Die Tiefe der Zeit von Andreas Brandhorst

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
532 Seiten
16,00 €
ISBN: 978-3-492-70427-4

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Der Krieg zwischen den außerirdischen Crul und der Menschheit dauert bereits mehrere tausend Jahre an. Der Soldat Jarl bekommt von seinem Talisman, einem geheimnisvollen Artefakt, das er seit seiner Geburt besitzt, Geschichten von einem mystischen Planeten namens Erde erzählt, auf dem sich angeblich eine Waffe befindet, die den Krieg zwischen Crul und Menschen beenden kann. Jarl macht sich auf die Suche nach der Erde …

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Der Meister des philosophischen Science Fiction Romans ist zurück. Nach dem Wissenschafts-Thriller „Das Erwachen“, der Andreas Brandhorst einmal von einer ganz anderen Seite gezeigt hat, kehrt er nun zu seinen Wurzeln zurück. „Die Tiefe der Zeit“ ist ein typischer Brandhorst, der dennoch gewisse Neuerungen in sich verbirgt. Denn dieses Mal lässt uns der Autor auch an Weltraumschlachten teilhaben, die zwar nicht wie in Star Wars ausarten, sondern dezent im Hintergrund verlaufen und nicht den Hauptanteil der Geschichte bestreiten. Andreas Brandhorst schafft es wie nur wenige seiner Kollegen, die Leser über Grenzen hinaus und an den Rand des Universums mitzunehmen, ihn zum Nachdenken zu bewegen und der Geschichte somit immer einen besonderen, eben philosophischen, Reiz zu verschaffen. Wie in vielen seiner Bücher geht es auch in „Die Tiefe der Zeit“ um das Leben und den Tod, um menschliche Emotionen und Gedankengänge über das Älterwerden. Thema ist auch wieder die Unsterblichkeit respektive ewiges Leben. Andreas Brandhorst schafft es immer wieder, die Leser in den Bann zu ziehen, so dass sie von der Geschichte einfach nicht mehr loslassen können. „Die Tiefe der Zeit“ ist ein Abenteuer, wie man es von Brandhorst erwartet und auch ohne Einschränkungen wieder serviert bekommt.

In gewohnt hohem sprachlichem Niveau entwirft Andreas Brandhorst ein Zukunftsbild, das einem während des Lesens so manches Mal die Gegenwart vergessen lässt. Interessant finde ich, dass, obwohl sich „Die Tiefe der Zeit“ letztendlich nahtlos in Brandhorsts Science Fiction-Bibliografie einfügt, der Autor dennoch einen anderen, neuen Weg einschlägt. Es ist gar nicht einmal so leicht zu erklären, inwiefern dies geschieht, aber der Plot wirkt gegenüber den vorangegangenen Romanen, anders. Das mag zum einen an den oben erwähnten Weltraumschlachten liegen, findet aber meiner Meinung nach seinen Ursprung in der überaus „filmtauglichen“ Erzählweise. Während Andreas Brandhorst in seinen vorhergehenden Romanen mehr Wert auf gedankliche „Bilder“ setzt, schildert er in „Die Tiefe der Zeit“ die Geschichte geradliniger. Was aber nicht heißen soll, dass genau die Brandhorst-typsischen „Gedankenbilder“ hier fehlen, denn die Schilderung des „Ozeans der Zeit“ ist zum Beispiel grandios und atemberaubend gelungen und wirkt noch lange nach. „Die Tiefe der Zeit“ ist also typisch Andreas Brandhorst mit einem Schuss mehr „Publikumstauglichkeit“, wenn ich eine Erklärung abliefern müsste.

Andreas Brandhorst beweist mit seinem neuen Roman wieder einmal, dass er einer der ganz großen Autoren, wenn nicht der größte (zumindest im deutschen Sektor) im Science Fiction-Bereich ist, der es mit internationalen Größen aufnehmen kann oder sie sogar in gewisser Hinsicht übertrumpft. „Die Tiefe der Zeit“ ist ein epischer, bombastischer „Literatur-Blockbuster“, der süchtig macht und nach mehr verlangt. Wie es Andreas Brandhorsts Bücher so an sich haben, denkt man anfangs, sie wären dick genug, bis man ab der Hälfte feststellt, dass die Seiten nur so dahinfliegen und man sich wünscht, der Roman hätte mindestens den doppelten Umfang. 😉
Brandhorst macht uns auch in diesem Buch bewusst, dass ein einzelner Mensch innerhalb eines großen galaktischen Zusammenhangs  durch seine Handlungen Bedeutung erlangen kann. Dieser Minimalismus eines Einzelnen innerhalb eines epischen Konstrukts macht die Handlung unweigerlich zu einem beeindruckenden Erlebnis. „Die Tiefe der Zeit“ ist großes Kopfkino, das bombastische Breitwandbilder in Kombination mit einfühlsamer Philosophie zeigt. Andreas Brandhorst zeigt Bombast, menschliche Emotion und Einsamkeit. Mit dieser Kombination erschafft er eine unwiderstehliche und vor allem faszinierende Geschichte. Mehr davon bitte, Herr Brandhorst.

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Fazit: Episch, bombastisch und dennoch menschlich emotional. Brandhorst ist der Meister der philosophischen Science Fiction.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Armada von Ernest Cline

armada

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-596-29660-6
Kategorie: Science Fiction

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Zack Lightman ist einer der besten Spieler im Computerspiel „Armada“. Dort wird die Erde von einer außerirdischen Spezies angegriffen und Lightmann muss zusammen mit anderen Spielern unsere Welt retten. Doch dann taucht eines Tages plötzlich ein echtes Raumschiff über seiner Heimatstadt auf und aus dem Computerspiel wird Ernst. Denn es stellt sich heraus, dass „Armada“ lediglich als Spiel getarnt ist und die Spieler in Wahrheit eine Armee bilden, die die Hoffnung der gesamten Menschheit darstellen.

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Ernest Cline geht mit seinem zweiten Roman nach „Ready Player One“ kein Risiko ein und bewegt sich auf den gleichen Pfaden wie bei seinem Debüt. Was sich aber im ersten Moment wie eine uninspirierte und gar kopierte Geschichte nach Schema F des Vorgängers anhört, entpuppt sich dann aber doch sehr schnell zu einem zweiten Volltreffer im Bereich der Science Fiction, der wieder auf unzähligen Anspielungen auf Filme der 80er und 90er Jahre aufbaut. Der Lesegenuss von „Armada“ gestaltet sich ähnlich flott wie der von „Ready Player One“. Man fliegt nur so durch die Seiten, weil man von dem flüssigen, humorvollen Schreibstil schlichtweg mitgerissen wird. Ernest Cline schafft es hervorragend, seine Leser grandios und kurzweilig zu unterhalten. Und wenn man ein „Kind der 80er“ ist und / oder sich für Filme und Musik aus dieser Zeit interessiert, kann man sich dem Sog von Clines‘ Romanen sowieso nicht entziehen.

Ernest Cline zeichnet seine Charaktere ähnlich „menschlich“ und glaubhaft wie in „Ready Player One“, so dass man wirklich sehr nahe  am Protagonisten die Handlung miterlebt. Es sind vor allem die Gedankengänge seiner Hauptperson, die den Leser direkt ansprechen und damit äußerst sympathisch machen. Cline versäumt es auch nicht, in seinem neuen Roman hin und wieder Gesellschaftskritik einzubauen, die durchaus nachvollziehbar ist. „Armada“ ist erneut ein wilder Trip durch die Welt von Computerspiel-, Film- und Musiknerds, der unheimlich Spaß macht. Man sollte „Ready Player One“ aber nie als Vergleich heranziehen und diesen Roman einfach als eigenständiges Werk ansehen, denn zu viele Parallelen im Storyaufbau sind zu verzeichnen, die schnell ein nicht allzu gutes Licht und ein daraus resultierendes Urteil im Kopf des Lesers erscheinen lassen. Viele der unterhaltsamen Anspielungen auf die Welt der 80er Jahre wirken „kopiert“ und lediglich auf eine andere Handlung als „Ready Player One“umgeschrieben, so dass man leicht meinen könnte, „Armada“ wäre als Nachfolgeroman lediglich schnell heruntergeschrieben worden. Ich für meine Person empfinde das überhaupt nicht so, sondern halte „Armada“ für einen völlig legitimen Nachfolger des Erfolges „Ready Player One“, der einfach nur im selben Stil verfasst wurde.

Ähnlich wie beim Vorgängerroman sieht man während des Lesens die Handlung als eine Art Film vor sich. Und es ist in der Tat so, dass sich auch „Armada“ für eine Verfilmung anbieten würde und als Film womöglich sogar besser als die Romanvorlage funktionieren würde. So ähnlich ging es mir übrigens auch bei den Büchern und Filmen von „Maze Runner“, die mir als Buch nur bedingt und als Film sehr gut gefallen haben. Ernest Cline bleibt auf alle Fälle seinem Konzept treu und liefert mit seinem zweiten Buch genau das ab, was seine Fans erwartet haben: kurzweilige Popkorn-Literatur, die schon als Buch einen Kinoblockbuster auf der Gedankenleinwand des Lesers erscheinen lassen. Seine Bücher sind Pageturner erster Klasse, die durch den im Moment auch noch absolut in Mode gekommenen 80er Jahre-Flair einfach nur magisch verzaubern. Clines‘ Bücher könnten es sogar schaffen, nichtlesende Jugendliche endlich wieder zum Lesen zu bringen, denn er behandelt Themen, die diese Zielgruppe begeistern: Videospiele und Filme. Und diese Zutaten, vermischt mit einem lockeren, flüssigen und leicht lesbaren Schreibstil, ergeben fantastische Unterhaltungsliteratur, die nicht nur Jugendliche, sondern auch (junggebliebene) Erwachsene in ihren Bann zu ziehen vermag. Ich freu mich schon auf das dritte Werk des vielversprechenden „Nerds“.

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Fazit: Kurzweilig und genauso unterhaltsam wie der Vorgänger „Ready Player One“.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Dunkel der Sterne von Peter F. Hamilton

haMILTON

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 928 Seiten
Preis:  20,00  €
ISBN: 978-3-492-70392-5
Kategorie: Science Fiction

Der Planet Bienvenido konnte zwar endlich aus der Leere ins Universum zurückkehren; doch er ist Millionen Lichtjahre vom Commenwealth entfernt. Die Bewohner kämpfen immer noch gegen die Faller.  Doch plötzlich erscheint eine mysteriöse Gestalt auf, die sich „Kriegerengel“ nennt und den Menschen Hilfe anbietet.

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Der zweite Roman aus der „Chronik der Faller“ setzt unbedingt voraus, dass man den ersten Teil kennt, denn die komplexe Handlung wird fortgeführt. Ohne Vorwissen gerät der dicke Schmöker schnell zu einem äußerst unübersichtlichen Plot, dem man schon bald nicht mehr folgen kann. Wer aber noch ungefähr weiß, was sich im ersten Teil abgespielt hat, darf erfreut in das „neue“ Universum von Peter F. Hamilton zurückkehren.  Man muss allerdings diese Art von (Science Fiction-) Bücher mögen, denn es verlangt auch einem eingeschworenen Fan an gewissen Stellen Durchhaltevermögen ab. Hamilton geht in die Länge, wo er nur kann (außer hier am Ende) und fordert vom Leser Aufmerksamkeit und Konzentration, denn nur zu schnell kann man nämlich die Übersicht bei der Komplexität der Handlung verlieren. „Das Dunkel der Sterne“ wirkt durch die Antagonisten, die „Faller“, herrlich unverbraucht und erfrischend, die mir in dem vorliegenden zweiten Teil sogar noch besser als im ersten gefallen haben.

Peter F. Hamilton schreibt Space Operas, wie sie sich der eingefleischte Science Fiction-Fan wünscht. Da ist wirklich alles dabei, von politischen Intrigen über Weltraumschlachten und Aliens bis hin zu polizeilichen Ermittlungen und Verschwörungen. Hamilton erschafft eine bis ins letzte Detail glaubwürdige Zukunftswelt. Das mittlere Drittel dieses zweiten Teils hat mir besonders gut gefallen. Hier treffen die verschiedenen Handlungsstränge aufeinander, vermischen sich und ergeben plötzlich einen Sinn. Das war hervorragend gemacht und hat mich eher an einen „alten“ Abenteuerroman als an eine moderne Science Fiction-Geschichte erinnert. In diesem Abschnitt des sehr umfangreichen Romans kam eine sehr angenehme Atmosphäre auf,  wegen der ich unentwegt weiterlesen wollte. Gegen Ende hin wird Hamilton dann wieder etwas langatmiger und widmet sich ausgiebigen Beschreibungen von zum Beispiel technischen Details, die für den ein oder anderen (ungeduldigen) Leser etwas ermüdende Auswirkungen haben könnten. Da ich die anderen Commonwealth-Romane (noch nicht) kenne, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sich mit diesem Wissen hier auch noch ein komplett anderes Gesamtbild ergeben könnte. Aber der Lesegenuss funktioniert auch ohne die vorhergehenden Romane aus dem Commonwealth-Zyklus, „Der Abgrund jenseits der Träume“ einmal ausgenommen.

Die Charakterzeichnungen fand ich ebenfalls sehr gelungen, allen voran der „normale“ Florian. Die Szenen, in denen er sich um ein schnell heranwachsendes Baby kümmert, sind einfach nur göttlich und machen dermaßen viel Spaß, dass man sich am Ende wünscht, es hätte noch länger gedauert. Aber auch die anderen Personen agieren glaubwürdig und wachsen einem ans Herz, oder auch nicht. „Die Chronik der Faller“ ist episch angelegt und umfasst einen riesigen Zeitraum, der unendlich viele Möglichkeiten und eigene Gedankengänge zulässt. Denn obwohl Hamilton sehr vieles genau erklärt, rotieren die Gedanken des Lesers (zumindest ging es mir so) permanent und bilden erstaunlicherweise irgendwie zusätzliche Details in dem ganzen Universum. Was ich damit sagen will, ist, dass Hamilton es bei mir geschafft hat, dass ich seine erschaffene Welt über seine Erklärungen hinaus in meiner Vorstellung weiter ausgebaut habe. Erwähnen möchte ich noch unbedingt die Verfolgungsszene mit den Polarbären, die so bildhaft beschrieben wurde, dass ich förmlich einen Film vor meinem inneren Auge sah. Dieses Geschehen wirkte sehr beeindruckend auf mich und ich denke, dass ich es nicht so schnell vergessen werdew. Peter F. Hamiltons Abschlussband der „Faller-Chronik“ schließt nahtlos an den ersten Band an. Beide Bücher ergeben ein Science Fiction-Abenteuer der Extraklasse, dessen Gesamteindruck im Nachhinein noch mehr nachwirkt als während des Lesens. So muss gute Science Fiction sein.

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Fazit: Würdige Fortsetzung von „Die Träume jenseits des Abgrunds“. Genialer Science Fiction-Pageturner.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Sphären von Pierre Bordage

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
443 Seiten
9,99 €
ISBN: 978-3-453-31848-9

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In der Nähe eines kleinen Ortes in Frankreich erscheint eines Tages eine riesige Kugel, die von den Menschen „Sphäre“ oder „Weiße Dame“ genannt wird. Wenig später erscheinen auf der ganzen Welt solche Kugeln, bis die Erde nahezu übersät mit ihnen ist. Und dann beginnen die ersten Kinder zu verschwinden. Auf geheimnisvolle Art und Weise werden Kinder, die maximal 4 Jahre alt sind, von den „Sphären“ verschluckt. Das Militär versucht, die riesigen Kugel  mit Bomben zu zerstören, aber erfolglos. Während immer mehr Kinder verschwinden, rätseln Wissenschaftler und Menschen, ob es sich um eine Invasion von Außerirdischen handelt und suchen nach einer Lösung, um weitere Kinder nicht länger in Gefahr zu bringen.

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Es ist schon eine sehr stimmungsvolle Ausgangssituation, die Pierre Bordage in seinem neuen Roman bereits auf den ersten Seiten schafft. Man erinnert sich unwillkürlich an „Arrival“ oder auch „Unglaubliche Begegnung der dritten Art“, und wenn man zwischen den Zeilen liest, verheimlicht Bordage diese Anleihen auch gar nicht, sondern verneigt sich mit seiner Story eher vor diesen Vorbildern. „Die Sphären“ ist eine Mischung aus Science Fiction und Dystopie, deren Handlung sich über viele Jahre hin erstreckt. Aufgrund der relativ wenigen Seiten erhält der Plot allerdings nicht das epische Ausmaß, das man sich davon erwartet. Bordage überspringt Jahre, geht nicht näher auf die Weiterentwicklung der Bedrohung durch die „Feinde“ oder der Charaktere ein, sondern widmet sich schlicht und ergreifend der konstanten Fortführung der Story.
Bordage widmet sich aber nicht nur einer Person und erzählt deren Geschichte, sondern „kümmert“ sich gleich um mehrere. Das mag den ein oder anderen Leser überfordern, der eine geradlinige Erzählweise erwartet, bildet aber in der Endkonsequenz ein sehr rundes Bild der gesamten Ereignisse.

Schnelleser (und auch unaufmerksame Leser) werden definitiv Schwierigkeiten mit den ganzen Personen, Namen und Zeitsprüngen haben. Aufmerksame Leser hingegen, die sich auch noch auf die Jahre dauernde Handlung einlassen können, werden mit einem wirklich guten Plot belohnt, der auch sehr viele Emotionen enthält. Bordages Szenario regt zum Nachdenken an, gerade was die „Behandlung“ ungeborenen Lebens und das von kleinen Kindern betrifft. Wenn man selbst in so einer Lage ist (oder einmal war) und ein Elternteil ist, kann man die Zwiespältigkeit dieser Überlegungen, wenn es um das Wohl der ganzen Menschheit geht, durchaus nachvollziehen. Der Dystopie-Charakter der Geschichte wird vom SF-Anteil zwar überdeckt, schwelt aber permanent im Hintergrund, so dass sich eine stimmungsvolle, bedrohliche und düstere Stimmung über das gesamte Werk legt. Ich persönlich mochte den Plot und das ganze Drumherum, das an manchen Stellen auch schon einmal philosophisch und esoterisch wurde.

Pierre Bordages Schreibstil ist einfach, aber keineswegs niveaulos. Bis auf wenige Ausnahmen, in denen Bordage seine Protagonisten sehr naiv handeln (und auch reden lässt), werden in einer bildhaften Sprache die beschriebenen Situationen oftmals zu einem hervorragenden Kopfkino für den Leser. „Die Sphären“ ist ein ruhiges Buch, das in erster Linie von seinen vielen magischen Momenten lebt und nicht unbedingt von den Tiefen der Charaktere. Bordage beschreibt ein episches Geschehen, das mich in seiner Gesamtheit oftmals an Stephen Baxters Visionen erinnerte, von Bordage aber in seiner Tiefgründigkeit, bombastischen Wucht und erzählerischen Finesse nicht erreicht wird. Doch es ist schließlich kein Buch von Baxter, also kann man „Die Sphären“ durchaus als gelungene, düstere Zukunftsvision ansehen, die mit einem wunderbaren, für mich zufriedenstellenden Ende aufwartet.
Pierre Bordage widmet sich in „Die Sphären“ eindeutig weniger den technischen und wissenschaftlichen Seiten eines SF-Romans, sondern behandelt in erster Linie menschliche Themen wie Spiritualität oder politische und religiöse Machtspiele, die das „Fußvolk“ unterdrücken und ungerecht behandeln. Ein Buch, das mir mit Sicherheit trotz einiger Schwächen aufgrund seiner spannenden Handlungsstruktur im Gedächtnis bleiben wird.

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Fazit: Spannend und stimmungsvoller Genremix aus Science Fiction, Dystopie und menschlichem Drama.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Planetenjäger von George R.R. Martin & Gardner Dozois & Daniel Abraham

Erschienen als Taschenbuch
im Penhaligon Verlag
insgesamt 350 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-7645-3172-0
Kategorie: Science Fiction

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Nachdem er einen wichtigen Politiker auf dem Kolonieplaneten Sáo Paulo getötet hat, flieht Ramon Espejos mit seinem Transporter in die Wildnis. Er hofft, dass die Polizei nach einer Weile die Suche nach ihm aufgibt. Durch einen Unfall trifft Ramon unglücklicherweise auf eine bisher unbekannte Alienrasse, die im Verborgenen bleiben will. Ramon wird von den Aliens gefangen genommen und gezwungen, einen weiteren entflohenen Gefangenen zu verfolgen, damit dieser nicht von der Existenz des unbekannten Volkes berichten kann. Ramon erklärt sich bereit, denn er verspricht sich, während der Jagd, wieder selbst flüchten zu können.

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Wer nur nach dem, übrigens sehr gelungenen und interessanten, Cover geht, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein, dass nicht das zwischen den Buchdeckeln steckt, was einem das Raumschiff auf dem Titelbild suggeriert. „Planetenjäger“ ist zwar Science Fiction, aber nicht von der Art Weltraumschlachten und schießenden Guten und Bösen. Martin als Hauptautor geht eine vollkommen andere Richtung, die mich anfangs sehr oft an Wolfgang Petersens „Enemy Mine“. Auch hier gehen ein Mensch und ein Außerirdischer eine unfreiwillige „Freundschaft“ ein. So ähnlich beginnt der Plot von „Planetenjäger“, entwickelt sich dann aber im weiteren Verlauf zu einer völlig anderen Geschichte.
Während die erste Hälfte einem Abenteuerroman gleicht, geschieht im zweiten Teil eine wirklich unerwartete Wendung, die dem Roman einen vollkommen anderen Aspekt verleiht. Gerade diese Wendung macht „Planetenjäger“ dann erst so richtig interessant und an manchen Stellen geradezu philosophisch. Eines ist sicher, die Situation, die dadurch entsteht, regt den Leser auch noch nach dem Genuss der Lektüre zum Nachdenken an.

Das Autorentrio siedelt sein Actionabenteuer zwar auf einem fremden Planeten an, lässt aber Raumschiffe im Großen und Ganzen außen vor und widmet sich dem Konflikt zwischen Menschen und Alien. Ein bisschen „District 9“ wurde ebenso verbaut wie der bereits oben erwähnte „Enemy Mine“. Aber eben genau diese Kombination, verbunden mit einem relativ sympathischen Helden ergibt ein faszinierendes Bild. Ramon ist zwar irgendwie ein Macho,  besitzt aber dennoch auf gewisse Art und Weise Charisma. Das hat zur Folge, dass der Protagonist auf jeden Fall glaubwürdig rüberkommt.  Für mich war dieser Roman wieder einmal der Beweis, dass Science Fiction eben auch außerhalb epischer Schlachten im Weltraum funktionieren kann. George R.R. Martins Ausflug ins Science Fiction-Genre vermittelt manchmal das Bild alter Abenteuerromane oder SF-Filme wie zum Beispiel „Robinson Crusoe auf dem Mars“. Unspektakulär treiben die Autoren die Geschichte voran und warten mit vielen Wendungen auf, die die Story niemals langweilig werden lassen.

Die Beschreibungen der Alienrassen und auch das Leben auf einem fremden Planeten in einer Kolonie klingen absolut authentisch und werden auch sehr bildhaft dargestellt. Für mich war „Planetenjäger“ ein außergewöhnliches SF-Abenteuer, das mich durchwegs begeistert hat. Sicherlich hätte man einiges noch detaillierter beschreiben können (was mir persönlich gefallen hätte), aber da höre ich auch schon wieder die Gegenstimmen, die jammern, dass alles viel zu langatmig geworden ist. Mir hat die Menschenjagd sehr gut gefallen und Martin hat mich mit diesem Werk vollkommen überzeugt, dass er auch gute und intelligente Science Fiction schreiben kann. Vor allem die Auseinandersetzung des Protagonisten mit dem eigenen Ich hat mir sehr gut gefallen.
Wer einen etwas außergewöhnlichen Science Fiction Roman der ruhigeren Art sucht, ist mit „Planetenjäger“ sicherlich gut bedient. Star Wars und Hard-SF-Fans werden bestimmt gelangweilt sei, obwohl es auch an Actionszenen nicht mangelt. Aber hier spielt einfach nun mal der Mensch (und das Alien) die Hauptrolle. 😉

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Fazit: Keine Weltraumschlachten, sondern eine unspektakuläre Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Ein etwas „anderer“ SF-Roman.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die neunte Stadt von J. Patrick Black

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 792 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-453-31788-8
Kategorie: Science Fiction

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Vor unzähligen Jahren wurde die Erde von kriegerischen Aliens angegriffen. Die Menschen verteidigen sich mittels einer geheimnisvollen Begabung, die sie erstaunlicherweise durch die Außerirdischen bekamen. Es handelt sich dabei um eine geistige Kraft, die es ihnen ermöglicht, auf einer höheren Ebene gegen die Feinde zu kämpfen. Als die entscheidende Schlacht bevorsteht, sind es nur ein paar junge Heldinnen und Helden, die das Schicksal der gesamten Menschheit in die Hände nehmen.

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Eines vorweg: Man sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben, denn es dauert tatsächlich etwa 200 Seiten, bis sich die Story einem so richtig erschließt. Der Klappentext trifft zwar die Geschichte auf den Punkt, aber erst nach gut einem Drittel des Romans erreicht man die Stelle, an der die Aliens und der Krieg zwischen ihnen und der Menschheit zum Tragen kommt. Ich will damit sagen, dass man die ersten 200 Seiten einfach durchhalten sollte, denn dann nimmt „Die neunte Stadt“ so richtig Fahrt auf und wird (zumindest weitestgehend) zu jenem Science Fiction-Epos, das man anhand der Inhaltsangabe erwartet hat.
Leider verhält es sich genauso bei den Charakteren. Auch hier musste erst eine Weile verstreichen, bis ich mich mit den verschiedenartigen Protagonisten „anfreunden“ konnte. Doch genug gemeckert: „Die neunte Stadt“ sprüht oftmals vor tollen Ideen, die einfach unglaublich Spaß machen. In der zweiten Hälfte kommt, wie gesagt, auch der Krieg zwischen der Menschheit und den Aliens zur Geltung und macht die Anfangsschwierigkeiten wett. Vor allem das mittlere Drittel des Romans ist das aus meiner Sicht interessanteste. Denn dort wird von den Kampfmaschinen der Menschen erzählt, die eine geistige Verbindung mit ihren Bedienern eingehen. So manches Mal hat mich das an Guillermo del Torros fantastischen SF-Film „Pacific Rim“ erinnert. Es war eine wirkliche Freude, diesen Mittelteil zu lesen.

Im letzten Drittel widmet sich Black dann dem eigentlichen Kriegsgeschehen und lässt die Leser hautnah an verschiedenartigen Auseinandersetzungen teilnehmen. Der Autor schildert diese Kriegsattacken sehr detailliert und bildhaft, dennoch hatte ich an manchen Stellen den Überblick verloren, wo genau sich diese Scharmützel abspielten: auf dem Boden oder im All. Diese Aufteilung in drei „Bücher“ lässt das Gesamtwerk letztendlich auch irgendwie „unfertig“ oder unausgereift wirken. Was wie eine Fantasy-Saga auf anderen Welten anfängt, wird in der Schilderung von Kampfvorbereitungen fortgeführt, um schließlich in einem epischen Krieg im Weltall zu enden. Der Plot hätte auf jeden Fall mehr Wirkung gehabt, wären diese drei Teile von Anfang an miteinander verschmolzen worden. So aber wirkt die Story durchkonstruiert und wie eine Abarbeitung vorgefertigter Plots. Fast könnte man meinen, es handle sich um drei Romane, die alle zufällig im gleichen Universum und zur gleichen Zeit spielen. Was für den ein oder anderen ebenfalls als störend empfunden werden könnte, ist die Schilderung ALLER Protagonisten in der Ich-Form. Das wirkt an manchen Stellen verwirrend, was wiederum zum Resultat hat, dass man sich mit den Protagonisten nicht besonders gut identifizieren kann, weil ja alle „Ich“ sind. Aber ich will den Roman keineswegs schlecht machen, denn das ist er definitiv nicht. Aber er hätte eben durchaus besser werden können. Blacks Schreibstil ist angenehm und sehr flüssig zu lesen. An manchen Stellen kommen sehr schöne philosophische Gedanken zum Tragen, die das Werk eindringlicher wirken lassen.

Insgesamt hat J. Patrick Black einen durchaus annehmbaren, erfrischenden Science Fiction-Roman mit seinem Debütroman abgeliefert. Sein bildhafter Schreibstil lässt den Leser unmittelbar in die Handlung eintauchen und auch im Kopfkino fantastische Bilder entstehen. Nach einem eher trägen, aber nicht unbedingt uninteressanten Einstieg im ersten Drittel wird man mit einem fast schon filmreifen Mittelteil belohnt, der auf eine fulminante Weiterentwicklung hoffen lässt. Anfangs klappt das auch noch ganz gut mit den dramatischen und durchaus einfallsreichen Kriegsschilderungen, doch leider beginnen diese sich diese oftmals in die Länge gezogenen Szenen irgendwann zu langweilen, so dass man wirklich das Ende des Buches  fast schon herbeisehnt. Insgesamt 200 Seiten weniger hätten dem Buch wahrscheinlich gut getan. Nichtsdestotrotz spannende und gut geschriebene Unterhaltung, die an manchen Stellen auch episch und bombastisch wirkt.

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Fazit: Alien-Invasion mit epischen Ausmaßen, aber leider auch einigen Schwächen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Raum von Peter Clines

Der Raum von Peter Clines

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 590 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31642-3
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Als Nate Tucker in seine neue Wohnung einzieht, bemerkt er schon nach wenigen Tagen, dass etwas nicht stimmt: Türen lassen sich nicht öffnen und seltsame grüne Kakerlaken befinden sich in der Küche. Als er dann die Wohnungen von seinen Nachbarn zu sehen bekommt, stellt er fest, dass deren Ausmaße überhaupt nicht zum gesamten Haus passen. Schon bald beginnt ein unheimlicher Albtraum, bei dem es um die Rettung der gesamten Menschheit geht …

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Wie schon bei „Der Spalt“ liefert Clines einen hervorragenden und sehr stimmungsvollen Einstieg in seine Geschichte. Man fühlt sich als Leser sofort wohl mit dem Protagonisten und begleitet diesen neugierig durch seine neue Wohnung und das dazugehörige Haus. Es wirkt alles mysteriös und erinnert desöfteren an den grandiosen Roman „Das Haus“ von Mark Z. Danielewski. Aber auch an „Sliver“ von Ira Levin.
Man fiebert mit und kann kaum erwarten, wie es weitergeht, obwohl gar nicht so sonderlich viel passiert. Aber gerade diese ruhige Atmosphäre, mit der Peter Clines beginnt, macht den besonderen Reiz solcher Geschichten aus, denen man sich schwer entziehen kann. Alles wirkt glaubhaft und realistisch, obwohl alles dennoch von einem permanenten Hauch mystischer Rätsel umwoben ist. Als sich dann die Hausbewohner kennen lernen, sieht man die Treffen und Gespräche, die auf dem Hausdach stattfinden, wie einen Film vor sich. Wie gesagt, der Anfang des Romans ist absolut gelungen.

Doch leider passiert bei „Der Raum“ genau das gleiche wie bei „Der Spalt“: In der zweiten Hälfte entwickelt sich der Plot zu einem übertriebenen Action-Kracher, der die vorhergehende Handlung mit einem Schlag unglaubwürdig wirken lässt. Das liegt aber keinesfalls an der gelungenen Hommage an einen der Altmeister der Horrorliteratur, H.P. Lovecraft, sondern eher am übertrieben aufgesetzten Spannungsbogen, der wohl wieder einmal alles bisher dagewesene übertreffen soll. Hätte Clines den ruhigen Weg, wie in der ersten Hälfte des Buches, weiter eingeschlagen, wäre ein fantastischer Mystery-Thriller zustande gekommen, der noch dazu eine wirklich gute Idee im Lovecraft’schen Sinne vorweisen kann. So aber quält man sich eher durch die actiongeladenen Spannungssequenzen der zweiten Hälfte und möchte nur noch erfahren, wie es ausgeht. Wie gesagt, der Plot an sich ist wirklich gut und ideenreich, aber die Umsetzung funktioniert leider nur in der ersten Hälfte. Schade, denn das hätte durchaus ein kultiger Pageturner werden können.

Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen, wobei auch hier auffällt, dass sich in der zweiten Hälfte bedeutend mehr umgangssprachliche „Ausrutscher“ und platte Witze verbergen als im ersten Teil. Das Ende wirkt wie der Film „Zathura“, nur bei weitem nicht so überzeugend. Zu viele Versatzstücke aus anderen Büchern oder Filmen kommen beim Finale zum Tragen und erdrücken den Kern der ursprünglichen Geschichte. „Der Raum“ ist gute, stimmungsvolle Unterhaltung in der ersten Hälfte und klamaukartiges Action-Feuerwerk in der zweiten Hälfte. Die vielen versteckten oder auch offensichtlichen Anspielungen auf H.P. Lovecraft und andere Bücher/Filme machen ungemein Spaß. Aber diese erfrischenden Einschübe hat Clines bereits auch in „Der Spalt“ praktiziert.
Peter Clines wird seine Anhänger finden, davon bin ich überzeugt, denn schreiben kann er, aber mich hat er mit dem Ende noch mehr enttäuscht wie bei „Der Spalt“. Dennoch ist ihm ein sehr rasanter und spannender Roman gelungen, der mich, wie schon bei „Der Spalt“, auf ein neues Werk neugierig macht, denn gute und fantastische Ideen hat Clines allemal.

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Fazit: Anfangs stimmungsvoll und überzeugend, endet der Plot leider in einem übertriebenen Action-Feuerwerk. Dennoch lesenswerter Mystery-Thriller.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das zweite Schiff (Rho Agenda 1) von Richard Phillips

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
432 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-3-492-26991-9

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Im Jahr 1948 kann das amerikanische Militär in New Mexico ein abgestürztes, außerirdisches Raumschiff bergen. Über Jahrzehnte hält die Regierung diesen spektakulären Fund geheim. Bis eines Tages drei Jugendliche durch Zufall ein zweites Raumschiff entdecken und damit ein bedrohliche Hetzjagd ins Rollen bringen …

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Schon nach den ersten Seiten wird klar, dass man es bei „Rho Agenda“ mit einem klassischen Science Fiction-Roman zu tun bekommt, der technische Hard-SF mit jugendlichem Abenteuerroman verbindet. Das Konzept geht auf und man wird sofort von der bildhaft geschilderten Handlung mitgerissen. Wie bei einem typischen SF-Film aus den 80er-Jahren begleitet der Leser drei jugendliche Freunde, die durch Zufall einen spektakulären Fund machen und zuerst unschlüssig sind, wie sie sich verhalten sollen. Phillips braucht eine Weile, um dem Leser die Protagonisten nahe zu bringen, vor allem denkt man anfangs, es handelt sich vielmehr um Erwachsene als um Jugendliche. Aber das ändert sich schon bald.

Dem Verlag (und auch dem Buch) wird wohl des Öfteren vorgeworfen, es handle sich um eine Mogelpackung, da der Verlag den Roman als Buch für Erwachsene anpreist. „Bei „Das zweite Schiff“, übrigens dem ersten Teil eines Zyklus, handelt es sich in der Tat um einen Genremix aus Teenager-Abenteuer, Mystery und Science Fiction. Aber was ist so schlimm daran, dass Jugendliche die Hauptperson spielen? Und als typisches Jugendbuch würde ich dieses Werk auch nicht unbedingt bezeichnen, denn an manchen Stellen wird es schon auch einmal brutal und blutig. Ich für meinen Teil habe diese Geschichte wirklich sehr genossen, zumal sie ich, wie schon oben erwähnt, an SF-Filme wie „Explorers“, „Zathura“ oder die Serie „Roswell“ erinnert hat.
Richard Phillips‘ Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen und hält, bis auf einige umgangssprachliche Ausrutscher (die allerdings auch an der Übersetzung liegen könnten), ein durchwegs ansprechendes Niveau.

Sicherlich strotzt der Plot nur so von klischeehaften Bildern der Guten und der Bösen. UFOs, FBI, Serienkiller und drei Jugendliche, die alles in den Griff kriegen, das hat schon was von Enid Blytons „Fünf Freunde“ oder Alfred Hitchcocks „Die drei ???“. Aber auch so etwas hat seine Existenzberechtigung und ist noch um Längen besser wie so manch genauso klischeebehafteter Action-Blockbuster des heutigen Kinos. Richard Phillips hat mit diesem ersten Abenteuer einen soliden Grundstein für die weitere Geschichte gelegt und, wenngleich die Charaktere nicht immer optimal ausgearbeitet wirkten, so habe ich sie auf gewisse Art und Weise ins Herz geschlossen und bin wirklich sehr gespannt, wie es weitergeht. Wir haben es bei diesem Roman also mit einer zwar seichten, aber durchaus funktionierenden Unterhaltung zu tun, die zudem auch noch spannend und sehr bildhaft erzählt wird. Ich hatte einen Riesenspaß mit dem ersten Teil der „Rho Agenda“-Serie und freue mich schon auf Teil 2 und 3. Bleibt nur zu hoffen, dass der Verlag die weiteren Bände, von denen im Original bereits zwei weitere erschienen sind, ebenfalls publiziert.

Für Science Fiction- und Abenteuerfans kann ich „Das zweite Schiff“ trotz klitzekleiner Makel nur empfehlen.

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Fazit: Äußerst spannender und absolut unterhaltsamer Science Fiction-Roman mit sympathischen, jugendlichen Protagonisten und dem charmanten Flair von 80er Jahren-Filmen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Enceladus von Brandon Q. Morris

Erschienen als Taschenbuch
bei CreateSpace Independent Publishing Platform
444 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-1542629195

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Eine Sonde entdeckt im Jahr 2031 auf dem Saturnmond Enceladus Spuren, die eventuell auf eine außerirdische Lebensform hinweisen. Fünfzehn Jahre später macht sich ein bemanntes Raumschiff auf den Weg durch das All, um den Hinweisen nachzugehen. Doch schon kurz nach dem Start scheint das Unternehmen zum Scheitern verurteilt zu sein. Doch die Crew gibt nicht auf und hält an ihrer Mission fest …

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Ich stieß durch Zufall auf „Enceladus“ und wurde aufgrund der Inhaltsangabe neugierig. Schon auf den ersten Seiten wusste ich, dass mir das Buch gefallen würde. Morris (hinter diesem Pseudonym verbirgt sich übrigens der Schriftsteller, Physiker und Weltraumspezialist Matthias Matting) geht sofort in die Vollen und wirft den Leser in eine unglaublich authentische Welt der Forschung und Raumfahrt. Die Dialoge sind unglaublich gut gelungen und vermitteln das Gefühl, man wäre direkt mit dabei. An manchen Stellen fühlte ich mich bei den Gesprächen an Science Fiction-Klassiker wie unter anderem  „Dark Star“ von John Carpenter, „Mission To Mars“ von Brian dePalma oder auch „Apollo 13“ von Ron Howard erinnert. Durch diese wissenschaftlichen Dialoge schafft Morris innerhalb weniger Augenblicke eine sehr intensive und vor allem glaubwürdige Atmosphäre. Der Schreibstil ist sehr flüssig und kurzweilig.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt: Zum einen begleiten wir die Crew auf ihrer Reise durchs Weltall und zum anderen nehmen wir an der Erforschung des Saturnmondes Enceladus teil. Sowohl im ersten wie auch im zweiten Teil kann Morris mit seinem Schreibstil absolut überzeugen und lässt einen beeindruckenden Film im Kopfkino des Lesers ablaufen. Sicherlich fühlt man sich oftmals an Werke von Arthur C. Clarke, Alistair Reynolds, Stephen Baxter oder zuletzt Andy Weirs „Der Marsianer“ erinnert, aber aus meiner Sicht hat Morris einen ganz eigenen Stil gefunden, der für mich „Enceladus“ zu einem echten Pageturner gemacht hat. Ich wollte das Buch an keiner Stelle so richtig aus der Hand legen, so hat mich der Plot und die Beschreibungen fasziniert. Auch wenn die Charaktere nicht hundertprozentig in die Tiefe gehen, den Hauptprotagonisten einmal ausgenommen, so wirkt sich das keinesfalls störend auf die Geschichte aus. Ich konnte zumindest zu allen Personen eine halbwegs vernünftige Verbindung aufbauen, was mir auch völlig gereicht hat.

Anfangs dachte ich, Morris verzettelt sich in zu vielen wissenschaftlichen Details. Aber das passierte wirklich nur an einigen Stellen und erledigte sich später von selbst. 😉 Die Vorgänge werden teils sehr detailliert geschildert, wirkten aber niemals langweilig (oder sogar besserwisserisch) auf mich, sondern fügen sich einfach perfekt in den Handlungsablauf ein, so dass ein glaubwürdiges Szenario entstand, dem ich mich wirklich schwer entziehen konnte. Ich war sozusagen auf dieser Mission mit dabei.
Vielen wird dieser wissenschaftliche Roman zu ruhig und langweilig sein. Ich persönlich verliere mich gerne in solchen „ruhigen“ Szenarien, die auf engem Raum im Weltall spielen. Morris hat einen „Film“ geschrieben, der fesselt. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil und die Fortführung dieser sehr interessanten Geschichte.

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Fazit: Spannend, kurzweilig und wissenschaftlich authentische Science Fiction aus Deutschland mit einem filmreifen Plot. Daumen hoch!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten