Der Spion ohne Vaterland von Andreas Behm – Harald Hansens 3. Fall (5/5)

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Der Spion ohne Vaterland Erschienen als Taschenbuch
im ACABUS Verlag
356 Seiten
Preis: 13,90 €
ISBN: 978-3-86282-195-2

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Hauptkommissar Harald Hansen steht kurz vor seiner Pensionierung. In knappen zwei Wochen ist die jahrelange, harte Ermittlerarbeit Geschichte und er steckt bereits mitten in den Vorbereitungen für sein neues Leben. Hansen hat seinen Resturlaub genommen und befindet sich in den Umzugsvorbereitungen.

Der Kommissar wird mit seiner Lebensgefährtin Nadja und deren 8-jähriger Tochter zusammenziehen. Nadja hat Hansen während seines ersten Falls als Zeugin kennen und lieben gelernt. Solange er aber noch aktiv im Dienst tätig ist, hatten Nadja und er die Abmachung, dass er seine eigene Wohnung behält. Denn Harald Hansen ist ein eigenwilliger Kerl, der während laufender Ermittlungen einen Rückzugsort braucht, um in Ruhe denken zu können. Nun sind die Umzugskisten gepackt, Nadja wohnt bereits in der neuen Wohnung, Hansen hat sich sogar ein Familienauto zugelegt und im Großen und Ganzen freut er sich auf die nahe Zukunft.

Natürlich kommt es anders als der der stoffelige, grummlige Kommissar sich das vorgestellt hatte. Zunächst wird ein alter Mann in einer noblen Hamburger Wohngegend ermordet aufgefunden. Im Vorfeld wurde er über mehrere Stunden brutal gefoltert. Fest steht, dass der ältere Herr am gleichen Abend einen Besucher in der Wohnung hatte, doch wer dieser Mann war, muss noch herausgefunden werden.

Als dann genau dieser Mann als wichtiger Zeuge auftaucht und ein Treffen an einem unauffälligen Ort in Hamburg mit der Polizei arrangiert wird, gibt es ein Unglück. Es kommt bei diesem Treffen zu einer Schießerei im Stadtpark, bei dem ein offensichtliches Killerpärchen eine Person tötet, was alles verändert.

Umgehend erhält Hansen einen Anruf von seinem Vorgesetzen Thorwald und wird reaktiviert. Er soll in diesem Fall ermitteln, was sein Team trotz der schlimmen Ereignisse mit Wohlwollen aufnimmt. Vera Becker und auch Thomas Bernstein, die beiden Ermittler aus Hansens engstem Team, haben im Laufe der Zeit ein inniges Verhältnis zu dem Kommissar aufgebaut und ihn in einen fast umgänglichen Menschen „verwandelt“.

So schnell kann es gehen. „Dirty Harry“ ist wieder im Revier und nun gilt es mittlerweile zwei Morde aufzuklären …

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Dies ist der dritte – und wohl auch letzte – Fall des Kommissars Harald Hansen. Mir ist der Ermittler mit seiner grummeligen, stoffeligen aber im inneren dennoch herzensguten Art direkt ans Herz gewachsen. Er übergeht während seiner Arbeit auch gerne einmal die ein oder andere Vorschrift, doch es dient ja immer der guten Sache.

Alte Bekannte aus den beiden ersten Fällen sind wieder an seiner Seite, Vera Becker, die weibliche „Harry“ genauso wie der Homosexuelle – und voll akzeptierte – Thomas Bernstein.

Ich habe sofort in die Handlung hineingefunden, der Aufbau des Krimis war dieses mal auch wieder der klassische, doch dennoch gefiel er mir wieder besser als der zweite Teil. Die Hintergründe sind sehr verwickelt, reichen weit in die Vergangenheit in die Zeit des geteilten Deutschlands.

Hier hat Andreas Behm offensichtlich sehr gut recherchiert, es liest sich alles sehr stimmig und scheint geschichtlich belegt. Die vielen Abkürzungen aus der Zeit der DDR sind glücklicherweise im Anhang ausführlich aufgeschlüsselt, sodass man immer nachschlagen kann.

Die Ermittlungsmethoden und die teilweisen verdeckten Einsätze waren typisch Harald Hansen und auch (oder erst Recht) so kurz vor der Pensionierung lässt sich der Kommissar von Vorgesetzten und Dienstvorschriften nicht wirklich abschrecken.

Ich mag eigentlich keine Spionagegeschichten, doch die Geschichte Deutschlands und hier vor allem die Zeit der Teilung interessieren mich sehr. Dies wurde behandelt, jedoch nicht politisch und trocken, sondern spannend und fesselnd.

Auch die ruhigen und privaten Momente kommen nicht zu kurz. Oft haben wir Teil wenn Harald Hansen, mittlerweile als Familienmensch, zur Ruhe kommt, er sich mit Nadja unterhält, Pflichten wie einkaufen oder das Kind aus der Schule holen, übernimmt. Die Zwischenmenschlichkeit ist innerhalb der drei Bände stetig mehr geworden, was den Charakter des Protagonisten positiv aufwertet.

Gegen Ende gab es zwei sehr rührende Szenen. In einer kommt Hansen nach einem missglückten Einsatz nach Hause Er trifft seine Lebensgefährtin Nadja im Bad unter der Dusche an. Angezogen steigt er zu ihr in die Dusche, stellt sich vor sie und sie nimmt ihn stumm in den Arm. Sie drücken sich einfach und das Wasser rauscht über sie. Diese kleine Szene fand ich sehr intim, traurig und still-schön. Das hat mir einen kleinen Kloß im Hals verursacht.

Die zweite rührende Szene werde ich nicht näher erläutern, weil sie irgendwie mit dem Fall zu tun hat, wenn auch eigentlich nicht ….

Der Verlag präsentiert den Roman wieder als Taschenbuch und hat diesmal ein Cover gewählt, dass mir persönlich besser gefällt als das weiße des zweiten Teils. Es zeigt ein kahles Verhörzimmer mit lediglich einem Holzstuhl.
Und obwohl dieser 3. Fall der längste ist und somit dicker als die zwei ersten Krimis, hat der Verlag den Preis von 13,90 € beibehalten.

Zum Abschluss noch einmal der Hinweis, dass die Reihe zwar „Hamburg – deine Morde“ heißt, auf das Verständnis für den Leser aber keinen Einfluss hat. Ich war nur einmal kurz in Hamburg, verstehe daher auch die kleinen Anspielungen auf bekannte Orte oder Straßen nicht, wie es die Leser tun, die dort wohnen. Das tut der Handlung aber keinen Abbruch.

Ich finde die Bezeichnung „Regionalkrimi“ sowieso unsinnig. Also, Krimi Fans sollte es egal sein, wo die Handlung spielt. Bei einem Film interessiert es uns doch auch nicht, ob sich die Protagonisten in London, München oder New York aufhalten.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für einen guten dritten und letzten Teil um einen eigenwilligen Ermittler, der seinen eigenen Weg geht und sich nicht um Vorschriften oder Vorgesetzte schert. Eine interessante und gut aufgebaute Handlung, die spannend erzählt ist und einen Einblick in die Vergangenheit Deutschlands gibt. Mich persönlich würde es ja freuen, wenn es noch einen weiteren Teil um Harald Hansen gibt, auch wenn er nun schon 62 ist und zu viele Zigaretten raucht :-).

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Ich danke dem Acabus Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

ALLEIN – Tagebuch eines vernachlässigten Kindes von Christa Schwägerl (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im ACABUS Verlag
228 Seiten
Preis: 12,90 €
ISBN: 978-3-86282-112-9
Kategorie: Roman Belletristik

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Die kleine Lena Maria ist 5 Jahre alt, ihr kleiner Bruder Maximilian (Maxi) knapp über 2 Jahre. Gemeinsam mit ihrer Mutter Karla leben sie in einem Mietshaus und erleben leider nicht die typische Kindheit. Besuche im Kindergarten oder das gemeinsame spielen mit gleichaltrigen Kindern kennt Lena Maria nicht.

Denn sie muss sich um ihren kleinen Bruder kümmern, wenn Mama sie mal wieder allein lässt. Oft ist das der Fall, wenn sie mit Freundinnen oder einem Mann ausgeht und dann am frühen Morgen erst wieder kommt und dann bis spät in den Tag hinein schläft.
Nun wird Lena Maria wieder eine schwere Bürde auferlegt. Ihre Mutter will einen Job annehmen, sie beginnt zu kellnern. Das Problem ist nur, dass sich niemand findet, der auf die Kinder aufpassen will. Die Großmutter hat den Namen eigentlich nicht verdient, denn sie interessiert sich nicht für ihre Enkelkinder. Karlas Freundin will mit Kindern nichts zu tun haben und sagt auch umgehend ab, auf die Kinder zu achten.

Also macht Karla zunächst mit den Kindern einen Ausflug um ihnen dann mitzuteilen, dass sie Abends weggeht um zu Arbeiten. Lena Maria bekommt wieder einmal die Aufsichtspflicht für ihren kleinen Bruder Maxi übertragen.

Doch Lea (wie sie von Maxi liebevoll gerufen wird) fühlt sich dieser Situation nicht gewachsen, sie hat selber Angst alleine in der Wohnung, sie bekommt Maxi nur sehr schwer über die Gitterstäbe des Bettchens gehoben, wenn er mal Pipi muss. Doch all dies spielt für die Mutter keine Rolle, sie ist der Meinung Lena Maria ist alt genug und somit hat Lea keine Wahl.

Sie möchte es ihrer Mama ja auch Recht machen, denn so sehr wünscht sie sich, dass sie liebgehabt wird und ihre Mutter so alltägliche Dinge mit ihnen tut wie frühstücken oder ein Buch vorzulesen. Oft beginnen Lena Marias Tage ganz gut, doch dann wechselt die Stimmung weil Lena Maria in den Augen ihrer Mutter wieder einmal etwas falsch gemacht hat und sie die Schuld bekommt. Natürlich nimmt Lea an, dass dies stimmt. Wie soll sie in ihrem Alter auch wissen, dass es nicht normal ist, dass SIE sich um den kleinen Bruder zu kümmern hat.

Als Karla ihre Kinder für einen Tag zur Schwester ihres neuen Freundes bringt, erleben die beiden einige Stunden in einer normalen, intakten Familie. Hannah (10 Jahre) und Felix (7 Jahre) verstehen sich gut mit den beiden, auch wenn sie sich wundern, dass sie über einige Dinge nur staunen, die für sie doch alltäglich und normal sind. Lena Maria und Maxi genießen diesen Tag in vollen Zügen und freuen sich beide auf die Tage, die sie dort verbringen sollen. Denn wenn ihre Mutter gemeinsam mit ihrem Freund für 5 Tage nach Mallorca fliegt, sollen die Geschwister dort wohnen.

Doch leider bekommt Nina (das ist die Schwester des Freundes) vorzeitige Wehen in ihrer Schwangerschaft und muss ins Krankenhaus. Somit können Lena Maria und Maxi nicht dorthin.

Und ihre Mutter denkt nicht einmal im Traum daran, auf den Urlaub zu verzichten. Sie kauft einige Lebensmittel ein und teilt ihrer Tochter mit, dass sie schließlich in einigen Tagen schon wieder zurück sei …

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Dieser Roman hat mich zutiefst erschüttert. Solch ein Auf und Ab, erzählt aus der Sicht der 5-jährigen Lena Maria, dass hat mich wirklich mitgenommen.

Der Roman ist aufgebaut wie eine Tagebucherzählung oder ein Tatsachenbericht.

Kapitel gibt es keine, die Handlung begleitet Lena Maria und ihren Bruder Maxi für einige Tage und ist nur durch Absätze unterteilt.

Die Autorin sagt im Anhang, dass sie selber keinerlei dieser Erfahrungen gemacht hat, sondern die Idee zu dieser Geschichte dadurch entstanden ist, weil es sie selber immer wieder erschüttert, wenn die Medien von verwahrlosten oder halb verhungerten Kindern berichten, die in irgendwelchen Wohnungen aufgefunden wurden.

Umso erstaunlicher wie die Autorin es geschafft hat, diese Gefühlswelt und Eindrücke der Kinder zu Papier zu bringen. Sie hat in einem recht einfachen Stil geschrieben, denn es sind ja die Erinnerungen einer 5-jährigen, die wir lesen. 

Lea hat niemanden mit dem sie sprechen kann, außer ihrem Stoffhasen Kalle und ihrem kleinen Bruder Maxi, doch der ist eben zu klein und versteht noch nicht viel. Die Kindersprache des kleinen Maxi ist absolut echt und keinesfalls gekünstelt. Die Autorin hat die Sätze, die Maxi spricht einfach in einer Art Lautschrift zu Papier gebracht, die absolut authentisch ist.
Ich bin ja selber Mutter und konnte alles was Maxi sagt, sofort verstehen und in wie vielen Wortwechseln zwischen den beiden hat sich mir ein Kloß im Hals gebildet.

Immer wieder hat Lea versucht ihrem kleinen Bruder zu helfen, natürlich hat das nicht immer funktioniert. Wie soll auch ein 5-jähriges Mädchen mit einem fiebernden, hustenden Kind umgehen, dass dann auch noch an Magen-Darm erkrankt?

Diese innige Beziehung zwischen den Geschwistern war schon eine extreme. Natürlich war Lea auch genervt von ihrem kleinen Bruder oder wütend auf ihn und sie haben sich gestritten. Doch es lief immer wieder darauf hinaus, dass die beiden nur sich selbst, Kalle und Bää (Maxis Bären) haben. Wenn Maxi dann seine Schwester aus dunklen Kulleraugen anschaut und sagt „Lea lieb“, spätestens dann ist alles wieder gut und Lea überkommt die Schwesternliebe.

Sehr gut war auch beschrieben, wie die Mitmenschen in der nahen Umgebung auf diese Situationen reagieren. Die ständig neugierige Nachbarin, die offensichtlich nie etwas anderes zu tun hat, als aus dem Fenster zu sehen. Genau die spielt dann eine wichtige Rolle, weil sie sich offenbar Gedanken macht und ein Bauchgefühl hat, dass dort in der Nachbarwohnung etwas nicht stimmt.

Dieser Roman ist sehr dramatisch und erschreckend real, doch es gibt auch immer mal wieder schöne und sogar lustige Momente. Das sind dann einige der wenigen guten Stunden, die die Geschwister erleben durften.

Das Ende des Romans hat mir die Tränen in die Augen getrieben und als ich das Buch dann beendet hatte, musste ich mich erst einmal sammeln und runterkommen.

Das Cover ist schlicht, dunkel und zeigt einen einzelnen Babyschuh. Ich finde es sehr gut gelungen, mehr braucht es nicht um den Einband als Hingucker zu gestalten.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für einen erschreckenden Roman, der sehr real geschrieben ist und die Gefühlswelt von Kindern wunderbar wiedergibt. Eine Geschichte die traurig und wütend macht, den Leser/die Leserin den Kopf schütteln lässt und zu Tränen rührt. Nicht nur für Eltern ein empfehlenswertes Buch, denn waren wir nicht alle mal Kinder?

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Ich danke dem ACABUS Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemlars.

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© Buchwelten 2012

 

SAMSON und die STADT des bleichen Teufels von Andreas Dresen (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im ACABUS Verlag
372 Seiten
Preis: 14,90 €
ISBN:  978-3-86282-055-9
Kategorie: Fantasy

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Nach dem Sturz des schwarzen Engels Morton herrscht Chaos in der STADT. Die Hexen haben ihren Anführer verloren und sind außer Rand und Band. Schuld geben sie Baddah, der Hexe aus dem ersten Teil, und sie versuchen sie dementsprechend zu bestrafen.

Der STADTrat ruft nach Fahrat, er soll helfen wieder Ordnung in die STADT zu bringen, doch der ist derzeit im Dschungel unterwegs und folgt den Spuren seines legendären Großvaters. Doch Meera, seine „grüne“ Bekannte schafft es, ihn aufzuspüren und zurück in die STADT zu bringen.

In etwa zur gleichen Zeit eröffnet sich dem jungen Mann Samson der Blick auf die STADT, aufgewachsen ist er in der Stadt der Menschen, die Wesen der Zwischenwelt konnte er nie sehen. Als er plötzlich die neue Sicht auf die STADT innehat, ist er zunächst einmal kurz davor den Verstand zu verlieren. Seltsame Wesen hocken auf den Dächern und schlecken die Schindeln ab, im Badezimmer kreuzt auf einmal eine seltsame Figur auf, die sich ihm als Hausgott vorstellt.

Als hätte Samson mit diesen vielen neuen Eindrücken nicht schon genug zu tun, wird er auf einmal von dunklen Wesen verfolgt. Plötzlich muss er erkennen, dass seine Nachbarin eine Hexe ist, die offensichtlich irgendetwas mit dem ominösen Tod seiner Mutter zu tun hat.

Fahrat und Samson treffen aufeinander und machen sich gemeinsam auf den Weg, die STADT vor großem Unheil zu bewahren. Denn zeitgleich mit dem Jahrmarkt findet der Hexensabbat statt und dort wird es den entscheidenden Endkampf um die Zukunft der STADT geben. Und wenn diese Entscheidung hervorbringt, dass der düstere Unterweltler Devil Melone wieder an die Oberfläche der STADT gelangt, darf einfach nicht passieren.

Die zwei Männer haben ein Abenteuer zu bestreiten, dass eigentlich viel mehr ist: Ein gefährlicher Kampf gegen das Böse der STADT und sie sind dabei nicht wenigen Gefahren ausgesetzt …

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Dieser zweite Teil des STADT-Romans knüpft nahtlos an die Handlung des ersten Romans „AVA und die Stadt des schwarzen Engels“ an.

Schreibtechnisch hat sich der Autor aus meiner Sicht gesteigert, wie ich vermutet und erwartet hatte. Er hat hier noch ausführlicher geschrieben, sich viele verrückte Wesen ausgedacht und auch schöne Schauplätze erschaffen.

Zuviel möchte ich nicht verraten, denn auf diese fantastische Reise sollte sich jeder begeben, der gerne Fantasy liest. Nein, es gibt keine Trolle und Elfen auch nicht ;-).

Heftige Kampfszenen wechseln sich mit ruhigen ab. Es gibt liebevolle Momente, die wiederum von dunklen Szenen abgelöst werden.

Andreas Dresen erzählt diesen zweiten Teil zunächst in zwei Handlungssträngen. Der erste beschreibt den Weg des jungen Samson und der zweite begleitet den schon bekannten Schwertler Fahrat.

Später verknüpfen sich diese Handlungsstränge, als sich die beiden zusammentun und gemeinsam unterwegs sind.

Langeweile kommt nicht auf, dafür gibt es zuviel Abwechslung auf den 368 Buchseiten.

Ich hatte großen Spaß beim Lesen und die verrückten Figuren, die Dresen erschaffen hat, gefallen mir sehr. Es gibt z.B. Schildkrötenkarawanen, Kuschelbälle, die echt garstig sind und schöne grüne Frauen.

Auch die alte griechische Mythologie hat der Autor sehr gut in die Handlung eingebaut. So trifft der Leser auf den Fährmann des Styx und ist nicht einmal verwundert. Er ist so stimmig in die Handlung verknüpft, dass es einfach passt.

Diese ganze Geschichte wirkt für mich nicht einmal völlig fantastisch abgedreht, wahrscheinlich weil Dresen diese Zwischenwelt der STADT so nahtlos in die Welt eingebaut hat, die wir kennen und sehen (wollen?).

Der Roman wird vom ACABUS Verlag wieder als Taschenbuch präsentiert. Das Cover ist fast identisch mit dem des ersten Teils. Die Farbe ist nun lediglich ein knalliges gelb und auf dem Jahrmarkt ist ein Riesenrad hinzugekommen.

Die Kapitel sind wieder in einer angenehmen Länge geschrieben. Da dieser zweite Teil um einige Seiten stärker ist, als der erste, fällt das Taschenbuch leider größer aus. Für Sammler macht es sich optisch nicht unbedingt so schön, wenn zwei Bücher der selben Reihe in unterschiedlichen Größen nebeneinander im Regal stehen.

Der Verlag hat die Seiten auch wieder komplett ausgenutzt und in einem recht engen Zeilenabstand sehr voll geschrieben. Die Schrift ist zudem ziemlich klein. Hätte man das ganze etwas aufgelockert, wäre es angenehmer zu lesen gewesen aber das Buch bestimmt um etwa 100 Seiten stärker. Hier wird wohl leider das Budget der mittelständischen Verlage eine Rolle spielen, die einfach darauf angewiesen sind, ihre Druckkosten im Rahmen zu halten.

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Ich danke dem ACABUS Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den zweiten Teil der STADT-Romane. Fantasy vermischt mit Mythologie die abwechslungsreich, bunt und ausgefallen ist. Wer sich auf diese Reise einlässt wird großes Vergnügen haben, sich in diese andere Welt mitnehmen zu lassen!

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© Buchwelten 2012

AVA und die STADT des schwarzen Engels von Andreas Dresen (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im ACABUS Verlag
200 Seiten
Preis: 12,90 €
ISBN:  978-3-86282-002-3
Kategorie: Fantasy

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Die STADT, auf den ersten Blick eine in der auch wir leben. Doch nur auf den ersten, denn eigentlich sind es zwei Städte. Die STADT der normalen Menschen mit ihren Bürgern, ihrem Bürgermeister und Senat.

Dann die STADT der Wesen aus der Zwischenwelt. Die STADT der Schwertler, Hexen, Priester, Teufel, Chimären und sonstigen zauber- und fabelhaften Wesen.

Diese anderen Wesen leben von den normalen Menschen unerkannt unter ihnen, in normalen Häusern und Wohnungen, laufen über die Straße aber werden nicht wahrgenommen. Die normalen Bürger besitzen den Blick für das andersartige nicht, können die besondere Aura nicht erkennen. Man kann sich das in etwa wie bei Harry Potter vorstellen, wo die Zauberer und Hexen auch unter den Muggeln leben und nicht erkannt oder wahrgenommen werden.

Auch diese Wesen haben ihre Oberhäupter. Deren „Teil“ der STADT wird geführt von einem Kanzler, neben ihm ein Vizekanzler. Der Kanzler ist bei den Bewohnern sehr beliebt, der Vizekanzler Morton scheint eher böse veranlagt und die Macht komplett an sich reißen zu wollen.

Fahrat ist ein Schwertler, ein Schwertkämpfer, zumindest wurde er einmal als solcher ausgebildet. Im Alltag ist er eher ein fauler, mittlerweile leicht untersetzter Mann, der lieber Kuchen und Brot backt, kocht, ein Weinchen schlürft, als dass er sich auf Abenteuer einlässt oder Schätze sucht, wie sein bekannter Vater und noch berühmterer Großvater.

Fahrat ist derzeit arbeitslos, lebt in einem Mehrfamilienhaus und hat eine Hexe als Nachbarin. Eigentlich standen sie sich mal nahe, nun hat sie einen Fluch durch den Bann um Fahrats Wohnung geschickt und jagt ihm täglich ihre Lichtkobolde auf den Hals, die nichts lieber tun, als toben und Chaos stiften.

Entnervt macht Fahrat sich auf in die STADT, als er plötzlich einen Golem sieht, der zielstrebig auf ein Haus zugeht und auf dieses eindrischt. Als er die Außenmauer zerstört hat, erkennt Fahrat, dass sich im Keller dieses Hauses jemand versteckt. Er will helfen und erkennt, dass es sich um eine zarte Menschenfrau handelt. Als gewagter Schwertler der er ja nun eigentlich ist stürzt er sich auf den Golem und macht in recht schnell unschädlich.

Fahrat hilft der Frau aus den Trümmern und nimmt sich ihrer an. Sie stellt sich ihm als AVA vor und erzählt, dass sie erst vor kurzem aus einem Irrenhaus entlassen wurde und das sie auf der Suche nach Ihren kleinen Zwillingen ist.

Sie behauptet, man habe ihr die Kinder unmittelbar nach der Geburt weggenommen und wolle ihr weismachen, sie seien gestorben. Doch AVA glaubt das nicht. Sie sagt im Krankenhaus tauchte ein schwarzer Engel auf und dem wurden die Neugeborenen durch die Krankenschwester übergeben. Und ihr selbst wollte man danach einreden, sie hätte sich das alles eingebildet und sei verrückt. Bei diesem schwarzen Engel handelt es sich um Morton, den Vizekanzler der STADT. Doch er ist nicht nur das, er ist außerdem der Führer der Hexen und zum Hexensabbat erscheinen alle Hexen, sie erliegen völlig hörig seinem lautlosen Ruf (und hinreißendem Charme… )

Fahrat, plötzlich wieder ganz der ehrenhafte Schwertler, will AVA helfen. Er will sie bei der Suche nach ihren Kindern unterstützen. Er will wissen was es mit den verschwundenen Kindern auf sich hat und es wundert Fahrat doch sehr, dass AVA als normale Menschenfrau, ihn und die anderen Wesen seiner STADT überhaupt sehen kann. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche und schon bald wird es ungemütlich für den doch sonst so gemütlichen und geruhsamen Fahrat …

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Als ich eben den Hinweis auf die Zauberer und Muggelwelt gab, war dies keine Andeutung für etwas Nachgemachtes, sondern eher ein Vergleich zur besseren Vorstellung. Den als abgeguckt möchte ich die STADT von Andreas Dresen nicht bezeichnen. Der Autor hat sich seine eigene(n) Welt(en) erschaffen und hier eine schöne Mischung aus unserem normalen Leben im 21. Jahrhundert, Fantasy und auch Mystik zu Papier gebracht.

Es gibt die unterschiedlichsten Wesen, teils gefährlich, teils eher amüsant. So sind da z.B. die Hexen, die gerne in der Badewanne liegen und Handys benutzen oder eben auch Schwertler, die eigentlich viel lieber in der Küche stehen :-).

Das Geheimnis was es mit der STADT auf sich hat, ob danach wirklich nicht mehr kommt als das GRAUEN und die WILDNIS, macht natürlich neugierig und mir als Leser hat es Freude gemacht, Fahrat, AVA und dessen Bekannte und Begleiter auf der Suche nach den Kindern und deren Wahrheit zu begleiten.

Den Schreibstil von Andreas Dresen möchte ich eher als locker und umgangssprachlich bezeichnen, jedoch nicht als flach und schlecht. Er passt gut zu den Figuren und in unsere heutige Zeit, in der die Handlung ja nun mal spielt. Dresen hat dennoch gute Beschreibungen der Personen, Figuren und Umgebung geliefert, sodass ich als Leserin die Orte und Schauplätze gut vor Augen hatte.

Einige Wesen kamen mir bekannt vor. Sicher kennt man den Teufel oder Götter. Die mechanischen Wesen, die er erschaffen hat, erinnerten mich z.B. ein bisschen an die „Viecher“ aus dem dunklen Turm von King oder Ralf Isaus Wesen in Mekanis. Aber es ist mittlerweile wohl auch kaum noch lösbar, als Autor Dinge zu erschaffen, die noch nie da waren. Der Handlung und dessen Spannung tat es keinesfalls einen Abbruch.

Ich habe diesen ersten Teil des STADT-Romans gerne gelesen, die Protagonisten waren herzlich, sympathisch und gut dargestellt. Auch die Nebenfiguren kamen sehr gut rüber, wie z.b. die Hexe Baddah oder auch Morton, der schwarze Engel. Dann gibt es noch eine ganz tolle Nebenfigur, den Trucker Manfred (warum müsst ihr schon selber lesen).

Der Roman bietet auf den „nur“ 200 Seiten Abwechslung zwischen Spannung, Dramatik, mystischen Szenen, ruhigen Phasen und auch immer wieder humorvollen Momenten, die schmunzeln lassen.

Der Verlag präsentiert das Taschenbuch in einem Hellblau und zeigt auf dem Cover eine Skyline, die unterhalb eines Wasserspiegels wohl die andere STADT darstellen soll. Die Inhaltsangabe finde ich sehr ausführlich, jedoch verrät sie nicht zuviel. Im Blocksatz gedruckt, sieht das ganze auch noch sehr aufgeräumt aus.

Die Schrift ist wieder einmal sehr klein, dass kann ACABUS leider gut. In diesem Buch sind immerhin die Zeilenabstände etwas gelockert, doch das Lesen ist bei solch einer Minischrift dann immer etwas anstrengend.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für eine schöne Mischung aus Fantasy, Mythologie und unserem „normalen“ Leben. Spannung, Dramatik und schöne Momente und Schauplätze hat dieser Auftakt der STADT-Romane zu bieten. Durch abwechslungsreiche und recht kurze Kapitel kommt keine Langeweile auf.
Und ich habe das Gefühl, dass sich Andreas Dresen im zweiten Teil SAMSON und die Stadt des bleichen Teufels noch gesteigert hat. Jedenfalls ist die Fortsetzung schon um 172 Seiten stärker.

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Ich danke dem ACABUS Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

HAUSE von DERHANK (3/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im  ACABUS Verlag
180 Seiten
Preis: 12,90 €
ISBN:  978-3-86282-047-4

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HAUSE erzählt die Geschichte eines Mehrfamilienmietshauses in Dortmund und deren Bewohner. Hier geht es insbesondere um Josef, den Hausmeister. Er hat HAUSE damals im zarten Alter von 2 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern bezogen, wuchs dort auf und hat bereits als Kind seine ganze Zeit mit dem damaligen Hausmeister verbracht. Nach dessen Tod hat Josef als junger Mann seinen Job übernommen.

HAUSE erzählt die Geschichte selber, ein Haus mit Seele und zwar mit einer, die Josef über alles liebt und alles dafür tut, ihn zu schützen und an sich zu binden.

Mit ihm leben in HAUSE Josefs alte, extrem aufdringliche, anhängliche und nervtötende Mutter, die, mittlerweile zwar 84 Jahre alt und an einen Rollator gebunden, nichts von ihrem Einfluss auf Josef eingebüßt hat. Sie wacht über ihn wie ein eifersüchtiger Drache und Josef findet keine Möglichkeit sich ihren Fängen zu entziehen. Obwohl er seit der Hausmeistertätigkeit eine eigene Wohnung in HAUSE bewohnt, entkommt er seiner Mutter nicht.

Weitere Bewohner von HAUSE sind eine türkische Familie, deren Sohn Erhan am liebsten in der Araber Studenten WG abhängt, um gemeinsam mit ihnen Computer Kriegsspiele zu zocken, oder die Malevic. Sie ist Polin und anscheinend schmeißt sich diese Bewohnerin jedem männlichen Wesen an den Hals (und wohl auch anderes) um ihr Vergnügen oder auch ihren Verdienst zu haben.

Eines Tages tut sich ein Riss in der Tiefgarage auf. Darunter verpackt eine Leiche und zwar eine, die bereits seit langer, langer Zeit dort ruht. Als Josef auf dieses „Problem“ stößt, kommen eine Menge schlimmer Erinnerungen hoch und von dem Tag an überschlagen sich die Ereignisse in HAUSE …

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Der Titel HAUSE bezieht sich auf die Aussage des 2-jährigen Protagonisten Josef. Als er damals mit seiner Familie in das Mietshaus einzieht, sagt ihm seine Mutter, dies sei sein neues Zuhause und Josef antwortet darauf ganz in der Sprache eines Kleinkindes „Hause …“. Somit gibt es schon einmal eine Erklärung für den Titel. Was es allerdings mit dem Autorennamen auf sich haben soll, kann ich nicht nachvollziehen.

Die Geschichte ging für mich gut an, las sich kurzweilig und stellenweise sehr humorvoll. Gut gefällt mir auch die Idee, eine Handlung aus der Sicht eines Hauses zu schreiben, das eine Seele besitzt, durch seine eigenen Gänge und Wohnungen streift und das Leben seiner Bewohner mitlebt.

Relativ zu Anfang des Buches, als Josef vor dem offenen Loch mit der Leiche in der Tiefgarage hockt, völlig geschockt von dem wieder Aufgetauchten und Achmet, der Nachbar hinzukommt und hektisch in seinem „Deutsch-Türkisch“ daher spricht, hatte ich wirklich Spaß. Dieser Akzent ist dem Autor absolut gut und auch liebevoll gelungen. Achmet war mir so gleich sehr sympathisch. Diese Stelle habe ich noch einmal laut vorgelesen und sie kam auch bei meinem Zuhörer sehr gut an.

Die anderen Figuren hingegen waren mir teilweise zu überzogen, zu unecht und ich hatte oft das Gefühl, dass der Autor sich Akzente und Dialekte zur Pflicht gesetzt hat. Teilweise waren diese dann nur hochkonzentriert ins Hochdeutsche zu übersetzen und das hat mich dann stellenweise richtig genervt.

Der Kommissar sprach ein Dortmunder Platt, dass unecht wirkte und seine Partnerin musste dann eine Französin sein, die natürlich auch in dem entsprechenden Deutsch mit Extremakzent gesprochen hat.

Der dümmliche von seiner Mutter abhängige Josef waren ganz gut dargestellt, auch seine Mutter. Die war mir zwar sowas von unerträglich und unangenehm, aber das war ja gewollt und ist auch geglückt.

Es gibt relativ lange Kapitel und zwischenzeitlich springt die Handlung dann in die Vergangenheit zurück und erzählt vorgefallene Dinge, die für das heutige Geschehen in HAUSE wichtig sind. Das gefiel mir gut und las sich auch flüssig.

Gegen Ende des Buches haben sich dann die dramatischen Ereignisse angehäuft und es wirkte für mich, als wollte der Autor alles, was es an Drama zu bieten gibt, noch schnell hineinpressen. Mir war es zuviel und etwas weniger hätte es da auch getan.

Das Buch wird vom ACABUS Verlag als Taschenbuch mit einem schlichten, grauen Cover präsentiert, welches wohl Josef abbildet. Die Aufteilung der Kapitel ist schön, dass Papier fühlt sich extrem weich an. Der Klappentext ist ordentlich dargestellt und macht inhaltlich auch neugierig.

Leider konnte mich HAUSE nicht völlig mitreißen, es war sicher nett und auch stellenweise amüsant, aber völlig überzeugen konnte es mich nicht.

Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für eine Geschichte, die ein Haus erzählt über die Liebe, Abhängigkeit, Wünsche und Träume. Diese Dinge gehen aber irgendwie in der überzogenen Handlung etwas verloren.

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Ich danke dem ACABUS Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 20120


Andreas Behm – Der Lippennäher (4,5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch im
ACABUS Verlag
304 Seiten
Preis: 13,90 €
ISBN: 978-3-86282-041-2

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In seinem zweiten Fall hat es der Hamburger Kommissar Harald Hansen mit einem Serienmörder zu tun. Die Opfer sind Frauen im reiferen Alter, die mit vernähten Lippen und einem Spiegel auf dem Gesicht meist in Parks gefunden werden. Die Leichen sind nackt, jedoch nicht misshandelt, weisen keine äußeren Verletzungen auf. Der Mörder hat die Kleider der Opfer ordentlich neben ihnen gestapelt.
Natürlich stehen die Ermittler unter Druck, denn die Hamburger Bevölkerung ist besorgt. Doch der Killer handelt wohlüberlegt, hinterlässt keinerlei Spuren und erschwert somit die Arbeit ungemein.

Aber Harald Hansen wäre nicht der, der er ist, würde er so schnell aufgeben ….

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Ich hatte den grossen Vorteil, direkt im Anschluß an „Die Moral eines Killers“ mit Hansens zweitem Fall weiterzumachen. Da mir der verquere, stoffelige Ermittler bereits im ersten Teil der Trilogie sehr ans Herz gewachsen war hatte ich Freude daran, direkt in die nächste Geschichte überzuwechseln.

Hansen ermittelt weiterhin gemeinsam mit seinem schwulen Partner Bernstein, den ich schon im ersten Fall kennengelernt habe und die zwei arbeiten zusammen, als würden sie das bereits jahrelang tun.
Diesmal bekommt Harry Hansen jedoch noch eine weitere Person in sein Team zugewiesen. Die junge Kriminalkommissarin Vera Becker, die, bevor sie zur Polizei kam einige Semester Psychologie studierte,  bei der Erstellung des Täterprofils behilflich sein soll.

Nach anfänglichem Gemurre bemerkt Hansen schnell die Qualitäten der neuen Kollegin und lernt sie zu schätzen. Überhaupt wird aus dem ewig grantigen, eigenbrötlerischen Einzelkämpfer Hansen in diesem zweiten Fall ein erstaunlich teamfähiger Vorgesetzter, der es weiß sein Team zu motivieren.
Auch im privaten Bereich ändert sich einiges für Hansen. Die Beziehung zu Nadja festigt sich, was nicht immer sehr einfach ist. Einerseits geniesst Hansen die Nähe einer Frau und die Geborgenheit einer Beziehung. Andererseits geht ihm die Umsorgung und „Bevormundung“ öfters auf die Nerven.
Dennoch bleibt Hansen im Grunde der gleiche alte Haudegen, der macht was er will und das hat diese Geschichte wieder ausgemacht.

Dieser Fall war anders aufgebaut, als der erste. Hier ist es ein klassischer Krimi: erster Mord, zweiter Mord, Ermittlungen mit Rückschlägen und Erfolgen. Der erste Teil war da ja komplett anders aufgebaut, was mich sehr begeistert hatte.

„Der Lippennäher“ hat mir dennoch wieder sehr gut gefallen, hauptsächlich lag dies am Protagonisten aber auch den Nebenfiguren, die wieder einmal sehr echt und lebensnah rüberkommen. Gute Dialoge, die sich gesprochen lesen, die Spannung lässt nicht nach, der Schreibstil ist nicht sehr anspruchsvoll aber angenehm. Wieder wurden gewisse Wendungen eingebaut, die die Handlung nicht unbedingt vorhersehbar erscheinen lassen.

Das Cover in weiss-rot gefällt mir besser als das des ersten Teils. Die blasse Silhouette eines Gesichts mit dem blutroten Faden durch die Lippen passen sehr gut und machen neugierig.
Der Klappentext ist wieder im Blocksatz geschrieben und gefällt mir somit auch optisch.
Die Seiten sind, wie immer bei ACABUS-Werken, sehr eng und relativ klein beschrieben. Das Lesen ist dennoch nicht anstrengend, da die Kapitel eine angenehme Länge haben und innerhalb dieser noch durch Absätze unterteilt sind.

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Mein Fazit: 4,5 von 5 Sternen für einen spannenden Krimi mit einem eigenwilligen Protagonisten und guten Nebencharakteren, der für mich aber eben durch den eher typischen Krimiaufbau einen kleinen Abstrich gegenüber dem ersten Teil erhält.

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Ich danke dem ACABUS Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2011

Andreas Behm – Die Moral eines Killers (5/5) – Teil I der Trilogie um Harald Hansen

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Erschienen als
Taschenbuch im
ACABUS Verlag
324 Seiten
Preis: 13,90 €
ISBN: 978-3-86282-051-1

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In Hamburg wird ein bekannter Schönheitschirurg ermordet. Präzise, schnell, ohne Spuren, durch einen gezielten Schuss. Kommissar der Mordkommission Harald Hansen wird auf den Fall angesetzt. Als er den Tatort besichtigt, ist er sich ziemlich schnell sicher, den Mörder zu kennen. Er ist überzeugt, dass der Mörder ein Profikiller ist, dem er schon lange auf der Spur ist.

Dummerweise bekommt Hansen einen neuen, jungen Kollegen an seine Seite gestellt, der ihn unterstützen soll. Das passt „Harry“ (er hasst es bei seinem richtigen Namen genannt zu werden!) absolut gar nicht.
Erstens kann Hansen Veränderungen in seinem beruflichen Umfeld schon gar nicht leiden und zweitens muss er nun in seiner Arbeit ziemlich aufpassen. Denn um dem Mörder auf die Schliche zu kommen hat er vor, Methoden zu benutzen, die nicht unbedingt den Dienstvorschriften entsprechen.

Hansen geht dennoch seinen Weg, absolut ungewöhnlich, teilweise steht er selber mit einem Bein im Knast und mit dem anderen im Leichenschauhaus…..

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Andreas Behm sagte mir gar nichts, Werke aus dem ACABUS Verlag sehr wohl. Und da ich gerne Krimis lese, war ich natürlich interessiert. Der Klappentext hat mich auch neugierig gemacht, denn der klang doch bereits nach einem verqueren Ermittler-Charakter.

Das allererste was mir an dem Erscheinungsbild des Taschenbuchs auffiel war: Der Klappentext ist im Blocksatz geschrieben. Da ich das bei ACABUS öfters schon bemängelt oder negativ angemerkt habe, hat mich das doch gefreut. Sogleich sieht der Buchdeckel ordentlich und aufgeräumt auf.
Ansonsten ist das Cover in seinen drei Farben eher dezent gehalten. Was mir die Marionette und die Schachfigur auf dem Cover  genau sagen wollen, weiss ich nicht. Ich habe so auf Anhieb keinen Zusammenhang zur Handlung gefunden. Macht aber auch nichts, es sieht ja gut aus.

Der Ermittler Hansen ist eigentlich ein absolut unsympathischer Mensch: Stoffelig, motzig, eigenbrötlerisch, knurrig. Läuft in abgewetzten Jeans und gammeliger Lederjacke herum. Hat einen eher ungepflegten grauen Haarschopf und einen dauerhaften 6-Tage Bart. Er raucht, trinkt, hat eine schlampige Wohnung … wie gesagt, eigentlich alles eher negative Eigenschaften. Dennoch ist er ein Kerl, der mir sofort sympathisch war.
Nicht nur mir, auch sein neuer Kollege Bernstein versteht es schnell hinter diese raue, schmuddelige Schale zu blicken. Wie beschreibt der seinen neuen Vorgesetzten selber: Er ist wie er ist und er ist nicht unfreundlich, er mag einfach keine Veränderungen, Zeitverschwendung, ist aber ein alter, erfahrener Hase in der Ermittlungsarbeit, der seinen Weg geht, weil er damit erfolgreich ist. Hansen lebt für die Polizei. Es ist seine Bestimmung, seine Erfüllung.

Die Art und Weise wie Behm an die Handlung herangeht ist schon sehr aussergewöhnlich. Denn der Mord an dem Schönheitschirurgen interessiert etwa nach dem ersten Kapitel nicht mehr wirklich. Weder den Leser, noch die Ermittler. Die Handlung verlagert sich in eine andere Richtung, die natürlich mit dem Mordfall zu tun hat aber dennoch …

Die Geschichte entwickelt sich in eine andere, brisante und hoch spannende Richtung. Ich habe noch nie in einem Krimi gelesen, dass der Ermittler innerhalb der ersten 100 Seiten auf den Killer zu spaziert, sich beim Essen an seinen Tisch setzt und im einfach eine Menge Tatsachen und Indizien an den Kopf wirft. Das hat mich sehr schmunzeln lassen aber dem Mörder glatt die Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Wie Hansen es dann gelingt, den Spieß umzudrehen und den Lauf der Dinge in die Richtung zu lenken die er sich vorstellt, hat mir großen Spass gemacht.

Der Autor hat es geschafft die Charaktere sehr lebensecht zu beschreiben, sie greifbar gemacht. Den Ermittler natürlich, aber auch den Killer (Die Moral eines Killers…!) und die vielen, sehr guten, Nebenfiguren.
Ich hatte große Schwierigkeiten Lesepausen einzulegen, denn ich war so gefesselt, dass ich immer unbedingt wissen wollte wie es weitergeht.

Das Ende des Romans war für mich nicht absehbar, hier hat Behm zum Schluß hin noch einmal schöne Feinheiten verbaut, die mich überrascht – teilweise geschockt (!) – haben.

Innerhalb der ganzen Gewalt, Drohungen, Fluchten, Verfolgungen, Ermittlungen gibt es auch sehr viel persönliches und gefühlvolles der Protagonisten zu erleben. Sei es Hansen selber, oder auch der neue Kollege Bernstein und auch … mehr verrate ich nicht.

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Mein Fazit: Ich vergebe für den ersten Teil der Harald Hansen Trilogie 5 von 5 Punkten. Ein Krimi der einmal ganz anders aufgebaut ist und mir absolutes Lesevergnügen bereitet hat.

Ich war tatsächlich traurig als die Geschichte zu Ende war aber ich habe das Glück gleich beim zweiten Teil „Der Lippennäher“ weiterzumachen. Ich kann diesen Krimi gut und gerne uneingeschränkt empfehlen und es ist völlig egal ob er in Hamburg oder Hintertupfingen spielt. Ich lebe in NRW und habe die Lektüre genossen 🙂

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Ich danke dem ACABUS Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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Wer etwas mehr über den Autor Andeas Behm erfahren möchte. Hier geht es  zur offiziellen —–> Homepage

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© Buchwelten 2011

OLYMPIA 1936 – Danach kam alles anders von Karl Hemeyer (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im ACABUS  Verlag
336 Seiten
Preis: 15,90 €
ISBN: 978-3-941404-50-2

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Die Brüder David und Harro Stern arbeiten beide im Verlag ihres Vaters in Wesermünde (das ist das heutige Bremerhaven). Der Verlag läuft gut, neben Kalendern druckt dieser auch das „Nordsee – Blatt“. Und für „ihr Blatt“ reisen sie im Jahre 1936 als Journalisten gemeinsam nach Berlin, um über die Olympischen Spiele Bericht zu erstatten.
David, der ältere, ist für die Interviews und das Verfassen der Berichte zuständig. Harro, der jüngere, ist als Fotograf unterwegs.

Sie beziehen eine gemütliche Pension in Charlottenburg und fühlen sich von Anfang sehr wohl in der Großstadt, die so völlig anders ist als ihr Heimatort. Schnell knüpfen Sie Kontakte. Zu dem amerikanischen Sprinter Ralf, zu Henri Nannen, der im Olympiastadion der Sprecher ist. Sie verbringen eine aufregende Zeit in Berlin und bescheren dem Nordsee-Blatt durch ihre ausführlichen Berichte und den fantastischen Fotos extrem grosse Auflagen. Vadder Stern ist sehr stolz auf seine Jungens.

Harro lernt während dieser Zeit u.a. die Regiseurin Leni Riefenstahl kennen und entdeckt seine Leidenschaft für die Filmerei. Er möchte nicht mehr mit in den väterlichen Verlag, er möchte in Berlin bleiben und das Filmen beruflich weiterverfolgen.

Die Nazis übernehmen immer mehr die Macht, zunächst macht sich das nur in der Hauptstadt bemerkbar aber bald gibt es auch in Wesermünde Schwierigkeiten. Die Nazis verlangen von den Sterns ihren Ariernachweis. Sie ziehen aus dem Nachnamen den Schluß, dass es sich um Juden handelt.
Vadder Stern entscheidet sich, seinen eigentlichen Namen ‚Steen‘ wieder anzunehmen. Aber David weigert sich stur und trotzig. Er sieht sich als den evangelischen David Stern, der er sein Leben lang war und will daran auch wegen der Nazis nicht ändern.
Doch dann kommen Mannschaftswagen der Gestapo auf den Hof und sie wollen ihn holen. David muss fliehen … und somit reisst es die Familie auseinander….

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Die Geschichte erzählt das Leben der zwei Söhne Harro und David und Vadder Stern während der schweren Kriegsjahre im dritten Reich. Auch wenn es sehr viele, wichtige und gut dargestellte Nebenfiguren gibt, so sind diese drei die Hauptprotagonisten. Diese hat Hemeyer sehr lebensnah, echt und mit allen Ecken und Kanten dargestellt.

Der Autor schreibt in der Gegenwart, so dass ich als Leser das Gefühl bekam, tatsächlich die Abenteuer dieser Zeit hautnah mitzuerleben. Er schreibt in einem flüssigen, angenehmen aber nicht übermässig anspruchsvollen Schreibstil, der die Lektüre des Romans sehr kurzweilig gestaltet hat. Innerhalb der Kapitel gibt es Szenenwechsel, so dass man in jedem Handlungsstrang „dran bleibt“.

Teilweise schreibt Hemeyer in plattdeutsch oder im berlinerischen Dialekt, was mir teilweise aber irgendwie falsch oder unnatürlich vorkam. Ich habe sowohl in Norddeutschland Plattdeutsch gehört, als auch original Berlinerisch und das klang für mich anders als das, was ich teilweise gelesen habe. Ab und an hat es mich genervt aber da habe ich dann einfach „drübergelesen“. Dies brachte mich jedoch zu einem kleinen Punkteabzug.

Was mir sehr gut gefallen hat war, wie der Autor es geschafft hat in dem Roman deutlich zu machen, dass die Familie und Freundschaft sehr wichtig sind und es mit Hilfe beider immer irgendwie gelingt, wieder auf die Füsse zu kommen und selbst schwere Probleme zu lösen. Der Zusammenhalt der Protagonisten untereinander ist wirklich sehr schön rübergebracht und auch wenn alle drei männlich sind, dennoch überaus gefühlvoll.

Ich als bekennender Berlin Fan habe mich im alten Berlin sehr wohl gefühlt und die Beschreibungen des Anhalter Bahnhofs und des Adolf-Hitler Platzes haben mich dazu gebracht, mir im Internet alte Originalaufnahmen aus dieser Zeit anzusehen…

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Das Buch wird als Taschenbuch präsentiert und das Cover gefällt mir ganz gut. Die Bilder passen alle ganz genau in die Geschichte, allerdings sieht die Fotomontage leider etwas lieblos aus.
Der Klappentext ist vom Text her aussagekräftig und macht durchaus neugierig. Allerdings ist er weder zentriert, noch im Blocksatz geschrieben, was ich immer als unschön und unordentlich empfinde. Die Inhaltsangabe hätte man doch viel mehr „aufhübschen“ können.

Was ich noch festhalten möchte, ein Werk aus dem Hause ACABUS und die Folie an den Kanten löst sich nicht mehr ab. Das freut mich sehr.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für diesen Roman über drei Männer, die versuchen ihren Weg in Zeiten des Krieges zu gehen und trotz aller Schwierigkeiten einander nicht aus den Augen verlieren wollen..

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Ich danke dem ACABUS Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2011