Star Wars – Phasma von Delilah S. Dawson

Star Wars Phasma von Delilah S Dawson

Erschienen als Taschenbuch
im blanvalet Verlag
insgesamt 508 Seiten
Preis: 14,00 €
ISBN: 978-3-7341-6150-6
Kategorie: Science Fiction

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Phasma genießt einen besonderen Status bei ihren Vorgesetzten, denn sie gilt als erbarmungslos und  kaltblütig. Ihr größter Widersacher ist Captain Cardinal, dessen Stellung sie innerhalb der Ersten Ordnung eingenommen hat. Cardinal versucht, so viel wie möglich von Phasma zu erfahren, um sie eventuell bei ihren Vorgesetzten anzuschwärzen. Als Cardinal die Rebellin Vi gefangen nimmt, die Phasma aus früherer Zeit kennt, zwingt er sie, ihm alles zu erzählen, was sie über die geheimnisvolle Sturmtruppenführerin weiß.

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Eine Reise in das Universum von „Die letzten Jedi“ – so wird der Roman von Delilah S. Dawson eingeordnet. Entfernt hat er damit auch zu tun, denn auch in diesem Film erscheint der Charakter der undurchsichtigen Phasma. Ihren ersten Auftritt hatte sie in „Das Erwachen der Macht“, wo sie trotz ihrer fast schon unbedeutenden Nebenrolle auf gewisse Art und Weise eine Art Kultfigur wurde. Dawson gibt dieser Frau in ihrem Roman nun ein Gesicht, was zur Folge hat, dass man die beiden obengenannten Filme mit Sicherheit mit anderen Augen sieht. Die (Lebens-)Geschichte von Phasma besitzt einen hypnotischen Reiz, dem man sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr entziehen kann. Dawson hat der Figur einen glaubwürdigen Charakter und eine spannende Vergangenheit auf den Leib geschrieben, den man sich übrigens sehr gut als Film vorstellen kann. 😉

Es dauerte anfangs eine Weile, bis ich Zugang zu der Story bekam. Das lag vielleicht an der humorvollen Art, mit der die Protagonistin Vi ihrem „Geiselnehmer“ Captain Cardinal gegenübertrat. Da hatte ich zugegebenermaßen kleine Schwierigkeiten, die mich sogar ein wenig gestört haben. Verfolgt man aber den Verlauf der Geschichte und die Entwicklung der beiden, wie sie miteinander umgehen, dann ergeben diese sarkastischen Äußerungen im Nachhinein Sinn und machen Spaß. Vi erzählt Captain Cardinal die Geschichte von Phasma. Dieser geschickte Schachzug, dass die Story der eigentlichen Schlüsselfigur von einer dritten Person  erzählt wird, versucht der Roman eine äußerst faszinierende Atmosphäre. Hinzu kommt der Schauplatz des Geschehens: ein dystopischer Planet namens Parnassos, der im Kopfkino des Lesers eine apokalyptische Welt á la „Mad Max“ oder Stephen Kings „The Stand“ entstehen lässt. Dawsons Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen, so dass die 500 Seiten nur so weggelesen werden können. Phasma bekommt in diesem Roman eine greifbare Persönlichkeit, die sie gleichermaßen menschlich, aber auch „abgeklärt“ wirken lasst. Der Mythos um diese Figur, den man in den Filmen vermittelt bekommt, bleibt aber dennoch bestehen.

„Phasma“ stellt eine äußerst spannende und sehr atmosphärische Hintergrund- und Entwicklungsgeschichte der Sturmtruppen-Kommandantin dar, die fast wie ein Spin Off in der Art von „Rogue One“ wirkt und im Zusammenhang mit den Filmen eine stimmige, interessante Geschichte abgibt. Aber auch wer sich nicht mit dem Star Wars-Universum befasst und den Charakter der Phasma bis jetzt überhaupt nicht kennt, kann diesen Roman ohne weiteres lesen, denn es sind keine Vorkenntnisse nötig, um der Handlung folgen zu können. Und die dystopische Welt, in der sich die meiste Zeit die Handlung abspielt, vermag einen auch ohne Star Wars-Begeisterung absolut zu fesseln. Wer allerdings epische Weltraumschlachten oder andere kriegerische Auseinandersetzungen zwischen der Ersten Ordnung und den Rebellen erwartet, wird von dem Plot höchstwahrscheinlich enttäuscht sein. Es geht nämlich in erster Linie nur um die Person Phasma und ihre Entwicklung zur Sturmtruppen-Kommandantin und keineswegs um die Konfrontation der verfeindeten Parteien. Obwohl der Roman also relativ „ruhig“ daherkommt, finden sich niemals Längen im Plot, bei denen man hofft, diese Stellen mögen bald wieder vorbei sein. Allerdings fand ich persönlich die Kapitel, in denen Vi und Captain Cardinal miteinander kommunizierten, immer wieder als kleine Höhepunkte, weil sie  immer sehr stimmungsvoll beschrieben waren. Alles in allem stellt „Phasma“ von Delilah S. Dawson für mich eine tolle Ergänzung zum Star Wars-Universum dar und ich kann diesen Roman nur wärmstens empfehlen.

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Fazit: Stimmungsvolles Spin Off des neuen Star Wars-Universums.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Ulldart – Die komplette Saga 2 von Markus Heitz

ulldart

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
1888 Seiten
22,00 €
ISBN: 978-3-492-28132-4

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Nach der Schlacht von Telmaran rechnet man in Ulldart, dass sich die alte Prophezeiung nun endgültig erfüllt. Lodrik ist weiterhin unter dem Einfluss dämonischer Kräfte und seine Verbündeten sitzen in den Gefängnissen von Tarpol. Da taucht plötzlich ein Junge auf, der allem Anschein nach Lodriks Sohn Lorin ist. Doch Lodrik seht sich nach Frieden, während die Rogogarder und Kensustrianer noch weiterhin Widerstand leisten. Eine Vereinigung der Königreiche rückt zwar in greifbare Nähe, doch im Hintergrund werden Intrigen gegen Lodrik geschmiedet.
Doch dann taucht Goran auf, Lodriks Erstgeborener, und setzt alles daran, dass sich die Prophezeiung einer Dunklen Zeit doch noch erfüllt …

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In gewohnt hohem Niveau geht die Saga um Ulldart von Markus Heitz weiter. Schon nach wenigen Seiten fühlt man sich in die Stimmung der ersten drei Bände zurückversetzt, wenngleich man anfangs leichte Schwierigkeiten hat, sich an einzelne Personen zu erinnern oder ihre Stellung in der Gesamthandlung zu finden. Aber, wie gesagt, es dauerte nicht lange und man findet sich in der Geschichte wieder zurecht und durch ein paar verstreute Rückblicke auf vergangene Ereignisse erkennt man auch schon bald wieder die Zusammenhänge. Sicherlich drängt sich da an manchen Stellen der Vergleich mit George R.R. Martins „Das Lied von Feuer und Eis“ („Game Of Thrones“) auf, aber Heitz geht einen anderen, eigenständigen Weg in seiner Welt voller Krieg und Intrigen. Auch in den vorliegenden Bänden 4 bis 6 spürt man, dass der Autor seine Geschichte durchdacht hat.

Erwähnenswert ist vielleicht auch noch, dass Markus Heitz sich selbst treu bleibt und in der Ulldart-Saga keine Elfen, Zwerge, Orks oder Drachen erscheinen lässt. Es ist ein Fanatsy–Roman, der von Menschen handelt, von ihrer Suche nach Weltfrieden, aber auch ihrem Streben nach Macht, bei dem sie über Leichen gehen. Vielleicht sind es gerade die fehlenden Fantasiegeschöpfe, die dieser Reihe eine gewisse Authentizität verleiht, die man als Fan von Fantasyliteratur genießt, weil sie schlichtweg mal etwas anderes serviert. Die Charakterisierung der Protagonisten geht auch in den mittleren drei Bänden der Saga konstant weiter und man erfährt wieder einiges über die liebenswerten, aber auch hassenswerten Personen. Wie schon bei den ersten Bänden widmet Heitz seine Kapitel immer wieder einem anderen Protagonisten, so dass man schon bald in einen angenehmen Lesefluss der Geschichte gerät. Hin und wieder ertappte ich mich dabei, wie ich an die ersten beiden Teile der Geschichte zurückdachte und mir immer wieder in Erinnerung rief, welch epischen Ausmaße die eigentlich sanft beginnende Geschichte angenommen hat. Das zeigt, das Markus Heitz den Spannungsbogen langsam Band für Band höher schraubt und der Story immer gewaltigere Ausmaße verleiht. Das schafft nicht jeder Autor so konsequent.

Markus Heitz schlägt bei den mittleren drei Bänden der Saga (insgesamt neun Teil) einen weitaus düstereren Weg ein als bei den Einstiegsbüchern. Gerade das macht dem Leser aber immer wieder deutlich, wie sich die Ereignisse in Ulldart überschlagen und in Zukunft noch entwickeln werden. Denn vieles deutet immer mehr auf ein unheilvolles, episches Finale hin. Diese konsequente Schaffung einer düsteren, fast schon aussichtslosen Atmosphäre machen den vorliegenden Sammelband zu einem wahren Erlebnis für Freunde von epischer High Fantasy, den man schlecht aus der Hand legen mag, wenn man mal von dem fast zweitausend Seiten umfassenden, und daher leicht unhandlichen Wälzer absieht. 😉
Immer wieder dachte ich mir beim Lesen, dass eine solche Sammlerausgaben, wie Piper sie nun vorlegt (jeweils drei Bände in einem Sammelband) als gebundene Ausgaben eventuell besser funktioniert hätten, weil sie mehr „her gemacht“ hätten. Aber auch als broschierte Ausgabe kann man diesen zweiten Sammelband, wie schon den ersten, uneingeschränkt empfehlen.

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Fazit: Band 3 bis 6 der Ulldart-Saga in einem Band. Niveauvolle und spannende High Fantasy.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Psycho-Pat von Mari März

Psychop

Erschienen als Taschenbuch
im Verlag DIE TEXTWERKSTATT „korrekt getippt“
insgesamt  299 Seiten
Preis: 12,95 €
ISBN: 978-3-959-57067-1
Kategorie: Thriller, Drama, Erotik

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Patrizia Fischer war ein erfolgreiches Model, das ein ereignisreiches, ausuferndes Leben geführt hat. Alkohol, Drogen und jede Menge hemmungslosen Sex. Doch eines Tages fasst sie den Entschluss, sich eine Auszeit zu nehmen. Patrizia, auch Pat genannt, sucht sich ein Ferienhaus in Dänemark, um sich zu erholen und zu sich selbst zu finden. Als dann eine Familie ins Nachbarhaus einzieht und Pat sich plötzlich in den Fängen des attraktiven Patrick findet, beginnt sich ihre Welt zu verändern. Und plötzlich erinnert sich Pat an einen Abschnitt aus ihrer Vergangenheit, den sie die letzten Jahre durch ihre Medikamente immer erfolgreich verdrängt hatte.

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Mari März, von der ich bislang nur hervorragende Kurzgeschichten kannte, liefert mit „Psycho-Pat“ einen Roman ab, der während des Lesens unglaublich gut unterhält und nach dem Lesen noch lange nachwirkt. Man weiß nicht genau, auf was man sich da einlässt, wenn man den Klappentext kennt und zu lesen beginnt. Immer mehr gerät man in einen Strudel, den die Protagonistin selbst durchlebt, und kann sich schon bald nicht mehr von der Geschichte lösen, so intensiv wird sie beschrieben. Vor allem die Dialoge und die Gedankengänge von Patrizia Fischer haben es mir angetan, denn sie wirken so wahnsinnig authentisch und echt, dass man stellenweise meint, ihre Stimme förmlich zu hören, wenn sie ihre Geschichte erzählt.

„Psycho-Pat“ ist ein Drama, das fasziniert, obwohl im Grunde genommen eigentlich gar nicht viel passiert. Und das ist genau der Grund, warum die Geschichte so hervorragend funktioniert, denn man ertappt sich immer wieder dabei, dass man vergleichbare Situationen schon selbst erlebt hat und ähnliche Gedanken gedacht hat. Hinzu kommt der sehr flüssige Schreibstil, der den Roman zu einem wahren Pageturner macht. Und auch die Gefühlswelt, die von Mari März beschrieben wird, ist in jeder Hinsicht glaubwürdig und mitreißend. Man spürt beim Lesen die Unsicherheiten und Ängste der Protagonistin, aber auch den Mut und die Kraft, um ihr Leben zu ändern (und zu meistern). Diese Seelenqualen und Hoffnungsschimmer sind unglaublich gut gelungen und zeugen von einer sehr guten Recherche. Die Wendung, die die Geschichte irgendwann einmal nimmt, hat mich tief betroffen und auch wütend gemacht. „Psycho-Pat“ zeigt, dass Dinge, die einem als junger Mensch widerfahren, bis ins Erwachsenenalter Auswirkungen zeigen und Menschen psychisch kaputt machen (können). Mari März ist mit ihrem Buch eine perfekte Gratwanderung gelungen, die einerseits unterhält und andererseits auf Missstände in unserer Gesellschaft hinweisen und aufzeigen, warum manche Menschen schlichtweg einen“Knacks“ haben, obwohl sie nach außen hin „normal“ wirken. Mit Patrizia Fischer hat Mari März einen sehr sympathischen Charakter erschaffen, für den man großes Mitleid empfindet.

Nun komme ich noch zu einer Sache, die ich eigentlich in der Belletristik gar nicht mag, nämlich die explizite Beschreibung von Sexszenen, die manches Mal sogar pornografisch wirken. Es gab bis dato nur einen einzigen Schriftsteller, der mich in dieser Hinsicht überzeugen konnte: Samuel R. Delany. Er hat es geschafft, Sexszenen literarisch und nicht plump wirken zu lassen. Mari März nähert sich Delany auf gewisse Art und Weise, denn auch sie schafft es, bei mir Emotionen auszulösen, wenn ich ihre sexuellen Beschreibungen lese. Man kann die wirren Gedanken, die Pat während ihrer ausufernder Sexorgien heimsuchen, durchaus verstehen und nachvollziehen, zumal bei den „harten, detaillierten“ Beschreibungen auch die Emotionen nie zu kurz kommen. Das ist genau die richtige Mischung, damit solche Szenen nicht unbeholfen oder gar peinlich wirken. März beschreibt diese Situationen wie einen Drogenrausch (und in keinem geringeren befinden wir uns, wenn wir sexuell erregt sind 😉 ) und vergisst dabei nicht die „romantische“ Gefühlswelt, die einen dabei durchströmt. Und genau deswegen funktionieren diese Szenen in „Psycho-Pat“ und machen die Protagonistin zu einem greifbaren Menschen, der sich auch einmal „gehen lässt“.
Mari März hat einen beeindruckenden Roman über eine „kranke“, aber sehr starke Frau geschrieben, die ihr Leben verändern will. Ich bin begeistert …

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Fazit: Beeindruckende Charakterstudie einer „kranken“ Frau, die nachhaltig auf den Leser einwirkt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Am Abgrund von Michael Grumley

Am Abgrund von Michael Grumley

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  524 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31889-2
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Mitten im Arktischen Ozean wird auf einer einsamen Insel eine geheimnisvolle Kammer entdeckt, in der sich mysteriöse Samenkapseln befinden. Genauere Untersuchungen ergeben, dass es sich dabei um etwas Außerirdisches handeln muss. Ermittler John Clay und die Meeresbiologin Alison Shaw wollen zusammen mit Freunden, Helfern und natürlich den Delphinen Sally und Dirk das Geheimnis enträtseln. Und sie stoßen dabei auf unglaubliche Erkenntnisse, die sie an der gängigen Theorie der Evolution zweifeln lassen …

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Es geht also weiter mit Alison Shaw und den sprechenden Delphinen Sally und Dirk. Nach „Breakthrough“ und „In der Tiefe“ liegt nun der dritte Teil der Serie vor, der wissenschaftliche Aspekte und spannende Abenteuer geschickt vermischt. Die Handlung schließt nahtlos an das Ende des zweiten Teils an, so dass man nicht lange braucht, um wieder mitten im Geschehen zu sein. Michael Grumley widmet sich in diesem Band leider wieder mehr politischen Geschehnissen und richtet sein Augenmerk auf Spionage und dergleichen. Mir fehlten da schlichtweg die weitaus besseren Szenen, in denen es um die „sprechenden“ Tiere und die wissenschaftlichen Belange ging. Denn dann las sich das Buch wieder, wie schon bei den vorherigen Teilen, wie ein Abenteuer aus der Feder eines Michael Crichton. Die Agentenstory hingegen zog sich, zumindest aus meiner Sicht, immer etwas in die Länge, so dass ich es kaum erwarten konnte, wieder zurück zu Alison Shaw und ihren Delphinen zurückkehren zu können.

„Am Abgrund“ kann, wie bereits Band 2, das Niveau und den Spannungsbogen des ersten Teils nicht halten, was aber nicht bedeutet, dass das Buch schlecht ist. Grumley musste die Handlung mehr ausdehnen, um auch noch Folgebücher füllen zu können, denn er hat bereits die Teile 4 und 5 veröffentlicht. Insgesamt ergibt sich dennoch nach Abschluss des dritten Bandes ein rundes Gesamtbild, das den Leser zufriedenstellt. Ich war allerdings etwas irritiert, als am Ende des vorliegenden Bandes plötzlich von einer Person namens Palin die Rede, die die ganze Zeit nie erwähnt wurde. Ganz schwach klingelte es bei mir, als ich den Namen las und ich konnte mich dann auch glücklicherweise wieder erinnern, um wen es sich dabei handelte. Da hätte Grumley bereits auf den ersten Seiten des dritten Bandes den Faden bezüglich dieser Person wieder aufnehmen sollen, um den Handlungsstrang verständlicher zu machen. Denn man hatte tatsächlich vergessen, dass es Palin gab. 😉

Wie schon in den ersten beiden Bänden konnten die Beschreibungen und Szenen bei mir absolut punkten, in denen es um die Kommunikation mit Tieren ging. Diese Stellen waren sehr stimmungsvoll und verschafften mir immer wieder aufs Neue eine heimelige Atmosphäre, in der ich mich sehr wohl fühlte. Da hätte ich mir einfach mehr davon gewünscht, um den wissenschaftlichen Abenteuercharakter des Plots mehr herauszuheben. Aber Grumley hat sich wohl für den actionreicheren Weg entschieden, der zwar auch nicht schlecht ist, aber auf mich nicht innovativ genug wirkte. Da hätte der Gesamthandlung  und  -stimmung mit Sicherheit eine etwas ruhigere Gangart gut getan. Aber da sind die Geschmäcker wohl einfach zu verschieden und Grumley wollte sich wahrscheinlich auf die sichere Seite begeben und dem Publikum auch Action bieten. „Am Abgrund“ bietet auf jeden Fall solide und spannende Unterhaltung in bester Pageturner-Manier, denn man kann das Buch einfach schlecht aus der Hand legen. Das liegt zum einen am wirklich sehr flüssigen Schreibstil und zum anderen an den relativ kurz gehaltenen Kapiteln, so dass man sich immer wieder dabei erwischt, „nur noch ein weiteres Kapitel“ zu lesen. 🙂
Ich hoffe wirklich sehr, dass Heyne die Breakthrough – Reihe weiter fortsetzt, denn die Protagonisten, die Delphine und die Gorilla-Dame Dulce sind mir im Laufe der drei Bücher sehr ans Herz gewachsen.

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Fazit: Spannender dritter Teil der Breakthrough-Reihe, der eindeutig mehr auf Action setzt als die Vorgänger-Bände.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Fall von Gondolin von J.R.R. Tolkien – herausgegeben von Christopher Tolkien

gondolin

Erschienen als gebundene Ausgabe
in der Hobbit Presse (Klett-Cotta)
insgesamt 352 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-608-96378-6
Kategorie: Fantasy

Die größten Gegner Mittelerdes stehen sich gegenüber: Morgoth, die Personifizierung des Bösen und Ulmo, der Herr der Meere, Seen und Flüsse. Morgoth ist auf der Suche nach der verborgenen Elben-Stadt Gondolin, denn Turgon, König dieser Stadt, wird von Morgoth gehasst, weshalb er versucht, Gondolin zu finden und zu zerstören. Ulmo sendet den jungen Tuor nach Gondolin, um zum einen die Stadt und ihren König zu retten und zum anderen, zusammen mit den Bewohnern gegen das Böse in den Krieg zu ziehen.

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Der mittlerweile 94 Jahre (!!!) alte Christopher Tolkien hat ein neues Kapitel im Mittelerde-Epos aufgeschlagen und entschlüsselt. Mit einer unglaublichen Akribie und Kenntnis über die Arbeit seines Vaters präsentiert Christopher Tolkien die Geschichte um den Fall Gondolins in sämtlichen existierenden Fassungen und gibt in detailliert geschilderten Kapiteln Aufschluss über die Entstehung und Zusammenhänge. Es ist atemberaubend, wie sich für den interessierten Tolkien-Leser und -Fan Lücken im Gesamtwerk um Mittelerde schließen und man fasziniert erkennt, wie viele Geschichten (auch „Der Herr der Ringe“) miteinander verbunden sind. Sicherlich sind diese Zusammenhänge für den wahren Tolkien-Fan nichts Neues, aber Christopher Tolkien schafft eine sehr hypnotische Stimmung, wenn er die titelgebende Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht und Textfragmente aus dem Erbe seines Vaters wie ein Puzzle zusammensetzt, um ein ganzes Bild zu bekommen.

Fast mutet das Buch wie eine Detektivarbeit an, bei der der Leser aktiv teilnimmt, weil der Autor ihn an seinen Überlegungen hautnah dabei sein lässt. Ich konnte mich sehr schlecht von den „Ermittlungen“ losreißen und war neugierig, wie sich die verschiedenen Geschichten, die Tolkien um die selben Begebenheiten verfasst hat, letztendlich doch wieder zusammenfügen. Christopher Tolkien hat, wie schon bei „Die Kinder Húrins“ und „Beren und Lúthien“, wieder hervorragende Arbeit geleistet und konnte mich mit seinen Überlegungen und Schlussfolgerungen vollends überzeugen. Am Ende war ich traurig, dass die Recherchen nicht noch weitergingen, so sehr hat mich der Sohn in das Werk seines Vaters versinken lassen.

Nun aber zur eigentlichen Geschichte, nämlich dem „Fall von Gondolin“:
J.R.R. Tolkien hat, wie bei all seinen Geschichten, eine Welt erschaffen, der man sich schlichtweg nicht entziehen kann. So auch bei der vorliegenden Geschichte, die sich liest wie eine wahre Begebenheit, die über Jahrtausende von Mund zu Mund weitererzählt wurde. „Der Fall von Gondolin“ klingt wie ein Märchen, wie eine Fabel, aber auch wie eine Legende. Interessant ist auch, wie einerseits unschlüssig und andererseits detailliert Tolkien an diesen Zeitabschnitt von Mittelerde heranging. Die verschiedenen Versionen der Geschichte zeigen, dass er permanent an der Entwicklung der Begebenheiten gearbeitet hat, sie von vielen Seiten aus beleuchtet hat und (wahrscheinlich) unsicher war, welche der Versionen seiner Vision am nähesten kam. Letztendlich fügen sich die verschiedenen Herangehenswesen an den „Fall von Gondolin“ beim Leser am Ende zu einer einzigen, allumfassenden Geschichte zusammen, die von der Atmosphäre auch schon mal an sein Magnus Opus „Der Herr der Ringe“ erinnert. Absolut gelungen sind die unterstützenden Illustrationen von Alan Lee, die das Abenteuer auch noch visuell optimal unterstreichen. Wenn man das Buch zuschlägt, meint man tatsächlich, man hätte eine Art Film gesehen, der, unterstützend durch die Kommentare Christopher Tolkiens, eine Art Dokumentation geworden ist. Fans von J.R.R. Tolkien sollten keine Sekunde überlegen, sich dieses tolle Werk anzuschaffen. Alle anderen, die einmal einen Einblick in Tolkiens Schaffen außerhalb „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ riskieren möchten, lege ich dieses Buch ebenfalls nahe. Vor allem durch die erklärenden Worte des Sohnes erhält die Geschichte eine ganz besondere Tiefe, die man nicht so schnell vergisst.

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Fazit: Wunderbarer Ausflug nach Mittelerde mit dokumentarischem Touch. Volle Punktzahl!

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Orbs von Nicholas Sansbury Smith

Orbs von Nicholas Sansbury Smith

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 400 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31953-0
Kategorie: Science Fiction

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Im Jahr 2061 wird die Erde immer unbewohnbarer, so dass die Menschheit Pläne schmiedet, sich auf dem Mars eine neue Heimat zu suchen. Dr. Sophie Winston lässt mit ihrem Team in einem Biosphären-Habitat in den Rocky Mountains einschließen, um die Mission vorzubereiten. Doch schon nach ein paar Tagen zwingt sie ein Notfall, die Türen des Habitats wieder öffnen. Dr. Winston und ihre Mitarbeiter erwartet eine schreckliche Realität, denn Menschen und Tiere sind ebenso verschwunden wie die Wasserreservoirs des Planeten. Und überall schweben mysteriöse Kugeln in der Luft, die höchstwahrscheinlich die Ursache der Katastrophe sind  …

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Schon die Ausgangssituation der neuen Reihe von Nicholas Sansbury Smith ist sehr stimmungsvoll und lässt schon auf den ersten Seiten eine ungemeine Spannung entstehen. „Orbs“ ist der Einstieg in eine neue Romanserie des Autors, der bereits mit seinem siebenbändigen, im Festa Verlag erschienenen Reihe „The Extinction Cycle“ eine dystopische Welt erschuf. Mit „Orbs“ wendet er sich thematisch aber eher der Science Fiction zu, wobei auch hier der Horrorfaktor nicht zu kurz kommt. Smith hält sich nicht lange mit Vorgeplänkel auf, sondern wirft den Leser sofort und ohne Umschweife in eine deprimierende Zukunftswelt. Seine ‚wissenschaftlichen‘ Ausführungen erinnerten mich so manches Mal an Michael Crichton und verleihen dem Plot eine sehr glaubwürdige Seite. Wie in einem Film begleitet der Leser die Protagonisten und fiebert mit ihnen mit, wenn sie in die einsame und von Aliens bevölkerte Welt treten.

Klar ist die Story nicht neu und man fühlt sich des öfteren an bekannte und weniger bekannte Bücher und Filme erinnert, aber Smith besitzt einen sehr flüssigen Schreibstil, der über darüber hinwegsehen lässt, dass man solch eine Geschichte schon woanders gelesen hat. Wichtig war für mich auch die Atmosphäre, die der Autor mit seiner Dystopie geschaffen hat. Und die ist wirklich richtig, richtig gut und lässt einen die Seiten nur so verschlingen. Die manchmal ruhigen Sequenzen wechseln sich hervorragend mit actionlastigen Szenen ab, so dass niemals Langeweile aufkommt. Sicherlich sind die Charaktere oftmals stereotyp gehalten, aber das hat mich keineswegs gestört, denn es geht in erster Linie um den spannenden Plot und die verlassene Welt, die Smith hier aufgebaut hat. Die Bedrohung durch die Außerirdischen wird auch sehr intensiv und authentisch dargestellt, so dass man beim Lesen hin und wieder eine leichte Gänsehaut verspürt, wenn man sich überlegt, dass eine solche Konfrontation zwischen der Menschheit und einer außerirdischen Intelligenz durchaus genau so stattfinden könnte.

Schade finde ich persönlich wieder einmal, dass von Verlagsseite nicht darauf hingewiesen wird, dass es sich um den ersten Teil einer Reihe handelt. Ähnlich wie bei „Arkane: Das Haus der Drachen“ von Pierre Bordage (bei dem übrigens ebenfalls nicht auf eine bevorstehende Reihe hingewiesen wurde 😦 ) merkt man aber schnell, dass es sich bei „Orbs“ nicht um einen abgeschlossenen Roman handeln kann. Zu episch ist der Plot aufgebaut, als dass er nach 400 Seiten ein Ende finden könnte. Ich habe mich in der Endzeit-Welt von Nicholas Sansbury Smith sehr wohl gefühlt, wenn man das bei solch einer erschreckenden Bedrohung überhaupt sagen kann, und freue mich schon sehr, wenn die Geschichte um Dr. Winston weitergeht. Smith lässt seine Leser sehr neugierig zurück, wenn er seinen Einstiegsroman zu Ende bringt. Das Finale ist zwar nicht unbedingt unbefriedigend, weil es nicht wirklich einen Cliffhanger darstellt, aber man ist dennoch sehr ungeduldig auf die Fortführung der Geschichte, wenn man das Buch zuschlägt. Aus meiner Sicht eine unbedingte Leseempfehlung für Menschen, die dystopische und atmosphärische Science Fiction-Romane mögen. Wie oben schon erwähnt, erinnert mich auch der leicht wissenschaftlich angehauchte und sehr flüssig zu lesende Schreibstil an Michael Crichton.

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Fazit: Stimmmungsvolle, düstere und spannende Science Fiction-Dystopie. Erster Teil einer Reihe.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Judas Goat / Midnight Solitaire von Greg F. Gifune

 

 

Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 420 Seiten
Preis:  13,95  €
ISBN: 978-3-95835-332-9
Kategorie: Mystery, Thriller, Horror

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Zwei Kurzromane / Novellen in einem Band.

JUDAS GOAT: Lenny Cates hat seine Jugendfreundin Sheena seit über zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Umso überraschender ist es für ihn, als sie ihm nach ihrem Tod ein Anwesen vererbt. Als Lenny das Haus aufsucht, wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert, in der auch Sheena eine wichtige Rolle spielt.

MIDNIGHT SOLITAIRE: Vier Fremde suchen während eines heftigen Schneesturms Unterschlupf in einem Motel. Schon bald müssen sie feststellen, dass ein verrückter Killer ihnen nach dem Leben trachtet. Und einer der Gruppe kennt den Mörder, denn er ist schon seit Jahren hinter ihm her …

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Zwei Kurzromane in einem Band von einem meiner Lieblingsschriftsteller Greg F. Gifune. Das ist ja fast wie Weihnachten. 😉
Ich habe mit „Judas Goat“ begonnen, weil mich da schlichtweg die Inhaltsangabe mehr angesprochen hat. Und ich lag richtig: „Judas Goat“ ist, zumindest für mich, die bessere Geschichte. Aber der Reihe nach:
Gifunes Schreibstil ist wie gewohnt, sehr hochwertig. Und auch in diesem etwas kürzeren Roman versprüht der Autor zwischen all seinen mystischen und gruseligen Momenten jede Menge Melancholie, wie man es von ihm kennt. Es ist immer wieder ein Genuss, Gifunes Protagonisten dabei zu begleiten, wenn sie in ihre Vergangenheit zurückkehren und diese bewältigen (wollen). Gifune hat in „Judas Goat“ sein altbewährtes Konzept angewandt, das zwar an manch anderen seiner Romane erinnert, aber keineswegs langweilig wirkt und einen „Schon mal gewesen“-Effekt erzielt. Die Story ist sehr atmosphärisch aufgebaut und zieht den Leser sofort in ihren Bann. Ich habe das einsame und abgelegene Anwesen deutlich vor meinem inneren Auge gesehen und war dadurch hautnah in der Geschichte mit dabei. Genau solche Storys wie „Judas Goat“ sind es, die mich zu einem absoluten Fan von Greg F. Gifune machten. Er hat mich wieder einmal alles andere als enttäuscht.

Kommen wir nun zur zweiten Geschichte mit dem Titel „Midnight Solitaire“, die natürlich wieder für Gifune typische Elemente enthält, aber sich von „Judas Goat“ dennoch ein wenig unterscheidet. Während in der zuerst von mir besprochenen Story eher wenig Action passiert, verhält es sich bei „Midnight Solitaire“ schon ein wenig anders. Der Plot hat mich desöfteren an einen typischen Slasherfilm der 80er Jahre erinnert, in dem sich ein paar Protagonisten einem gefährlichen Killer gegenüberstehen und um ihr Überleben kämpfen müssen. Hier wendet Gifune eindeutig mehr Action an und erzählt sehr rasant ein Belagerungsszenario in einem einsamen Motel. Doch auch hier kommen Elemente vor, die mir an Gifune so sehr gefallen und in denen er Lebensweisheiten beschreibt, die man entweder selbst bereits kennt oder über die man sich dann zumindest Gedanken macht. Die Geschichte ist allerdings ein wenig vorhersehbar, zumindest was die Handlungsweise der Protagonisten betrifft. Hier könnte man durchaus sagen, dass man das alles entweder schon mal gelesen oder in einem Film gesehen hat. Aber Gifune verleiht der Geschichte dennoch einen ganz eigenen Touch, der im Gedächtnis des Lesers haften bleibt und ihn nicht unbefriedigt zurücklässt. Gifunes ruhigere Geschichten sprechen mich persönlich aber eindeutig mehr an, nur mal so nebenbei. 😉

Beide Novellen unterstreichen wieder einmal das Können von Greg F. Gifune und fügen sich in das Schaffenswerk des Autors nahtlos ein. Atmosphärischer und melancholischer kann man Mystery-Horror-Thriller nicht schreiben. Greg F. Gifune muss man einfach lesen. Es „menschelt“ in seinen Geschichten so sehr, dass man süchtig danach wird.

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Fazit: Zwei atmosphärische und melancholische Novellen von einem Meister seines Fachs.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Star Wars – Die letzten Jedi von Jason Fry

Star WarsDie letzten Jedi von Jason Fry

Erschienen als Taschenbuch
im Penhaligon Verlag
insgesamt 444 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-7645-3207-9
Kategorie: Science Fiction

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General Leia Organa kämpft mit dem Widerstand gegen die Erste Ordnung , die eine neue Bedrohung für die Freiheit der gesamten Galaxoe darstellt. Zur gleichen Zeit sucht Rey den legendären Jedi Luke Skywalker, um ihn dafür zu gewinnen, sie bei ihrem Kampf zu unterstützen. Als dann Kylo Ren telepathischen Kontakt mit Rey aufnimmt, wird ihr immer bewusster, dass sie ebenfalls etwas besonderes ist.

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 Es ist ja immer so eine Sache mit Romanen, die nach einem Drehbuch entstanden sind. Oftmals sind sie eine schlichte Nacherzählung von dem, was man bereits im Film gesehen hat. Manchmal sind solche Romane aber auch eine Bereicherung und lassen während des Lesens nicht nur den Film wieder im eigenen Kopfkino noch einmal ablaufen, sondern liefern noch einige Hintergrundinformationen. So geschieht es auch bei Jason Frys Romanversion des Star Wars-Abenteuers „Die letzten Jedi“. Zum einen schildert der Autor sehr bildhaft den Plot des Films und zum anderen erfährt man auch einiges über die Gedankenwelt der Protagonisten und wie so manche Begebenheiten zusammenhängen. Ich hatte auf jeden Fall einen Riesenspaß während des Lesens und bekam nochmals so richtig Lust auf den Film, den ich übrigens für absolut gelungen und toll halte.

Jason Frys Schreibstil ist sehr flüssig und daher absolut gut zu lesen. Durch diesen angenehmen Stil entwickelt sich das Buch, auch wenn man den Film bereits kennt, zu einem wahren Pageturner. Der Autor ist selbst ein Star Wars-Fan, was man seinem Roman durchaus anmerkt. Mit einer Detailverliebtheit werden auch vergangene Begebenheiten in die Handlung eingebaut, so dass sich ein gelungenes rundes Gesamtbild ergibt, das sich hervorragend in das (neue und alte) Star Wars-Universum einpasst. Denn geschickt jongliert Fry zwischen den beiden Star Wars-Universen: Während im „alten“ Kanon Han Solo und Leia Organa drei Söhne haben (die allerdings in keinem Film, sondern nur in Romanen und Comics vorkommen), wurde im Kanon, der seit der Übernahme der Disney Studios erfolgte, nur ein Sohn geboren, nämlich Ben Solo aka Kylo Ren. Fry umgeht die Problematik, erwähnt die anderen Kinder der Solos nicht, widmet sich aber dennoch den alten Filmen und Romanen. Diese „Unstimmigkeit“ wurde aus meiner Sicht geschickt gelöst und hat mich alles andere als enttäuscht.

Jason Frys Roman liest sich wie ein eigenständiger Roman und nicht wie ein typisches Filmbuch.  Wer den Film nicht mochte, wird sich durch diesen Roman wahrscheinlich auch nicht überzeugen lassen. Aber die Story erweitert die Filmhandlung auf sehr befriedigende Weise und lässt den Leser an zusätzlichen Szenen teilhaben, die im Film nicht zu sehen waren. Ich finde durch diese Lektüre den Film nun im Nachhinein tatsächlich noch besser, als ich ihn ohnehin schon fand. 😉 Wer, wie ich, „Die letzten Jedi“ als Film genossen hat, wird eine Erweiterung des Plots entdecken und auch eine gewisse Tiefe in den Charakterbeschreibungen, so dass der Roman in manchen Belangen sogar fast schon eine neue Perspektive zum Film darstellt. Gerade die ruhigen Szenen auf Ahch-To, dem Planeten, auf dem sich Luke versteckt, wirken auch im Roman sehr atmosphärisch und machen geradezu süchtig. Fry hält sich schlichtweg an die Stimmung der Filmvorlage und versucht nicht, ein actionlastigeres Abenteuer zu machen. Wenn Luke über die Macht und die Lehren der Jedi spricht, bekommt man einen sehr tiefen Einblick in den Charakter und die Unentschlossenheit des Protagonisten. Das hat mir außerordentlich gut gefallen und trägt mit Sicherheit dazu bei, dass ich den Film beim nächsten Mal mit anderen Augen sehen werde. Es wirkt, als hätte Fry anscheinend sehr eng mit Regisseur Rian Johnston zusammengearbeitet. Für mich auf jeden Fall wieder ein Highlight im literarischen Star Wars-Kosmos, das man als Fan (aber auch als Nichtfan) unbedingt lesen sollte.

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Fazit: Sehr stimmungsvolle und gelungene Romanadaption des achten Star Wars-Abenteuer.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Splitterwelten 3 – Flammenwind von Christoph Dittert und Michael Peinkofer

splitterwelten

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
364 Seiten
14,00 €
ISBN: 978-3-492-26990-2

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Kalliope und ihre Gefährten versuchen, das Geheimnis der Magierin Harona zu ergründen. Was steckt hinter ihrer Macht und was hat sie vor? Kalliope und ihre Freunde reisen nach Ethera und finden dort eine Antwort, die die Existenz sämtlicher Weltensplitter bedroht …

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Es geht weiter mit Kalliope … und selbst wenn einige Zeit zwischen dem vorliegenden, abschließenden Band und seinen beiden Vorgängern verstrichen ist, so fällt der Einstieg nicht wirklich schwer. Man findet sich schnell wieder im Splitterwelten-Universum zurecht und schließt sofort wieder Freundschaft mit den liebenswerten Protagonisten. Geschickt werden auch vergangene Geschehnisse in die aktuelle Handlung eingebaut, so dass man auch den Überblick über das Gesamtgeschehen nicht verliert und sich schnell wieder auf einem guten Kenntnisstand befindet. Die Splitterwelten-Saga von Christoph Dittert und Michael Peinkofer macht, wie schon die ersten beiden Bände, unglaublich Spaß. Erstaunlicherweise verhält es sich auch wieder hier so, dass sich der Schreibstil der beiden Autoren perfekt vermischt, so dass man meint, nur ein einzelner Autor hätte den Roman geschrieben. Ich muss sagen, die Symbiose der beiden Schriftsteller passt perfekt. 😉

Das Abenteuer geht also weiter. Und es geht sehr rasant weiter. Nach einem Einstieg, der NICHT das Cliffhanger-Ende des zweiten Bandes fortführt :), kehrt der Leser dann endlich zurück in den Handlungsstrang von Kalliope und ihren Gefährten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist man wieder von der Handlung vollkommen gefangen und denkt, man hätte Teil 2 nicht vor einem Jahr, sondern vor einem Monat zur Seite gelegt. Wie erwartet, entwickelt sich der abschließende Band der Trilogie zu einem epischen Kampf, der sehr bildhaft im Kopfkino des Lesers abläuft und keine Wünsche offen lässt. Drama, Humor, Action und Fantasy vermischen sich perfekt zu einem Szenario, das man schon während des Lesens nicht verlassen möchte und schon gar nicht, wenn man das Buch am Ende zuschlägt. Die drei „Splitterwelten“-Romane sind ein intensives Lesevergnügen, das man gerne noch einmal lesen möchte. Die Entwicklung der Charaktere im letzten Band fand ich sehr schön und plausibel dargestellt, vor allem auch die Beziehung zwischen Kalliope und ihrer Jugendfreundin Prisca. Die Freundschaft, die die beiden verbindet, wurde trotz diverser Differenten sehr gut beschrieben. „Flammenwind“ war, wie von Peinkofer (und Dittert) gewohnt, ein echter Pageturner, der sich innerhalb kürzester Zeit einfach so weglesen lässt. Manchmal gibt es einfach Bücher, die lesen sich sozusagen von selbst 😉 – und genau so eines ist auch „Splitterwelten 3 – Flammenwind“.

Freunde von High Fantasy und klassischer Fantasy kommen auch hier wieder auf ihre Kosten. Und die Animalen (die Tier-Protagonisten dieser Reihe) sind wieder dermaßen erfrischend, dass es eine wahre Freude ist, ihnen bei ihren Dialogen und Monologen „zuzuhören“. Ich habe mich immer wieder gefreut, wenn die Autoren wieder auf den Handlungsstrang mit dem Pantheriden und Chamäleoniden schwenkten. Und, genau so, wie ich es erwartet habe, führen die beiden Autoren die Geschichte um die Zukunft der Splitterwelten mit einem sehr rasanten Spannungsbogen fort, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Ich könnte mir eine Verfilmung der drei Bände sehr gut vorstellen. Das Finale würde als Film wahrscheinlich sogar noch besser funktionieren als im Buch. Die lebendigen Charaktere und die komplexe, originelle Handlung machen aus dem abschließenden Splitterwelten-Roman ein Highlight, das aber nur in Verbindung mit den vorherigen Bänden funktioniert. Insgesamt rundet der finale Teil die spannenden Abenteuer mit jeder Menge überraschender Wendungen das Gesamtbild optimal ab und hinterlässt beim Leser (zumindest bei mir) einen bleibenden Eindruck. Und auch wenn die Ideen nicht alle unbedingt neu sind, so haben Dittert und Peinkofer ein wunderbares, fantastisches Universum erschaffen, an das man immer wieder gerne zurückdenkt. Mehr kann man doch von einem Fantasy-Roman gar nicht erwarten, oder? 😉

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Fazit: Gelungener Abschluß einer fantastischen Trilogie mit starken Charakteren und einer stimmungsvollen Geschichte.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Gork – Der Schreckliche von Gabe Hudson

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Erschienen als gebundene Ausgabe
in der Hobbit Presse (Klett-Cotta)
insgesamt 432 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-608-96268-0
Kategorie: Fantasy, Humor

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Gork ist ein Teenager-Drache, der auf der Suche nach einer Partnerin für die EierLege, einem Fortpflanzungsfest, ist. Runcita heißt die Auserwählte, die aber erst einmal kein Interesse an Gork zeigt. Hinzu kommt, dass Gork nicht nur um das Herz seiner Angebeteten kämpfen, sondern sich auch gegen gemeine Rivalen behaupten muss. Keine leichte Aufgabe für einen Drachen in der Pubertät …

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Hmmm, ich weiß gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Ich war sehr neugierig auf dieses Buch, zumal es mit Werken von Terry Pratchett und /oder Douglas Adams verglichen wurde. Okay, am Anfang hat das Konzept bei mir auch noch funktioniert und ich habe mich unterhalten und auch manchmal amüsiert. „Gork“ mit Pratchett oder Adams gleichzusetzen ist allerdings sehr weit hergeholt und trifft meiner Meinung nach definitiv nicht zu. Hudson geht einen anderen Weg und besitzt einen anderen Humor als die beiden genannten, der mir persönlich nicht besonders zusagte. Wie schon gesagt, anfangs sprang eine Art Funke über, der aber mit jeder Seite, die ich mehr las, immer mehr verglühte und schließlich ganz verschwand. Letztendlich nervten mich die immer wiederkehrenden Witze um den „grünen, geschuppten Arsch“ und ich konnte einfach nicht mehr darüber lachen. Und auch wenn es lustig sein soll, Tolkien als Tolkien-Trottel oder minderbemittelten Mistkerl zu beschreiben finde ich schon irgendwie grenzwertig, Spaß hin oder her, „Der Hobbit“ als sinnfreies Geschreibsel zu bezeichnen finde ich nicht wirklich witzig. Humor ist für mich schon etwas anders. Aber da sind die Geschmäcker wohl verschieden.

Gabe Hudsons Schreibstil würde ich nicht als niveauvoll bezeichnen, sondern eher als flapsig jugendlich, was für mich nach einer gewissen Seitenzahl auch ein leichtes Ärgernis darstellte. Manchmal fühlte ich mich an Walter Moers erinnert, der allerdings bedeutend niveauvoller und literarischer arbeitet, so dass es mir bisweilen vorkam, als wolle Hudson den genannten Autoren (womöglich Hudsons literarische Vorbilder) nacheifern, was ihm allerdings leider nicht gelang. „Gork“ hat sicherlich einige, wenngleich wenige, Lichtblicke, die Spaß machen und immer wieder hoffen lassen, dass sich der Plot (und der Humor) ändert. Aber zumindest ich wurde leider immer wieder aufs Neue enttäuscht. „Gork“ vermischt einen niedlichen „Tabaluga“-Drachen mit herbem Humor und macht sich selbst zu einem Roman-Hybriden, der nicht genau weiß, ob er in die Sparte „Jugend- / Kinderbuch“ oder „Erwachsenenmärchen“ a la Walter Moers gehört. Um mit letzterem konkurrieren zu können, fehlt „Gork“ allerdings jeglicher Tiefgang.

Ganz so schlimm, wie meine Worte klingen mögen, ist „Gork“ nun doch auch wieder nicht. Und für jemanden, der humorige Fantasy mag, dürfte das Buch zumindest einen Blick wert sein. Unterhaltung ist gegeben und der relativ einfach gestrickte Plot um den niedlichen, tollpatschigen Drachen hat einen gewissen Reiz, das will ich nicht abstreiten. Mein Fall war es leider nicht, zumal ich bei einem Buch, das in der Hobbit Presse erscheint, einfach mehr Niveau oder literarische Ausgefeiltheit erwartet habe. Mich hat „Gork – Der Schreckliche“ leider nicht überzeugt, obwohl ich mir gewünscht hätte, er hätte es getan.

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Fazit: Einfach konstruiert und mit einem gewöhnungsbedürftigen Humor ausgestattet. Mein Fall war es leider nicht.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten