Das Auge von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 352 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67703-6
Kategorie: Thriller, Krimi

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Melanie hat immer wieder Visionen, in denen sie schreckliche Ereignisse vorherzusehen scheint. Dieses Mal ist sie nicht sicher, ob ihrem Vater oder ihrer Schwester etwas zustößt oder bereits zugestoßen ist. Zusammen mit ihrem Freund Brodie fährt sie zu ihrem Elternhaus, um festzustellen, dass ihr Vater bei einem Autounfall schwer verletzt worden ist. Doch auch ihre Schwester Pen fühlt sich nicht in Sicherheit, weil sie immer wieder von einem Unbekannten telefonisch sexuell belästigt wird. Melanie vermutet, dass hinter dem Unfall ihre Stiefmutter Joyce steckt und stellt auf eigene Faust Ermittlungen an.

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Immer noch macht der Heyne-Verlag uns Laymon-Fans eine große Freude und bringt nach und nach nun auch die älteren Werke des Kultautors im Heyne Hardcore Programm auf den Markt. So jetzt auch geschehen mit „Das Auge“, einem Thriller, der im Original bereits 1992 erschienen ist. Und auch wenn die meisten Fans von Laymon immer wieder behaupten, dass nur seine ersten, ins Deutsche übersetzten Romane wirklich gut sind, so empfinde ich das vollkommen anders. Die Werke, die nun auf den Markt kommen, runden das Gesamtbild dieses Mannes für mich viel mehr ab und zeigen, dass Laymon auch in der Lage war, relativ ruhige Geschichten zu erzählen, die nicht nur übertrieben brutal und sexbeladen sind. Das hat er bereits mit dem vor kurzem erschienenen „Das Ufer“ bewiesen, bei dem es sich ebenfalls um eine eher gemäßigte Story handelt. Ich für meinen Teil muss sagen, dass mir auch diese Art von Laymon-Romanen sehr gut gefällt.

Im vorliegenden Buch beschränkt sich Richard Laymon auf drei Haupt- und drei Nebencharaktere. Jeder, der schon einmal ein Buch von Laymon gelesen hat, weiß, dass sich seine Charaktere eher im unteren Mittelmaß bewegen und niemals eine tiefgründige Basis haben, sondern im Gegenteil meist treudoof-naiv wirken. Aber vielleicht ist es genau dieser Umstand, der die Bücher des Amerikaners zu kultigen und  kultverdächtigen Pageturnern macht, die immer wieder an die Plots ähnlich funktionierender Horrorfilme aus den 80er Jahren erinnern. Die Protagonisten verhalten sich unentwegt „dämlich“ und machen Dinge in gefährlichen Situationen, die kein durchschnittlich intelligenter Mensch machen würde, und denken permanent an Sex. Sind nicht dies genau die Zutaten jener oben erwähnen Horrofilme, die meist oft ebenfalls Kultstatus genießen wie Laymons Bücher? Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Richard Laymon schreibt kurz und knackig und fesselt den Leser durch seine unkomplizierten Handlungen, die durch die bildhaften Beschreibungen wie Filme anmuten. Gerade der saloppe Schreibstil und die immer wiederkehrenden Sexmomente in seinen Büchern machen Laymons Geschichten immer wieder zu einem unglaublich kurzweiligen Leseerlebnis.

Die Qualität von Richard Laymons Büchern schwankt immer wieder mal. Wenn ich zum Beispiel an die abstruse, an den Haaren herbeigezogene Handlung von „Der Pfahl“ denke, muss ich fast schon darüber lachen. Dennoch zeigen seine Bücher immer wieder die gleiche Wirkung, egal ob sie „schlecht“ oder „gut“ sind: Man fühlt sich trotz allen Logikfehlern und den bereits erwähnten naiven Handlungsweisen der Protagonisten unglaublich gut unterhalten und an „Heftchenromane“ wie seinerzeit „John Sinclair“ oder „Gespenster-Krimi“ erinnert. Genauso verhält es sich auch bei „Das Auge“, wobei hier eindeutig mehr Augenmerk auf Thriller- und Krimi-, als auf Horrorelemente gerichtet wurde. Laymon ist wahrlich kein großer Literat, aber ein ganz passabler und manchmal sogar begnadeter Geschichtenerzähler. Seine Storys bleiben einfach im Gedächtnis haften und das alleine zeigt, dass er schreiben kann. Laymon verwendet in seinen Büchern immer wieder viel wörtliche Rede, wodurch das Buch im Nachhinein (aber auch schon während des Lesens) immer wie ein Film wirkt. Schön ist auch, dass gegen Ende des Romans eine Wendung beziehungsweise sogar zwei Wendungen kommen, die man eigentlich in dieser Art nicht so erwartet hätte.
Für mich wieder eine „Neuentdeckung“ im Laymon-Universum, die mich überzeugt hat und wieder eine etwas andere Seite des Autors darstellt, die mir uneingeschränkt gefällt.
Eine kurze Anmerkung noch, die zwar nichts mit dem Werk an sich zu tun hat, aber an das Lektorat des Heyne-Verlages gerichtet ist: „seid“ und „seit“ zu verwechseln ist für das Lektorat eines großen Verlagshauses kein Aushängeschild. 😦 So geschehen auf Seite 331, Zeile 7: „Melanie… seid eure Mutter tot ist, haben meine jüngere Tochter und ich so unsere Probleme miteinander gehabt.“

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Fazit: Kurzweilige, ruhige, aber dennoch sehr spannende Geschichte um Visionen, einen perversen Telefonanrufer und verbotene Liebe. Eine Familiengeschichte mit Thriller-, Horror- Sexelementen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Zeitmaschinen gehen anders von David Gerrold

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 174 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31866-3
Kategorie: Science Fiction

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Daniel Eakins erbt von seinem Onkel lediglich ein seltsames Paket. Als er es öffnet, findet er einen Gürtel darin, der mit mysteriösen Zeichen versehen ist, die darauf hindeuten, dass es sich um eine Art Zeitmaschine handelt. Daniel probiert den Gürtel neugierig aus und landet tatsächlich in einer anderen Zeit. Schon bald stellt er fest, dass er Geschehnisse in der Vergangenheit zu seinem Vorteil manipulieren kann. Es dauert aber nicht lange, bis er sich selbst begegnet. Und das nicht nur einmal …

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„Zeitmaschinen gehen anders“ beginnt relativ unspektakulär, was aber nicht heißt, dass das Buch keinen guten Einstieg hat. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit nähert sich David Gerrold dem Thema Zeitreisen und vor allem den damit zusammenhängenden Paradoxa. Was anfangs sogar noch teilweise witzig erscheint, entwickelt sich im Verlauf der Handlung zu einem wahrlich erschreckenden Szenario und einer spannenden und philosophischen Reise in unser Ich. Es ist schon erstaunlich, wie wenig Seiten Gerrold benötigt, um ein derart komplexes Zeitreise-Abenteuer zu beschreiben. Aber er meistert diese Aufgabe mit Bravour und erschafft durch seine präzisen und emotionalen Schilderungen aus dem Stand einen Kultroman für mich. Die Seiten fliegen nur so dahin, wenn man sich auf die paradoxe Geschichte des Protagonisten einlassen kann. Man wird süchtig nach den Entscheidungen, die der anfangs noch unbedarfte Zeitreisende treffen muss, und seinen dazugehörigen Überlegungen.

David Gerrolds Roman ist im Heyne Verlag im Rahmen der Reihe „Meisterwerke der Science Fiction“ erschienen und man kann getrost behaupten, dass es sich bei dieser Perle von Buch auch um genau ein solches handelt. Der gehobene, aber dennoch oft auch sehr einfache Schreibstil lässt den in die Jahre gekommenen Leser unweigerlich in die Stimmung „älterer“ SF-Romane versinken, die in dieser Art (leider) heutzutage nicht mehr oft geschrieben werden. Es liegt tatsächlich ein wenig Nostalgie zwischen den Zeilen. Dennoch steckt Gerrold, der diesen Roman Anfang der 70er Jahre verfasst hat, eine beachtliche Recherche in sein Projekt, wenn er von Zeitsträngen und Paralleluniversen spricht. Die oftmals wirren Schilderungen können bei genauerer Betrachtung durchaus eine gewisse Logik vorweisen, die den Leser auch an der ein oder anderen Stelle zum Nachdenken bringt. „Zeitmaschinen gehen anders“ nimmt die Ausgangssituation von H.G. Wells‘ Klassiker zum Anlass und spinnt die Idee in eine vollkommen andere Richtung weiter. Auch wenn der Protagonist ein paar Dinge ändert, wie in Wells‘ Roman, so wendet sich Gerrold schon bald anderen, menschlicheren Dingen zu, die dieses Buch zu einem sehr interessanten und bedeutenden Werk machen. Es geht in erster Linie um den Menschen und  wie sich sein Wesen durch Zeitsprünge verändern könnte.

Und so komme ich auch zum für mich wichtigsten und beeindruckendsten Aspekt des Romans. David Gerrold lässt seinen Protagonisten während seiner Zeitreisen „auf sich selbst los“. Daniel trifft sich nämlich selbst in verschiedenen Altersstufen und Geschlechtern. Ab einem gewissen Punkt entwickelt sich „Zeitmaschinen gehen anders“ zu einem philosophischen Feuerwerk über die Frage, ob man sich selbst lieben kann (sowohl im Geiste wie auch körperlich). Alleine letzteres schildert Gerrold auf so eindrucksvolle Art und Weise, dass es mir noch jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, eine Gänsehaut verschafft. Selbstliebe, Homosexualität, körperliche und geistige Liebe zu und mit sich selbst … Fragen, die sich jeder schon einmal gestellt hat und die vielleicht unbewusst in allen von uns schlummern, werden hier auf eine derart grandiose Weise behandelt, dass ich bewegt und überwältigt meinen imaginären Hut vor David Gerrold ziehe. Auf fast schon revolutionäre und progressive Weise wird hier einem Menschen (und somit auch dem Leser) ein Spiegel vorgehalten, in dem man sich selbst betrachtet und in sein Inneres sieht. Selbst Leben und Tod werden auf eine atemberaubende Art und Weise reflektiert, so dass man sich der Faszination dieser Gedanken schlichtweg nicht entziehen kann. „Zeitmaschinen gehen anders“ ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Meisterwerk der Science Fiction und aufgrund seines geringen Umfangs ein grandioses Beispiel, dass nicht nur dicke Bücher eine enorme Tiefgründigkeit vorweisen können. David Gerrold hat einen philosophischen Zeitreisetrip geschrieben, den man so schnell nicht mehr vergisst.

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Fazit: Beeindruckende und extrem philosophische Zeitreise, die im Gedächtnis haften bleibt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Knaus Verlag
insgesamt 344 Seiten
Preis: 24,99 €
ISBN: 978-3-8135-0785-0
Kategorie: Fantasy, Gegenwartsliteratur

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Dylia Insomnia ist eine zamonische Prinzessin, die an absoluter Schlaflosigkeit leidet. Vier Wochen ohne Schlaf war ihr persönlicher Rekord und ein Ende dieser „Krankheit“ ist nicht abzusehen. Doch eines Nachts taucht ein mysteriöser Geselle in Dylias Gemach auf. Er nennt sich Havarius Opal und behauptet, ein Nachtmahr zu sein, der fortan nie wieder von Dylias Seite weicht und ihr alle möglichen Alpträume beschert. Doch bevor er mit seiner Arbeit beginnt, bietet er ihr an, sich zusammen mit ihm auf eine abenteuerliche Reise zu begeben, die sie tief in Dylias Inneres führen soll. Die Prinzessin stimmt dem Vorschlag zu, denn schlafen kann sie schließlich sowieso nicht.

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Da ist er nun: Der neue Zamonien-Roman von Walter Moers. Und schon beim flüchtigen Durchblättern, was wohl jeder Fan von Walter Moers bei einem neuen Buch von ihm automatisch macht, wird klar, dass sich seine „Prinzessin Insomnia“ in die außergewöhnliche Aufmachung seiner vorherigen Werke wieder nahtlos einreihen wird. Bunte Seiten, Illustrationen, die den Text unterbrechen, Wortspielereien in Farbe … alles ist wieder vorhanden, um die Sehnsucht nach neuen Zamonien-Verrücktheiten zu stillen. Zumindest lässt das der erste Blick auf die Seiten vermuten. Doch dieses Mal schlägt Moers einen leicht anderen Weg ein und lässt die Geschichte ein wenig ernster wirken als sonst. Was aber nicht heißen soll, dass „Prinzession Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ nicht erneut von Ideen nur so übersprudelt. Insgesamt gesehen entwickelt sich die Handlung aber, trotz aller verrückten Einfälle, dieses Mal düsterer.

Das mag den ein oder anderen Zamonien-Anhänger verunsichern oder gar verärgern, aber man sollte Moers‘ Geschichte definitiv eine Chance geben. Denn was dort beschrieben wird, ist eine außergewöhnliche Reise in die Gedankenwelt einer Kranken, die sich in manchen Dingen von der eines Gesunden gar nicht so gravierend unterscheidet. Moers schickt uns ins menschliche Gehirn (was bei ihm ja nicht wirklich neu ist –  schon Käpt’n Blaubär musste sich unter anderem dieser Aufgabe stellen), berichtet dieses Mal aber weitaus ausführlicher und detaillierter darüber. „Prinzessin Insomnia“ mag beim Lesen an manchen Stellen etwas langatmig wirken und eröffnet erst am Schluss, nachdem man das Nachwort gelesen hat, seine wahre Bedeutung. Denn die an einer seltenen Krankheit leidende Lydia Rode schuf die Illustrationen dieses Buches (das erste Mal übrigens, dass diese nicht von Walter Moers selbst gezeichnet wurden) und nimmt nach Lesen des Nachwortes in den Gedanken des Lesers unweigerlich die Hauptrolle des Romans, nämlich die Person Dylia Insomnia ein. Man achte auf das Anagramm der beiden Vornamen. 😉

Wie jedes Buch von Walter Moers ist auch „Prinzessin Insomnia“ eine verlegerische Herausforderung, die auch in diesem Fall wieder hervorragend gemeistert wurde. Walter Moers hat mit diesem Roman eine neue Tür seines Schaffens aufgestoßen und spaltet die Lager seiner Anhänger. Fans der „echten“ Zamonien-Romane sollten „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ einfach als eigenständiges Buch ansehen und sich in die Geschichte mit all ihren Höhen (und manchmal auch kleinen Tiefen) fallen lassen. Hier wird auf hohem Niveau gejammert, denn ein Meister der Worte ist und bleibt Walter Moers mit dieser Geschichte weiterhin. Phantasievoller und ideenreicher wie Moers es tut, kann man eine Geschichte fast nicht schreiben. Für mich war das neueste Werk dieses Ausnahmeschriftstellers absolut keine Enttäuschung, sondern, wie oben schon bemerkt, eine Bereicherung seines Gesamtschaffens. Gerade die Einbeziehung einer realen Person, die zu (ihrer?) Geschichte auch noch eigene Bilder beigesteuert hat, macht diesen Roman zu einem außergewöhnlichen, beeindruckenden und mutigen Projekt.
Gerade die leisen Zwischentöne, in denen die beiden Protagonisten philosophieren, machen „Prinzessin Insomnia“ zu einem literarischen Leckerbissen, der einen noch lange in Gedanken begleitet.

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Fazit: Außergewöhnlich und beeindruckend. Kein „echter“ Zamonien-Roman, aber dafür ein sehr tiefgründiger.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Kinder von Wulf Dorn

Erschienen als Broschur
im Heyne Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-453-27094-7
Kategorie: Thriller

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Mitten auf einer einsamen Bergstraße wird eine völlig verstörte Frau aus einem Unfallfahrzeug geborgen. Ihr Name lautet Laura Schrader und im Kofferraum des Unglückswagens findet man die Leiche eines Kindes. Als der Polizeipsychologe Robert Winter mit dem Opfer spricht, erfährt er von einer grausigen Wahrheit, die er zuerst nicht glauben will. Doch Laura Schrader ist nicht, wie von allen vermutet wird, verrückt, sondern schildert eine Wahrheit, die erschreckender nicht sein kann.

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Wulf Dorn schafft es schon auf den ersten Seiten, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Dieses Mal entführt Dorn den Leser in ein Psycho-Abenteuer, das es bei genauerem Nachdenken wirklich in sich hat. Wenngleich der Plot an manchen Stellen vorhersehbar wirkt, so schafft Dorn doch immer wieder eine interessante Wendung, mit der man nicht rechnet. Die Geschichte wirkt von vorne bis hinten durchkonzipiert und hätte an manchen Stellen vielleicht ein wenig Spontanität verdient, um sie glaubwürdiger und vor allem unvorhergesehener zu machen. Dennoch ist „Die Kinder“ ein rasantes und geheimnisvolles Rätsel, das einen mitreißt und nicht mehr loslässt. Als ich die ersten Seiten gelesen habe, dachte ich allerdings zuerst, die Geschichte nähme einen völlig anderen Verlauf, als es letztendlich dann geschah.

Wulf Dorn lässt die Hauptgeschichte von seiner Protagonistin Laura Schrader erzählen. Dieser geschickte Schachzug ist es auch, der den gesamten Roman mit einer unglaublich intensiven Stimmung ausstattet. Sicherlich passieren durch genau diese Erzählweise kleine Logikfehler, denn der Rückblick (eigentlich ja von Laura erzählt) beinhaltet plötzlich auch Geschehnisse, an denen Laura gar nicht beteiligt war.  Aber da sollte man einfach darüber hinwegsehen, um sich die tolle Atmosphäre nicht selbst kaputt zu machen.
Der Auftritt der „bösen“ Kindern hat mich desöfteren an Stephen Kings „Kinder des Zorns“ („Children Of The Corn“) und „Das Dorf der Verdammten“ („Village Of The Damned“) erinnert, aber Dorn geht auf alle Fälle einen eigenen Weg, der eben lediglich ein paar Bilder der genannten Filme / Geschichten in Kopf des Lesers erscheinen lässt. Wulf Dorn übt in seinem neuen Roman eine Art Gesellschaftskritik aus, die auf den ersten Blick nicht ganz so überzeugend wirkt, wie sie sollte. Aber hat man das Buch erst einmal aus der Hand gelegt und denkt in Ruhe noch einmal über das Ganze nach, so kommt die Botschaft durchaus an. Wulf Dorn verpackt sie schlichtweg in einen unterhaltsamen und spannenden Roman und verzichtet auf Besserwisserei. Er weist lediglich auf Missstände wie Kindesmissbrauch und Verantwortungslosigkeit gegenüber unserer Umwelt hin.

„Die Kinder“ beginnt wie ein Thriller oder Krimi und entwickelt sich im Verlauf des Buches zu einem Mystery-Horror-Plot, der durchaus auch zu gruseln vermag. Gewürzt mit ein paar esoterischen Zutaten liest sich die Geschichte, obwohl übersinnlich und mysteriös, dennoch auch irgendwie glaubwürdig und auch bis zu einem gewissen Maß nachvollziehbar. Aber ich bin auch der Meinung, dass gerade solcherart Handlungen, wie Wulf Dorn sie sich hier ausgedacht hat, nicht immer unbedingt zu hundert Prozent Hand und Fuß haben müssen. Es ist ja schließlich ein Mystery-Thriller. Der flüssige Schreibstil lässt ein absolut schnelles Leseerlebnis zu.
Sicherlich hätte man der Handlung und auch den Charakteren jeweils ein wenig mehr Tiefgang verleihen können, aber ich bin nicht sicher, ob dies der Geschichte auch wirklich gut getan hätte und nicht die absolut kurzweilige Rasanz dadurch verloren gegangen wäre. Wulf Dorn beschreitet mit „Die Kinder“ einen neuen Weg, als er es mit seinen bisherigen Werken getan hat. Ich persönlich mag auch diese Art, zeigt sie doch, dass Wulf Dorn nicht einfach nur statisch seine Erfolge wiederholt, sondern auch Vielfältigkeit zeigt.
Und auch wenn nicht alles hundertprozentig „rund“ wirkt, so beschert einem „Die Kinder“ ein wunderbares, spannendes und kurzweiliges Lesevergnügen.

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Fazit: Spannend und atmosphärisch erzählter Mystery-Thriller mit einer sozialkritischen Botschaft.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Zeitkurier von Wesley Chu

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 490 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31733-8
Kategorie: Science Fiction

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Zeitkurier James Griffin-Mars hat die Aufgabe, Ressourcen und Antworten auf die Frage zu finden, warum die Welt sich in eine verseuchte Wildnis verwandelt hat. Höchste Priorität bei diesen Einsätzen ist die Einhaltung bestimmter Zeitgesetze, damit keine Zerwürfnisse im Zeitstrang entstehen. James ist einer der besten, bis er eines Tages einen fatalen Fehler begeht und eine Frau aus der Vergangenheit in die Gegenwart mitnimmt. Doch schon bald beginnt James zu zweifeln, ob es denn tatsächlich ein so großer Fehler war, obwohl er vom Staat gejagt wird.

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Der Einstieg in seine Zeitreise-Geschichte ist Wesley Chu außerordentlich gut gelungen. Vor allem merkt man sofort, dass sich hier jemand dieser Thematik auf eine andere Weise als bisher annähert. Sicherlich definiert Wu die Zeitreisen, und alles, was damit zusammenhängt, nicht neu. Aber es sind Ansätze vorhanden, die mittelschwere Begeisterung bei mir ausgelöst hat. In erster Linie haben mich die Erklärungen, was die Logik solcher Zeitreisen mit sich bringt, angenehm überrascht. Vieles wirkt in diesem Roman nicht ganz so verwirrend und unlogisch wie es oft bei Zeitreise-Romanen der Fall ist. Welsey Chu hat hier ein ganz eigenes Universum entworfen, das mir außerordentlich gut gefallen hat. Die stimmungsvollen Bilder, die uns der aus Taiwan stammende Autor sehr detailliert schenkt, bleiben im Gedächtnis haften und sind an einigen Stellen filmreif ausgearbeitet.

Wesley Chu hat seinen Protagonisten allesamt glaubwürdige Charaktere verschafft, denen man gerne in ihren Handlungen folgt. Leider schafft es Chu aber nicht, den spektakulären Einstieg in seine Story bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Der Plot driftet in eine Weltrettungsmission ab, was zwar nicht unbedingt schlecht ist, aber die anfangs herrschende, tolle und dystopische Stimmung irgendwie zunichte macht. Die Zeitreisen sind zwar immer präsent, geraten aber handlungstechnisch irgendwie immer mehr in den Hintergrund. Da hätte ich mir durchaus mehr detaillierte Schilderungen gewünscht, die in der Vergangenheit spielen. Dennoch ist Wesley Chu ein wirklich außergewöhnlicher Zeitreise-Roman gelungen, der sehr viele schöne und stimmungsvolle Momente hat. Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich das Buch schwer aus der Hand legen, weil es in bester Pageturner-Manier geschrieben war und man wirklich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Dann kam aber ein Punkt, an dem die Handlung eine Wendung nahm, die mir zwar gefallen hat, die aber die Erwartungen an den Roman, die durch die ersten zweihundert Seiten entstanden waren, nicht erfüllen konnte. Wie gesagt, das heißt nicht, dass das Buch plötzlich schlecht wurde, aber der Plot entwickelte sich anders, als ich es erwartet hätte.

Durch den offenen Schluss leicht verwirrt, entdeckte ich dann bei Recherchen im Internet, dass es sich bei „Zeitkurier“ um den ersten Band einer geplanten Trilogie handelt. Band 2 ist bereits fertiggestellt und der abschließende dritte Band muss wohl erst noch geschrieben werden. Wenn man „Zeitkurier“ nun unter dem Aspekt sieht, dass sich damit eine eventuell epischere Geschichte erst einmal aufgebaut hat, gewinnt besagte Entwicklung, die mich wie oben erwähnt, ein wenig gestört hat, eine ganz neue Bedeutung und lässt auf eine große Geschichte im Gesamten hoffen.
Wesley Chu hat auf jeden Fall einen sehr schönen und flüssigen Schreibstil, der angenehm und schnell zu lesen ist. Leicht komplizierte Vorgänge werden von ihm problemlos so beschrieben, dass man sie versteht. „Zeitkurier“ ist eine Mischung aus Dystopie, Science Fiction und sozialkritischer Menschheitsgeschichte, die absolut zu begeistern vermag. Vor allem der Hauptcharakter James Griffin-Mars wird sehr interessant dargestellt. Faszinierend war für mich die Schilderungen, wenn sich bei ihm Vergangenheit und Gegenwart einer Halluzination gleich vermischten. Das ergab ein sehr stimmiges und stimmungsvolles Bild in meinem Kopfkino.
Die Liebesgeschichte, die letztendlich eigentlich gar keine ist, wirkt sehr hölzern und zwanghaft konzipiert, um den Vorgaben eines erfolgreichen Plots zu entsprechen. Ich persönlich hätte es besser gefunden, wenn sich der Autor nicht für einen Mittelweg, sondern für eine geradlinige Richtung entschieden hätte: entweder eine richtige Liebesgeschichte oder komplett darauf verzichten. Momentan ist es weder das eine noch das andere. Aber das kann sich ja noch im Verlaufe der beiden  Folgebände ändern. Bleibt nur zu hoffen, dass die Trilogie komplett im Heyne Verlag erscheint und nicht, wie leider bei vielen anderen Serien, aufgrund ausbleibenden Erfolgs einfach eingestellt wird und zahllose, neugierige Fans enttäuscht zurücklässt.

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Fazit: Gelungener, ideenreicher Auftakt einer Zeitreise-Trilogie, die logisch gut durchkonzipiert wirkt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ulldart – Die komplette Saga 1 von Markus Heitz

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
1424 Seiten
20,00 €
ISBN: 978-3-492-28131-7

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Kurz vor seinem Tod äußert ein Mönch eine schreckliche Prophezeiung, in der es heißt, dass die Dunkle Zeit auf den Kontinent Ulldart zurückkehren wird. Lodrik, Sohn des Herrschers von Tarpol, ist Bestandteil dieser Weissagung, ohne dass er anfangs davon weiß. Im Alter von 15 Jahren wird er zusamen mit seinem Vertrauten Stoiko und seinem Leibwächter Waljakov von seinem Vater in die Provinz Granburg geschickt, wo er der neue Gouverneur werden und Erfahrungen in der Politik sammeln soll. Schon bald muss sich Lodrik gegen Verschwörungen, Intrigen und Betrug behaupten. Doch dann mehren sich die Zeichen, dass sich die Prophezeiung erfüllt. Als Lodrik nach dem Tod seines Vaters ins Königreich Tarpol zurückkehrt um die Herrschaft zu übernehmen, gerät Ulldart aus den Fugen. Ein Krieg zwischen den Völkern scheint plötzlich unausweichlich …

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Es dauert nicht lange, bis man sich in Markus Heitz‘ Mammutwerk, das gleichzeitig sein Romandebüt war. heimelig fühlt. Heitz schafft wunderbare Charaktere, die einem, egal ob gut oder böse, ans Herz wachsen. Zudem beschreibt der Autor seine Welt so detailliert und glaubhaft, dass man tatsächlich manchmal vergisst, dass es sich um einen Fantasyroman handelt. „Ulldart – Die komplette Saga 1“ ist ein High Fantasy-Abenteuer, wie es besser nicht sein könnte. Der erste Sammelband dieser Reihe aus dem Piper Verlag umfasst die ersten drei Bände „Schatten über Ulldart“, „Der Orden der Schwerter“ und „Das Zeichen des Dunklen Gottes“. Besonders gut gefallen hat mir, das Markus Heitz sich Zeit lässt und ganz gelassen an die bombastische Handlung herangeht. Mit jedem Band steigert er die Geschehnisse und baut eine unglaublich intensive Stimmung auf, die tatsächlich an Tolkien aber auch an Tad Williams erinnert. Heitz kann ausnehmend gut schreiben und gerade der extrem flüssige Schreibstil lässt die über 1.400 Seiten nur so dahinfliegen.

Heitz schafft es hervorragend, den Leser mit seinen Protagonisten mitleiden, -fiebern und -intrigieren zu lassen. Trotz der oftmals scheinbar wirren Entwicklungen verliert man niemals den Überblick über die Vorfälle und kann der Handlung folgen. Die Intrigen, die sich um Lodrik manifestieren, sind absolut gut durchdacht und haben zur Folge, dass man das Buch, obwohl es ziemlich schwer und unhandlich ist 😉 ) kaum aus der Hand legen will. Die Ulldart-Saga hat eindeutig enormes Suchtpotential und man mag es kaum glauben, dass es sich bei diesem Mammutwerk um Markus Heitz‘ Debüt handelt. Der Schreibstil bewegt sich, wie schon erwähnt, auf hohem Niveau und die bildhaften Beschreibungen lassen  aus dem Buch in den Gedanken des Lesers ein phantastisches Kopfkino entstehen. Erwähnenswert ist vielleicht auch, dass immer wieder ein klein wenig Humor angewandt wird, der aber nie aufdringlich oder gar peinlich wirkt, sondern sich optimal in die Story einfügt. Auch für Menschen wie mich, die eigentlich politische Machtrangeleien nicht so gerne lesen, ist „Ulldart“ uneingeschränkt empfehlenswert. Das liegt einfach daran, dass Heitz, wie eben auch Tad Williams, den Leser nicht mit unnötigen Details langweilt, sondern mit seinen Erklärungen genau auf den Punkt kommt, so dass man die Sachlage verstehen „muss“.

Die ersten drei Bände, und ich gehe stark davon aus, dass es sich bei den Folgebänden genauso verhält, gehen nahtlos ineinander über, so dass man keine eigenständigen Geschichten innerhalb eines Universums zu lesen bekommt, sondern eine durchgehende Storyline. Das macht „Ulldart“ zu einem epischen Werk, wenn man davon ausgeht, dass es sich insgesamt um neun Bände handelt. Die Entwicklung der Protagonisten ist durchwegs nachvollziehbar, wenngleich mir Lodrik ab einem gewissen Punkt nicht mehr als jugendlich vorkam, sondern eher wie ein heranreifender Mann. Beeindruckt war ich davon, wie sich der Spannungsgbogen während der drei Bücher konstant in die Höhe schraubt und die Geschichte immer epischer und bombastischer wird. Das hat schon eine Wirkung, der man sich nicht entziehen kann. Wie ein Strudel wird man von der Geschichte erfasst. „Ulldart“ erinnert mich ein bisschen an „Shadowmarch“ von Tad Williams oder entfernt sogar an „Game Of Thrones“.
Doch Markus Heitz hat einen eigenen Stil und eine eigene Geschichte zu erzählen. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn es endlich wieder weitergeht und ich zu Lodrik und seinen Freunden nach Ulldart zurückkehren darf.

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Fazit: Ganz klare Leseempfehlung für Freunde niveauvoller High Fantasy. Einfühlsam, durchdacht, spannend und extrem kurzweilig.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ein Killer wie du und ich von Dan Wells – Serienkiller VI

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
331 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-3-492-28025-9

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Nur noch drei Verwelkte sind übrig, die John Cleaver beseitigen will. Dieses Mal macht er sich ohne Brooke und FBI auf die Jagd und landet in einem Ort namens Lewisville. Denn dort geschehen seltsame Morde, bei denen die Opfer ertrinken, obwohl absolut kein Wasser in der Nähe ist. John trifft in dem kleinen Ort tatsächlich auf Dämonen und erfährt, dass sich ihre Königin dort aufhält. Bei seinen Ermittlungen kommt er der geheimnisvollen Mörderin immer näher, bis er letzten Endes aber feststellen muss, dass das Offensichtliche nicht immer die Wahrheit ist.

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Hier ist er also nun: Der Abschlussband des Serienkiller-Zyklus von Dan Wells. Ursprünglich als Trilogie geplant, wurde die Geschichte um John Cleaver aufgrund des Erfolges auf das doppelte aufgebläht. Was mit einem eher schwachen vierten Teil begann und sich mit einem bedeutend besseren fünften Band fortsetzte, findet nun in einem finalen sechsten Roman durchaus einen würdigen Abschluss.
Aber der Reihe nach: Zuerst einmal muss erfreulich festgestellt werden, dass der Piper-Verlag der Optik der gesamten Reihe treu geblieben ist und auch den sechsten Teil der Buchserie im sogenannten Rough-Cut publiziert hat. Auch das Cover passt sich sämtlichen Vorgängern an und lässt nun die komplette Reihe in einer optisch sehr ansprechenden Form im Buchregal erstrahlen. Das ist leider bei Reihen nicht immer der Fall.

Nun aber zum Roman: Dan Wells‘ Schreibstil ist auf jeden Fall wandelbar. Das hat er mit „Bluescreen“ bewiesen, der sich von den Serienkiller-Romanen unterscheidet, in dem er einen stiltechnisch anderen Weg geht. Bei „Ein Killer wie du und ich“ benutzt Wells allerdings wieder seinen flüssigen, relativ einfach gehaltenen Stil bei und macht auch diesen Roman zu einem Pageturner, den man locker in ein, zwei Tagen weglesen kann.
Im Gegensatz zum vierten Teil, der für mich persönlich der schlechteste der Reihe ist, führt Wells hier wieder ein Beerdigungsinstitut ein. Der Einstieg erinnert fast ein bisschen an die grandiose HBO-Serie „Six Feet Under“ und als Leser fühlt man sich wieder an die ersten drei Teile im John Cleaver zurück erinnert, wo das Bestattungsunternehmen seiner Familie eine Nebenrolle gespielt hat. Der Kreis schließt sich irgendwie mit dieser Rückführung zu den Anfängen und stellt einen sehr stimmungsvollen Handlungsort dar. Ich empfand diesen Abschlussband daher als sehr atmosphärisch und angenehm. Die Einführung neuer Personen gelang dem Autor absolut gut. Doch Johns alte Wegbegleiter werden erfreulicherweise niemals ganz vergessen, sondern immer wieder erwähnt, was der gesamten Reihe einen sehr glaubwürdigen Charakter verleiht. Im Nachhinein gesehen ergeben alle sechs Romane ein überzeugendes Gesamtbild, so dass man alle Bücher sofort wieder hintereinander lesen möchte, um auch sämtliche Kleinigkeiten zu erfassen.

Dan Wells hat einen faszinierenden Charakter erschaffen, der nicht umsonst großen Anklang bei den Fans fand. Beim Ende werden sich wohl leider die Lager spalten. Ohne etwas zu verraten, kann ich nur sagen, dass sich Dan Wells wirklich große Mühe gemacht hat, einen überraschenden Schlusspunkt zu verfassen. Gelungen ist ihm das auf jeden Fall und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr gefällt mir das Ende doch auf gewisse Art und Weise, wenngleich ich anfangs etwas verwundert über die Entwicklung der Geschichte war. Es ist einfach nur ein schönes, abgeschlossenes und irgendwie doch offenes, Ende geworden, das der Serie zwar gerecht wird, zum Nachdenken anregt, aber dennoch nicht wirklich glaubhaft erscheint. John Cleavers Charakter macht auf nur wenigen Seiten plötzlich eine Veränderung durch, die man ihm nicht wirklich abnimmt. Wie gesagt, Wells wollte mit Sicherheit kein absehbares Finale haben und hat sich aus diesem Grund für diese Entwicklung entschieden, aber er hätte Johns Entscheidung(en) vielleicht mit ein paar Seiten mehr besser und für den Leser nachvollziehbarer erklären sollen, dann wäre es zumindest stimmiger gewesen.
Nichtsdestotrotz verlässt man John Cleavers Dämonenwelt äußerst ungern und wünscht sich nun fast, dass es doch noch weitergeht, obwohl man nach dem vierten Teil dachte, Dan Wells hätte es doch besser bei der geplanten Trilogie belassen. Ich empfand „Ein Killer wie du und ich“ als absolutes, kurzweiliges Lesevergnügen, das ich jederzeit wiederholen könnte und vielleicht im Gesamtpaket auch noch einmal tun werde.

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Fazit: Sehr stimmungsvoller Abschlussband der Serienkiller-Reihe. Das Ende wird allerdings das Lager der Fans spalten.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

The Ascent – Der Aufstieg von Ronald Mafli

Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 364 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-95835-193-6
Kategorie: Thriller

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Tim Overleigh ist eigentlich ein ganz angesehener Bildhauer.  Doch nach dem Tod seiner Frau verfällt er immer mehr dem Alkoholismus und lässt sich inmitten seiner Selbstvorwürfe gehen. Doch dann erscheint ein Trumbauer, alter Freund, und lädt ihn zu einem geheimnisvollen Trip in die Berge von Nepal ein. Overleigh schließt sich der Gruppe von Bergsteigern an. Doch bald schon stellt sich heraus, dass jeder Teilnehmer anscheinend aus einem ganz bestimmten Grund für diesen Extremtrip ausgewählt worden ist. Und je weiter sich die Gruppe in teils unerforschte Regionen des Himalaja vorarbeitet, desto mehr drängen die Schatten der Vergangenheit an die Oberfläche. Overleigh muss sich nicht nur den Gefahren der Bergwelt, sondern auch seinen inneren Ängsten und Dämonen stellen …

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„The Ascent“ ist das erste Buch, das ich von Ronald Malfi gelesen habe. Und, was soll ich sagen? Schon nach den ersten Seiten hat mich sein bildhafter und flüssiger Schreibstil dermaßen begeistert, dass ich bereits beschloss, mir die anderen Bücher von ihm zu besorgen. Malfi schreibt sehr eindringlich und glaubhaft. Seinen Protagonisten mochte ich auf Anhieb und ich fühlte sehr intensiv mit ihm, während er sich Gedanken um seine verstorbene Frau machte. Malfi lässt sich erfreulicherweise Zeit mit seinen Charakteren, so dass man sie am Anfang des Romans sehr gut kennen lernt und sich folglich während der restlichen Seiten dann absolut mit ihnen identifizieren kann. Ebenso hat mir gefallen, dass der Autor nicht nur typische Thrillerelemente in seinem Roman verwendet, sondern auch Mystery- und echte Abenteuerpassagen einbaut. Tatsächlich fühlte ich mich des öfteren an die Indiana Jones-Filme erinnert.

Ronald Malfi schildert die Strapazen einer solch gewaltigen Bergtour absolut authentisch. Und auch seine Landschaftsbeschreibung, obwohl sie gar nicht so oft vorkommen, vermitteln ein unglaublich echtes Bild der Schauplätze. Man taucht förmlich in diese Bergsteiger-Geschichte ein, ist mit dabei und spürt die unglaublichen Anstrengungen und die mörderische Kälte. Fast möchte ich Malfis Schilderungen mit Dan Simmons Meisterwerk „Der Berg“ vergleichen, aber ganz so intensiv bekommt es Malfi dann doch nicht hin. Aber nichtsdestotrotz liegt mit „The Ascent“ ein unglaublich unterhaltsamer, spannender und vor allem sehr stimmungsvoller Thriller vor, der durch den hervorragenden Schreibstil einfach nur begeistert.  Und gerade der Teil des Buches, der sich mit dem Aufstieg und seinen Gefahren, den Gedankengängen des Protagonisten und den immer wiederkehrenden Halluzinationen aus seiner Vergangenheit befasst, ist sehr stark.

Auch wenn die Kulisse des Himalaya-Gebirges eigentlich „nur“ als Schauplatz dient und nicht die reine Handlung darstellt, so erfährt der Leser dennoch, welchen extremen Strapazen solche Bergsteiger ausgesetzt sind. Und wenn dann auch noch höhergeistige Dinge ins Spiel kommen, kann man die Gefühlswelt des Protagonisten umso mehr verstehen und nachvollziehen.
Einen klitzekleinen Wermutstropfen hat „The Ascent“ aber dann doch noch für mich, der aber nur meinen persönlichen Geschmack betrifft: Das Ende, wenngleich es ungemein spannend und auch logisch aufgebaut war, zerstörte irgendwie die ganze Atmosphäre, die sich vorher über den ganzen Plot gelegt hat. Das Finale wirkte mir irgendwie zu aufgesetzt und spektakulär. Es war, auch wenn das jetzt komisch klingt, einfach zu spannend. Da hätte dem Roman eine ruhigere Lösung, die nicht unbedingt den gängigen Mainstream-Erwartungen eines Thrillers gefolgt wären, gut getan. Aber da sind die Geschmäcker wohl auch unterschiedlich und als Autor kann man es leider allen nicht recht machen. Ich hätte mir auf jeden Fall gewünscht, dass die Geschichte genauso „ruhig“ ausgeklungen wäre, wie während des ganzen restlichen Buches. Eines ist auf jeden Fall klar: Ronald Malfi hat sich mit diesem Buch, das anscheinend nicht einmal sein bestes zu sein scheint, eindeutig in mein Leserherz geschrieben. Sein hochwertiger Schreibstil erinnerte mich oftmals an Greg F. Gifune, dessen Bücher ich ebenso liebe. Malfi kann absolut gut schreiben und unterhalten. Was will man von einem Schriftsteller mehr? 😉

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Fazit: Atmosphärischer Thriller auf hohem Niveau, der neben Thriller- auch Mystery- und Abenteuerelemente verbaut. Absolut empfehlenswert.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Murder Park von Jonas Winner

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 414 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-42176-9
Kategorie: Thriller

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„Zodiac Island“ war vor 20 Jahren ein sehr beliebter und erfolgreicher Freizeitpark. Doch dann werden drei Frauen ermordet und der Park schließt. Jetzt wird eine neue Vergnügungsstätte geplant, in der es um genau jenen Serienkiller geht. Die Verantwortlichen wollen mit den Ängsten der Besucher spielen und geben dem Abenteuerpark den Namen „Murder Park“. Paul Greenblatt, dessen Mutter vor zwanzig Jahren dem Mörder zum Opfer gefallen ist, und elf weitere Personen sollen für ein Wochenende die Anlage, die sich auf einer einsamen Insel befindet, testen.
Es dauert nicht lange und der erste Mord geschieht. Gefangen auf der Insel, denn die Fähre legt erst nach drei Tagen wieder an, beginnen die Testpersonen sich gegenseitig zu misstrauen. Jeder könnte das nächste Opfer sein.
Paul Greenblatt muss sich zudem noch seiner Vergangenheit stellen, denn alles deutet darauf hin, dass die Morde nach dem gleichen Schema verlaufen wie vor zwanzig Jahren.

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Schon nach den ersten Seiten spürt man, dass da eine sehr atmosphärische Geschichte auf einen zukommt. Winner vermittelt ein Feeling, wie man es sonst nur bei Filmen kennt. Mich erinnerte der Einstieg an „Jurasssic Park“ oder auch „Shutter Island“. Die Stimmung gleicht manchmal letzterem, wobei Winner das wirklich Bedrückende, wie es Dennis Lehane in seinem Kultbuch geschafft hat, nicht ganz so hin bekommt. Dennoch wird man in ein Szenario hineingeworfen, wie es besser nicht sein könnte. Brutale Morde, rätselhafte Geschehnisse und eine atemberaubende Kulisse machen „Murder Park“ zu einem stimmigen, kurzweiligen und spannenden Lesevergnügen.
Man merkt, dass Jonas Wimmer auch Drehbücher verfasst und sich mit der Thematik des Films beschäftigt, denn der Plot verlangt geradezu nach einer Verfilmung. Vor allem der Schauplatz wird derart bildlich beschrieben, dass man tatsächlich desöfteren denkt, man sieht einen Film.

Winner charakterisiert die zwölf Protagonisten geschickt, in dem er zwischen den Kapiteln Interviews einschiebt, die ein wenig Licht auf die Vergangenheit der jeweiligen Personen werfen. Man lernt die Hintergründe kennen, wie die Person mit dem alten „Zodiac Island“ und dem neuen „Murder Park“ in Verbindung stehen. Durch die relativ kurz gehaltenen Kapitel fliegt man förmlich durch die Handlung, weil man an jedem Kapitelende wissen will, wie es weitergeht. „Murder Park“ ist eine Mischung aus Krimi und Thriller mit ein wenig mystischem Einschlag. Was mir vor allem außerordentlich gut gefallen hat, war die Person des Paul Greenblatt. Winner spielt mit dem Leser, lässt ihn an den wirren Gedankengängen des Mannes teilhaben, der nicht nur um sein Leben kämpft, sondern auch seine eigene Vergangenheit bewältigen muss. Das wird sehr glaubhaft geschildert. Vor allem Winners sehr flüssiger Schreibstil lässt sich sehr angenehm lesen. An manchen Stellen hatte ich persönlich, gerade am Anfang, Schwierigkeiten, die vielen Personen auseinander zu halten. Aber das gibt sich im Laufe des Romans.

Was mir persönlich ein wenig gefehlt hat, war die Beschreibung des Parks an sich. Da hätte ich mir einfach gewünscht, dass mehr von den Attraktionen und Ideen, die diesen „Murder Park“ ausmachen sollen, beschrieben werden. Da wird meiner Meinung nach zu wenig Augenmerk darauf gerichtet. Denn genau solche „Bilder“ hätten den Roman weitaus atmosphärischer wirken lassen, als er ohnehin schon ist.
Winner führt den Leser auf einige falsche Fährten. Oft meint man, den Plot zu durchschauen und wird dann wieder eines besseren belehrt. Auch wenn das Ende ein wenig konstruiert wirkt, so ist es doch auf jeden Fall überraschend und auch gut.
Das gegenseitige Misstrauen zwischen den Protagonisten wurde von Winner sehr gut rüber gebracht. Man ertappt sich selbst dabei, wie man verschiedenen Personen mal mehr und mal weniger glaubt und selbst miträtselt, wer hinter den Morden steckt.
Alles in allem ein wirklich spannender Thriller, der aber leider an manchen Stellen etwas übertrieben und konstruiert auf mich wirkte. Aber das ist wohl immer Geschmackssache und hat mir auch definitiv das Lesevergnügen nicht genommen. Wer solcherart Geschichten nicht hinterfragt, bekommt zweifelsohne einen spannenden und sehr bildhaften Thriller serviert. Wer Handlungen gerne hinterfragt, sollte einfach versuchen, sich auf den Plot einzulassen. Man wird nämlich trotz kleiner Schwächen mit sehr stimmungsvollen Bildern belohnt.

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Fazit: Spannender und atmosphärischer Thriller, der zwar manchmal konstruiert wirkt, aber dennoch absoluten Unterhaltunsgwert besitzt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Überfahrt von Mats Strandberg

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 505 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-59629599-9
Kategorie: Horror

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Es sollte eine Überfahrt wie jede andere sein. Die Baltic Charisma kreuzt zwischen Stockholm und der finnischen Südküste. Unter den Passagieren befinden sich Singles, die das Abenteuer für eine Nacht suchen, ein homosexuelles Paar, aber auch ein ehemaliger Schlagerstar, der sein Selbstbewusstsein mit Auftritten in der Bar der Fähre aufrechterhalten will oder eine ganz normale Familie. Niemand schenkt der Frau, die zusammen mit ihrem Sohn, die Fähre betritt, Aufmerksamkeit. Doch dann bricht plötzlich ein uraltes Grauen über die Menschen auf der Fähre aus. Schon bald kämpft jeder um sein Überleben, denn grausige Kreaturen nehmen von dem Schiff Besitz …

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Der Verlag wirbt mit einem Zitat der überregional schwedischen Tageszeitung „Dagens Nyheter“, die Mats Strandberg als „schwedischen Stephen King“ bezeichnet. Ein größeres Lob hätte sich der sympathische Schwede nicht wünschen können, der bereits mit seiner „Engelsfors“-Trilogie, die er zusammen mit  Sara B. Elfgren verfasste, einen beachtlichen Erfolg verzeichnen konnte. Mit „Die Überfahrt“ gelang ihm nun allerdings ein echter Pageturner, der es wahrlich in sich hat. Strandberg baut die Spannung langsam auf, was mir außerordentlich gut gefallen hat. Ich gestehe sogar, dass mich gerade die ruhige Einführungsphase, in der alle Protagonisten vorgestellt wurden, richtiggehend begeistert hat. Entgegen vieler Meinungen, die Charaktere wären nicht gut ausgearbeitet, behaupte ich hier schlichtweg das Gegenteil. Zumindest die Hauptprotagonisten sind sehr nachvollziehbar in ihren Beweggründen und Handlungen konzipiert. Ich für meinen Teil konnte mich mit dreien der Hauptfiguren absolut identifizieren und habe auch mit ihnen gelitten und gebangt.

Mats Strandberg schreibt aber aus meiner Sicht nicht wie Stephen King, sondern besitzt einen eigenen Stil, der absolut unterhaltsam und flüssig zu lesen ist. Die Ideen wirken manchmal „geklaut“, was aber überhaupt nichts ausmacht, denn Strandberg verwebt sie geschickt in seine eigene Handlung und vor allem in seine eigene, sehr dichte Atmosphäre. Der klaustrophobische Handlungsort tut das seine dazu, um eine perfekte Mischung aus Abenteuer- und Horrorgeschichte zu zaubern. Letztere ist dann auch noch gehörig mit Splattereinwürfen gespickt, die die bedrohliche Situation noch unterstreichen. Vom Tempo her könnte ich mir Strandbergs Horrorszenario sehr gut in einer Verfilmung von Altmeister John Carpenter vorstellen. Der Plot wirkt ohnehin filmreif auf mich, denn wenn man sich durch die bildhaft beschriebenen, teils ausweglosen Situationen liest, bekommt man ein Kopfkino allererster Klasse geboten. Strandberg beherrscht es neben seiner flüssigen Schreibweise auch hervorragend, Dialoge und Gedankenmonologe zu verfassen.  

Mats Strandberg erschuf eine Geschichte, die von der Stimmung her an Filme wie „Alien“, „Shining“, den ersten „Resident Evil“-Teil oder auch „Rec“ erinnert. Das Grauen kommt an einen Ort, an dem es kein Entkommen gibt. Genau so verhält es sich auch bei „Die Überfahrt“, wo ein bunt zusammengewürfelter Haufen sich gegen eine Invasion von bösen Dämonen verteidigen muss. Aber der Plot wirkt niemals kopiert. Großes Plus sind die aus dem Leben gegriffenen Charaktere, die so authentisch wirken, als gäbe es sie wirklich. Und wenn sich dann ihre Geschichten in der zweiten Hälfte des Romans immer mehr verbinden, möchte man das Buch schlichtweg nicht mehr aus der Hand legen. Strandbergs Geschöpfe sollen eine Art Vampir sein, die noch am ehesten an die Kreaturen aus „30 Days Of Night“ erinnern. Aber irgendwie denkt man im Laufe des Romans auch immer wieder an Zombies. Und so hat der Autor wohl seinen ganz eigenen Vampirmythos „erfunden“, der im Gedächtnis haften bleibt. Vor allem auch die Gedanken, die er seinen „Monstern“ auf den Leib schreibt, sind innovativ.

Manch einer wird die Brutalität in diesem Buch zu heftig finden. Ich persönlich fand genau diese Mischung aus einfühlsamen, ruhigen Passagen und harten Splattereinlagen optimal. „Die Überfahrt“ ist nicht zu brutal, sondern zeigt einfach nur, wie blutig die Kreaturen unter den Passagieren wüten. Hätte Strandberg einen Gang zurückgeschraubt, wäre das Szenario für mich nicht mehr glaubwürdig gewesen. So aber wird man aus den teils melancholischen Gedankengängen der Protagonisten mit einer schockierenden Härte herausgerissen und in einen Alptraum aus Blut und Gedärmen gezerrt. Gerade diese Mischung machte „Die Überfahrt“ für mich zu einem echten Highlight und ich konnte es oftmals gar nicht erwarten, auf die Baltic Charisma zurückzukehren, um zu erfahren, wie es den Passagieren geht. Für mich ist Mats Strandbergs Horrorroman eine erfreuliche Neuentdeckung, die mich auf jeden Fall auf ein weiteres Werk des Autors neugierig macht. Ach ja, und wie gesagt: Ich würde mir eine Verfilmung wünschen. 😉

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Fazit:  Spannender und atmosphärisch dichter Horrorroman mit blutigen Splattereinlagen. Anfangs ruhig baut sich die Spannung konstant bis zum fulminanten Ende auf.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten