Der Untergang der Hölle von Jeffrey Thomas

Unterganghölle

Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
377 Seiten
13,95 €
ISBN: 9783-86552-247-4

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Vee erwacht nach einem über hundert Jahre währenden Schlaf und findet sich nackt in einen Steinblock eingemauert. Es dauert nicht lange und sie stellt mit Hilfe eines sprechenden Knochengewehrs fest, dass sie sich in der Hölle befindet und in einen Krieg zwischen Engeln und Dämonen verwickelt ist. Auch ihr Vater scheint bei dieser höllischen Auseinandersetzung die Hände mit im Spiel zu haben. Vee macht sich auf den Weg durch eine apokalyptische Welt, um das Geheimnis ihrer Identität zu ergründen.

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 Wie schon in „Tagebuch aus der Hölle“ findet die Handlung des vorliegenden Romans ebenfalls in einer apokalyptischen Hölle statt, die Jeffrey Thomas sehr bildreich darstellt. Da fühlt man sich schon manchmal an die visionären Welten eines Clive Barker erinnert, wobei der Schreibstil von Thomas leider die Qualitäten Barkers nicht erreicht. Vor allem der Anfang von „Der Untergang der Hölle“ macht richtig Spaß, weil man mit der Protagonistin miträtselt, wo und warum sie sich in einer derart prekären Lage befindet. Auch die Idee der sprechenden, manchmal etwas vorlauten Schusswaffe aus Knochen hat mir gefallen, wenngleich gegen Ende der Geschichte so manch „dummer Spruch“ aus dem Gewehrmund kommt, den Thomas wohl besser hätte weggelassen. Aber da sind die Geschmäcker ja verschieden und ich kann mir durchaus vorstellen, dass gerade diese lustigen Einschübe manch einem Leser ein Grinsen auf die Mundwinkel zaubern. Mir persönlich wäre eine dramatischere und weniger kabarettistische Vorgehensweise lieber gewesen.

Die Welt, die Jeffrey Thomas in seinem neuen Roman beschreibt, ist, wie gesagt, sehr bildreich geschildert und lässt einen live dabei sein. „Tagebuch aus der  Hölle“ war aber aus meiner Sicht realistischer (und dadurch auch besser) und vor allem, viel blasphemischer. Da haben mir die vielen „kirchenfeindlichen“ Anspielungen weitaus besser gefallen, als im vorliegenden Buch.

Leider entgleitet Thomas zum Ende des Romans die sprachliche Gewandheit und oft kam es mir vor, als lese ich ein „John Sinclair“-Romanheft. Da waren mir ein paar Passagen leider zu platt und einfach gestrickt. Insgesamt macht aber auch der zweite Ausflug in Jeffrey Thomas‘ „Hölle“ wieder ungemein Spaß. Vor allem die Zusatzgeschichte „Die verlorene Familie“ (ein Bonus wie auf einer DVD oder BluRay) hat mir so richtig gut gefallen. Toll, dass der Festa-Verlag dieses „Schmankerl“ in der deutschen Ausgabe mit veröffentlich hat.

Das Cover ist, wie beim Festa-Verlag gewohnt, enorm ansprechend und optimal gestaltet. Der Festa-Verlag ist einer der wenigen Verlage, bei denen ich die Bücher alleine schon wegen der Cover mag. Die sind einfach absolute Eye-Catcher. 😉

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Fazit: Jeffrey Thomas‘ zweiter Ausflug in die Hölle kann leider nicht so überzeugen, wie der Vorgänger „Tagebuch aus der Hölle“, vermag aber dennoch den Leser geschickt in eine apokalyptische, dystopische Welt entführen, die sehr bildlich dargestellt wird.

© 2014 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ein Schatten von Verrat und Liebe von Diana Gabaldon

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im blanvalet Verlag
insgesamt 190 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN ISBN 978-3-89425-436-0
Kategorie: Historischer Roman

Zunächst einmal: Ich finde es sehr schwer, hier eine Inhaltsangabe zu präsentieren, die nicht annähernd zu viel verrät, denn das wäre eine Schande. Nun, ich versuche es:

Im Sommer des Jahres 1778 befindet sich Claire in Philadelphia, inmitten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Marsali und Fergus betreiben dort ihre Druckerei, Claire hat, um einer Verhaftung zu entgehen, eine Ehe geschlossen, da sie zusätzlich seit Wochen mit dem Wissen leben muss, dass Jamie tot ist. Ertrunken bei einem Schiffsunglück, gemeinsam mit seiner Schwester Jenny.

Nun, Jamie hat offensichtlich mehrere Leben, ähnlich wie man es Katzen nachsagt und alle Beteiligten sind natürlich überglücklich, als er unversehrt wieder auftaucht. Einerseits, denn andererseits löst Jamies Erscheinen einige Reaktionen aus, die man folgenschwer nennen könnte.

Die Briten beginnen ihren Rückzug aus Philadelphia. Sie wollen in Richtung New York ziehen. Die Loyalisten aus der kürzlich noch besetzten Stadt reisen mit der Armee unter deren Schutz. George Washington hat jedoch seine eigenen Pläne und hier spielt Jamie – natürlich – wieder eine wichtige Rolle.

William, der durch Jamies Auftauchen urplötzlich und ohne Vorwarnung erfährt, dass Lord John Grey nicht sein Vater ist, sondern der Schotte, aus dessen Gesicht er geschnitten zu sein scheint, sieht rot und rastet völlig aus.

Claire, die im Haus von Lord John Grey dessen asthmatischen Bruder vor dem Erstickungstod rettet, weiß nicht, ob sich ihre Ehemänner gegenseitig umgebracht haben oder nur einer den anderen. Jedenfalls bleibt einer der Beiden unauffindbar.

Brianna und Roger Mac waren, zur Erinnerung zurück in die Gegenwart gereist, damit der Herzfehler ihrer kleinen Tochter Mandy behoben werden konnte. Solch ein Eingriff war Claire im 18 Jahrhundert nicht möglich. Als jedoch ihr Sohn Jem entführt wird, sieht Roger nur eine Möglichkeit: Er muss zurück in die Vergangenheit reisen, um Jem zu suchen, denn dorthin wurde der Junge offensichtlich entführt, da sind sich die beiden sicher. Denn er hat Kenntnis von Dingen, die ihm zu einem wichtigen Informanten machen. Roger macht sich gemeinsam mit seinem Ururur…Großvater Buck auf die Reise.

Brianna ist unterdessen in Lallybroch im Jahre 1980 allein auf sich gestellt, als nicht nur ihr Leben angegriffen wird und sie sich sichtlich in Gefahr befindet. Sie sieht keine andere Möglich für sich und ihre Familie: auch sie muss in die Vergangenheit zurück, sie muss ihren Mann Roger finden. Doch der befindet sich leider nicht in der vermuteten Zeit …

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Vier lange Jahre mussten wir Fans auf den neuen Roman der Highland Saga warten. So lange schreibt Diana Gabaldon an solch einem Mammutwerk. Herausgekommen sind knapp 1000 wunderbare Seiten, die so sehr fesseln, dass sie dennoch wie im Fluge vergehen und man nach der letzten Seite denkt: Wie, das war es jetzt schon wieder???

Ich habe mich sehr auf den neuen Band gefreut, konnte es kaum abwarten, obwohl die Autorin uns die Zeit bereits durch einen Lord John Roman und einen Band mit Kurzgeschichten verkürzt hat.

Dieser achte Band der Highland-Saga beinhaltet wieder alles, was diese Romane ausmacht. Viel Historisches, das durch Diana Gabaldon wieder sehr gut recherchiert wurde und durch ihre wunderbare Art zu schreiben, sogar für Nicht-Geschichtsfreaks absolut verständlich und sogar spannend ist. Dann natürlich die wunderbare Beziehung zwischen Jamie und Claire, diese Liebe, die besonders, für mich aber nicht kitschig ist. Weiter geht’s mit den vielen anderen wichtigen Personen, die wir Leser im Lauf der letzten Bände kennengelernt haben und die wir alle wiedertreffen. Lord John, seinen Bruder Hal, William, Ian, Fergus, Marsali, deren Kinder, alle waren sie da und haben großen Anteil an der Handlung.

Die Autorin beginnt mit einigen Handlungssträngen, die sich irgendwann kreuzen, eine Weile gemeinsam laufen, sich wieder trennen. Sie hat den Roman in mehre Teile aufgeteilt, wovon einige die Ereignisse um Jamie und Claire erzählen, andere die um Brianna und Roger Mac. Wobei Jamie und Claire ganz klar überwiegen.

Auch an Kampf, Intrigen, Dramatik, Humor und Gabaldons bekannter Erotik mangelt es nicht. Dieser achte Band erschien mir so kurzweilig, wie es längst nicht alle taten. Ich kann mich erinnern, dass ich im dritten Band (Ferne Ufer) und auch im sechsten (Ein Hauch von Schnee und Asche) einige Phasen hatte, die ich als recht zäh empfand. Dies war hier nicht der Fall. Ich flog nur so durch die Handlung, obwohl man den hochwertigen und auch komplexen Schreibstil von Gabaldon sicherlich mit hoher Aufmerksamkeit lesen muss. Denn nur für „mal eben zwischendurch“ einige Zeilen lesen, ist dieser Roman nicht gemacht.

Sehr nett fand ich die Geste von Diana Gabaldon an ihre deutsche Übersetzerin Barbara Schnell, zur der die Autorin schon lange ein sehr freundschaftliches Verhältnis pflegt. Sie hat Jamie einen deutschen Adjudanten namens Schnell an die Seite gestellt. Ich denke, das ist nicht nur mir als Fan sofort aufgefallen!

Der Roman ist wieder als schöne gebundene Ausgabe, mit Leseband, erschienen. Der weiße Schutzumschlag ist optisch der gesamten Reihe angepasst. Diesmal gibt es allerdings nicht auf der Rückseite einen Familienstammbaum, wie in „Echo der Hoffnung“. Der deutsche Titel gefällt mir dieses Mal jedoch nicht so gut. Den Originaltitel „Written in My Own Heart’s Bloood“ finde ich in der deutschen Wahl nicht annähernd wieder. Offensichtlich wird hier nur darauf geachtet, dass der deutsche Titel klanglich in die Reihe passt. Für mich hat es zur Folge, dass ich mir den Titel nicht merken kann und ständig „Ein Hauch von Verrat und Liebe“ sagen will 🙂 .

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für das neueste Mammutwerk der Autorin um Jamie und Claire. Der gewohnt gehobene, sehr umfassende und ausführliche Schreibstil, bietet alles, was das Leserherz begehrt: Liebe, Hass, Spannung, Drama, Schreckliches, Erotik und vieles mehr.

Nun müssen wir leider wieder 4 lange Jahre auf einen weiteren Teil warten. Jedoch haben die Fans ja ein weiteres Highlight, welches sie alsbald auch in Deutschland genießen können. Der erste Roman „Feuer und Stein“ ist bereits als Serie abgedreht und wird in den USA schon ausgestrahlt. „OUTLANDER“. Die Bilder und Trailer der Fanseite, die ich gesehen habe, machen mehr als neugierig!

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Ich danke dem blanvalet Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2014

Ein Schatten von Verrat und Liebe von Diana Gabaldon – Band VIII der Highland Sag

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Heute ist es eingetroffen, druckfrisch vom blanvalet Verlag !!!!

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In einigen Tagen hat das lange Warten endlich ein Ende! Der achte Band der Highland-Saga von Diana Gabaldon erscheint am 21.07.2014 auch hier in Deutschland. 992 Seiten warten auf uns Fans und ich bin sicher, dass wir jede einzelne genießen werden.

Heute habe ich bereits mein Leseexemplar vom Verlag erhalten und ich bin nicht nur sehr gespannt, ich freue mich wirklich riesig!

Ich werde so schnell lesen und meine Meinung dazu niederschreiben, wie unser Baby mich lässt 🙂 .

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Liebe Grüsse
Marion

Nebelgrab von Barbara Klein

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Erschienen als Ebook
bei edition oberkassel
ISBN: 9783943121360
Kategorie: Krimi

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Adrian Seemann ist ein junger, strebsamer Reporter, der für die Lokalzeitschrift „NRW“ – Niederrheinwoche, schreibt. Als seine Chefin ihn zu dem alternden Professor im Ruhestand namens Wiedener schickt, ist er nicht begeistert. Der Mann hat ein Buch geschrieben, dass er unbedingt verlegt haben und deshalb gerne durch die Zeitungen bewerben würde. Da jedoch von den großen Blättern keines reagiert, will die „NRW“ die Story bringen. In seiner selbst verfassten Pressemitteilung tut der Autor sehr geheimnisvoll, schreibt von Dingen die „lange vermutet, nun endlich ausgesprochen werden“.

Adrian vereinbart einen Termin mit Wiedener. Zum Interview kommt es jedoch nicht. Als der junge Reporter zu der Verabredung erscheint muss er zu seinem Schrecken feststellen, dass der Professor tot ist. Anstatt die Polizei zu rufen reagiert Adrian aus einem Impuls heraus: Er nimmt das Manuskript, welches der Professor veröffentlichen wollte an sich und verschwindet.

Er beginnt zu lesen und ist umgehend gefesselt von der – anscheinend wahren – Geschichte aus der Vergangenheit. Adrian beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, denn er wittert nun doch eine reisserische Story. Und wie der Zufall es so will, scheint seine eigene Tante Martha zur Aufklärung beitragen zu können …

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Die Inhaltsangabe zu diesem Roman der in der edition oberkassel erschienen ist, hat mich neugierig gemacht und ich wurde nicht enttäuscht. Die Autorin Barbara Klein liefert einen sehr gut lesbaren, spannenden Krimi. Die Sprache ist gut ausformuliert, die Charaktere sind gut ausgearbeitet.

Die Autorin hat eine regionale Legende der Stadt Süchteln (die Irmgardis Legende von Süchteln) mit einer erdachten Handlung aus der realen Gegenwart gekonnt verwoben. Klein springt in ihrer Romanhandlung (ähnlich wie mein Lebensgefährte Wolfgang Brunner in seinem Roman „Die weiße Frau“ – Eine Legende vom Schloß Ringenberg in Hamminkeln) immer wieder von der Vergangenheit in die Gegenwart zurück, was das Lesen sehr kurzweilig gestaltet. Ich finde, dass man aus der Handlung noch etwas mehr hätte herausholen können, die Handlung ein bisschen ausdehnen, so dass der Leser noch ein wenig mehr über die Hintergründe erfährt. Ich hätte mir noch einige Seiten mehr gewünscht 🙂

Der Roman ist überarbeitet als ebook in der edition oberkassel erhältlich. Da ich jedoch Printausgaben bevorzuge, kann ich hierzu nicht viel äußern, denn ich habe eine alte Auflage des ehemaligen Verlages erhalten. Daher gehe ich auf das Erscheinungsbild des Taschenbuches nicht weiter ein. Die edition oberkassel wird den Roman jedoch auch alsbald als Printausgabe anbieten.

Mein Fazit: Ich vergebe insgesamt 4 von 5 Sternen für diesen Krimi. Ein mit 257 Seiten recht kurzer aber knackiger und flotter Krimi, der sprachlich gut eine alte Legende mit einer erfundenen Geschichte der Gegenwart verknüpft. Für Liebhaber von Krimis mit historischem Touch – und nicht nur Freunde des Niederrheins – gebe ich hier gerne eine Leseempfehlung.

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Ich danke der edition oberkassel für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2014

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Megapolis von Thomas Elbel

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Erschienen als Taschenbuch
by Amazon
insgesamt 476 Seiten
Preis: 12,95 €
ISBN: 978-3000438424
Kategorie: Science Ficition

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Ursprünglich wurden die Novaten von einem Spezialingenieur geschaffen, um für die Menschen eine gigantische Stadt auf dem Mars in einem Vulkankrater zu errichten, damit diese dorthin übersiedeln und leben konnten.

Die Novaten sehen aus wie Menschen, sie benehmen sich auch so. Und Ende des 21. Jahrhundert sind sie es leid, den Menschen als Sklaven zu dienen und durch einen Aufstand gelingt es ihnen, dem Joch ihrer menschlichen Schöpfer zu entfliehen.

Nun haben sich die Verhältnisse gewandelt. Die Regierung bilden nun die Novaten und die wenigen Menschen, die noch auf dem Mars verweilen leben als terroristische Vereinigung in der Unterwelt.

Seth, der beste unter den novatischen Jägern, hat die Aufgabe, die Menschen aufzuspüren und auszulöschen. Plötzlich kreuzt Tessa, die Anführerin der Terrorzelle, Seths Weg und urplötzlich wandelt sich sein bisheriges Leben. Denn Tessa ist überzeugt, in Seth niemand anderen als Finn, den Sohn des Schöpfers der Novaten wiederzuerkennen, der in Tessas Leben eine nicht unerhebliche Rolle spielte. Seth weiß nicht, was er glauben soll und woran er ist. Schlimmer noch, er weiß nicht einmal mehr, wer er ist …

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Megapolis ist der dritte Roman von Thomas Elbel, der eigentlich sein erster ist. Als er ihn seinerzeit bei Piper eingeschickt hat, war der Verlag zwar von seinem Schreibstil angetan, jedoch der Meinung, dass der Stoff zu sehr in den Bereich SciFi fließt und somit nicht ins Verlagskonzept passte. So entstand zunächst Asylon, der dann auch bei Piper veröffentlicht wurde. Danach kam der Nachfolger Elysion und nun sollte also auch endlich Megapolis das Licht der Welt erblicken.

Der Verlag war nach wie vor der Meinung, dass der Roman in ein Genre fällt, dass nicht in die Bandbreite des Verlages passt und so ist Thomas Elbel den Weg, der Selbstpublikation gegangen. Der Roman wurde bei Amazon Distribution verlegt und ist sowohl als Ebook, als auch (was mich sehr freut) als Print erhältlich.

Und was das Erscheinungsbild des Taschenbuches angeht, bin ich positiv überrascht. Das Cover ist – mit ausdrücklicher Erlaubnis des Verlages – an die beiden ersten Romane angeglichen und der Einband unterscheidet sich lediglich dadurch, dass er nun glänzend ist und nicht matt, wie die Vorgänger. Auch ist das Buch ein wenig größer, dennoch machen sich die drei nebeneinander im Bücherregal sehr gut. Das cremefarbige Papier ist angenehm griffig und auch die für mich wichtigen Einrückungen zu Beginn der Absätze sind vorhanden. Das einzige, was mich optisch ein klein wenig stört, ist der recht schmale Rand an den äußeren Buchseiten. Aber dies ist eigentlich eine Kleinigkeit und fällt gewiss auch nicht jedem Leser auf.

Die Handlung hat mir gut gefallen und mich auch gefesselt. Die Hommage des Autors an Philip K. Dick ist mir auf Anhieb aufgefallen, da ich selber ein Fan von „Träumen Androiden von elektrischen Schafen“ bin. Bei manchen Stellen des Romans sah ich auch Szenen des Filmes „Blade Runner“ vor mir. Dies wirkte aber überhaupt nicht nachgemacht. Denn dafür hat Thomas Elbel nun wieder viel zu viel eigene Elemente in die Handlung verbaut, die offensichtlich seiner Fantasie entsprungen sind.

So hat er in seine riesige Marsstadt viele der großen Metropolen unserer Erde als Stadtteile einfließen lassen. Es gibt u.a.das Berliner-, Wiener-, New Yorker-, Pariser- und Tokioter Viertel, diese mit ihren jeweiligen Bauwerken und Plätzen. Allerdings erreicht man bei Elbel diese „Städte“, indem man eine Brücke überquert oder einige Stationen mit der Untergrundbahn fährt. Mir hat das sehr gut gefallen, genauso wie er einige sehr bekannte Figuren eingeflochten hat, die uns aus dem Wilden Westen bekannt sind.

Alles in allem hat Thomas Elbel eine gute Idee in eine fesselnde, gut lesbare Handlung verknüpft und diese an einem sehr eindrucksvollen Schauplatz spielen lassen. Der Schreibstil gefiel mir, bis auf einige, wenige sehr umgangssprachliche Aussagen gut. Das professionelle Lektorat und auch Korrektorat macht sich positiv bemerkbar. Ich habe, glaube ich, nur zwei oder drei kleine Tipp-/Trennungsfehler entdeckt.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für Megapolis, Science Ficiton, die mir Spaß gemacht hat und die spüren lässt, dass der Autor selbst ein großer Fan des Genre ist. Mir persönlich gefällt dieser dritte Roman wieder viel besser als Elysion.

P.S. Als großer Nachwortfan hat mich das sehr ausführliche des Autors sehr angesprochen.

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Ich danke Thomas Elbel für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Weiteres über/mit dem Autor auf Buchwelten:

Interview mit Thomas Elbel

Rezension zu ASYLON

Rezension zu ELYSION

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© Buchwelten 2013

Doctor Sleep von Stephen King

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im HEYNE Verlag
insgesamt 704 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-26855-5
Kategorie: Mystery / Horror, King halt 🙂

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Daniel Torrance, früher genannt Danny, hat das Grauen, welches er im Overlook Hotel in Colorado erlebt hat, überlebt. Er ist zwischenzeitlich erwachsen geworden und er ist ein Trinker, alkoholkrank wie sein Vater. Zum einen hat er das „Säufer-Gen“ wohl offensichtlich von Jack Torrance geerbt, zum anderen trinkt er um sein Shining ruhig zu stellen, es quasi zu ersäufen.

Aber Dan will nicht mehr trinken, ein für ihn einschneidendes Erlebnis bringt ihn endlich zur Vernunft. Und er will endlich zur Ruhe kommen. Nach Jahren der ruhelosen Wanderschaft kommt er an einen Ort, an dem er sich wohl fühlt. Er beginnt an den Treffen der Anonymen Alkoholiker teilzunehmen, gewinnt Freunde und arbeitet in einem Hospiz, wo seine Anwesenheit sehr geschätzt wird. Dort nennt man ihn Doctor Sleep, denn Dan Torrance hat irgendetwas an sich, dass den Sterbenden hilft, ihre letzte Reise anzutreten. Dieses „etwas“ hat mit seinem Shining zu tun, dass nun, wo er nicht mehr trinkt, wieder aktiver wird.

Auf den amerikanischen Highways reist die Sekte „Der Wahre Knoten“ durch die Lande. Sie sind stets auf der Suche nach dem, was sie ihr Lebenselixier nennen. Dem Steam. Dieser Steam wird gewonnen aus dem letzten Lebenshauch von Kindern, die das Shining besitzen. Die Mitglieder der Sekte sehen aus wie Rentner, die mit ihren Mobilheimen auf Reisen sind, sie erwecken keinerlei Aufsehen. Das macht sie so gefährlich. Und, sie sind nahezu unsterblich.

Das kleine Mädchen Abra Stone wird mit einem übermäßigen Shining geboren, bereits als Säugling und Kleinkind hat es Kräfte, die ihre Eltern oft beunruhigen. Natürlich wird „Der Wahre Knoten“ auf das Mädchen aufmerksam. Sie müssen dieses Kind mit der unendlichen Menge an Steam haben. Eine gnadenlose Jagd beginnt. Doch erstens ist Abra sehr mutig und stark und zweitens ist sie nicht allein. Sie verbündet sich mit Dan Torrance, mit dem sie bereits im Alter von zwei Monaten Kontakt aufgenommen hat. Gemeinsam versuchen sie Abra zu retten und außerdem den „wahren Knoten“ auszurotten …

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Ich hatte das Buch begonnen und nach knappen 20 Seiten wieder zur Seite gelegt um noch einmal Shining zu lesen. Ich hatte es zwar Ende der 80er gelesen, doch ich hatte zuviel vergessen. Und ich habe mich richtig entschieden. Denn Doctor Sleep knüpft eigentlich nahtlos an Shining an und zu Beginn ist der Protagonist sogar noch ein Junge. Auch während der Handlung kommt Shining immer wieder ins Spiel, seien es Personen, Wesen oder Orte, bzw. bestimmte Situationen. Vorab noch einmal Shining zu lesen, kann ich jedem nur empfehlen. Hierzu möchte ich ein kleines Zitat von Stephen King aus dem Nachwort bringen:

„Falls ihr den (Kubrik)-Film gesehen, den Roman jedoch nicht gelesen habt, denkt bitte daran, dass Doctor Sleep auf Letzterem fußt, der meiner Meinung nach die wahre Geschichte der Familie Torrance erzählt.“

Und aus dem Grund war ich bereits sehr kritisch, als ich auch nur den ersten Satz des inneren Klappentextes gelesen habe. Da steht „Nur mühevoll kann Dan Torrance die Schrecken verarbeiten, die er als Dreirad fahrendes Kleinkind im Hotel Overlook erlitten hat“. Denn: im Roman ist Danny nicht ein einziges Mal auf einem Dreirad gefahren. Das war einzig und allein eine filmische Umsetzung von Stanley Kubrik (sicher eine sehr gute) hat mit dem Roman aber nichts zu tun. Ich habe mir nach Shining die dreiteilige Fernsehverfilmung von Shining angesehen, bei der Stephen King selber das Drehbuch geschrieben hat. Bei weitem weniger superlative Effekte, doch sehr viel näher an der Romanvorlage. Doch das nur nebenbei :).

Ebenso hat mich die Gewinnung des Steam von sterbenden Kindern im ersten Moment sehr an die Dementoren der Potter-Romane erinnert. Dann war ich nicht sicher, ob Stephen King es schafft, diese besondere Stimmung, die im Overlook Hotel geherrscht hat, wieder aufleben zu lassen.

Ich habe recht schnell gemerkt, dass all diese Punkte nicht relevant sind. Die Geschichte, mit der Stephen King hier die Fortsetzung von Shining geschaffen hat, ist absolut fesselnd, in einem sehr guten Schreibstil geschrieben und steht Shining in nichts nach. Es sind viele Jahre vergangen und der Mann, der die Fortsetzung geschrieben hat, ist ein anderer als der, der Shining schrieb. King hat damals selber noch getrunken. Für mich hat das Buch Suchtfaktor und ich konnte es sehr schwer aus der Hand legen. Er verknüpft sehr viele Dinge in der Handlung: z.B. den Zusammenhalt/das Zusammenspiel zwischen Alt und Jung, Mut, Kraft, Übersinnliches und auch sehr viel Gefühl. Dramatische Momente werden immer wieder von ruhigen Phasen abgewechselt, es gibt Momente, da hatte ich einen dicken Kloß im Hals.

Es passiert nicht oft, dass ich ein Buch, wenn ich am Ende angelangt bin, gleich noch einmal von vorne beginnen könnte. Doch hier war es so. Der erwachsene Dan(ny) ist mir sehr ans Herz gewachsen. Auch die Figur der Abra ist sehr gut und charakterstark ausgearbeitet. Und ebenso die Nebenfiguren, die allesamt eine wichtige Rolle spielen, sind einfach tolle Menschen.

Sogar das Ende, die bei Stephen King für mich immer so eine Sache sind, hat mir gut gefallen. Es war stimmig und hat nicht das „was-war- das-jetzt-Gefühl“ ausgelöst, wie ich es beispielsweise bei ES oder WAHN empfunden habe.

Das Cover zeigt eine rote Metallflasche, aus der Steam austritt. Es ist dem Original Cover sehr ähnlich, wobei mir das noch viel besser gefällt, weil man hier auf den zweiten Blick noch etwas sieht, dass zur Handlung gehört.

Hier war ich dann gleich zu Besuch auf Stephen Kings Website, denn ein Blick auf die Original Cover sind bei ihm immer lohnenswert.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die Fortsetzung von Shining, die absolut gelungen ist, wieder eine klasse Stimmung erzeugt und absolut fesselnd ist. Der Autor ist mit „Bangigkeit“ an die Arbeit gegangen, denn der Maßstab war sehr hoch. Es ist ihm gelungen, diesen zu erfüllen. Vom Anfang bis zum Ende. Unbedingt lesen! Am besten lest vorher noch einmal Shining, auch ein klasse Buch! Hatte ich beinahe vergessen. 

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Ich danke dem HEYNE-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Originalcover.

© Buchwelten 2013

Phil Rickman – Sündenflut und mehr über die Merrily Watkins Mystery ….

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Erschienen als Taschenbuch
im Rowohlt Verlag / rororo
insgesamt 576 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-499-25339-3
Kategorie: Mystery / Krimi

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Weihnachten steht vor der Tür und in Ledwardine steigt der Fluss stetig weiter an. Immer mehr Straßen werden gesperrt und bald wird der Ort eine Insel sein.

Nach wie vor brennt der Streit um die archäologische Grabung, die den geplanten Neubau von Luxusvillen auf einem historischen Hügel gefährden könnte.

In Hereford gibt es einen prominenten Todesfall und Hinweise dafür, dass der Mord in Zusammenhang mit weiteren historischen Funden der Umgebung zu tun hat.

Derweil hat ein Schriftsteller gemeinsam mit seiner Frau in Ledwardine eine Scheune gemietet, denn er hält es für sicherer nach Erscheinen seines Romans zunächst einmal unter anderem Namen in dem kleinen Ort unterzutauchen. Als der Schriftsteller, der überzeugter Atheist ist, feststellen muss, dass etwas Übersinnliches offensichtlich gegen seinen Aufenthalt in Ledwardine ist, wäre dies eigentich ein klassischer Fall, der nach Merrily Watkins ruft. Nur, dass dieser nichts mit Pfarrern zu tun haben will. Wieder einmal überschlagen sich die Ereignisse und Merrily, die immer allem und allen gerecht werden möchte, steckt natürlich mittendrin …

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Alle Leser, die die Merrily Watkins Mystery Reihe kennen, können eigentlich direkt nach unten, bis zu meinem „Fazit“ scrollen. Allen anderen möchte ich an dieser Stelle eine kleine Zusammenfassung (Spoilerfrei) der 10 Bände liefern, die mich sehr begeistert haben.

Ich bin nur durch Zufall auf diese Reihe gestoßen. Den ersten Teil „Frucht der Sünde“ habe ich auf einem Büchermarkt von einer Verkäuferin geschenkt bekommen, mit den Worten „ich habe es als Leseexemplar bekommen, war ganz gut“. Als ich dann vor geraumer Zeit mein Buchregal nach Lesestoff durchstöbert habe, griff ich nach dem Roman, weil ich derzeit die krassen Thriller nicht lesen mag und ich die Mischung Krimi/Mystery sehr ansprechend fand. Mir hat dann dieser erste Band so gut gefallen, dass ich mir nach und nach alle bisher erhältlichen deutschen Veröffentlichungen besorgen musste.

Bereits im ersten Roman lernt der Leser Charaktere kennen, die ihn die gesamten Bücher lang begleiten.

Merrily Watkins, weibliche Pfarrerin der englischen Kirche, kommt mit 34 Jahren in den kleinen Ort Ledwardine, das Dorf der Apfelgärten. Sie bringt ihre – damals noch 15-jährige – Tochter Jane mit, mit der sie das viel zu große Pfarrhaus bezieht. Merrily ist Witwe. Ihr Ehemann, ein korrupter Anwalt, ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, mit im Auto seine Sekretärin/Geliebte. Merrily ist aber nicht „nur“ eine weibliche Pfarrerin, sondern auch die Diözesanexorzistin, modern genannt: Beraterin für spirituelle Grenzfragen! Außerdem hat sie das leidige Laster zu rauchen und völlig unchristilich zu fluchen.

Jane, Merrilys Tochter, ein pubertierender Teenager, dem der Job ihrer Mum mehr als peinlich ist. Sie ist schlau, neugierig und allem spirituellem gegenüber offen. Sie ist ein besonderer, nicht einfacher aber herzensguter, Helfercharakter, der sich im Laufe der folgenden Romane weiterentwickelt.

Dann sind da unter anderem noch der Musiker Laurence (Lol) Robinson, der als junger Mann fälschlich der Vergewaltigung an einer Minderjährigen beschuldigt wurde, eine Weile in der Psychiatrie war und nach und nach seinen Weg zurück ins Leben findet.

Gomer Parry, der raue „Alte“, der ohne seine Bagger, denen er Namen gegeben hat, nicht leben kann. Gomer Parrys Landwirtschaftsdienste: Das ist sein Leben. Ein Mann, der herzensgut ist, immer gerade heraus und trotz seines Alters im Leben nicht ans Altwerden oder den Ruhestand denkt.

Francis (Frannie) Bliss, Detective. Immer wieder kreuzen sich seine und Merrilys Wege. Der eine nimmt immer wieder die Hilfe des anderen in Anspruch, es entwickelt sich beinahe so etwas wie eine Freundschaft

Dann kommen mit jedem Band neue Figuren hinzu, die uns dann wiederum in den Folgebänden wiederholt begegnen. z.B. Der Roma-Charmeur Al Bosswell, der göttliche Gitarren baut. Oder Prof Levin, der Musikproduzent aus Knights Frome, der grossen Anteil daran hat, dass Lol wieder Songs schreibt und sogar Livegigs spielt. Dann ist da noch die Nebenrolle der Athena White. Eine alte, sehr wache, absolut belesene und schräge Lady, die im Altenheim „The Glades“ lebt. Sie tut, als wäre sie eine senile alte Damen, hat aber hinter ihren Türen Unmengen an interessanter Lektüre gebunkert, die sich mit der Geisterweilt, spirituellen Dingen und Hexerei befassen. Sie ist immer mal wieder eine große und sehr amüsante Unterstützung bei der Auflösung gewisser Rätsel.


Neben den Charakteren macht diese Reihe die wunderbare, mystische, landschaftlich sehr geheimnissvolle Umgebung Herefordshires aus. Die Stimmung, die Phil Rickman immer wieder erschafft, fesselt von Anfang an. Er vermischt übersinnliche Elemente mit einer kriminalistischen Handlung, die eher schleichend daher kommt und dann verknüpfen sich, ohne dass der Leser es eigentlich merkt, plötzlich alle losen Enden. Er erschafft Gruselmomente, verbaut immer viel wahres historisches und vermischt all dies sehr geschickt. Edward Elgar, Thomas Traherne, Sir Arthur Connan Doyle und Alfred Watkins: Dies sind einige der realen historischen Figuren, die in der Reihe aufgegriffen werden.

Für mich ist diese Reihe absolut lesenswert und daher musste ich mir in diesem Fall ein wenig mehr von der Seele schreiben, als bei einer einfachen Rezension.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den 10. Merrily Watkins Mystery. Der Roman hat mich wieder gefesselt, binnen zwei Tagen durch die Handlung fliegen lassen und in einer Szene sogar zum Heulen gebracht. Mir sind die Figuren und die Umgebung so sehr ans Herz gewachsen, dass ich die 10 Bände hintereinander weggelesen habe und nun ungeduldig auf April 2014 warte. Denn dann wird der nächste Band im Rowohlt/rororo Verlag erscheinen!

Die Reihenfolge der Merrily Watkins Reihe:

1.  Frucht der Sünde
2.  Mittwinternacht
3.  Die fünfte Kirche
4.  Der Turm der Seelen
5.  Der Himmel über dem Bösen
6.  Die Nacht der Jägerin
7.  Das Lächeln der Toten
8.  Ein dunkler Gesang
9.  Das Gespinst des Bösen
10. Sündenflut

Links:

Phil Rickmann bei Rowohlt

Phil Rickman UK

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© Buchwelten 2013

Feuer im Kopf von Susannah Cahalan

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im mvg Verlag
insgesamt 304 Seiten
Preis: 17,99 €
ISBN: 978-3868824674
Kategorie: Tatsachenbericht, Biographie

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Susannah Cahalan ist eine junge, beliebte, aufstrebende Journalistin. Sie fühlt sich wohl in ihrem Job, lebt in ihrer eigenen Wohnung und hat eine glückliche Beziehung. Doch urplötzlich dreht sich ihr Leben um mehr als 180°. 

Es beginnt mit einer eingeschlafenen, linken Hand. Dann kommen Wahnvorstellungen hinzu, die so schwer sind, dass sie nicht nur aggressiv wird, sondern sich ihr Wesen komplett verändert. Zunächst wird sie in der Klinik in die Abteilung für Epilepsie eingewiesen, es folgt die Psychiatrie, wo sie sogar ans Bett gefesselt werden muss, da sie immer wieder versucht zu fliehen. 

Es werden Unmengen an Untersuchungen an Susannah durchgeführt. MRT, CTG, Blutuntersuchungen, Proben aus dem Rückenmark werden entnommen. Doch niemand findet heraus, was ihr fehlt. Alles scheint normal, einige Ärzte sind der Meinung, sie habe einfach zu viel Stress, würde zu viel feiern und Alkohol konsumieren. Nur, dass ihr Zustand sich während des Klinikaufenthaltes sichtbar verschlechtert, wo sie nun mal definitiv keinen Alkohol zu sich nehmen kann. Allerdings hat Susannah auch vorher nur in Maßen getrunken, nur glaubt ihr das niemand. 

Einer der Ärzte sieht als letzte Möglichkeit die Hinzuziehung des Neurologen Dr. Souhel Najjar, der dafür bekannt ist, weiter zu forschen, wenn die Fälle wirklich schwierig sind und nur noch Rätsel aufgeben. Er selber hatte vor einiger Zeit einen Bericht über Autoimmunerkrankungen gelesen, der in einer Medizinerzeitschrift veröffentlicht wurde. Im Verlauf dieser Krankheit (eine Entzündung des Gehirns) greift der Körper das eigene Gehirn an und dies erzeugt Symptome wie eben Schizophrenie, Autismus und Wahnvorstellungen. 

Diese Vermutung bestätigt letztlich eine Untersuchung, die eigentlich ein Witz ist: Dr. Najjar lässt Susannah eine Uhr zeichnen und diese Zeichnung bringt erstaunliches zu Tage. „Brain on fire“, „Dein Gehirn steht in Flammen“, sagt er zu seiner Patientin. Um ganz sicher zu gehen, lässt der Neurologe in einer OP eine kleine Gewebeprobe von Susannahs Hirn entnehmen und schickt diese an den Mediziner, der den Artikel über die Autoimmunkrankheit verfasst hat. 

Nach Bestätigung der Diagnose kann der Patientin mit den richtigen Medikamenten endlich geholfen werden und ganz langsam findet Susannah ins Leben zurück ….

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Wie schmal der Grad zwischen Gesundheit und (anscheinendem) Wahnsinn liegt, dass zeigt dieses Buch. Eine kerngesunde junge Frau verändert sich, versucht zunächst selber dahinter zu kommen was ihr fehlt,  flippt aus  und landet schließlich gefesselt und am Kopf verkabelt an einem Bett.

Diese Geschichte ist erschreckend zu lesen, allerdings zeigt sie auch, wie wichtig das Zusammenspiel von Familie, Freunden, Kollegen und den Ärzten ist. Susannahs Eltern, geschieden, haben sich aufopfernd um ihre Tochter gekümmert. Susannahs Partner ist nicht von ihrer Seite gewichen, was sie im Nachhinein selber nicht versteht. All diese Menschen waren ihr eine große Stütze und haben ihr geholfen nicht aufzugeben und ihren Weg zurückzufinden. Sie haben alle gesagt, dass sie die wirkliche Susannah noch immer in diesen leeren, gehetzten, panischen Augen sehen konnten. 

Die Autorin selber kann sich eigentlich so gut wie gar nicht erinnern. Nach ihrer Genesung wollte sie verstehen, was mit ihr geschah und begann die ganze Krankengeschichte aufzuarbeiten. Dies gelang ihr mit Hilfe von Tagebüchern, die ihre Eltern geschrieben haben, um miteinander zu kommunizieren. Dann existieren Videoaufzeichnungen, die Susannah in der Klinik im Krankenbett zeigen und natürlich hat sie lange, ausführliche Gespräche mit den behandelnden Ärzten geführt. 

Zwischenzeitlich ist dieser Bericht (natürlich) sehr medizinisch, jedoch ist er recht verständlich geschrieben, so dass auch der Leser als Laie folgen kann. 

Der Verlag präsentiert das Buch als gebundene Ausgabe. Es liefert ein umfassendes Vorwort der Autorin, einen ausführlichen Anhang mit Bemerkungen und eine Danksagung. Innerhalb der Erzählung gibt es immer wieder Notizen, Bilder und Zeichnungen zu sehen. 

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Tatsachenbericht, der absolut ungeschönt und erschreckend geschrieben ist, dennoch auch viel Gefühl, Mut, Liebe und Hoffnung rüberbringt. In diesem Fall scheint das Zusammenspiel von Menschen und der Schulmedizin wirklich funktioniert zu haben. Für mich das erste Buch dieser Art, daher kenne ich mich nicht wirklich aus. Ich gebe dennoch gerne eine Leseempfehlung!

Ich danke Amazon Vine für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Für Interessierte hier noch einige Links:

Susannah Cahalan beim mgv Verlag

Original Homepage der Autorin

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© Buchwelten 2013

Boy Nobody von Allen Zadoff

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Bloomoom Verlag
insgesamt 336 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-8458-0005-9
Kategorie: Jugendbuch

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Ein Teenager, 16 Jahre alt, genannt Boy Nobody, ist ein Soldat, zumindest nennt er sich selbst so. Das macht es für ihn einfacher. Im Alter von 12 Jahren haben sie ihn in ihr „Programm“ aufgenommen. Ihm blieb keine andere Wahl. Doch, der Tod. Nach einer intensiven Ausbildung ist er einer der besten. Er erledigt seine Aufträge sicher, fehlerfrei, schnell und unauffällig.

Er erschleicht sich das Vertrauen einer Person, meist aus dem Umfeld der Zielperson, dann räumt er das Objekt aus dem Weg. Ohne Spuren zu hinterlassen. Und schon ist er auch wieder weg. Vom „Programm“ in eine andere Stadt geschleust, mit einer neuen Identität ausgestattet, wartet er auf den nächsten Auftrag, den er von seinem „Vater“ oder der „Mutter“ über ein hochverschlüsseltes Smartphone als Eltern-Sohn-Sms getarnt oder per Email erhält.

Doch dieser Auftrag ist anders, kompliziert. Boy Nobody bekommt nur ein extrem knappes Zeitfenster gesteckt. 5 Tage. 5 Tage in denen er als neuer Schüler auftauchen, sich dem Zielobjekt nähern und es eliminieren muss. Normalerweise stehen im mehrere Wochen oder Monate zur Verfügung. 

Als sich die erste Möglichkeit zur Ausführung des Auftrages egibt, zögert er. Ein Fehler, was passiert mit ihm? Er zögert nie, zeigt keine Gefühle, doch nun … beginnt er sich zu verlieben ….

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Ich hatte das Buch in einer Zeit von 4,5 Lesestunden durch. Das lag wohl vor allem an den wirklich kurzen Kapiteln (mal 2,5, dann mal 4 oder mehr aber teilweise auch nur 1,5 Buchseiten), an der relativ großen Schrift und den recht luftig bedruckten Seiten.

Der Autor schreibt aus der Ich-Perspektive in der Vergangenheit. Mit diesem Schreibstil kam ich gut zurecht. Nicht so gut kam ich mit den sehr kurzen, knappen Sätzen klar. Das las sich für mich alles so zackig und teilweise zu abgehackt. Da der Protagonist sehr viel allein unterwegs ist oder nachdenkt, sind diese Szenen alle in dieser Art geschrieben. Als nach und nach mehr Gespräche und somit wörtliche Reden in die Handlung einflossen, habe ich mich wohler gefühlt, denn hier waren die Sätze (Gespräche) dann „normaler“, ausführlicher formuliert.

Ansonsten hat mir das Buch gut gefallen. Die Handlung war fesselnd, die Idee gefällt mir gut. Der Autor hat viel der modernen, technischen Finessen der heutigen Zeit verbaut. Z.B. verschlüsselte Apps auf I-Phones, versteckte Infos in gefakten Facebook-Profilen oder einfachen SMS, die aber völlig andere Inhalte bieten, als sie den Anschein haben.

Boy Nobody ist ein netter Kerl, der sehr nachdenklich ist und versucht die Hintergründe seiner Situation zu erforschen. Er ist bei weitem nicht so kalt wie er tut, dies ist seine Überlebenschance, hat er doch alles verloren, was ihm lieb und wichtig war.

Die Handlung liest sich teilweise wie ein High-School Roman, dann wieder wie ein knallharter Thriller, der auch politische Themen beinhaltet. Hier schreckt der Autor dann auch nicht vor heftigen Kampfszenen zurück, die er ausführlich beschreibt. Aber auch Themen wie Mobbing an der Schule und Zivilcourage werden behandelt, ebenso die verwirrenden Momente einer beginnenden ersten Liebe.

Das Buch wird vom Verlag in einer gebundenen Ausgabe präsentiert, die ein ansprechendes Cover umhüllt. Dunkle Farben, ein Fadenkreuz (okay, Thema verfehlt, Boy Nobody benutzt keine Waffen!) und im Hintergrund ist eine vage Skyline erkennbar. Aber auch unter dem Schutzumschlag kann sich das Buch sehen lassen. Knallrote Buchdeckel, der Rücken ist farbig bedruckt.

Der Roman ist ein erster Teil, in der hinteren Schutzklappe ist zu lesen, dass der Autor bereits an Teil 2 arbeitet. Wieviele Teile es insgesamt werden sollen, weiß ich aber noch nicht.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für ein Jugendbuch mit Thriller Niveau, dass sich sehr flott und auch spannend liest. Der Autor verbindet viele Elemente in seiner Handlung, die mir gefallen haben. Ich persönlich konnte mich jedoch mit dem kurzen, knappen Schreibstil in den Erzählphasen nicht so wirklich anfreunden. Ich mag die Sätze lieber länger, verschachtelter und ausführlicher. Aber das ist bekanntlich alles Geschmackssache 🙂

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Ich danke Amazon für die Bereitstellun des Rezensionsexemplars..

© Buchwelten 2013

Gesetz der Rache von Kristen Simmons

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Erschienen als Klappenbroschur
bei ivi (Piper Verlag)
insgesamt 448 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-492-70305-5
Kategorie: Jugendbuch

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Ember und Chase haben es geschafft sich dem Widerstand anzuschließen. Offiziell für tot erklärt, setzen sie sich nun gemeinsam mit den Rebellen, der großen „Familie,“ für „die Sache“ ein.

Als plötzlich von einem Heckenschützen, dem Sniper, die Rede ist, verbreitet sich Unruhe in der Gemeinschaft. Dieser Schütze erschießt Soldaten der MM – der Moralmiliz – auf öffentlichen Plätzen, unter den Augen der Zivilisten. Die Kämpfer des Widerstandes vermuten natürlich, dass der Sniper einer von Ihnen ist, doch dessen Identität kennen auch sie nicht.

Dann erscheint plötzlich ein aktuelles Fahndungsplakat des FBR – Federal Bureau of Reformation – auf dem unter den Hauptverdächtigen in Bezug auf die Anschläge Ember Miller aufgeführt ist:

Ember Miller, verhaftet wegen Artikel 5

 Bekannt als „Heckenschütze“. Gesucht wegen Mords und vielfachen Hochverrats.

Die Verdächtige ist bewaffnet und äußerst gefährlich.

 Code 1: Bei Sichtkontakt sofortige Eliminierung.

 Ember und Chase sind geschockt. Wer hat sie verraten? Warum soll Ember die Heckenschützin sein? Sie, die nicht einmal eine Waffe halten kann und das Wayland Inn, die Zentrale des Widerstandes, seit ihrer Ankunft nicht einmal verlassen hat?

Dennoch, die beiden sind wieder auf sich allein gestellt. Sie müssen den Schutz der Gruppe verlassen und selbständig um ihre Freiheit kämpfen …

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Da es sich hier um die Fortsetzung von „Artikel 5“ handelt (ich hatte keine Ahnung, dass es eine Fortsetzung geben wird), habe ich auch diesmal in meiner Zusammenfassung des Inhalts eigentlich gar nichts verraten. Zumindest nicht ein Detail, welches die Handlung des ersten Teils ausmacht. Denn ich gehe einfach mal davon aus, dass es viele Leser dieser Rezension gibt, die Artikel 5 noch nicht gelesen haben. Daher möchte ich doch keinem die Spannung nehmen.

Die Geschichte knüpft nahtlos an den ersten Roman an und auch hier schreibt Kristen Simmons wieder in einem angenehmen guten und schön lesbaren Schreibstil. Die Verzweiflung, der Mut, die Hoffnung, der ewige Kampf um die Freiheit, all dies wurde wieder sehr gut rübergebracht. In der Handlung sind zwischen den Büchern nur einige Wochen vergangen, dennoch ist die Protagonistin Ember sehr gereift. Sie wirkt selbstsicherer, ist tougher und wirkt längst nicht mehr wie ein Teenager.

Ember und Chase durchleben auf ihrem Weg Unmengen an Gefahren, dennoch gibt es auch viele ruhige, angenehme und schöne Momente in der Handlung, die sehr zart, liebe- und gefühlvoll beschrieben sind. Also eine gelungene Mischung aus rasanten und dramatischen Szenen sowie ruhigen Momenten, die den Leser zwischendurch zur Ruhe kommen lassen.

Das Cover wird vom Verlag eigentlich fast identisch wie zu „Artikel 5“ präsentiert. Gedeckte Farben, ein blauer Schriftzug, wieder ist das Mädchen mit den strahlend blauen Augen zu sehen. Mir gefällt es gut, zumal sich die beiden Bücher nun optisch hervorragend nebeneinander im Regal blicken lassen können.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die gelungene Fortsetzung von „Artikel 5“. Die Autorin liefert eine gute Mischung aus Dramatik, Freundschaft, Hoffnung und Mut, geschrieben in einem guten Schreibstil. Der Leser trifft auf bekannte und interessante Charaktere und wird sich ganz gewiss von der Handlung fesseln lassen.

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Ich danke dem Piper Verlag / ivi für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2013