Jeder Mord braucht einen Täter von Andreas Behm

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Behm_4Erschienen als Taschenbuch
im Acabus Verlag
220 Seiten
13,90 €
ISBN: 9783862823314

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Harald Hansen ist pensioniert, lebt endlich mit seiner Lebensgefährtin Nadja zusammen und hat die Vaterrolle für Mareike übernommen. Klingt eigentlich nach einem sehr entspannten und vorallem lang herbeigesehnten Alltag. Tja, dem ist aber ganz und gar nicht so. Hansen ist unzufrieden, ihm fehlt die Arbeit – auch wenn er das nicht einsehen will – und er wird von Tag zu Tag unerträglicher. Nadja fädelt es schlau ein, dass ein alter Kollege, Peters, dem Harald doch recht nahe stand, am Weihnachtsabend zu Besuch kommt. Er ist einer der wenigen, der Hansen direkt ins Gesicht sagen kann und darf, was er denkt. Was Harry zu hören bekommt, gefällt ihm zunächst nicht, doch er muss zugeben, dass es stimmt.

Nach einigen Tagen der Überlegung entschliesst sich Harry dafür, ein Büro anzumieten und eine Detektei zu eröffnen. Er übernimmt eigentlich nur Fälle für eine Versicherung, ermittelt hier und da in abzurechnenden Fällen nach eventuellem Versicherungsbetrug.

Als plötzlich eine schöne Unbekannte in seinem Büro auftaucht und ihn mit einer Ermittlung beauftragt, klingt dies nicht so aufwendig, sodass Hansen den Fall annimmt. Er beschattet den vermeintlichen Ehemann seiner Auftraggeberin, fertigt einige Fotos. Doch als in seinem Büro die Leiche des Journalisten Konradi aufgefunden wird, schlingt sich rasant eine böse Schlinge um Hansens Hals. Denn Hansen ist zur Tatzeit ebenfalls in seinen Büroräumen und wird umgehend verhaftet. Als er innerhalb der U-Haft Drohungen erhält, die das Leben seiner Lieben betrifft, legt er ein Geständnis ab.

Doch Harry Hansen, wäre nicht der, der er ist, wenn er nicht auf eigene Faust versuchen würde, den Fall zu lösen und seine Unschuld zu beweisen. Hierzu nimmt er nicht nur eine gefährliche Flucht in Kauf, er bringt auch andere Menschen in Gefahr. Mitunter die Mutter des Opfers, die Hansen mit Rat und Tat zur Seite steht ….

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Als großer Fan der Harald Hansen Romane war ich natürlich sehr erfreut, dass der Autor Andreas Behm nun doch noch einen abschließenden vierten Teil um den grummeligen aber herzensguten Ermittler geschrieben hat. Behm knüpft in der Handlung an den dritten Roman an, alle Bekannten Figuren sind wieder mit dabei. Nadja, Harrys Lebensgefährtin mit ihrer Tochter, seine ehemaligen Partner und „Untergebenen“ Vera Becker (bissig wie eh und jeh) und auch Thomas Bernstein (nach wie vor homosexuell und in einer glücklichen Beziehung). Schön war es alle diese Personen wiederzutreffen und sie auf ca. 220 Seiten in ihrem letzten Fall zu begleiten.

Die Grundidee der Handlung, nämlich das der ehrwürdige Harry Hansen im Ruhestand prompt unter Mordverdacht gerät, gefällt mir gut. Auch die Art, wie Hansen damit umgeht, nämlich auf eigene Faust ermittelt, seine ehemaligen Leute an seiner Seite wissend, ist sehr gut gemacht.

Der Spannungsbogen ist gut gespannt, der Schreibstil gewohnt angenehm. Die Geschichte liest sich sehr rasant und flott und ist absolut kurzweilig. Teilweise sind wieder sehr gefühlvolle Momente in der Handlung verbaut, die den rauen Harry sentimentale Züge zeigen lassen.

Insgesamt ein würdiger Abschluss für die Reihe um Harald Hansen. Ich finde es schon schade, dass es nun nichts mehr von ihm zu lesen gibt, aber Andreas Behm möchte sich in seiner Schreiberei nun einmal anderen Dingen widmen. Absolut verständlich und auch nachvollziehbar. Ich werde den Stoffel Harry Hansen dennoch vermissen aber natürlich in liebevoller Erinnerung behalten.

Mein Fazit: Ein gut gesponnener Krimi, der eine Reihe angemessen zum Abschluß bringt. Eine gute Idee für den letzten Teil, die fast so gut ist, wie die Idee zum ersten Roman war 🙂

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Wer mehr über Harald „Harry“ Hansen wissen/lesen möchte, hier geht es zu den Rezensionen der ersten drei Romane sowie zu einem Interview mit dem Autor Andreas Behm:

Andreas Behm – Die Moral eines Killers – Harald Hansens 1. Fall
Andreas Behm – Der Lippennäher – Harald Hansens 2. Fall
Der Spion ohne Vaterland – Harald Hansens 3. Fall
Buchwelten im Gespräch mit Andreas Behm

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Ich danke dem Acabus Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2014

Buchland von Markus Walther

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Erschienen als Taschenbuch
im Acabus Verlag
insgesamt 224 Seiten
Preis: 12,90 €
ISBN: 978-3-86282-186-0
Kategorie: Belletristik

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Beatrice Liber ist eine Buchhändlerin, die auf Grund der Schließung ihres eigenen Buchladens eine neue Arbeitsstelle benötigt. Diese hofft sie nun im Antiquariat des Herrn Plana zu bekommen. Doch schon das Vorstellungsgespräch ist nicht wirklich so, wie man sich das vorstellt. Der Inhaber des Geschäfts wirft nicht einen Blick in ihre Bewerbungsunterlagen, sondern bittet sie, ihm etwas vorzulesen. Beatrice ist verwirrt und etwas überrumpelt. Doch Herr Plana erklärt ihr: „Sie müssen die Seele der Bücher erkennen, um hier Bücher zu verkaufen“.

Nun, Bea liest ihm vor und es scheint ihm zu gefallen, denn er stellt sie ein. Langsam aber sicher macht sich Bea mit dem Antiquariat, dass nicht wie „normale“ andere Läden zu sein scheint, vertraut. Sie dekoriert zunächst das Schaufenster um. Eine gute Mischung aus alten, klassischen Büchern und Neuerscheinungen. Sie ist schon etwas verwundert, dass sie sämtliche Bücher im Keller unter dem Antiquariat findet. Bücher vom Großhändler oder Verlag bestellen ist nicht nötig.

Nach und nach geschehen mehrere wunderliche Dinge. Im Geschäft erscheinen Gäste namens Edgar und Wolfgang und diese Herren scheinen nicht unserer Zeit entsprungen zu sein. Wer sind diese Männer? Kann es denn sein, dass … ? Und auch Herr Plana ist in Beas Augen etwas seltsam. Zwar versteht sie sich gut mit ihm und sie führen lange, ausgiebige Gespräche, dennoch: seine Beziehung zu Büchern scheint etwas anders zu sein. Und was es mit der ständigen Vorleserei auf sich? Herr Plana scheint sich in den Momenten, in denen Bea ihm vorliest, körperlich zu regenerieren.

Natürlich versucht Bea den Geheimnissen des Antiquariats, dem Keller darunter und dem netten, aber dennoch eigenartigen Herrn Plana auf die Spur zu kommen. Doch dann gibt es plötzlich drastische Probleme mit ihrem Ehemann Ingo. Sein Leben steht mit einem Mal extrem auf der Kippe und sie versucht alles in ihrer Macht stehende, um ihm zu helfen, ihn zu retten. Und dazu braucht sie Hilfe: Die Hilfe von Herrn Plana und vom Buchland selber. Ein aufregendes, dramatisches und nicht ungefährliches Abenteuer erwartet sie ….

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Da ich von Markus Walther bislang „nur“ seine Kürzestgeschichten gelesen habe, hat mich die Neugier gepackt, als ich auf Buchland stieß. Der Autor, den es sonst so sehr reizt, eine Geschichte auf eine Buchseite zu bringen, hat einen Roman geschrieben. Ich wollte unbedingt wissen, wie Markus Walther „lang“ schreibt.

Und ich gestehe: ich war sehr positiv überrascht. Inhaltsangabe klang sicherlich schon interessant, doch unterm Strich muss das nicht unbedingt was bedeuten.

Der Autor erzählt eine ausgefallene und tiefgründige Geschichte, die sich um die Welt und Seelen der Bücher dreht. Nein, nicht nur um die Bücher Auch um deren Schöpfer und außerdem um die Menschen, die die Bücher brauchen, um zu leben: die Leser natürlich.

In einem angenehm lesbaren, sehr bildhaften und kurzweiligen Schreibstil entführt Markus Walther den Leser in eine Welt, die er sehr bildhaft darstellt. Wir treffen auf verrückte Gerätschaften, ausgefallene Konstruktionen, Dinge, die Geschichten entspringen und sehr hilfreich sein können. Außerdem bekommen geflügelte Worte eine besondere Bedeutung.

Immer wieder gibt es Hinweise auf bekannte Literatur, egal ob klassisch oder aktuell, national oder international. All diese kleinen Einwürfe haben mir sehr gut gefallen, denn der Leser erkennt diese Dinge natürlich. Man merkt, dass der Autor selbst gerne, viel und auch genreübergreifend liest. All dies hat er in seine Geschichte einfließen lassen und es las sich für mich nicht recherchiert. Die Anspielungen und auch Zitate von bekannten Schriftstellern oder Hinweise auf diese Werke haben mir großen Spaß gemacht.

Aber auch viel kritisches liest sich in Buchland. Die Flut an Büchern, die den Markt im digitalen Zeitalter überschwemmen, der heutige Lebensstil, in dem alles schnell und billig sein muss. Hier habe ich selbst sehr viel gelesen, was auch mir nicht gefällt und dem ich gerne zustimme. Auch das Thema einer gefährlichen Sucht findet in Buchland seinen Platz.

Innerhalb des Textes hat Markus Walther die Fachbegriffe, die er verwendet hat, durch eine andere Schrift kenntlich gemacht und diese dann im Anhang ausführlich und nicht ohne Humor erklärt.

Das Cover ist dem alten, staubigen Antiquariat angepasst und auf „alt“ gemacht. Es gefällt mir gut, denn es passt zur Geschichte. Ich kann in diesem Falle nicht einmal über zu eng beschriebenen Seiten „schimpfen“. Auch wenn die Schrift relativ klein ist, die Buchseiten sind aufgelockert bedruckt, wirken diesmal nicht gequetscht.

Unterm Strich kann ich sagen: Markus Walther kann sehr wohl auch „lang“, mir selbst gefällt es sogar besser, als seine Kürzestgeschichten. Zunächst einmal, weil ich eigentlich kein Kurzgeschichten-Fan bin, sondern mich lieber in längere Geschichten fallen lasse. Ich mag es, die Protagonisten kennenzulernen und sie ein Stück weit begleiten, ja, sie durch mein Lesen zum Leben zu erwecken :-).

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die Reise ins Buchland. Die Geschichte ist sowohl fesselnd, spannend, abenteuerlich, humorvoll und tiefgründig; sie liefert dem Leser schönes Kopfkino und beinhaltet gute Ideen. Außerdem steckt sehr viel Wahrheit, Wichtiges und auch Kritisches darin. Sehr gelungen und ich empfehle es gerne!

Ich danke dem Acabus Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Weiteres zu Markus Walther auf Buchwelten:

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© Buchwelten 2013

Das Buch des Hüters von Andreas Dresen

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Erschienen als Taschenbuch
im Acabus Verlag
insgesamt 224 Seiten
Preis: 12,90 €
ISBN: 9783862820535
Kategorie: Urban Fantasy

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Vor mehr als 100 Jahren verändern die Ökofaschisten die Welt. Sie befreien die Welt von der Herrschaft der Computer und des Stroms. Alles kommt zum Erliegen: Atomkraftwerke explodieren und brennen, die Menschen werden verstrahlt und viele Neugeborene kommen „mutiert“ auf die Welt. Die Tiere werden bösartig, greifen die Menschen an und die Natur erobert sich das Land zurück.

Das Land Panäa ist nunmehr zweigeteilt. Im Norden stehen Fabriken und in dieser grauen oberen Hälfte des Landes gibt es zumindest noch ein wenig fortschrittliches Leben.

Der Süden hingegen ist in den Zustand des Mittelalters zurückverfallen. Strom ist verboten, restliche Güter der alten Welt werden unter Gefahren unter der Hand verkauft (Batterien z.B.).

Der junge, etwas naive und unbeholfene Pejo wird aus seiner Heimat im Norden, genannt Flusshaven, auf eine Expedition in den Süden geschickt Dort überschlagen sich die Ereignisse und Pejo bekommt von einem sehr mutigen, jungen Mädchen kurz vor ihrem Tod ein Buch überreicht: Das Buch des Hüters. Sie macht sehr deutlich, dass Pejo dieses Buch unbedingt schützen muss, denn es darf auf keinen Fall in die falschen Hände gelangen.

Auf seiner Reise trifft Pejo auf die unterschiedlichsten Menschen. Das immer optimistische und positive Mädel Huya, den Jäger Walther, den genau wie Pejo ein besonderes Geheimnis umgibt, einen Doktor, der sich der Rettung von Mutanten verschrieben hat, weil er weiß, dass diese Menschen zwar körperliche Abweichungen haben, aber dennoch viele besondere Eigenschaften.

Auch wenn diese Reise für Pejo voller Gefahren ist, so merkt er auch, dass er sich verändert, selbstsicherer wird und vor allem zufriedener mit sich selbst …

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Andreas Dresen hat mit seinem „Buch des Hüters“ eine interessante postapokalyptische Welt erschaffen. In einem angenehm lesbaren Schreibstil hat er es geschafft, mich mit seiner Geschichte zu fesseln.
Er hat mich entführt in eine stromlose Welt, in der aber immer noch viele Relikte der alten Zeit bestehen oder zu finden sind.

Oftmals fühlte mich ich erinnert an eine Geschichte von Stephen King, in der die alte Zeit auch eine große Rolle spielt. Hier hat Andreas Dresen auch eine schöne kleine Anspielung verbaut, die mir natürlich sofort ins Auge sprang. Wobei ich darauf hinweisen möchte, dass „Das Buch des Hüters“ keine Nachmache des Dunklen Turm ist, sondern eine eigenständige Geschichte mit einem guten Hintergrund: Was macht die super Technologie aus uns Menschen? Sind wir lediglich noch computerabhängige Wesen?

Die Wichtigkeit von Zusammenhalt der verschiedensten, durch Zufall zusammengekommen Gefährten gefiel mir. Die Charaktere waren gut ausgearbeitet und Pejos Entwicklung, von einem ängstlichen, dicklichen Jüngling, zu einem Mann mit eigenem Willen, Mut und Tapferkeit kam gut rüber.

Sehr klasse fand ich auch die Stelle, an der die Arbeiter einer Müllhalde „ein Internet“ suchen, mehr verrate ich nicht. Innerhalb der Handlung gibt es viele nette und ausgefallene Elemente. 

Die Auflösung der Story gegen Ende war für mich relativ absehbar, ich empfand dies aber nicht als negativ. Für mich war der Schluss stimmig und passend.

Das Cover ist schlicht und stellt eine Mischung aus dem Norden und Süden Panäas dar, der Klappentext ist (leider typisch Acabus-Verlag) in einer Miniaturschrift verfasst, für den der Leser eine Lupe gut gebrauchen könnte 🙂 .

Ich habe von Andreas Dresen bereits die beiden STADT-Romane gelesen, dieses Buch hat er zwischen genau diesen verfasst. Das Buch des Hüters ist von der Handlung etwas komplett anderes und ich finde es immer gut, wenn Autoren in verschiedenen Genres unterwegs sind.

Mein Fazit: 4,5 von 5 Sternen für diesen Roman. Eine gelungene Mischung aus Fantasy und Dystopie, die Spaß macht, fesselt und sich flott liest. Den halben Punkt Abzug kann ich mir nicht verkneifen und ist ein Stupser in Richtung Verlag: Eine größere Schrift und nicht so vollgequetschte Seiten würden auch diesen Roman aufwerten und die Augen der Leser weniger anstrengen.

Ich danke dem Acabus-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars..

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Weitere Rezensionen zu Werken von Andreas Dresen auf Buchwelten:

Rezension zu AVA und die STADT des schwarzen Engels

Rezension zu SAMSON und die STADT des bleichen Teufels

sowie ein Interview mit dem Autor:

Buchwelten im Gespräch mit Andreas Dresen

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© Buchwelten 2013

Buchwelten im Gespräch mit Andreas Dresen

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Gerade ist der zweite Band der STADT-Romane „SAMSON und die Stadt des bleichen Teufels“ im ACABUS Verlag erschienen. Ich habe beide Romane nacheinander gelesen und beide Rezensionen sind hier auf Buchwelten erschienen.

Ich habe dies zum Anlass genommen und Andreas Dresen zu einem Interview eingeladen. Es freut mich, dass er sich Zeit genommen hat, mir meine Fragen zu beantworten und somit seinen Lesern einen Einblick in seine Arbeit und hinter die Kulissen zu gewähren …

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Da ich kürzlich beide Teile der STADT-ROMANE „AVA und die STADT des schwarzen Engels“ und „SAMSON und die STADT des bleichen Teufels“ hintereinander gelesen habe, lautet meine allererste Frage: Auf wieviele Teile sind Deine STADT-Romane ausgelegt?

Geplant war ursprünglich nur der erste Band. Ava war ja aus einer Reihe kleinerer Ideen und Kurzgeschichten entstanden, die sich plötzlich nahtlos aneinander fügten. Als ich Ava aber beendet hatte, fand ich es so schade, dass der Ausflug in die STADT schon vorbei war, dass ich weitergeschrieben habe. Außerdem war ich der Meinung, dass die Geschichte von und um Fahrat noch nicht zu Ende war. Ist sie immer noch nicht, darum denke ich, kann noch ein Band folgen. Denn viele Fragen sind für mich noch offen.

Mich interessiert, wie die Idee zu den STADT-Romanen entstand. Wer oder was hat dich inspiriert diese Welt(en) und so „verrückte“ Wesen wie Krenken, Schindellecker und Funkenpopanze zu erschaffen? (Ich habe jetzt absichtlich mal einige Namen genannt, auf dass die Leser neugierig werden…)

Die Idee zu den STADT-Romanen kam mir natürlich bei meinen Spaziergängen durch die Aachener Stadt. Wenn man sich bewusst die Straßen und die Häuser anschaut, dann entdeckt man plötzlich eine ganz neue Welt. Denn gerade die Wege, die man täglich geht, nimmt man oft gar nicht mehr genau wahr. Man sieht nicht mehr hin oder will auch nichts sehen. Darum fragte ich mich, was wir wohl noch alles für selbstverständlich nehmen und was wir eben genau deshalb alles nicht bemerken. Daraus entstand der Grundgedanke der STADT in der Stadt.

Die Wesen habe ich nicht erschaffen, die habe ich in der STADT entdeckt. Dann brauchte ich sie nur noch aufzuschreiben. Wilde Wesen entdecke ich meist, wenn ich unterwegs bin (in meinem Kopf oder auf der Straße), oder ich sehe Bilder von Künstlern, die mich inspirieren. Ich kann das nur empfehlen, öfter mal durch Kunst-Blogs zu klickern oder ins Museum zu gehen. Was da alles los ist …

Nach deinem Debütroman „AVA und die STADT des schwarzen Engels“ ist noch im gleichen Jahr ein weiterer Roman von Dir erschienen. Er heißt „Das Buch des Hüters“. Worin unterscheidet sich dieses zweite Werk von der STADT-Reihe, magst Du ein wenig darüber erzählen?

Das Buch des Hüters“ war wie Ava ein Herzensprojekt. Die Geschichte ist in einem Land namens Panäa angesiedelt, hundert Jahre nach dem Ende der Zivilisation. Die Menschen haben die heiße Phase der Apokalypse überstanden. Die, die übrig geblieben sind, haben sich neu eingerichtet. Dabei erlebt Pejo, ein Junge aus dem technologisiertem Norden, eine Reise durch dieses Land. Er lernt den Süden kennen, in dem man Technik und Strom ablehnt, gerät in die Fänge von Mutanten und findet sowohl die Liebe als auch die Bestimmung seines Lebens.

Das Buch des Hüters“ ist ein Roman, in dem ich mich mit den Gefahren der Technik, der Angst und der Hoffnung auseinander setze. Denn wie immer gibt es viele Wahrheiten.

Nach dem Roman hatte ich keine Angst mehr vor der Zukunft.

Wie gehst Du an das Schreiben deiner Romane heran. Steht für Dich von Anfang an der gesamte Plot fest, oder machen sich die Handlung und Charaktere während des Schreibens schon mal „selbstständig“?

Bei „Ava“ und beim „Hüter“ habe ich aus dem Bauch heraus geschrieben. „Samson“ habe ich von vorneherein geplottet, was mich aber nicht davon abgehalten hat, mich erst einmal komplett zu verrennen. Kurzgeschichten oder Erzählungen strukturiere ich gerne vorher durch, damit ich weiß, wohin ich will mit meiner Geschichte. Das hilft mir, den roten Faden zu behalten. Überraschungen und Änderungen sind aber immer dabei. Meist entwickelt sich das richtig gute Ende oder der Twist der Geschichte erst während des Schreibens, weil man dann erst in die Story reinkommt und die Personen richtig kennenlernt. Dann kann ich auch das geplante Ende oder die geplante Szene über den Haufen werfen. Doch den Rahmen vorher abzustecken gehört für mich inzwischen einfach dazu. Meist habe ich die Geschichte grob im Kopf bevor ich anfange zu schreiben. Dass kann bedeuten, dass ich ein paar Tage grübel und grübel und grübel und dann ganz schnell schreiben muss.

Ich würde gerne wissen, wie und wo Du an Deinen Romanen arbeitest. Hast du ein separates Arbeitszimmer, brauchst Du totale Ruhe oder hörst Du (laute) Musik, gibt es vielleicht sogar ein ganz bestimmtes Ritual/einen Talisman, ohne den Du keinen Satz zustande bringst?

Ich habe inzwischen mein Arbeitszimmer. Aber Ava habe ich am Wohnzimmertisch geschrieben, während um mich herum das Leben weiterging. Jetzt sitze ich gerne an meinem Schreibtisch und schreibe. Es hilft, kein Fenster vor der Nase zu haben und das Internet abzuschalten.

Ich habe kein Ritual, finde auch, dass das unheimlich störend wäre. Ich will mich ja nicht selbst vom Schreibfluss abkoppeln, nur weil meine Hasenpfote nicht am richtigen Platz ist. Ich denke, dass sind auch nur Ausreden, um sich nicht der Geschichte stellen zu müssen. Wenn mich eine Idee packt, dann tuts auch die Rückseite einer Rechnung und ein Bleistift. So habe ich schon viele Story zumindest grob aufgeschrieben.

Lange Zeit habe ich Musik gehört, aber inzwischen habe ich den Luxus ein stilles Zimmer zu haben. Da genieße ich die Ruhe beim Schreiben, glaube aber auch, dass einen die Musik in die richtige Stimmung bringen kann. Oder in die falsche. Bei einer leisen Szene laut Metal zu hören fände ich kontraproduktiv, da mache ich die Musik eher aus.

Manchmal hilft einem Musik aber auch, wieder in eine Geschichte reinzukommen. Erstaunlicherweise ist das bei mir meist Tom Waits, Iron Maiden und in gewissem Rahmen auch Mittelalter-Folk.

Ich glaube, jeder der Bücher schreibt, liest selber auch gern und wurde dadurch sogar selber ermutigt, auch eine Geschichte zu Papier zu bringen. Welche Autoren liest Du gerne, hast du bestimmte literarische Vorbilder?

Ich bewundere George Simenon und liebe seine Bücher. Ebenso Umberto Eco, Bukowski, Phillip K. Dick, Tolkien, G.R.R. Martin. Geprägt haben mich aber fürs Schreiben auch Michael Ende, Astrid Lindgren, Stanislav Lem, Sergej Lukjanenko und Lovecraft. Bestimmt noch viele andere, aber dafür müsste ich mir jetzt mal mein Bücherregal anschauen. 

Wobei ich mir viele Bücher gar nicht mehr kaufe, sondern in der STADT Stadtbibliothek ausleihe. Da geht es nicht so ins Geld, wenn man mal Experimente macht und Bücher liest, von denen man noch nie gehört hat. Oft kaufte ich in der Vergangenheit Bücher, die in den Bestsellerlisten standen, nur um nach hundert Seiten weggelegt zu werden. Das fand ich zu teuer.

Noch ein Blick hinter die „Schreibkulissen“: Wie überarbeitest Du Deine Manuskripte. Korrigierst Du am Rechner oder auf ausgedrucktem Papier mit dem Rotstift, und … machst Du es gern?

Bei den Romanen drucke ich mir die Endfassung meist kurz vor endgültiger Abgabe noch mal aus und sitze mit dem schwarzen Filzstift dran. Aber alles andere mach ich immer am Rechner.

Die Leser interessiert mit Sicherheit auch, wie sich dein Weg bis zur 1. Veröffentlichung gestaltet hat. Wie verlief Deine Suche nach einem Verlag, war es ein harter und steiniger Weg?

Um ehrlich zu sein, überhaupt nicht. Ich habe ziemlich früh im Schreibprozess den epospresse-Verlag mitgegründet, um frei zu sein, was ich schreibe und veröffentliche. Dort wurde dann auch „Bart Ortland“ veröffentlicht, eine Kriminalkomödie, die ich mit ein paar Freunden geschrieben habe.

Als ich Ava dann fertig hatte, habe ich mich informiert und ein paar Agenten und ein paar Verlage angeschrieben. Wenige Wochen später hatte ich dann die Mail von Frau Sechtig vom Acabus-Verlag in meinem Postfach. Seitdem bin ich dort sehr zufrieden.

Ohne zu tief in Dein Privatleben vorzudringen, möchte ich Dich dennoch nach Deinem „Alltag“ fragen. Was macht der Autor Andreas Dresen, wenn er nicht schreibt. Übst Du einen Hauptberuf aus und gehst Du in Deiner Freizeit irgendwelchen Hobbies nach?

Ich bin Diplom-Kaufmann bei einem regionalem Dienstleistungsunternehmen. Neben dem Schreiben widme ich mich meinem Garten, dem Sporttauchen und meiner Frau. Außerdem lese ich unheimlich gerne, schaue mir Filme an und stöbere so durch die Weltgeschichte. Es gibt so viel zu lernen und zu entdecken!

Nun möchte ich noch kurz auf die bunte, moderne High-Tech Welt eingehen. Wie wichtig ist das WWW deiner Meinung nach für einen Autor heutzutage. Was denkst Du über Social Networks, Ebooks, Buchtrailer etc.?

Das ist eine Frage, die nicht einfach zu beantworten ist. Als Selbstvermarkter kommt man wohl um ein Engagement im Netz nicht drumrum. So viele Menschen, so viele Leser, wie man sie über Social Networks, Blogs und Videoplattformen erreicht, kann man mit konventionellen Lesungen gar nicht packen, glaube ich.

Und E-Books: Klar, finde ich klasse! Schreibe sie ja selbst gerne. Es ist ein wunderbares Medium. Es gibt dem Autor die absolute Freiheit! Freiheit bedeutet aber eben auch Verantwortung. Wenn ich selbst publiziere, bin ich für alle Fehler selbst verantwortlich. Und ich muss selber Werbung machen, selber organisieren. Das kann alles in die Hose gehen – und das Netz vergisst nicht. Aber davon sollte man sich nicht abhalten lassen. Ich glaube, dass ist eins der neuen Abenteuer, denen sich ein Autor stellen kann.

Noch eine Frage zu Deiner persönlichen Einstellung zu Bestsellerlisten oder -tischen in Buchläden. Verleiten sie Dich zum Kauf eines Buches oder triffst Du Deine Auswahl nach anderen Kriterien?

Bestsellerlisten ignoriere ich regelmäßig, auch weil sie mich nicht erreichen. Wo stehen die? Ich finde meine Bücher in den Medien, die ich konsumiere. Das sind dann Empfehlungen von Freunden, Blog- oder Facebook-Einträge. Meist aber lass ich mich einfach treiben und lese, was mir zufällig über den Weg läuft. In der Bücherei, in der Bibliothek, irgendetwas findet sich immer. Die Büchertische in der Buchhandlung überfliege ich aber regelmäßig. Aber ich suche eher nach einem Thema, das mich interessiert als gezielt nach Büchern.

Meine letzte Frage kehrt noch einmal zurück zu Deiner Schreibarbeit. Du scheinst Dich im Fantasybereich sehr wohlzufühlen. Verrätst Du mir und den Lesern woran Du derzeit arbeitest und ob Du evtl. einmal das Genre wechseln wirst?

Neben den Büchern, die ich im Acabus-Verlag veröffentlicht habe, habe ich inzwischen eine ganze Reihe von Phantastik E-Books im epospresse-Verlag herausgebracht. Dort bin ich ebenfalls im phantastischen Genre unterwegs und bewege mich zwischen Horror und Verschwörungstheorien, Humor und Ernsthaftigkeit. Soeben ist ein weiteres E-Book erschienen und ich habe noch zwei geplant, an denen ich aktuell schreibe. Eins ist der erste Teil einer kleinen Steampunkreihe und das andere bislang nur skizziert.

Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass Genre mal zu wechseln. Meine Geschichten sind ja nicht immer phantastisch. Mich würde aber interessieren, welches Genre meine Leser sich für mich vorstellen könnten. Wer mag, kann mir das ja mal schreiben.

Ich wünsche Andreas Dresen für seine schriftstellerische Laufbahn alles Gute und viel Erfolg.

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Mehr über den Autor auf www.andreas-dresen.de und der Verlagsseite acabus-verlag.de

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Zu den Rezensionen der STADT-Romane auf BUCHWELTEN: 

AVA und die STADT des schwarzen Engels

SAMSON und die STADT des bleichen Teufels

 

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© Buchwelten im August 2012

… Lesenachschub … Rezensionsexemplare … und ein ‚Danke‘ …

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In den letzten Wochen ist mein Rezensions-SUB zwar um einige Werke geschrumpft, da ich nun endlich wieder Zeit zu lesen habe aber es sind auch einige neue hinzugekommen.

Eine bunte Mischung an Neuerscheinungen und bereits erschienenen Romanen wartet auf meine Lesezeit. Auch die Genres sind abwechslungsreich: Krimi, Urban Fantasy und zwei Jugendbücher sind dabei. Derzeit lese ich den Thriller „Blutsommer“, recht krass aber sehr gut.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei den ‚Buchwelten‘ unterstützenden Verlagen wie hier z.B. rororo (Rowohlt), ACABUS, grafit, den Autoren Stefanie Philipp und Michael Zandt/ Art Skript Phantastik Verlag sowie Amazon Vine bedanken.

Nicht alle Bücher sind von mir angefragt worden. Einige Verlage senden auch immer wieder einmal ein unangefordertes Exemplar zu und auch Autoren nehmen Kontakt auf und fragen an, ob Interesse an einer Rezension besteht.

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MÈTO – Das Haus von Ives Grevet
Kategorie: Jugendbuch

Inhalt: 

64 Jungen leben im HAUS hinter verbarrikadierten Fenstern und Türen. Sie wissen nicht, woher sie kommen, und sie wissen nicht, wohin sie verschleppt werden, wenn ihre Zeit im Haus abgelaufen ist. Fragen dürfen sie keine stellen – tun sie es doch, werden sie von Männern, die sie rund um die Uhr bewachen, brutal bestraft. Als sich einer der Jungen nicht länger seinem Schicksal beugen will und Widerstand leistet, bekommt er die ganze Härte des Systems zu spüren, in dem er gefangen ist. Doch andere eifern ihm nach und erheben sich wie er gegen Gewalt und Willkür, um die Macht des Hauses zu stürzen. Es ist der Beginn eines gefährlichen Kampfes um Freiheit und Selbstbestimmung. Es ist der Kampf des jungen MÉTO (Quelle: Amazon.de)

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Vollendet von Neil Shustermann
Kategorie: Jugendbuch

Inhalt:

Der 16-jährige Connor hat ständig Ärger. Risa lebt in einem überfüllten Waisenhaus. Lev ist das wohlbehütete Kind strenggläubiger Eltern. So unterschiedlich die drei auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind auf der Flucht. Vor einem Staat, in dem Eltern ihre Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren umwandeln lassen können. Die Umwandlung ist schmerzfrei. Jeder Teil des Körpers lebt als Organspende in einem anderen Organismus weiter. Aber wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem … lebst du dann, oder bist du tot? (Quelle: Amazon.de)

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Winterfest von Jørn Lier Horst
Kategorie: Krimi

Inhalt:

Tote Vögel, aufgebrochene Hütten und eine Leiche:
mysteriöse Verbrechen in einer Ferienidylle

Nicht nur, dass die Sommerhäuser in einer idyllischen Feriensiedlung am Meer Ziel einer Einbrecherbande werden, findet sich in einer Hütte auch noch eine grausam verstümmelte Leiche.
Für Kommissar William Wisting entwickelt sich dieser Fall zu seiner größten persönlichen Herausforderung, denn es stellt sich heraus, dass seine Tochter Line, eine Kriminalreporterin, in die Geschichte involviert ist. Offensichtlich hat sie sich mit dem falschen Mann eingelassen. Aber was hat es mit den Vögeln auf sich, die massenhaft tot vom Himmel fallen? (Quelle: grafit.de)

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AVA und die Stadt des schwarzen Engels von Andreas Dresen
Kategorie: Urban Fantasy

Inhalt:

Ein Golem mitten in der Stadt, am helllichten Tag – Fahrat traut seinen Augen nicht. Normale Menschen können das Lehm-Wesen nicht sehen, aber selbst für den jungen Schwertler ist das ein besorgniserregender Anblick. Obwohl er normalerweise einen guten Wein jedem Abenteuer vorzieht, folgt er dem Ungeheuer. Und stößt auf Ava. Die junge Frau ist offenbar ein gewöhnlicher Mensch. Aber verstört behauptet sie, ein schwarzer Engel habe ihre neugeborenen Zwillinge geraubt. Doch was sollte ausgerechnet Morton, Vizekanzler des STADTrates und Veranstalter des Hexensabbats, mit zwei Menschenkindern anfangen? Haben die Vorfälle etwas mit dem Grauen zu tun, das außerhalb der STADT lauert? (Quelle: Acabus.de)

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Samson und die Stadt des bleichen Teufels von Andreas Dresen
Kategorie: Urban Fantay

Inhalt:

Die STADT versinkt im Chaos. Nach Mortons Sturz kämpfen nun andere um die Macht, und die entfesselten Hexen scheinen diesen Kampf zu gewinnen … Verzweifelt schickt der zerstrittene STADTrat nach Fahrat, doch der Schwertler ist im sagenumwobenen Dschungel von Tarda Tekbat verschollen.
Da wird Samson, ein ungepflegter, junger Außenseiter, unversehens zum Spielball der rivalisierenden Kräfte. Er gerät mitten hinein in den Kampf um die STADT, von deren Existenz er bislang nicht den blassesten Schimmer hatte. Doch warum haben es der Unterweltkönig Devil Malone, hungrige Krenken, Bluthunde und rachsüchtige Hexen auf den Jungen abgesehen? (Quelle: Acabus.de)

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Blutsommer von Rainer Löffler
Kategorie: Spannung/Thriller

Inhalt:

Der Picknickausflug von Familie Lerch nimmt ein grausiges Ende, als sie im Wald auf einen dunklen Haufen stößt, von Fliegen und Maden bedeckt: Der «Metzger» hat wieder zugeschlagen.
Martin Abel, bester Fallanalytiker des Stuttgarter LKA, wird zur Unterstützung der Polizei nach Köln beordert. Keiner kann sich so gut in die Gedankenwelt von Serienmördern hineinversetzen
wie er: eine Gabe, die einsam macht. Abel glaubt, an Schrecklichem schon alles gesehen zu haben. Doch das hier – das ist eine neue Dimension. (Quelle: Rowohlt.de)

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Zwei Romane werden in den nächsten Tagen/Wochen noch hinzukommen und auch auf diese beiden freue ich mich bereits:

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Der Sohn der Amazone von Stefanie Philipp

Was würdest Du tun, wenn das Kind, das Du zur
Welt bringst, Dein Feind ist?

Für die Amazone Raván sind Männer halbe Tiere und ihre gefährlichsten Feinde. Doch als sie wider Erwarten einen Sohn bekommt, bringt sie es nicht über sich, ihn zu töten. Durch die Liebe zu dem Jungen gerät ihre Welt aus den Fugen, und sie muss allen Mut und Klugheit aufbringen, um das Leben ihres Kindes zu retten.

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Ich habe Stefanie Philipp bei einer Lesung der Mülheimer Lesebühne gehört und gesehen und war umgehend fasziniert.  Sie hat eine Art zu lesen, die  einfach nur fesselt und mitreisst.

Sofort hätte ich mir das Buch besorgt, die Sache hatte nur einen „Haken“. Ihr Werk war nur als Ebook erhältlich. Auf weiteren Lesungen hatten wohl einige Zuhörer gesagt, sie würden gerne das Buch lesen, als Buch … nun, die Autorin hat es in Angriff genommen und nun ist ihr Werk auch als Taschenbuch erhältlich!

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Das schwarze Kollektiv von Michael Zandt

Hier handelt es sich um die Fortsetzung zu „HAPU – Der Teufel im Leib“. Michael Zandt veröffentlicht diesen Roman im neuen Verlag Art Skript Phantastik und der Roman wird in einigen Wochen erscheinen.

Da mir die Geschichte um HAPU gut gefallen hat, freue ich mich auf die Fortsetzung …

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Ich wünsche euch allen schöne Lesestunden   

Herzliche Grüße

Marion

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HAUSE von DERHANK (3/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im  ACABUS Verlag
180 Seiten
Preis: 12,90 €
ISBN:  978-3-86282-047-4

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HAUSE erzählt die Geschichte eines Mehrfamilienmietshauses in Dortmund und deren Bewohner. Hier geht es insbesondere um Josef, den Hausmeister. Er hat HAUSE damals im zarten Alter von 2 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern bezogen, wuchs dort auf und hat bereits als Kind seine ganze Zeit mit dem damaligen Hausmeister verbracht. Nach dessen Tod hat Josef als junger Mann seinen Job übernommen.

HAUSE erzählt die Geschichte selber, ein Haus mit Seele und zwar mit einer, die Josef über alles liebt und alles dafür tut, ihn zu schützen und an sich zu binden.

Mit ihm leben in HAUSE Josefs alte, extrem aufdringliche, anhängliche und nervtötende Mutter, die, mittlerweile zwar 84 Jahre alt und an einen Rollator gebunden, nichts von ihrem Einfluss auf Josef eingebüßt hat. Sie wacht über ihn wie ein eifersüchtiger Drache und Josef findet keine Möglichkeit sich ihren Fängen zu entziehen. Obwohl er seit der Hausmeistertätigkeit eine eigene Wohnung in HAUSE bewohnt, entkommt er seiner Mutter nicht.

Weitere Bewohner von HAUSE sind eine türkische Familie, deren Sohn Erhan am liebsten in der Araber Studenten WG abhängt, um gemeinsam mit ihnen Computer Kriegsspiele zu zocken, oder die Malevic. Sie ist Polin und anscheinend schmeißt sich diese Bewohnerin jedem männlichen Wesen an den Hals (und wohl auch anderes) um ihr Vergnügen oder auch ihren Verdienst zu haben.

Eines Tages tut sich ein Riss in der Tiefgarage auf. Darunter verpackt eine Leiche und zwar eine, die bereits seit langer, langer Zeit dort ruht. Als Josef auf dieses „Problem“ stößt, kommen eine Menge schlimmer Erinnerungen hoch und von dem Tag an überschlagen sich die Ereignisse in HAUSE …

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Der Titel HAUSE bezieht sich auf die Aussage des 2-jährigen Protagonisten Josef. Als er damals mit seiner Familie in das Mietshaus einzieht, sagt ihm seine Mutter, dies sei sein neues Zuhause und Josef antwortet darauf ganz in der Sprache eines Kleinkindes „Hause …“. Somit gibt es schon einmal eine Erklärung für den Titel. Was es allerdings mit dem Autorennamen auf sich haben soll, kann ich nicht nachvollziehen.

Die Geschichte ging für mich gut an, las sich kurzweilig und stellenweise sehr humorvoll. Gut gefällt mir auch die Idee, eine Handlung aus der Sicht eines Hauses zu schreiben, das eine Seele besitzt, durch seine eigenen Gänge und Wohnungen streift und das Leben seiner Bewohner mitlebt.

Relativ zu Anfang des Buches, als Josef vor dem offenen Loch mit der Leiche in der Tiefgarage hockt, völlig geschockt von dem wieder Aufgetauchten und Achmet, der Nachbar hinzukommt und hektisch in seinem „Deutsch-Türkisch“ daher spricht, hatte ich wirklich Spaß. Dieser Akzent ist dem Autor absolut gut und auch liebevoll gelungen. Achmet war mir so gleich sehr sympathisch. Diese Stelle habe ich noch einmal laut vorgelesen und sie kam auch bei meinem Zuhörer sehr gut an.

Die anderen Figuren hingegen waren mir teilweise zu überzogen, zu unecht und ich hatte oft das Gefühl, dass der Autor sich Akzente und Dialekte zur Pflicht gesetzt hat. Teilweise waren diese dann nur hochkonzentriert ins Hochdeutsche zu übersetzen und das hat mich dann stellenweise richtig genervt.

Der Kommissar sprach ein Dortmunder Platt, dass unecht wirkte und seine Partnerin musste dann eine Französin sein, die natürlich auch in dem entsprechenden Deutsch mit Extremakzent gesprochen hat.

Der dümmliche von seiner Mutter abhängige Josef waren ganz gut dargestellt, auch seine Mutter. Die war mir zwar sowas von unerträglich und unangenehm, aber das war ja gewollt und ist auch geglückt.

Es gibt relativ lange Kapitel und zwischenzeitlich springt die Handlung dann in die Vergangenheit zurück und erzählt vorgefallene Dinge, die für das heutige Geschehen in HAUSE wichtig sind. Das gefiel mir gut und las sich auch flüssig.

Gegen Ende des Buches haben sich dann die dramatischen Ereignisse angehäuft und es wirkte für mich, als wollte der Autor alles, was es an Drama zu bieten gibt, noch schnell hineinpressen. Mir war es zuviel und etwas weniger hätte es da auch getan.

Das Buch wird vom ACABUS Verlag als Taschenbuch mit einem schlichten, grauen Cover präsentiert, welches wohl Josef abbildet. Die Aufteilung der Kapitel ist schön, dass Papier fühlt sich extrem weich an. Der Klappentext ist ordentlich dargestellt und macht inhaltlich auch neugierig.

Leider konnte mich HAUSE nicht völlig mitreißen, es war sicher nett und auch stellenweise amüsant, aber völlig überzeugen konnte es mich nicht.

Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für eine Geschichte, die ein Haus erzählt über die Liebe, Abhängigkeit, Wünsche und Träume. Diese Dinge gehen aber irgendwie in der überzogenen Handlung etwas verloren.

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Ich danke dem ACABUS Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 20120


Buchwelten im Gespräch mit Andreas Behm

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Andreas Behm, geboren 1957 hat verschiedene Bereiche in seiner beruflichen Laufbahn kennengelernt. Zunächst studierte er einige Semester Philosophie und Literaturwissenschaften. Dann wurde er selbständiger Taxiunternehmer und arbeitete als Einzelhandelskaufmann. Bis zum Jahr 2008 war er dann als Modellbahnhändler tätig, bevor er sich dann ab 2008 vollständig dem Schreiben widmete. 

Andreas Behm lebt in Hamburg und hat mit den Romanen „Die Moral eines Killers“ und „Der Lippennäher“ die beiden ersten Teile der Trilogie „Hamburg – Deine Morde“ in diesem Jahr im ACABUS Verlag veröffentlicht. Der dritte und letzte Teil wird voraussichtlich Ende 2012 erscheinen.

Ich freue mich, dass Herr Behm sich die Zeit für das nachfolgende Interview genommen hat.

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Herr Behm, Sie haben bisher zwei Krimis im ACABUS Verlag veröffentlicht, der Dritte ist gewiss in Arbeit. Wann können die Leser mit dem nächsten Fall des KHK Harald Hansen rechnen?

Das Thema ist komplex und ich muss noch einige Recherchen zu Ende bringen. Im Frühsommer 2012 sollte das Manuskript fertig gestellt sein. Dann dauert es in der Regel noch zwei bis drei Monate bis zur Veröffentlichung.

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Mit Harald Hansen haben Sie eine außergewöhnliche Ermittlerfigur geschaffen: Eigenbrötlerisch, stoffelig, etwas schwierig im Umgang …Warum haben Sie einen eher außergewöhnlichen Protagonisten gewählt und stand für diese Figur vielleicht sogar jemand Pate?

Im ersten Teil der Hansen-Trilogie wendet der Ermittler sehr unkonventionelle Methoden an, um zum Erfolg zu kommen. Da hätte eine konformistische Figur nicht gepasst. Ein Vorbild für Hansen gibt es nicht. Er ist eine Mischung aus den Charakterzügen verschiedener Personen. In ihm steckt eine Portion Ernst Happel (ehemaliger HSV-Trainer, Spitzname „der Grantler“), ein wenig von meinem leider 2009 verstorbenen Schwiegervater und – unvermeidlich – das eine oder andere Detail meiner eigenen Persönlichkeit.

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Ich selber kam ja nun in den Genuss beide Ihrer Werke zu lesen. Das Debüt, den ersten Fall von Harald Hansen „Die Moral eines Killers“ und „Der Lippennäher“. Gerade Band I war in seinem Aufbau für einen Krimi sehr „besonders“ konstruiert. Wie in meiner Rezension bereits geschrieben, geht Ihr Kommissar relativ früh auf den Killer zu, setzt sich an seinen Tisch, konfrontiert ihn mit seinen Taten und deckt ihn vollkommen auf. Mehr noch, ihr Ermittler benutzt ihn ganz klar für seine eigenen Zwecke. Was hat Ihnen die Idee für diese Art der Krimihandlung geliefert?

Ich wollte einen untypischen deutschen Krimi schreiben. Einen Roman, in dem die Hauptfiguren kompromisslos jede Möglichkeit nutzen, um ihre Ziele zu erreichen und die Spannung daraus entsteht, dass drei dominante, eigensinnige Persönlichkeiten aufeinander treffen. Die „Wer-ist-der-Täter-Frage“ sollte keine Rolle spielen.

Der Leser befindet sich auf einer übergeordneten Ebene, auf der er fast alle Ereignisse und Überlegungen der drei Kontrahenten verfolgen kann. In einzelnen Abschnitten habe ich bewusst häufige, kurze Perspektivwechsel eingebaut, um den Leser an der Parallelität der Ereignisse teilhaben zu lassen. Es war – in Ansätzen – der Versuch, das Konzept der amerikanischen Fernsehserie „24“ in die Krimiliteratur zu übertragen. Leider kann man in einem Roman den „Bildschirm“ nicht in mehrere Fenster unterteilen.

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Ihre Romane spielen sich in Hamburg ab. Sie scheinen ihr Herz an diese Stadt verloren zu haben. Ist das wirklich so oder dachten Sie einfach, dass ein Regionalkrimi sich derzeit offensichtlich gut verkaufen lässt?

Ehrlich gesagt habe ich Probleme mit dem Etikett Regionalkrimi. Es ist wohl typisch deutsch, eine Sparte zu schaffen, die es meines Wissens in anderen Ländern so nicht gibt. Jeder amerikanische, englische oder skandinavische Ermittler lebt an irgendeinem Ort und arbeitet dort. Der Ort kann fiktiv oder real sein. Warum werden die Romane von Henning Mankell nie als Regio-Krimis bezeichnet? Kommissar Wallander lebt in Ystadt, das ist eine Kleinstadt in Südschweden mit 18.000 Einwohnern. Grishams Romane spielen oft in der amerikanischen Provinz. Es ist schade, dass viele deutsche Kritiker und Verleger enge Schubladen brauchen, in die sie Bücher einordnen können. Ich selbst habe die Krimis von Jaques Berndorf jedenfalls nicht gelesen, weil sie in der Eifel spielen. Ich war noch nie in der Eifel.

Andererseits kann ich gut verstehen, wenn Leser gerne Romane lesen, die quasi bei ihnen vor der Tür spielen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber wenn ich von einem Verlag eine Absage bekomme, weil sich nach Meinung der Lektorin Hamburg-Krimis schlechter verkaufen als zum Beispiel München-Krimis, kann ich solche Auswüchse nicht nachvollziehen.

Meine Krimis spielen in Hamburg, weil ich die Stadt kenne, weil sie vor meiner Haustür liegt und ich die Handlungsorte ohne lange Anreise unter die Lupe nehmen kann. Den Stempel „Hamburg – Deine Morde“ sehe ich als Markenzeichen und Orientierungshilfe für die Leser.

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Im zweiten Fall von Harald Hansen wird der Protagonist ein wenig „weicher“. Sicher behält er seine typischen Charaktereigenschaften, aber dennoch entwickelt er so etwas wie einen Teamgeist und Führungsqualitäten. Warum hat sich Hansen im zweiten Teil in diese Richtung verändert?

Männer verändern sich, wenn sie aus einem langjährigen Single-Dasein in eine glückliche Beziehung wechseln. Die Beziehung zu Nadja und ihrer Tochter Mareike hat einen positiven Einfluss auf Hansen, trotz diverser Probleme, die er damit hat.

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Wie sieht Ihr Arbeitsablauf in Ihrem Autorenleben aus? Haben sie feste, geregelte Arbeitszeiten? Schreiben Sie einfach wie es Ihnen gerade in den Sinn kommt oder Sie die Zeit dazu finden?

Der Ablauf sieht leider noch nicht so aus, wie ich es mir wünschen würde. Der Tag ist meistens von banalen Alltagsproblemen geprägt. Meine Frau und ich haben den allgemein propagierten Rollentausch längst vollzogen. Sie verdient unseren Lebensunterhalt, ich bin gewissermaßen ihr Back-Office. Ich kümmere mich um den Haushalt, die Schwiegermutter und den Hund. Nebenbei widme ich mich am Tage den Recherchen zum aktuellen Projekt, dem Marketing und den Sekretariatsarbeiten. Geschrieben wird in der Regel spät abends zwischen 21 Uhr und Mitternacht, manchmal auch länger. Mein Gehirn beschäftigt sich allerdings ständig mit dem aktuellen Projekt, was bei anfallenden Routinearbeiten im Haushalt gelegentlich zu merkwürdigen Resultaten führt.

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Wie lange arbeiten Sie im Durchschnitt an einem Werk, bis es zur Veröffentlichung kommt? Wie lange dauert das Verfassen Rohfassung, das Redigieren, etc.?

Für den ersten Roman habe ich noch fast drei Jahre gebraucht. Zu der Zeit war ich allerdings auch noch berufstätig und konnte mich ausschließlich nach Feierabend dem Schreiben widmen. Inzwischen komme ich mit anderthalb Jahren aus. Von einer Rohfassung möchte ich in dem Zusammenhang nicht sprechen, weil ich schon während der Entstehung ständig Korrektur lese und überarbeite. Wenn ich das Ende geschrieben habe, bin ich der endgültigen Fassung schon sehr nahe.

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Der Lippennäher“ ist von der Handlung her eher im typischen Krimistil gehalten. Erste Leiche, zweite Leiche, Ermittlungen, Verhöre, Spurensuche, etc.. Warum haben Sie im zweiten Fall eher diesen klassischen Stil angewandt – im Gegensatz zu Ihrem Debüt?

Im ersten Teil spielte die normale Ermittlungsarbeit nur eine untergeordnete Rolle. Im zweiten Teil wollte ich diesem Aspekt mehr Raum geben und dabei auch den Druck deutlich machen, unter dem die Ermittler oft stehen. Ich möchte mich nicht auf eine Handlungsstruktur festlegen. Der dritte Teil wird aus meiner Sicht diesbezüglich eine Mischung aus Band 1 und 2.

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Eine meiner Standardfragen, die ich jedem Gesprächspartner stelle, weil ich einfach neugierig bin: Haben Sie ein Notizbuch in das Sie alle möglichen Notizen schreiben, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit und haben Sie ein besonderes Ritual während der Arbeit? Brauchen Sie z.B. absolute Ruhe, laute Musik oder vllt. einen besonderen Gegenstand in Ihrer Nähe, ohne den Sie nicht schreiben können?

Das Notizbuch sollte ich eigentlich bei mir haben. In der Regel notiere ich mir Stichworte zu Ideen auf kleine Zettel und übertrage diese dann bei nächster Gelegenheit in unterschiedliche Verzeichnisse auf meinem PC. Ich schreibe lieber nachts, wenn kein Telefon stört, kein Nachbar an der Tür klingelt und die übliche Tagesarbeit beendet ist.

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Meine letzte Frage lautet: Werden wir von Andreas Behm auch ein Werk jenseits des Krimis zu lesen bekommen oder haben Sie sich diesem einen Genre fest zugewandt?

Im Bereich der Romane werde ich mich weiterhin dem Genre Krimi widmen. Nebenbei schreibe ich ab und zu Kurzgeschichten, die nicht immer „kriminell“ sind. Ansonsten halte ich es mit Franz Beckenbauer: Schaun mer mal.

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Herr Behm, ich danke Ihnen dafür, dass Sie sich die Zeit genommen haben meine Fragen so ausführlich zu beantworten. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Kommissar für die zukünftigen Fälle alles Gute und viel Erfolg.

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Wer mehr über den Autor Andreas Behm oder den Ermittler Harald Hansen erfahren möchte, braucht nur auf die untenstehenden Links zu klicken:

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Andreas Behm Hompage

Harald Hansen bei Facebook

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Und wer mehr über die beiden Krimis erfahren möchte, die Andreas Behm geschrieben hat, der ist eingeladen sich meine Rezensionen durchzulesen:

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Rezension zu „Die Moral eines Killers“

Rezension zu „Der Lippennäher“

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Das Interview wurde geführt im November 2011.

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© Buchwelten 2011

Buchwelten im Gespräch mit Holger Weinbach

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Dieses Mal hatte ich das große Vergnügen ein Interview mit Holger Weinbach zu führen. Er ist der Autor der historischen Romanreihe „Eiswolf-Saga“. Teil I „Brudermord“ und Teil II „Irrwege“ sind bereits veröffentlicht. Die Veröffentlichung des Dritten Teils ist für Anfang 2012 geplant.

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Ich habe über dich gelesen, dass du dich seit vielen Jahren in der Mittelalterszene bewegst. Was hat die Faszination für diese Epoche wann bei dir geweckt?

Geschichte allgemein fand ich schon immer interessant. Ich habe sogar für mein Abitur damals als drittes Prüfungsfach Geschichte gewählt … als einziger meiner Stufe . Aber dieses Interesse geht weit über das Mittelalter hinaus und reicht bis in die jüngste Vergangenheit zurück. Das spezielle Interesse für das Mittealter wurde auch nicht durch Romane oder Filme geweckt, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern maßgeblich durch meine Frau. Mit ihr besuchte ich die ersten Märkte und Events. Es folgte das eine oder andere Fachbuch und auch mal ein Schwertkampfseminar. So hat sich über Jahre in meinem Kopf ein Bild über das Mittelalter gebildet, vor allem über das frühe Mittelalter. Und dieses Bild versuche ich in meinen Büchern zu beschreiben.

Nimmst du auch an Mittelalterlichen Festspielen teil, wo du dann in den typischen Gewandungen anzutreffen bist?

Das würde ich gerne aber um ehrlich zu sein habe ich bisher diese Ausgaben gescheut. Aber eines Tages, wenn ich mit meinen Büchern genug verdiene, dann werde ich mir auch die Gewandung zulegen, die mir in meinen Gedanken vorschwebt.
Ich habe mit meiner Frau auch schon mal überlegt, ob wir nicht mit einem kleinen Kräuterstand auf Märkten teilnehmen wollen aber irgendwie fehlt uns dazu die Zeit. Vielleicht eines Tages mal … wenn die Kinder aus dem Haus sind. Ach, man findet immer eine Ausrede, ich weiß …

Wann hast du dich entschieden auf Grund dieser Leidenschaft einen, bzw. mehrere historische(n) Roman(e) zu schreiben. Denn die Geschichte um Falolán war ja von Anfang an als mehrbändige Saga geplant?

Begonnen habe ich mit der Entwicklung zu dieser Romanreihe 2004, nach unserem Umzug nach Freiburg. Ich hatte zuvor ein Kinderbuch im Fokus, das Manuskript wurde aber überall abgelehnt. Genug von dieser Negativerfahrung im Bereich Kinderbuch entwickelte ich die Idee für eine größere Geschichte – und auch für größere Leser. Ursprünglich als Fantasyroman geplant, merkte ich schon bald, dass die Geschichte um Faolán und Svea weit mehr als nur ein Buch umfassen würde. Also plante ich eine Trilogie. Das erste Buch war aber so umfangreich, dass die Saga vom Acabus-Verlag noch einmal gesplittet wurde. Und das war gut so, denn dadurch hatte ich mehr Raum, die Charaktere zu entwickeln und die Handlungsstränge noch weiter auszubauen.

Wie schwer war für dich der Weg von der Fertigstellungen deines ersten Werkes bis zur Annahme deines Manuskriptes durch einen Verlag?

Wie für jeden unbekannten Autor war der Weg steinig. Ich hatte sowohl die großen Publikumsverlage wie auch viele Kleinverlage angeschrieben. Auch Agenturen zog ich in Betracht, doch von allen bekam ich nur Absagen. Heute wundert mich das nicht, denn die erste Fassung des Manuskripts war nicht gut. Mein Schreibstil hat sich seither sehr gewandelt. Bis ich meinen jetzigen Verlag fand, habe ich das Skript mehrfach überarbeitet. Das war ein mühsamer Prozess, doch er hat sich gelohnt, denn über die Jahre fand ich schließlich meinen Stil für diese Saga. Der Acabus-Verlag zeigte schließlich Ende 2008 Interesse an meinem Werk. Das traf sich sehr gut, denn zu etwa diesem Zeitpunkt hatte ich entschieden, mich als Schriftsteller und Architekt selbstständig zu machen. Wenn man an Zufälle glaubt, dann war das wohl einer. Ich tue das nicht …

Auch du musst – wie leider viele andere nicht so berühmte, gute Schriftsteller – noch einen „Brötchenjob“ ausüben. Wie sieht dein Autorenalltag da aus? Hast du feste Schreibzeiten?

Nein, feste Schreibzeiten habe ich nicht. Das ginge bei meinem „Brötchenjob“ als Freier Architekt auch gar nicht, denn ich muss mich nach meinen Aufträgen richten. Aber die Selbstständigkeit gewährt mir die notwendige Freiheit, mir meine Zeit nach Bedarf besser einzuteilen. Es gibt Phasen, da muss ich Bauprojekten den Vortritt gewähren und dann gibt es Phasen, meist kurz vor der Veröffentlichung, da kümmere ich mich nur um die Literatur. Bisher fahre ich damit ganz gut. Zumindest besser als früher, denn als angestellter Architekt hat man nur die Möglichkeit spät abends oder am Wochenende zu schreiben. Und dass die Qualität des Geschriebenen nach einem Zehn-Stunden-Tag eher mangelhaft ist, liegt wohl auf der Hand.
Mein heutiger Alltag sieht im wesentlichen so aus, dass morgens erst mal die Kinder das Sagen haben. Sind die erst mal versorgt und aus dem Haus, beginnt mein Arbeitstag, ganz gleich was auf dem Plan steht. Es kommt auch vor, dass ich an einem Tag sowohl Architektur als auch Literatur mache, da kann ich recht schnell umschalten. Ich wechsel dann nur schnell den Platz …

Wo schreibst du? Hast du ein Arbeitszimmer in das du dich dann stundenweise zurückziehst?

Mein Arbeitszimmer befindet sich unter dem Dach. Nicht sonderlich toll ausgebaut und es könnte etwas mehr Licht vertragen (es ist leider nicht das klassische Künstleratelier), doch hier lasse ich meinen Gedanken freien Lauf. Früher habe ich meist am Schreibtisch meine Ideen verfasst, inzwischen steht aber ein Sofa in meinem bescheidenen Reich und darauf lässt es sich ganz gut schreiben – vorausgesetzt ich bekomme das Notebook meiner Frau. Dann schließe ich die Tür, lasse passende Musik laufen und die Charaktere erwachen vor meinem inneren Auge zum Leben.

Hast du ein festes Ritual während des Schreibens und/oder irgendetwas das du um dich haben musst, ohne dass du keinen vernünftigen Satz zusammenbekommst?

Nein, eigentlich nicht. Es gibt gute und es gibt schlechte Tage. Mal schreibe ich am Tag nur drei Seiten und quäle mich so durch die Szene, mal sind es zehn und mehr, weil die Charaktere in meinem Kopf so handeln. Dann fliegen die Finger nur so über die Tastatur. Das hängt aber weder von einem Ritual noch von einer bestimmten Teesorte oder einer vorangehenden Meditation ab. Ich muss mich nur gut und motiviert fühlen, dann läuft es wie von selbst. Manchmal tut aber auch eine Pause gut und dazu nutze ich meist die Wochenenden. Sehr zur Freude meiner Familie.

Autoren sind Menschen, deren Kopf ständig voller Ideen ist und die in den unmöglichsten Situationen herausbrechen. Hast du ständig ein Notizbuch griffbereit?

Sollte ich mir mal angewöhnen. Nein, bisher habe ich noch kein Notizbuch als ständigen Begleiter. Komisch, ich weiß, doch meine Ideen speichere ich in Form von Bildern vor meinem inneren Auge ab und integriere sie gleich so in die Geschichte, dass ich sie wie eine Filmszene immer wieder abrufen kann. Aber vielleicht schaffe ich mir mal ein kleines Büchlein an. Es gibt da ja schon nette Kleine, die in jede Brusttasche passen …

Du arbeitest derzeit am dritten Teil der Eiswolf-Saga. Kommst du gut voran oder stockt es auch einmal?

Wie oben erwähnt, läuft es mal besser, mal stockt es. Inzwischen habe ich aber eine dreistellige Seitenzahl erreicht, was hoffen lässt. Allerdings ist noch vieles im Plot vage und noch nicht verfasst, sodass ich noch keine Prognose abzugeben wage, wie viel Prozent das bisher Verfasste vom Endstand entspricht. Ich vermute aber mal, dass der dritte Band wieder etwas dicker wird als die beiden Vorgänger. Bin gespannt, was der Verlag dazu sagt … Und da ich das Ende des Bandes schon vor Augen habe, kann ich es kaum erwarten, diesen Cliffhanger zu formulieren – wahrscheinlich wieder zum Leidwesen meiner Leser.

Meine letzte Frage lautet: Werden wir von Holger Weinbach auch einmal einen Nicht-Historischen-Roman zu lesen bekommen?

Definitiv JA! – sofern sich dafür ein Verlag finden lässt. Ich habe im Augenblick drei weitere Buchideen im Hinterkopf. Davon ist eine ein Fantasy-Roman, möglicherweise auch mehrbändig, und zwei davon gestalten sich momentan als Realsatire. Vielleicht werde ich auch für eines dieser Projekte mit einem Co-Autor zusammenarbeiten, das wird sich noch zeigen. Aber zunächst habe ich noch ein paar Jahre mit meiner Saga zu tun, sodass die drei oben genannten Projekte in Ruhe reifen können. Andererseits: Hätte ich mehr Zeit zum Schreiben könnte ich gewiss alles etwas schneller umsetzen … Nun ja, gut Ding will Weile haben.

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Lieber Holger. Ich wünsche Dir  weiterhin viel Erfolg (oder noch viel mehr)  mit deiner Eiswolf-Saga und folgenden Projekten  und ich danke Dir herzlich, dass Du Dir Zeit für das ausführliche Interview genommen hast.

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Wer noch mehr über den Schriftsteller und seine Arbeit erfahren möchte… hier gehts zu seiner Homepage –> Eiswolf-Saga.de

Die Eiswolf-Saga gibt es auch bei Facebook –>Fan-Seite der Eiswolf – Saga

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Wer noch die Rezensionen hier auf Buchwelten zu „Brudermord“ und „Irrwege“ lesen möchte, der klicke einfach auf die entsprechenden Buchtitel hier in diesem Satz 🙂

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© Buchwelten 2011