Stille Sünden von Silke Ziegler – Sina Engel II

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 315 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-389425-588-6
Kategorie: Krimi

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Sina Engel ist mittlerweile stolze Mama, bekanntlich leider alleinerziehend und wieder voll berufstätig. Dennoch genießt sie ihre Mutterrolle sehr und darum geht ihr der neue Fall auch sehr an die Nieren.

Ein 11-jähriger Junge ist verschwunden. Offensichtlich ist er von zu Hause weggelaufen, jedoch kann sich keiner erklären, warum er das getan hat. Keine Probleme in der Schule oder mit seiner Mutter. Der Winter steht vor der Tür und das ist natürlich für einen kleine Jungen sehr gefährlich.

Als wären diese Ermittlungen nicht genug, wird auch noch ein Flüchtling direkt vor der Asylunterkunft erschossen. Grundlos wie es scheint. Der Schütze entkommt, die Suche beginnt.

Wieder einmal bekommt Sina Engel Unterstützung aus Heidelberg. Und zwar wird ihr kein anderer zugeteilt als Matthias Sommer. Genau der Kollege, mit dem sie schon einmal ermittelt hat und der ihr, als sie hochschwanger war, zur Seite stand. Damals hatte es schon geknistert zwischen den beiden. Doch nicht nur die Schwangerschaft und Carlos Tod hatten Sina damals vorsichtig sein lassen. Matthias war der Partner von ihrem verstorbenen Lebensgefährten und der hat leider einen Ruf als Schürzenjäger. Nach der Geburt von Sinas Kind hatten die beiden erst Kontakt gehalten, doch Sina hat ihn im Sande verlaufen lassen. Aus Angst … vor was? Einer neuen Liebe, einer neuen Beziehung ….

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Der zweite Fall um Sina Engel gefällt mir noch viel besser als der erste Teil. Das Thema ist schon heftig und ich weiß, wie schwer es ist, dieses Thema anzupacken und in einem Roman zu behandeln. Die Gratwanderung zwischen Grausamkeit und Gefühl ist nicht leicht (mein Mann hat selbst einen Roman zu diesem Thema verfasst). Silke Ziegler ist hier nicht seicht und hält mit der krassen Realität nicht hinterm Berg, also nichts für zu schwache Lesernerven.

Denn zweiten Handlungsstrang um den erschossenen Flüchtling lässt sie parallel laufen und wie sich die Stränge verbinden, bleibt abzuwarten und wird an dieser Stelle nicht verraten.

Auch der private Einblick in Sina Engels Leben kommt nicht zu kurz und, auch wenn sie nach wie vor sehr emotional ist, gefällt sie mir hier besser als im ersten Teil. Dort war sie mir ab und an zu weinerlich, das gibt sich in diesem Teil hier. Mir war sie viel sympathischer, wobei die Hormone und der Alltag ihr nach wie vor oft ein Schnippchen schlagen. Das liegt aber in der Natur einer jungen Mutter, die Arbeit und Baby handeln muss und dazu immer  noch den Vater ihrer Tochter betrauert. Dies alles macht aber richtig Spaß und nimmt den grausamen Momenten immer wieder ein wenig den Schrecken. Der Leser kommt zur Ruhe, kann mal durchatmen und sich erholen.

Fazit: Ein sehr guter und spannender Krimi, der mich überzeugt und gefesselt hat. Stellenweise sehr schlimm und krass, aber dennoch sehr real. Das hat Silke Ziegler wirklich gut gemacht. Weiter so!

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© Marion Brunner_Buchwelten 2018

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Star Wars – Die letzten Jedi von Jason Fry

Star WarsDie letzten Jedi von Jason Fry

Erschienen als Taschenbuch
im Penhaligon Verlag
insgesamt 444 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-7645-3207-9
Kategorie: Science Fiction

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General Leia Organa kämpft mit dem Widerstand gegen die Erste Ordnung , die eine neue Bedrohung für die Freiheit der gesamten Galaxoe darstellt. Zur gleichen Zeit sucht Rey den legendären Jedi Luke Skywalker, um ihn dafür zu gewinnen, sie bei ihrem Kampf zu unterstützen. Als dann Kylo Ren telepathischen Kontakt mit Rey aufnimmt, wird ihr immer bewusster, dass sie ebenfalls etwas besonderes ist.

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 Es ist ja immer so eine Sache mit Romanen, die nach einem Drehbuch entstanden sind. Oftmals sind sie eine schlichte Nacherzählung von dem, was man bereits im Film gesehen hat. Manchmal sind solche Romane aber auch eine Bereicherung und lassen während des Lesens nicht nur den Film wieder im eigenen Kopfkino noch einmal ablaufen, sondern liefern noch einige Hintergrundinformationen. So geschieht es auch bei Jason Frys Romanversion des Star Wars-Abenteuers „Die letzten Jedi“. Zum einen schildert der Autor sehr bildhaft den Plot des Films und zum anderen erfährt man auch einiges über die Gedankenwelt der Protagonisten und wie so manche Begebenheiten zusammenhängen. Ich hatte auf jeden Fall einen Riesenspaß während des Lesens und bekam nochmals so richtig Lust auf den Film, den ich übrigens für absolut gelungen und toll halte.

Jason Frys Schreibstil ist sehr flüssig und daher absolut gut zu lesen. Durch diesen angenehmen Stil entwickelt sich das Buch, auch wenn man den Film bereits kennt, zu einem wahren Pageturner. Der Autor ist selbst ein Star Wars-Fan, was man seinem Roman durchaus anmerkt. Mit einer Detailverliebtheit werden auch vergangene Begebenheiten in die Handlung eingebaut, so dass sich ein gelungenes rundes Gesamtbild ergibt, das sich hervorragend in das (neue und alte) Star Wars-Universum einpasst. Denn geschickt jongliert Fry zwischen den beiden Star Wars-Universen: Während im „alten“ Kanon Han Solo und Leia Organa drei Söhne haben (die allerdings in keinem Film, sondern nur in Romanen und Comics vorkommen), wurde im Kanon, der seit der Übernahme der Disney Studios erfolgte, nur ein Sohn geboren, nämlich Ben Solo aka Kylo Ren. Fry umgeht die Problematik, erwähnt die anderen Kinder der Solos nicht, widmet sich aber dennoch den alten Filmen und Romanen. Diese „Unstimmigkeit“ wurde aus meiner Sicht geschickt gelöst und hat mich alles andere als enttäuscht.

Jason Frys Roman liest sich wie ein eigenständiger Roman und nicht wie ein typisches Filmbuch.  Wer den Film nicht mochte, wird sich durch diesen Roman wahrscheinlich auch nicht überzeugen lassen. Aber die Story erweitert die Filmhandlung auf sehr befriedigende Weise und lässt den Leser an zusätzlichen Szenen teilhaben, die im Film nicht zu sehen waren. Ich finde durch diese Lektüre den Film nun im Nachhinein tatsächlich noch besser, als ich ihn ohnehin schon fand. 😉 Wer, wie ich, „Die letzten Jedi“ als Film genossen hat, wird eine Erweiterung des Plots entdecken und auch eine gewisse Tiefe in den Charakterbeschreibungen, so dass der Roman in manchen Belangen sogar fast schon eine neue Perspektive zum Film darstellt. Gerade die ruhigen Szenen auf Ahch-To, dem Planeten, auf dem sich Luke versteckt, wirken auch im Roman sehr atmosphärisch und machen geradezu süchtig. Fry hält sich schlichtweg an die Stimmung der Filmvorlage und versucht nicht, ein actionlastigeres Abenteuer zu machen. Wenn Luke über die Macht und die Lehren der Jedi spricht, bekommt man einen sehr tiefen Einblick in den Charakter und die Unentschlossenheit des Protagonisten. Das hat mir außerordentlich gut gefallen und trägt mit Sicherheit dazu bei, dass ich den Film beim nächsten Mal mit anderen Augen sehen werde. Es wirkt, als hätte Fry anscheinend sehr eng mit Regisseur Rian Johnston zusammengearbeitet. Für mich auf jeden Fall wieder ein Highlight im literarischen Star Wars-Kosmos, das man als Fan (aber auch als Nichtfan) unbedingt lesen sollte.

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Fazit: Sehr stimmungsvolle und gelungene Romanadaption des achten Star Wars-Abenteuer.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Splitterwelten 3 – Flammenwind von Christoph Dittert und Michael Peinkofer

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
364 Seiten
14,00 €
ISBN: 978-3-492-26990-2

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Kalliope und ihre Gefährten versuchen, das Geheimnis der Magierin Harona zu ergründen. Was steckt hinter ihrer Macht und was hat sie vor? Kalliope und ihre Freunde reisen nach Ethera und finden dort eine Antwort, die die Existenz sämtlicher Weltensplitter bedroht …

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Es geht weiter mit Kalliope … und selbst wenn einige Zeit zwischen dem vorliegenden, abschließenden Band und seinen beiden Vorgängern verstrichen ist, so fällt der Einstieg nicht wirklich schwer. Man findet sich schnell wieder im Splitterwelten-Universum zurecht und schließt sofort wieder Freundschaft mit den liebenswerten Protagonisten. Geschickt werden auch vergangene Geschehnisse in die aktuelle Handlung eingebaut, so dass man auch den Überblick über das Gesamtgeschehen nicht verliert und sich schnell wieder auf einem guten Kenntnisstand befindet. Die Splitterwelten-Saga von Christoph Dittert und Michael Peinkofer macht, wie schon die ersten beiden Bände, unglaublich Spaß. Erstaunlicherweise verhält es sich auch wieder hier so, dass sich der Schreibstil der beiden Autoren perfekt vermischt, so dass man meint, nur ein einzelner Autor hätte den Roman geschrieben. Ich muss sagen, die Symbiose der beiden Schriftsteller passt perfekt. 😉

Das Abenteuer geht also weiter. Und es geht sehr rasant weiter. Nach einem Einstieg, der NICHT das Cliffhanger-Ende des zweiten Bandes fortführt :), kehrt der Leser dann endlich zurück in den Handlungsstrang von Kalliope und ihren Gefährten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist man wieder von der Handlung vollkommen gefangen und denkt, man hätte Teil 2 nicht vor einem Jahr, sondern vor einem Monat zur Seite gelegt. Wie erwartet, entwickelt sich der abschließende Band der Trilogie zu einem epischen Kampf, der sehr bildhaft im Kopfkino des Lesers abläuft und keine Wünsche offen lässt. Drama, Humor, Action und Fantasy vermischen sich perfekt zu einem Szenario, das man schon während des Lesens nicht verlassen möchte und schon gar nicht, wenn man das Buch am Ende zuschlägt. Die drei „Splitterwelten“-Romane sind ein intensives Lesevergnügen, das man gerne noch einmal lesen möchte. Die Entwicklung der Charaktere im letzten Band fand ich sehr schön und plausibel dargestellt, vor allem auch die Beziehung zwischen Kalliope und ihrer Jugendfreundin Prisca. Die Freundschaft, die die beiden verbindet, wurde trotz diverser Differenten sehr gut beschrieben. „Flammenwind“ war, wie von Peinkofer (und Dittert) gewohnt, ein echter Pageturner, der sich innerhalb kürzester Zeit einfach so weglesen lässt. Manchmal gibt es einfach Bücher, die lesen sich sozusagen von selbst 😉 – und genau so eines ist auch „Splitterwelten 3 – Flammenwind“.

Freunde von High Fantasy und klassischer Fantasy kommen auch hier wieder auf ihre Kosten. Und die Animalen (die Tier-Protagonisten dieser Reihe) sind wieder dermaßen erfrischend, dass es eine wahre Freude ist, ihnen bei ihren Dialogen und Monologen „zuzuhören“. Ich habe mich immer wieder gefreut, wenn die Autoren wieder auf den Handlungsstrang mit dem Pantheriden und Chamäleoniden schwenkten. Und, genau so, wie ich es erwartet habe, führen die beiden Autoren die Geschichte um die Zukunft der Splitterwelten mit einem sehr rasanten Spannungsbogen fort, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Ich könnte mir eine Verfilmung der drei Bände sehr gut vorstellen. Das Finale würde als Film wahrscheinlich sogar noch besser funktionieren als im Buch. Die lebendigen Charaktere und die komplexe, originelle Handlung machen aus dem abschließenden Splitterwelten-Roman ein Highlight, das aber nur in Verbindung mit den vorherigen Bänden funktioniert. Insgesamt rundet der finale Teil die spannenden Abenteuer mit jeder Menge überraschender Wendungen das Gesamtbild optimal ab und hinterlässt beim Leser (zumindest bei mir) einen bleibenden Eindruck. Und auch wenn die Ideen nicht alle unbedingt neu sind, so haben Dittert und Peinkofer ein wunderbares, fantastisches Universum erschaffen, an das man immer wieder gerne zurückdenkt. Mehr kann man doch von einem Fantasy-Roman gar nicht erwarten, oder? 😉

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Fazit: Gelungener Abschluß einer fantastischen Trilogie mit starken Charakteren und einer stimmungsvollen Geschichte.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Gork – Der Schreckliche von Gabe Hudson

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Erschienen als gebundene Ausgabe
in der Hobbit Presse (Klett-Cotta)
insgesamt 432 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-608-96268-0
Kategorie: Fantasy, Humor

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Gork ist ein Teenager-Drache, der auf der Suche nach einer Partnerin für die EierLege, einem Fortpflanzungsfest, ist. Runcita heißt die Auserwählte, die aber erst einmal kein Interesse an Gork zeigt. Hinzu kommt, dass Gork nicht nur um das Herz seiner Angebeteten kämpfen, sondern sich auch gegen gemeine Rivalen behaupten muss. Keine leichte Aufgabe für einen Drachen in der Pubertät …

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Hmmm, ich weiß gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Ich war sehr neugierig auf dieses Buch, zumal es mit Werken von Terry Pratchett und /oder Douglas Adams verglichen wurde. Okay, am Anfang hat das Konzept bei mir auch noch funktioniert und ich habe mich unterhalten und auch manchmal amüsiert. „Gork“ mit Pratchett oder Adams gleichzusetzen ist allerdings sehr weit hergeholt und trifft meiner Meinung nach definitiv nicht zu. Hudson geht einen anderen Weg und besitzt einen anderen Humor als die beiden genannten, der mir persönlich nicht besonders zusagte. Wie schon gesagt, anfangs sprang eine Art Funke über, der aber mit jeder Seite, die ich mehr las, immer mehr verglühte und schließlich ganz verschwand. Letztendlich nervten mich die immer wiederkehrenden Witze um den „grünen, geschuppten Arsch“ und ich konnte einfach nicht mehr darüber lachen. Und auch wenn es lustig sein soll, Tolkien als Tolkien-Trottel oder minderbemittelten Mistkerl zu beschreiben finde ich schon irgendwie grenzwertig, Spaß hin oder her, „Der Hobbit“ als sinnfreies Geschreibsel zu bezeichnen finde ich nicht wirklich witzig. Humor ist für mich schon etwas anders. Aber da sind die Geschmäcker wohl verschieden.

Gabe Hudsons Schreibstil würde ich nicht als niveauvoll bezeichnen, sondern eher als flapsig jugendlich, was für mich nach einer gewissen Seitenzahl auch ein leichtes Ärgernis darstellte. Manchmal fühlte ich mich an Walter Moers erinnert, der allerdings bedeutend niveauvoller und literarischer arbeitet, so dass es mir bisweilen vorkam, als wolle Hudson den genannten Autoren (womöglich Hudsons literarische Vorbilder) nacheifern, was ihm allerdings leider nicht gelang. „Gork“ hat sicherlich einige, wenngleich wenige, Lichtblicke, die Spaß machen und immer wieder hoffen lassen, dass sich der Plot (und der Humor) ändert. Aber zumindest ich wurde leider immer wieder aufs Neue enttäuscht. „Gork“ vermischt einen niedlichen „Tabaluga“-Drachen mit herbem Humor und macht sich selbst zu einem Roman-Hybriden, der nicht genau weiß, ob er in die Sparte „Jugend- / Kinderbuch“ oder „Erwachsenenmärchen“ a la Walter Moers gehört. Um mit letzterem konkurrieren zu können, fehlt „Gork“ allerdings jeglicher Tiefgang.

Ganz so schlimm, wie meine Worte klingen mögen, ist „Gork“ nun doch auch wieder nicht. Und für jemanden, der humorige Fantasy mag, dürfte das Buch zumindest einen Blick wert sein. Unterhaltung ist gegeben und der relativ einfach gestrickte Plot um den niedlichen, tollpatschigen Drachen hat einen gewissen Reiz, das will ich nicht abstreiten. Mein Fall war es leider nicht, zumal ich bei einem Buch, das in der Hobbit Presse erscheint, einfach mehr Niveau oder literarische Ausgefeiltheit erwartet habe. Mich hat „Gork – Der Schreckliche“ leider nicht überzeugt, obwohl ich mir gewünscht hätte, er hätte es getan.

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Fazit: Einfach konstruiert und mit einem gewöhnungsbedürftigen Humor ausgestattet. Mein Fall war es leider nicht.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Im Turm von Josiah Bancroft

Im Turm von Josiah Bancroft

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 448 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31950-9
Kategorie: Fantasy

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Der Lehrer Thomas Senlin wollte zusammen mit seiner Frau das Weltwunder, den Turm zu Babel, besuchen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft, wird das Paar getrennt. Senlin macht sich auf die Suche nach seiner verschwundenen Frau und muss feststellen, dass ihm nichts anderes übrigbleibt, als den Turm zu betreten. Im Inneren des gewaltigen Bauwerks erwarten ihn außergewöhnliche Welten, die sich mit jeder Etage verändern und neue Wunder hervorbringen. Mit jedem Stockwerk, das sich Senlin emporarbeitet, erwarten ihn neue Abenteuer. Und er hat keine Ahnung, wie hoch er gehen muss, um seine Frau zu finden, denn niemand weiß, wie hoch dieser Turm ist …

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„Im Turm“ fängt sehr stimmungsvoll an und lässt die Erwartungshaltung des Lesers schon nach den ersten Seiten in die Höhe schnellen. Bancroft schreibt sehr bildhaft und man ist sofort mittendrin im Geschehen. Alleine schon die Ausgangssituation, in die der Autor den Leser wirft, lässt Großes und Episches ahnen. Und in der Tat, je mehr Seiten man von diesem beeindruckenden Debüt liest, desto epischer wird die Geschichte – zumindest im Kopf des Lesers, denn leider versäumt Bancroft des öfteren, etwas genauer auf die verschiedenen Stockwerke / Welten einzugehen, so dass vieles dem Kopfkino des Lesers überlassen bleibt. Was eigentlich nicht schlimm ist, sondern für die Fähigkeiten des Autors spricht, wenn es sich so verhält. Aber bei manchen Begebenheiten hätte ich mir mehr Details gewünscht. Das tut aber dem Unterhaltungswert des Romans dennoch keinen Abbruch.

Manchmal fühlte ich mich tatsächlich an den Film „Snowpiercer“ erinnert, wo ein Zug durch eine apokalypische Welt rast und sich in jedem Waggon sozusagen eine eigene, kleine Welt befindet. „Im Turm“ arbeitet mit der gleichen Grundidee und entführt sowohl den Protagonisten wie auch den Leser in eine Fülle verschiedener Welten, die jeweils ein Stockwerk des gigantischen Bauwerks einnehmen. Da es sich um einen Debütroman handelt, muss auf jeden Fall der sehr angenehme und niveauvolle Schreibstil erwähnt werden, der alleine schon das Buch lesenswert macht. Hinzu kommen die außergewöhnliche Ideen, mit denen Bancroft aufwarten kann. „Im Turm“ ist der erste Teil einer Trilogie und man merkt während des Lesens, dass der Autor seine Handlung gemächlich (was nicht negativ zu werten ist) aufbaut. Der Roman hat eindeutig Potential nach oben und ich bin mir ziemlich sicher, dass Josiah Bancroft seinen Plot genau geplant hat, um mit jedem Band eine Steigerung in der Story zu schaffen.

„Im Turm“ mit Tolkiens „Der Hobbit“ zu vergleichen finde ich etwas unpassend. Außer dem Abenteuercharakter der Geschichte haben die beiden Handlungen herzlich wenig zu tun. Bancrofts Debüt spielt in einem völlig anderen Universum, das in vielen Belangen sogar unserer Realität gleicht und definitiv nicht an eine „Mittelerde“-Stimmung heranreicht. Aber das ist es auch, was den Fantasyroman in meinen Augen so außergewöhnlich macht, denn Bancroft geht einen eigenen, neuen Weg. Er hat zwar einen Fantasyroman geschrieben, aber dennoch in einigen Belangen Bezüge zu unserer wirklichen Welt geschaffen. Wie anfangs schon erwähnt, denke (und hoffe) ich, dass in dem manchmal zäh wirkenden Aufbau Absicht steckt, um in den Folgebänden das verfügbare Potential dieser Story weiter auszuschöpfen. „Im Turm“ wird ein Roman sein, der erst nach dem Lesen seine volle Wirkung im Gehirn bei manchen Lesern entfalten wird, weil die Bilder einfach hängenbleiben. Ich fand den Einstieg der Trilogie auf jeden Fall sehr erfrischend und freue mich schon auf die letzten Teile. Man spürt schon ein leichtes, erwartungsvolles Kitzeln im Bauch, wenn man die Karte des Turms im Buch ansieht und sich vorstellt, was in den weiteren Stockwerken noch alles auf den Protagonisten zukommt. Das Cover ist absolut toll gelungen und ein echter Hingucker. Schade finde ich, dass (wieder einmal, wie leider mittlerweile im Verlagswesen üblich) keinerlei Hinweis vermerkt ist, dass es sich um keinen eigenständigen, abgeschlossenen Roman handelt, sondern um den ersten Teil einer Trilogie. Wahrscheinlich will man damit erreichen, dass das Buch schon jetzt gekauft wird und die Leser nicht so lange warten, bis der komplette Zyklus erschienen ist (was für mich schon auch nachvollziehbar wäre). Aber ein Hinweis wäre dennoch schön gewesen, damit der Leser weiß, auf was er sich da einlässt.

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Fazit: Beeindruckendes und noch ausbaufähiges Erstlingswerk, das den Beginn eines großen Abenteuers darstellt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Schmerzensgeld von Michael Opoczynski

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SchmerzensgeldErschienen als gebundene Ausgabe
mit Lesebändchen!
im Benevento Verlag
insgesamt 288 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 13 9783710900440
Kategorie: Krimi

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Die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen? Was ist das? Wer ist das? Es ist eine Gruppe von Männern und einer Frau, ganz normale Leute in ganz normalen Jobs. Die einen haben mehr Geld, die anderen weniger. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Einen besonderen Sinn für die Gerechtigkeit. Und den setzen sie auch ein. Unauffällig „residieren“ sie in einem unscheinbaren Büro mitten in Berlin.

Wenn jemand sie aufsucht, der ihre Hilfe benötigt und die Gesellschaft der Meinung ist, dort ist Ungerechtigkeit aufzudecken, dann treten sie auf den Plan. Unsichtbar, unscheinbar, im Hintergrund, nicht nachzuverfolgen, aber perfekt organisiert und vorbereitet.

Dies ist ihr erster Fall: Über viele Jahre wurden unzählige einfache Leute durch eine Privatbank betrogen und um ihr Geld gebracht. Sichere Geldanlagen wurden versprochen, mit hohen Zinsen gelockt. Nicht einmal die Mitarbeiter wussten, dass sie Lügen verkaufen. Der ehemalige Oberste dieser Privatbank ruht sich auf seinem „erarbeiteten“ Vermögen aus und lebt einen gediegenen Lebensstil. Als er mal wieder in Deutschland verweilt, klingelt es an der Tür seines Luxusappartements. Er öffnet die Türe, nicht ahnend, dass er seine Entführer hereinbittet, die ihn für seine Schandtaten zur Rechenschaft ziehen werden ….

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Michael Opoczynski, ein Gesicht, dass selbst ich noch aus meinen Fernsehzeiten kenne. Lange Jahre hat er das Wirtschaftsmagazin WISO moderiert und geleitet. Ein sympathischer Fernsehmensch, der gutes und solides Programm gemacht hat, sich mit aktuellen und brisanten Themen beschäftigte. Er schreibt schon länger, hat einige Sachbücher und Ratgeber veröffentlicht und liefert nun mit „Schmerzensgeld“ seinen ersten Roman ab. Einen Krimi um genau zu sein. Als ich die Inhaltsangabe las, dachte ich zuerst an einen Politthriller. Die mag ich ja nun eigentlich nicht, oder mochte sie nicht, bis mich Horst Eckert eines besseren belehrte. Dennoch bin ich bei solchen Themen skeptisch und misstrauisch.

Ich wurde hier sehr positiv überrascht. Michael Opoczynski hat einen wunderbaren ersten Fall um seine „Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen“ geliefert. Ich hatte großen Spaß bei meiner Lektüre und nicht nur einmal ein Schmunzeln auf den Lippen. Opoczynski hat hier so reale und sympathische Protagonisten erschaffen, die wunderbar normal und sehr liebenswert sind. Die aus den verschiedensten Schichten kommen und die unterschiedlichsten Jobs ausüben. Aber eben eines gemein haben: Ihren Sinn für Gerechtigkeit. Und wie sie planen, überlegen, ausfeilen, vorbereiten, dann ausführen, sich selbst motivieren und einfach Spaß haben, an dem was sie tun, ist einfach ganz toll zu lesen.

Wenn man in das seriöse Gesicht des Autors schaut, dann erwartet man doch irgendwie einen trockenen, eher einfallslosen, sachlichen Schreibstil. Weit gefehlt. Sein Schreibstil ist absolut hochwertig und sorgt dennoch für einen sehr angenehmen, gar nicht trockenen Lesefluss. Mir sind die Charaktere sehr ans Herz gewachsen und ich habe mich mit ihnen gefreut und gefiebert.

Opoczynski beschreibt den Hauptstrang sowie eine kleine Nebengeschichte, die auch die Gesellschaft beansprucht. Aber auch Einblicke in das Privatleben seiner Protagonisten liefert der Autor ausreichend.

Man liest wohl aus meinen Zeilen heraus, dass ich sehr begeistert bin von diesem Buch und viel mehr bekommen habe, als ich erwartet hatte.

Den Benevento Verlag kannte ich selbst vorher gar nicht. Er präsentiert den Erstling von Michael Opoczynski als schöne gebundene Ausgabe sogar mit einem Lesebändchen. Das Cover ist düster in grau, schwarz und ein bisschen weiß gehalten, spricht mich aber sehr an. Vor allem die offensichtliche Handschrift des Autorennamens finde ich auch sehr gelungen.


Fazit: Ein sprachlich sehr guter, rasanter und liebenswerter (Polit)Krimi, der eine besondere Gesellschaft vorstellt, die aus ganz großartigen Protagonisten besteht. Eine tolle Idee, eine genial überlegte Handlung mit Sinn, Verstand und ganz viel Gerechtigkeit. Ich freue mich schon sehr auf einen weiteren Fall der Gesellschaft.

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© Marion Brunner__Buchwelten 2018

Der Satyr von Brian Keene

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Erschienen als Taschenbuch
im FESTA Verlag
410 Seiten
13,99 €
ISBN: 978-3-86552-627-4
Kategorie: Horror

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Adam Senft ist Schriftsteller. Er ist eigentlich glücklich mit seinem Leben, wäre da nicht die (sexuelle) Ehekrise mit seiner Frau. Als Adam eines Tages eine Joggerin dabei beobachtet, wie diese bei einer steinernen Statue Fellatio vollführt, gerät die Welt danach immer mehr außer Kontrolle. Die Statue, ein Satyr, ist zum Leben erwacht und sucht die Wälder heim und verführt die Frauen mit einem mysteriösen Flötenspiel.

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Briane Keenes „neuester“, im Festa Verlag erschienener , Roman stammt eigentlich aus dem Jahr 2006 unter dem Titel „The Dark Hollow) („Die dunkle Höhle“). Sechs Jahre später wurde er dann überarbeitet und unter dem Titel „The Rutting Season“ („Brunftzeit“) neu veröfentlicht. „Brunftzeit“ passt wie „Der Satyr“ weitaus besser als Bezeichnung als der Originaltitel. „Der Satyr“ ist eine wunderbare Geschichte über einen Mann und seine (sexuellen Ehe-)Probleme. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich gerade das erste Drittel dieses Werks von Brian Keene genossen habe, weil es sehr menschlich und authentisch verfasst wurde. Da ich selbst ein Mann bin, kann es natürlich gut sein, dass ich die Gedankengänge des Protagonisten besser nachvollziehen kann als eine weibliche Leserin. Ich war schlichtweg davon begeistert und konnte von den Überlegungen (und Problemen) des Adam Senft gar nicht genug bekommen. In jeder freien Minute musste ich das Buch zur Hand nehmen, um weiterzulesen.

Kennen Sie das Gefühl, wenn man in einen Roman so abtaucht, dass man, wenn man weiter liest, wieder sozusagen „heim kommt“? Genau in diese Kategorie fällt „Der Satyr“. Es war jedes Mal wie eine Rückkehr in die Welt des Schriftstellers, der fast permanent von sexuellen Gedanken verfolgt wird und sich auf seinen Hund verlässt, der ihm Halt bei seiner Ehekrise gibt. Keenes Schreibstil ist so flüssig, dass man gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören will. Auch wenn die Charaktere teilweise etwas flach ausgefallen sind, so konnte ich mich hervorragend mit Adam Senft identifizieren und auch die anderen Protagonisten wuchsen mir ans Herz, obwohl sie nicht wirklich Tiefe besaßen. Erfrischend war auch, dass Keene die sexuelle Komponente niemals übertrieben und pornografisch werden ließ, sondern immer ein gewisses Maß an Niveau beibehielt. Das hat mir außerordentlich gut gefallen. Mit „Der Satyr“ hat mich Brian Keene erneut überzeugt und ich kann die Worte von „Horror Review“, dass Keenes Name in einem Atemzug mit denen von King, Koontz und Barker genannt werden sollte, nur bestätigen. Brian Keene besitzt ein sicheres Händchen für bildhaft beschriebene Geschichten, die spannend, unterhaltsam und vor allem atmosphärisch sind.

Man merkt schon, dass ich schwer begeistert bin von dieser erotischen Horrorstory. 😉
Aber einen kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch: Brian Keene verfällt im letzten Drittel des Romans immer mehr in eine Richtung, die mir zu reißerisch vorkommt. Vieles wirkt übertrieben. Als hätte Keene mit aller Gewalt versucht, ein dramatisches Finale mit möglichst viel Action hinzubekommen. (Den gleichen Fehler hat Stephen King meiner Meinung übrigens auch öfter gemacht.) Das letzte Drittel stört ein wenig gegenüber den bedeutend ruhigeren und stimmungsvolleren ersten zwei Drittel. Es ist zwar nicht so, dass das nun den gesamten Roman zunichte gemacht hätte, denn es ist immer noch sehr gut geschrieben, aber ich hätte mir da einfach weniger gewünscht. Das hätte, zumindest bei mir, bedeutend mehr Wirkung gehabt. Nichtsdestotrotz ist Keenes „Der Satyr“ ein Roman, der hervorragend unterhält und genial geschrieben ist. Er fällt unter die Kategorie jener Werke, die ich -sofern die Zeit es zulässt- sofort noch einmal lesen würde. Vergessen werde ich die Schauermär vom Satyr auf jeden Fall nicht so schnell. Und auch der Protagonist hat einen Weg in mein Langzeitgedächtnis gefunden. 🙂

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Fazit: Sehr stimmungsvolle, erotische Horrorgeschichte, die man nicht so schnell vergisst.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Müritz, Mord und Mückenstich von Charly von Feyerabend

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Erschienen als Taschenbuch
im Emons Verlag
288 Seiten
11,90 €
ISBN: 978-3-7408-0391-9
Kategorie: Krimikomodie

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Frieda ist Journalistin, Frieda ist schwanger und Frieda ist campen an der Müritz. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. Back to Nature ist toll, dass sagt ihr Gatte. Ganz toll, denkt Frieda, denn sie hasst Campen.

Doch als Frieda auf Ihrer Parzelle in ihrer Hängematte einen Toten findet, da scheint nun doch ein bisschen Schwung in den langweiligen und unspektakulären Campingalltag zu kommen. Sofort sind ihr Ermittlergeist und ihre Spürnase aktiviert und Frieda will unbedingt mehr über den Toten und seinen ominösen Abgang herausfinden. Denn Frieda findet, dass der Fall durch die örtliche Polizei viel zu schnell abgehakt wird.

Sie knüpft Kontakte, schnüffelt ein bisschen hier und ein bisschen da. Das sie schwanger ist und eigentlich mit ihrer Familie da ist, vergisst sie zwar nicht, aber so wirklich wichtig nimmt sie diese Dinge auch nicht.

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Die Autorin Charly von Feyerabend hat hier einen humorvollen Frauenkrimi abgeliefert, der sicher eine abwechslungsreiche Urlaubslektüre ist. Witzig, frech und lustig geschrieben lässt sie ihrer Protagonisten die kleine „Mamanase“ in so ziemlich jede Angelegenheit stecken, die sie nichts angeht.

Man erhält einen amüsanten Einblick in das Leben auf einem Campingplatz mit seinen schönen und unschönen Seiten (Gemeinschaftswaschräume … ) und das „Gekungel“, was offensichtlich an diesen Orten nicht unnormal ist. Hier leben viele verschiedene Menschen zusammen auf einem kleinen Fleck Natur in Zelten oder Mobilheimen. Viele als Dauercamper, die ein gewisses Herrschaftsrecht für sich beanspruchen und die Camper, die einfach so dort verweilen, mit einem Naserümpfen so gerade akzeptieren.

Man liest aus meinen Worten, dass es sich hier wirklich um einen Krimi der humorvollen und etwas ausgefalleneren Art handelt. Das macht sich auch in der sehr umgangssprachlichen Ausdrucksweise der Autorin bemerkbar. Es gibt sehr viel hihi, höhö, argh, grmpf, etc. Der Ehemann ruft Frieda z.B. ständig Schahatz. Für mich ist diese Art von Comic-Schreibstil leider nichts, ich mag es nicht, mir ist es zuviel und es nervt mich ab einem gewissen Punkt leider nur noch.

Meine Erwartungen hat das Buch in dem Fall insoweit einfach nicht erfüllt, aber ich hatte wohl auch einfach andere Vorstellungen. Aber es gibt viele Leser, die gerade das toll und lustig finden, sich genau von solch einem lockeren, flockigen Sprachgebrauch mitreißen lassen und ihn genießen und die aus dem Schmunzeln oder Lachen nicht herauskommen.

Im Anhang des Krimis gibt es noch viele Seiten mit leckeren Camping-Rezepten, die aber auch für Nicht-Camper lecker sind. Ich selbst habe einiges gefunden, was mich neugierig macht.

Fazit: Eine Kriminalkomödie geschrieben in einem sehr lockeren, umgangssprachlichen Schreibstil, der sicher Geschmackssache ist. Eine kurzweilige Urlaubslektüre rund um den Campingplatz und seine unterschiedlichsten Bewohner und Gäste.

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© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Nie zu alt für Casablanca – V.I.E.R. auf Kreuzfahrt von Elisabeth Frank und Christian Homma

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
347 Seiten
12,00 €
ISBN: 978-3-89425-583-1
Kategorie: Krimi

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V.I.E.R., so nannte sich die Gruppe der Freunde, als sie Kinder waren. Sie waren sehr eng befreundet und haben Detektiv gespielt, so richtig gut vorbereitet, mit Equipment und körperlich durchtrainiert.

V (Gero Valerius), I (Ina-Marie), E (Eleonora) und R (Rüdiger), das waren die vier unterschiedlichsten Kinder, die dennoch immer zusammenhingen.

Zwei aus der Gruppe haben bis in ihr fortgeschrittenes Erwachsenenalter ihre Freundschaft aufrechterhalten und gepflegt. Ina und Rüdiger sind bis heute in regem Kontakt. Und als Rüdiger in ein tiefes Loch der Trauer fällt, weil seine Frau nach langer Krankheit verstirbt, da regt sich in Ina eine Idee.

Sie arbeitet als freie Journalistin und ist sich ziemlich sicher, einen Skandal aufdecken zu können: Nämlich, dass unter dem Deckmäntelchen einer Kreuzfahrt illegal Elfenbein geschmuggelt wird. Ina-Marie macht sich daran, ihre Bande aus Kindertagen wieder zusammenzubringen. Sie will die V.I.E.R. reaktivieren. Ina ist sicher, dass sie damit zum einen Rüdiger aus seinem Loch herausziehen und zweitens den Elfenbeinschmuggel aufdecken kann.

Doch funktioniert das? Wie wird das sein, wenn man die Menschen wieder trifft, die nun Mitte 40 sind und die man zuletzt beim Abitur gesehen hat? Haben sie sich verändert? Werden sie sich noch verstehen oder Fremde sein ….?

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V.I.E.R. Auf Kreuzfahrt ist ein Urlaubskrimi, ein Krimi á la TKKG oder auch ??? für Erwachsene.

Hier hat das Autorenduo sich 4 Protagonisten ausgedacht, die bewusst entsprechende Charaktereigenschaften aufweisen sollen: die toughe Ina, die damals schon die Anführerin war. Gero Valerius, das Raubein/der Soldierboy, minimalistisch, streng, pedantisch und nervtötend. Die liebe Eleonora, die mittlerweile brave Ehefrau und treusorgende Mama ist und der sanfte Rüdiger, lieb, traurig, hochempfindlich und ein Emo.

Die 4 müssen sich natürlich erst einmal wieder zusammenraufen, was humorvoll und auch kurzweilig ist. Die Reise auf dem Kreuzfahrtschiff ist abwechslungsreich und voller kriminaltechnischer Aktionen. Die Gruppe strotzt voller Ideen und Einfallsreichtum und gibt nicht auf. Der ganze Plot ist sicher gut durchdacht und ich fand die Geschichte auch nicht schlecht.

Viele Leser werden diese Art der Urlaubslektüre toll finden und ihren Spaß daran haben. Ich fand die Grundidee auch gar nicht so schlecht, richtig umgehauen hat mich der Krimi aber leider trotzdem nicht.
Er war nett, aber nicht sonderlich herausragend. Mir waren die Charaktere, wie oben erwähnt, zu „vorgefertigt“, ein bisschen zu wenig „sie selbst“. Ich kann es schlecht erklären, aber oft machen sich Figuren im Laufe einer Handlung selbständig, verändern sich in Richtungen oder tun Dinge, die auch vom Autor nicht geplant waren. Das war hier nicht so und irgendwie hat das gewisse Etwas für mich gefehlt.

Leser, die den Roman wirklich im Urlaub auf Reisen lesen, werden sicher auf Ihre Kosten kommen. Es gibt auch schöne touristische Stellen und Erklärungen zu den Orten, die besucht werden.

Ein netter Krimi um eine groß gewordene Kinderbande, sie sich nach langer Zeit in ihren Vierzigern wieder trifft und ein Abenteuer erlebt. Eine kurzweilige Urlaubslektüre um ein privates Ermittlerteam in schöner Umgebung, aber für mich eben kein Krimi, der mich wirklich mitgerissen hat.

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© Marion Brunner_Buchwelten 2018

 

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The Hunger – Die letzte Reise von Alma Katsu

The Hunger - Die letzte Reise von Alma Katsu

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 448 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31927-1
Kategorie: Historie, Drama

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Im Jahr 1846 macht sich eine Gruppe von Siedlern auf den Weg von Illinois nach Kalifornien. Sie erhoffen sich ein glücklicheres Leben und eine bessere Zukunft. Doch schon bald müssen sie feststellen, dass die Reise durch die Weiten der Prärie weitaus gefährlicher ist, als sie annahmen. Hinzu kommt, dass es nicht nur die Natur ist, die ihnen zu schaffen macht, sondern es lauert eine noch weitaus schlimmere Gefahr auf den Treck unter der Leitung von George Donner.

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Schon beim Klappentext und nach den ersten Seiten weiß man, wohin diese Reise führt. „The Hunger – Die letzte Reise“ von Alma Katsu erinnert tatsächlich in vielerlei Hinsicht an Dan Simmons‘ grandioses Epos „Terror“. Das mag zum einen an der ähnlichen Ausgangssituation liegen (eine Gruppe von Menschen findet sich in einer nahezu ausweglosen Situation wieder und muss mit allen Mitteln ums Überleben kämpfen), zum anderen aber auch an der durchgehend fast schon depressiven Atmosphäre, die sich über die gesamte Geschichte wie ein Leichentuch legt. Man spürt die Angst und Panik, leidet und hofft mit den Menschen und kann sich der trostlosen Stimmung nicht entziehen, weil sie extrem authentisch und bildhaft von der Autorin dargestellt wird. „The Hunger – Die letzte Reise“ wird definitiv auch jene Leserschaft begeistern, die bereits Simmons‘ „Terror“ zu ihrem persönlichen Meisterwerk auserkoren haben.

Alma Katsus Schreibstil ähnelt dem von Dan Simmons, ist aber weitaus weniger detaillierter und „einfacher“, wodurch der Plot um einiges gerafft wird. Das mag den ein oder anderen Leser ansprechen, andere werden gerade dieses epische Element vermissen. Katsus Roman ist dadurch weitaus schneller und weniger langatmig zu lesen, was vielen Lesern entgegenkommen wird. Ich persönlich fand die Länge des Romans durchaus angenehm und weder zu lang noch zu kurz, wenngleich ich das bedeutend längere Werk „Terror“ durchaus genossen habe. Aber ich habe auch „The Hunger – Die letzte Reise“ mit jeder Seite genossen. Die Charaktere wurden sehr glaubhaft und lebensnah beschrieben, so dass man ihre Gedankengänge absolut nachvollziehen konnte. Auch wenn Alma Katsus Werk nicht den gleichen Zauber wie „Terror“ besitzt, so geht die Autorin einen konsequenten Weg, der betroffen macht und an einigen Stellen auch schockiert. Niemals wird aber die Atmosphäre mit reißerischen Szenen gestört (oder gar kaputt gemacht), sondern selbst die schockierenden Momente werden in einer ruhigen Weise geschildert. Man spürt die Kälte und Angst, aber auch die Verzweiflung der Protagonisten und ist oftmals hautnah bei den Geschehnissen dabei. Katsu lässt ihre Leser auch einen Blick in die Vergangenheit mancher Protagonisten  werfen, was der ganzen Geschichte einen nostalgischen Touch gibt, der einen über das Leben nachdenken lässt.

Alma Katsu hat zwar einen historischen Roman geschrieben, kratzt aber letztendlich nur an den wahren Begebenheiten. Sie nimmt eher die wahre Ausgangssituation, um sie in einen gruseligen Roman zu verwandeln. Ich meine das nicht negativ, aber als ich im Nachwort über die Ereignisse des Donner-Trecks gelesen habe, hätte ich mir im Roman tatsächlich etwas mehr Historie gewünscht. Alma Katus hat der wahren Geschichte einen mystischen Touch gegeben (ähnlich wie Dan Simmons in „Terror“ und „Drood“), löst aber das Rätsel nicht wirklich auf. Das wiederum empfand ich als Pluspunkt des Romans, den es bleibt nach dem Lesen unweigerlich ein bedrückendes Gefühl im Magen zurück, weil man darüber nachdenkt, was denn damals wirklich passiert ist. Insgesamt hat mich „The Hunger – Die letzte Reise“ absolut gut unterhalten und ich habe mich in der tollen Stimmung sehr wohl gefühlt, hätte mir aber einfach ein wenig mehr historische Details gewünscht. Die Mischung aus historischem Drama und mystischem Gruselhorror funktioniert auf alle Fälle hervorragend und auch dieses Buch wird, wie schon „Terror“, in meinem Gedächtnis haften bleiben.

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Fazit: Absolut gelungene Mischung aus historischem Drama und mystischem Gruselhorror. Für Fans von Dan Simmons‘ „Terror“ ein Muss.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten