Scar von Jack Ketchum und Lucky McKee

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 334 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-67717-3
Kategorie: Thriller, Drama

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Delia ist schon in jungen Jahren ein kleiner Filmstar. Ihre Eltern, vor allem die Mutter, schert sich nicht viel um die Kindheit ihrer Tochter, sondern hat nur Reichtum, das sie mit ihr verdient, im Kopf. Die beste Freundin von Delia ist ihr Hund Caity. Als Delia nach einem Unfall entstellt wird, gibt die Familie nicht auf, sie weiter zu vermarkten und mit ihr Geld zu machen. Doch keiner von ihnen ahnt, wie tief die Freundschaft zwischen dem Mädchen und ihrem Hund in Wirklichkeit ist.

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Es ist immer wieder erstaunlich, wie wandelbar manche Autoren sind. Jack Ketchum zeigt in Zusammenarbeit mit Co-Autor Lucky McKee (mit dem er auch bereits auch den letzten Teil seiner „Beute“-Trilogie mit dem Titel „Beuterausch“verfasst hat), dass Horror auch anders funktioniert. „Scar“ ist kein Jugendbuch, aber auch kein richtiges Erwachsenenbuch, sondern bewegt sich irgendwo dazwischen, daher für mich auch nicht nachvollziehbar, warum der Roman in der Edition „Heyne Hardcore“ erschienen ist. Genausowenig wie ich wieder einmal nicht begreife, warum der im Original betiltete „The Secret Life Of Souls“ in einen „deutschen“ Titel „Scar“ umbenannt wurde. Wer kein Englisch versteht, weiß auch nicht, was „Scar“ bedeutet. Aber gut, diese Dinge haben mit dem Roman an sich nichts zu tun, stoßen mir nur immer wieder sauer auf, weil wir uns ja schließlich in Deutschland befinden und Romantitel „Das geheime Leben der Seelen“ oder „Die Narbe“ doch auch gut klingen und von den Deutschen verstanden werden.

Zurück zum Buch: „Scar“ schlägt einen sehr ruhigen, aber nichtsdestoweniger unheimlich spannenden Weg ein, der das zerrüttete Leben einer Familie, die Einsamkeit einer Kinder-Schauspielerin und eine tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Tier erzählt. Mit kurzen Sätzen wird eine Story erzählt, die man neugierig verfolgt. Es ist eigentlich ein Drama, das Ketchum und McKee da in einem Thrillergewand mit Horroransätzen präsentiert. Und das funktioniert außerordentlich gut. Der Roman ist in drei Teile eingeteilt, die verschiedene Entwicklungen im Berufs- und Geschäftsleben des schauspielernden Kindes behandeln. In einer Mischung aus sozialkritischen Anspielungen auf die heutige Medienbranche und einem (zwar nicht sehr tiefgehenden, aber dennoch unmissverständlichen) Familienzerfalls, wird eine Geschichte geschildert, die zum Nachdenken anregt. Denn letztendlich wird ein menschliches Leben (und noch dazu ein Kind der eigenen Familie) schlichtweg nur dazu benutzt, um eigene finanzielle Bedürfnisse zu stillen. Allein das ist schon realer Horror pur. Aber Ketchum und McKee lassen es sich nicht nehmen und streuen noch ein wenig Grusel und Mystery in ihren Plot, um in einem dramatischen und effektvollen Finale zu enden, das einem Stephen King würdig ist. Obwohl sich die Geschichte in eine esoterische Richtung bewegt, wirken die Ereignisse niemals gekünstelt, sondern auf faszinierende Weise dennoch glaubwürdig.

Wer Jack Ketchums Klassiker wie „Evil“ oder eben die „Beute“-Trilogie kennt, könnte von „Scar“ leicht enttäuscht werden, denn hier wird eindeutig ein anderer, weitaus weniger brutale Weg eingeschlagen, der aber auf andere Weise zu schockieren vermag. Manches Mal fühlte ich mich an „Blutrot“ erinnert, das für mich immer noch neben „Evil“ eines der besten Bücher von Jack Ketchum darstellt.
Die Dialoge in „Scar“ wirken oft filmreif, was wahrscheinlich daran liegt, dass Co-Autor Lucky McKee neben seiner Autorentätigkeit auch noch Drehbuchschreiber und auch Regisseur („May“, „The Woman“) ist.  Gerade diese lebendigen Dialoge machen neben den kurzen, knackigen Kapiteln „Scar“ zu einem Pageturner, den man schwer aus der Hand legen möchte. Ich fühlte mich auf jeden Fall richtig wohl in der Handlung und Delia, ihr Bruder Robbie und natürlich die Hündin Caity sind mir in der kurzen Lesezeit ans Herz gewachsen. Aber auch die Antipathie gegenüber den Eltern wurde treffend geschildert. Mal ein etwas anderer Jack Ketchum.

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Fazit: Eine andere Seite von Jack Ketchum. Ruhiges Familiendrama mit Mystery-Einlagen und einem gelungenen, etwas härteren Finale.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das zweite Schiff (Rho Agenda 1) von Richard Phillips

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
432 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-3-492-26991-9

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Im Jahr 1948 kann das amerikanische Militär in New Mexico ein abgestürztes, außerirdisches Raumschiff bergen. Über Jahrzehnte hält die Regierung diesen spektakulären Fund geheim. Bis eines Tages drei Jugendliche durch Zufall ein zweites Raumschiff entdecken und damit ein bedrohliche Hetzjagd ins Rollen bringen …

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Schon nach den ersten Seiten wird klar, dass man es bei „Rho Agenda“ mit einem klassischen Science Fiction-Roman zu tun bekommt, der technische Hard-SF mit jugendlichem Abenteuerroman verbindet. Das Konzept geht auf und man wird sofort von der bildhaft geschilderten Handlung mitgerissen. Wie bei einem typischen SF-Film aus den 80er-Jahren begleitet der Leser drei jugendliche Freunde, die durch Zufall einen spektakulären Fund machen und zuerst unschlüssig sind, wie sie sich verhalten sollen. Phillips braucht eine Weile, um dem Leser die Protagonisten nahe zu bringen, vor allem denkt man anfangs, es handelt sich vielmehr um Erwachsene als um Jugendliche. Aber das ändert sich schon bald.

Dem Verlag (und auch dem Buch) wird wohl des Öfteren vorgeworfen, es handle sich um eine Mogelpackung, da der Verlag den Roman als Buch für Erwachsene anpreist. „Bei „Das zweite Schiff“, übrigens dem ersten Teil eines Zyklus, handelt es sich in der Tat um einen Genremix aus Teenager-Abenteuer, Mystery und Science Fiction. Aber was ist so schlimm daran, dass Jugendliche die Hauptperson spielen? Und als typisches Jugendbuch würde ich dieses Werk auch nicht unbedingt bezeichnen, denn an manchen Stellen wird es schon auch einmal brutal und blutig. Ich für meinen Teil habe diese Geschichte wirklich sehr genossen, zumal sie ich, wie schon oben erwähnt, an SF-Filme wie „Explorers“, „Zathura“ oder die Serie „Roswell“ erinnert hat.
Richard Phillips‘ Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen und hält, bis auf einige umgangssprachliche Ausrutscher (die allerdings auch an der Übersetzung liegen könnten), ein durchwegs ansprechendes Niveau.

Sicherlich strotzt der Plot nur so von klischeehaften Bildern der Guten und der Bösen. UFOs, FBI, Serienkiller und drei Jugendliche, die alles in den Griff kriegen, das hat schon was von Enid Blytons „Fünf Freunde“ oder Alfred Hitchcocks „Die drei ???“. Aber auch so etwas hat seine Existenzberechtigung und ist noch um Längen besser wie so manch genauso klischeebehafteter Action-Blockbuster des heutigen Kinos. Richard Phillips hat mit diesem ersten Abenteuer einen soliden Grundstein für die weitere Geschichte gelegt und, wenngleich die Charaktere nicht immer optimal ausgearbeitet wirkten, so habe ich sie auf gewisse Art und Weise ins Herz geschlossen und bin wirklich sehr gespannt, wie es weitergeht. Wir haben es bei diesem Roman also mit einer zwar seichten, aber durchaus funktionierenden Unterhaltung zu tun, die zudem auch noch spannend und sehr bildhaft erzählt wird. Ich hatte einen Riesenspaß mit dem ersten Teil der „Rho Agenda“-Serie und freue mich schon auf Teil 2 und 3. Bleibt nur zu hoffen, dass der Verlag die weiteren Bände, von denen im Original bereits zwei weitere erschienen sind, ebenfalls publiziert.

Für Science Fiction- und Abenteuerfans kann ich „Das zweite Schiff“ trotz klitzekleiner Makel nur empfehlen.

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Fazit: Äußerst spannender und absolut unterhaltsamer Science Fiction-Roman mit sympathischen, jugendlichen Protagonisten und dem charmanten Flair von 80er Jahren-Filmen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Tripods – Die dreibeinigen Herrscher von John Christopher

Tripods

Erschienen als Broschur
im Piper Verlag
insgesamt 736 Seiten
Preis:  20,00  €
ISBN: 978-3-492-70349-9
Kategorie: Science Fiction, Jugendbuch, All Age

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Sie sind plötzlich da: die Tripods! Riesig, dreibeinige Maschinen aus dem All, die sich die gesamte Menschheit mit Hilfe von Kappen gefügig machen wollen, die ihre Träger zu willenlosen Marionetten machen. Will wehrt sich gegen diese Maßnahme und findet Verbündete, die sich ebenfalls nicht der Herrschaft der Außerirdischen beugen wollen. Gemeinsam versuchen sie, die Tripods zu bekämpfen …

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Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass es sich bei dem Tripods-Zyklus von John Christopher um einen Vorläufer der heutigen, sogenannten All Age-Romane und beliebten Dystopien handelt. Christopher schreibt zwar für Jugendliche, das merkt man an dem meistens sehr einfachen Schreibstil, vermag aber mit seinem Endzeit-Szenario auch Erwachsene zu faszinieren. Es macht wirklich Spaß, den Hauptprotagonisten Will und seine Freunde bei der Rettung der Welt zu begleiten.
Die Alien-Invasion, die beschrieben wird, ruft oftmals Bilder aus H.G. Wells „Krieg der Welten“ in Erinnerung, wirkt aber an keiner Stelle nachgemacht. Es ist die Ausgangssituation, in die der Leser hineingeworfen wird, die an Wells SF-Klassiker denken lässt.

Manchmal hätte ich mir schon einen etwas hochwertigeren Schreibstil gewünscht, denn gerade die Kontaktaufnahme mit den Aliens im zweiten Band hätte dadurch durchaus einen höheren Reiz gehabt. Aber nichtsdestotrotz stach der zweite Teil des Zyklus in meinen Augen aus den anderen Bänden heraus, weil er beim Leser fast schon menschliche Gefühle für die „Feinde“ aufkommen ließ. Das hat mir außerordentlich gut gefallen.
Die Story wird flott vorangetrieben und nie langweilig. Christopher hat einen astreinen Abenteuer-Roman geschrieben, der Jugendliche vor fünfzig Jahren wahrscheinlich um einiges mehr begeistert hat wie heute. Die ersten drei Bände wurden in den Jahren 1966 und 1967 geschrieben und waren eigentlich eine Auftragsarbeit, was man aber an keiner Stelle herausliest. Über zwanzig Jahre später hat Christopher dann eine Vorgeschichte geschrieben, die sich hervorragend in das bestehende Bild der Trilogie einfügt.

„Die Tripods“ sind unterhaltsam und verbreiten eine sehr schöne Abenteueratmosphäre, in der man sich als Leser sofort wohlfühlt. Auch schafft das Buch, dass man sich wieder an seine eigene Kindheit voller knisternder Spannung und Abenteuer zurückerinnert.
Interessant ist, dass sich Christopher nie auf spektakuläre Kampfszenen einlässt, sondern den Plot geradlinig und ohne große Schnörkel erzählt. Das mag für den ein oder anderen Leser langweilig wirken, für mich gab es aber ein stimmiges und vor allem authenthisches Bild einer Welt, wie sie nach einer solchen Invasion durch Außerirdische durchaus aussehen könnte. Christophers Epos ist nicht nur reine Science Fiction, sondern auch ein typisches „altes“ Abenteuerbuch aus einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche noch auf Bilder in ihrer Fantasie angewiesen waren und nicht alles durch Spezialeffekte in Kinofilmen vorgesetzt bekamen.
Sciencer Fiction Fans meines Alters (Jahrgang 1964) werden einige Anleihen von damaligen SF-Filmen erkennen (wie schon erwähnt „Kampf der Welten“, aber auch zum Beispiel „Logan’s Run“), aber das erhöht das Vergnügen für ältere Leser ungemein, denn auch hier fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt.
Insgesamt ist John Christophers Alien-Invasion ein absolut unterhaltsames Lesevergnügen, das ohne Verluste die vielen Jahre seit ihrem Entstehen überstanden hat. Umso erfreulicher, dass der Piper Verlag nun eine Gesamtausgabe, in der Trilogie und Vorgeschichte vereint sind, auf den Markt gebracht hat.

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Fazit: Vorläufer der heute beliebten All Age-Romane und Dystopie-Szenarien. In einfachem Schreibstil wird eine geradlinige Abenteuergeschichte für Jugendliche und Erwachsene erzählt, die absolut unterhält.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Auserwählten (Maze Runner) – Trilogie von James Dashner

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Erschienen als Broschur
(alle drei Teile im Schuber)
im Chicken House Verlag (Carlsen)
1520 Seiten
29,99 €
ISBN: 978-3-551-52068-5

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Thomas erwacht in einem Aufzug, der ihn inmitten von einer Gruppe Jugendlicher bringt, die sich in einem überdimensionalen Labyrinth befinden. Über Jahre hinweg suchen die Kinder bereits nach einem Ausweg. Immer wieder blitzen Erinnerungen in ihren Gedanken auf, in denen sie eine Welt sehen, auf der die Menschen durch eine schreckliche Krankheit nahezu ausgestorben sind. Bald schon sind die Jugendlichen davon überzeugt, Teil eines Plans zu sein, der die Menschheit vor dem endgültigen Untergang bewahren soll.

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Durch den Trailer zur Kinoverflmung des ersten Teils „Maze Runner“ bin ich auf diese Jugendbuch-Reihe gestossen. Nachdem ich in der Regel zuerst immer das Buch / die Bücher lese, bevor ich mir einen Film ansehe, habe ich mir den Schuber mit allen drei Teilen der Buchreihe von James Dashner gekauft.
Anfangs war ich auch noch richtiggehend von der Story begeistert, was mir aber im Laufe der Folgebände immer mehr abhanden kam. Aber der Reihe nach:

Was mir an der Trilogie gefallen hat: Der erste Teil :), der Plot an sich (also die Grundidee) und die Darstellung der von einer Krankheit heimgesuchten Erde.

Was mir an der Trilogie nicht gefallen hat: Der Spannungsbogen fiel leider mit jedem Teil der Trilogie ab. Die oft kindischen, fast schon babyhaften, Ausdrücke und Gespräche der Jugendlichen, die eigentlich zu den schlauesten Kindern der Menschheit gehören sollen. Der sehr einfache Schreibstil. Eine viel zu oft verwendete Umgangssprache, die äußerst störend zu den teils spannenden Szenen passte. Die Logikfehler. Die Auflösung.

Während der erste Teil „Im Labyrinth“ noch weitestgehend spannend und vor allem mystisch war, weil man wirklich nicht wusste, um was es überhaupt geht, fielen Teil 2 und 3 dann immer mehr ab und wurden sogar -zumindest für mich- langweilig. Sicherlich waren ein paar gute Beschreibungen dabei, z.B. wie die Erde nach so einer Epidemie aussehen könnte. Aber die Grundhandlung, die sich Dashner ausgedacht hatte, wurde gegen Ende hin immer unlogischer, langweiliger und konstruierter. Was besonders störend auf mich wirkte, war die oben bereits erwähnte kindliche Sprache, in der sich die Jugendlichen miteinander unterhielten. Vor allem dann, wenn solche Dialoge von blutspritzenden, brutalen Zombieangriffen abgelöst wurden und aus einem Kinderbuch (diese Sprache war für mich eines Jugendbuches nicht würdig) einen Splatter-Horror machten. Das passte irgendwie nicht zusammen und machte die Stimmung total kaputt. Entweder Kinder-, Jugend- oder Erwachsenenroman. Alles zusammen funktioniert nicht, Herr Dashner.

Dass ich alle drei Teile bis zu Ende gelesen habe, heißt aber auch, dass die Trilogie jetzt so schlecht auch nicht war. Aber ein zweites Mal werde ich die Bücher definitiv nicht lesen, dazu war mir der Plot dann doch zu konstruiert und unglaubwürdig. Als Film wird die Handlung wahrscheinlich „funzen“, denn visuell kann man die Atmosphäre der Bücher durchaus ansprechend in Szene setzen, da bin ich überzeugt.
Alles in allem bedient sich Dashner irgendwie an Filmen wie „Cube“, „Saw“, „Battle Royal“ oder eben Büchern wie zum Beispiel „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins, die sich aber auch so ein paar Dinge von „Battle Royal“ abgeschaut hat. 😉

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Fazit: Für abenteuerlustige und nicht anspruchsvolle Kids, die kein Problem mit etwas härteren und blutigeren Sequenzen haben (aber wer von den Kindern heutzutage hat damit Probleme?), mag die „Maze Runner“-Trilogie wohl seine Reize haben. Für das anspruchsvollere Publikum sind die Bücher aber dann wohl eher nicht geeignet. Da haben mir die Jugendbücher „Die Tribute von Panem“ oder die „Biss“-Reihe bedeutend besser gefallen, vor allem die letztgenannte. Alleine schon vom Schreibstil lässt sich Dashners Trilogie leider mit keiner der genannten vergleichen.

© 2014 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Wurdilak von Robert Sigl

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Erschienen als Taschenbuch
im Goldfisch Verlag
ISBN: 9783906158075
Kategorie: Märchen

In einem kleinen Hafenort wird sich erzählt, dass ein geheimnisvoller weißer Wolf Jagd auf Kinderseelen macht. Die Eltern von Kara und Rupert beachten derartige Warnungen des Dorfpfarrers aber nicht und tun sie als dummes Gerede ab.
Auf einem Jahrmarkt bekommen die beiden Kinder von einer Wahrsagerin eine Puppe, den sogenannten Tupilak, geschenkt, der sie vor dem Wolf schützen soll. Dieser, so die Wahrsagerin, sei ein Gesandter des Wurdilak, einem Gehilfen des Teufels, der die Seelen kleiner Kinder sammle.
Als die Mutter von Kara und Rupert die Tupilak-Puppe entdeckt, wirft sie diese voller Zorn ins Feuer und löst damit ein Unheil nach dem anderen aus …

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„Wurdilak“ ist der erste Roman des deutschen Drehbuchautors und Regisseurs Robert Sigl.
Im Gegensatz zu seinen Filmen „Laurin“, „School’s Out“ und „Hepzibah“ (um nur die bekanntesten zu nennen) entführt Sigl den Leser mit seinem Debütroman in eine märchenhafte, aber auch -im Stil von Roald Dahl- schreckliche Märchenwelt. Da geht ein geheimnisvoller weißer Wolf um, Kinder werden in einem Heim festgehalten und benehmen sich wie Roboter und eine Vogelpuppe mit drei Köpfen steht als Helfer zur Seite.
An Ideen mangelt es Sigl nicht und aus diesem Grund erwartet den Leser auch ein extrem kurzweiliges Abenteuer voller magischer Momente und spannender Szenarien.
Am oftmals knappen Schreibstil erkennt man, dass Sigl versiert im Schreiben von Drehbüchern ist. Dies hat zur Folge, dass man „Wurdilak“ förmlich als gedrehten Film vor sich sieht. Die relativ einfache Schreibweise hat den angenehmen Effekt, dass das Buch für die Zielgruppe (nämlich Kinder) problemlos zu lesen ist und den Erwachsenen einen zügigen Lesegenuss verschafft, der einen nur so durch die Seiten fliegen lässt.

„Wurdilak“ fällt aus meiner Sicht in die Kategorie „All Age“, denn die Handlung spricht meiner Meinung nach definitiv Kinder und Erwachsene an.
Der Spannungsbogen baut sich bis zum Schluss hin konstant auf, bis er  in einem zufriedenstellenden Finale endet.

Eindeutig am besten gefallen hat mir die Figur des Tupilak, der dreiköpfigen und sprechenden Vogelpuppe. Wie liebevoll Sigl den drei Köpfen Worte in den Mund gelegt hat, das macht schon ungemein Spaß und lockert die manchmal düstere Handlung erfrischend auf.

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Fazit: „Wurdilak“, der erste Roman des deutschen Regisseurs Robert Sigl, ist ein rasantes Märchen für kleine und große „Kinder“, das mich vom Szenario manchmal ein wenig an Roald Dahl erinnerte. Das Buch ist ein Film für LeserInnen, da Sigl einen sehr bildlichen Schreibstil benutzt. Ich vergeb 4 von 5 Sterne für ein kurzweiliges Lesevergnügen in einer märchenhaften, verzauberten und gelegentlich düsteren Welt.

© Buchwelten 2014

Nacht aus Rauch und Nebel von Mechthild Gläser

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
im LOEWE Verlag
400 Seiten
Preis: 17,95  €
ISBN 978-3-7855-7445-4
Kategorie: Fantasy/Jugendbuch/All Age

Erscheint am 17.06.2013

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Floras Lebens als normaler Teenager am Tag und Wandernde des Nachts hat sich einigermaßen eingependelt. Ihre beste Freundin Wiebke ist eingeweiht und Flora selbst hat sich mit ihrem Leben als Prinzessin von Eisenheim arrangiert.

Nur klappt das Miteinander mit Marian nicht so, wie Flora es sich wünschen würde. Gegen Ende des ersten Abenteuers musste sie etwas tun um Eisenheim zu retten. Damit war Marian allerdings nicht nur nicht einverstanden, er ist stinksauer darüber. Er spricht nicht mehr mit ihr. Weder tagsüber, noch nachts in Eisenheim.

Floras Vater, der Fürst von Eisenheim ist völlig überfordert als auf die Schattenstadt immer größere Probleme zukommen. Das Nichts breitet sich unaufhaltsam und in einer rasenden Geschwindigkeit aus. Es vernichtet immer mehr Teile Eisenheims. Niemand weiß, was er dagegen tun kann. Doch Flora ahnt, dass sie vielleicht etwas mit dem ganzen Desaster zu tun hat. Denn jedesmal wenn das Nichts sich rührt, bekommt sie dies mit unangenehm starken Schmerzen am eigenen Leib zu spüren. Und der Ascheregen, der dabei vom Himmel fällt verbrennt ihren Körper. Ist sie an dem Unheil schuld, dass Eisenheim bedroht? Liegt es am Weißen Löwen, den sie versteckt hat und von dem sie behauptet hat, dass sie die Erinnerung an das Versteck verloren hat?

Floras Entscheidung nimmt mit jedem Stadtteil, den das Nichts verschlingt, mehr Formen an. Sie muss dem Rätsel des Nichts auf die Spur kommen. Doch leider scheint es hierfür nötig zu sein, sich mit ihrem ärgsten Feind zu verbünden. Dem eisernen Kanzler …

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Mit „Nacht aus Rauch und Nebel“ schließt Mechthild Gläser mit der Handlung nahtlos an den ersten Band „Stadt aus Trug und Schatten“ an“. Der Leser trifft auf alte Bekannte und ich habe mich sogleich wieder in die Handlung eingefunden, auch wenn es zu Beginn dieses zweiten Teils keine Zusammenfassung des ersten Romans gibt. 

Den sehr guten, gehobenen Schreibstil, der mich beim Debüt der Autorin so begeistert hat, behält sie in diesem Folgeroman weitestgehend bei. Ich persönlich kann aber eine kleine Abstufung feststellen. Viele Textstellen sind mir in diesem Band zu umgangssprachlich oder flapsig formuliert. Ich spreche nicht von wörtlichen Reden, denn hier reden Jugendliche untereinander nun einmal so und dann finde ich es auch völlig in Ordnung. Ich meine solche umgangssprachlichen Ausdrücke, wie sich z.B. auf etwas „plumpsen“ lassen in den Passagen aus Sicht des Erzählers (ein klitzekleines Beispiel). 

Die Handlung ist nicht langatmig, sondern liest sich flott und rasant. Hier sind die Szenenwechsel zwischen Eisenheim und Essen wieder eine gute Variante der Kurzweiligkeit. Kleine Cliffhanger fördern natürlich die Spannung, wenn z.B. Flora aus einer hochdramatischen Situation in Eisenheim gerissen wird, weil sie in der realen Welt aufwacht.

Die Liebesgeschichte zwischen Marian und Flora ist ein leichtes Hin und Her, immer wieder steht den beiden hier der Misstrauen im Weg. Dies hat mich ab und an an Gwendolyn und Gideon der Edelstein-Trilogie erinnert, aber vielleicht sind Jungendlieben in Roman einfach so :). Eine besondere Entwicklung der Geschichte hat mich gefreut und nicht annähernd überrascht, damit hatte ich bereits recht früh im ersten Teil gerechnet.

Das Ende und die Auflösung gefielen mir wiederum gut. Auch hier kann ich nur wiederholen: ich habe nichts nachgemachtes oder abgeschautes gefunden! Auch wenn der Leser nun bei dem Begriff „Nichts“ geneigt sein mag zu glauben, es habe etwas mit dem Nichts von Michael Endes Fantasien zu tun. Nein, dem ist nicht so. Hier hat die Autorin eigene Ideen zu Papier gebracht.

Der Verlag präsentiert auch diesen zweiten – und letzten – Teil als gebundene Ausgabe. Der erste Teil war komplett weiß, der Einband aus dickem, geprägtem Papier und mit pinker Schrift geziert. Diese Fortsetzung ist nun komplett schwarz, der Einband nun aber aus glattem Papier mit genau der gleichen pinkfarbenen Schrift. Diese Gegensätze gefallen mir. Leider hat der Verlag in dem neuen Buch am Leseband gespart, welches den ersten Band noch aufgewertet hat.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für eine gute Fortsetzung, die den gehobenen und guten Schreibstil des ersten Romans weitestgehend hält, jedoch eine Spur mehr an Umgangssprache aufweist. Die Geschichte liest sich flott, macht Spaß und weist keine Längen auf. Dennoch hat mir persönlich der besondere Kick gefehlt, der mich dazu bewogen hätte, wieder die volle Punktzahl zu vergeben. 

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Ich danke dem LOEWE Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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© Buchwelten 2013

Kim Schepper und die Kinder von Marubor von Wolfgang Brunner (komplett neu überarbeitete Zweitauflage) – 5/5

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9783942635240
Erschienen als Taschenbuch
im Candela Verlag
400 Seiten
Preis: 14,90 €
ISBN: 978-3-942635-24-0
Katergorie: Jugendbuch/All-Age

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Das Mädchen mit den schulterlangen braunen Haaren und den dunklen Totenkopf Sneakers, das dort am Grab ihres zwei Jahre jüngeren Bruders steht, ist die 13-jährige Kim Schepper. Bereits fünf Jahre zuvor musste sie schon einmal einen geliebten Menschen verabschieden, damals war es ihr Vater, der zu Grabe getragen wurde. Und nun wurde Tom durch einen Unfall getötet und sie ist mit ihrer Mutter allein. Sie trauert für sich, denn sie findet Beerdigungen bescheuert, sie hasst es wie ein kleines Kind behandelt zu werden, dass keine Ahnung vom Leben und vom Tod hat. Doch was wissen die Erwachsenen schon?

Kim schreckt auf, als sie plötzlich von einem Jungen namens Julian angesprochen wird. Er ging in die gleiche Klasse wie ihr Bruder Tom und er übermittelt ihr ohne Umschweife eine etwas außergewöhnliche Einladung: Kim soll um Mitternacht auf den Friedhof kommen, zum Grab ihres Bruders und sie soll etwas sehr Persönliches von Tom mitbringen. Kim ist etwas verwundert, was Julian von ihr will und sie hakt nach. Doch der Junge spricht in Rätseln. Er berichtet von geheimen Experimenten, an denen ihr Bruder teilgenommen hat und das Tom gar nicht „richtig“ tot sei. Als Kim versucht noch etwas mehr an Informationen von Julian zu gelangen, sagt er, sie solle einfach zur verabredeten Zeit auf dem Friedhof erscheinen, dann würde sie verstehen. Sie würden die anderen Kinder von Marubor treffen und eines davon sei seine Schwester, seine tote Schwester ..

Nach der Beerdigung ist Kim entsprechend aufgewühlt und auch verwirrt wegen der Äußerungen des Jungen der sie angesprochen hat. Natürlich ist es der 13-jährigen unheimlich, mitten in der Nacht auf den Friedhof zu gehen. Dann weiß sie nicht einmal, ob sie es schafft aus der Wohnung zu schleichen, ohne das ihre Mutter etwas bemerkt.

Doch die Neugier siegt. Kim muss wissen, was es mit dem Geheimnis um diese Experimente an ihrem Bruder und anderen Kindern auf sich hat. Also packt sie einen Rucksack, schnappt sich eine Taschenlampe, einen handgeschriebenen Zettel von Tom, den er ihr vor zwei Wochen gegeben hat und macht sich auf den Weg zum Grab …

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Zunächst eine kleine Anmerkung vorneweg. Es ist sicherlich bekannt, dass der Autor von „Kim Schepper und die Kinder von Marubor“, Wolfgang Brunner, mein Lebensgefährte ist. Und genau aus diesem Grunde rezensiere ich sonst prinzipiell keinen seiner Romane. Auch wenn ich mir bei seinen Werken eine durchaus objektive Meinung zutraue, die ich schließlich auch immer in den Entstehungs- und Überarbeitungsphasen der Romane kundtue, hätten meine Rezensionen in seinem Fall immer den Beigeschmack als „Schleichwerbung“ oder „Sonderpromotion“ aufgefasst zu werden. Bei der „neuen“ Kim mache ich aber aus dem Grund eine Ausnahme, dass für mich diese völlig überarbeitete Zweitauflage absolut neu war. Ich kenne die „alte“ Kim in der Rohfassung und in der Endfassung kurz vor Druck. Als diese dann 2009 veröffentlicht wurde, habe ich sie als fertiges Buch auch nicht gelesen. Aus der Überarbeitung für die Zweitauflage habe ich mich komplett herausgehalten und nicht eine Zeile gelesen, daher war ich auch sehr neugierig auf das Endergebnis.

Zunächst einmal hat sich die Aufmachung des Romans sehr positiv verändert. Entgegen der recht einfachen Erscheinung der ersten Auflage, wird die neue Kim mit einem Cover präsentiert, dass ein absoluter Eyecatcher ist. Der junge Grafikdesigner, der mit Kim Schepper nun bereits das dritte Cover für Wolfgang Brunner gestaltete, hat einen Einband geschaffen, der perfekt zur Geschichte um Kim Schepper passt. Das dunkle Grau als Hintergrund und das Reagenzglas mit dem grünen Serum (Marubor) darin, sehen sehr gut aus. Das erste Cover ist bereits so konzipiert, dass die vier weiteren Teile um die Kim daran angeglichen werden und zuletzt ein ansprechendes Ganzes im Bücherregal ergeben.

Für das übrige Erscheinungsbild des Buches ist der Candela Verlag verantwortlich, dem ich gerne mein Lob ausspreche. Ich habe bereits zwei Bücher für den Verlag rezensiert, wobei ich seinerzeit die Taschenbuchausgabe doch stark kritisiert hatte.

Doch nun ist der Einband fest und nicht mehr zu weich. Die Schrift ist keine Standardschrift und sieht optisch sehr gut und vor allem satt aus. Was mir besonders gut gefällt, ist das Bild der Aufhocker, das an jedem Kapitelanfang eingedruckt ist.

Auch wenn natürlich die Grundhandlung der Kim die gleiche ist, liest sich die Neuauflage rasanter und knackiger. Hier bemerkt man schon ein intensives Lektorat, dass das Buch aufgewertet hat.

Der Autor schreibt stets in einem gehobenen, sehr gut ausformulierten und oft auch philosophischen Schreibstil. Da sich Wolfgang Brunner nicht auf ein Genre festlegen lässt, kann man die Stile der Romane auch schlecht miteinander vergleichen, doch den typischen Brunner-Stil kann man erkennen. Und auch wenn hier mitunter keine leichte Kost verarbeitet wurde, hat der Autor den Text sehr gut verständlich für die jugendliche Zielgruppe ausgearbeitet.

Die Handlung beginnt mit der Beerdigung natürlich zunächst einmal sehr traurig, doch ist Kim Schepper keineswegs ein Todes- oder Düsterbuch. Im Gegenteil. Kim Schepper ist eine Mischung aus Abenteuer, Fantasy und dem realen Leben. Es werden Themen wie Konsumwahn, ständiges Streben nach Macht und Gier behandelt. Doch auch Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Zusammenhalt sind in dem Roman sehr wichtig. Etwa ab der Hälfte des Buches kommt der zweite Handlungsstrang um die „Bösen“ dazu und die Handlung springt dann auch innerhalb der Kapitel ziwschen den Szenen, mitunter mit „gemeinen“ Cliffhangern.

Die Kinder stehen in diesem Roman an erster Stelle, denen sicherlich auch Erwachsene zur Seite stehen. Doch diese wollen die Kinder keineswegs bevormunden, sondern erkennen ihre Kraft und Stärke und unterstützen diese lediglich bei ihrem Kampf gegen die Verschwörung des Bösen.

Eine gewisse Aufmerksamkeit gehört bei der Lektüre von Kim Schepper schon dazu. Denn auch wenn es lustige Momente gibt und Ausgefallenes wie eine sprechende, kaugummikauende Fledermaus oder ein Schiff auf der Wiese als Wohnhaus, so ist der Inhalt und die Aussage des Werkes sehr episch. Dinge wie der Kampf der Erde, die Eigenschaft der Seelen oder das unsichtbare Band der Geschwisterliebe werden behandelt und sollten um des Verstehens willen nicht überflogen werden.

Die Geschichte um Kim Schepper geht weiter, der zweite Teil der Reihe „Kim Schepper und der Aufstand der Schatten“ erscheint im Jahre 2013, wann konkret wird noch mitgeteilt werden.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die Zweitauflage von Kim Schepper und die Kinder von Marubor, die mir richtig Spaß gemacht hat. Eine Geschichte von Liebe, Freundschaft, Abenteuer und dem Kampf gegen das Böse, in der die Kinder die wichtigsten Personen sind. Die „neue Kim“ hat mich oft zum Lachen gebracht und auch zu Tränen gerührt. Ein Roman mit einem ernsten und kritischen Hintergrund, der sich nun rasanter liest und der mit einem tollen neuen Cover und einer schönen, ausgefallenen Aufmachung zwischen den Buchdeckeln vom Candela Verlag präsentiert wird.

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Ein ca. 35-minütiges Video-Interview mit Ötzgen Senol von buchvorstellung-online.de zur neuen Auflage von „Kim Schepper und die Kinder von Marubor“

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© Buchwelten 2012

Stadt aus Trug und Schatten von Mechthild Gläser (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe mit Leseband
im LOEWE Verlag
416 Seiten
Preis: 17,95  €
ISBN 978-3-7855-7402-7
Kategorie: Fantasy/All Age

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Die 17-jährige Flora lebt mitten im Ruhrgebiet, in Essen um genau zu sein und eigentlich ist sie ein Teenager wie jeder andere auch.

Sie geht zur Schule, ab und an mit ihrer besten Freundin shoppen und sie tanzt Ballett, zumindest versucht sie es. Sie selber behauptet, sie sei eine sehr schlechte Tänzerin.

Flora lebt gemeinsam mit ihrem Vater und der Haushälterin in einer Wohnung, die so alarmgesichert ist wie der Buckingham Palace. Floras Vater ist etwas eigensinnig in Vorstellung, jemand könne einbrechen und seine wertvollen Fische stehlen, die in der gesamten Wohnung in diversen Aquarien gehalten werden.

Umso überraschter ist Flora, als ihr plötzlich der finnische Austauschschüler Marian vorgestellt wird, der ab sofort im Arbeitszimmer des Vaters schlafen wird. Seit 8 Jahren ist Flora mit Wiebke befreundet und sie durfte nicht ein einziges Mal zu Flora zu Besuch kommen und nun? Urplötzlich nimmt ihr Vater einen fremden Jungen auf. Flora ist sich sicher, dass da etwas nicht stimmt und mehr dahinter steckt.

Floras Welt gerät etwas aus den Fugen als sie – die NIE träumt – urplötzlich in ihrem Traum in einer Stadt namens Eisenheim erwacht. Eine gesamte Stadt, mit so realen Menschen und Wesen, dass Flora diesen Traum als erschreckend lebendig erlebt.

Als sie dann auch noch tagsüber Schattenwesen sieht, die außer ihr niemand erkennen kann, die z.B. neben der U-Bahn herlaufen, da glaubt Flora zwischenzeitlich völlig geisteskrank zu sein.

Doch als Flora in der zweiten Nacht erneut in Eisenheim erwacht, da erfährt sie, dass sie keinesfalls dabei ist, den Verstand zu verlieren, sondern dass sie eine Wandernde ist und von nun an jeden Tag und jede Nacht zwei Leben leben wird. Und Flora erkennt, dass ihr bisheriges Familien- und Alltagsleben nicht das gewesen ist, was es zu sein schien …

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Am 22.04.2012 hatte ich das Vergnügen einer kleinen Lesung von Mechthild Gläser zu lauschen, als sie als Überraschungsgast von Ralf Isau auf dessen Lesung im Ruhrgebiet vorgestellt wurde. Mir war die scheinbar stille und ruhige Autorin sofort sympathisch und das Vorgelesene hat mich auf Ihr Werk gleich neugierig gemacht.

Mechthild Gläser hat einige Seiten zum Besten gegeben und im Nachhinein noch von Ralf Isau gestellte Fragen beantwortet. Sie war nicht offensichtlich nervös und hat interessante Auskünfte erteilt.

Sicher stecke auch ein kleiner Teil „Flora“ in ihr, sie selber tanzt z.B. auch Ballett und behauptet von sich, sie sei richtig schlecht darin.

Schon früh hat Mechthild Gläser das Schreiben begonnen und für sie geht mit der Veröffentlichung ein Traum in Erfüllung. Aber ich denke, Mechthild muss selber auch eine sehr große Leserin sein. Denn sonst hätte sie nicht bereits jetzt, im zarten Alter von 26 Jahren 😉 einen solch guten, gehoben ausformulierten Schreibstil entwickeln können.

Die Protagonistin der Autorin ist gerade 17 Jahre alt, in diesem Alter sprechen viele Jugendliche nun mal flapsig und umgangssprachlich. Sicher hat auch ihre Flora diese Eigenschaften, dennoch hat die Autorin einen gehobenen Stil das gesamte Werk über beibehalten.

Die Szenen wechseln immer zwischen der realen Welt und der Schattenwelt Eisenheims, nicht immer kapitelweise, manchmal erfolgen die Sprünge auch innerhalb eines Kapitels. Das gestaltet das Lesen zunächst einmal sehr kurzweilig. Dann ist die Welt, die die Autorin geschaffen hat, eine hochinteressante, spannende, düstere aber auch sehr schöne Welt. Ich würde sie glatt als farbenfroh bezeichnen, würden in Eisenheim nicht die Farben fehlen und alles nur in schwarz/weiß/grau-Tönen erscheinen.

In Eisenheim tummeln sich u.a. sämtliche bekannten internationalen Bauwerke, die jedoch völlig andere Funktionen haben. Dann gibt es noch wunderbare Erfindungen, wie kleine Lichtplaneten, die die Bewohner begleiten oder ausgefallene Transportmittel.

Immer wieder habe ich während des Lesens darauf geachtet, etwas nachgemachtes oder abgekupfertes zu entdecken. Vielleicht ein kleiner Einfluss der Reihe um einen Zauberlehrling oder Angleichungen zu Vampir-Teenagern. Ich habe nichts finden können. Hier scheint die Autorin wirklich ihrer eigenen Fantasie freien Lauf gelassen zu haben und wenn sie durch andere Werke inspiriert wurde, dann hat sie dies so gut verwoben, dass es nicht auffällt und als Eigen durchgeht.

Ich hatte großen Spaß bei diesem Roman und war auch gar nicht scharf darauf, dass die Geschichte zu Ende geht. Denn mir sind die Figuren sehr ans Herz gewachsen und hier sind nicht nur die Hauptfiguren gemeint.

Auch die Nebenrollen habe alle eine wichtige Funktion inne und sind somit charakterlich gut ausgearbeitet und interessant.

Das Buch präsentiert der Verlag in einer gebundenen Ausgabe mit Leseband (schön!) mit einem weißen Cover, das eine pinkfarbene Schrift und Bild ziert. Dies mag vllt. die/den ein oder andere(n) abschrecken, weil es wie ein „Mädchen-Ding“ wirkt. Nicht irre leiten lassen, dass ist nicht der Fall. Ich denke eher, der Verlag wollte einen Gegensatz zum farblosen Eisenheim der Schattenwelt schaffen und das ist gut gelungen. Mir gefällt das Cover gut.

Es scheint, dass die Geschichte um Flora weiter geht, denn auf der Verlagsseite ist der Roman mit „Band 1“ beschrieben. Ich würde mich freuen, denn gerne werde ich mit Flora und ihren Wegbegleitern weiter durch Essen am Tag und Eisenheim bei Nacht streifen.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für ein Buch, dass mich sehr positiv überrascht hat. Mit soviel durchgehender Qualität und guten Ideen, geschrieben in einem sehr schönen Stil, hatte ich nicht gerechnet. Spannung, Düsternis, Verrücktes, Fantastisches uvm. hat dieses Debüt von Mechthild Gläser zu bieten. Auf nach Eisenheim!

Ich danke dem LOEWE Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Wer sich noch ein kleines Video anschauen möchte,

der sollte mach hier vorbeisehen:

Buchtrailer bei Youtube 

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Gastrezension zu „Kim Schepper und die Kinder von Marubor“ von Wolfgang Brunner (5/5)

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Anläßlich seiner Lesung am Welttag des Buches in einer weiterführenden Schule in Hamminkeln hat der Autor Wolfgang Brunner den Schülerinnen und Schülern einige Exemplare seines Romanes geschenkt.

Nach und nach treffen nun die ersten Reaktionen der LeserInnen ein, die sich (wie ich finde sehr gut) im erstmaligen Verfassen einer Rezension versuchen:

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Vorläufiges Cover der Zweitauflage, entworfen von Mathias V. Beckmann
Eine vollständig überarbeite
Zweitauflage wird
noch in diesem Sommer im
Candela Verlag
erscheinen
(Vorbestellungen sind bereits beim Verlag möglich)

ISBN: 978-3-942635-24-0

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Zu Anfang des Buches steigt man sofort in die Geschichte ein. Die Hauptperson Kim Schepper, ein dreizehnjähriges Mädchen, hat vor wenigen Tagen ihren Bruder bei einem Autounfall verloren und ist auf seiner Beerdigung. Sie hat ihr Schicksal noch gar nicht wirklich realisiert, da lädt ein Klassenkamerad von ihrem Bruder Tom sie zu einem Treffen auf dem Friedhof um Mitternacht ein. Kim ist erst misstrauisch und verunsichert, doch sie geht trotzdem zu dem Treffen.

Sie erfährt, dass ihr Bruder nicht tot, sondern „gering lebend“ ist, wie es die Kinder von Marubor nennen. Die machtgierige Firma „Kirkos Marubor“ hat den Kindern ein Serum verabreicht, bei dem sie die Phasen des Sterbens erforschen wollten. Doch als bei den Forschungsarbeiten etwas schief läuft, müssen die Kinder durch inszenierte Unfälle „beseitigt“ werden. Die Firma weiß nicht, dass die Kinder nicht wirklich tot sind, sie sind nur dem Tod näher als dem Leben. Kim erlebt viele Abenteuer in der Heimat der Kinder unter dem Friedhof, in der Forschungsstation und auf der Leuchtturminsel.

Zudem macht Kim einige schlaue Entdeckungen, welche den Kindern weiterhelfen auf schrecklichen Geheimnisse der Forschungsarbeiten zu stoßen. Ihr Eifer bei der Sache und die Begeisterung sind wirklich beeindruckend.

 

Mir persönlich hat die Geschichte sehr gut gefallen. Die Geschwister gehen alle sehr liebevoll miteinander um und ihre Liebe zueinander ist sehr stark. Am meisten beeindruckt haben mich die Stellen, bei denen die Kinder das „Aufhocken“ probieren. Das gering lebende Geschwisterkind setzt sich dabei auf den Rücken des anderen Geschwisterkindes. Diese Situation wurde so wunderschön beschrieben, dass man gleich sehnsüchtig wird auch so etwas zu erleben. Auch erwähnenswert ist die Kaugummi kauende Fledermaus Betty. Diese Idee ist wirklich außergewöhnlich. Die Kinder sind zusammen eine Einheit, die stark ist und einen unglaublichen Willen hat, den Menschen zu helfen.

Das merkt man auch gut an der Freundschaft die sie alle füreinander empfinden und sich gegenseitig Mut machen.

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Es ist eine schöne, rührende Geschichte über die unglaublich starke Geschwisterliebe die über alle Grenzen hinausreicht, aber sie soll auch zum Nachdenken anregen, wie W. Brunner in seinem Nachwort erwähnt. Sie zeigt, dass die heutigen Menschen viel zu viel Wert auf materielle Dinge legen und die Liebe, Familie, Geborgenheit und Freundschaft völlig vergessen. Da die Geschichte lebendig und gut verständlich geschrieben wurde eignet sie sich für Kinder, Jugendliche und Erwachsende. Sie ist absolut lesenswert und unbedingt weiterzuempfehlen!

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Diese Gastrezension wurde geschrieben von Lucie T., einer Schülerin der 10. Klasse aus Hamminkeln im Mai 2012.

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Die Rezensentin hat für den Roman 5 von 5 Sternen vergeben. .

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