Star Wars – Phasma von Delilah S. Dawson

Star Wars Phasma von Delilah S Dawson

Erschienen als Taschenbuch
im blanvalet Verlag
insgesamt 508 Seiten
Preis: 14,00 €
ISBN: 978-3-7341-6150-6
Kategorie: Science Fiction

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Phasma genießt einen besonderen Status bei ihren Vorgesetzten, denn sie gilt als erbarmungslos und  kaltblütig. Ihr größter Widersacher ist Captain Cardinal, dessen Stellung sie innerhalb der Ersten Ordnung eingenommen hat. Cardinal versucht, so viel wie möglich von Phasma zu erfahren, um sie eventuell bei ihren Vorgesetzten anzuschwärzen. Als Cardinal die Rebellin Vi gefangen nimmt, die Phasma aus früherer Zeit kennt, zwingt er sie, ihm alles zu erzählen, was sie über die geheimnisvolle Sturmtruppenführerin weiß.

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Eine Reise in das Universum von „Die letzten Jedi“ – so wird der Roman von Delilah S. Dawson eingeordnet. Entfernt hat er damit auch zu tun, denn auch in diesem Film erscheint der Charakter der undurchsichtigen Phasma. Ihren ersten Auftritt hatte sie in „Das Erwachen der Macht“, wo sie trotz ihrer fast schon unbedeutenden Nebenrolle auf gewisse Art und Weise eine Art Kultfigur wurde. Dawson gibt dieser Frau in ihrem Roman nun ein Gesicht, was zur Folge hat, dass man die beiden obengenannten Filme mit Sicherheit mit anderen Augen sieht. Die (Lebens-)Geschichte von Phasma besitzt einen hypnotischen Reiz, dem man sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr entziehen kann. Dawson hat der Figur einen glaubwürdigen Charakter und eine spannende Vergangenheit auf den Leib geschrieben, den man sich übrigens sehr gut als Film vorstellen kann. 😉

Es dauerte anfangs eine Weile, bis ich Zugang zu der Story bekam. Das lag vielleicht an der humorvollen Art, mit der die Protagonistin Vi ihrem „Geiselnehmer“ Captain Cardinal gegenübertrat. Da hatte ich zugegebenermaßen kleine Schwierigkeiten, die mich sogar ein wenig gestört haben. Verfolgt man aber den Verlauf der Geschichte und die Entwicklung der beiden, wie sie miteinander umgehen, dann ergeben diese sarkastischen Äußerungen im Nachhinein Sinn und machen Spaß. Vi erzählt Captain Cardinal die Geschichte von Phasma. Dieser geschickte Schachzug, dass die Story der eigentlichen Schlüsselfigur von einer dritten Person  erzählt wird, versucht der Roman eine äußerst faszinierende Atmosphäre. Hinzu kommt der Schauplatz des Geschehens: ein dystopischer Planet namens Parnassos, der im Kopfkino des Lesers eine apokalyptische Welt á la „Mad Max“ oder Stephen Kings „The Stand“ entstehen lässt. Dawsons Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen, so dass die 500 Seiten nur so weggelesen werden können. Phasma bekommt in diesem Roman eine greifbare Persönlichkeit, die sie gleichermaßen menschlich, aber auch „abgeklärt“ wirken lasst. Der Mythos um diese Figur, den man in den Filmen vermittelt bekommt, bleibt aber dennoch bestehen.

„Phasma“ stellt eine äußerst spannende und sehr atmosphärische Hintergrund- und Entwicklungsgeschichte der Sturmtruppen-Kommandantin dar, die fast wie ein Spin Off in der Art von „Rogue One“ wirkt und im Zusammenhang mit den Filmen eine stimmige, interessante Geschichte abgibt. Aber auch wer sich nicht mit dem Star Wars-Universum befasst und den Charakter der Phasma bis jetzt überhaupt nicht kennt, kann diesen Roman ohne weiteres lesen, denn es sind keine Vorkenntnisse nötig, um der Handlung folgen zu können. Und die dystopische Welt, in der sich die meiste Zeit die Handlung abspielt, vermag einen auch ohne Star Wars-Begeisterung absolut zu fesseln. Wer allerdings epische Weltraumschlachten oder andere kriegerische Auseinandersetzungen zwischen der Ersten Ordnung und den Rebellen erwartet, wird von dem Plot höchstwahrscheinlich enttäuscht sein. Es geht nämlich in erster Linie nur um die Person Phasma und ihre Entwicklung zur Sturmtruppen-Kommandantin und keineswegs um die Konfrontation der verfeindeten Parteien. Obwohl der Roman also relativ „ruhig“ daherkommt, finden sich niemals Längen im Plot, bei denen man hofft, diese Stellen mögen bald wieder vorbei sein. Allerdings fand ich persönlich die Kapitel, in denen Vi und Captain Cardinal miteinander kommunizierten, immer wieder als kleine Höhepunkte, weil sie  immer sehr stimmungsvoll beschrieben waren. Alles in allem stellt „Phasma“ von Delilah S. Dawson für mich eine tolle Ergänzung zum Star Wars-Universum dar und ich kann diesen Roman nur wärmstens empfehlen.

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Fazit: Stimmungsvolles Spin Off des neuen Star Wars-Universums.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Die Tiefe der Zeit von Andreas Brandhorst

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
532 Seiten
16,00 €
ISBN: 978-3-492-70427-4

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Der Krieg zwischen den außerirdischen Crul und der Menschheit dauert bereits mehrere tausend Jahre an. Der Soldat Jarl bekommt von seinem Talisman, einem geheimnisvollen Artefakt, das er seit seiner Geburt besitzt, Geschichten von einem mystischen Planeten namens Erde erzählt, auf dem sich angeblich eine Waffe befindet, die den Krieg zwischen Crul und Menschen beenden kann. Jarl macht sich auf die Suche nach der Erde …

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Der Meister des philosophischen Science Fiction Romans ist zurück. Nach dem Wissenschafts-Thriller „Das Erwachen“, der Andreas Brandhorst einmal von einer ganz anderen Seite gezeigt hat, kehrt er nun zu seinen Wurzeln zurück. „Die Tiefe der Zeit“ ist ein typischer Brandhorst, der dennoch gewisse Neuerungen in sich verbirgt. Denn dieses Mal lässt uns der Autor auch an Weltraumschlachten teilhaben, die zwar nicht wie in Star Wars ausarten, sondern dezent im Hintergrund verlaufen und nicht den Hauptanteil der Geschichte bestreiten. Andreas Brandhorst schafft es wie nur wenige seiner Kollegen, die Leser über Grenzen hinaus und an den Rand des Universums mitzunehmen, ihn zum Nachdenken zu bewegen und der Geschichte somit immer einen besonderen, eben philosophischen, Reiz zu verschaffen. Wie in vielen seiner Bücher geht es auch in „Die Tiefe der Zeit“ um das Leben und den Tod, um menschliche Emotionen und Gedankengänge über das Älterwerden. Thema ist auch wieder die Unsterblichkeit respektive ewiges Leben. Andreas Brandhorst schafft es immer wieder, die Leser in den Bann zu ziehen, so dass sie von der Geschichte einfach nicht mehr loslassen können. „Die Tiefe der Zeit“ ist ein Abenteuer, wie man es von Brandhorst erwartet und auch ohne Einschränkungen wieder serviert bekommt.

In gewohnt hohem sprachlichem Niveau entwirft Andreas Brandhorst ein Zukunftsbild, das einem während des Lesens so manches Mal die Gegenwart vergessen lässt. Interessant finde ich, dass, obwohl sich „Die Tiefe der Zeit“ letztendlich nahtlos in Brandhorsts Science Fiction-Bibliografie einfügt, der Autor dennoch einen anderen, neuen Weg einschlägt. Es ist gar nicht einmal so leicht zu erklären, inwiefern dies geschieht, aber der Plot wirkt gegenüber den vorangegangenen Romanen, anders. Das mag zum einen an den oben erwähnten Weltraumschlachten liegen, findet aber meiner Meinung nach seinen Ursprung in der überaus „filmtauglichen“ Erzählweise. Während Andreas Brandhorst in seinen vorhergehenden Romanen mehr Wert auf gedankliche „Bilder“ setzt, schildert er in „Die Tiefe der Zeit“ die Geschichte geradliniger. Was aber nicht heißen soll, dass genau die Brandhorst-typsischen „Gedankenbilder“ hier fehlen, denn die Schilderung des „Ozeans der Zeit“ ist zum Beispiel grandios und atemberaubend gelungen und wirkt noch lange nach. „Die Tiefe der Zeit“ ist also typisch Andreas Brandhorst mit einem Schuss mehr „Publikumstauglichkeit“, wenn ich eine Erklärung abliefern müsste.

Andreas Brandhorst beweist mit seinem neuen Roman wieder einmal, dass er einer der ganz großen Autoren, wenn nicht der größte (zumindest im deutschen Sektor) im Science Fiction-Bereich ist, der es mit internationalen Größen aufnehmen kann oder sie sogar in gewisser Hinsicht übertrumpft. „Die Tiefe der Zeit“ ist ein epischer, bombastischer „Literatur-Blockbuster“, der süchtig macht und nach mehr verlangt. Wie es Andreas Brandhorsts Bücher so an sich haben, denkt man anfangs, sie wären dick genug, bis man ab der Hälfte feststellt, dass die Seiten nur so dahinfliegen und man sich wünscht, der Roman hätte mindestens den doppelten Umfang. 😉
Brandhorst macht uns auch in diesem Buch bewusst, dass ein einzelner Mensch innerhalb eines großen galaktischen Zusammenhangs  durch seine Handlungen Bedeutung erlangen kann. Dieser Minimalismus eines Einzelnen innerhalb eines epischen Konstrukts macht die Handlung unweigerlich zu einem beeindruckenden Erlebnis. „Die Tiefe der Zeit“ ist großes Kopfkino, das bombastische Breitwandbilder in Kombination mit einfühlsamer Philosophie zeigt. Andreas Brandhorst zeigt Bombast, menschliche Emotion und Einsamkeit. Mit dieser Kombination erschafft er eine unwiderstehliche und vor allem faszinierende Geschichte. Mehr davon bitte, Herr Brandhorst.

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Fazit: Episch, bombastisch und dennoch menschlich emotional. Brandhorst ist der Meister der philosophischen Science Fiction.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Schwerelos von Katie Khan

Schwerelos von Katie Khan

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  416Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-3183-4
Kategorie: Science Fiction, Liebe

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Die Astronauten Carys und Max schweben aufgrund eines unglücklichen Zwischenfalls einsam im Weltraum. Sie können ihre Raumstation nicht mehr erreichen und die Luftvorräte können sie nur noch etwa neunzig Minuten am Leben erhalten. Während die beiden verzweifelt versuchen, sich aus ihrer misslichen Lage zu retten, reden sie miteinander und erinnern sich an die Zeiten, als sie sich kennengelernt und ineinander verliebt haben. Mit unaufhaltsamer Grausamkeit verstreichen dabei die Minuten, die ihnen noch bleiben, und das unausweichliche Ende rückt immer näher …

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Man sieht das Cover, am liest den Titel und den Klappentext und denkt sofort, dass es sich hier um einen „Klon“ des Films „Gravity“ handelt. Auch während der ersten Seiten bekommt man den Gedanken nicht los, dass sich die Autorin in erster Linie an dem genannten Film mit Sandra Bullock und George Clooney in den Hauptrollen orientiert. Aber man wird eines besseren belehrt, denn Kathie Khan geht letztendlich einen ganz anderen Weg und nimmt lediglich eine ähnliche Ausgangssituation für ihren Roman. Bei „Schwerelos“ handelt es sich um eines der eher seltenen Bücher, die ich in das Genre „Science Fiction-Liebesroman“ stecken würde. Khan geht das Ganze wirklich sehr geschickt an, so dass man sich bereits nach der ersten „Rückblende“ in das Leben der beiden Protagonisten nur noch sehr schwer von den Seiten lösen kann.

„Schwerelos“ wirkt wie eine Mischung aus Science Fiction, Liebesroman und All-Age-Abenteuer á la „Die Tribute von Panem“, um nur ein Beispiel zu nennen. Das Buch kann sich aus meiner Sicht nicht wirklich entscheiden, ob es sich um einen Erwachsenen- oder Jugendroman handelt, was ich persönlich aber gar nicht schlimm finde. Denn wichtig ist, was drin steht und wie atmosphärisch der Plot auf mich wirkte. Wie gesagt, ich konnte mich wirklich sehr schwer von Carys und Max lösen, während ihre Lebensgeschichte erzählt wurde und sie im Weltraum um ihr Überleben kämpften. Kurzweiliger könnte man die Story gar nicht erzählen, wie es Katie Khan getan hat. Die Seiten fliegen nur so dahin, obwohl es sich im Grunde genommen „nur“ um eine einfache Liebesgeschichte handelt, die in ein SF-Gewand verpackt wurde. Dennoch funktioniert sie. Aber es ist nicht so, dass sich Khan einfach nur mit einer Geschichte über eine Liebe zufrieden gibt. Im letzten Drittel nimmt der Roman noch einmal so richtig Fahrt auf, in dem er sich verschiedener Ebenen bedient und tatsächlich noch echte Science Fiction-Elemente einbindet.

Gerade das Ende macht den ohnehin an manchen Stellen philosophisch angehauchten Roman in meinen Augen zu etwas besonderem. Man beginnt an manchen Stellen über sein eigenes (Liebes-)Leben nachzudenken und fiebert mit den Protagonisten mit. Katie Khan hat am Ende wunderschöne „Wendungen“ und Gedanken in ihren Roman verbaut, die auf manchen Leser kitschig wirken könnten, aber genaugenommen einfach nur darstellen, was „echte Liebe“ wirklich bedeutet. Mir hat die Entwicklung in diese Richtung sehr gut gefallen und das echte Ende verursacht in mir immer noch Traurigkeit, aber auch irgendwie Hoffnung. Katie Khan hat einen schönen und gut lesbaren Liebesroman geschrieben, der eine Science Fiction-Situation zum Ausgangspunkt hat. Ich hätte gut und gerne das doppelte an Seiten verschlingen können, um den beiden noch länger beizuwohnen, denn der flüssige Schreibstil und die philosophischen Überlegungen haben mich schlichtweg von der ersten Seite an gepackt. Ich bin schon jetzt gespannt, was als nächstes von dieser Autorin kommt, denn mit ihrem Debüt hat sie eines auf jeden Fall schon einmal bewiesen: Mut zum Anderssein, in dem man eine „kitschige“ Liebesgeschichte in ein SF-Gewand packt. Und das Konzept funktioniert einwandfrei. Interessant ist, dass die SF-Anteile, die zwar nur selten vorkommen, sehr detailliert und gut recherchiert sind und dem Roman dadurch eine tolle Glaubhaftigkeit verleihen. Ich mag diese Geschichte sehr.

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Fazit: Ein philosophischer Liebesroman im Science Fiction-Gewand. Faszinierendes Lesevergnügen.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten