Der Spalt von Peter Clines

Der Spalt von Peter Clines

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 526 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31705-5
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Einem Team von Wissenschaftlern ist es gelungen, Menschen zu teleportieren. Damit das Experiment genügend finanzielle Mittel bereitgestellt bekommt, wird Mike Erikson als Beobachter und Berater eingesetzt, um die Geldspritzen zu rechtfertigen. Je mehr Erikson sich mit dem Experiment beschäftigt, desto schlimmer werden seine Vermutung, dass durch das Portal unheimliche Dinge geschehen.

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Peter Clines Wissenschafts-Thriller beginnt tatsächlich wie ein Roman aus der Feder von Michael Crichton. Von der ersten Seite an hat mich der Plot um das Teleportations-Portal in den Bann gezogen und ich musste mich schwer beherrschten, das Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen. Clines schafft eine hervorragende Abenteuer-Stimmung, die einen nicht mehr loslässt. Man kann es kaum erwarten, wie die Geschichte weitergeht und wie sich die Personen entwickeln. Denn auch die Charakterzeichnungen, die Clines seinen Protagonisten aufdrückt, sind interessant, liebenswert und vor allem sehr menschlich, wenngleich sie nicht sehr in die Tiefe gehen. Aber das macht gar nichts, denn der Plot treibt den infizierten Leser voran, der sowieso nicht auf solche „Kleinigkeiten“ achten würde.

Der Schreibstil ist klar, flüssig und einfach gut zu lesen. Man fühlt sich, als wäre man direkt bei den beschriebenen Ereignissen mit dabei. Hin und wieder fühlt man sich eine Folge von Akte X erinnert, oftmals dachte ich aber an „Prey – Beute“ von Michael Crichton oder David Cronenbergs Kultfilm „Die Fliege“. Peter Clines ist Filmfan und bringt oft Anspielungen auf Klassiker an, die fast jeder kennen dürfte. Gerade das macht die Protagonisten so authentisch, weil sie sich nicht in einer Fantasywelt bewegen, sondern in der Realität, wie wir sie eben auch kennen. Aber das trifft leider nur auf die ersten beiden Drittel des Romans zu.

Anscheinend wollte Clines ein furioses, actionreiches Finale hinzaubern und lässt dadurch die Handlung in ein nicht mehr allzu glaubwürdiges Szenario abfallen, auf das man besser verzichtet hätte. Es wird unheimlich, apokalyptisch und fantastisch. So manches Mal fühlte ich mich da in die Verfilmung aus dem Jahre 2002 von H.G. Wells „Die Zeitmaschine“ versetzt. Die Entwicklung der Handlung war durchaus spannend und interessant, aber sie passte für mich einfach nicht zu den Anfängen der Geschichte. Klar liest sich auch im Finale „Der Spalt“ noch wie ein echter Pageturner und man sieht die beschriebenen Szenen wie einen CGI-kreierten Blockbuster vor seinem inneren Auge. Aber die Glaubwürdigkeit der ersten beiden Drittel leidet durch das aufgemotzte Finale sehr. Nichtsdestotrotz ist „Der Spalt“ ein echter Pageturner, der einen von Anfang an mitreißt und nicht mehr loslässt. Die Story wird filmreif, also sehr bildlich, beschrieben. Ich bin schon sehr auf Clines‘ neuen Roman mit dem Titel „Der Raum“ gespannt.

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Fazit: Ein Roman wie eine Achterbahnfahrt, der einen nicht mehr loslässt. Was als Wissenschaftsthriller a la Michael Crichton beginnt, entwickelt sich gegen Ende hin allerdings in eine völlig andere Richtung, nämlich zu einem Blockbuster ähnlichen Science Fiction-Fantasy-Mix mit Monstern.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das zweite Schiff (Rho Agenda 1) von Richard Phillips

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
432 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-3-492-26991-9

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Im Jahr 1948 kann das amerikanische Militär in New Mexico ein abgestürztes, außerirdisches Raumschiff bergen. Über Jahrzehnte hält die Regierung diesen spektakulären Fund geheim. Bis eines Tages drei Jugendliche durch Zufall ein zweites Raumschiff entdecken und damit ein bedrohliche Hetzjagd ins Rollen bringen …

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Schon nach den ersten Seiten wird klar, dass man es bei „Rho Agenda“ mit einem klassischen Science Fiction-Roman zu tun bekommt, der technische Hard-SF mit jugendlichem Abenteuerroman verbindet. Das Konzept geht auf und man wird sofort von der bildhaft geschilderten Handlung mitgerissen. Wie bei einem typischen SF-Film aus den 80er-Jahren begleitet der Leser drei jugendliche Freunde, die durch Zufall einen spektakulären Fund machen und zuerst unschlüssig sind, wie sie sich verhalten sollen. Phillips braucht eine Weile, um dem Leser die Protagonisten nahe zu bringen, vor allem denkt man anfangs, es handelt sich vielmehr um Erwachsene als um Jugendliche. Aber das ändert sich schon bald.

Dem Verlag (und auch dem Buch) wird wohl des Öfteren vorgeworfen, es handle sich um eine Mogelpackung, da der Verlag den Roman als Buch für Erwachsene anpreist. „Bei „Das zweite Schiff“, übrigens dem ersten Teil eines Zyklus, handelt es sich in der Tat um einen Genremix aus Teenager-Abenteuer, Mystery und Science Fiction. Aber was ist so schlimm daran, dass Jugendliche die Hauptperson spielen? Und als typisches Jugendbuch würde ich dieses Werk auch nicht unbedingt bezeichnen, denn an manchen Stellen wird es schon auch einmal brutal und blutig. Ich für meinen Teil habe diese Geschichte wirklich sehr genossen, zumal sie ich, wie schon oben erwähnt, an SF-Filme wie „Explorers“, „Zathura“ oder die Serie „Roswell“ erinnert hat.
Richard Phillips‘ Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen und hält, bis auf einige umgangssprachliche Ausrutscher (die allerdings auch an der Übersetzung liegen könnten), ein durchwegs ansprechendes Niveau.

Sicherlich strotzt der Plot nur so von klischeehaften Bildern der Guten und der Bösen. UFOs, FBI, Serienkiller und drei Jugendliche, die alles in den Griff kriegen, das hat schon was von Enid Blytons „Fünf Freunde“ oder Alfred Hitchcocks „Die drei ???“. Aber auch so etwas hat seine Existenzberechtigung und ist noch um Längen besser wie so manch genauso klischeebehafteter Action-Blockbuster des heutigen Kinos. Richard Phillips hat mit diesem ersten Abenteuer einen soliden Grundstein für die weitere Geschichte gelegt und, wenngleich die Charaktere nicht immer optimal ausgearbeitet wirkten, so habe ich sie auf gewisse Art und Weise ins Herz geschlossen und bin wirklich sehr gespannt, wie es weitergeht. Wir haben es bei diesem Roman also mit einer zwar seichten, aber durchaus funktionierenden Unterhaltung zu tun, die zudem auch noch spannend und sehr bildhaft erzählt wird. Ich hatte einen Riesenspaß mit dem ersten Teil der „Rho Agenda“-Serie und freue mich schon auf Teil 2 und 3. Bleibt nur zu hoffen, dass der Verlag die weiteren Bände, von denen im Original bereits zwei weitere erschienen sind, ebenfalls publiziert.

Für Science Fiction- und Abenteuerfans kann ich „Das zweite Schiff“ trotz klitzekleiner Makel nur empfehlen.

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Fazit: Äußerst spannender und absolut unterhaltsamer Science Fiction-Roman mit sympathischen, jugendlichen Protagonisten und dem charmanten Flair von 80er Jahren-Filmen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Smoke von Dan Vyleta

Erschienen als Taschenbuch
bei carl’s books
620 Seiten
16,99 €
ISBN: 978-3-570-58568-9

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Thomas und Charlie sind Internatsschüler, die den Rauch hinterfragen. Der Rauch: Ein Phänomen, das fast die gesamte Bevölkerung betrifft und wie eine Krankheit alle bösen, unaufrichtigen und dunklen Gedanken als Rauchwolke, die den Körperöffnungen entschweben, sichtbar macht. Die beiden Jungen treffen auf Livia, die Tochter einer undurchsichtigen Lady, die von einem Geheimnis umgeben ist, das ebenjenen Rauch betrifft. Die drei Jugendlichen decken bald eine Verschwörung auf, die lebensgefährlich für sie werden könnte.

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Was wie eine Art „Harry Potter“ anfängt, endet in einer Parabel über das Gute und Böse im Menschen, über die Menschlichkeit an sich. Es dauert anfangs eine Weile, bis man sich in der Welt von Dan Vyleta zurechtfindet. Aber schon bald spürt man den Sog des Buches, was vor allem an der ungeheuren Sprachgewalt des Autors liegt. Einerseits schreibt Vyleta in einem wunderbar verständlichen Ton, andererseits werden dem Leser faszinierende Wortspielereien serviert, die zum Nachdenken anregen. An manchen Stellen wird die Gedankenwelt der Protagonisten auf unglaublich intensive Art geschildert, die das eigene Kopfkino ebenfalls zum Laufen bringt. Es ist keine leichte Kost, die Dan Vyleta da verfasst hat. Geschickt in ein jugendliches Abenteuer verpackt, spricht der Roman allerdings eher die Erwachsenen an, denn der Plot fordert den Leser.

„Smoke“ wirkt auf den ersten Blick wie eine Fantasy-Abenteuer-Geschichte, fast schon wie eine Dystopie, ist aber im Grunde genommen ein literarischer Wurf vom Format eines Charles Dickens. Genau von Dickens stammt auch das Zitat, das dem Werk vorangestellt ist, und den Autor zu seiner Geschichte inspiriert hat. Mir persönlich hat vor allem die sprachliche Gewandtheit Vyletas gefallen, der an einigen Stellen fast schon visionär wie seinerzeit Samuel R. Delany oder Iain Banks wirkt. Man versteht nichts und dennoch irgendwie alles. Diese Stellen sind eine kleine Meisterleistung, die mich absolut beeindruckt hat. Vyleta lässt Bilder (und Gedanken) in den Köpfen der Leser aufleben, die faszinieren. „Smoke“ mutet an einigen Stellen wie ein Steampunk-Projekt an, an anderen wieder wie ein Jugendbuch. Geschickt lässt Vyleta verschiedene Stilrichtungen verschmelzen, spricht Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen an, und verführt zum Nachdenken. Ein Hauch Mystery wechselt sich ab mit alt anmutenden Gesprächen im viktorianischen England, um kurz darauf in ein episches, düsteres Weltuntergangsszenario abzudriften, das aber keineswegs hoffnungslos erscheint. „Smoke“ steckt voller Überraschungen und eigenwilliger Ideen.

Hin und wieder wird auf unsere reale Welt angespielt, so dass sich das England in „Smoke“ bald wie ein Paralleluniversum „anfühlt“. Das Szenario wirkt einfach absolut echt und reißt einen unweigerlich mit. Erfreulicherweise erklärte sich ein Verlag bereit, dieses nicht am Mainstream orientierte Werk in Deutschland zu verlegen. Gerade solche Genremixe, die sich nicht in eine Schublade stecken lassen, haben es beim Publikum immer sehr schwer, da viele einfach nicht für solche abgedrehten Geschichten offen sind. Alleine aus diesem Grund ist „Smoke“ ein Lichtblick in der Welt der Literatur, die immer mehr von standardisierten Thriller und Krimis heimgesucht wird. Aus meiner Sicht ist „Smoke“ ein sehr eigenwilliges, mutiges und inspirierendes Buch.

Einziger kleiner Wermutstropfen sind die teils lieb- und farblosen Charaktere, mit denen man schwer bis gar nicht richtig warm wird. Aber der Plot und der Ideenreichtum wiegen dieses bedauerliche Manko auf.

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Fazit: Spannend, innovativ und hervorragend geschrieben. Interessanter Genremix, der zum Nachdenken auffordert. Die Personen leiden allerdings unter einer teilweise schwachen Charakterdarstellung.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Extinction von Kazuaki Takano

Extinction von Kazuaki Takano

Erschienen als Taschenbuch
bei Penguin Verlag
558 Seiten
10,00 €
ISBN: 978-3-328-10009-6

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Jonathan Yeager nimmt aus Verzweiflung einen gut bezahlten Job an, um die sehr teuren Behandlugsmethoden an seinem todkranken Sohn zu finanzieren. Yeager soll in den Kongo, um den Ausbruch eines tödlichen Virus zu unterbinden. Gemeinsam mit weiteren Freiwilligen begibt er sich in den Dschungel, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern. Doch schon bald entdeckt er und seine Gefährten, dass es um etwas völlig anderes geht: Ein kleiner Junge scheint die Macht über die Zukunft der gesamten Menschheit inne zu haben und der amerikanische Präsident fürchtet seine Existenz …

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Warum der Verlag den Originaltitel „Extinction“ nicht mit „Vernichtung“ oder „Aussterben“ ins Deutsche übersetzt hat, verstehe ich überhaupt nicht. „Extinction“ klingt zwar gut, aber viele LeserInnen der älteren Generation verstehen den Sinn dieses Wortes nun mal überhaupt nicht. Und es handelt sich hierbei ja schließlich um die deutsche Übersetzung. Aber nun gut, dass „deutsche“ Titel in der Buch- und Filmbranche manchmal zu wünschen übrig lassen, ist ja nichts Neues. Mit dem Inhalt hat so etwas glücklicherweise nichts zu tun.
„Extinction“ ist ein Pageturner, ein Kino-Blockbuster in Buchform. Man merkt, dass der Autor Kazuaki Takano Drehbuchautor ist und eine entsprechende Dramatik erschaffen kann, die fasziniert. Der Plot funktioniert tatsächlich wie ein Film, den man während des Lesens vor seinem geistigen Auge ablaufen sieht. Takano schreibt sehr bildlich und vor allem flüssig, so dass man das Buch schwer aus der Hand legen kann. Auch wenn einige medizinische und wissenschaftliche Beschreibungen zu sehr ins Detail gehen, wirkt das Ganze niemals langweilig oder ermüdend.

Es sind zwei Handlungsstränge, die Takano im Laufe des Buches geschickt miteinander verbindet. Gerade durch die wechselnden Schauplätze wird „Extinction“ niemals langweilig und man will immer noch ein Kapitel mehr lesen, um zu erfahren, was im anderen Handlungsstrang geschieht. Takanos Wissenschaftsthriller liest sich wie eine Mischung aus Michael Crichtion und James Rollins. Gerade wegen der „militärischen“ Seite fühlt man sich des öfteren an Rollins‘ Sigma Force-Reihe erinnert, allerdings hat Takano eindeutig einen eigenständigen Stil und kopiert nicht. Die Nebendarsteller sind allerdings leider etwas oberflächlich geraten, nur der junge Wissenschaftler Kento Koga und Yeager samt Familie erwecken eine gewisse Sympathie beim Leser. Vor allem Koga ist mir während des Lesens sehr ans Herz gewachsen. Einzig an der Charakterisierung  der „neuen Lebensform“ scheitert Takano fast. Man kann sich dieses neue Überwesen schwerlich vorstellen, obwohl der Autor es zwar beschreibt, aber irgendwie nicht überzeugend genug. Da wäre durchaus noch mehr Potential vorhanden gewesen, um den Menschen der Zukunft exakter und detaillierter zum Leben zu erwecken. Dennoch greift Takano ein überaus interessantes Thema auf und schafft es auch, dieses absolut gut recherchiert in einen spannenden Roman zu verpacken.

Der Autor behandelt in seinem Roman auch weltpolitische, und stark auf die USA abzielende, Probleme und Missstände. Das regt natürlich zum Nachdenken an und ich bin sicher, dass vieles davon auch der Wahrheit entspricht, allerdings kam es mir an manchen Stellen arg übertrieben und aufgesetzt vor. Handlungstechnisch passten diese Einschübe aber dennoch in den Gesamtplot und machten ihn stimmiger. Wenngleich Takano wirklich hervorragend recherchiert hat und dem Thriller dadurch einen sehr glaubwürdigen Rahmen gegeben hat, werden einige Dinge zu schnell (und manchmal auch nicht nachvollziehbar) abgehandelt, so dass es einem vorkommt, als hätte man dadurch versucht, einige Logiklöcher zu übertünchen. Nichtsdestotrotz ist „Extinction“ eine spannende Lektüre, über die man auch ein wenig nachdenkt, wie es mit unserer Welt (und der Evolution) eines Tages weitergehen wird.

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Fazit: Drehbuchautor Kazuaki Takano verbindet detaillierte Wissenschaft mit einer spannenden, überaus interessanten Evolutionstheorie zu einem faszinierenden Thriller.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Enceladus von Brandon Q. Morris

Erschienen als Taschenbuch
bei CreateSpace Independent Publishing Platform
444 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-1542629195

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Eine Sonde entdeckt im Jahr 2031 auf dem Saturnmond Enceladus Spuren, die eventuell auf eine außerirdische Lebensform hinweisen. Fünfzehn Jahre später macht sich ein bemanntes Raumschiff auf den Weg durch das All, um den Hinweisen nachzugehen. Doch schon kurz nach dem Start scheint das Unternehmen zum Scheitern verurteilt zu sein. Doch die Crew gibt nicht auf und hält an ihrer Mission fest …

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Ich stieß durch Zufall auf „Enceladus“ und wurde aufgrund der Inhaltsangabe neugierig. Schon auf den ersten Seiten wusste ich, dass mir das Buch gefallen würde. Morris (hinter diesem Pseudonym verbirgt sich übrigens der Schriftsteller, Physiker und Weltraumspezialist Matthias Matting) geht sofort in die Vollen und wirft den Leser in eine unglaublich authentische Welt der Forschung und Raumfahrt. Die Dialoge sind unglaublich gut gelungen und vermitteln das Gefühl, man wäre direkt mit dabei. An manchen Stellen fühlte ich mich bei den Gesprächen an Science Fiction-Klassiker wie unter anderem  „Dark Star“ von John Carpenter, „Mission To Mars“ von Brian dePalma oder auch „Apollo 13“ von Ron Howard erinnert. Durch diese wissenschaftlichen Dialoge schafft Morris innerhalb weniger Augenblicke eine sehr intensive und vor allem glaubwürdige Atmosphäre. Der Schreibstil ist sehr flüssig und kurzweilig.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt: Zum einen begleiten wir die Crew auf ihrer Reise durchs Weltall und zum anderen nehmen wir an der Erforschung des Saturnmondes Enceladus teil. Sowohl im ersten wie auch im zweiten Teil kann Morris mit seinem Schreibstil absolut überzeugen und lässt einen beeindruckenden Film im Kopfkino des Lesers ablaufen. Sicherlich fühlt man sich oftmals an Werke von Arthur C. Clarke, Alistair Reynolds, Stephen Baxter oder zuletzt Andy Weirs „Der Marsianer“ erinnert, aber aus meiner Sicht hat Morris einen ganz eigenen Stil gefunden, der für mich „Enceladus“ zu einem echten Pageturner gemacht hat. Ich wollte das Buch an keiner Stelle so richtig aus der Hand legen, so hat mich der Plot und die Beschreibungen fasziniert. Auch wenn die Charaktere nicht hundertprozentig in die Tiefe gehen, den Hauptprotagonisten einmal ausgenommen, so wirkt sich das keinesfalls störend auf die Geschichte aus. Ich konnte zumindest zu allen Personen eine halbwegs vernünftige Verbindung aufbauen, was mir auch völlig gereicht hat.

Anfangs dachte ich, Morris verzettelt sich in zu vielen wissenschaftlichen Details. Aber das passierte wirklich nur an einigen Stellen und erledigte sich später von selbst. 😉 Die Vorgänge werden teils sehr detailliert geschildert, wirkten aber niemals langweilig (oder sogar besserwisserisch) auf mich, sondern fügen sich einfach perfekt in den Handlungsablauf ein, so dass ein glaubwürdiges Szenario entstand, dem ich mich wirklich schwer entziehen konnte. Ich war sozusagen auf dieser Mission mit dabei.
Vielen wird dieser wissenschaftliche Roman zu ruhig und langweilig sein. Ich persönlich verliere mich gerne in solchen „ruhigen“ Szenarien, die auf engem Raum im Weltall spielen. Morris hat einen „Film“ geschrieben, der fesselt. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil und die Fortführung dieser sehr interessanten Geschichte.

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Fazit: Spannend, kurzweilig und wissenschaftlich authentische Science Fiction aus Deutschland mit einem filmreifen Plot. Daumen hoch!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Schänderblut von Wrath James White

schaenderblut

Erschienen als Taschenbuch
im FESTA Verlag
336 Seiten
13,95 €
ISBN: 978-3-86552-219-1

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Joseph Miles wurde vor 15 Jahren von einem Kinderschänder entführt und im Keller gefangengehalten, wo er gefoltert und sexuell missbraucht wurde. Aber er hat überlebt.
Schleichend überkommt ihn immer mehr das Verlangen nach menschlichem Fleisch. Joseph sucht den Grund für diese Neigung, die Hand in Hand mit einer perversen sexuellen Lust einhergeht, in seiner Vergangenheit. Er studiert die Leben von Serienkillern und beschäftigt sich mit den Mythen, die sich um Vampire, Werwölfe und Kannibalen ranken. Joseph ist felsenfest davon überzeugt, dass er damals durch seinen Peiniger von einem Virus infiziert worden ist, dass nun ebenfalls eine solch kannibalische Bestie aus ihm macht. Und so macht sich Joseph auf die Suche nach dem Kindesentführer, um ihn zu töten. Denn, wie bei Vampiren und Werwölfen, soll der Infizierte mit dem Tod seines „Meisters“ Erlösung finden. Joseph ist überzeugt davon, dass er wieder ein normaler Mensch werden kann, wenn er den Mann tötet, der ihn in einen sexsüchtigen Kannibalen verwandelt hat.

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Ich hatte bei „Schänderblut“ nicht das erwartet, was drin steckt. Ich dachte, ich würde mich durch eine brutale, blutige und schockierend harte Geschichte lesen, die aber, wie bei so vielen Büchern  dieser Art, nicht weiter in die Tiefe geht. Weit gefehlt. Wrath James White schildert die Gedanken eines Serienkillers. Er lässt uns auf der einen Seite an seinen abartigen Morden und Sexabenteuern und auf der anderen Seite an seinen Zweifeln und Ängsten teilhaben. White faltet die Psyche dieses gestörten Mörders wie eine Landkarte vor uns auf und versucht, Lösungen aus der gewalttätigen Misere zu finden.
White schafft es meist auf relativ hohem Niveau, die morbiden Gedankengänge des Protagonisten zu schildern. Nur hin und wieder gleitet er in eine einfache Umgangssprache ab, die aber erfreulicherweise den Lesefluss der Geschichte nicht stört. Im Großen und Ganzen bewegt sich White aber auf einem sprachlichen Niveau, das leider allzu selten in Büchern dieser Art vorkommt. Das war auch schon der erste Punkt, der mich bei „Schänderblut“ begeistert hat.

White spart nicht mit ekelhaften, brutalen Blutbädern, die meistens unter die Haut gehen und den Leser schlucken lassen. Aber … (und das ist wieder ein großer Pluspunkt an Wrath James White) er lässt niemals die Handlung aus den Augen, soll heißen die blutigen Splattereinlagen haben Sinn und wurden nicht einfach nur des Ekelfaktors Willen geschrieben. Das alles wirkt sehr stimmig, vor allem die Person des Joseph Miles ist hervorragend charakterisiert, so dass man an manchen Stellen tatsächlich so etwas wie Mitleid und Verständnis für den Kannibalen empfindet, obwohl er mit äußerster Brutalität vorgeht. Ich kann gar nicht richtig beschreiben, wie genial White diese Stimmung einfängt und den Leser dadurch richtig packt. Ich konnte das Buch schwer aus der Hand legen, weil ich einfach wissen wollte, wie Joseph sich aus dieser „Krankheit“, wie er meint, befreit. Seine Versuche, Menschen nichts anzutun und letztendlich doch seiner blutigen Mordlust zu erliegen, ist realistisch und glaubwürdig dargestellt.
Wrath James White erreicht durch die „gute“ Sprache mit seinem Roman, was andere Autoren, die sich bei den Lesern in der gleichen Liga tummeln, nicht schaffen: Nämlich wirklich zu schockieren!

Man merkt, dass White recherchiert hat und nicht nur einfach eine brutale, blutige Story erzählt. Viele Hintergrundinformationen, die das Handeln des Mörders begreifbar machen, runden das spannende Gesamtwerk ab, so dass ein „handfester“ Plot entsteht, der stimmig ist. Insgesamt konnte mich Whites Schreibstil und vor allem die Art seiner Geschichtenerzählung vollkommen überzeugen, so dass ich jetzt schon weiß, dass ich mich der Bibliografie dieses Schriftsteller widmen werde. 😉

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Fazit: Schockierend, blutig, brutal und mit einem glaubwürdigen Plot, der nicht nur des Blutes und der Brutalität willen verfasst wurde. Der Hauptcharakter überzeugt und geht in die Tiefe. Für Fans härterer, aber auch schreibtechnisch hochwertigerer Kost absolut zu empfehlen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Ende aller Geheimnisse von Stefan Keller (Heidi Kamembas erster Fall)

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978-3-499-27249-3
Erschienen als Taschenbuch
bei  rororo
333 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-499-27249-3
Kategorie: Krimi

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Heidi Kamemba tritt ihren ersten Tag bei der Kripo in Düsseldorf an. Sie ist nicht nur die Neue, sondern sie ist DIE Neue. Denn: Sie ist farbig. Sie ist die erste schwarze Kriminalkommissarin Deutschlands. Aber sie ist ehrgeizig, voller Tatendrang, war eine der besten in ihrer Ausbildung und sie hat nicht vor, sich wegen ihrer Hautfarbe runtermachen oder minderwertig behandeln zu lassen.

Nun denn, Heidi wird dem Team von HK Bruno Westphalen zugeteilt. Was an sich schon nicht so verlockend ist, da ihr Vorgänger sich vor nicht allzu langer Zeit das Leben nahm und seine Kollegen nach wie vor trauern und der Neuen sehr skeptisch gegenübertreten.

In ihrem ersten Fall bekommt Heidi es mit einer Leiche zu tun, die in einem Waldstück total verkohlt aufgefunden wird. Hinweise oder gar Spuren gibt es so gut wie keine. Heidi hat es leider nicht leicht, denn ihre Kollegen erweisen sich nicht nur als nicht sonderlich hilfsbereit, sondern sogar als abweisend und distanziert. Da Heidi unbedingt wissen will, was mit ihrem Vorgänger geschah und warum ihre Kollegen so verschlossen und abweisend sind, ermittelt sie nicht nur in dem Mordfall. Sie versucht herauszubekommen, was damals mit Becker geschah und was die Kollegen im Team wussten oder gar damit zu tun hatten ….

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Hmmm, ist so mein erster Gedanke, wenn ich meine Meinung in Worte fassen soll. Ich bin nicht so wirklich sicher, ob mir der Krimi nun gut gefiel oder eher nicht. Ich würde mich auf „mittel“ festlegen. Stefan Keller ist kein unerfahrener Neuling, sondern hat schon einiges geschrieben und auch beruflich viel mit Schreiben und Literatur zu tun. Seine Grundidee, eine farbige Ermittlerin ins Leben zu rufen, die es auch (oder gerade wieder) in der heutigen Zeit sehr schwer hat, finde ich sehr gut. Seine Protagonistin ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, das interessiert aber trotzdem erstmal nicht, als sie ihren neuen Kollegen und dem Vorgesetzten gegenübersteht. Erstmal ist sie anders, kann gar nicht gut sein, wird gemustert und blöd angeschaut.
Das erinnerte mich an ein Erlebnis aus meinem eigenen Berufsleben, denn wir hatten im letzten Jahr eine farbige Referendarin in unserem Betrieb. Hier geboren und aufgewachsen und lustig, lieb und sehr deutsch 🙂 Ich weiss nicht, ob es in den diversen Behördenstationen während ihrer Ausbildung Probleme hatte, sie machte nicht den Eindruck.

Die Handlung hat Keller in zwei Stränge aufgeteilt. Einmal die Mordermittlung an sich und dann Heidis Recherchen, was den Mord an ihrem Vorgänger angeht. Die Story war spannend und hat mir ganz gut gefallen, aber irgendwie wurde ich bis zum Schluss nicht so wirklich warm mit den Personen. Auch mit Heidi selbst nicht. Wenn ich jetzt schreibe, sie war mir als Protagonistin einen Hauch zu farblos, dann klingt das im Hinblick auf ihre Hautfarbe womöglich blöd. Aber so war es. Ich fand sie nett, ja. Sie ist taff, ja. Aber irgendwie hat mir das gewisse Etwas gefehlt.

Als es an die Auflösung ging, war mir das Ende des eigentlichen Mordfalls ein bisschen zu vage und teils auch nicht so logisch und genau gelöst. Ich hatte das Gefühl, dass hier ein Finale gleich einem dramatischen Polit-Thriller erschaffen werden sollte, was jedoch nicht so ganz gelungen ist. Die Lösung des zweiten roten Fadens hat bei mir noch so einige Punkte offen gelassen, die mich das Buch letztendlich ein bisschen unbefriedigt haben schliessen lassen.

Fazit: Alles in allem sicher ein guter Krimi, jedoch hoffe ich, dass der Autor im zweiten Fall von Heidi Kamemba ein bisschen draufpackt und die Handlung fesselnder und interessanter, sowie die Figuren ein bisschen tiefer und echter gestaltet.

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© Buchwelten 2017

Opferweg (Odd Thomas 7) von Dean Koontz

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Erschienen als Taschenbuch
im HEYNE Verlag
384 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-453-43828-6
Kategorie: Unterhaltung, Horror
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Odd Thomas kehrt zurück nach Hause. Pico Mundo ist laut seiner eigenen Aussage, dass Ende seiner Reise. Seine geliebte Stormy hat er lange verloren und eigentlich will Odd ihr schon lange folgen um endlich wieder bei ihr zu sein. Denn Stormy hat immer gesagt: Das Leben, das wir kennen ist nur eine 1. Stufe: das Ausbildungslager. Danach geht’s erst richtig los.

Odd, guter Grillkoch und lieber Junge der er immer war undist, hatte aber immer andere, wichtigere Dinge zu erledigen, sodass das Wiedersehen mit Stormy warten musste. Über viele Jahre hinweg, haben wir Odd begleitet, nun scheint der finale Kampf gegen seine Feinde in seiner Heimatstadt mitten in der Wüste stattzufinden ….

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*** Achtung – Eventuelle Spoilergefahr !!! ***

Zunächst treffen wir eine Reihe alter Freunde aus Oddies Heimatstadt wieder. Natürlich Chief Porter, aber unbedingt zu erwähnen ist Oddies zweiter Ersatzvater und Mentor: der schräge Schriftsteller Mr. Ozzie Boone.

Im Original heißt der finale Band schlicht und einfach „Saint Odd“ und ich finde den Titel absolut passend. Dean Koontz selbst sagte, dass es für ihn einfach keinen anderen Titel hätte geben können. Aber hier bei uns muss ja immer alles übersetzt werden, sogar wenn es vom Englischen ins Englische ist.

Schön ist es natürlich, nach Pico Mundo zurückzukehren, es gab da Momente in anderen Bänden, da habe ich das vermisst. Bodachs lassen hier im letzten Teil jedoch lange auf sich warten, und auch die netten Geister von Elvis oder Frank Sinatra sind nicht mehr dabei. Alles Dinge, die die ersten Bände ausgemacht haben. Spannend fand ich diesen letzten Teil dennoch, auch wenn er eher ruhiger daher kommt. Mir persönlich ist das düstere und undurchdringliche der alten Teile ein wenig abhanden gekommen. Mir ist zu oft einfach nur von „den Kultanhängern“ die Rede. Das nimmt der Story für mich ein bisschen das Mystische. Aber gut gemacht hat Dean Koontz den letzten Teil der Reihe schon Jedoch kam mir das wirkliche Finale, DAS worauf alle Fans seit dem ersten Band gehofft und gewartet haben, leider zu kurz. Es war schön geschrieben, ja, doch ich hätte mir hier einen Packen Seiten mehr gewünscht. Ich fand es nicht gebührend genug behandelt und ein bisschen zu schnell runtergeschrieben. Ich weiß, viele Schriftsteller wollen irgendwann einfach nur noch fertig werden, endlich den Schluss runterschreiben, der sie solange in ihrem Kopf beschäftigt.
Dennoch ist der Schluss der Geschichte an sich sehr schön geworden. Bye bye Odd, schade, dass es nun vorbei ist.

Liebe Leser: Wenn ihr noch keinen Roman der Odd Thomas Reihe gelesen habt, dann lasst euch nicht von den heuschreckenartigen Viechern auf den Covern irreleiten oder verunsichern. Die haben absolut gar nichts mit den Romanen zu tun. Es gab eine Zeit, da hatten alle Dean Koontz Romane diese Viecher auf den Covern. Das war wohl gerade chic und in, keine Ahnung.

Was mir zu guter Letzt noch einfällt: Danke HEYNE, dass ihr Band 1 – 5 zunächst als gebundene Ausgabe und danach als Taschenbuch veröffentlicht habt. Warum ging das bei Teil 6 und 7 nicht mehr? Warum wurden die nur noch direkt als Taschenbuch auf den Markt gebracht? Oder müssen die Leser dankbar sein, dass sie überhaupt noch eine Printausgabe bekommen? Nun habe ich eine Buchreihe im Regal, die mit schönen, gebundenen Büchern beginnt und dann zerrissen wird und mit 2 Taschenbüchern endet. Für Leser, die schöne Buchregale schätzen und lieben, geht sowas leider gar nicht.

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Die Reihenfolge der Serie (Links führen auf die Verlagsseite):

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© Marion Brunner – Buchwelten 2017

Erntemond von Rudolf Marko

erntemond

Erschienen als Taschenbuch
bei S. Fischer Verlag846 Seiten
Preis:  26,99  €
ISBN: 978-3-596-31262-7
Kategorie: Belletristik, Dystopie
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Chas Meary reist nach Megumaage, ein Land am nördlichen Ende der Welt. Dort lebte einst seine früh verstorbene Frau und Chas erhofft sich, ihr noch einmal nahe zu sein, wenn er ihre Vergangenheit kennt. Ein Jahr lang lebt und arbeitet er in der abgeschiedenen Siedlung und lernt die Menschen dort kennen und lieben. Schon nach kurzer Zeit bemerkt er, dass die wichtigen Dinge im Leben nicht in der zivilisierten Welt der Großstädte, sondern in der Natur und im Spirituellen existieren.

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Es beginnt alles wie ein ruhiger Abenteuerroman, der einen sofort in den Bann zieht. Rudolf Markos Sprache und Schreibstil ist unglaublich intensiv, faszinierend und bildhaft. Es dauert nicht lange und man identifiziert sich mit dem Ich-Erzähler, erlebt all die Geschehnisse hautnah mit und lernt die unterschiedlichsten Personen des Ortes kennen. „Erntemond“ liest sich in der ersten Hälfte wie ein nostalgischer Rückblick in eine Vergangenheit, in der alles noch gut und schön war, und in der sich die Menschen aufs Wesentliche in ihrem Leben konzentrierten: Glück, Liebe, Arbeit und Zufriedenheit.
Markos Buch ist, wenn man sich darauf einlassen kann, wie ein Sog, der einen ergreift und nicht mehr loslässt. Man „lebt“ förmlich in jener fast heilen Welt, in der aber schreckliche Dinge geschehen. Der Schreibstil des Autors lässt keine Wünsche offen, erinnerte mich in seinen oftmals sehr detailgetreuen Beschreibungen an Diana Gabaldons Highlandsaga.

In der zweiten Hälfte des Romans wird es dann immer mystischer und auch dystopischer. Es stellt sich heraus, dass Marko seine Leser an der Nase herumgeführt hat.  Schleichend nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung an, die sämtliche vorangegangenen Geschehnisse plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lässt. Ich habe noch nie solch einen genialen Genremix gelesen, der eine quasi Science Fiction-Geschichte in Form eines wunderschönen Heimat-, Abenteuer- und Liebesromans erzählt. Hinzu kommt, dass Marko noch einen Schuss Mystery in die Handlung einbaut, der das Gesamtwerk zu einem philosophischen Ausflug in die Menschlichkeit macht.

Man fühlt sich daheim, wenn man dem Protagonisten und seinen neuen Freunden bei seinen alltäglichen Arbeiten und den außergewöhnlichen Gesprächen beiwohnt. Man besinnt sich während des Lesens auf sein eigenes Leben und die Wertigkeit von materiellen Dingen, geht in sich und denkt darüber nach, sein Leben nicht mit Unwichtigem zu verschwenden. Rudolf Marko ist ein unglaublich intensives, hypnotisierendes und nachdenkliches Porträt eines Mannes und unserer Zivilisation gelungen, das nachhaltig im Gedächtnis bleibt und einem erscheint, als hätte man alles am eigenen Leib erfahren. Kaum hat man das Buch wieder aufgeschlagen, verlässt man die Realität und kehrt in eine Welt zurück, von der man sich so manches Mal wünschen würde, sie wäre unsere Wirklichkeit.
Rudolf Marko hat mich mit seinem Debüt-Roman vollkommen überzeugt und dadurch einen neuen Fan gewonnen, der die weiteren Romane des Autors auf jeden Fall lesen wird.

Wie schon erwähnt, handelt es sich bei „Erntemond“ um eines der außergewöhnlichsten Bücher, die ich kenne. Das liegt höchstwahrscheinlich zum einen an dem undurchsichtigen Genre, in dem es angesiedelt ist, und zum anderen an der wunderbaren Sprache, mit der es erzählt wird. Nostalgischer Heimatroman mit Abenteuerflair und einigen Tropfen Mystik á la „Twin Peaks“. „Erntemond“ macht süchtig.

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Fazit: Unglaublich stimmungsvolles, melancholisches Abenteuer in einer Zukunft, die mehr denn je den Ursprüngen der Menschheit gleicht. Vorsicht: Suchtgefahr!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Nacht der Rache von Tim Miller

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
160 Seiten
Preis:  12,80  €
ISBN: ohne ISBN (nur über die Verlagsseite zu beziehen)
Kategorie: Horror / Thriller
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Colt Stilman musste zwanzig Jahre ins Gefängnis, um eine Tat abzubüßen, die er nie begangen hatte. Nach seiner Entlassung plant er einen Rachefeldzug gegen die gesamte Stadt, die im zwanzig Jahre seines Lebens genommen hat.

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Tim Millers Rachethriller liest sich wie eine wilde Achterbahnfahrt. Da wird nicht lange mit tiefgehenden Charakteren herumgefackelt, sondern Miller geht gleich aufs Ganze. Einzig die Protagonisten namens Melissa und Andy erfahren eine Entwicklung während der relativ kurz gehaltenen Geschichte. Ansonsten lernt man die Personen zwar kennen, aber das war es auch schon.
Miller hält sich auch nicht lange mit Erklärungen auf, sondern widmet sich sofort seinem Massaker. Wie ein Tornado bricht Mord, Vergewaltigung und Chaos über die Kleinstadt herein.Auf der einen Seite mordet und schändet jeder, was das Zeug hält, auf der anderen Seite kämpft man ums nackte Überleben. 

Ein wenig erinnert die Ausgangssituation an den Film „The Purge“, wobei Miller einen etwas einfallsloseren Weg geht. Aber das macht gar nichts, denn man blättert die Seiten trotzdem in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit um, weil man einfach wissen will, was noch alles passiert. Tim Miller schreibt brutal, aber nicht zu brutal, dass es unglaubwürdig wirkt. Sicherlich passieren einige Dinge, die etwas übertrieben sind, aber das erwartet man auch bei solch einem Buch. Millers rasanter Rachefeldzug ist absolut kurzweilig und actionreich. 

Tim Millers Schreibstil ist nicht besonders anspruchsvoll und, wie schon erwähnt, fehlen auch Charakterzeichnungen. Das hätte dem harten Thriller vielleicht sogar noch einen Pluspunkt verschafft, hätte man mehr über die Beweggründe von Colt Stilman erfahren, wieso er eine ganze Stadt massakrieren lässt, obwohl sie doch mit seiner unrechtmäßigen Verurteilung gar nichts zu tun haben. Hätte Miller einen vor Rachegelüsten Wahnsinnigen charakterisiert, wäre der Schockeffekt, mit welcher Härte da vorgegangen wird, wahrscheinlich bedeutend größer gewesen. Aber dennoch macht „Nacht der Rache“ unglaublich Spaß, weil es sich dabei um eine kurzweilige, spannende und sehr flüssig geschriebene Story handelt, die man erst gar nicht aus der Hand legen will.

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Fazit: Mit „Nacht der Rache“ legt Tim Miller ein actionreiches, blutiges Spektakel vor, das sich als minimalistischer Pageturner herausstellt. Das Buch ist nicht tiefgründig, sondern schlichtweg gute Unterhaltung aus dem Hause „Festa Extrem“.

© 2017  Wolfgang Brunner für Buchwelten