Die Rose von Tibet von Lionel Davidson

Erschienen als Taschenbuch
im Penguin Verlag
insgesamt 444 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-328-10003-4
Kategorie: Abenteuer, Literatur, Mystery

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Als der Filmemacher Hugh Wittington bei einer Expedition in Tibet angeblich ums Leben kommt, macht sich sein Stiefbruder Charles, der nicht an Hughs Ableben  glaubt, auf die Reise, um ihn zu finden. Er erreicht schließlich das Kloster, in dem sein Halbbruder zum letzten Mal lebend gesehen wurde und trifft anstatt auf den Gesuchten auf eine mysteriöse Frau, die ein unheimliches und tödliches Geheimnis umgibt.

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Der bereits im Jahr 1962 erschienene Abenteuerroman „Die Rose von Tibet“ ist ein fantastischer Genremix aus mitreissendem Abenteuerroman in Reiseberichtform und esoterischem Mysterythriller. Während sich der erste Teil wie eine Symbiose aus Bram Stoker und Dan Simmons liest, entwickelt sich die zweite Hälfte zu einem Esoteriktrip, der aber weiterhin in der abenteuerlichen Kulisse eines verschneiten, einsamen Tibetklosters spielt. Ich persönlich konnte mich an der ersten Hälfte gar nicht sattlesen, so hypnotisch war der Spannungsaufbau und die Schilderung der Reisevorbereitungen. Ich ging den beschwerlichen Weg zusammen mit dem Protagonisten, spürte die Kälte und die Gefahren der Reise und fühlte mich in einer fremden (tibetischen) Welt unglaublich wohl. Davidson verfasste seinen Roman so geschickt, dass man (ähnlich wie bei besagtem Dan Simmons) manchmal zweifelt, ob es sich nicht doch um einen Roman nach tatsächlichen Ereignissen handelt.

Davidson kann einen sehr schönen, niveauvollen Schreibstil sein eigen nennen, durch den man bei den Geschehnissen wirklich unmittelbar dabei ist. Doch wer einen historisch fundierten Roman erwartet, könnte unter Umständen ein wenig enttäuscht sein, denn das Hauptaugenmerk liegt auf einer mystischen, esoterisch angehauchten Geschichte und nicht auf der realen Kultur Tibets. Sicherlich werden auch historische Ereignisse behandelt, die aber teilweise etwas wirr wirken, wenn man sich damit noch nie befasst hat. Doch die tatsächlich stattgefundenen, politischen Wirrungen dieser Zeit tun der Hauptgeschichte an sich keinen Abbruch, wenn man sich nicht dafür interessiert oder die Zusammenhänge teilweise nicht versteht. Es ist die Atmosphäre und die „geistige“ Aussage, die den Reiz dieses Romans ausmacht, die stimmungsvollen Bilder, die Davidson im Kopf des Lesers entstehen lässt, und die mystische Anziehungskraft der fremden, tibetischen Welt, die sehr gut beschrieben wird.
Und gerade die Tatsache, dass die Geschichte als „wahr“ erzählt wird, gibt dem Buch noch einen zusätzlichen Pluspunkt, der die Seiten (zumindest in den ersten beiden Dritteln) nur so dahinfliegen lässt. Erst im letzten Drittel erscheinen manche Szenen etwas langatmig und, wenn man mit leicht „abgedrehten“ esoterischen Aspekten Probleme hat, etwas unglaubwürdig.

Lionel Davidson reiht sich aus meiner Sicht von seiner Erzählweise in die Riege bekannter Autoren wie Jules Verne oder H.G. Wells ein, um nur zwei zu nennen. Das liegt vor allem an dem „altmodischen“ Schreibstil, was allerdings absolut nicht negativ sondern im Gegenteil äußerst positiv zu bewerten ist. Schon während der ersten Seiten nimmt uns der Autor mit seinem fiktionalen Tatsachenbericht gefangen und lässt uns bis zum Ende nicht mehr los. „Die Rose von Tibet“ ist ein Abenteuerroman im klassischen Sinne, der sich zwar an einigen historischen Ereignissen orientiert, aber einen eigenen „erfundenen“ Weg geht, der einen entweder anspricht und sofort mitreißt oder eher langweilig  und -atmig wirkt. Echte Tibetkenner werden sich die Haare raufen, der „Otto-Normal-Leser“, der sich einfach nur gut unterhalten möchte, wird die tolle Atmosphäre, die fast während des gesamten Buches vorherrscht, genießen und über die unrealistischen erscheinenden Dinge einfach hinwegsehen. Mir persönlich hat die erste Hälfte ausnehmend gut gefallen, wofür ich auch ohne weiteres fünf Sterne vergeben würde, und die zweite Hälfte wirkte auf mich dann an manchen Stellen eher etwas ermüdend, so dass der Story dann hierfür letztendlich nur drei Sterne aus meiner Sicht zustehen würden. Im Gesamtbild ist „Die Rose von Tibet“ für mich aber immer noch ein guter, lesenswerter 3,5 bis 4-Sterne-Titel.

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Fazit: Spannend, atmosphärisch und mystisch. Die erste Hälfte ist pures Abenteuer, die zweite bewegt sich dann eher auf esoterischen Pfaden.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Kollaps (Das Imperium der Ströme 1) von John Scalzi

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-596-29966-9
Kategorie: Science Fiction

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Die Menschheit ist über die ganze Galaxis ausgebreitet. Sie leben auf Planeten und Raumstationen und sind durch sogenannte »Ströme«, Sternenstraßen, miteinander verbunden, mittels derer Raumschiffe in kurzer Zeit Entfernungen von Lichtjahren überbrücken können.
Doch diese „Ströme“ drohen plötzlich zu verschwinden.
Kiva Lagos, Erbin eines mächtigen Handelshauses, Cardenia Wu-Patrick, Imperatox und Nachfolgerin ihres Vaters und der Wissenschaftler Marce Claremont wissen um die Bedrohung. Sie versuchen gegen Intrigen und Rebellionen die Zukunft und das Überleben der Menschheit zu retten.

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Scalzis neuestes Epos braucht nicht lange, um einen zu fesseln. Es liegt vor allem an dem schnörkellosen, natürlichen Schreibstil, der in den Dialogen überaus authentisch wirkt, dass man in einem fort weiterlesen will. Scalzi schafft es geschickt, den Leser mittels einer faszinierenden Welt in den Bann zu ziehen. Die Geschichte kommt vielleicht anfangs für den ein oder anderen leicht schleppend in Fahrt, entwickelt sich aber in dem Moment rasant, in dem man die Personen alle kennengelernt hat. Bei „Kollaps“ handelt es sich weniger um einen Science Fiction-Roman, in dem Weltraumschlachten eine wichtige Rolle spielen, sondern eher um Machtkämpfe und Intrigen, die zwischen den Planeten herrschen. Aufgrund des sehr flüssigen Schreibstils ziehen die politischen Rangeleien im Flug am Leser vorbei und lassen einen tatsächlich vergessen, das man hier einen politischen Roman, der in der Zukunft spielt, geliefert bekommt. Aber das Konzept eröffnet sich einem sehr schnell und man fiebert mit den Protagonisten, die übrigens sehr gut gezeichnet sind, mit.

John Scalzi erschafft eine sehr lebendig wirkende und glaubwürdige Welt mit dem ersten Band seines neuen Zyklus. Er lässt sich Zeit mit der Einführung aller Personen und des Universums. Das mag für viele langweilig wirken, ich persönlich empfand das eher als unheimlich angenehm, weil man sich in den Plot wirklich in Ruhe einlesen und sich auch mit den Personen vertraut machen konnte. Durch die Intrigen fühlte ich mich des öfteren an die „Wüstenplaneten“-Romane erinnert, wobei ein Vergleich natürlich absolut hinkt und ich dieses Buch auch auf keinen Fall mit dem SF-Klassiker von Frank Herbert gleichstellen will. Dennoch verströmte „Kollaps“ ein klein bisschen eine ähnliche Atmosphäre. Die Idee der Ströme, die die Planeten miteinander verbinden, hat mir außerordentlich gut gefallen und lässt auf eine große Geschichte in den Nachfolgebänden hoffen. Ich habe das Buch innerhalb zwei Tagen gelesen, weil es mich wirklich gepackt hat, obwohl im Grunde genommen recht wenig passiert.
Was mich am sehr erstaunt hat, ist die Tatsache, dass sich viele von Scalzis Protagonisten vulgär ausdrücken, was mir eigentlich überhaupt nicht liegt und mich meistens enorm stört. Komischerweise verhält es sich hier aber anders, denn die unanständigen Ausdrücke passen einfach zu den Personen, die sie in den Mund nehmen. Oft habe ich mich bei einem Schmunzeln ertappt, weil es einfach gepasst hat. 🙂

John Scalzi baut neben wirklich guten (politischen) Dialogen auch witzige Szenen mit ein, so dass neben einer spannenden Geschichte auch der Humor nicht zu kurz kommt. „Kollaps“ ist Science Fiction-Unterhaltung, wie ich sie mag und wie man sie auch von Scalzi gewohnt ist. Sicherlich kommt „Kollaps“ ein wenig anders daher, weil es sich um eine großangelegte Space-Opera handelt, aber letztendlich erkennt man, entgegen anderer Stimmen, den Stil des Autors wieder. Der erste Band wirkt an manchen Stellen noch etwas unrund, was eventuell daran liegt, dass einige Handlungsstränge nicht weiter beachtet werden. Aber das kann sich ja mit den Folgebänden noch ändern, denn insgesamt wirkt das Universum mitsamt seinen politischen Machtspielen und Intrigen letztendlich doch sehr durchdacht und schlüssig. Scalzi hat sich meiner Meinung nach mit seinen bei den Fans nicht wirklich gut angekommenen letzten Büchern wieder ein wenig gefangen, wobei er eben einfach auch mal „neue“ Wege einschlägt oder vielleicht auch einschlagen will. Fehlende Kreativität und nachlassender guter Schreibstil kann ich ihm mit „Kollaps“ auf jeden Fall nicht ankreiden. Mir hat’s gefallen und ich freue mich schon auf Band 2.

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Fazit: Schön und spannend geschriebener Auftakt einer neuen Serie, die unbedingt fesselt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Hex von Thomas Olde Heuvelt

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 429 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31906-6
Kategorie: Thriller, Horror

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Nach außen hin ist Black Spring ein nettes, kleines und idyllisches Städtchen, umgeben von Wäldern und purer Natur, gäbe es nicht Katherine, eine dreihundert Jahre alte Hexe, die den Bewohnern hin und wieder einen kleinen Schrecken einjagt. Der Stadtrat von Black Spring will diesen „Makel“ nicht an die Öffentlichkeit bringen und hat deswegen strenge Regeln aufgestellt, an die sich jeder Einwohner halten muss: kein Internet und kein Besuch von außerhalb. Doch die Teenager des Ortes sehen die Sache anders und machen sich einen Spaß daraus, die Hexe zu ärgern. Eines Tages stellen sie ein Video der Hexe ins Internet. Und postwendend bricht das Chaos in Black Spring aus …

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Wenn man die ersten Seiten von Thomas Olde Heuvelts „Hex“ zu lesen beginnt, fragt man sich, ob man etwa bereits am Anfang eines Buches schon unaufmerksam war und etwas überlesen hat, denn die Geschichte beginnt vollkommen abgedreht und wirr. Es dauert tatsächlich eine Weile, bis einem ein Licht aufgeht und dann … hat es einen aber auch schon gepackt. „Hex“ ist innovativ und originell, abgedreht und verrückt. Als hätte David Lynch zusammen mit Lars von Trier und Stephen King ein Buch geschrieben. Permanent hatte ich beim Lesen im Kopf, dass sich diese Story absolut für eine Verfilmung eignen würde. Der Sog, den Heuvelt mit seinem hochwertigen und extrem bildhaften Schreibstil entstehen lässt, nimmt einen ab einem gewissen Zeitpunkt derart gefangen, dass man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen mag und auch kann. Eine wilde Mischung aus gruseligen, japanischen Horrorfilmen, abgefahrenen Ideen und einer Portion Humor machen „Hex“ zu einem echten Erlebnis, wie man es in letzter Zeit, zumindest im Horrorgenre, selten zu lesen bekommen hat.

Manche Szenen wirken im ersten Moment sogar amüsant und witzig, bevor man darüber nachdenkt, wie man sich selbst in dieser Situation fühlen würde. Und nach genaueren Überlegungen spürt man plötzlich die unheimliche Atmosphäre der Geschehnisse, fühlt sich unbehaglich bei dem Gedanken, was passiert.  Denn so harmlos die Szenarien im ersten Moment wirken, die der niederländische Autor da beschreibt, so mystisch und vor allem unheimlich werden sie, wenn man sich darauf einlässt. „Hex“ kommt eher ruhig daher und arbeitet mit der gespenstischen Atmosphäre des Ortes und den seltsamen Verhaltensweisen der Einwohner. Wenn man sich in deren Situation versetzt, spürt man das Grauen und die Bedrohung, fiebert mit ihnen mit und beginnt, sich vor der Hexenerscheinung, die vollkommen ohne Vorwarnung an den verschiedensten Stellen des Ortes aus dem Nichts auftaucht, tatsächlich zu fürchten. Es ist eine besondere Art von Horror, die Heuvelt dem Leser da beschert und man muss sich unbedingt darauf einlassen können, um die Tragweite der Ereignisse zu erfassen. Schleichend entwickelt sich das anfangs eher harmlos wirkende Grauen in einen blutigen und apokalyptischen Alptraum, den der Autor in teilweise außergewöhnlichen und philosophischen Sätzen schildert.

„Hex“ ist in sich von Anfang bis Ende aus meiner Sicht stimmig. Da passt einfach alles: Von den Charakterzeichnungen über die Entwicklung des Plots bis hin zu einem dystopischen, apokalyptischen Ende, das filmreif ist. Sprachlich auf hohem Niveau nimmt Heuvelt den Leser auf einen Horrortrip mit, den man vor allem aufgrund seiner erfrischenden Originalität und dem innovativen Plot nicht so schnell vergißt. Ich langweilte mich keine Sekunde und konnte gar nicht genug davon kriegen, wie sich die Einwohner mit ihrem Hexenproblem auseinandersetzten. Schön war auch, dass der Autor die heutigen technischen Errungenschaften wie Internet und Handy-Apps in eine an sich altmodische Gruselgeschichte einbaute. Und das Finale übertraf meine Erwartungen vollends. Nie hätte ich mit diesen düsteren, apokalyptischen Auswirkungen gerechnet, die sich über das Dorf legten und visionären Bilder eines Hieronymus Bosch glichen. Ich kann das Buch wirklich jedem Horrorfan, der Wert auf Atmosphäre und eine ideenreiche Geschichte legt, empfehlen. Und, wie gesagt, selbst die witzigen Einschübe zwischendurch beherbergen bei genauerem Hinsehen ein unheimliches Grauen in sich, dem man sich nicht entziehen kann. Interessierte Leser sollten sich auf jeden Fall das Nachwort zu Gemüte führen, denn dort erfährt man nämlich interessante Details zur Entstehung und Entwicklung des Romans. Für mich ist „Hex“ eine absolut erfreuliche Neuentdeckung im Bereich Horrorliteratur. Ich bin schon sehr gespannt, was Thomas Olde Heuvelt als nächstes abliefern wird.

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Fazit: Abgedreht, innovativ und extrem gruselig. Als hätte Stephen King zusammen mit David Lynch und Lars von Trier einen Roman geschrieben.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Tür von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 256 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67673-2
Kategorie: Thriller, Horror

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Es ist schon eine Weile her, dass sich die schrecklichen Morde im Horrorhaus zugetragen haben. Mittlerweile ist der originale Schauplatz der grausigen Verbrechen zu einem Museum, in dem die Morde nachgestellt werden, geworden, das sich großer Beliebtheit bei den Touristen erfreut.
Mark ist in Alison verliebt und würde sich gerne mit ihr treffen. Völlig überraschend erklärt sich das Mädchen bereit, sich mit ihm zu treffen. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: Mark soll sich Zutritt zum Horrorhaus verschaffen und gemeinsam mit Alison eine Nacht darin verbringen. Vollkommen alleine und ohne Touristenrummel. Natürlich setzt Mark alles daran, den Wunsch von Alison zu erfüllen. Es gelingt ihm tatsächlich, in das Horrorhaus zu kommen. Doch die Nacht verläuft völlig anders als erwartet …

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Es ist immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich in letzter Zeit die Meinungen sind, wenn ein „neuer“ (also ein altes, ausgegrabenes, noch nicht in Deutschland veröffentlichtes) Buch von Richard Laymon auf den Markt kommt. Die meisten mögen seine bis dato in deutscher Sprache unveröffentlichten Bücher wohl nicht und empfinden sie zum größten Teil langweilig und unspannend. Interessanterweise verhält es sich bei mir genau andersherum, was aber nicht heißt, dass ich die „alten“ und blutigen Storys von Laymon nicht mag. Ich sehe es vielmehr immer als gelungene Überraschung, wenn ich jetzt nach und nach auch die „ruhigeren“ Werke dieses einzigartigen Autors zu lesen bekomme. „Die Tür“, der vierte Roman aus dem Keller-Zyklus, zählt für mich wieder einmal zu jenen Werken, die ich gerade aufgrund ihrer unspektakulären „Inszenierung“ mag. Durch das wirklich unterhaltsame Vorwort von Jack Ketchum, der mit Laymon befreundet war, sieht man dessen Romane auch einmal aus einer anderen Sichtweise.
Der vorliegende Roman „Die Tür“, der für mich eher unter die Kategorie Kurzgeschichte fällt, hätte durchaus auch als eigenständiger Roman außerhalb der Keller-Reihe angesiedelt werden können, denn echten Bezug zur Trilogie gibt es nicht wirklich. Einzig der Schauplatz ist der gleiche und vermittelt ein wenig das Gefühl von Rückkehr und es werden zugegebenermaßen einige Dinge aus den ersten Büchern erwähnt.

Mir hat der flüssige und enorm unterhaltsame Schreibstil total Spaß gemacht und ich hatte mit dem Protagonisten wirklich mitgefiebert. Und auch wenn der Laymon-typische Blutfaktor in dieser Geschichte fast vollständig gefehlt hat, so wirkte der Plot für mich vielleicht gerade deswegen sehr glaubwürdig. Im Grunde genommen fehlt hier nämlich der oftmals übertriebene Laymon-Touch, den man sonst aus seinen Geschichten kennt. Sicherlich ist „Die Tür“aber dennoch wiederum ein typischer Laymon, wenn man auf die Feinheiten achtet. Horror- und Splatterfans werden vergeblich auf blutige Vorfälle warten, denn es geht in erster Linie um einen „Liebesbeweis“ und einen Jungenstreich, der an alte Horrorfilme der 80er Jahre erinnert.  Für mich stellte der knapp 130 Seiten lange Roman in seiner bildhaften Schreibweise einen Kurzfilm dar, an den ich mich aufgrund seiner minimalistischen Handlung noch lange erinnern werde. Für mich also wieder einmal eine Überraschung, was den bis dato „unbekannten ruhigen Laymon“, betrifft.

Da „Die Tür“ äußerst kurz ausgefallen ist, packte der Heyne Verlag noch eine Novelle des Meisters in das Buch, das optisch übrigens wieder, wie alle anderen Heyne Hardcore-Ausgaben, hervorragend in die Richard Laymon-Sammlung passt. „Die Wildnis“ heißt die Kurzgeschichte, die etwa die zweite Hälfte des Taschenbuchs einnimt und auf ähnliche Weise die Abenteuer eines jugendlichen Abenteurers schildert, der alleine durch die Wälder streift und dabei Bekanntschaft mit anderen Campern macht. Auch hier zeigt sich Laymon von seiner eher stillen Seite und schildert die Gedanken eines jungen Mannes in Form eines Reiseberichts. Doch hier werden, im Gegensatz zu „Die Tür“, die Blutfanatiker zumindest gegen Ende der Story ein wenig belohnt. Denn der Naturausflug gerät immer mehr außer Kontrolle, bis er auf den letzten Seiten … aber lest selbst 🙂

Mir haben beide Geschichten super gefallen und ich freue mich schon jetzt, wenn Heyne die Reihe der unentdeckten Laymon-Werke fortsetzt, denn so wie es aussieht, gefallen mir die besser als die spektakulären, schockierenden Bücher von ihm. Aber eines ist dennoch gewiss: Laymon ist eben Laymon, ob gut oder weniger gut. Seine Romane sind wie Achterbahnfahrten. Und wenn man einmal drinsitzt, gibt es kein Entkommen mehr, auch wenn die Geschichten mal etwas ruhiger ausfallen. 😉

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Fazit: Eher ruhiger Roman von Richard Laymon, der durch seine bildhafte Erzählweise lebt. Ich mochte die unspektakuläre Story.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Splitterwelten 2 – Nachtsturm von Michael Peinkofer und Christoph Dittert

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
368 Seiten
14,00 €
ISBN: 978-3-492-26976-6

Ein Krieg zeichnet sich ab zwischen den Splitterwelten. Kalliope und ihre Gefährten machen sich gemeinsam auf den Weg, um diese schreckliche Auseinandersetzung zu verhindern und um ein Geheimnis zu lüften, das ihre Vorstellungskraft sprengt. Denn es steckt mehr hinter den Splitterwelten, als sie ursprünglich dachten.

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Die Geschichte um Kalliope und ihre Freunde geht in diesem zweiten Band der Trilogie nahtlos weiter. Ähnlich wie in der „Herr der Ringe“-Verfilmung von Peter Jackson (in dem der Regisseur in die Vergangenheit von Smeagol/Gollum zurückkehrt und ein vollkommen neues Fenster der Geschichte öffnet) beginnen auch Dittert und Peinkofer den zweiten Teil mit einer Rückblende. Im Gegensatz zum ersten Band funktioniert hier der Einstieg optimal und bringt dem Leser sofort wieder das Gefühl des ersten Teils zurück. Obwohl zwischen dem Erscheinen des ersten und zweiten Teils eine Menge Zeit verstrichen war, findet sich der Leser im Nu wieder in die Stimmung und Handlung ein. Konsequent führt das Autorenduo den Plot fort, wobei hier wahrscheinlich in erster Linie Christoph Dittert die Schreibarbeit übernahm. Wenn es sich so verhält, dann muss man dem Mann wirklich großes Talent zusprechen, denn er führt die Geschichte in einem Schreibstil fort, der weder dem ersten Teil, noch dem von Michael Peinkofer nachsteht. „Nachtsturm“ liest sich schlichtweg wie ein Roman aus der Feder von Michael Peinkofer.

Die Geschichte entwickelt sich aber im nun vorliegenden zweiten Band extrem spannend. Hier zahlt es sich aus, den eher schleppenden Einstieg des ersten Bandes auf den ersten 50 Seiten durchgehalten zu haben. Wie auch schon im ersten Band bedient sich Peinkofer auch hier wieder vieler Versatzstücke, die man aus Büchern, Filmen oder weltweiten Legenden und Mythen kennt, lässt aber seine eigene Handlung geschickt mit diesen Vorbildern verschmelzen, sodass der Leser mit einem kompakt wirkenden Ergebnis belohnt wird. Peinkofer und Dittert bringen dieses Symbiose aus eigenen und bereits vorhandenen auf einen perfekten Nenner und erschaffen somit auf fantastische Weise dadurch dennoch wieder etwas Eigenständiges und „neu“ Wirkendes. Man sollte unbedingt den ersten Teil vorher lesen, denn bei dieser Trilogie handelt es sich nicht um drei eigenständige Bücher, die lediglich im gleichen Universum spielen, sondern um eine durchgehende, eben groß angelegte Geschichte. Im zweiten Teil wird auch gleich in die Vollen gegangen, nachdem man sich die komplizierten Erklärungen sparen konnte. „Nachtsturm“ setzt das epische Fantasyabenteuer würdig fort und vermittelt dem geneigten Leser innerhalb weniger Seiten ein Gefühl des „Heimkommens“ in ein Universum zu Personen, die man bereits im ersten Teil liebgewonnen hat.

Im zweiten Teil werden plötzlich Dinge und Begebenheiten, die man im ersten Teil zwar gelesen, aber bald schon wieder verdrängt/vergessen  hatte,  schlüssig und fügen sich auf wundersame Weise in das Gesamtbild ein. Man merkt, dass alles von vornherein konzipiert war und ahnt immer mehr, wie episch die Trilogie angelegt ist, obwohl sie letztendlich nur „im Kleinen“ spielt. „Splitterwelten“ ist aus meiner Sicht ein klassischer Fantasy-Roman, der allen Ansprüchen von Fans dieses Genres gerecht wird, sofern diese nicht Zwerge, Zauberer, Elfen und Orks als Protagonisten voraussetzen. „Splitterwelten“ geht nämlich erfreulicherweise einen anderen Weg, der sogar teilweise mit einem Hauch Sozialkritik daherkommt und sich anderen Hauptdarstellern widmet. Gerade die Tierwesen übernehmen auch im zweiten Teil der Trilogie eine große Rolle und agieren gleichwertig neben den Menschen. Das wirkte, wie schon im ersten Teil, erfrischend auf mich. Auch der Humor kommt bei „Splitterwelten“ nicht zu kurz und macht auch den zweiten Band zu einem außergewöhnlichen Fantasyabenteuer, das mich wiederum absolut in den Bann gezogen hat. Nun gilt es auf den dritten Teil zu warten, der das epische Abenteuer zu Ende bringen wird. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte endet. „Splitterwelten“ ist auf jeden Fall ein Buch, das ich, sollte ich genug Zeit finden, noch einmal lesen werde.

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Fazit: Würdige, stimmungsvolle und temporeiche Fortsetzung des Fantasy-Epos um die Splitterwelten. Fans klassischer, epischer Fantasy werden ihre Freude daran haben.

Meine Meinung zum ersten Teil kann hier nachgelesen werden: Splitterwelten

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Splitterwelten von Christoph Dittert und Michael Peinkofer

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
560 Seiten
14,00 €
ISBN: 978-3-492-26960-5

Die Welt ist in unzählige Teile zersprungen. Eine Gilde von Meisterinnen wacht über diese Weltensplitter und deren vielfältigen Bewohner, unter denen sich Menschen, aber auch geheimnisvolle Tier- und Mischwesen befinden. Als eine der Meisterinnen auf einem der Eeltensplitter ermordet wird, macht sich die Gildenschülerin Kalliope zusammen mit ihrer Meisterin Cedara auf den Weg, um das Verbrechen zu untersuchen. Schon bald müssen sie feststellen, dass hinter dem Mord weitaus mehr steckt, als bisher angenommen wurde. Je mehr Kalliope in Erfahrung bringt, desto erschreckender sind die Geheimnisse, die sie aufdeckt. Es scheint, als wäre die Existenz sämtlicher Weltensplitter in großer Gefahr …

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Wenn ich ehrlich sein soll, fiel es mir extrem schwer, in die Geschichte einzutauchen. Es dauerte wirklich eine Weile, bis ich mich zurechtfand. Aber dann plötzlich gab es einen Punkt, nach dessen Erreichen mich der Plot nicht mehr losließ und so in seinen Bann zog, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Man spürt, dass Michael Peinkofer hinter der Geschichte steht, denn man kann im Schreibstil durchaus Parallelen zu seinen „Königen“ und auch den „Orks“ erkennen. Mit einer unglaublich bildhaften Sprache werden die Abenteuer verschiedener Protagonisten geschildert, bei der man denkt, man sähe einen Film. Sehr stimmungsvolle Bilder wechseln sich mit pointierten Dialogen ab und machen den ersten Teil der „Splitterwelten“-Trilogie zu einem kurzweiligen Abenteuer, das süchtig macht.

Vielleser werden die zahlreichen „Anspielungen“ auf verschiedene Klassiker der Fantasy- und Science Fiction-Literatur bemerken, was aber der, zwar verschachtelten, aber durchaus stimmigen Handlung absolut keinen Abbruch tut. Peinkofer und sein Co-Autor Dittert schaffen sehr schnell eine interessante, abwechslungsreiche und fantastische Welt inmitten eines märchenhaften Universums. Die Geschichte der Gildenschwestern erinnerte mich desöfteren an den Sonea-Zyklus von Trudi Canavan, denn auch hier faszinieren die Schilderungen in hohem Maße, obwohl oftmals gar nicht besonders viel passiert. Es sind wohl die realistischen und glaubwürdigen Gespräche zwischen den Protagonisten, die die Seiten nur so dahinfliegen lassen. Aber auch die Tatsache, dass die unterschiedlichsten Lebewesen aufeinandertreffen, macht „Splitterwelten“ zu einem wirklich soliden Fantasyroman, der sich konsequent auf eine epische Ebene hocharbeitet. Sicherlich kennt man vieles aus anderen Romanen oder weltweiten Legenden, aber dennoch entwickelt sich eine eigenständige Geschichte aus diesen ganzen Zutaten, die schlichtweg immer mehr Lust auf mehr macht, je länger man mit den Protagonisten unterwegs ist. Schön ist auch, dass Peinkofer (und Dittert) eine Welt jenseits der allbekannten Zwerge, Drachen und Elfen zu erschaffen. Das Universum wirkt fast wie das eines Tad Williams.

Wie schon anfangs erwähnt, dauert es ein wenig, bis man sich zum einen in der Geschichte zurecht findet und zum anderen Emotionen zu den verschiedenen Figuren (und auch der Handlung) aufbaut. Und wenn es dann soweit ist, spürt man, dass der Plot von vorneherein groß angelegt ist und vielleicht auch gerade deswegen ein wenig Anlaufschwierigkeiten hat, die im Nachhinein nämlich gar keine mehr sind.  Trotz aller Versatzstücke, die man aus anderen Romanen. Filmen und Legenden kennt, hat Michael Peinkofer ein intelligentes und in sich stimmiges Handlungsgerüst aufgebaut, das neugierig auf den weiteren Verlauf macht. Gerade gegen Ende hin spitzen sich die Ereignisse zu und offenbaren eine tolle Wendung, die, wenngleich auch nicht unbedingt neu, ein vollkommen andere Dimension für den Plot eröffnet. Die Überraschung ist auf jeden Fall gelungen und lässt die Spannung auf den zweiten Teil enorm wachsen. Ich für meinen Teil mochte sowohl die Geschichte wie auch die Figuren und fühlte mich ab einem gewissen Zeitpunkt sehr wohl in der Story, zumal man wirklich aufgrund der flüssigen Schreibweise mittendrin und hautnah dabei ist. Die Charaktere sind sehr gelungen und wirken, auch bei den Tierwesen, sehr glaubhaft und sympathisch oder eben unsympathisch. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr darauf, wie es weitergeht.

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Fazit: Ein mit diversen Anleihen aus anderen Büchern und Filmen versehenes Fantasy-Epos, das einen absolut in seinen Bann schlägt.

Meine Meinung zum zweiten Teil kann man hier nachlesen: Splitterwelten 2 – Nachtsturm

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Ende der Menschheit von Stephen Baxter

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
588 Seiten
16,99 €
ISBN: 978-3-453-31845-8

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Vierzehn Jahre sind vergangen, seit die Erde von den Marsianern angegriffen wurde. Die Menschheit wiegt sich in Sicherheit, nur der Schriftsteller und Kriegsveteran Walter Jenkins rechnet mit einer erneuten Invasion vom Mars. Leider behält er recht. Doch dieses Mal scheint der Angriff der Außerirdischen weitaus geplanter zu verlaufen, als beim ersten Mal.

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Als großer Fan des Originalromans von H.G. Wells und auch Stephen Baxter war ich natürlich gespannt, wie die Fortsetzung des Kultromans ausfallen würde. Baxter scheint ja selbst ein großer Anhänger von H.G. Wells zu sein, denn bereits 1995 wagte er sich an eine Fortsetzung eines Werkes desselbigen heran: „Zeitschiffe“, die Weiterführung der „Zeitmaschine“.
Entgegen anderer Meinungen bin ich alles andere als enttäuscht über „Das Ende der Menschheit“, wenngleich Baxters „Zeitschiffe“ meiner Erinnerung nach bedeutend besser gelungen ist. Stephen Baxter hat aber auch in diesem Fall von Anfang an die Grundstimmung des originalen Romans eingefangen und setzt die Geschichte durchaus plausibel und vor allem sehr unterhaltsam fort. Der Leser trifft auf Personen, die er noch aus dem ersten Teil kennt und fühlt sich (zumindest ging es mir so) sofort wieder wohl in der Handlung. Baxter macht aus dem zweiten Angriff der Marsianer ein bombastisches Event, das ich mir schon während des Lesens permanent als Kinofilm vorstellen konnte. Da werden alte Versatzstücke von H.G. Wells mit neuen, erfrischenden Ideen vermischt, dass es eine wahre Freude ist. Baxter lässt sich mit seinem Schreibstil auf den von H.G. Wells ein und vermittelt daher eine ähnliche Stimmung wie im  Original.

Der ein oder andere wird die militärischen Vorgehensweisen ermüdend und langweilig finden, ich konnte die Handlungsweisen durchaus nachvollziehen und fand sie insgesamt auch recht spannend. Sicherlich wurde Baxter an einigen Stellen etwas ausschweifend und ging vielleicht zu sehr ins Detail, was für mich aber immer noch im vertretbaren Rahmen und vor allem stimmig war. Gerade die oftmals dokumentarische Art und Weise, in der Baxter die zweite Attacke der Marsbewohner schildert, hat mich persönlich gefesselt und auch begeistert. Denn genau diese Erzählweise brachte eine tolle Atmosphäre in den Plot, die dadurch nicht spektakulär sondern eher ruhig und zurückhaltend auf mich wirkte. Stephen Baxter versucht niemals, an das Original heranzukommen, sondern erzählt auf geradezu schlichte Weise, wie die Geschichte hätte weitergehen können. An manchen Stellen interpretiert er unaufdringlich Dinge aus der Originalgeschichte auf seine eigene Art und Weise, was ich aber nie als unangenehm empfunden habe. Einziger Kritikpunkt auf politischer Ebene war für mich die oftmals sehr negative Darstellung der Deutschen, die mir an manchen Stellen ein wenig bitter aufgestoßen ist. Ansonsten wirkte der Plot von „Das Ende der Menschheit“ für mich stimmig konstruiert und zum größten Teil im Sinne von H.G. Wells weitergeführt. Sicherlich bricht immer wieder mal Baxters eigener Stil durch, wie könnte es auch anders sein, aber er hält sich schon sehr zurück, um die Stimmung des Originals wiederzugeben.

„Das Ende der Menschheit“ ist mit Sicherheit nicht Stephen Baxters bestes Buch. Dazu musste er sich wohl einfach zu sehr zurückhalten, um nicht in seinen für ihn typischen „Weltraum-Bombast“ zu verfallen. Baxter ist es aus meiner Sicht gelungen, eine würdige Hommage an Wells‘ Klassiker zu verfassen, obwohl er sich des Öfteren in unwichtigen Details verliert. Mir persönlich hat es dennoch gefallen. Vor allem die geschickte Einbindung bekannter Personen aus dem ersten Teil und die wirklich gut konstruierte andere Entwicklung der Weltgeschichte, hervorgerufen durch den ersten Angriff der Marsianer, werteten diese Fortsetzung für mich auf. Das Ende rief bei vielen wohl Verärgerung hervor, was ich gar nicht nachvollziehen kann. Baxter wollte einfach etwas Neues erschaffen, was ihm auch gelungen ist. Und so absurd, wie viele Leser meinen, kam das Finale bei mir keineswegs an. Man sollte sich darauf einlassen, denn „Das Ende der Menschheit“ hat durchaus einige Höhepunkte und vor allem eine sehr schöne Atmosphäre, die, wie bereits erwähnt, an H.G. Wells Kultklassiker erinnert. Für mich war die Fortsetzung eine schöne Hommage an das Original, vermischt mit den gewohnten Innovationen eines Stephen Baxter, der aus meiner Sicht niemals die Intention hatte, das Original zu toppen, sondern einfach nur fortsetzen wollte. Ich fand es gut. 🙂

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Fazit: Gelungene, gut konstruierte Fortsetzung, die die Atmosphäre des Originals wiedergibt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Zodiac von Romina Russell

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
464 Seiten
11,00 €
ISBN: 978-3-492-28127-0

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Die 16-jährige Rhoma vom Planeten kann auf andere Weise in den Sternen lesen, wie ihre Mitschüler. Denn während die anhand genauester Berechnungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse versuchen, in die Zukunft zu sehen, sieht Rho die Vorzeichen einer schrecklichen Katastrophe, bei der unzählige Menschen sterben. Als ihre Vision wahr wird, macht sich Rho in ihrer Eigenschaft als Wächterin auf die Suche nach dem Ursprung der Bedrohung, denn es sieht aus, als wäre ganz Zodiac in Gefahr.

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Schon nach den ersten zehn Seiten merkt man „Zodiac“ an, dass es sich um einen wahren Pageturner handelt. Das liegt zum einen auf jeden Fall an dem wunderbaren, überaus flüssigen und ansprechenden Schreibstil der Autorin, zum anderen aber auch an der sehr atmosphärischen Handlung. Romina Russell entwirft ein faszinierendes Universum, in dem die Sternzeichen eine wichtige Rolle spielen. Oft fühlte ich mich an die grandiose „Sonea“-Reihe von Trudi Canavan erinnert, die in einem ähnlichen Schreibstil ihre Geschichte erzählt. Russell beschreibt die Welt, in der sich die Protagonistin und ihre Freunde befinden, sehr detailliert, so dass man sich darin sehr wohl fühlt und dementsprechend um das Schicksal aller mitfiebert. Auf den ersten Blick mag die ein oder andere Idee etwas kompliziert wirken, aber man gewöhnt sich sehr schnell an die „Fremdwörter“. Romina Russell geht an manchen Stellen auch sehr in die Tiefe und lässt den Plot fast schon in eine esoterische Richtung abgleiten. Das mag den ein oder anderen Leser stören, ich persönlich empfand diese Entwicklung als äußerst ansprechend und unterhaltsam.

Die Geschichte wird äußerst rasant erzählt, so dass es mit wirklich sehr schwer fiel, das Buch aus der Hand zu legen. Romina Russell baute neben einer spannenden Handlung auch noch eine Romanze ein, die sehr stimmig auf mich wirkte und fesselte. Sicherlich bietet der Plot nichts wirklich Neues als eine Story über den Kampf zwischen Gut und Böse, aber dennoch kann man sich den Geschehnissen nicht entziehen. Einige Stellen erinnerten mich an die Star Wars-Filme, wobei ich einfach einmal davon ausgehe, dass die Autorin die Filme schlichtweg mag. „Zodiac“ ist eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction, die ihr Augenmerk trotz spektakulärer Szenarien in erster Linie auf die Charaktere legt. Oft habe ich gehört, dass der Einstieg in dieses Buch schwer fällt. Das kann ich jedoch nicht behaupten, wenn ich ehrlich bin. Es ist in der Tat eine komplexe Welt, die Romina Russell sich ausgedacht hat, keine Frage, aber als aufmerksamer Leser findet man sich auch in den ersten Seiten bereits gut zurecht. Und mit ein bisschen Geduld erfährt man im Verlauf des Buches wirklich auch immer mehr. 😉

Viele erfrischend neue Ideen verstecken sich in diesem Roman, der wohl als All Age klassifiziert werden kann, denn in der Tat können nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene ihren Spaß daran haben. Mich persönlich hat die Odyssee durch den Weltraum absolut angesprochen und ein grandioses Abenteuerfeeling verursacht. Gerade diese Mischung aus Science Fiction mit Raumschiffen und Weltall und einem Weltenentwurf, der mich desöfteren an Fantasyromane erinnert hat, war ausschlaggebend, dass mich „Zodiac“ vollkommen in seinen Bann gezogen hat. Romina Russel hat es außerdem geschafft, die Gefühlswelt ihrer 16jährigen Protagonistin ausgesprochen wirklichkeitsnah zu beschreiben, denn jede ihrer Handlungen war für mich absolut nachvollziehbar.
„Zodiac“ ist ein gelungener Einstieg in eine Reihe (zwei oder drei Teile?), der sich auf alle Fälle zu lesen lohnt. Starke Charaktere und eine ausgeklügelte Handlung in einer komplexen Welt machen dieses Buch zu einem echten Lesevergnügen und Pageturner. Ich freue mich schon sehr auf den Folgeband beziehungsweise die Folgebände, um zu erfahren, wie es mit Rho, ihren Freunden und dem Zodiac-Universum weitergeht.

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Fazit: Ideenreicher Einstieg in eine Romanserie um eine junge Protagonistin. Wunderbarer Genremix aus Fantasy und Science Fiction. Klare Leseempfehlung.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Sphären von Pierre Bordage

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
443 Seiten
9,99 €
ISBN: 978-3-453-31848-9

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In der Nähe eines kleinen Ortes in Frankreich erscheint eines Tages eine riesige Kugel, die von den Menschen „Sphäre“ oder „Weiße Dame“ genannt wird. Wenig später erscheinen auf der ganzen Welt solche Kugeln, bis die Erde nahezu übersät mit ihnen ist. Und dann beginnen die ersten Kinder zu verschwinden. Auf geheimnisvolle Art und Weise werden Kinder, die maximal 4 Jahre alt sind, von den „Sphären“ verschluckt. Das Militär versucht, die riesigen Kugel  mit Bomben zu zerstören, aber erfolglos. Während immer mehr Kinder verschwinden, rätseln Wissenschaftler und Menschen, ob es sich um eine Invasion von Außerirdischen handelt und suchen nach einer Lösung, um weitere Kinder nicht länger in Gefahr zu bringen.

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Es ist schon eine sehr stimmungsvolle Ausgangssituation, die Pierre Bordage in seinem neuen Roman bereits auf den ersten Seiten schafft. Man erinnert sich unwillkürlich an „Arrival“ oder auch „Unglaubliche Begegnung der dritten Art“, und wenn man zwischen den Zeilen liest, verheimlicht Bordage diese Anleihen auch gar nicht, sondern verneigt sich mit seiner Story eher vor diesen Vorbildern. „Die Sphären“ ist eine Mischung aus Science Fiction und Dystopie, deren Handlung sich über viele Jahre hin erstreckt. Aufgrund der relativ wenigen Seiten erhält der Plot allerdings nicht das epische Ausmaß, das man sich davon erwartet. Bordage überspringt Jahre, geht nicht näher auf die Weiterentwicklung der Bedrohung durch die „Feinde“ oder der Charaktere ein, sondern widmet sich schlicht und ergreifend der konstanten Fortführung der Story.
Bordage widmet sich aber nicht nur einer Person und erzählt deren Geschichte, sondern „kümmert“ sich gleich um mehrere. Das mag den ein oder anderen Leser überfordern, der eine geradlinige Erzählweise erwartet, bildet aber in der Endkonsequenz ein sehr rundes Bild der gesamten Ereignisse.

Schnelleser (und auch unaufmerksame Leser) werden definitiv Schwierigkeiten mit den ganzen Personen, Namen und Zeitsprüngen haben. Aufmerksame Leser hingegen, die sich auch noch auf die Jahre dauernde Handlung einlassen können, werden mit einem wirklich guten Plot belohnt, der auch sehr viele Emotionen enthält. Bordages Szenario regt zum Nachdenken an, gerade was die „Behandlung“ ungeborenen Lebens und das von kleinen Kindern betrifft. Wenn man selbst in so einer Lage ist (oder einmal war) und ein Elternteil ist, kann man die Zwiespältigkeit dieser Überlegungen, wenn es um das Wohl der ganzen Menschheit geht, durchaus nachvollziehen. Der Dystopie-Charakter der Geschichte wird vom SF-Anteil zwar überdeckt, schwelt aber permanent im Hintergrund, so dass sich eine stimmungsvolle, bedrohliche und düstere Stimmung über das gesamte Werk legt. Ich persönlich mochte den Plot und das ganze Drumherum, das an manchen Stellen auch schon einmal philosophisch und esoterisch wurde.

Pierre Bordages Schreibstil ist einfach, aber keineswegs niveaulos. Bis auf wenige Ausnahmen, in denen Bordage seine Protagonisten sehr naiv handeln (und auch reden lässt), werden in einer bildhaften Sprache die beschriebenen Situationen oftmals zu einem hervorragenden Kopfkino für den Leser. „Die Sphären“ ist ein ruhiges Buch, das in erster Linie von seinen vielen magischen Momenten lebt und nicht unbedingt von den Tiefen der Charaktere. Bordage beschreibt ein episches Geschehen, das mich in seiner Gesamtheit oftmals an Stephen Baxters Visionen erinnerte, von Bordage aber in seiner Tiefgründigkeit, bombastischen Wucht und erzählerischen Finesse nicht erreicht wird. Doch es ist schließlich kein Buch von Baxter, also kann man „Die Sphären“ durchaus als gelungene, düstere Zukunftsvision ansehen, die mit einem wunderbaren, für mich zufriedenstellenden Ende aufwartet.
Pierre Bordage widmet sich in „Die Sphären“ eindeutig weniger den technischen und wissenschaftlichen Seiten eines SF-Romans, sondern behandelt in erster Linie menschliche Themen wie Spiritualität oder politische und religiöse Machtspiele, die das „Fußvolk“ unterdrücken und ungerecht behandeln. Ein Buch, das mir mit Sicherheit trotz einiger Schwächen aufgrund seiner spannenden Handlungsstruktur im Gedächtnis bleiben wird.

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Fazit: Spannend und stimmungsvoller Genremix aus Science Fiction, Dystopie und menschlichem Drama.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Gwendys Wunschkasten von Stephen King und Richard Chizmar

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 125 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-453-43925-2
Kategorie: Drama, Thriller, Horror, Belletristik

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Ein vollkommen in schwarz gekleideter Mann namens Farris schenkt der zwölfjährigen Gwendy einen kleinen Kasten mit lauter Schaltern und Hebeln. Auf die Schnelle bekommt Gwendy gesagt, was der Kasten machen kann und was sie mit ihm nicht machen soll. Dann ist Farris verschwunden und Gwendy versucht natürlich herauszufinden, was die Hebel und Knöpfe an dem geheimnisvollen Kasten alles bewirken. Es passieren schöne Dinge, aber auch unschöne und der Kasten beginnt, Gwendys Leben komplett zu verändern.

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„Gwendys Wunschkasten“ ist nichts Ganzes und nichts Halbes. Was zwar keineswegs heißen soll, dass die kurze Geschichte nicht gut ist, aber es wäre durchaus mehr drin gewesen als die knapp hundertdreißig Seiten. Der Plot liest sich wie eine Kurzgeschichte, die eigentlich ein Roman hätte werden sollen. Zu viel Potential liegt in der Geschichte, so dass sie jetzt nur grob gesponnen als kleines Kind das Licht der Literaturwelt erblickt, obwohl sie eigentlich das Leben als erwachsener Roman verdient hätte. Stephen King kehrt mit seinem Co-Autor Richard Chizmar, der eigentlich Verleger und Herausgeber von Anthologien ist und nur selten Kurzgeschichten selbst schreibt, in das Universum von Castle Rock zurück. Sieben Romane und  acht Kurzgeschichten sind es, die den sogenannten Castle Rock-Zyklus umfassen. (Romane: The Dead Zone, Cujo, Stark, Needful Things, Das Spiel, Sara und Love. Kurzgeschichten: Die Leiche (Stand By Me), Zeitraffer, Nona, Onkel Ottos Lastwagen, Mrs. Todds Abkürzung, Es wächst einem über den Kopf, Sunset, Premium Harmony (nur im Internet bisher veröffentlicht)). Sämtliche dieser Romane und Kurzgeschichten sind allerdings in sich abgeschlossen, so wie nun auch „Gwendys Wunschkasten.“

Keine Frage: Die Atmosphäre, die in dieser Geschichte herrscht, ist sehr schön und stimmig. Allerdings könnte dieser Plot auch in jeder anderen Stadt spielen, denn Castle Rock wird nicht wirklich oft erwähnt oder spielt eine nennenswert große Rolle. Dennoch kann der eingeschworene King-Fan einige Anspielungen, wie zum Beispiel auch an „Es“ entdecken, wenn er nur aufmerksam genug liest. Es ist eine liebevoll konstruierte Geschichte, die, wie gesagt, bedeutend mehr hätte hergeben können und man fragt sich unweigerlich, warum das nicht geschehen ist. So ein klein wenig denkt man auch an „Needful Things“, wenn man zusammen mit dem Mädchen an dem geheimnisvollen Wunschkasten herumdrückt. Es macht Spaß, den Weg von Gwendy mitzuverfolgen und einige Querverweise auf andere Werke Kings zu entdecken, doch das Vergnügen ist nicht von langer Dauer. Man fliegt, wie man es von King gewohnt ist, durch das Buch und findet sich nach weniger als zwei Stunden mit dem Ende konfrontiert, obwohl man schlichtweg mehr erwartet hätte. Vielleicht war es nur eine Idee von Stephen King, die er zwar nicht weiter ausbauen, aber auch nicht komplett verwerfen wollte. Zumindest macht es den Anschein, wenn man das verschenkte Potential näher betrachtet.

Aber genug auf hohem Niveau gejammert. „Gwendys Wunschkasten“ ist ein Büchlein, das in keiner King-Sammlung fehlen darf, weil es eben ein King ist (auch wenn er sich einen Co-Autor mit an Bord geholt hat). Man mag den Preis für so ein dünnes Buch überteuert finden, aber eines muss man dem Heyne-Verlag lassen. Man hat sich nämlich wirklich sehr viel Mühe mit dem gebundenen (!) kleinen Büchlein gegeben, das optisch wirklich was hermacht und aus meiner Sicht den Preis absolut gerechtfertigt. Der Einband wirkt leicht gummiert und verschafft dem Ganzen einen leicht edlen Eindruck. Ich persönlich finde den Preis durchaus angebracht.
Wie gesagt, ein wenig mehr Seiten hätten dem Werk gut getan und ich bin sicher, dass sich daraus sogar ein wirklich epischer Plot hätte entwickeln können. So aber wird die Geschichte von Gwendy eher oberflächlich erzählt und der Leser muss sich in Gedanken praktisch selbst „weiterhelfen“.
Insgesamt regt der kurze Ausflug nach Castle Rock aber definitiv zum Nachdenken an und bekommt wohl im Kopf des Leser bedeutend mehr Gewicht, als im ersten Moment auf den wenigen Seiten.

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Fazit: Lesenswerte Kurzgeschichte mit interessantem Plot, die leider durch ihre Kürze leidet und großes Potential verschenkt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten