Grappa greift durch von Gabriella Wollenhaupt

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Grappa greift durchErschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 220 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-89425-468-1
Kategorie: Krimi

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Mitten in der Nacht wird Maria Grappa telefonisch von ihrer Lieblingsbäckerin Frau Schmitz aus dem Bett geworfen. Sie hat eine unheimliche Entdeckung gemacht. Auf einem Spielplatz in ihrer Zechensiedlung sitzt eine Muslima und schaukelt ihr totes Kind.

Offensichtlich ist es keines natürlichen Tod gestorben und Grappa beginnt sofort zu recherchieren. Sie knüpft Kontakte und versucht Hintergründe zu erfahren. Doch erstens schweigt die unter Schock stehende Mutter beharrlich und zweitens legt Grappas Chef ihr schonungslos einen Maulkorb an. Denn er wird von Stadtoberen und dem Integrationsrat unter Druck gesetzt. Als Grund wird der religiöse Frieden genannt.

Doch Grappa wäre nicht Grappa, würde sie nicht rebellieren und diesen Maulkorb einfach so hinnehmen. Und dann wird die muslimische Mutter des toten Kinder Opfer eines Selbstmordattentäters ….

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Einige Grappa-Romane habe ich mittlerweile gelesen (lange nicht alle, die die Autorin vorgelegt hat) und ich mag sie einfach. Diese toughe Reporterin mit ihrem speziellen Biss und schwarzem Humor, ihrer Neugier, der zielstrebigen und furchtlosen Art. Grappa ist direkt, frech und vorlaut, sie macht sich aber dennoch eine Menge Gedanken und ist ein herzensguter Mensch. Die Romane von Gabriella Wollenhaupt sind einfach knackig, rasant, machen Spaß und bieten einfach kurzweiligen Lesespaß.

Ich finde es hochinteressant, wie Gabriella Wollenhaupt es in diesem Band geschafft hat, die Eigenschaften ihrer Protagonistin und auch die der Nebencharaktere mit diesem leider brandaktuellen und hochbrisanten Thema in Einklang zu bringen. Sie hat hier eine perfekt gelungene Gratwanderung geschafft, die mich beeindruckt hat.

Mein Fazit: Ein (leider) topaktuelles und brisantes Thema wird hier in der typischen Grappa-Manier behandelt. Die Gratwanderung zwischen Dramatik, Gefahr und kurzweiligem Lesevergnügen hat mich vollkommen überzeugt.

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© Buchwelten 2016

Vollendet – Der Aufstand von Neal Shusterman (Teil II)

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Vollendet
Erschienen als Hardcover
bei S. Fischer Verlage
insgesamt  Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: ISBN: 978-3-7373-6718-9
Kategorie: Young Adult

Nachdem der Admiral die Führung des Friedhofs an Connor abgegeben hat, muss dieser sich täglich beweisen. Risa, die nach dem Unglück im Camp im Rollstuhl sitzt, versucht ihm zu helfen wo sie kann. Sie leitet die Sanitätsabteilung, dennoch fürchtet sie ständig Connor eher eine Last zu sein.

Lev versucht ein neues Leben zu beginnen, wird in ein Haus ehemaliger Zehntopfer gebracht und durch die Leiter dort als eine Art Gott hochgejubelt. Als ehemaliges Zehntopfer und DER Klatscher, der nicht geklatscht hat, betet ihn dort jeder regelrecht an. Damit kommt Lev allerdings gar nicht zurecht. Als dort das Mädchen Miracolina auftaucht, findet Lev endlich eine Ansprechpartnerin, die ihm gefällt. Allerdings hat er es nicht leicht, sich ihr überhaupt zu nähern. Denn Miracolina ist mit ihrer Rettung kurz vor dem Zehntopfergang gar nicht einverstanden und reagiert aggressiv und wütend.

Als ein gestorchter Junge namens Starkey kurz vor der Umwandlung durch Connor und seine Leute gerettet und zum Friedhof gebracht wird, ist für ihn sofort klar, dass er ganz langsam, still und heimlich Connor den Rang ablaufen will. Er sieht sich als den neuen Anführer des Friedhofs und wird alles tun, dieses Ziel zu erreichen …..

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Der zweite Teil der Vollendet-Reihe schließt nahtlos an den ersten Teil an und der Leser trifft alle bekannten Personen wieder und lernt neue kennen. Ich hatte keine Probleme, mich wieder in die Handlung einzufinden und die Stimmung hat mich gleich wieder in ihren Bann gezogen.

Der Spannungsbogen ist gut gesponnen und durch die verschiedenen Handlungsorte wird die Geschichte nicht langatmig oder zäh.

Mir hat die Erschaffung einer weiteren, sehr besonderen Person, absolut gefallen, auf die ich aber gar nicht näher eingehen möchte, denn dass würde einen Teil der Handlung verraten, der die Geschichte wirklich bereichert. Das Problem, was ist richtig, was ist falsch, was ist ethisch tragbar und was nicht, all dies kommt durch diese Figur sehr gut heraus und sorgt für Brisanz.

Neal Shusterman hat mit seiner Vollendet-Reihe ja eine sehr gute Grundidee umgesetzt, nämlich: Ein Mensch darf rückwirkend bis zu seinem 16 Lebensjahr abgetrieben werden. Das bedeutet, Eltern können z.B. schwierige pubertierende Teenager loswerden, indem sie sie umwandeln lassen. Das bedeutet, der Körper des Umzuwandelnden wird zerlegt und sämtliche Teile werden transplantiert und somit am Leben erhalten. Doch die große Frage ist ja: Was passiert mit der Seele?

Wenn das Leser meiner Rezension neugierig gemacht hat, können sie gerne die Rezension zum ersten Teil einmal lesen und dann vielleicht entscheiden, ob sie Lust haben, sich der Reihe mal zu widmen?

Mein Fazit: Ein sehr gut gelungener Teil II der Vollendet-Trilogie, der die Geschichte weitererzählt und sie um weitere Figuren bereichert, die sicher im dritten und letzten Band eine große Rolle spielen. Ich freue mich darauf!

Buchtrailer zu Vollendet – Der Aufstand

Trailer zum Making of des Hörbuchs:

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© Buchwelten 2015

Golanhöhen von Marc-Oliver Bischoff

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Golanhöhen
Erschienen als Taschenbuch
im grafit-Verlag
insgesamt 412 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-3-89425-450-6
Kategorie: Krimi

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Gideon Richter, Ermittler der Frankfurter Kripo ist gerade zum ersten Mal Vater geworden. Gemeinsam mit Polizeipsychologin Nora Winter haben Sie einen kleinen Sohn, der beider Nerven sehr strapaziert. Während sich Nora Winter derzeit in Elternzeit befindet, muss Gideon sich trotz dem ganzen Stress auch nach wie vor auf seine Arbeit konzentrieren. Das fällt ihm in diesem Fall erst Recht nicht leicht, da die Leiche eines frisch entbundenen Säuglings in einer Müllverwertungsanlage auf einem Fließband gefunden wird.

Unmittelbar danach wird er zu einem weiteren Todesfall gerufen. Auf den ersten Blick hat sich die Tote selbst getötet. Ist vom Dach eines Hochhauses in den Golanhöhen gesprungen. Doch Jennifer Baur hatte bereits 10 Jahre wegen Kindstötung im Gefängnis verbracht und so liegt für Gideon der Verdacht nahe, dass diese beiden Morde miteinander in Verbindung stehen. Die Golanhöhen sind ein sozialer Brennpunkt in Frankfurt, hier leben die Menschen der untersten sozialen Kategorie und während seiner Ermittlungen findet Gideon Richter Hinweise darauf, dass Jennifer Baur keinen Suizid begonnen hat, sondern Opfer eines Mordes ist.

Gideon wird die Ermittlung an dem toten Säugling aus der Hand genommen, Befangenheit ist der Grund. Und zu viele emotionale Hindernisse. Das ist sicherlich absolut korrekt, Gideon passt das allerdings überhaupt nicht. Er ermittelt in seine Richtung weiter ….

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Marc-Oliver Bischoffs „Tödliche Fortsetzung“ war für mich ein gutes Debüt, „Die Voliere“ gefiel mir besser und die „Golanhöhen“ halten dieses Niveau unbedingt. Der Schreibstil ist nach wie vor gut und gehoben. Der Handlungsstrang ist geschickt aufgebaut und die Wendungen innerhalb der Story halten den Spannungsbogen straff. In diesem dritten Teil sind die extremen Szenen, wie ich sie im ersten und zweiten Teil erwähnt hatte, etwas entschärft worden. Das ändert aber nichts an der Spannung der Geschichte.  Der Autor verflechtet in seiner Handlung kleine Hinweise auf die beiden ersten Romane, die der Leser natürlich erkennt, wenn er diese gelesen hat. Es tut aber nichts zum Verständnis der Handlung wenn man die zwei ersten Bände nicht kennt oder im Anschluss liest, so wie ich es bei anderen Autoren auch schon gehandhabt habe.

Gideon Richter ist sehr menschlich und gefühlvoll, ängstlich aber auch stur, eigensinnig und mutig. Das sein Protagonist z.B. so offen mit den Schwierigkeiten in einer jungen Familie umgeht, macht ihn mir sehr sympathisch. Und Nora Winter ist für mich in diesem dritten Teil durch ihre Mutterrolle viel liebenswürdiger geworden. Sie wirkt auf mich längst nicht mehr so unnahbar, wie in den Vorgängerbänden. Sie ist offen müde, k.o., auch eifersüchtig, aber besorgt und dennoch versucht sie nicht nur mit ihrem beruflichen Wissen Gideon zur Seite zu stehen, sie will auch gemeinsam das „Problem“ mit dem etwas schwierigen Baby lösen. Liebe Leser, denkt nicht, Nora und Gideon jammern nur sie hätten ein „schreckliches“ Baby, nein, sie genießen es  auch und freuen sich an ihm. Allerdings hat mir eine gewisse Stelle sehr gut gefallen, die wahrscheinlich einige frisch gebackene Eltern sehr gut nachvollziehen können … 🙂

Ich mag es immer sehr gerne, wenn die Parallelhandlungen der eigentlich Krimilinie mindestens genauso interessant wie die Ermittlungen am jeweiligen Mordfall sind. Man lernt die Ermittler kennen, begleitet sie ein Stück weit und möchte auch miterleben wie sich ihr Privatleben entwickelt. Hier hat der Protagonist nicht nur mit einer anstrengenden Gegenwart zu kämpfen, sondern wird auch mit einem Trauma aus seiner Jugend konfrontiert. Mehr verrate ich nicht, lest es selbst.

Mein Fazit: Ein sehr guter dritter Teil um Nora Winter und Gideon Richter. Die Ermittlungen führen in ein sozial mehr als kritisches Viertel. Privat erleben die beiden einige Neuerungen und dienstlich zeigt sich, dass Dinge nicht immer so sind, wie sie scheinen. Spannend, fesselnd und wieder einmal richtig gut geschrieben kann ich diesen Krimi gern empfehlen.

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Ich danke dem Grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Rezension zu „Tödliche Fortsetzung“

Rezension „Die Voliere“

Homepage des Autors

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© Buchwelten 2015

Geheimer Ort von Tana French

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frenchErschienen als Klappenbroschur
bei Scherz / Fischer Verlage
insgesamt 400 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-651-00051-3
Kategorie: Krimi

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Der Tod von Chris Harper hat für viel Wirbel im Mädcheninternat St. Kilda gesorgt. Der Sechzehnjährige wurde im Park der Schule aufgefunden. Auf seiner Brust vier frisch gepflückte Hyazinthen. Was wollte der Junge aus dem benachbarten Jungeninternat mitten in der Nacht dort? Wie ist es ihm gelungen, nachts die Schule zu verlassen?

Chris Harpers Tod wirft viele Fragen auf, die jedoch auch durch die Polizei nicht aufgeklärt werden. Ein Jahr laufen die Ermittlungen bereits, von einer Lösung des Falls kann jedoch keine Rede sein. Eigentlich liegen die Ermittlungen mittlerweile sogar auf Eis. Die Wogen haben sich geglättet, die Eltern sind wieder ruhiger. Also kann alles seinen gewohnten, traditionellen und gesitteten Gang gehen.

Doch dann taucht plötzlich eine Karte am „Geheimen Ort“ auf. Einem schwarzen Brett, an dem die Mädchen anonym Nachrichten, Karten, Fotos oder andere Mitteilungen anbringen können. Auf dieser Karte steht „ICH WEISS, WER IHN GETÖTET HAT“. Gefunden wird die Karte von Holly Mackey, die sie abnimmt und Stephen Moran bringt. Einem Detective, der den Fall zwar nicht bearbeitet, jedoch vor Jahren Hollys Vertrauen erlangt hat. Holly, damals war sie gerade 10 Jahre alt, ist die Tochter von Frank Mackey, dem bekannten Leiter der Abteilung „verdeckte Ermittlung“. Seinerzeit war sie Zeugin in einem Mordfall in Mackeys Familie. Nun ist sie ein Teenager und Schülerin am Internat St. Kilda. Durch ihren Hinweis werden die Ermittlungen wieder aufgenommen und da Stephen Morans positive „Bindung“ zu Holly hilfreich sein kann, darf er die leitende Ermittlerin im Mordfall Chris Harper, Antoinette Conway, begleiten. Eine gehörige Herausforderung für Stephen, der natürlich gerne den Sprung von den „ungelösten Fällen“ in die Mordkommission schaffen würde. Doch Conway, bissige, toughe Einzelkämpferin, macht es ihm alles andere als leicht …

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Das ist der fünfte Roman der irischen Krimiautorin Tana French. Gelesen habe ich sie alle, rezensiert leider bislang keinen. Daher muss ich nun kurz ein bisschen ausholen: Tana French schreibt Krimis, ja. Allerdings schreibt sie die grundsätzlich eher so, dass die eigentliche Handlung des Krimis in den Hintergrund tritt, weil es vielmehr um die Menschen in ihren Geschichten geht. Tana French hat eine Gabe, ihre Figuren psychologisch detailliert darzustellen, ihnen eine Tiefe zu geben, dabei die vielfältigsten Charaktere zu vermischen, so dass man die Bücher sehr schwer aus der Hand legen kann. Desweiteren ist ihr Schreibstil sehr poetisch, voller Farben und Gerüche, einfach wunderschön. Wer nach der Rezension noch Lust auf zwei Zitate hat, der scrollt einfach ein wenig runter. Vielleicht bekommt man so einen Eindruck, was ich zu vermitteln versuche.

Eine weitere Besonderheit der Autorin ist, dass sie jeweils ihrer Nebenfigur aus einem Roman im nachfolgenden Band die Hauptrolle zuteil werden lässt. So kommt es, dass wir im aktuellen Titel auf bekannte Figuren treffen, die im dritten Roman „Sterbenskalt“ wichtige Rollen inne hatten. Hatte Frank Mackey dort die Hauptrolle übernommen, und seine Tochter Holly und Stephen Moran waren Nebenfiguren, so ist es in diesem Roman genau umgekehrt. Ich mag diese Idee sehr gerne, dadurch bringt die Autorin sowohl frischen Wind in ihre Handlungen, lässt aber auch bekannte Figuren, die dem Leser nahe kamen, weiter agieren.

Diesen Roman, der übrigens sehr ruhig, still und anmutig ist, erzählt Tana French in zwei Handlungssträngen. Einmal die Gegenwart, in der Stephen Moran und Antoinette Conway in St. Kilda die Ermittlungen wieder aufnehmen und desweiteren in der Zeit vor dem Mordfall an Chris Harper. Der Gegenwartsstrang wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Stephen Moran erzählt, den Teil der Vergangenheit übernimmt ein Erzähler in der dritten Person.

Weiterhin lassen die Gespräche der Schülerinnen untereinander zur Zeit vor dem Mord, die einen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt von jungen Leuten geben, einen glauben, die Autorin habe Verhaltensforschung und Psychologie studiert. Die Beschreibung, wie wichtig für die Clique rund um Holly die Freundschaft ist, dieses Gefühl der Geborgenheit, die ewig andauern soll, der Versuch niemanden dort einbrechen zu lassen, nicht einmal die Jungen, die natürlich in diesem Alter dennoch eine Rolle spielen, ist einfach genial geschrieben.

Es gäbe noch sehr viel mehr über die gegensätzliche Clique auf St. Kilda oder über das Auskommen zwischen Moran und Conway zu erzählen. Aber das würde ausarten, daher lest das Buch/die Bücher einfach selbst.

Der Scherz Verlag präsentiert alle Bücher von Tana French in neuem Design. Als Klappenbroschur mit neuen Covern. Die finde ich auch gut gelungen, allerdings ist schade, dass dieses aktuelle Werk nicht als gebundene Ausgabe erhältlich ist. Ich mag lieber Regelmäßigkeit im Bücherregal. Die deutsche Titelwahl hingegen passt dieses mal sehr gut: aus „The Secret Place“ wurde „Geheimer Ort“.

Fazit: Ein Kriminalroman, dessen poetische Sprache eine reine Wucht ist, geschrieben von einer Autorin, die es versteht die Gefühls- und Gedankenwelt (besonders der jungen) Menschen zu beschreiben, als sei sie Psychologin oder Verhaltensforscherin. Erschreckend echt und real beschreibt Tana French vor einer außergewöhnlichen Kulisse und in einer ruhigen Stimmung eine verworrene, spannende und dramatische Krimigeschichte, für die der Leser getrost sein Mittagsschläfchen ausfallen lassen wird!

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Zitat 1: Stephen Moran betritt das St. Kilda zum ersten Mal. Ein Mann, der die schönen Dinge mag:

Ich folgte ihr (Detective Conway) die Treppe hinauf. Mädchen strömten um mich herum, fliegende Haare und fliegendes Lachen. Die Luft fühlte sich voll und glänzend an, high, durchsetzt mit Sonne aus allen möglichen Winkeln; Sonnenlicht wirbelte wie Wasser auf dem Geländer, fing Farben ein und schleuderte sie in die Luft, hob mich hoch, umfing mich überall und stieg höher. Ich fühlte mich anders, veränderte mich. Als wäre heute mein Tag, wenn ich nur herausfinden könnte, in welcher Weise. Wie Gefahr, aber meine Gefahr, von einem Zauberer im hohen Turm speziell für mich herbeigehext; wie mein Glück, herrliches, trügerisches, drängendes Glück, das durch die Luft trudelte, Kopf oder Zahl?”

Zitat 2: Die Cliquen der Mädels hängen in ihrer Freizeit oft im Einkaufscenter “Court” rum oder auf einem dahinter angrenzenden Feld, auf dem sie die Jungen treffen. Es ist einfach ein verlassener Bauplatz:

Julie kann James Gillen nicht leiden, aber das spielt keine Rolle, nicht hier draußen. Im Court, drüben im Court könnte jeder Blick, den du auffängst, Liebe sein, glockenklingelnde, feuerwerkzündende Liebe, im weichen Schleier der Musik und den Regenbogenprismen des Lichts könnte es das eine gewaltige Geheimnis sein, das in jedem Buch und Film und Song vibriert; es könnte deine Ein-und-alles-Schulter sein, an die du den Kopf lehnen darfst, Finger mit deinen verschränkt und Lippen sanft auf deinem Haar, während euer Lied aus jedem Lautsprecher strömt. Es könnte das eine Herz sein, das sich unter deiner Berührung öffnet, um seine ungesagten Geheimnisse preiszugeben, das eine Herz, dessen Räume die vollkommene Form haben, um all deine Geheimnisse zu umschließen.”

Wenn euch diese Sprachgewalt genauso mitreißt wie mich, dann kann ich euch die Krimis von Tana French unbedingt ans Herz legen!

© Buchwelten 2015

Die Kirche der toten Mädchen von Stephen Dobyns

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Die Kiche der toten Mädchen
Erschienen als Taschenbuch
im fischer Verlag
462 Seiten
ISBN: 9783596144044

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Aurelius, die typische amerikanische Kleinstadt erlebt einen Schock, als die 14-jährige Shannon, Tochter des örtlichen Arztes, spurlos verschwindet. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Ermittler von außerhalb werden hinzugezogen, doch wirklich weiter kommen auch diese mit ihren Nachforschungen nicht.

Natürlich richtet sich der Verdacht der Bewohner zunächst auf die Menschen, die von außerhalb kommen. Z.B. der aus Algerien stammende Lehrer Houari Chihani, der mit seiner Einstellung zum Marxismus eine Reihe von Teenagern in einer Lese- und Diskussionsgruppe versammelt und daher schon nicht gern gesehen wird.

Plötzlich verschwindet das zweite Mädchen, sie musste an Halloween nur einige Häuser weiter nach Hause und kam dort nie an. Leider sind die dramatischen Ereignisse noch nicht vorbei. Denn nicht nur ein drittes Mädchen verschwindet, es gibt weitere Todesfälle, die die gesamte Stadt in Angst und Schrecken versetzen.

Jeder scheint auf einmal verdächtig zu sein. Der nette Nachbar mit seinem Spaniel genauso wie der immer freundliche Biologielehrer …. Jugendliche genauso wie Erwachsene …

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Jahrelang hat mich der Roman von Stephen Dobyns in unserer Bibliothek Abend für Abend „angelacht“. Nun habe ich ihn endlich zur Hand genommen und verschlungen.

Wer hier einen rasanten, modernen Hightechthriller (á la Chris Carter o.a.) erwartet, der wird enttäuscht sein und sich oftmals über viele Seiten hinweg sogar langweilen. Wer jedoch gerne tiefgründige, weit in die menschliche Psyche blickende, ruhige und stimmungsvolle Thriller mag, die fesseln und zum Nachdenken anregen, der ist hier gewiss richtig.

Dobyns lässt sich sehr viel Zeit mit der Beschreibung seiner Charaktere, stellt jeden ausführlich vor, holt weit aus und lässt uns die Figuren tatsächlich kennenlernen. Sicher mag das für viele langatmig wirken und ungeduldig werden lassen. Mir hat es sehr gut gefallen. Er hat eine gute Stimmung erschaffen, hat mich in die Handlung eintauchen lassen und durch die ausführliche Erzählweise sehr gute Hintergrundinformationen geliefert.

Erzählt wird die Geschichte von einem sehr netten Biologielehrer, der natürlich – wie eigentlich fast jeder Bewohner von Aurelius – so seine Geheimnisse hat.

Ich finde den Roman nicht gruselig oder mystisch. Ich empfand ihn als fesselnd und als sehr durchdacht. Der Autor legt viele Fährten, denen der Leser natürlich versucht nachzugehen und teilweise auch erliegt.

Der Schreibstil ist sehr gehoben, der Autor schreibt ausdrucksstark und bildhaft, sodass ich als Leserin wirklich mitten im Geschehen war und es nicht erwarten konnte, weiterzulesen. Es gab sicherlich auch krasse, heftige und blutige Szenen, die ich aber nicht als blutrünstig empfunden habe. Mich hat der Roman in etwa an eine Mischung aus „Ein plötzlicher Todesfall“ von J.K. Rowling und „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ von Reginhald Hill erinnert, wenn ich den Versuch wagen sollte, Vergleiche zu tätigen. In unserer Bibliothek befindet sich ein weiterer Roman von Stephen Dobyns „Der Junge im Pool“, den ich ganz bestimmt auch lesen werde.

Mein Fazit: Volle Punktzahl für einen sehr tiefgründigen, in die menschliche Psyche leuchtenden Thriller, der zwar ruhig, aber dennoch fesselnd und absolut stimmungsvoll geschrieben ist.

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Meine Rezension bezieht sich auf die gebundene Originalausgabe, erschienen 1998 im Wolfgang Krüger Verlag.

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© Buchwelten 2014

Lost Land – Der Aufbruch (II) von Jonathan Maberry

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Thienemann Verlag
insgesamt 576 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-522-20176-6
Kategorie: Jugendbuch

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Benny Imura ist bei seinem großen Bruder Tom in die Lehre gegangen und bekommt alles beigebracht, um ein guter Zombiejäger/Zombiebefrieder zu werden. Die Brüder sind sich näher gekommen, Benny hat seinen Hass Tom gegenüber abgelegt und gemeinsam mit Nix und Lilah (DEM verlorenen Mädchen) bereiten sie sich gemeinsam auf den Aufbruch vor.

Sie werden die Sicherheit des Ortes Mountainside hinter sich lassen und durch das Leichenland wandern, um sich auf die Suche nach dem Jet zu begeben, den sie alle am Himmel gesehen haben. Sie werden nicht nur besagte Sicherheit hinter sich lassen, sondern auch ihre Freunde. Nix kann es kaum erwarten, sie hält nichts mehr in der Stadt, in der sie zuletzt ihre geliebte Mutter verloren hat.

Doch bereits kurz nach dem Aufbruch wird die Gruppe auf harte Proben gestellt. Benny, Nix und Chong, Bennys bester Freund, der eigentlich nur für eine Nacht mitgeht, um sich den Abschied zu erleichtern, werden von den grausamen Kopfgeldjägern gefangen genommen, die ein neues Gameland im Leichenland errichtet haben. Dort sollen die Jugendlichen in Zombiegruben wie Gladiatoren gegen die Untoten kämpfen.

Alte Weggefährten, auf die Tom und seine Begleiter im Leichenland gebaut haben, sind verschwunden, fielen den Untoten zum Opfer und die Gruppe muss all ihr erlerntes Kriegerpotential anwenden, um mit dem Leben davon zu kommen ….

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Jonathan Maberry knüpft in seiner Handlung nahtlos an den ersten Teil seiner Lost Land Reihe an. Sofort fühlte ich mich in der Handlung wieder zu Hause, waren mir die bekannten Charaktere vertraut. Benny und seine Freunde sind innerhalb der letzten Monate gereift, wirken erwachsener, überlegter, auch wenn sie sich natürlich immer noch wie Teenager benehmen können, wenn sie „dürfen“. Trotz aller Gefahren und Kämpfe lachen und albern sie gemeinsam herum, machen sich Gedanken über die Gefühle einer ersten Liebe, mit allen Höhen und Tiefen.

Auch hier in diesem zweiten Teil geht es wieder um die Menschlichkeit, die Handlung beschreibt nicht nur ein wildes Untotengemetzel, sondern zeigt immer wieder auf, dass es sich bei den umherwandernden Wesen einst um Menschen aus Fleisch und Blut gehandelt hat. Die Gruppe empfindet oft Mitleid mit den Wesen, die sie endgültig ausschalten müssen, um ihr eigenes Leben zu retten.

Die Gespräche der Jugendlichen untereinander oder zwischen Tom und seinem Bruder sind sehr tiefgründig. Der Schreibstil ist erneut sehr gehoben und hat mich angesprochen. Ich habe die Landschaften vor meinem geistigen Auge gesehen, war bei der Geschichte dabei. Der Autor beschreibt zum Beispiel einen Blick von Benny und Nix auf ein abgebranntes Feld voller Zombieleichen und schafft es dennoch, diesem Anblick etwas schönes abzugewinnen, den schrecklichen Anblick des Schauplatzes weichen zu lassen.

Der Spannungsbogen ist gut gespannt und hat mich durch die Handlung fliegen lassen, Langeweile und zähe Momente kamen nicht auf. Dennoch lässt der Autor den Leser bei allem Chaos und zwischen den gefährlichen Momenten auch zur Ruhe kommen.

Ich würde mir nach wie vor keinen Zombiefilm anschauen, weil es mich da zu sehr gruselt, gelesen gefällt mir die Story allerdings sehr gut, auch wenn der Autor gerne ausführlich und genau beschreibt, wie diese Wesen aussehen. Romero Fans werden auf Ihre Kosten kommen!

Der Verlag präsentiert diesen zweiten Teil wieder als gebundene Ausgabe, hat allerdings bei diesem Buch daran gespart, dass das Cover unter dem Schutzumschlag wieder farblich bedruckt ist. Schade eigentlich, denn es gibt sicherlich viele Leser, die die Bücher gerne ohne die schützende Hülle ins Regal stellen. Hier hat der erste Teil eindeutig optisch mehr her gemacht.

Innerhalb der Buchdeckel sind die Kapitel in einer guten Länge aufgeteilt, zu Beginn eines jeden Kapitels ist Stacheldraht zu sehen. Diese kleine Spielerei wurde übernommen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diese gelungene Fortsetzung eines Jugendbuches mit Anspruch, dass sicherlich erneut vielen Erwachsene gefällt. Geschrieben in einem guten, fesselnden Schreibstil, bestückt mit charakterstarken Figuren, liefert die Handlung einen sehr menschlichen, kritischen Blick auf das Verhalten von Menschen, sei es im positiven oder auch negativen Sinne. Und ja, es gibt jede Menge untoter Wesen, die mich aber auch nicht abschrecken, wobei ich Zombies eigentlich gar nicht mag 🙂 Ich freue mich schon jetzt auf den Folgeroman. 

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© Buchwelten 2014

Silber – Das erste Buch der Träume von Kerstin Gier

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Fischer Verlag (FJB)
insgesamt 411 Seiten
Preis: 18,99 €
ISBN: 978-3-8414-2105-0
Kategorie: Jugendbuch

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Olivia, Rufname Liv, Silber lebt ein bislang eher unbeständiges Leben. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Mia, dem Kindermädchen Lottie, dem Mischlingshund Princess Buttercup (kurz: Butter) und natürlich ihrer Mutter Ann ist es die 15-jährige gewöhnt nirgends lange zu Hause zu sein, sondern ständig umzuziehen. Dies hat mit dem Beruf von Livs Mutter zu tun, doch dass soll sich nun ändern.

Gerade frisch in London eingetroffen offenbart Livs Mutter ihren „Mäusen“, dass sie nicht, wie geplant in ein schnuckeliges Cottage ziehen, sondern in das Haus ihres neuen Lebensgefährten mitten in London. Dieser Mann, Ernest, hat ebenso zwei Kinder. Zwillinge um genau zu sein. Grayson und Florence. Sie sind natürlich genauso „begeistert“ von den Plänen ihres Vaters, wie Liv und Mia.

Das aber wirklich aufregendste was Liv nach ihrem Umzug passiert, sind ihre Träume. Und zwar nicht irgendwelche, einfachen Träume. Sie trifft in ihnen Personen, die sie noch nie gesehen hat, besucht Orte, die sie ebenfalls noch nie aufgesucht hat und läuft über einen Korridor, der mit Unmengen von Türen gesäumt sind, die sich alle unterscheiden.

Als Liv dann in der Schule auf genau die Jungs aus ihren Träumen trifft, ist sie nicht nur verwirrt, sondern auch mehr als neugierig. Denn Liv liebt alles was spannend, aufregend und rätselhaft ist.

Als sich dann noch herausstellt, dass die Jungs mit ihr gemeinsam träumen, sich also an die nächtlichen Treffen erinnern und Liv dann auch noch um Hilfe bitten, kann sie einfach nicht widerstehen …

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Silber ist der erste Band der neuen Trilogie von Kerstin Gier für das jugendliche Publikum. Nach der sehr erfolgreichen Edelstein-Trilogie, war/ist der Anspruch der Leser sicherlich relativ hoch. Da ich von eben der Reihe sehr begeistert war, war natürlich auch ich sehr neugierig und gespannt auf den ersten Roman der neuen Reihe.

Die Idee der Geschichte gefällt mir gut, der Schreibstil ist jedoch einfacher gehalten, als in der letzten Reihe. Die Zielgruppe sind in erster Linie die jugendlichen Leser, der Stil ist hier aber oft eher auf Kinderbuchniveau gehalten. Es gibt z.B. Passagen im Buch, in denen sich das Kindermädchen der Protagonistin verguckt und dann spricht sie in verdrehten Worten, sie sagt etwa statt Blaubeer-Muffins – Maubeer-Bluffins, oder so. Das finde ich einmal recht lustig, mehrfach wiederholt aber eher übertrieben. Dann habe ich eine Stelle gelesen, wo Liv etwas sagte und dann folge eine Aussage wie ‚das geschah in echt‘ und in übernächsten Satz folgte dann erneut ‚auch wie in echt‘. Das ist nicht wörtlich wiedergegeben, aber ähnlich steht es geschrieben. Diese Formulierungen trugen u.a. dazu bei, dass mich der neue Roman nicht so packen konnte, wie die Vorgänger, die mich absolut gefesselt haben.

‚Silber‘ ist eine nette Geschichte, die sich auch wieder flott und schnell lesen lässt, irgendwie den Vorgängern sehr ähnlich ist, dennoch eben anders. Ich kann es schwer erklären.

Die Aufmachung des Buches ist sehr verspielt. Das Cover ist ähnlich gestaltet, wie die der Edelstein-Reihe, sehr verschnörkelt, mädchenhaft und hübsch anzusehen. Hier gefällt mir, dass das Buch auch unter dem Schutzumschlag schön bedruckt ist und auch ohne ‚Hülle‘ optisch was hermacht. In diesem Roman zieren jedoch zusätzlich noch Blütenranken diverse Buchseiten.

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für den neuen Jugendbuchroman von Kerstin Gier, der mir zwar gefiel und auch nett zu lesen war, mich dennoch nicht so packen konnte, wie die Vorgänger.

Ein kleiner Vergleich fällt mir ein, der sich nicht auf die Handlung, sondern wirklich nur auf das Level des Schreibstils bezieht:  J. K. Rowling hat bei den Potters auch in einem ganz einfachen Schreibstil begonnen und sich dann ab Band 3 vom Niveau extrem gesteigert. Ich würde also die Edelstein-Trilogie mit den späteren Potters vergleichen, Silber dafür eher mit den zwei ersten Teilen.

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© Buchwelten 2014

Die Voliere von Marc Oliver Bischoff

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Erschienen als Taschenbuch
im grafit-Verlag
insgesamt 448 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-3-89425-420-9
Kategorie: Krimi

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Die Polizeipsychologin Nora Winter hat gerade erst ihren neuen Job angetreten, als schon eine schwerwiegende Aufgabe auf sie zukommt. Frisch von der Mordkommission zum ZPD (Zentraler Polizeipsychologischer Dienst) soll sie drei Schwerverbrecher begutachten, damit diese in das staatliche Programm der Resozialisierung aufgenommen werden.

Nora Winter besucht alle drei Kandidaten in der JVA um sie persönlich kennenzulernen, mit ihnen zu sprechen, bevor Sie ihr Gutachten verfasst (was nicht die Regel ist, viele Gutachten werden erstellt, ohne dass die Personen überhaupt angehört werden).
Winter lernt die unterschiedlichsten Typen Mensch kennen: Einen ehemaligen Lehrer, der zwei junge Schüler entführt, gequält und getötet hat. Einen Naturfreak, dessen erklärtes Ziel der Regenwald ist und der auf Grund dessen, ein berüchtigter Heiratsschwindler ist und zuletzt, den Mann, der so groß ist, wie ein Riese und der Mittäter einer Entführung war, der allerdings heute alles dafür tun möchte, um ja nicht aus der JVA entlassen zu werden.

Keine leichte Aufgabe, denn einerseits sollte jeder Straftäter eine zweite Chance erhalten, zeigen dürfen, dass er bereut und er seine Schuld eingesteht und gewillt ist, sich zu ändern. Aber andererseits hat fast jeder ein verständliches Problem damit, einen brutalen Mörder wieder in die Gesellschaft zu entlassen, ohne Angst zu haben, dass dieser erneut straftätig wird und somit eine Gefahr für die Bürger darstellt.

Die Männer werden entlassen, werden in einem alten Gutshof mitten im Wald einquartiert, wo sie versuchen (sollen) ihren Alltag in Freiheit selber zu organisieren und sich langsam wieder an ein Leben außerhalb der JVA-Mauern zu gewöhnen. Doch die Emotionen der Bewohner des kleinen Dorfes kochen schnell hoch, sie wollen diese Männer in keinem Fall in ihrer Nähe haben. Die Situation eskaliert und Nora Winter ist mittendrin, denn sie hat zu den Männern Vertrauen gefasst und versucht ihnen in ihrer Freizeit gesondert mit Rat und Tat zur Seite zu stehen …

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Entgegen zum ersten Roman des Autors „Tödliche Fortsetzung“, hat mir dieser zweite Roman um die Psychologin Nora Winter, der KEINE Fortsetzung ist, eindeutig besser gefallen.

Für mich war der erste Roman trotz des gehobenen Schreibstils des Autoren eher „nur“ guter Durchschnitt, was die Handlung angeht. Auch die Protagonistin war mir während der gesamten Handlung nicht so 100%ig ans Herz gewachsen.

In diesem Roman hat Marc Oliver Bischoff sich nicht nur ein heikles Thema ausgewählt, er hat auch eine sehr gute, vielschichtige und verwobene Handlung darum gesponnen, die den Spannungsbogen durchgehend hält.

Die Figuren hat er gut und vor allem interessant dargestellt, sowohl die Charaktere und Eigenschaften der Straftäter, als auch die der Dorfbewohner, deren Reaktionen der Leser auf der einen Seite sicher versteht, auf der anderen Seite jedoch nur den Kopf schüttelt. Auch die Figur der Nora Winter ist mit diesem zweiten Teil gewachsen, sie war für mich hier weitaus menschlicher und greifbarer als noch im ersten Roman.

Wie auch in „Tödliche Fortsetzung“ schreckt der Autor vor heftigen, blutigen Szenen nicht zurück. In der Beschreibung derer erreicht er locker Thrillerniveau. Diese Textstellen sind nicht unbedingt etwas für Zartbesaitete Leser.

Das Buch präsentiert der Verlag wieder als Taschenbuch, mit einem schlichten Cover, wie es eigentlich alle grafit-Cover sind. Sie passen zum Thema, sind aber nie reißerisch. Dieser zweite Roman ist um knappe 100 Seiten stärker als der erste Krimi des Autors

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für einen spannenden, fesselnden Krimi, der ein heikles und sicher schwieriges Thema aufgreift. Er ist ausgefüllt mit guten Charakteren und liefert einen guten Spannungsbogen. Für mich ein gutes Stück besser als der erste Roman des Autors.

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemlars.

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© Buchwelten 2013

Lost Land – Die erste Nacht von Jonathan Maberry

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Thienemann
528 Seiten
Preis: 16,95 €
ISBN: 978-3-522-20151-3
Katergorie: Jugendbuch (ab 13 Jahre)

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Benjamin Imura, Rufname Benny, ist gerade 15 Jahre alt und lebt alleine mit seinem Bruder Tom, dem berühmt, berüchtigten Zombiejäger. Benny ist eigentlich ein ganz normaler Teenager, der Freunde hat und in einer beschaulichen Kleinstadt lebt. Das allerdings eher Ungewöhnliche ist, dass diese Stadt – Mountainside – ringsum von Zäunen umgeben ist, um die Bewohner vor den lebenden Toten, den Zombies, zu beschützen, die hinter der Grenze im Leichenland leben.

In der ersten Nacht geschah es, dass die Toten zum Leben erwachten, wiederauferstanden und nun von dem Amerika, wie man es kannte, nichts mehr übrig ist. Die Bewohner in Mountainside leben ohne Strom, Handys, Fernsehen, Computer, Autos und sonstigen Luxus. Auch wenn die Möglichkeit bestünde, diese technischen Dinge wieder ans Laufen zu bekommen, die Menschen weigern sich strikt, geben sie doch der Elektrizität Mitschuld am Aufstand der Toten.

Tom Imura, Bennys Halbbruder, ist ein sogenannter Zombiejäger. Zu seiner Arbeit gehört, dafür zu sorgen, die wandelnden und ständig hungrigen Angreifer von der Stadt fernzuhalten und dadurch natürlich auch vollends zu töten. Benny hasst seinen Bruder Tom abgrundtief, gibt er ihm doch die Schuld am Verlust der Eltern. Benny war noch ein Baby, gerade einmal 18 Monate alt, als seine Mutter ihn Tom mit der Anweisung wegzulaufen überließ. Die Eltern wurden ebenso Opfer der ersten Nacht und Benny hat noch heute das Bild seiner rufenden Mum vor Augen, als sie die Jungen wegschickte. Benny gibt Tom die Schuld daran, dass er seine Eltern an die Zombies verlor und für ihn ist Tom kein Held oder der angesehene Kopfgeldjäger wie bei den anderen Bewohnern der Stadt, sondern nichts anderes als ein Feigling.

Mit 15 Jahren sind die Jugendlichen von Mountainside verpflichtet, sich einen Job zu suchen, damit ihre Verpflegungsrationen nicht gekürzt werden. Sie besuchen danach weiterhin die Schule, denn die gibt es nach wie vor, dann jedoch nur Teilzeit. Tom bietet ihm eine Lehrstelle im „Familienunternehmen“ an, doch dass ist genau dass, was Benny nicht will.

Doch die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, sein Freund hat bereits eine Arbeit als Wachposten am Zaun bekommen und Benny hat nach wie vor keinen Job. Als Tom ihm erneut anbietet, gemeinsam mit ihm ins Leichenland zu gehen und somit seinen „Beruf“ zu erlernen, sagt Benny schweren Herzens zu. Einerseits widerstrebt es ihm nach wie vor mit seinem aufgeblasenen Bruder Zombies zu jagen, doch andererseits ist es immerhin ein Job und eine gewisse Neugier – natürlich neben der Angst – für das Land hinter dem Zaun ist in Benny auch vorhanden.

Somit machen sich die Brüder auf den Weg hinaus ins Leichenland und überraschender Weise scheint Tom hier draußen ein völlig anderer Mensch zu sein, als Benny dachte. Oder nimmt Benny seinen beliebten und geachteten Bruder Tom plötzlich nur mit völlig anderen Augen wahr ….

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Ich habe das Buch eben erst beendet und somit sind die Eindrücke der Geschichte noch recht frisch in meiner Erinnerung. Zunächst vorneweg: Ich bin weder ein Fan von Zombiegeschichten, noch kenne ich die Filme, mit denen der Roman „verglichen“ wird. Dennoch hatte mich die Inhaltsangabe des Buches sofort angesprochen. Zwei Brüder, zwischen denen der Hass herrscht und die sich zwingend zusammenraufen müssen, dass war es, was mich angesprochen hat.

Ich hatte noch nicht viele Seiten des Romans gelesen, da war es ein Wort, dass sich mir ins Hirn brannte: Menschlich. Ich empfand diese Geschichte als sehr menschlich, was ich im Hinblick auf eine apokalyptische Welt, bevölkert mit zerfledderten Zombiewesen nicht unbedingt erwartet hatte. Doch genau dass ist es, was diese Geschichte ausmacht.

Jonathan Maberry hat einen Roman geschaffen, der von seinen tiefgründigen und sehr intensiven Charakteren lebt. Diese zwei Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, führen sehr intensive Gespräche, die absolut echt, gefühlvoll und teilweise sogar sehr philosophisch sind.

Ich empfand die Wandlung, die Benny vom aufsässigen Teenager zu einem reifen jungen Mann mit einer guten Einstellung, viel Mut und dennoch auch einer Menge Ängsten durchgemacht hat, nicht nur sehr fesselnd, sondern auch menschlich hochinteressant.

Sicherlich kommen auch die Zombies in der Geschichte ausreichend vor und sie sind auch ausführlichst beschrieben, was natürlich schön ekelig und stellenweise recht brutal ist. Aber dieser Roman ist meilenweit von einem stupiden Leichengemetzel entfernt. Vielmehr geht es um solch tiefsinnige Fragen wie: Waren diese Wesen nicht auch einmal Menschen? Eine Mutter, ein Vater, ein Kind, welches geliebt wurde und ein Ende in Frieden verdient hat?

Die Wege und Abenteuer, die ich mit Tom und Benny Imura bestritten habe, waren sehr fesselnd und haben mich ganz oft berührt. Wo ich wieder bei meinem ersten Eindruck angekommen wäre: Menschlichkeit.

Das Buch wird vom Thienemann Verlag in einer schönen gebunden Ausgabe präsentiert. Das rote Cover mit dem Stacheldrahtzaun gibt die Szenerie gut wieder und was ich besonders gut finde: Das Buch ist unter dem Schutzumschlag komplett, identisch bedruckt. Es macht also auch hüllenlos einen sehr guten Eindruck im Regal.
Empfohlen wird er Roman vom Verlag für Leser ab 13 Jahren, was ich als passend empfinde.Der Schreibstil ist, wenn auch gehoben und tiefsinnig, absolut verständlich. Die Kapitel sind nicht zu lang und die Handlung zieht sich überhaupt nicht.

Der 54-jährige Autor hat schon einiges geschrieben, u.a. das Drehbuch zum Film „Wolfman“. Und dass er vor vielen Jahren ein bekannter Jujitsu Kämpfer war, hat er sehr gut in seine Handlung einfließen lassen.

Geplant sind für diese Reihe vier Bände, der zweite ist bereits geschrieben. Wann er dann jedoch übersetzt ist und in Deutschland veröffentlicht wird, bleibt erst einmal abzuwarten. Ich, der totale Anti-Zombie-Fan freue mich allerdings jetzt schon sehr darauf. Ich kann es kaum erwarten zu lesen, wie die Geschichte mit Tom und Benjamin Imura im Leichenland weitergeht.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Zombie Roman, der sehr viel mehr ist, als das Umherwandern von auferstandenen Toten. Eine fesselnde Geschichte mit viel Hintergrund und Tiefsinn, die von ihren lebensechten und charakterstarken Figuren lebt. Auch dieser Roman wird von mir wieder als All-Age Roman eingestuft, meine absolute Leseempfehlung auch für Erwachsene!

Ich danke Amazon für die Bereitstellung des Rezensionsexemlars.

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INTERVIEW mit Jonathan Maberry

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© Buchwelten 2012

Endlich sind sie tot! von Sebastian Stammsen

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Erschienen als Taschenbuch
im grafit Verlag
376 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN: 978-3-89425-412-4
Katergorie: Krimi

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So einen schrecklichen Tatort hat die Krefelder Kripo noch nie vorgefunden. In einem unscheinbaren, „normalen“ Mehrfamilienhaus hat sich das Wohnzimmer der Familie Brose in ein Schlachthaus verwandelt. Drei Mitglieder der Familie, der Vater, die Mutter und der älteste Sohn, hängen kopfüber von der Decke. Die Leichen sind übelst zugerichtet, stundenlange Folter müssen die Toten vor ihrem Ende erfahren haben.

Die Sachlage scheint überraschend einfach. Denn der jüngere Sohn der Familie, der 16-jährige Marvin, sitzt in der Diele Wohnung apathisch und völlig verstört auf einem Stuhl. Er lässt sich ohne ein Wort oder überhaupt eine Reaktion abführen. Marvin ist der Mörder, das steht fest. Doch die Frage ist, wie hat der schmächtige 16-jährige solch grausame Morde verüben können, warum hat er das getan und wie hat er es körperlich geschafft, die Opfer an die Decke zu hängen?

Kommissar Oliver Busch kommt an den Tatort und ist nicht nur wegen des vorgefundenen Schlachthauseindrucks geschockt. Vor der Türe stehen pink farbige Pumps, das heißt, sein Vorgesetzter hat „Psycho-Barbie“ Daniela Ellinger hinzugezogen. Das fehlt im gerade noch, denn auf diese Blondine mit ihren bonbonfarbenen Kostümchen hat er gar keine Lust. Und das liegt nicht nur an ihrem äußerlichen Erscheinungsbild (er kann ja nicht wissen, dass die Ellinger diese Berufskleidung als Schutzwall benutzt, den sie Abends mit allen Problemen ihrer Patienten ablegt).

Busch kann mit diesen Psychologen nichts anfangen, denn er ist der festen Überzeugen, dass diese nur darauf aus sind, psychologisch zu belegen, dass ein extremer Straftäter auf Grund einer schrecklichen Kindheit zum Mörder wurde und somit seiner gerechten Strafe entgeht.

Es gibt keinen Weg daran vorbei. Die Ellinger wird im als „Partnerin“ zur Seite gestellt, sie soll helfen, das Motiv des Mörders zu ermitteln. Dummerweise wurde sein regulärer Partner Lars auch noch kurzfristig weggerufen, was diesem wiederum beim Anblick der Leichen gar nicht schwerfiel.

Also begibt sich das ungleiche Paar, Bruce Willis Verschnitt Busch und Psycho-Barbie Ellinger, an die Arbeit. Bereits nach ersten Befragungen der Nachbarn stellt sich heraus, dass die Familie Brose über Jahre hinweg sämtliche Mitbewohner des Hauses regelrecht terrorisiert hat. Egal wen Busch und Ellinger aufsuchen, alle sind erleichtert und froh, dass diese Leute ermordet wurden und fort sind: Endlich sind sie tot! …

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Psychokrimi, dass ist das erste was mir zu diesem Roman einfällt. Es gibt Krimis, Thriller und Psychothriller. Psychokrimis gibt es nicht, vielleicht sollte dieses Genre eingeführt werden. Denn genau als solchen würde ich dieses Buch bezeichnen.

Die Handlung ist nicht nur spannend und fesselnd, und dass obwohl ja offensichtlich ist, wer die Morde begangen hat, sondern eben auch sehr psychologisch. Ausführlich wird beschrieben, wie der 16-jährige Marvin untersucht, befragt und beobachtet wird, um in sein Hirn zu schauen und herauszufinden, was geschehen ist und was der Hintergrund der Tat war.

Auch die Nebenrollen, die Bewohner des Hauses, die ja alle extremen Belästigungen ausgesetzt waren, werden sehr psychologisch umschrieben, denn bei Terror – über Jahre hinweg – leidet auch jede normale Seele .

Der Schreibstil ist nicht einmal sonderlich gehoben, sondern eher flott und einfach. Dennoch fesselt die Handlung bis zuletzt, was natürlich auch an den beiden total gegensätzlichen Protagonisten liegt. Hier hat der Autor es außerdem sehr geschickt gemacht, dass er die Kapitel nicht klassisch gewählt hat.

Er wechselt kapitelweise immer zwischen Daniela und Oliver. Jeder erzählt die Handlung aus der Ich-Perspektive, was die Gedankengänge des jeweils anderen beinhaltet. Und die sind interessant zu verfolgen. Jeder der beiden hat seine eigene Sichtweise auf den Fall und den Kollegen. Wie sich die beiden dennoch zusammenraufen (müssen) und dann zusätzlich noch recht erfolgreich miteinander arbeiten macht schon Spaß zu verfolgen.

Was mir zusätzlich noch besonders gut gefiel war die Nebenrolle des behinderten Dirk. Menschen mit geistiger Behinderung sind nicht die klassischen Charaktere eines Romans, besonders nicht in einem Krimi. Und wir alle haben ja oft Berührungsängste diesen Menschen gegenüber, was aber eigentlich völlig unbegründet ist. Der behinderte Dirk ist hier so ein liebenswerter Mensch, der sehr eifrig einer Arbeit nachgeht und sich offen und ehrlich freuen kann. Auch wie der Autor den Umgang durch seinen Kommissar Busch mit diesem behinderten jungen Mann beschrieben hat, war absolut überraschend und gut geschrieben.

Das Ende des Romans nenne ich einfach mal psychologisch wertvoll und passend, es hat mich nicht enttäuscht.

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Mein Fazit: Eine gute Gesamtbewertung von 5 Sternen für diesen Roman, der von mir als Psychokrimi bezeichnet wird. Rasend, flott, oft amüsant aber auch hintergründig und erschreckend. Opfertechnisch stellenweise sicher nichts für schwache Lesernerven, doch spannend und gut ausgearbeitet. Ich hatte ihn ihn zwei Tagen „inhaliert“.

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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© Buchwelten 2012