressante (Teil-)Biografie über einen wichtigen Lebensabschnitt Mercurys.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Yusuf – Der Schamane von Fitnat Ahrens

Erschienen als Taschenbuch
im Kelebek Verlag
insgesamt 174 Seiten
Preis: 9,90 €
ISBN: 9783947083497
Kategorie: Urban Fantasy

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Der Schamane Yusuf, der einen Pakt mit dem bösen Erlik Khan geschlossen hat, trifft auf den querschnittsgelähmten Bestatter Josef aus Bayern. Schon bald verbindet die beiden eine innige Freundschaft, zumal Yusuf seinem neuen Freund seine Gehfähigkeit, wenn auch nur für kurze Zeit, zurückbringen kann. Doch dies hat seinen Preis und stellt die Freundschaft der beiden Männer auf eine harte Probe …

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Ich wusste nicht, was mich bei diesem Buch erwartet, was zur Folge hatte, dass mich die Geschichte um Yusuf und Josef förmlich umgehauen hat. Mit so einer philosophischen, esoterischen und atmosphärischen Story hatte ich nun gar nicht gerechnet, zumal der Roman als Urban Fantasy betitelt wird. Klar, im Nachhinein gesehen passt diese Genre-Einordnung sicherlich, aber letztendlich bekommt man eine tiefgehende Geschichte über eine verhängnisvolle, tragische Männerfreundschaft geboten, die sehr zum Nachdenken anregt. Es ist vor allem die durchgehend ruhige und fast hypnotische Erzählweise, die mich bei „Yusuf – Der Schamane“ begeistert und vor allem überzeugt hat. Fitnat Ahrens präsentiert einen sehr stimmungsvollen Roman, den man sich sehr gut als Film vorstellen kann, was nicht nur an der Geschichte selbst, sondern auch an der sehr bildhaften und niveauvollen Schreibweise der Autorin liegt.

Ahrens behandelt mitunter auch religiöse Themen, die aber niemals störend oder aufdringlich wirken. Sie fügen sich in das Gesamtbild ein und zeigen auf, dass sich auch Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen hervorragend ergänzen können. „Yusuf – Der Schamane“ ist kein Buch für zwischendurch, dafür geschieht viel zu viel zwischen den Zeilen und lässt neben den geschriebenen Worten ein fantastisches Kopfkino bei den Lesern entstehen, dass eine zweite, tiefergehende Geschichte erzählt, die sich lediglich in den Gedanken abspielt. Fitnat Ahrens Roman ist eine mystische Reise in die Gedankenwelt zweier unterschiedlicher Männer, die sich dennoch auf geistiger Ebene treffen. Ich hätte gut und gerne nochmal so viele Seiten lesen können, nur um bei Yusuf und Josef bleiben zu können.

Um noch einmal auf das Genre zurückzukommen, in das der Roman eingestuft wurde: „Yusuf – Der Schamane“ ist Urban Fantasy, keine Frage, aber die Handlung bewegt sich auf einen vollkommen anderen Niveau als gängige Genrebeiträge. Weitab von Vampiren, Hexen oder gar Drachen, behandelt der Roman zwar ein gewisses Fantasy-Element, ähnelt aber mehr einem mystischen Märchen in der heutigen Realität, der die europäische Kultur und die des Orient geschickt miteinander verknüpft und eine Welt daraus kreiert, wie man sie sich wünscht. Von mir gibt es eine ganz klare, unbedingte Leseempfehlung. Und wer sich auf diese Geschichte einlasen kann, wird mit einem Mysterium belohnt, an das man noch lange und gerne zurückdenkt.

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Fazit: Unbedingt lesen! Ein fantastisches, philosophisches und mystisches Abenteuer.

© 2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Dürre von Uwe Laub

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-453-44118-7
Kategorie: Thriller

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Der Klimawandel beschleunigt sich unaufhaltsam und Dürren, verbunden mit Ernteausfällen, nehmen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu. In ganz Europa herrscht mittlerweile Hungersnot. Um dieser wachsenden Klimakatastrophe entgegenzusteuern, beschließen die Länder drastische Maßnahmen, in dem sie mit Hilfe einer App den CO2-Verbrauch eines jeden Bürgers zu kontrollieren.
Die Geschwister Julian und Leni werden des CO2-Betrugs angeklagt und werden von der Regierung erbarmungslos gejagt. Dabei decken sie einen Skandal auf, der erschreckende Konsequenzen nach sich zieht …

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Nach den drei Vorgänger-Romanen „Blow Out“, „Sturm“ und „Leben“ war die Erwartungshaltung gegenüber einem neuen Werk von Uwe Laub beträchtlich, hatte der Autor doch die eigene Messlatte ziemlich hoch gesetzt. Doch schon der Einstieg gelang Laub, wie gewohnt, sehr stimmungsvoll und man stellte sich bereits nach den ersten Seiten wieder auf ein spektakuläres, gut durchdachtes Abenteuer ein. Der Hintergrund der Welt, in der „Dürre“ spielt, ist in sich logisch und in der Tat eine konsequente Fortführung der Situation, in der sich die Menschheit derzeit (leider) befindet. Klimawandel ist das große Thema, dem sich Laub dieses Mal widmet. Und damit komme ich auch schon zum einzigen Kritikpunkt, wenn man diesen überhaupt so nennen kann: Laub entwirft zwar ein Szenario, in dem die Klimastörungen massive Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben, nutzt aber irgendwie die Chance nicht, ein richtig düsteres, atmosphärisches Zukunftsbild zu erschaffen. Das ist an sich aber wiederum gar nicht schlimm, denn „Dürre“ ist trotzdem ein durch und durch spannender Thriller und Pageturner geworden, wie man es von Uwe Laub gewohnt ist. Aber ich habe mir durch den Titel eigentlich ein bisschen was anderes vorgestellt.

Das ganze Drumherum um die Klimakatastrophe wurde perfekt geschildert und erklärt. Das hat mir richtig gut gefallen, auch die daraus resultierende App, die den CO2-Verbrauch der Menschen und Firmen kontrolliert, war perfekt. Und das „Manko“, das ich oben erwähnte, ist im Grunde genommen ja auch wirklich keines, denn man wird erneut auf ein spannendes Abenteuer mitgenommen, das auf keiner Seite langweilig wird. Wer jedoch Laubs „Sturm“ und „Leben“ gelesen hat, weiß, was ich meine, wenn ich sage, dass die Bedrohlichkeit der Natur in „Dürre“ irgendwie zu kurz kommt. Vielleicht lässt es sich am einfachsten so umschreiben: Während „Sturm“ und „Leben“ die Naturgewalten in den Vordergrund stellen und das Ganze dann im Kleid eines Thrillers darstellen, verhält es sich bei „Dürre“ irgendwie umgekehrt. Dieses Mal ist es vordergründig erst einmal ein Thriller, der die Entwicklung(en) des Klimawandels mit zum Thema hat. Konnte ich mich einigermaßen verständlich ausdrücken? 🙂
Dennoch, ich wiederhole mich ausdrücklich, ist „Dürre“ kein schlechteres Buch wie seine Vorgänger, sondern schlichtweg ein anderes.

Uwe Laubs flüssiger Schreibstil trägt, neben den zahlreichen wissenschaftlichen Einschüben und innovativen Ideen diesbezüglich, dazu bei, dass man das Buch, wie eben auch seine Vorgänger, schlecht aus der Hand legen kann. Zu sehr will man wissen, wie es weitergeht und fiebert mit den Protagonisten mit. Was mir wirklich gut gefallen hat, war der Ursprung der App mit dem klangvollen Namen Aequitas. Es hat richtig Spaß gemacht, zu verfolgen, wie der Entwickler die Idee hatte und sie im Laufe der Jahre perfektionierte. Auch wenn Uwe Laub mit „Dürre“ dieses Mal weniger Wert auf ein wissenschaftliches Abenteuer a la Michael Crichton erschaffen hatte, sondern eher einen Thriller, so liest man das Buch in Rekordzeit. Und auch „Dürre“ bleibt aufgrund seiner intensiven Handlung bleibend im Gedächtnis haften. Nun, was bleibt mir noch übrig, zu sagen? Unbedingt lesen und, sofern noch nicht geschehen, auch alle anderen Werke des Autors. Und dann muss man sich nur noch gedulden, bis endlich wieder ein neuer Roman von Uwe Laub erscheint.

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Fazit: Rasanter Thriller, der in einem vom Klimawandel betroffenen Szenario spielt.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

The long hard road out of hell von Marilyn Manson und Neil Strauss

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Hannibal-Verlag
insgesamt 352 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3854451822
Kategorie: Biografie, Musik

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Schonungslos, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, schildert der Musiker Marilyn Manson seine Kindheit und Jugend, seinen Weg zum Erwachsenen bis hin zu den ausschweifenden Orgien seiner Musikerkarriere.

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Wer sich ein wenig mit Marilyn Manson aka Brian Hugh Warner beschäftigt, weiß, dass er keine besonders schöne Kindheit und Jugend verlebt hat. Es liest sich dreckig und teilweise abstoßend, was dem jungen Mann passierte, gleichzeitig aber auch voller Liebe, Hoffnung und poetischen Gedanken. Und genau diese Mischung ist es auch, die dieses Buch, diese Lebensbeichte, zu etwas Besonderem macht. Es verhält sich ähnlich wie bei der Musik des Ausnahmetalents: Einerseits ist man schockiert über die Offenheit, mit der Manson bestimmte Themen behandelt, andererseits liest man zwischen den Zeilen jede Menge Lebensweisheit und Sozialkritik heraus. Marilyn Manson eben.
Man fühlt Mitleid während des Lesens, spürt Empathie und kann so manche provokativen Verhaltensweisen des Künstlers nachvollziehen, oftmals ekelt man sich aber auch vor den beschriebenen Szenarien. Manson schreibt unverblümt von seiner Kindheit und seinem harten Weg zu einem weltweit erfolgreichen (dennoch immer auch suspekt erscheinenden) Star.

Zeitweise vergisst man, dass man eine Biografie liest und kommt sich vor wie einem Roman von Cormac McCarthy oder Larry Brown. Man verfolgt ein interessantes Leben, das man aber selbst auf keinen Fall führen oder erlebt haben möchte. Man erfährt viel über die Dinge, die Marilyn Manson zu dem gemacht haben, was er ist. Es liest sich wie eine Beichte, wie ein Sich-alles-von-der-Seele-Reden, um Absolution zu erhalten, um zu erklären, warum man sich so verhält, wie man es tut. Diese Prägungen sind es, die diesen Mann ausmachen und ihn verletzlich erscheinen lassen, dennoch aber voller philosophischen Gedanken über das Menschsein und Kritik an den sozialen Entwicklungen in der Welt. Wer dieses Buch gelesen hat, wird Mansons Musik besser verstehen und fühlen. Denn in seiner Musik steckt der Großteil seines Lebens.

Zu der wirklich faszinierenden Lebensgeschichte kommt dann noch ein optisches Schmankerl hinzu, denn das im Hannibal Verlag erschienene Buch weiß mit wunderschönen Verzierungen und Bildkollagen zu faszinieren. Dieser Aspekt vertieft die Geschichte, die man zu lesen bekommt, noch um einiges und man fühlt sich manches Mal, als sähe man einen Dokumentationsfilm.
Ich habe tiefsten Respekt vor der Ehrlichkeit dieses Künstlers, die er in seiner Autobiografie praktiziert. „The long hard road out of hell“ werde ich nicht mehr so schnell vergessen. Und, wie bereits erwähnt, höre und empfinde ich seine Songs seitdem aus einer vollkommen anderen Sichtweise. Für Fans ist dieses Buch ein Muß, für alle, die bislang ein bestimmtes Bild von Marilyn Manson in ihrem Kopf verankert haben, sei es eine dringende Empfehlung, um die wahre Persönlichkeit dieses Künstlers zu entdecken.

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Fazit: Muss man gelesen haben: Ehrlich, schockierend und emotional.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten