Blutiger Januar von Alan Parks

Blutiger Januar von Alan Parks

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 393 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-453-27188-3
Kategorie: Krimi, Thriller

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Es ist Januar 1973, als am helllichten Tag eine junge Frau auf offener Straße erschossen wird. Der Killer, ein junger Mann, jagt sich unmittelbar nach der Tat selbst eine Kugel in den Kopf. Detective Harry McCoy, dem der Mord am Tag zuvor von einem Gefängnisinsassen angekündigt wurde, versucht eine Verbindung zwischen dem Täter, dem Opfer und dem Gefangenen herzustellen. Er stößt dabei auf die Dunlops, bei der es sich um eine der mächtigsten Familie von Glasgow handelt. Und plötzlich werden McCoy Steine von seinem eigenen Vorgesetzten in den Weg gelegt …

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„Blutiger Januar“ ist ein düsterer Thriller, der einen von der ersten Seite an packt. Alan Parker ist mit seinem Debüt ein wahnsinnig rasanter und vor allem stimmungsvoller Krimi gelungen, der einen nicht mehr loslässt. Bei „Blutiger Januar“ handelt es sich um den ersten Teil einer geplanten Reihe um den Ermittler Harry McCoy, der durch seine Charakterzeichnung sehr interessant und authentisch wirkt. McCoy ist nämlich nicht der typische Polizist, der auf legalen Wegen ermittelt, sondern mit ganz anderen Wassern gewaschen. Die „Unperfektheit“ des Protagonisten ist es aber gerade, die seine Figur äußerst sympathisch und lebensecht macht. Die Atmosphäre gestaltet sich während des gesamten Plots als äußerst düster und deprimierend. Die Beschreibungen sind nicht immer zimperlich, wenn McCoy Tatorte oder Bordelle besucht und unterstreichen die trostlose Stimmung nochmals.

Man sieht eigentlich während des kompletten Romans eine Art Film Noir vor seinem inneren Auge und spürt die Missstände jener Zeit, die aber hervorragend in die Handlung mit eingebaut wurden, ohne je belehrend zu wirken. Hinzu kommt noch das geschilderte Privatleben McCoys, das meiner Meinung nach eigentlich noch viel mehr Tiefe hätte bekommen können und die Gesamtstimmung des Buches noch unterstreicht. Alan Parks schreibt sehr bildhaft. Besonders die Dialoge der Protagonisten haben es mir angetan, denn die sind sehr lebensecht und lesen sich so flüssig, dass man teilweise alles um sich herum vergisst und tatsächlich meint, ein Drehbuch für einen Film zu lesen. „Blutiger Januar“ liest sich definitiv nicht wie ein Debütroman, sondern eher wie ein routinierter Thriller von einem, der schon wesentlich mehr Erfahrung in Spannungsaufbau und Charakterzeichnung aufweist. Die Handlung stellt zwar nicht unbedingt eine Innovation um Thrillerbereich dar, aber es ist eindeutig der gelungene Schreibstil und die hervorragend vermittelte Atmosphäre der 70er Jahr, die dieses Buch zu etwas besonderem machen.

Was mir auch sehr gut gefallen  hat, war die Entwicklung des Protagonisten, dass er sich seinem Vorgesetzten widersetzte und auf eigene Verantwortung weitermachte. Sicherlich ist auch diese Idee keine neue, aber Alan Parks hat sie sehr gut und glaubwürdig umgesetzt. Für viele Leser könnte „Blutiger Januar“ aufgrund der Gewaltdarstellungen und sexueller Handlungen ein wenig unbequem sein, doch genau diese Zutaten machen ein „dreckiges Buch“ aus diesem Pageturner. Und diese Szenen passen schlichtweg in den gesamten Plot, so dass sie einen großen Teil der von mir angesprochenen düsteren Stimmung ausmachen. Parks behält dabei auch immer die Oberhand über seine Darstellungen und gleitet nie ins Niveaulose ab, selbst wenn die Beteiligten in Gossensprache reden. Das beherrscht definitiv nicht jeder Autor auf diese Art und Weise. Alan Parks hat mich mit seinem Debüt-Thriller absolut überzeugt und  mich sofort zum Fan gemacht. Ich freue mich schon sehr auf die Weiterführung von McCoys Ermittlungen. Ich kann mich immer nur wiederholen, dass mich die Atmosphäre und die Hauptfigur von „Blutiger Januar“ von Anfang bis Ende in ihren Bann gezogen haben.
Mord, Selbstmord, ausschweifende Sex- und Drogenpartys, Erpressung, Korruption, politische Verstrickungen und Gewalt – all diese Dinge finden sich in „Blutiger Januar“ und erschaffen eine vollkommen neue Welt im Kopf des Lesers.

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Fazit: Beeindruckendes Thrillerdebüt, das mit einer durchgehend düsteren Stimmung punktet.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Hör auf zu lügen von Philippe Besson

Hoer auf zu luegen von Philippe Besson

Erschienen als gebundene Ausgabe
im C. Bertelsmann Verlag
insgesamt 156 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-570-10341-8
Kategorie: Belletristik, Liebe, Drama

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Mit 17 Jahren entdeckt Philippe, dass er sich eher zu Jungs als zu Mädchen hingezogen fühlt. Vor allem Thomas, ein Mitschüler aus einer Parallelklasse, hat es ihm angetan. Wie durch ein Wunder kommen sich die beiden näher. Doch schon bald muss Philippe erkennen, dass ihre Liebe nicht sein darf und sie ihre sexuelle Identität in den 80er Jahren nicht öffentlich ausleben dürfen.

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Das Buch wurde von der Presse als „Brokeback Mountain auf französisch“ bezeichnet, allerdings fühlte ich mich nach den ersten Seiten eher an „Maurice“ von E.M. Forster erinnert, in dem es ebenfalls um die erste Liebe zwischen zwei Teenagern ging. Philippe Bessons autobiografischer Roman erzählt eine ähnliche Geschichte, die Mitte der 80er Jahre angesiedelt ist. Klar haben sich die Zeiten gegenüber dem viktorianischen, steifen England geändert, aber dennoch haftete dieser Beziehung etwas Verbotenes und Vulgäres an. Das hat Besson hervorragend zum Ausdruck gebracht, denn man kann die Unschlüssigkeit, die Ängste und Qualen seines Protagonisten (der zugleich der Autor selbst ist/war) absolut nachvollziehen. Die Erzählung liegt auch unter einem gewissen nostalgischen Schleier, der manches verklärt wirken lässt und die geschilderte Zeit wieder erweckt. „Hör auf zu lügen“ ist ein Coming of Age-Drama, das wohl vielen jugendlichen Homosexuellen in jener Zeit genauso oder zumindest ähnlich widerfahren ist. Philippe Besson zeigt Mut, wenn er seine erste gleichgeschlechtliche Liebe schildert, und auch wenn er manchmal detailliert in seinen Bescheibungen wird, behält der Roman durchweg seine poetische und melancholische Seite.

Es ist eine kurze Geschichte, die hier erzählt wird, was aber nicht ausschließt, dass jede Menge in den Sätzen zum Ausdruck gebracht wird. Da geht es im Grunde genommen gar nicht um Homosexualität, sondern einfach nur um Liebe. Und spätestens, wenn man das erkannt hat, ist man tatsächlich bei einem literarischen „Brokeback  Mountain“ angekommen. „Hör auf zu lügen“ ist eine Ode an die Liebe und das Leben. Ein Aufruf, sich nicht hinter seinem wahren Ich zu verstecken, sondern zu tun, was in einem steckt und wobei man sich wohlfühlt. Dieser Roman ist der Spiegel, der einem sein eigenes Leben zeigt und sagt: „Mach, was du für richtig hältst. Du kannst Dein Leben bestimmen, also tu es.“ Die Liebe, die hier beschrieben wird, handelt zwar von gleichgeschlechtlichen Menschen, könnte aber genauso gut den Weg (die erste Liebe und was daraus ein Leben lang wird) einer heterosexuellen Beziehung behandeln. Liebe ist nun mal Liebe, egal zwischen welchen Geschlechtern.

Gleichzeitig zu seinem „Outing“ führt uns Philippe Besson in die Welt der 80er Jahre zurück, wo alles noch anders war. Die Gedankengänge seiner Protagonisten, die musikalische und filmische Umwelt sind sehr intensiv beschrieben, so dass man nicht nur Lektionen in Sachen Liebe lernt, sondern auch in eine Welt zurückgeführt wird, in der es noch kein Internet und keine Handys gab, wo man mit Menschen noch Auge in Auge kommunizieren musste, um jemanden kennenzulernen. Und im letzten Drittel nimmt der Roman Ausmaße an, mit denen ich nicht gerechnet habe. Da wird das Thema sexuelle Orienterung noch einmal von einer anderen Seite beleuchtet, die einem sehr nahe geht. Auch hier ist der Vergleich zu „Brokeback Mountain“ sehr passend. „Hör auf zu lügen“ regt absolut zum Nachdenken an und zeigt auf, wie schnell ein Leben vergehen kann, ohne dass man das gemacht hat, was man eigentlich machen will, vor allem weil man sich den gesellschaftlichen Zwängen anpasst beziehungsweise leider anpassen muss, um nicht anzuecken. „Hör auf zu lügen“ ist ein mutiges, ein melancholisches, ein hoffnungsvolles und ein deprimierendes Buch.
Bessons Schreibstil ist unglaublich bildhaft und intensiv. Gerade durch seine Schachtelsätze vermittelt er das Gefühl, er spräche den Leser direkt an. Dass es sich dann auch noch um eine Geschichte handelte, die tatsächlich geschehen ist, macht den Roman und seine Aussage um so eindrucksvoller.

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Fazit: Mutig, melancholisch, hoffnungsvoll und deprimierend gleichermaßen. Beeindruckende Ode an die Liebe.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Aufbruch zum Mond von James R. Hansen

Aufbruch zum Mond von James R Hansen

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 510 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-60463-6
Kategorie: Biografie

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Das gesamte Leben einer Legende: Neil Armstrong, der erste Mensch, der den Mond betreten hat. Von der spannenden Kindheit bis hin zur legendären Mission zum Mond.

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James R. Hansen nimmt den Leser auf eine unglaubliche und bewegende Lebensgeschichte mit, die an manchen Stellen wie ein wahr gewordenes Märchen wirkt. Das Leben von Neil Armstrong ist spannend und interessant, vor allem auch, weil man den Menschen hinter der Legende kennen lernt, der im Grunde genommen sehr zurückhaltend und scheu war. Das war zum Beispiel eines der vielen Dinge, von denen ich bis zu diesem Buch anders dachte. Armstrongs Leben war geprägt von technischen Dingen, die sich logischerweise auch auf seine Lebensgeschichte niederschlagen. Hansen hat hervorragend recherchiert und seine Erläuterungen und Ausführungen, was technische Details angeht, sind unglaublich detailliert. Sie sind manches Mal aber so detailliert, dass ich mir gewünscht habe, sie wären nicht so ausführlich besprochen, sondern nur gestreift worden. Für an diesen Bereichen Interessierte dürften die Schilderungen allerdings wiederum extrem informativ sein. Wie gesagt, ich war manchmal leicht überfordert mit der Fülle an Details. Nichtsdestotrotz nimmt dieser kleine Kritikpunkt, so es denn überhaupt einer ist, der epischen Gesamtheit dieser Biografie seinen Reiz nicht weg.

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Konsequenz Armstrong seinen Weg ging. Die Luft- und Raumfahrt war sein Leben, bedeutete ihm anscheinend sogar manchmal mehr als seine Familie, die er dennoch über alles liebte. Hansen beschreibt die Gemütszustände des nach außen hin gefühlskalt wirkenden Mannes sehr authentisch und macht Armstrong zu einem interessanten Menschen, der oftmals einsam und mit seinen eigenen Gefühlen überfordert wirkt. Das macht ihn aber auch sehr menschlich und auf eine gewisse Art und Weise sympathisch. Es macht Spaß, den Mann auf seinem Weg nach oben zu begleiten und zu erfahren, wie er sich in die Raumfahrt weit vor dem legendären Flug zum Mond eingebracht hat. Man bekommt durch diese Biografie eine völlig andere Sichtweise auf Neil Armstrong, die die Mondlandung im Nachhinein sogar noch zu etwas weitaus Größerem erscheinen lässt, als sie seinerzeit ohnehin schon war. Die Geschichte eines der berühmtesten Menschen läuft wie ein Film am inneren Auge des Lesers vorbei. So ist man am Ende des Buches um so mehr gespannt, wie die Verfilmung dieses aufregenden Lebens („Aufbruch zum Mond“, Original: „First Man“, 2018) wohl sein wird. Nach der Lektüre verspreche ich mir einen optisch wunderbaren und auch sehr emotionalen Film, obwohl Armstrong mit seinen eigenen Gefühlen ja wohl eher sparsam umging.

Der Höhepunkt in Neil Armstrongs Leben, und respektive auch irgendwie im Buch, stellt ohne Zweifel sämtliche Aktionen rund um die spektakuläre Mondlandung dar. Hansen versteht es hervorragend, die Vorbereitungen, die eigentliche Landung und die Rückkehr zur Erde so zu beschreiben, als wäre man direkt dabei. Ich fühlte mich während des Lesens wirklich an dem ganzen Unternehmen hautnah beteiligt, was nicht nur an den präzisen Beschreibungen lag, sondern auch an der Einbindung von originalen Gesprächsaufzeichnungen zwischen den Astronauten und der Bodenstation. Dieser Teil der Biografie las sich wie ein Roman, spannend, bildhaft und schlichtweg atemberaubend. Ich weiß gar nicht, wie oft ich bei diesen Szenen das Gefühl hatte, gerade live bei einer weltweiten Sensation mit dabei zu sein.
Und dann kam das Ende, das mich so begeisterte und mitnahm, dass ich es meiner Frau laut vorlesen wollte. Allerdings schaffte ich es nicht ganz, da ich diese Passage wirklich so zu Tränen rührte, dass ich nicht mehr weiter sprechen konnte. Und genau durch dieses Bild, das Hansen mit diesem kurzen Lebensabschnitt Neil Armstrongs hervorruft, schließt sich plötzlich ein Kreis beim Leser, der noch einmal das gesamte im Buch geschilderte Leben umfasst und zu einem emotionalen Finale bringt, das eben, wie erwähnt, zu Tränen rührt.

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Fazit: Unbedingt Lesen! Biografische Reise zum Mond mit einer Vor- und Nachgeschichte.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ulldart – Die komplette Saga 3 von Markus Heitz

ulldart

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
1360 Seiten
20,00 €
ISBN: 978-3-492-28133-1

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Nach einer gewaltigen Schlacht ist nun doch endlich Frieden auf Ulldart eingekehrt. Doch Lodriks erste Frau Aljascha will die Herrschaft über das Reich Tarpol an sich reißen. Plötzlich scheint der Frieden gefährdet, denn an der Westküste erscheint eine mysteriöse Kriegsflotte. Und dann versucht sich auch noch Lodriks Tochter in der nekromantischen Magie und plant, ein Heer aus Seelen um sich zu versammeln. Es ist ein Amulett, das über Sieg oder Niederlage der dunklen Mächte entscheidet …
Der Sammelband beinhaltet die Bände der Trilogie „Zeit des Neuen“
Band 1: Trügerischer Friede
Band 2: Brennende Kontinente
Band 3: Fatales Vermächtnis

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Nach dem sechsten Band war eigentlich Schluss mit der Geschichte um den Kekskönig Lodric. Doch der Erfolg dieser Serie verschaffte Markus Heitz die Möglichkeit, eine anschließende (und abschließende) Trilogie um Ulldart zu verfassen, die nun im vorliegenden Sammelband komplett vorliegt. Nach einer kurzen Zusammenfassung, durch die man sich wieder sehr schnell in die Ereignisse der vorangegangenen Bände einfindet, beginnt dann also das neue Abenteuer. Und wie … 🙂
Die Stimmung und das Niveau sind genauso wie in den ersten sechs Bänden. Heitz treibt die Handlung geschickt voran, so dass man schnell vergisst, dass nach dem sechsten Buch eigentlich Schluss sein sollte.

Man sollte sich nicht von dem Titel „Zeit des Neuen“ irritieren lassen, denn Markus Heitz lässt in diesen drei neuen Folgebänden die Handlung sogar noch düsterer erscheinen als in den Bänden 4 bis 6. Viele mochten diese Entwicklung nicht, weil sie aufgrund des Titels damit gerechnet hatten, dass sich Ulldart wieder zu einer strahlenden Welt entwickelt. Aber weit gefehlt … Doch mir persönlich hat gerade diese Entwicklung gefallen, diese trostlose Atmosphäre, die sich über die Handlung legt und eine ganz eigene Stimmung erschafft. Heitz lässt sich viel Neues einfallen, kehrt aber immer wieder zu seinen Ursprüngen zurück, so dass sich diese ’neue‘ Trilogie aus meiner Sicht nahtlos an die Vorgängerbücher anschließt und die Geschichte um den Kontinent gelungen abschließt und auch abrundet. Man sieht am Ende staunend auf Tausende von Seiten zurück und fragt sich, wie Markus Heitz auf diese Unmengen an Ideen und Charakterzeichnungen kommt. Insgesamt gesehen ist die Ulldart-Saga schlichtweg episch und atemberaubend.

Aufgrund des wirklich sehr angenehmen und flüssigen Schreibstils passiert im dritten Sammelband der Saga letztendlich genau das gleiche wie bei den beiden vorherigen: Man liest die Seiten trotz des gigantischen Umfangs relativ schnell weg, weil man sich von der Handlung äußerst schlecht lösen kann. Markus Heitz schafft auch hier wieder das kleine Wunder, dass man sich in den umfangreichen Handlungssträngen und verzwickten Entwicklungen letztendlich doch nicht verstrickt und die Übersicht (und respektive dann die Lust zum Weiterlesen) verliert. Man möchte wissen, was den einzelnen Charakteren widerfährt und ertappt sich des Öfteren dabei, dass man „nur noch ein paar Seiten“ liest. Heitz kann wunderbare Welten erschaffen und vermag auch mit den abschließenden drei Bänden des Ulldart-Epos seine Leser in den Bann zu ziehen. Und erstaunlich ist, dass man nach knapp 4.700 Seiten (wenn man den gesamten Zyklus sieht) im Grunde genommen eigentlich doch nicht genug von Ulldart hat. Alleine das ist ein Zeichen von hohem Unterhaltungswert, wie ich finde.

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Fazit: Düstere Fortsetzung des Ulldart-Zyklus. Einfach magisch.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Dragon Teeth von Michael Crichton

Dragon Teeth Wie alles begann von Michael Crichton

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Blessing Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-89667-623-8
Kategorie: Abenteuer, Belletrsitik

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William Johnson  schließt sich dem Forscher und Charles Marsh an, um in den Weiten des Wilden Westens nach Knochenfunden zu suchen. Angeblich soll es nämlich mittlerweile ausgestorbene Tiere gegeben haben, die riesengroß waren. Ein unvergleichliches Abenteuer beginnt, bei dem Johnson nicht nur gigantische Saurierknochen findet, sondern auch noch Bekanntschaft mit wilden Indianern und der Revolverlegende Wyatt Earp macht.

„Dragon Teeth“ ist irgendwie anders, als die Romane von Michael Crichton, die man mit ihm verbindet. Seine Bestseller „Jurassic Park“, „Beute“, „Enthüllung“ oder „Next“, um nur einige zu nennen, waren weitaus reißerischer und actionreicher, als es „Dragon Teeth“ vermag. Was aber nicht heißt, dass wir es hier mit einem außerordentlich guten, und vor allem wieder perfekt recherchierten, Buch zu tun haben. Crichton widmet sich weniger den titelgebenden Dinosauriern, sondern konzentriert sich vielmehr auf ein Abenteuer, das sogar an manchen Stellen wie ein Buch von Jules Verne oder Karl May erinnert. Die Odyssee des  William Johnson liest sich kurz und knackig, ein Crichton-typischer Pageturner eben, obwohl er sich, wie gesagt, von seinen bekannteren Büchern unterscheidet. Oftmals fühlte ich mich an Michael Crichtons Film „Westworld“ erinnert, was wahrscheinlich an den Schauplätzen liegt.

„Dragon Teeth“ ist ein Abenteuerroman, der im Wilden Westen spielt. Nicht nur das Thema Paläontologie, sondern auch die Probleme der Indianer und andere Missstände jener Zeit werden ausgiebig behandelt und stellen einen sehr guten Einblick in die damalige Epoche dar. Ich fühlte mich auf alle Fälle von Anfang bis Ende sehr gut unterhalten. Wer allerdings ein Werk erwartet, dass eine Vorgeschichte zu „Jurassic Park“ erzählt wird (wie es das Cover und die Inhaltsbeschreibung suggeriert), könnte extremst enttäuscht sein. Denn die Saurierknochen sind so ziemlich das einzige, was an Crichtons Weltbestseller erinnert und damit in Verbindung gebracht werden könnte. „Dragon Teeth“ ist ein astreiner wissenschaftlicher Abenteuerroman, der auf äußerst unterhaltsame Weise Wissen vermittelt. Man spürt, dass es sich um ein Frühwerk von Michael Crichton handelt, denn allzuoft erinnert man sich bezüglich des Schreibstils an „Andromeda“, „Der große Eisenbahnraub“ oder „Expedition Kongo“. Vielleicht dachte Crichton selbst, das Manuskript sei noch nicht bereit für eine Veröffentlichung, weswegen es in seiner Schublade verschwand und dort vergessen wurde.

Für Fans von Michael Crichton ist dieses Buch sowieso ein Muss (ähnlich wie die „verschollenen“ Geschichten eines J.R.R. Tolkien). Für an der amerikanischen Geschichte und den Anfängen der Saurierforschung Interessierte ist „Dragon Teeth“ ebenfalls absolut zu empfehlen. Wer einen „Reißer“ im Stil der neueren Crichton-Bücher erwartet, wird vergeblich den Funken suchen, der normalerweise bereits nach den ersten Seiten eines „Crichton“ überspringt. Ich persönlich habe dieses Buch und auch die Geschichte sehr genossen, zumal sie eben, wie erwähnt, viele historische Bezüge eingebaut hat, die absolut interessant sind. Der Plot liest sich schnell weg und vermittelt ein ganz besonderes Abenteuergefühl, das vielmehr an „alte“ Geschichten erinnert, die man in den 50er oder 60er Jahren gelesen hat. Genau diese Atmosphäre macht aber den Reiz von „Dragon Teeth“ aus, sofern man sich auf den teils dokumentarischen Schreibstil und die Geschichte einlassen kann.
Die Charakterzeichnungen sind Crichton hervorragend gelungen, während der von ihm gewohnte Spannungsbogen ein wenig zu wünschen übrig lässt. Aber andererseits zeigt es auch die Vielfältigkeit des leider viel zu früh verstorbenen Autors, der hier exzellent eine fiktive Geschichte in einen historischen Rahmen verwoben hat. Ich finde solche Funde im Nachlass eines Autors, dessen literarischen Werdegang man Zeit seines Lebens verfolgt hat, immer einen Glücksfall und bin froh, dass Crichtons Witwe und ein Verlag diesen Schritt einer posthumen Veröffentlichung gewagt haben.

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Fazit: Ein historischer Abenteuerroman, der an Jules Verne und Karl May erinnert.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Midnight, Texas – Nachtschicht von Charlaine Harris

Midnight Texas - Nachtschicht von Charlaine Harris

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31916-5
Kategorie: Thriller, Horror

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Auf der Kreuzung in Midnight, Texas, begehen verschiedene Personen plötzlich Selbstmord. Was anfangs wie ein mysteriöses Rätsel aussieht, entwickelt sich bald zu einem ausgeklügelten Plan, der von einer bösen Macht stammt. Die Bewohner von Midnight stellen sich dem Kampf …

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Schade, schade schade …
Was mit dem ersten Band äußerst vielversprechend begann und mit dem zweiten Teil zumindest eine annehmbare Fortführung der Geschichte um das Städtchen Midnight fand, endet (zumindest aus meiner Sicht) mit dem finalen Band in einem unglaublichen Desaster. Es dauerte nicht lange und war mir gar nicht mehr so sicher, ob dieses Buch von der gleichen Autorin wie „True Blood“ verfasst wurde. An vielen Stellen wirkte es vollkommen unausgegoren und uninspiriert auf mich. Es kam mir oftmals vor, als hätte eine Schülerin als Strafarbeit einen Aufsatz schreiben müssen. Charlaine Harris hat wohl eine Storyline verfasst und die dann stur und ohne jedwede Abweichung „abgearbeitet“. Manchmal musste ich sogar lächeln und fragte mich, wie so eine Manuskript an einen Verlag kommen konnte. „Nachtschicht“ wirkt leblos, ideenlos und unbeholfen. Der Plot ist dermaßen konstruiert, dass es fast schon wehtut und hätte ich nicht die ersten beiden Bände gelesen (und das durchaus auch gerne), so hätte ich den finalen Band bereits nach weniger als hundert Seiten abgebrochen.

Habe ich schon während der ersten beiden Teile keinen besonderen Bezug zu den Protagonisten bekommen, so verliert Harris im vorliegenden dritten Teil vollends die Kontrolle über ihre Personen. In keinem steckt Leben, es wird alles nur oberflächlich und ohne echte Seele beschrieben, so dass einem die einzelnen Gedankengänge und Schicksale absolut nicht nahe gehen. Ich konnte hier absolut keine Beziehung zu den einzelnen Personen aufbauen. Die Dialoge und die fadenscheinigen, an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen für die Selbstmorde empfand ich schon nach kurzer Zeit extremst nervig. Interessant war auch, dass immer irgendetwas zufällig passierte. Fast schien es, als wäre der Zufall der einzige Strohhalm, der der Autorin einfiel, um unlogische Vorgänge zumindest durch einen Zufall erklären zu können. Das Szenario der Stadt Midnight und deren Bewohner hätte durchaus Potential gehabt. Vor allem nach den ersten beiden Bänden, die mir wirklich noch gefallen und ein kurzweiliges Lesevergnüngen bereitet haben, waren meine Erwartungen wohl einfach zu hoch. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass das Niveau dieser Saga mit jedem Band steigen würde und nicht immer tiefer nach unten sinkt.

Selbst wenn ich wollte, ich kann diesem dritten Teil nicht mehr als drei Sterne vergeben, wobei selbst das fast schon geschönt ist. Ich finde es wirklich schade, dass ich Midnight, das ich immer gerne zwischen den Buchdeckeln betreten habe, nun äußerst unzufrieden und auch enttäuscht verlassen muss. Aber die Plattheit der Charaktere hat mich bei „Nachtschicht“ nur noch aufgeregt und ich fand die meisten Entwicklungen der Story schlichtweg nur noch lächerlich. Ich bekomme leider den Eindruck nicht los, dass Charlaine Harris entweder die Ideen ausgegangen sind oder sie selbst auf ein weiteres Abenteuer in Midnight einfach keine Lust mehr hatte. Habe ich mich nach Band 2 der Reihe noch auf die Verfilmung gefreut, so kann ich nach „Genuß“ des dritten Teils nicht einmal mehr eine kleine Vorfreude verzeichnen.
Wie gesagt, Potential auf eine atmosphärische Story wär da gewesen, wurde aber im vorliegenden finalen Teil durch den plumpen, fast schon amateurhaften Schreibstil und die uninspirierte Handlung zunichte gemacht.

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Fazit: Unbefriedigender und sehr simpel verfasster Abschlussband der Midnight-Saga. Das Potential wurde letztendlich allumfassend verschenkt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ewiges Leben von Andreas Brandhorst

leben

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
700 Seiten
16,99 €
ISBN: 978-3-492-06133-9

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Ein gigantischer Konzern namens „Futuria“ verkündet den Menschen eine sensationelle Entdeckung: ewiges Leben! Die Journalistin Sophie recherchiert für einen großen Bericht über das Unternehmen und entdeckt dabei immer mehr Ungereimtheiten in Bezug auf die Forschungen von „Futuria“. Etwas weitaus Größeres als „nur“ das ewige Leben scheint das Ziel der Firma zu sein.

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Der  neue Wissenschafts-Thriller von Andreas Brandhorst betrachtet den Menschheitstraum vom ewigen Leben aus verschiedenen Blickwinkeln. Unsterblichkeit hat schon viele Autoren beschäftigt und auch Brandhorst hat sich in dem ein oder anderen seiner Science Fiction-Werken schon einmal dieser Thematik zugewandt, wenngleich auch bei weitem nicht so ausführlich wie nun in „Ewiges Leben“. Es ist erstaunlich, mit welcher Weitsicht der Autor das Thema angeht und dabei Dinge und Auswirkungen beachtet, an die man im ersten Moment, wenn man über ein nicht endendes Leben philosophiert, gar nicht denkt. Brandhorst führt seine Überlegungen konsequent und durchdacht aus, so dass die Thematik eine unglaubliche Tiefe während des gesamten Romans entwickelt. In anderen Rezensionen habe ich gelesen, dass sich Andreas Brandhorst auf zu viele „Auswüchse“ innerhalb des Themenbereiches konzentriert und die eigentliche Frage aus den Augen verliert. Das sehe ich allerdings komplett anders, denn gerade die Ausweitungen und Konsequenzen einer solchen Möglichkeit, nicht sterben zu müssen, wird von Andreas Brandhorst sehr detailliert behandelt und verliert sich nicht in „sinnlosen Verstrickungen“, sondern beleuchtet alle Optionen, die eine solche wissenschaftliche Entdeckung für die Menschheit bedeuten würde.

Andreas Brandhorst schildert nämlich nicht nur die Vorteile einer Unsterblichkeit, er differenziert auch die Gedankengänge möglicher Gegner und bringt den Leser dadurch zum Nachdenken. Ist einer der größten Wünsche des Menschen tatsächlich erstrebenswert? Zugegebenermaßen mag ich es nicht, wenn religiöse Aspekte in einem Roman mitspielen, aber bei „Ewiges Leben“ passt es schlichtweg hervorragend, zumal nicht belehrend davon gesprochen wird, sondern menschlich und philosophisch. Passender hätte man es aus meiner Sicht gar nicht schreiben können, denn bei einem solchen Thema kann und darf der religiöse Aspekt definitiv nicht fehlen. Aber auch die Einbindung von Künstlichen Intelligenzen hat bei dieser Thematik absolut ihre Berechtigung und macht diese Zukunftsvision sehr authentisch. Das Szenario in „Ewiges Leben“ hat mir persönlich sogar noch besser als in „Das Erwachen“ gefallen, vor allem auch, weil Brandhorst hier teilweise wieder sehr philosophisch wird und dadurch eine unglaublich intensive Atmosphäre schafft. Mit diesem Wissenschafts-Thriller beweist Andreas Brandhorst nach „Das Erwachen“ erneut, dass er nicht nur hervorragende Science Fiction schreiben kann, sondern auch andere Genre beherrscht.

Andreas Brandhorst hat in seinem neuen Roman auch noch eine virtuelle Welt als Handlungsort eingebaut, die mich des Öfteren an Tad Williams Kulttrilogie „Otherland“ erinnerte. Brandhorst geht aber einen komplett anderen Weg, der die Thematik der Unsterblichkeit nochmals aus einer komplett anderen Sichtweise beleuchtet. Ich muss ehrlich sagen, dass mich diese Idee außerordentlich fasziniert hat und bis heute nicht mehr loslässt. Es ist typisch für Andreas Brandhorst, genau solche existenziellen Fragen aus philosophischer Sicht zu betrachten. Auch in „Ewiges Leben“ gibt er unzählige Gedankenanstöße an seine Leser weiter, allerdings immer vorausgesetzt, dass diese sich auf den Plot und die Überlegungen des Autors einlassen. Mit dem vorliegenden Wissenschaftsthriller ist Andreas Brandhorst auf jeden Fall wieder ein absolut lesenswertes, tiefgründiges Werk gelungen, das für mich gerne noch weitere achthundert Seiten hätte andauern dürfen. Das Ende hat viele Leser wohl überrascht, ich hatte die ganze Zeit schon damit gerechnet, was aber keineswegs heißt, dass mich das Finale enttäuscht hat. Es schließt den Kreis, den Andreas Brandhorst während des ganzen Romans geschickt aufgebaut hat, auf sehr konsequente und schlüssige Weise, was mich wiederum zum  Nachdenken gebracht hat. „Ewiges Leben“ muss man einfach lesen, um zu verstehen, was ich meine. Für mich (wieder einmal) ein perfektes Buch, das grandios unterhält und hervorragend recherchiert beziehungsweise aufgearbeitet wurde.

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Fazit: Unsterblichkeit – Der Traum der Menschheit aus sämtlichen Blickwinkeln betrachtet. Unbedingt lesen.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

NSA – Nationales Sicherheitsamt von Andreas Eschbach

NSA

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Bastei Lübbe Verlag
insgesamt 796 Seiten
Preis: 22,90 €
ISBN: 978-3-7857-2625-9
Kategorie: Thriller, Belletristik

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Wie hätte sich der Krieg entwickelt, wenn es im Dritten Reich schon Computer, das Internet, Handys und soziale Netzwerke gegeben hätte? Wäre die Überwachung der Bürger durch die Nazis nicht erschreckend gewesen?
Die Programmiererin Helene arbeitet im Weimar des Jahres 1942 im sogenannten Nationalen Sicherheits-Amt (NSA) und entwickelt Programme, mit denen alle Bürger des Reiches überwacht werden können. Durch Zufall lernt sie die Liebe ihres Lebens kennen, der allerdings das Deutsche Reich durch Fahnenflucht verraten hat und gesucht wird. Helene gerät zunehmend in Konflikte und muss zusätzlich noch feststellen, dass die durchgeführten Überwachungen bei weitem bedrohlicher sind, als sie jemals gedacht hätte …

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Und wieder hat sich Andreas Eschbach einen sehr brisanten Thema gewidmet, das er zwar in der Vergangenheit ansiedelt, aber geschickt die Gefahren des Internets in der heutigen Zeit mit einbaut. Was zuerst wie eine modernisierte Version von Robert Harris‘ „Vaterland“ anmutet, entwickelt sich allerdings schon nach kurzer Zeit zu einer erschreckenden Vergangenheitsvision, die dem Leser einen Spiegel der gegenwärtigen Situation vorhält. Eschbachs Roman erschreckt und jagt einem auf fast jeder Seite unglaubliche Angst ein, weil man sich oftmals nicht sicher ist, ob es sich denn heute genau so verhält, wie der Autor es in seiner fiktiven Geschichte schildert. Es ist unglaublich, mit welcher Detailgenauigkeit Eschbach unsere Gegenwart in das Szenario einer schrecklichen Vergangenheit transportiert und einerseits „die Geschichte neu schreibt“ und andererseits exakt den Nerv der heutigen Zeit mit ihren übertriebenen sozialen Netzwerken trifft. Vor allem wirft dieser Roman ein völlig neues Licht auf die Debatte um die Speicherung von Daten im Internet. Und es zeigt, dass Macht auch missbraucht werden kann, um Unschuldige zu bedrohen.

Ich bin ziemlich sicher, dass es wieder unzählige „Nörgler“ geben wird, die dem Plot nichts abgewinnen können (oder möchten) und etwas völlig anderes in die Geschichte hinein interpretieren, als von Eschbach gedacht. Wer sich aber auf solch eine historische „Möglichkeit“ einlässt, wird mit einem extrem spannenden und hervorragend geschriebenen Roman belohnt, der einen nicht mehr loslässt, hat man einmal damit angefangen.  Es ist eine Gratwanderung, die Andreas Eschbach mit seinem neuen Werk begeht. Aber er meistert die Herausforderung brillant und weckt im Leser unzählige Gedanken. Fast möchte man den Umgang des Autors mit der Hitlerzeit und der damit verbundenen „Menschenhatz“ zurückhaltend nennen, so feinfühlig wird damit umgegangen. Aber trotzdem hält man unweigerlich den Atem an, wenn man Zeuge von Aufspüraktionen und Verfolgungen nicht gewollter und geduldeter  Menschen wird. Die moderne Aufbereitung jener Zeit hat mich tief beeindruckt.

Andreas Eschbach widmet sich aber nicht nur den zwielichtigen Unternehmungen der Nationalsozialisten, sondern beschreibt auch eine wunderbare und stets nachvollziehbare Liebesbeziehung, die mir ebenfalls absolut gefallen hat. Man konnte die Gedankengänge, Ängste und Hoffnungen der Protagonisten absolut verstehen und fühlte mit ihr. Was mir außerdem positiv bei „NSA“ aufgefallen ist, sind die nicht zimperlichen Sexszenen, die Andreas Eschbach eingebaut hat (und die auch im Rahmen der Handlung absolut Sinn ergeben). Denn sie sind alles andere als reißerisch, obwohl sie, wie schon erwähnt, auch nicht zurückhaltend sind. Doch auch hier hat Eschbach einen hervorragenden Weg gefunden, erotische und sexuelle Szenen auf eine Art und Weise zu beschreiben, dass sie keinesfalls plump, billig und lächerlich wirken, sondern eine entsprechende Stimmung vermitteln können, mit der man als Leser unbedingt umgehen kann.
Man kann definitiv nicht umhin, den Plot dieses Romans als genial zu bezeichnen. Die Mischung aus Fakten und Fiktion ist dem Autor dermaßen gut gelungen, dass man sich manchmal  während des (vertieften) Lesens dabei ertappt, alles für bare Münze zu halten, so authentisch wurden die elektronischen Möglichkeiten der Neuzeit in das historische Handlungsgerüst mit eingebaut. Hut ab, Herr Eschbach vor dieser Kunst und auch vor dem Mut, solch ein Thema (gerade in der heutigen Zeit) aufzugreifen. Absoluter Lesetip meinerseits, da dieses Buch schlichtweg süchtig macht und einen ganz eigenen, hypnotisierenden Sog entwickelt. Ich freue mich deshalb schon sehr, auf ein neues Werk von Andreas Eschbach.

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Fazit: Geniale Idee, die unglaublich gut umgesetzt wurde. Andreas Eschbach macht auch mit diesem Buch wieder süchtig.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Tschüsschen, Tschüsschen von diversen Autoren

Erschienen als Kindle
bei Paperwork
insgesamt  78 Seiten
Preis:  €
ISBN: 978-
Kategorie: Kurzgeschichten, Horror, Thriller

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Skurrile Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren, die sich aber allesamt auf gleichwertig hohem Niveau befinden.
Die Autoren sind: Mara Winter, Carola Leipert, Herbert Arp, Alexander Kühl, Alexandra Mazar, Julia Dest, Georg Adamah

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Es ist ja immer so eine Sache mit Anthologien, an der verschiedenen Autorinnen und Autoren mitgemacht haben Respekt demjenigen, der das Niveau der Geschichten koordiniert und auf einem gleichmäßigen Level halten kann. So geschehen bei der vorliegenden Sammlung skurriler Geschichten von sieben unterschiedlichen Verfassern, die mühelos ein gleichbleibendes Niveau halten kann, ohne dabei Verschiedenartigkeiten der teilnehmenden Autorinnen und Autoren in irgendeiner Weise zu unterdrücken. „Tschüsschen, tschüsschen“ macht unheimlich Spaß und ist extrem kurzweilig. Aber der Reihe nach …

Den Einstieg macht Mara Winter mit der titelgebenden Kurzgeschichte „Tschüsschen, Tschüsschen!“. Auch wenn der Titel stark an Roald Dahl erinnnert („Küsschen, Küsschen“), der übrigens gewissermaßen ein klitzeklein wenig auch mit der Storysammlung zu tun hat, so geht die Autorin definitiv einen eigenen Weg und serviert eine zwar letzten Endes fast schon ereignislose Geschichte, die sich aber aufgrund des hervorragenden Schreibstils und der dahintersteckenden Idee mit unzähligen Interpretationsmöglichkeiten für den Leser ins Gehirn einnistet. Ein absolut gelungener Opener der Anthologie.

Weiter geht es mit Carola Leipert, die sich in erster Linie in ihren Romanen mit den Themen Romantik, Freundschaft, Spannung und Abenteuer befasst. Ihre Geschichte „Alte Gewohnheiten“ befasst sich im Grunde genommen auch mit eben diesen Themen, nimmt aber gegen Ende hin eine Wendung, die zum Nachdenken anregt. Die Erzählung spiegelt das (Zusammen-)Leben von wahrscheinlich sehr vielen Paaren wieder und kann mit einem Ende aufwarten, das mich an die Auflösungen einiger „Geschichten aus der Gruft“ erinnert hat.

Herbert Arps „Stummes Vermächtnis“ geht in eine völlig andere Richtung als die Vorgängergeschichten, regt aber genauso zum Nachdenken an. Man muss sich erst an den Schreibstil etwas gewöhnen, um die Tiefe hinter dieser Geschichte voll erfassen zu können. Kann man sich darauf einlassen, erwartet den Leser eine ganz besondere Geschichte, die einen noch im Nachhinein beschäftigt und eine Weile nicht mehr loslässt. Herbert Arp ist Journalist, der sich auf berichte über Computerspiele spezialisiert hat. Sein „Stummes Vermächtnis“ zeigt, dass er auch das Schreiben von intelligenten Kurzgeschichten beherrscht.

Kommen wir zu Alexander Kühl, den einige vielleicht durch seinen bei Redrum Books erschienen Hardboiled Thriller „Runaways“ kennen. Kühl legt mit „Lisa“ einen erschreckenden und zugleich tief traurigen Beitrag vor, bei dem man ebenfalls bereits während des Lesens ins Grübeln kommt. „Lisa“ ist eine Liebesgeschichte, die letztendlich auf zwei Ebenen abläuft und von Verlustängsten, aber auch Liebe und Hoffnung erzählt. Ich habe diese Geschichte sehr genossen, zumal sie uns ins Innere von Menschen sehen lässt, die sich Problemen nicht stellen mögen (oder können) und sogar die Liebe dafür aufgeben.

Alexandra Mazar ist Verfasserin des Dramas „Die Farben des Verzeihens“ und schreibt unter einem Pseudonym ebenfalls für den Redrum Verlag. Ihre Geschichte „Nachtkrabb“ behandelt einen Mythos aus dem süddeutschen und österreichischen Raum, der einem Märchen gleicht. Mazar beschreibt den Plot aus Sicht eines Kindes und vermittelt dadurch ein sehr stimmungsvolles Bild. Mazar erzählt fast schon eine klassische Gruselgeschichte, die sich von den vorherigen Storys zwar thematisch unterscheidet, sich aber durch den schönen, bildhaften Schreibstil dennoch in das Gesamtbild der Anthologie einpasst.

Julia Dests „Kreislaufprobleme“ ist erneut eine Geschichte, die mich zum einen tief berührt und zum anderen extremst zum Nachdenken gebracht hat. Die von ihr beschriebene Gedankenwelt der „kindlichen Protagonisten“ ist ihr sehr glaubhaft und emotional gelungen, so dass ich die Geschichte tatsächlich ein zweites Mal lesen musste, um sie in all seinen Konsequenzen zu „begreifen“. „Kreislaufprobleme“ ist der Autorin nachhaltig beeindruckend gelungen und stellt für mich einen der Höhepunkte dieser Sammlung dar.

Dann kommen wir zu Georg Adamah, jenem Herrn, der mich schon mit seinem Roman „Lillits Töchter, Adams Söhne“ begeistert (und beeindruckt) hat. Auch dieser Roman ist im Redrum Verlag erschienen. Er widmet sich in seiner Geschichte „Female (Night)Shift“ natürlich dem Thema „Frauen“. 😉
Und er macht das wieder so herzerfrischend gut und humorvoll, dass ich auch nach dieser Geschichte förmlich süchtig wurde. Adamahs Humor ist, in gleicher Weise wie übrigens auch seine Ideen, unglaublich ehrlich und authentisch. Auch hier kann ich nur wiederholen, dass sich die Story hervorragend in das Gesamtbild der Anthologie einbindet.

Zum Abschluss liefert Carola Leipert noch eine kurze Bonusgeschichte, die ebenfalls philosophisch und melancholisch auf den Leser einwirkt. „Das Kleid“ erzählt in wenigen Sätzen im Grunde genommen ein ganzes Leben (oder was davon übrig bleibt). Mit nur wenigen Worten konnte mich die Autorin erneut begeistern.

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Fazit: Wunderbare Anthologie mit hervorragend aufeinander abgestimmten Storys, die eine Bandbreite von philosophisch, melancholisch über humorvoll bis hin zu gruseliger Spannung abdecken. Absolut zu empfehlen!

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Star Wars – Phasma von Delilah S. Dawson

Star Wars Phasma von Delilah S Dawson

Erschienen als Taschenbuch
im blanvalet Verlag
insgesamt 508 Seiten
Preis: 14,00 €
ISBN: 978-3-7341-6150-6
Kategorie: Science Fiction

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Phasma genießt einen besonderen Status bei ihren Vorgesetzten, denn sie gilt als erbarmungslos und  kaltblütig. Ihr größter Widersacher ist Captain Cardinal, dessen Stellung sie innerhalb der Ersten Ordnung eingenommen hat. Cardinal versucht, so viel wie möglich von Phasma zu erfahren, um sie eventuell bei ihren Vorgesetzten anzuschwärzen. Als Cardinal die Rebellin Vi gefangen nimmt, die Phasma aus früherer Zeit kennt, zwingt er sie, ihm alles zu erzählen, was sie über die geheimnisvolle Sturmtruppenführerin weiß.

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Eine Reise in das Universum von „Die letzten Jedi“ – so wird der Roman von Delilah S. Dawson eingeordnet. Entfernt hat er damit auch zu tun, denn auch in diesem Film erscheint der Charakter der undurchsichtigen Phasma. Ihren ersten Auftritt hatte sie in „Das Erwachen der Macht“, wo sie trotz ihrer fast schon unbedeutenden Nebenrolle auf gewisse Art und Weise eine Art Kultfigur wurde. Dawson gibt dieser Frau in ihrem Roman nun ein Gesicht, was zur Folge hat, dass man die beiden obengenannten Filme mit Sicherheit mit anderen Augen sieht. Die (Lebens-)Geschichte von Phasma besitzt einen hypnotischen Reiz, dem man sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr entziehen kann. Dawson hat der Figur einen glaubwürdigen Charakter und eine spannende Vergangenheit auf den Leib geschrieben, den man sich übrigens sehr gut als Film vorstellen kann. 😉

Es dauerte anfangs eine Weile, bis ich Zugang zu der Story bekam. Das lag vielleicht an der humorvollen Art, mit der die Protagonistin Vi ihrem „Geiselnehmer“ Captain Cardinal gegenübertrat. Da hatte ich zugegebenermaßen kleine Schwierigkeiten, die mich sogar ein wenig gestört haben. Verfolgt man aber den Verlauf der Geschichte und die Entwicklung der beiden, wie sie miteinander umgehen, dann ergeben diese sarkastischen Äußerungen im Nachhinein Sinn und machen Spaß. Vi erzählt Captain Cardinal die Geschichte von Phasma. Dieser geschickte Schachzug, dass die Story der eigentlichen Schlüsselfigur von einer dritten Person  erzählt wird, versucht der Roman eine äußerst faszinierende Atmosphäre. Hinzu kommt der Schauplatz des Geschehens: ein dystopischer Planet namens Parnassos, der im Kopfkino des Lesers eine apokalyptische Welt á la „Mad Max“ oder Stephen Kings „The Stand“ entstehen lässt. Dawsons Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen, so dass die 500 Seiten nur so weggelesen werden können. Phasma bekommt in diesem Roman eine greifbare Persönlichkeit, die sie gleichermaßen menschlich, aber auch „abgeklärt“ wirken lasst. Der Mythos um diese Figur, den man in den Filmen vermittelt bekommt, bleibt aber dennoch bestehen.

„Phasma“ stellt eine äußerst spannende und sehr atmosphärische Hintergrund- und Entwicklungsgeschichte der Sturmtruppen-Kommandantin dar, die fast wie ein Spin Off in der Art von „Rogue One“ wirkt und im Zusammenhang mit den Filmen eine stimmige, interessante Geschichte abgibt. Aber auch wer sich nicht mit dem Star Wars-Universum befasst und den Charakter der Phasma bis jetzt überhaupt nicht kennt, kann diesen Roman ohne weiteres lesen, denn es sind keine Vorkenntnisse nötig, um der Handlung folgen zu können. Und die dystopische Welt, in der sich die meiste Zeit die Handlung abspielt, vermag einen auch ohne Star Wars-Begeisterung absolut zu fesseln. Wer allerdings epische Weltraumschlachten oder andere kriegerische Auseinandersetzungen zwischen der Ersten Ordnung und den Rebellen erwartet, wird von dem Plot höchstwahrscheinlich enttäuscht sein. Es geht nämlich in erster Linie nur um die Person Phasma und ihre Entwicklung zur Sturmtruppen-Kommandantin und keineswegs um die Konfrontation der verfeindeten Parteien. Obwohl der Roman also relativ „ruhig“ daherkommt, finden sich niemals Längen im Plot, bei denen man hofft, diese Stellen mögen bald wieder vorbei sein. Allerdings fand ich persönlich die Kapitel, in denen Vi und Captain Cardinal miteinander kommunizierten, immer wieder als kleine Höhepunkte, weil sie  immer sehr stimmungsvoll beschrieben waren. Alles in allem stellt „Phasma“ von Delilah S. Dawson für mich eine tolle Ergänzung zum Star Wars-Universum dar und ich kann diesen Roman nur wärmstens empfehlen.

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Fazit: Stimmungsvolles Spin Off des neuen Star Wars-Universums.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten