Active Memory von Dan Wells

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag 
insgesamt  430 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-492-28023-5
Kategorie: Science Fiction, Fantasy

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Wir schreiben das Jahr 2050. Die junge Hackerin Marisa verlor im Alter von zwei Jahren bei einem Autounfall ihren Arm. Noch immer will Marisa wissen, wie es zu diesem Unglück gekommen ist, denn nicht nur sie verlor ihren Arm, sondern es kam auch eine Frau ums Leben. Die Vergangenheit holt Marisa immer wieder ein. Doch als jetzt die frisch abgetrennte Hand jener Frau gefunden wird, die bei diesem Unfall ihr Leben lassen musste, greift die Vergangenheit mit aller Macht nach Marisa. War die Frau etwa noch am Leben? Marisa beginnt auf eigene Faust zu ermitteln …

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Da ist er nun also: Der dritte Teil von Dan Wells „Mirador Saga“. Und sie stellt für mich eigentlich den besten Teil der Trilogie dar. Denn Wells widmet sich in diesem Roman nicht länger nur einer Cyberwelt, sondern lässt seinen Plot zum größten Teil in der Realität spielen. Was mich daran besonders begeistert hat, ist die Tatsache, dass der Leser zurück in Marisas Vergangenheit geführt wird und nun endlich erfährt, was sich hinter dem tragischen Unfall verbirgt, bei dem Marisa ihren Arm verloren hat. Ich habe diese Entwicklung des Plots als äußerst gelungen empfunden, weil Dan Wells dadurch auf gewisse Art und Weise den Kreis schließt und die drei Bände zu einem Gesamtwerk gemacht hat. Da bei diesem dritten Band weniger technische Details beschrieben werden, lässt sich „Active Memory“ außerdem weitaus flüssiger lesen als die beiden Vorgänger.

Dan Wells Schreibstil ist nach wie vor sehr gehoben, aber dennoch, wie gesagt, absolut flüssig zu lesen. Man fliegt nur so durch die Seiten und möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Insgesamt trägt gerade dieser dritte Teil dazu bei, dass mir Wells‘ Mirador Saga im Gesamten außerordentlich gut gefällt. Der Plot um das junge Mädchen bleibt nachhaltig im Gedächtnis und regt so manches Mal auch zum Nachdenken über die Entwicklung unserer Welt nach. Dan Wells schafft eine hervorragende Gratwanderung zwischen Unterhaltung und Gesellschaftskritik.
Die Zukunftsvision, die Dan Wells mit dieser Trilogie erschaffen hat, wirkt oftmals gar nicht mehr so weit entfernt. Denn so manches in der Entwicklung unserer heutigen Zeit deutet darauf hin, dass einiges davon in naher Zukunft tatsächlich so ablaufen könnte. Wells kümmert sich aber in seiner Trilogie nicht nur um sozialkritische Aspekte, sondern stellt auch eine innige Freundschaft zwischen jungen Menschen in den Vordergrund und weist zwischen den Zeilen daraufhin, wie wertvoll genau solche menschlichen Eigenschaften und Freundschaften sind.

Das Ende ist sehr schön und spiegelt eine im Grunde genommen wunderbare Vater-Tochter-Beziehung wieder, die sich letztendlich bei genauerer Betrachtung durch alle drei Romane zieht. Dan Wells hat sich mit dieser Trilogie definitiv von seinen Serienkiller-Romanen entfernt und ein wirklich lesenswertes Abenteuer geschaffen, das sowohl für jugendliche Leser als auch für Erwachsene geeignet ist und an das man sich gerne noch länger erinnert. Vor allem die gelungene Mischung aus Abenteuer, Science Fiction und Krimi hat mich absolut überzeugt. Sollte ich noch einmal Zeit dafür finden würde ich die „Mirador Saga“ gerne noch einmal lesen. Man könnte diese Reihe durchaus als All Age Roman bezeichnen, denn, wie oben schon erwähnt, werden Leserinnen und Leser verschiedener Altersstufen von der Thematik angesprochen.
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Fazit: Absolut gelungener Abschlussband der Mirador Saga, der mir sehr gut gefallen hat.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Wanda von Karl May

wanda

Erschienen als Taschenbuch
in der edition oberkassel
insgesamt 204 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-395813-1583
Kategorie: Krimi, Bellettristik

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Wanda von Chlowicki wird in der kleinen Stadt, in der sie lebt, auch gerne die wilde Polin genannt. Sie ist die Tochter des Barons von Chlowicki und besitzt schönes, blondes Haar. Wanda ist dem Herrn von Säumen versprochen, hat aber eher ein Auge auf den Schornsteinfeger Emil Winter geworfen, der mutig und uneigennützig in Erscheinung tritt. Das imponiert Wanda und Emil gewinnt ihre Zuneigung. Irgendwann stellt sich heraus, dass Wandas Verlobter in zwielichtige Geschäfte verwickelt ist und schon bald muss Wanda sogar um ihr Leben fürchten. Doch sie hat glücklicherweise Emil Winter an ihrer Seite, der ihr in fast allen gefährlichen Situationen zu Hilfe eilt …

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Glücklicherweise legt die „edition oberkassel“ einen leider etwas in Vergessenheit geratenen Krimi von Karl May neu auf. „Wanda“ ist ein wunderbares Zeitzeugnis, dass sich dem Leser schon alleine durch die Ausdrucksweise des bekannten Schriftstellers eröffnet. Es macht unglaublichen Spaß, in der Vergangenheit zu versinken und sich dem Kriminalfall um die schöne Polin Wanda hinzugeben. Karl May konnte nicht nur Abenteuerromane, die im Wilden Westen oder Orient spielten, schreiben, sondern auch deutsche Geschichten erzählen. Die vorliegende Novelle „Wanda“ ist eine Mischung aus Krimi, Abenteuer- und Liebesroman, was dem Ganzen eine angenehme Kurzweile verleiht. Wer sich mit Karl May ein wenig auskennt, wird auch hier den ein oder anderen Charakterzug des Autors selbst erkennen, den er einer seiner Personen verliehen hat.

Bei „Wanda“ handelt es sich um eine frühe Erzählung Karl Mays, der mit seinen Winnetou-Romanen später Weltruhm erlangte. Dieser Kurzroman wurde auch unter den Titeln „Die wilde Polin“ oder „Ein Kampf im Ballon“ publiziert, wobei der schlichte Name der Protagonistin definitiv am besten passt. Man merkt dem Werk eine gewisse Unschlüssigkeit und Unausgereiftheit an, die sich allerdings weniger auf der sprachlichen Ebene abspielt, sondern an der teils unausgegorenen Handlung, die sich einfach nicht entscheiden kann, welchem Genre sie denn genau angehören möchte. 😉
Nichtsdestotrotz stellt „Wanda“ ein äußerst kurzweiliges Leseerlebnis dar, das durch seine bildhaften Beschreibungen ein Abenteuergefühl aufkommen lässt, das an Jules Verne erinnert. Oftmals dachte ich, gerade bei der Ballonfahrt gegen Ende der Novelle, dass Verne eindeutig Inspirationsquelle für Karl May gewesen ist.

An manchen Stellen bekam ich den Eindruck, als würde May in seiner Geschichte auch eine Art Gesellschaftskritik ausüben, in dem er nämlich die Liebe zwischen einem „armen“ Mann zu einer adeligen Frau gutheißt und sich damit über die damals gängigen Konventionen hinwegsetzt. „Wanda“ ist im Grunde genommen, zumindest aus meiner Sicht, eine schöne Liebesgeschichte, die den Kriminalhintergrund als Aufhänger benutzt, um nicht allzu langweilig und schnulzig zu wirken.  Sicherlich wirkt „Wanda“ an manchen Stellen ein wenig unbeholfen, da es sich schlichtweg um ein Frühwerk handelt und die spätere Reife Mays noch nicht zum Vorschein gekommen war, aber man spürt defintiv das Können, das in diesem jungen Autor schlummerte. Die Erzählung ist oftmals stockend, weil der leichte Erzählfluss des selbstbewussten Karl May der späteren Zeit fehlt. Aber sieht man die Geschichte als einen der ersten Versuche Mays, sich schriftstellerisch zu betätigen, so muss man ununwunden eingestehen, dass schon damals großes Talent in ihm steckte.
„Wanda“ ist ganz einfach eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit, als ein großer Erzähler seine ersten Schritte wagte und sich auf der literarischen Bühne einen Namen machen wollte (was ihm ja auch gelang). Dank der „edition oberkassel“ ist diese Novelle wieder erhältlich und stellt für jeden Karl May-Fan ein Muss dar. Allen anderen sei gesagt, dass sich dieser, auf charmante Art und Weise unbeholfene Liebeskrimi defiitiv lohnt, um einen Einblick in das „andere Schaffenswerk“ Karl Mays zu bekommen, das sich weitab von Winnetou bewegt.

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Fazit: Sehr kurzweilige Novelle, die Krimi, Liebesgeschichte und Abenteuer vermischt und einen interessanten Einblick in das Frühwerk Karl Mays gibt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Dragon Teeth von Michael Crichton

Dragon Teeth Wie alles begann von Michael Crichton

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Blessing Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-89667-623-8
Kategorie: Abenteuer, Belletrsitik

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William Johnson  schließt sich dem Forscher und Charles Marsh an, um in den Weiten des Wilden Westens nach Knochenfunden zu suchen. Angeblich soll es nämlich mittlerweile ausgestorbene Tiere gegeben haben, die riesengroß waren. Ein unvergleichliches Abenteuer beginnt, bei dem Johnson nicht nur gigantische Saurierknochen findet, sondern auch noch Bekanntschaft mit wilden Indianern und der Revolverlegende Wyatt Earp macht.

„Dragon Teeth“ ist irgendwie anders, als die Romane von Michael Crichton, die man mit ihm verbindet. Seine Bestseller „Jurassic Park“, „Beute“, „Enthüllung“ oder „Next“, um nur einige zu nennen, waren weitaus reißerischer und actionreicher, als es „Dragon Teeth“ vermag. Was aber nicht heißt, dass wir es hier mit einem außerordentlich guten, und vor allem wieder perfekt recherchierten, Buch zu tun haben. Crichton widmet sich weniger den titelgebenden Dinosauriern, sondern konzentriert sich vielmehr auf ein Abenteuer, das sogar an manchen Stellen wie ein Buch von Jules Verne oder Karl May erinnert. Die Odyssee des  William Johnson liest sich kurz und knackig, ein Crichton-typischer Pageturner eben, obwohl er sich, wie gesagt, von seinen bekannteren Büchern unterscheidet. Oftmals fühlte ich mich an Michael Crichtons Film „Westworld“ erinnert, was wahrscheinlich an den Schauplätzen liegt.

„Dragon Teeth“ ist ein Abenteuerroman, der im Wilden Westen spielt. Nicht nur das Thema Paläontologie, sondern auch die Probleme der Indianer und andere Missstände jener Zeit werden ausgiebig behandelt und stellen einen sehr guten Einblick in die damalige Epoche dar. Ich fühlte mich auf alle Fälle von Anfang bis Ende sehr gut unterhalten. Wer allerdings ein Werk erwartet, dass eine Vorgeschichte zu „Jurassic Park“ erzählt wird (wie es das Cover und die Inhaltsbeschreibung suggeriert), könnte extremst enttäuscht sein. Denn die Saurierknochen sind so ziemlich das einzige, was an Crichtons Weltbestseller erinnert und damit in Verbindung gebracht werden könnte. „Dragon Teeth“ ist ein astreiner wissenschaftlicher Abenteuerroman, der auf äußerst unterhaltsame Weise Wissen vermittelt. Man spürt, dass es sich um ein Frühwerk von Michael Crichton handelt, denn allzuoft erinnert man sich bezüglich des Schreibstils an „Andromeda“, „Der große Eisenbahnraub“ oder „Expedition Kongo“. Vielleicht dachte Crichton selbst, das Manuskript sei noch nicht bereit für eine Veröffentlichung, weswegen es in seiner Schublade verschwand und dort vergessen wurde.

Für Fans von Michael Crichton ist dieses Buch sowieso ein Muss (ähnlich wie die „verschollenen“ Geschichten eines J.R.R. Tolkien). Für an der amerikanischen Geschichte und den Anfängen der Saurierforschung Interessierte ist „Dragon Teeth“ ebenfalls absolut zu empfehlen. Wer einen „Reißer“ im Stil der neueren Crichton-Bücher erwartet, wird vergeblich den Funken suchen, der normalerweise bereits nach den ersten Seiten eines „Crichton“ überspringt. Ich persönlich habe dieses Buch und auch die Geschichte sehr genossen, zumal sie eben, wie erwähnt, viele historische Bezüge eingebaut hat, die absolut interessant sind. Der Plot liest sich schnell weg und vermittelt ein ganz besonderes Abenteuergefühl, das vielmehr an „alte“ Geschichten erinnert, die man in den 50er oder 60er Jahren gelesen hat. Genau diese Atmosphäre macht aber den Reiz von „Dragon Teeth“ aus, sofern man sich auf den teils dokumentarischen Schreibstil und die Geschichte einlassen kann.
Die Charakterzeichnungen sind Crichton hervorragend gelungen, während der von ihm gewohnte Spannungsbogen ein wenig zu wünschen übrig lässt. Aber andererseits zeigt es auch die Vielfältigkeit des leider viel zu früh verstorbenen Autors, der hier exzellent eine fiktive Geschichte in einen historischen Rahmen verwoben hat. Ich finde solche Funde im Nachlass eines Autors, dessen literarischen Werdegang man Zeit seines Lebens verfolgt hat, immer einen Glücksfall und bin froh, dass Crichtons Witwe und ein Verlag diesen Schritt einer posthumen Veröffentlichung gewagt haben.

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Fazit: Ein historischer Abenteuerroman, der an Jules Verne und Karl May erinnert.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Star Wars – Phasma von Delilah S. Dawson

Star Wars Phasma von Delilah S Dawson

Erschienen als Taschenbuch
im blanvalet Verlag
insgesamt 508 Seiten
Preis: 14,00 €
ISBN: 978-3-7341-6150-6
Kategorie: Science Fiction

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Phasma genießt einen besonderen Status bei ihren Vorgesetzten, denn sie gilt als erbarmungslos und  kaltblütig. Ihr größter Widersacher ist Captain Cardinal, dessen Stellung sie innerhalb der Ersten Ordnung eingenommen hat. Cardinal versucht, so viel wie möglich von Phasma zu erfahren, um sie eventuell bei ihren Vorgesetzten anzuschwärzen. Als Cardinal die Rebellin Vi gefangen nimmt, die Phasma aus früherer Zeit kennt, zwingt er sie, ihm alles zu erzählen, was sie über die geheimnisvolle Sturmtruppenführerin weiß.

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Eine Reise in das Universum von „Die letzten Jedi“ – so wird der Roman von Delilah S. Dawson eingeordnet. Entfernt hat er damit auch zu tun, denn auch in diesem Film erscheint der Charakter der undurchsichtigen Phasma. Ihren ersten Auftritt hatte sie in „Das Erwachen der Macht“, wo sie trotz ihrer fast schon unbedeutenden Nebenrolle auf gewisse Art und Weise eine Art Kultfigur wurde. Dawson gibt dieser Frau in ihrem Roman nun ein Gesicht, was zur Folge hat, dass man die beiden obengenannten Filme mit Sicherheit mit anderen Augen sieht. Die (Lebens-)Geschichte von Phasma besitzt einen hypnotischen Reiz, dem man sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr entziehen kann. Dawson hat der Figur einen glaubwürdigen Charakter und eine spannende Vergangenheit auf den Leib geschrieben, den man sich übrigens sehr gut als Film vorstellen kann. 😉

Es dauerte anfangs eine Weile, bis ich Zugang zu der Story bekam. Das lag vielleicht an der humorvollen Art, mit der die Protagonistin Vi ihrem „Geiselnehmer“ Captain Cardinal gegenübertrat. Da hatte ich zugegebenermaßen kleine Schwierigkeiten, die mich sogar ein wenig gestört haben. Verfolgt man aber den Verlauf der Geschichte und die Entwicklung der beiden, wie sie miteinander umgehen, dann ergeben diese sarkastischen Äußerungen im Nachhinein Sinn und machen Spaß. Vi erzählt Captain Cardinal die Geschichte von Phasma. Dieser geschickte Schachzug, dass die Story der eigentlichen Schlüsselfigur von einer dritten Person  erzählt wird, versucht der Roman eine äußerst faszinierende Atmosphäre. Hinzu kommt der Schauplatz des Geschehens: ein dystopischer Planet namens Parnassos, der im Kopfkino des Lesers eine apokalyptische Welt á la „Mad Max“ oder Stephen Kings „The Stand“ entstehen lässt. Dawsons Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen, so dass die 500 Seiten nur so weggelesen werden können. Phasma bekommt in diesem Roman eine greifbare Persönlichkeit, die sie gleichermaßen menschlich, aber auch „abgeklärt“ wirken lasst. Der Mythos um diese Figur, den man in den Filmen vermittelt bekommt, bleibt aber dennoch bestehen.

„Phasma“ stellt eine äußerst spannende und sehr atmosphärische Hintergrund- und Entwicklungsgeschichte der Sturmtruppen-Kommandantin dar, die fast wie ein Spin Off in der Art von „Rogue One“ wirkt und im Zusammenhang mit den Filmen eine stimmige, interessante Geschichte abgibt. Aber auch wer sich nicht mit dem Star Wars-Universum befasst und den Charakter der Phasma bis jetzt überhaupt nicht kennt, kann diesen Roman ohne weiteres lesen, denn es sind keine Vorkenntnisse nötig, um der Handlung folgen zu können. Und die dystopische Welt, in der sich die meiste Zeit die Handlung abspielt, vermag einen auch ohne Star Wars-Begeisterung absolut zu fesseln. Wer allerdings epische Weltraumschlachten oder andere kriegerische Auseinandersetzungen zwischen der Ersten Ordnung und den Rebellen erwartet, wird von dem Plot höchstwahrscheinlich enttäuscht sein. Es geht nämlich in erster Linie nur um die Person Phasma und ihre Entwicklung zur Sturmtruppen-Kommandantin und keineswegs um die Konfrontation der verfeindeten Parteien. Obwohl der Roman also relativ „ruhig“ daherkommt, finden sich niemals Längen im Plot, bei denen man hofft, diese Stellen mögen bald wieder vorbei sein. Allerdings fand ich persönlich die Kapitel, in denen Vi und Captain Cardinal miteinander kommunizierten, immer wieder als kleine Höhepunkte, weil sie  immer sehr stimmungsvoll beschrieben waren. Alles in allem stellt „Phasma“ von Delilah S. Dawson für mich eine tolle Ergänzung zum Star Wars-Universum dar und ich kann diesen Roman nur wärmstens empfehlen.

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Fazit: Stimmungsvolles Spin Off des neuen Star Wars-Universums.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Star Wars – Die letzten Jedi von Jason Fry

Star WarsDie letzten Jedi von Jason Fry

Erschienen als Taschenbuch
im Penhaligon Verlag
insgesamt 444 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-7645-3207-9
Kategorie: Science Fiction

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General Leia Organa kämpft mit dem Widerstand gegen die Erste Ordnung , die eine neue Bedrohung für die Freiheit der gesamten Galaxoe darstellt. Zur gleichen Zeit sucht Rey den legendären Jedi Luke Skywalker, um ihn dafür zu gewinnen, sie bei ihrem Kampf zu unterstützen. Als dann Kylo Ren telepathischen Kontakt mit Rey aufnimmt, wird ihr immer bewusster, dass sie ebenfalls etwas besonderes ist.

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 Es ist ja immer so eine Sache mit Romanen, die nach einem Drehbuch entstanden sind. Oftmals sind sie eine schlichte Nacherzählung von dem, was man bereits im Film gesehen hat. Manchmal sind solche Romane aber auch eine Bereicherung und lassen während des Lesens nicht nur den Film wieder im eigenen Kopfkino noch einmal ablaufen, sondern liefern noch einige Hintergrundinformationen. So geschieht es auch bei Jason Frys Romanversion des Star Wars-Abenteuers „Die letzten Jedi“. Zum einen schildert der Autor sehr bildhaft den Plot des Films und zum anderen erfährt man auch einiges über die Gedankenwelt der Protagonisten und wie so manche Begebenheiten zusammenhängen. Ich hatte auf jeden Fall einen Riesenspaß während des Lesens und bekam nochmals so richtig Lust auf den Film, den ich übrigens für absolut gelungen und toll halte.

Jason Frys Schreibstil ist sehr flüssig und daher absolut gut zu lesen. Durch diesen angenehmen Stil entwickelt sich das Buch, auch wenn man den Film bereits kennt, zu einem wahren Pageturner. Der Autor ist selbst ein Star Wars-Fan, was man seinem Roman durchaus anmerkt. Mit einer Detailverliebtheit werden auch vergangene Begebenheiten in die Handlung eingebaut, so dass sich ein gelungenes rundes Gesamtbild ergibt, das sich hervorragend in das (neue und alte) Star Wars-Universum einpasst. Denn geschickt jongliert Fry zwischen den beiden Star Wars-Universen: Während im „alten“ Kanon Han Solo und Leia Organa drei Söhne haben (die allerdings in keinem Film, sondern nur in Romanen und Comics vorkommen), wurde im Kanon, der seit der Übernahme der Disney Studios erfolgte, nur ein Sohn geboren, nämlich Ben Solo aka Kylo Ren. Fry umgeht die Problematik, erwähnt die anderen Kinder der Solos nicht, widmet sich aber dennoch den alten Filmen und Romanen. Diese „Unstimmigkeit“ wurde aus meiner Sicht geschickt gelöst und hat mich alles andere als enttäuscht.

Jason Frys Roman liest sich wie ein eigenständiger Roman und nicht wie ein typisches Filmbuch.  Wer den Film nicht mochte, wird sich durch diesen Roman wahrscheinlich auch nicht überzeugen lassen. Aber die Story erweitert die Filmhandlung auf sehr befriedigende Weise und lässt den Leser an zusätzlichen Szenen teilhaben, die im Film nicht zu sehen waren. Ich finde durch diese Lektüre den Film nun im Nachhinein tatsächlich noch besser, als ich ihn ohnehin schon fand. 😉 Wer, wie ich, „Die letzten Jedi“ als Film genossen hat, wird eine Erweiterung des Plots entdecken und auch eine gewisse Tiefe in den Charakterbeschreibungen, so dass der Roman in manchen Belangen sogar fast schon eine neue Perspektive zum Film darstellt. Gerade die ruhigen Szenen auf Ahch-To, dem Planeten, auf dem sich Luke versteckt, wirken auch im Roman sehr atmosphärisch und machen geradezu süchtig. Fry hält sich schlichtweg an die Stimmung der Filmvorlage und versucht nicht, ein actionlastigeres Abenteuer zu machen. Wenn Luke über die Macht und die Lehren der Jedi spricht, bekommt man einen sehr tiefen Einblick in den Charakter und die Unentschlossenheit des Protagonisten. Das hat mir außerordentlich gut gefallen und trägt mit Sicherheit dazu bei, dass ich den Film beim nächsten Mal mit anderen Augen sehen werde. Es wirkt, als hätte Fry anscheinend sehr eng mit Regisseur Rian Johnston zusammengearbeitet. Für mich auf jeden Fall wieder ein Highlight im literarischen Star Wars-Kosmos, das man als Fan (aber auch als Nichtfan) unbedingt lesen sollte.

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Fazit: Sehr stimmungsvolle und gelungene Romanadaption des achten Star Wars-Abenteuer.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Arkane – Das Haus der Drachen von Pierre Bordage

Arkane von Pierre Bordage

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 608 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-453-31914-1
Kategorie: Fantasy

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Bei einem brutalen Anschlag werden Oziels Eltern, die eine der sieben Machthaber der Stadt darstellen, getötet. Das Land droht durch dunkle Mächte zu zerfallen. Während sich Oziel auf die Suche nach ihrem verschollenen Bruder macht, von dem sie erwartet, dass er Arkane vor dem Untergang bewahren kann, macht sich der Zauberlehrling Renn ebenfalls auf die Reise, um das Schlimmste zu verhindern.

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Ich kenne und schätze Pierre Bordage nur als Verfasser von spannenden und interessanten Science Fiction-Geschichten, so das sich sehr gespannt war, was er im Sektor des Fantasy-Romans auf die Beine stellen würde. Bordage hat mich keinesfalls enttäuscht und hat eine sehr authentische Welt erschaffen, bei der man allerdings gerade am Anfang der Geschichte etwas Schwierigkeiten hat, sich zurechtzufinden. Eine Karte wäre vielleicht ein wenig hilfreich gewesen, um sich die Welt besser vorstellen zu können. Aber im Laufe der Geschichte findet man sich dann letztendlich doch zurecht und begleitet die beiden Haupt-Protagonisten Oziel und Renn gerne auf ihrer abenteuerlichen Reise. Bordage geht allerdings keinen neuen Weg, sondern bedient sich bereits bekannten Mitteln des Fantasyromans, wie man sie von anderen Werken kennt. Was ich damit sagen will, ist, dass es sich bei „Arkane“ um einen von vielen Fantasy-Romanen handelt, die machtpolitische Intrigen a la „Game of Thrones“ behandeln. Das bedeutet nichts schlechtes, hebt aber den Roman schlichtweg nicht aus der Masse heraus.

Bordage hat seine Welt sehr detailreich und glaubwürdig gestaltet, keine Frage. Auch die Charaktere handeln stets nachvollziehbar und werden einem im Laufe des Buches immer sympathischer. Der Aufbau der Handlung verläuft langsam, was ich als positiv empfinde, weil sich Bordage einfach Zeit lässt, was viele Leser aber unter Umständen als langatmig empfinden könnten. Irgendwann bemerkt man, dass es sich bei „Arkane – Das Haus der Drachen“ um den Einstieg eines mehrteiligen Werkes handelt, denn zu komplex ist die Handlung, die sich mittels mehrere Stränge spannungstechnisch stetig nach oben schraubt. Schade finde ich allerdings, dass nirgends darauf hingewiesen wird, dass es sich bei diesem Buch um den Auftakt einer Serie handelt, denn mit diesem Vorwissen wäre ich mit Sicherheit ganz anders an die Story herangegangen. So aber wird einem gegen Ende hin immer mehr bewusst, dass man mit einem offenen Ende in die Realität entlassen wird, was mich persönlich etwas gestört hat. Aber zurück zum Plot und der Geschichte an sich.

Pierre Bordage geht sehr sorgfältig mit seiner Geschichte und den Handlungsorten um. Man spürt, dass er sich große Gedanken gemacht hat, als er Arkane und seine Bewohner entworfen hat, denn es hat alles Hand und Fuß. Trotz einer Vielzahl an Geschehnissen, Charakteren und politischen Intrigen verliert man interessanterweise niemals den Überblick über die Ereignisse. „Arkane – Das Haus der Drachen“ ist eine typische High Fantasy-Geschichte, die, wie gesagt, langsam aufgebaut wird. Das Finale deutet auf eine epische Entwicklung hin, die mir sehr gut gefallen hat. Hätte ich vorher gewusst, dass noch weitere Bücher folgen, hätte ich den langsamen Aufbau sicherlich noch mehr genossen, weil ich dann im Hinterkopf gewusst hätte, dass dieser auf eine Steigerung im Laufe der nächsten Teile hinarbeitet. Nun bin ich natürlich enorm gespannt, wie sie Abenteuer von Oziel und Renn weitergehen und kann es kaum erwarten, dass der zweite Teil der Reihe erscheint.
Pierre Bordage schreibt gewohnt flüssig und niveauvoll. Die Kapitel enden meist mit Cliffhangern, so dass man der Versuchung schwer widerstehen kann, immer noch ein Kapitel weiterzulesen. Insgesamt beweist Pierre Bordage mit „Arkane – Das Haus der Drachen“, dass er nicht nur SF-Romane, sondern auch packende High-Fantasy schreiben kann.

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Fazit: Gelungener Einstieg, der auf eine weitaus epischere Fortführung der Story hinarbeitet.

© 2018  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Äquator von Antonin Varenne

Aequator von Antonin Varenne

Erschienen als gebundene Ausgabe
im C. Bertelsmann Verlag
insgesamt 426 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-570-10340-1
Kategorie: Belletristik, Abenteuer

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Pete Ferguson ist auf der Flucht. Er wird als Dieb, Brandstifter, Deserteur und Mörder gejagt. Als er bei einer Gruppe von Bisonjägern von einem Ort namens Äquator erfährt, macht er sich auf den Weg dorthin. Denn dort soll angeblich alles besser sein, dort sollen Träume wahr werden und, wenn alles gut geht, Ferguson von seinen inneren Dämonen befreit werden. Pete Ferguson macht sich auf den Weg durch die Weiten des amerikanischen Westens über Guatemala bis hin zu den dichten Urwäldern Brasiliens.

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Varennes Geschichte um einen Mann, der sich ein Ziel setzt und alles daran setzt, dieses zu erreichen, mag dem ein oder anderen Leser nicht hundertprozentig zusagen. Das liegt vor allem am außergewöhnlichen Schreibstil und der nicht immer massentauglichen Erzählstruktur, die der Autor in seinem neuesten Werk präsentiert. Vieles wirkt im ersten Moment sperrig und emotionslos, offenbart sich aber dem Leser, wenn er es nach ein paar Seiten geschafft hat, sich auf dieses literarische Ausnahme-Experiment einzulassen. Denn Antonin Varenne hat es zum Beispiel bei mir hervorragend geschafft, mich vollkommen in eine andere Zeit (und Welt) zu entführen, aus der ich mich oftmals überhaupt nicht mehr entfernen wollte. Vieles an den Handlungsweisen des Protagonisten erscheint ein wenig wirr, aber wenn man einmal darüber nachdenkt, wie man sich selbst in solchen Situationen verhält (verhalten würde) ergibt das Ganze durchaus Sinn.

„Äquator“ ist ein ruhiges Buch. Keine Action und keine großartige Schießereien. Es wird einfach nur eine Geschichte erzählt, die es aber in sich hat. Es handelt sich um einen Abenteuerroman, der eher auf die klassische Art (ähnlich wie zum Beispiel Karl May) Länder und Sitten anschaulich macht und dadurch eben ein gewisses Abenteuergefühl aufkommen lässt. Ich fühlte mich wirklich hervorragend unterhalten und empfand an keiner einzigen Stelle im Buch Langatmigkeit geschweige denn Langeweile. Varenne schreibt sehr bildhaft, wenngleich sein Schreibstil, wie bereits erwähnt, für den ein oder anderen gewöhnungsbedürftig sein könnte. Seine Dialoge sind filmreif, erscheinen einem während des Lesens wie die Worte aus einem Drehbuch. Vielleicht ist es auch diese Tatsache, die einen mitten im Geschehen sein lässt. Varenne spielt auch immer wieder auf sein Buch „Die sieben Leben des Arthur Bowman“ an, das ich (noch) nicht kenne. Auf jeden Fall stieg bei mir das Interesse an diesem Vorgänger, das wohl eine Art Vorgeschichte zum vorliegenden Roman darstellt. „Äquator“ ist ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte, denn es steckt bei weitem mehr in den Sätzen, als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Manchmal ist es fast schon poetisch und philosophisch, was Varenne da zu Papier gebracht hat.

Ein weiterer erwähnenswerter Punkt ist das grandiose Cover des Romans. Auch wenn es nicht zum Verdienst des Autors gehört, muss ich sagen, dass es ein fantastisches Bild ist, dass der Verlag da ausgesucht hat. Die Einsamkeit des Protagonisten, die im Roman immer wieder dargestellt wird, findet hier eine perfekte bildhafte Ausdrucksweise. ich kann gar nicht sagen, wie oft ich mir während des Lesens dieses unglaublich ausdrucksstarke Umschlagsbild angesehen habe. Zusammen mit der Geschichte prägt sich dieser Roman, zumindest verhält es sich bei mir so, im Gehirn ein und hinterlässt ein beeindruckendes Gesamtbild. Auch wenn ich mir hin und wieder eine noch detailliertere Beschreibung der Vorgänge und eine tiefergehende Charakterisierung des Protagonisten gewünscht hatte, zählt für mich „Äquator“ zu einem fast schon nostalgischen Abenteuerroman, wie es sie heutzutage nur noch selten gibt. Durch diesen Roman bin ich auf jeden Fall neugierig, was Antonin Varenne noch so geschrieben hat und werde mich Schritt für Schritt durch sein Werk lesen.

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Fazit: Ein ruhiger, melancholischer Abenteuerroman im klassischen Stil. Wer Action erwartet, wird enttäuscht, Freunde ruhigerer Momente werden begeistert sein.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Artemis von Andy Weir

Artemis von Andy Weir

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-453-27167-8
Kategorie: Science Fiction

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Jazz Bashara lebt in Artemis, der ersten Stadt auf dem Mond. Das Leben dort ist verdammt teuer, wenn man nicht gerade Millionär ist. So bleibt Jazz nichts anderes übrig, als Zigaretten und andere, auf dem Mond verbotene Luxusgüter, für die reichen zu schmuggeln, um ein halbwegs vernünftiges Leben auf dem Mond führen zu können. Eines Tages bekommt sie einen äußerst lukrativen, aber auch enorm illegalen Auftrag, angeboten. Jazz nimmt den Auftrag an. Doch die Sache stellt sich plötzlich ganz anders dar als angenommen und von einem Moment auf den anderen steckt Jazz inmitten einer gefährlichen Verschwörung, durch die sogar das Schicksal von ganz Artemis gefährdet ist.

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Da ist er also, der mit Spannung erwartete Nachfolgeroman von „Der Marsianer“, der in Rekordzeit zum Mega-Erfolg wurde und von Regisseur Ridley Scott kongenial in Szene gesetzt wurde. Meine Erwartungshaltung war, ehrlich gesagt, recht hoch, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass Andy Weir etwas ähnlich stimmungsvolles wie sein Debüt entwerfen könnte, aber ich habe mich glücklicherweise getäuscht. „Artemis“ steht dem „Marsianer“ genau genommen in nichts nach. Schon nach den ersten Seiten fühlt man eine ähnliche Atmosphäre wie in Weirs Erstlingswerk. Es ist schon wirklich erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit der Autor seine Leser in eine fremde Welt entführen kann, so dass man glaubt, diese fast schon selbst zu kennen. Dieses Mal ist diese fremde Welt der Mond, auf dem wir die Protagonistin hautnah bei ihren Abenteuern begleiten. Weir schafft es mit seinem flüssigen Schreibstil von Anfang an, den Leser in seinen Bann zu ziehen.

Wie schon bei „Der Marsianer“ hatte ich des öfteren während der Lektüre von „Artemis“ ein Schmunzeln auf den Lippen. Ich liebe den trockenen Humor von Andy Weir, der seine Protagonisten so sympathisch und menschlich macht. Gerade die Mischung aus wissenschaftlich fundierten Beschreibungen und den überaus menschlichen Reaktionen und Verhaltensweisen der Personen macht Andy Weirs Büchern zu etwas besonderem. Manchmal fühlte ich mich bei „Artemis“ ein bisschen an den alten Sean Connery-Film „Outland“ erinnert, in dem sich die Handlung auf dem Jupitermond Io abspielt. Das Alltagsgeschehen gleicht dort dem in „Artemis“ und ich sah bei vielen Szenen einen Film vor mir, wie es auch schon bei „Der Marsianer“ passiert ist. Andy Weirs Beschreibungen sind schlichtweg filmreif. Am besten hat mir die erste Hälfte des Buches gefallen, in dem die Atmosphäre auf dem Mond perfekt beschrieben wurde, so dass ich mir wünschte, auch einmal dort eine gewisse Zeit verbringen zu können.

In der zweiten Hälfte des Buches entwickelt sich die Handlung immer mehr zu einem spannenden Agenten-Abenteuer, das mir zwar gefallen hat, aber die ruhige Grundstimmung, die der Roman anfangs noch besaß, ein wenig kaputt machte. Dieser Kritikpunkt ist allerdings Jammern auf hohem Niveau, denn „Artemis“ liest sich genauso flott wie sein Vorgänger und unterhält bestens. Andy Weirs Romane sind für mich genau die Art Science Fiction, die ich als Kind immer gern gelesen habe und heute immer noch gerne lese. Unkompliziert, realistisch, humorvoll und spannend. Man kann in „Artemis“ versinken und die Zeit vergessen, wenn man sich darauf einlässt. Ich denke, dass sich auch hier eine Verfilmung förmlich aufdrängt, denn, wie oben schon erwähnt, wir der Plot von einer unglaublich intensiven Stimmung beherrscht, der man sich schwer entziehen kann. „Artemis“ war für mich wieder einer der Romane, die ich, hätte ich genügend Zeit und Ruhe, in einem Rutsch hätte weglesen können. Bücher wie „Artemis“ haben es leider immer etwas schwer, wenn sie als Nachfolgeroman eines Erfolges erscheinen. Den Erwartungsdruck hat Andy Weit aber meiner Meinung nach perfekt gemeistert, in dem er seinem Stil absolut treu blieb und keinen Abklatsch von „Der Marsianer“ abgeliefert hat, sondern eine eigenständige, neue Geschichte, die aber von der Atmosphäre her dennoch an sein Debüt heranreicht. Mehr habe ich nicht erwartet. Ich freue mich schon jetzt auf das neue Werk von Andy Weir.

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Fazit: Atmosphärisch dicht, humorvoll und spannend. Science Fiction, wie sie sein soll.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Dämonenkriege von Michael Hamannt

Die Daemonenkriege von Michael Hamannt

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  752 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31838-0
Kategorie: Fantasy

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Vor tausend Jahren wurden sie von Magiern in eine Gegenwelt verbannt: die Dämonen. Doch nun kehren sie zurück und bedrohen die Menschheit erneut. Ein Dämonenjäger, ein Prinz, eine Halbdämonin und eine Assassine stellen sich dem Kampf und setzen alles daran, die Menschen zu retten und die Dämonen wieder zu vertreiben …

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Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass mir „Die Dämonenkriege“ von Michael Hamannt gefallen würde. Es war zum einen der Schreibstil, der mich sofort überzeugt hatte, aber auch die feinfühlige Art, wie der Plot aufgebaut wurde. Hamannt geht nicht gleich aufs Ganze, sondern führt den Leser auf Tolkien’sche Art in seine Welt ein und stellt die Protagonisten der Reihe nach vor. Das empfand ich als ungeheuer angenehm, wenn man als Leser eine Person nach der anderen ausführlich präsentiert bekommt, bevor sie sich zu einer Gemeinschaft vereinigen und sich auf einen epischen Kampf vorbereiten. Sicherlich erinnert das an manchen Stellen an den großen Wegbereiter der Fantasy J.R.R. Tolkien, wirkt aber niemals so plump und inspirationsarm kopiert wie einst „Eragon“, sondern vermittelt im Gegenteil einen sehr eigenständigen Ideen-Pool, aus dem der Autor mit vollen Händen schöpft. Man merkt Hamannt den Spaß an, den er beim Schreiben und Ausdenken seiner Welt gehabt hat und den er mit seinen Worten hervorragend auf den Leser übertragen kann. Stimmungsvoll, ruhig, aber auch episch wie J.R.R. Tolkien, Tad Williams und David Eddings konstruiert Hamannt vor den Augen des Lesers eine sorgfältig ausgearbeitete, glaubwürdige Welt und lässt sie von Seite zu Seite an Details wachsen.

Michael Hamannt zieht seine Leser in den Bann und lässt sie nicht mehr los. Geschickt verbindet er politische Intrigen und Machtrangeleien a la „Game Of Thrones“ mit epischer Fantasy und löst im Leser ein Suchtgefühl aus, das in jeder freien Minute zum Griff nach dem Buch verleitet. Besser kann man Fantasy fast nicht schreiben. Erfreulicherweise lässt Hamannt auch die Finger von Zwergen, Orks und Elfen, die man mittlerweile schon zur Genüge kennt und oftmals gar nicht mehr lesen mag, und richtet sein Augenmerk auf eine vollkommen andere Spezies, nämlich die Dämonen. Genau diese Mischung aus High Fantasy und leichten Horrorelementen macht „Die Dämonenkriege“ in meinen Augen zu einem besonderen Buch in der Vielfalt der Fantasy-Literatur. Hamannt bringt frischen Wind in das Genre und bedient dennoch die klassischen Elemente der Fantasy, was seinen Roman zu einem wunderbaren Genremix macht, der unglaublich Spaß macht.

Was ich ebenfalls sehr erfrischend empfand, war die sehr authentische Sprache bei den Dialogen der Protagonisten. Da fallen auch schon mal umgangssprachliche Ausdrücke, die aber wirklich perfekt zu den Charakteren und Situationen passen und dem Ganzen nochmals eine sympathische Glaubwürdigkeit verpassen. Der Schreibstil des Autors ist sehr niveauvoll und gehoben und wird lediglich durch die erwähnten saloppen wörtlichen Reden aufgelockert, was ich als unwahrscheinlich angenehm und ermunternd empfand. Von Längen kann aufgrund der Dicke des Buches absolut keine Rede sein. Michael Hamannt packt den Leser und zerrt ihn förmlich durch die Vielzahl an Seiten bis zum fulminanten Ende, das die Erwartungshaltung auf die Fortsetzung in die Höhe schraubt. Es ist ein Pageturner, den Michael Hamannt da vorgelegt hat und der Freunde epischer und (absolut im positiven Sinne gemeinten) langatmiger High Fantasy begeistern wird.
Auch mit den Charakterzeichnungen der Protagonisten kam ich hervorragend zurecht und die Personen wuchsen mir alle im Verlaufe der Geschichte immer mehr ans Herz. Durch den bildhaften Schreibstil habe ich oft die Welt um mich herum vergessen und befand mich zusammen mit den Helden in den Schwebenden  Reichen. Hamannt hat eine sehr stimmige Welt und eine atmosphärische, düstere Handlung erschaffen, die mich wirklich begeistert hat.

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Fazit: Düster, innovativ und stimmungsvoll. Epische High Fantasy, die absolut gefällt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

In der Tiefe von Michael Grumley

In der Tiefe von Michael Grumley

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  496 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31885-5
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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In Südamerika taucht eines Tages ein russisches U-Boot auf, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Sonderermittler John Clay macht sich auf den Weg nach Brasilien, um das mysteriöse Phänomen zu untersuchen. Währenddessen kann die Meeresbiologin Alison Shaw in Bezug auf ihre Kommunikation mit Delfinen immer größere Erfolge verzeichnen. Die Beziehung zwischen Shaw und Clay baut sich immer mehr auf, als Clay eine Entdeckung macht, die die Welt für immer verändern könnte. Durch einen Zufall wird Alison plötzlich in den Fall mit einbezogen …

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Die Abenteuer der Meeresbiologin Alison Shaw und des Ermittlers John Clay, die beide bereits im ersten Teil der Breakthrough-Reihe von Michael Grumley mitspielten, gehen weiter. Der Einstieg in die Geschichte wirkt für diejenigen, die den ersten Teil „Breakthrough“ kennen, etwas unbeholfen, da die Geschichte irgendwie zwar fortgeführt wird, aber nie so richtig Bezug auf die Ereignisse des ersten Teils genommen wird. Wahrscheinlich wollte Grumley zwar die Abenteuer der beiden Protagonisten fortführen, mit „In die Tiefe“ aber auch einen eigenständigen Roman abliefern,der es Lesern, die den ersten Teil nicht kennen, noch gestattet, in den Plot mit einzusteigen. Das funktioniert auch,  aber gegen Ende hin versteht man dann doch wieder nur die Zusammenhänge, wenn man den erwähnten ersten Teil kennt. „In der Tiefe“ funktioniert daher für mich nicht als eigenständige Handlung, sondern schildert zwar ein eigenständiges Abenteuer der beiden Protagonisten, setzt aber das Wissen der Geschehnisse in „Breakthrough“ voraus. Daher hätte Grumley durchaus darauf verzichten können, Neuleser mit seinem zweiten Roman zu gewinnen, sondern hätte die Handlung weit enger an die Vorkommnisse des Einstiegsromans legen können. Aber genug gemeckert … 😉

Der Plot beginnt genauso abenteuerlich wie „Breakthrough“ und man befindet sich im Nu wieder in der gleichen Stimmung. Grumleys Schreibweise ist nach wie vor ungemein flüssig und locker zu lesen, so dass auf keiner Seite Langeweile aufkommt und man sofort in der Geschichte drinsteckt. Ab und zu fühlte sich die Handlung etwas unausgegoren und unschlüssig an, weil zu viele Wendungen und Entwicklungen passieren, die in die ursprüngliche Geschichte gar nicht so recht hineinpassen wollen. Letztendlich löst sich zwar alles am Ende auf und man kann die Zusammenhänge durchaus verstehen, aber etwas weniger an „Handlung“ hätte in diesem Falle gereicht. Der Plot wirkt manchmal zu konstruiert, als dass er flüssig auf den Leser wirkt. Dennoch kann man sich schlecht von diesem Buch losreißen, weil es, wie bereits der erste Teil, einfach nur unglaublich spannend und unterhaltend geschrieben ist.

Die Idee ist ohne Zweifel gut und es ist wieder alles sehr bildhaft beschrieben, so dass man einen Film vor seinem inneren Auge sieht. Ich hätte mir allerdings manchmal gewünscht, Grumley hätte sich mehr auf einen einzelnen Handlungsstrang konzentriert und nicht versucht, so viel wie möglich in seine Geschichte zu verpacken. Wie gesagt, es wird zwar alles mehr oder weniger am Ende aufgelöst und miteinander verknüpft, aber es wirkt unausgegoren. Und das ist schade, denn mit „Breakthrough“ hat Michael Grumley einen Einstiegsroman verfasst, der an die besten Zeiten von James Rollins und Matthew Reilly erinnert hat. Dieses Niveau konnte er nun mit „In der Tiefe“ leider nicht mehr halten, auch wenn das Buch immer noch perfekt unterhält. Hervorzuheben sind definitiv wieder die Stellen, in denen über die Kommunikation mit Tieren geschrieben wird. Alleine diese faszinierenden Ideen sind es wert, dass man „In der Tiefe“ lesen sollte. Michael Grumley hat erneut einen spannenden und kurzweiligen Wissenschafts-Thriller abgeliefert, der jedoch handlungstechnisch hinter dem ersten Teil zurückbleibt. Dennoch wird dadurch meine Freude auf den dritten Teil nicht getrübt, wenngleich die ersten Meinungen darüber nicht besonders gut klingen. Ich bilde mir auf jeden Fall mein eigenes Bild und sehe der Fortführung zuversichtlich entgegen.
Mein Tipp: Vor „In der Tiefe“ unbedingt „Breakthrough“ lesen, damit sich die Handlung wirklich voll entfalten kann und die Zusammenhänge so wirken können wie vom Autor geplant.

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Fazit: Spannend und unterhaltend wie der erste Teil, allerdings handlungstechnisch ein Rückschritt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten