Von Frauen, Fremden und Phantomen von Georg Adamah

Erschienen als Taschenbuch
Independently published
insgesamt 238 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-1700693594
Kategorie: Drama, Liebe, zeitgenössische Belletristik

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Kurzgeschichten, die lose miteinander verbunden sind und zeigen, wie Liebe, Sehnsucht, Rache, Begierde, Freundschaft und Verrat im Leben „funktionieren“.

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Ein neues Buch von Georg Adamah? Klar war ich neugierig, was sich der Autor von „Die Sonne über dem südlichen Wendekreis“ (in einer früheren Version auch unter dem Titel „Liliths Töchter, Adams Söhne“ erschienen) ausgedacht hat. „Von Frauen, Fremden und Phantomen“ wird als Fragment eines Romans bezeichnet. Besser könnte man die Geschichte(n) gar nicht bezeichnen, denn man bekommt durchaus einen Roman geboten, der sich allerdings erst durch verschiedene Kurzgeschichten zu einem Ganzen verwandelt. Wie schon beim obengenannten „Die Sonne über dem südlichen Wendekreis“ macht das vorliegenden Buch ungemein Spaß, zumal es auch noch jede Menge (Lebens-)Wahrheiten verbirgt, die einen daran erinnern, wie man sich selbst oft verhält. Man erkennt sich also immer wieder.
Adamah hält sich, wie bereits in seinem ersten Roman, nicht wirklich an die gängigen Konventionen in der Literaturwelt. Und das ist auch gut so, denn sowohl vom Aufbau als auch von der sprachlichen Innovation kenne ich wenige Romane, die derartig verfasst sind. Die wörtliche Rede ist nicht entsprechend gekennzeichnet, so dass man schon aufmerksam lesen muss, um das Geschriebene in all seinen Facetten zu verstehen. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, fällt es natürlich leichter.

Der Aufbau der Geschichte(n) hat mich erneut fasziniert. Es liest sich kompliziert und dennoch so unglaublich flüssig. Es ist eine Kunst, so zu schreiben, ohne dass der Leser den Faden verliert und alles in jedem Detail versteht. Georg Adamah kann sehr gut schreiben und man vergisst seinen ganz besonderen, eigenen Stil nie wieder. Ich habe mich in den Storys teilweise richtiggehend verloren, weil sie von Melancholie bis über Hass und Verrat alles beinhalten und in einem das Gefühl wecken, man liest eine emotionale Biografie. Vor allem die Gefühle sind bei Adamah groß geschrieben und werden sehr authentisch und nachvollziehbar beschrieben. Dass sich der Autor sozusagen als Hauptperson einbringt, mag für den ein oder anderen etwas seltsam wirken, wenn man aber den Sarkasmus darin erkennt, macht es zum einen Sinn und zum anderen eben enormen Spaß. Oft habe ich mich dabei ertappt, dass ich während des Lesens schmunzeln musste. Auch dieses Herangehensweise vermittelt den Eindruck, man hätte es mit einer Art Lebensgeschichte des Autors zu tun. „Von Frauen, Fremden und Phantomen“ ist für mich ein ganz besonderes Buch, weil es mich auf eine sehr eindrucksvolle Reise mitnimmt, die direkt aus dem Leben gegriffen scheint. Niemals langweilig, immer intensiv und ehrlich. Ein Buch, das man bestimmt immer wieder gerne in die Hand nimmt und darin schmökert.

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Fazit: Unterhaltung auf hohem Niveau. Witzig, melancholisch, ehrlich. So muss ein Buch sein.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Et Os Fabulas Sanguinis (Anthologie)

et os

Erschienen als Taschenbuch
im Eigenverlag
164 Seiten
10,00 €
ISBN: 978-1-694744-58-8
Kategorie: Anthologie, Horror, Hardcore

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Drei junge Autoren entführen den Leser mit acht Geschichten in eine abscheuliche Welt aus Blut und Gewalt.

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Acht Geschichten, die (nicht nur wegen des genialen Covers) an die Fernsehserie „Geschichten aus der Gruft“ erinnern. Nun gut, sagen wir mal so, der Aufbau und die Atmosphäre der Geschichten erinnert daran, der Inhalt in einigen Aspekten dann eher nicht. 🙂 Im Klartext soll das heißen, dass nicht jeder Leser mit dem, was er da serviert bekommt, auch klar kommt. Denn man muss diese Art Hardcore-Horror schon mögen, um zumindest einigermaßen Gefallen daran zu finden. Splatter und auch pornografische Einlagen finden sich nämlich in fast jeder der Geschichten aus „Et Os Fabilas Sanguinis“, so dass es mit Sicherheit den ein oder anderen Leser gibt, der angewidert das Gesicht verzieht, wenn er irgendwelche unanständigen Wortkreationen oder Beschreibungen oder extrem gewaltsame Handlungen zu lesen bekommt. Aber genau das macht diese Anthologie wiederum aus, denn sie wendet sich schlichtweg an das etwas andere Publikum. Das wiederum soll aber nicht heißen, dass die beiden Autoren Marcel Hill und Dominik Heit zusammen mit ihrer Autorin Alida Gersonde nicht auch den klassischen Horror bedienen. Es ist eine perfekte Mischung aus beidem, sofern man an ersterem, wie gesagt, Gefallen findet.

Der Schreibstil der drei Mitwirkenden ist überwiegend einfach gehalten, aber man kann den Autoren durchaus fantasievolle und auch filmreife Ideen zusprechen, die nach Beendigung der Lektüre sogar noch weitaus interessanter wirken als während des Lesens. Das spricht für die Aussagekraft der drei Verfasser, die es nämlich schaffen, dass die Geschichten allesamt in Erinnerung bleiben.
Ich hatte auf alle Fälle großen Spaß mit den Geschichten und fühlte mich hervorragend unterhalten, zumal sich die Plots in ihrem Gesamtbild größtenteils abseits des Mainstreams bewegen und  allein schon deswegen Aufmerksamkeit verdienen.

Werfen wir noch kurz einen Blick auf die Autoren im Einzelnen: Dominik Heist ist derjenige, der sich überwiegend im Mittelfeld bezüglich Gore- und Sexgehalt des Dreiergespanns bewegt. Seine Geschichten sind stimmungsvoll und trotz mancher Härte noch weitestgehend publikumstauglich. Anders sieht es da bei Marcel Hill aus: Er geht mit seinen Stories in die Vollen und nimmt kein Blatt vor den Mund, egal ob es um Sexpraktiken oder Brutalitäten geht. Wie oben bereits erwähnt, solche Geschichten sind nicht jedermanns Geschmack und wirken oftmals sogar verstörend oder abstoßend, wenn man sich nicht darauf einlassen kann. Dieses Genre beherrscht Hill allerdings absolut, wobei ich mir manchmal tatsächlich an der ein oder anderen Stelle doch eine weniger vulgäre Ausdrucksweise gewünscht hätte. Aber hier sind die Geschmäcker (glücklicherweise) verschieden.
Alida Gersonde hält sich am meisten diesbezüglich zurück und schafft mit ihrer atmosphärischen Geschichte einen wirklich wunderbaren Abschluss dieser Anthologie. Es steckt viel Potential in allen drei Autoren, das auf alle Fälle sogar noch ausbaufähig ist.
Erwähnenswert ist unbedingt noch das sehr ansprechende und gut formulierte Vorwort von Christopher Derayes, das ungemein hilft, die Geschichten zu „verstehen“.
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Fazit: Stimmungsvoll, brutal, derb und unterhaltsam.

© 2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Flug und Angst von Stephen King und Bev Vincent (Hrsg.)

flugangst

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 446 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN: 978-3-453-43981-1
Kategorie: Horror

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Unheimliche Geschichten über das Fliegen.

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Auf diese von Stephen King und Beth Vincent herausgegebene Anthologie über Flugangst war ich schon sehr gespannt. Und, um es gleich vorwegzunehmen, ich wurde absolut nicht enttäuscht. Hier wurde eine hervorragende Sammlung zwischen alten und neuen Geschichten, bekannten und unbekannteren Autoren zusammengetragen, die das Thema in vielen verschiedenen Facetten behandelt. Die Erzählstile der Geschichten sind natürlich vollkommen verschieden, aber dennoch bewegt sich das Gesamtbild dieser Anthologie auf sehr hohem Niveau.

„Cargo“ von E. Michael Lewis stellt im Grunde genommen eine typische Gruselgeschichte dar, die allerdings ein Flugzeug als Schauplatz hat. Sehr stimmungsvoll wird hier eine wirklich unheimliche Geschichte erzählt.

In „Das Grauen der Höhe“ von Arthur Conan Doyle spürt man zwar das Alter der Geschichte, dies tut aber der Qualität und auch der Spannung absolut keinen Abbruch und zeigt, welche Fantasien man damals hatte, was jenseits der Wolken im Weltall auf uns wartet.

„Albtraum auf 20.000 Fuß“ von Richard Matheson stellt für mich den ersten Höhepunkt dieser Kurzgeschichtensammlung dar. Wer Steven Spielbergs Film „Unheimliche Schattenlichter“ kennt, erinnert sich mit Sicherheit an die Geschichte eines Fluggastes, der ein unheimliches Wesen während des Fluges auf einem der Flügel sieht. Matheson beschreibt das Grauen, das in diesem Mann vorgeht, perfekt .

Die lediglich nur eine Seite andauernde, minimalistische Kurzgeschichte „Die Flugmaschine“ von Ambrose Bierce mag auf den ersten Blick eher belanglos erscheinen, doch letztendlich denkt man über die in nur wenigen Sätzen verfasste Story erstaunlicherweise langanhaltend nach.

Die darauffolgende Story „Luzifer!“ von E. C. Tubb ist eigentlich eine Science-Fiction-Geschichte, die aber auf sehr beeindruckende Art und Weise eine Flugangst ausdrückt, die einem wirklich Gänsehaut beschert. Dieses Szenario lässt einen lange nicht mehr los.

Es folgt „Die fünfte Kategorie“ von Tom Bissel. Auch diese Geschichte hat einen besonderen Reiz, konnte mich aber letztendlich inmitten der anderen grandiosen Stories nicht ganz so überzeugen .

Doch die nachfolgende Geschichte von Dan Simmons mit dem Titel „2 Minuten 45 Sekunden“ konnte mich dann sofort wieder absolut überzeugen, was mit Sicherheit auch an dem phantastischen Schreibstil des Autors liegt.

„Diablitos“ von Cody Goodfellow war ebenfalls spannend zu lesen, konnte aber gegen die besseren Geschichten nicht wirklich antreten.

„Luftangriff“ von John Varley behandelte ebenfalls ein schreckliches Szenario, das einem unter die Haut geht. Auch hier wurde das Geschehen absolut gut und eindringlich beschrieben, sodass es im Gedächtnis haften bleibt .

Natürlich durfte bei dieser Kurzgeschichtensammlung Stephen Kings Sohn Joey Hill nicht fehlen. Seine eigens für diese Anthologie verfasste Kurzgeschichte „Freigabe erteilt“ zählt mit zu den besten dieser Sammlung.

Es folgen zwei Kurzgeschichten die absolut lesenswert sind, aber vom Spannungsbogen nicht ganz zu den Vorgängergeschichten  passen. Die eine trägt den Titel „Kriegsvögel“ und ist von David J. Schow verfasst und die andere von SF-Altmeister Ray Bradbury heißt „Die Flugmaschine“.

Die von Beth Vincent verfasste Geschichte „Zombies im Flugzeug“ erinnert, wie der Titel bereits vermuten lässt, natürlich an den Film „Snakes on a Plain“ mit Samuel L Jackson und liest sich absolut unterhaltend.

Es folgt die autobiografisch angehauchte Geschichte „Alt werden sie nicht“ von Roald Dahl, die zwar handlungstechnisch absolut in die Sammlung passt, aber altersbedingt mit den neueren Geschichten spannungstechnisch leider nicht mithalten kann.

Es folgt „Mord im Himmel“ von Peter Tremayne, der einen typischen Kriminal- und Mordfall erzählt, allerdings während eines Fluges. Auch hier wird man bestens unterhalten.

Die vorletzte Story ist von Stephen King selbst und kann in jeder Hinsicht, wie nicht anders zu erwarten war, überzeugen. Sie trägt den Titel „Ein Fachmann für Turbulenzen“.

Der letzte Beitrag stammt von James Dickey, dem Verfasser des bekannten Dramas „Beim Sterben ist jeder der erste“. Es ist ein Gedicht, dass man hier zu lesen bekommt, und das einen wirklich nachhaltig beeindruckt. Ich habe selten so eine intensive Geschichte in Gedichtform gelesen, die sich derartig nachhaltig ins Gehirn brennt .

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Fazit: Absolut lesenswerte Anthologie über die Angst vor dem Fliegen. Alte und neue Geschichten ergänzen sich hervorragend.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Tschüsschen, Tschüsschen von diversen Autoren

Erschienen als Kindle
bei Paperwork
insgesamt  78 Seiten
Preis:  €
ISBN: 978-
Kategorie: Kurzgeschichten, Horror, Thriller

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Skurrile Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren, die sich aber allesamt auf gleichwertig hohem Niveau befinden.
Die Autoren sind: Mara Winter, Carola Leipert, Herbert Arp, Alexander Kühl, Alexandra Mazar, Julia Dest, Georg Adamah

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Es ist ja immer so eine Sache mit Anthologien, an der verschiedenen Autorinnen und Autoren mitgemacht haben Respekt demjenigen, der das Niveau der Geschichten koordiniert und auf einem gleichmäßigen Level halten kann. So geschehen bei der vorliegenden Sammlung skurriler Geschichten von sieben unterschiedlichen Verfassern, die mühelos ein gleichbleibendes Niveau halten kann, ohne dabei Verschiedenartigkeiten der teilnehmenden Autorinnen und Autoren in irgendeiner Weise zu unterdrücken. „Tschüsschen, tschüsschen“ macht unheimlich Spaß und ist extrem kurzweilig. Aber der Reihe nach …

Den Einstieg macht Mara Winter mit der titelgebenden Kurzgeschichte „Tschüsschen, Tschüsschen!“. Auch wenn der Titel stark an Roald Dahl erinnnert („Küsschen, Küsschen“), der übrigens gewissermaßen ein klitzeklein wenig auch mit der Storysammlung zu tun hat, so geht die Autorin definitiv einen eigenen Weg und serviert eine zwar letzten Endes fast schon ereignislose Geschichte, die sich aber aufgrund des hervorragenden Schreibstils und der dahintersteckenden Idee mit unzähligen Interpretationsmöglichkeiten für den Leser ins Gehirn einnistet. Ein absolut gelungener Opener der Anthologie.

Weiter geht es mit Carola Leipert, die sich in erster Linie in ihren Romanen mit den Themen Romantik, Freundschaft, Spannung und Abenteuer befasst. Ihre Geschichte „Alte Gewohnheiten“ befasst sich im Grunde genommen auch mit eben diesen Themen, nimmt aber gegen Ende hin eine Wendung, die zum Nachdenken anregt. Die Erzählung spiegelt das (Zusammen-)Leben von wahrscheinlich sehr vielen Paaren wieder und kann mit einem Ende aufwarten, das mich an die Auflösungen einiger „Geschichten aus der Gruft“ erinnert hat.

Herbert Arps „Stummes Vermächtnis“ geht in eine völlig andere Richtung als die Vorgängergeschichten, regt aber genauso zum Nachdenken an. Man muss sich erst an den Schreibstil etwas gewöhnen, um die Tiefe hinter dieser Geschichte voll erfassen zu können. Kann man sich darauf einlassen, erwartet den Leser eine ganz besondere Geschichte, die einen noch im Nachhinein beschäftigt und eine Weile nicht mehr loslässt. Herbert Arp ist Journalist, der sich auf berichte über Computerspiele spezialisiert hat. Sein „Stummes Vermächtnis“ zeigt, dass er auch das Schreiben von intelligenten Kurzgeschichten beherrscht.

Kommen wir zu Alexander Kühl, den einige vielleicht durch seinen bei Redrum Books erschienen Hardboiled Thriller „Runaways“ kennen. Kühl legt mit „Lisa“ einen erschreckenden und zugleich tief traurigen Beitrag vor, bei dem man ebenfalls bereits während des Lesens ins Grübeln kommt. „Lisa“ ist eine Liebesgeschichte, die letztendlich auf zwei Ebenen abläuft und von Verlustängsten, aber auch Liebe und Hoffnung erzählt. Ich habe diese Geschichte sehr genossen, zumal sie uns ins Innere von Menschen sehen lässt, die sich Problemen nicht stellen mögen (oder können) und sogar die Liebe dafür aufgeben.

Alexandra Mazar ist Verfasserin des Dramas „Die Farben des Verzeihens“ und schreibt unter einem Pseudonym ebenfalls für den Redrum Verlag. Ihre Geschichte „Nachtkrabb“ behandelt einen Mythos aus dem süddeutschen und österreichischen Raum, der einem Märchen gleicht. Mazar beschreibt den Plot aus Sicht eines Kindes und vermittelt dadurch ein sehr stimmungsvolles Bild. Mazar erzählt fast schon eine klassische Gruselgeschichte, die sich von den vorherigen Storys zwar thematisch unterscheidet, sich aber durch den schönen, bildhaften Schreibstil dennoch in das Gesamtbild der Anthologie einpasst.

Julia Dests „Kreislaufprobleme“ ist erneut eine Geschichte, die mich zum einen tief berührt und zum anderen extremst zum Nachdenken gebracht hat. Die von ihr beschriebene Gedankenwelt der „kindlichen Protagonisten“ ist ihr sehr glaubhaft und emotional gelungen, so dass ich die Geschichte tatsächlich ein zweites Mal lesen musste, um sie in all seinen Konsequenzen zu „begreifen“. „Kreislaufprobleme“ ist der Autorin nachhaltig beeindruckend gelungen und stellt für mich einen der Höhepunkte dieser Sammlung dar.

Dann kommen wir zu Georg Adamah, jenem Herrn, der mich schon mit seinem Roman „Lillits Töchter, Adams Söhne“ begeistert (und beeindruckt) hat. Auch dieser Roman ist im Redrum Verlag erschienen. Er widmet sich in seiner Geschichte „Female (Night)Shift“ natürlich dem Thema „Frauen“. 😉
Und er macht das wieder so herzerfrischend gut und humorvoll, dass ich auch nach dieser Geschichte förmlich süchtig wurde. Adamahs Humor ist, in gleicher Weise wie übrigens auch seine Ideen, unglaublich ehrlich und authentisch. Auch hier kann ich nur wiederholen, dass sich die Story hervorragend in das Gesamtbild der Anthologie einbindet.

Zum Abschluss liefert Carola Leipert noch eine kurze Bonusgeschichte, die ebenfalls philosophisch und melancholisch auf den Leser einwirkt. „Das Kleid“ erzählt in wenigen Sätzen im Grunde genommen ein ganzes Leben (oder was davon übrig bleibt). Mit nur wenigen Worten konnte mich die Autorin erneut begeistern.

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Fazit: Wunderbare Anthologie mit hervorragend aufeinander abgestimmten Storys, die eine Bandbreite von philosophisch, melancholisch über humorvoll bis hin zu gruseliger Spannung abdecken. Absolut zu empfehlen!

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Glaube.Liebe.Leichenschau – Mord am Hellweg VIII

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glaube-liebe-leichenschau
Erschienen als Taschenbusch
im Grafit Verlag
insgesamt 349  Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-89425-474-2
Kategorie: Kriminalanthologie

Der bereits achte Teil der Mord am Hellweg-Reihe lautet Glaube.Liebe.Leichenschau.

Insgesamt 23 Schrifstteller liefern ihre Kurzgeschichte ab, die jeweils in der Region des Hellwegs handeln. Der Verlag verspricht eine abwechslungsreiche Unterhaltung mit Mord und Totschlag, Schuld und Sühne ….

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Als Stammleserin vieler Krimis des Grafit Verlages habe ich diesmal auch die Anthologie Mord am Hellweg VIII ausgesucht. Bekannte, namhafte Autoren wie Horst Eckert, Sebastiak Fitzek, Arno Strobel, Elisabeth Herrmann und Rainer Wittkamp haben hier mitgewirkt. Aber außerdem noch eine ganze Reihe an Schreibern, die mir persönlich noch nichts sagten. Gerade das hat mich neugierig gemacht.

Zwischen 15 und 20 Seiten sind die Geschichten lang und so fliegt man natürlich als Leser relativ flott durch dieses Buch. Der Vorteil einer Anthologie und Kurzgeschichten ist, dass man immer mal wieder eine Geschichte lesen kann, wenn die Lesezeit nicht so ergiebig ausfällt. Der Nachteil ist, dass, wenn man eben doch mehr Zeit hat und einige Geschichten hintereinander wegliest, man schnell wieder die ein oder andere Handlung aus seinem Hirn radiert. So ging es mir ab und an auch. Geschichten, die mir zwar ganz gut gefielen, aber dennoch irgendwie nicht haften geblieben sind.

Andere wiederum schon. Hier einige kleine Beispiele und Stichpunkte:

Rainer Wittkamps „Das Iserlohner Reinheitsgelübde“ nahm eine Wendung, die unvorhersehbar war und gut rüberkam.

In „Als Allah nach Herdecke kam“ von Christa von Bernutz kommen sowohl die tragische Aktualität der Handlung sowie ein guter Spritzer herrlicher Humor nicht zu kurz. Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich musste nicht selten schmunzeln. Eine Autorin, die ich mir merke.

Der österreichische Humor in „Danke Kamen – und sorry für den Toten“ von Georg Haderer hat auch wirklich Spaß gemacht.

Das Mädchen vom Wittener Kreuz“ von Matthias Wittekindt hat mich berührt und betroffen gemacht. Eine Geschichte, die einen schalen Nachgeschmack hinterlassen hat.

In „Kein Fall für Hunter“ hat Judith Merchant den Hauptprotagonisten eines bekannten Autorenkollegen zum Leben erwachen lassen. Da ich diese Reihe nicht kenne, hat es bei mir ein bisschen gebraucht, bis ich es kapiert hatte. Gelungen ist diese Geschichte aber sehr.

Sehr gefühlvoll und sanft, ja, teilweise erotisch liest sich die Geschichte „Atmen in Bad Sassendorf“ von Christian Sebastian Henn. Trotz Krimihandlung bringt der Autor hier eine wundervolle Stimmung in seinen Zeilen unter.

Auch die Geschichten der bekannten Herren wie Horst Eckert und Sebstian Fitzek gefielen mir gut. Bei der Story „UNNAtürlich“ von Sebastian Fitzek liefert der Autor seine altbekannten Wendungen, mit denen ich nie rechne, obwohl es sie doch immer wieder gibt. Diese kleinen Verzwickungen haben aber auch großen Spaß gemacht. WhatsApp hat bekanntlich so seine Tücken ….

Horst Eckert war für mich sehr interessant, weil er hier mit „Der Heiler von Hagen“ eine irgendwie so ganz andere Art von Geschichte liefert, als ich sie sonst von ihm kenne. Hat er gut gemacht. Er kann auch ohne Vincent Veih spannendes erzählen.

Elisabeth Herrmann präsentiert in „Letzer Ausstieg Ahlen“ zwei ganz entzückende, alte Damen, die nicht auf den Mund gefallen sind. Eine spritzige Handlung mit Witz.

Ich könnte noch seitenlang weitermachen, ich denke, dass meine Begeisterung ganz gut herauszulesen ist …

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Mein Fazit: Eine tolle, rasante, böse und humorvolle Anthologie bestückt mit kleinen aber sehr feinen Kriminalgeschichten von bekannten und weniger bekannten Autoren. Hier gebe ich sehr gerne eine klare Leseempfehlung.

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© Buchwelten 2016

Buchwelten im Gespräch mit Jan-Eike Hornauer

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Jan-Eike Hornauer, Herausgeber der Anthologie „GROTESK!“, erschienen im Candela Verlag ist ein sehr vielseitiger Mensch:

Lektor, Herausgeber und Autor. Er bekennt sich „zur Abhängigkeit, kann ohne Texte nicht leben“.

Jan-Eike Hornauer hat sich die Zeit genommen meine Fragen zu beantworten und ermöglicht den Lesern einen kleinen Einblick in die Arbeit einer „Textwerkstatt“.


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Mit „GROTESK!“ hast Du eine Anthologie herausgegeben, die für die heutige Zeit völlig untypisch und gegen den Mainstream ist. Wie kam es zu dieser Idee? 

Ich mag das Genre der Groteske in all seinen unglaublich unterschiedlichen Facetten einfach sehr. Zudem wollte ich gerne ein Buch herausbringen, das schon vom Ansatz her echte literarische Qualität hat. Und ich hatte selbst für dieses Thema auch schon passende Geschichten, bzw. Ideen in petto.
Was für mich allerdings überraschend war: dass der Candela Verlag gleich bei der ersten mündlichen Anfrage spontan zugesagt hat. Schließlich handelt es sich hier um ein anspruchsvolles Nischenthema, und ein Verleger muss ja immer auch wirtschaftlich denken.
Ich hatte also damit gerechnet, zumindest Überzeugungsarbeit leisten zu müssen, Christoph Bizer-Neff aber war sofort sehr angetan von dieser Idee. Eine wirklich schöne Überraschung!

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Wie ging die Arbeit vonstatten? Erzählst Du ein bisschen über die Entstehung von den ersten Überlegungen bis hin zur Veröffentlichung?

Nun, zuerst hatte ich also diese Idee, bin damit dann an den Candela Verlag herangetreten, und dieser hat sofort zugeschlagen. Daraufhin habe ich einen Ausschreibungstext verfasst und ihn gemeinsam mit dem Verlag auf literarischen Onlineplattformen verbreitet. Ohne jede Beschränkung in Alter, Wohnort oder Geschlecht konnte jeder Interessierte bis zu drei Texte einreichen, wobei die Höchsttextzahl nur sehr, sehr selten tatsächlich genutzt wurde.
Die über 500 eingegangenen Texte habe ich dann alle gelesen und die besten ausgewählt. Das nachfolgende Lektorat, das eine teilweise sehr intensive Zusammenarbeit mit den Autoren bedeutete, war der künstlerische Höhepunkt und somit auch der wichtigste Teil des ganzen Prozesses: Hier ging es um das Wesentliche, die Textarbeit. Das ist immer sehr spannend und lehrreich.
Zeitglich hat Claudia Speer vom Werbeatelier Bad Homburg die ersten Coverentwürfe erstellt. Nach dem Lektorat habe ich die Geschichten in eine – zumindest meines Erachtens nach – sinnvolle Reihenfolge gebracht, Claudia Speer hat sich anschließend um den Satz gekümmert, ich habe einen Klappentext abgefasst und der Verlag hat das Buch in Druck gegeben – übrigens wegen der hohen inhaltlichen Qualität nicht, wie ursprünglich geplant, als Taschenbuch, sondern als hochwertige Hardcoverausgabe. Eine weiteres überraschendes Angebot vom Verlag, das mich sehr beglückt hat!

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Viele Leute haben an dem Projekt mitgearbeitet. Nach welchen Kriterien wurden die Geschichten ausgewählt?

An „Grotesk!“ an sich haben neben den Autoren drei Leute mitgearbeitet: der Verleger Christoph Bizer-Neff von Candela, Claudia Speer vom Werbeatelier Bad Homburg (Satz und Cover) und ich (Herausgeber, Lektor). Dazu kommen natürlich noch Verlagsmitarbeiter, die etwa die begründeten Absagen an die nicht ins Buch aufgenommenen Autoren verschickt haben und mit dem fertigen Werk an Buchhandlungen herangetreten sind.
Für mich sehr wichtig war, dass ich, wie auch bei meinen vorherigen Herausgaben, völlige Freiheit hatte, was die Anthologie angeht. Dazu gehört ganz klar auch, dass ich völlig selbständig die Geschichten aussuchen und zusammenstellen durfte.

Bei der Geschichten-Auswahl war das entscheidende Kriterium immer: literarische Qualität. Sprache, Plot, Figurenzeichnung, Aussage – das musste zwingend zueinander passen, und zumindest in einem dieser Bereiche musste die Geschichte herausragend sein, etwas wirklich Neues und Eigenes bieten. Dazu kommt: Ich habe mich nicht auf die Geschichte im eingereichten Ist-Zustand konzentriert, sondern auf ihr Potential. Das hat natürlich ein auch für den einen oder anderen Autoren sehr anstrengendes Lektorat bedeutet, ist aber ein ausschlaggebender Grund dafür, dass „Grotesk!“ jetzt die Qualität hat, die es zu einem so besonderen Buch macht.

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Wie schwer war es, einen passenden Verlag für die Anthologie zu finden? Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Candela Verlag, der das Buch ja in einem sehr ansprechenden „Outfit“ präsentiert? 

Das war hier tatsächlich erstaunlich einfach: Candela war nämlich der erste Verlag, bei dem ich mit dieser Idee angeklopft hatte. Und der Verlag hat ja gleich zugegriffen. Kontakt hatte ich zu Candela, da ich als Autor in seiner Krimi-Anthologie „Cruor“ vertreten bin, die gerade erschienen war.

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An der Anthologie haben 22 Autoren mitgearbeitet, unter anderem Du selbst. Wie schwer war es, so viele unterschiedliche Persönlichkeiten unter einen Hut zu bringen? Gab es auch mal Streit, Unstimmigkeiten und „Nörgler“? 

Natürlich war nicht alles immer rosa-plüschig. Zum Glück aber muss man hier ja gar nicht alle wirklich unter einen Hut bekommen – letztlich müssen ja immer nur der jeweilige Autor und ich einen gemeinsamen Weg finden, manchmal ist dieser geradezu von selbst angelegt und muss nur noch beschritten werden, manchmal aber muss man ihn sich auch unter Reibungshitze erarbeiten.
Ich gebe hier auch gerne zu, dass ich im Lektorat durchaus sehr anstrengend sein kann. Fehler lasse ich eben nicht durchgehen. Formulierungen, die einfach nicht sauber sind von Grammatik, Logik oder Satzanschluss her, dürfen nicht im Text bleiben. Manchmal wird mein Verhalten und Argumentieren hier dann schon als haarspalterisch wahrgenommen. Konflikte bleiben da nicht immer aus, und bei drei Autoren war ich mir auch ziemlich sicher, dass nicht mehr viel gefehlt hätte, bis sie mir abgesprungen wären. Im Nachhinein haben genau diese Personen mir das auch mitgeteilt – übrigens dann mit dem Zusatz, dass sie nie gedacht hätten, dass ihr Text so gut werden kann, und sie nun ihre Angst, ich würde ihnen diesen kaputtlektorieren, als unbegründet ansehen.
Dazu muss man noch sagen: Was das Fehlerausmerzen angeht bin ich sehr penetrant, gleichzeitig aber lasse ich den Autoren große Freiheiten, zwinge ihnen keine Formulierungen auf. Auch müssen bei mir keine Konzessionen an einen vermuteten Publikumsgeschmack gemacht werden, Plot, Figuren, Szenen und Sprache dürfen also so sein, wie es der Geschichte gut tut, das sind alles Autor-Entscheidungen.
Diese Freiheiten hören sich selbstverständlich an und sollten es auch sein – doch leider sind sie es eben nicht. Zu oft wird der Autor im Buchgewerbe als Dienstleister angesehen und nicht als Künstler.

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Du selbst bekennst Dich zur Textsucht. Sei es, dass Du lektorierst, rezensierst, Texte selber verfasst oder veröffentlichst. Ich möchte Dich kurz zitieren:

Texte sind streichelbedürftig, zart, zerbrechlich. Aber auch störrisch, struppig, voller Dornen. Nur wer sich ihnen mit ganzer Hingabe widmet, kann ihre tiefe Schönheit sichtbar machen und ihre große Wirkung zu voller Entfaltung bringen“. Das klingt nach einem liebevollen Verhältnis zu Buchstaben. Wie viel Zeit bleibt Dir noch um selbst zu lesen, und welche Werke/Genres/Autoren gehören zu deinen Favoriten?

Mein Leseverhalten ist von großen Schwankungen geprägt – mal lese ich einen Roman an einem Tag weg, dann gibt es auch wieder eine tage- bis wochenlange Lesepause. Ein Rhythmus, der übrigens nur bedingt abhängig von Rahmenumständen ist. Ich lese also nicht zwingend deshalb nicht, weil ich gerade völlig im Stress bin, oder deshalb ganz viel, weil ich gerade viel Freizeit habe.
Mein Lieblingsgenre ist nach wie vor das komische Gedicht, das z. B. durch Ringelnatz, Morgenstern und Gernhardt bekannt ist. Hier habe ich mit „Wortbeben“ denn auch meine erste Herausgabe vorzuweisen. Außerdem verehre ich Kästner für sein lyrisches Werk sehr. Im Bereich der Prosa sind Thomas Manns „Buddenbrooks“, Walter Moers’ „Käpt’n Blaubär“ und Franz Kafka ganz weit vorne. Und auch hier darf ich Kästner nicht unterschlagen: sein „Fabian“ ist wirklich großartig!

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Du bist Autor, Herausgeber, Lektor, Korrektor, Texter und zweiter Vorsitzender im Literatur- und Kunstverein „Realtraum“. Wie lässt sich dies alles miteinander vereinbaren?

Eigentlich sehr gut, schließlich ist das alles der gleiche Sumpf. Man kann die verschiedenen Bereiche oft kaum voneinander trennen, sie fließen ineinander über. Nur die Gebiete „Belletristik“ und „Werbung“ lassen sich recht gut voneinander unterscheiden, aber selbst hier gibt es manchmal fließende Übergänge, wenn z. B. Werbekunden zu einer Lesung von mir kommen.

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Arbeitest Du zu Hause oder hast Du ein externes Büro? 

Ich arbeite von zu Hause aus. Da fällt es manchmal schwer, die nötige Disziplin aufzubringen, zugleich verschafft es einem ein Mehr an Freiheiten – und da ich mich nun in nicht gerade hochbezahlten Bereichen umtreibe, wäre ein externes Büro auch ein praktisch nicht zu stemmender Kostenfaktor. Das erleichtert so eine Entscheidung denn doch auch ungemein.

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Was sind Deine Hobbys? Oder hast Du dein Hobby zum Beruf gemacht und für andere Dinge bleibt keine Zeit mehr? 

Letztlich habe ich tatsächlich mein Hobby zum Beruf gemacht, v. a. was die Belletristik angeht. Aber ich lese auch nach wie vor aus völlig freien Stücken und einfach nur für mich. Zudem sehe ich gern gute Filme oder, wenn auch viel, viel zu selten, ebensolche Theaterstücke – tolle Geschichten ziehen mich einfach in jeder Form an. Und natürlich gehe ich mit Freunden aus, zum Essen, in die Disco, ins Kino etc.

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Eine letzte Frage: Was plant der Herausgeber Jan-Eike Hornauer als nächstes Projekt? Ist eine weitere Veröffentlichung in Arbeit und darfst Du ein wenig darüber verraten?

Angelaufen ist noch nichts Neues. Es ist ja so, dass die Arbeit einer Herausgabe mit dem Erscheinen des Buches keineswegs abgeschlossen ist, man muss dann ja schon auch kräftig die Werbetrommel dafür rühren. Außerdem ist eine zu enge Taktung nicht so sinnvoll, was die Aufmerksamkeit angeht: Die gleichen Medien bzw. Leser verlieren durchaus etwas das Interesse, wenn zu oft der gleiche Herausgeber mit einem neuen Band ankommt.
Doch natürlich soll es weitergehen, das kann aus meiner Sicht gar nicht anders sein. Was ich mir da grundsätzlich sehr gut vorstellen kann: eine neue Anthologie komischer Gedichte, eine Trash-Kurzgeschichtensammlung oder einen Band rund ums Literarische. Bislang bin ich aber noch mit keiner Idee an einen Verlag herangetreten, das ist alles noch völlig im luftleeren Raum.

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Ich danke Jan-Eike Hornauer für seine Zeit zur Beantwortung meiner Fragen. Wer mehr über ihn erfahren möchte, sollte in der „Textzüchterei“ vorbeischauen.


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© Buchwelten im Februar 2012

GROTESK! – Eine Genre – Anthologie (4/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe mit Leseband
im Candela Verlag
277  Seiten
Preis: 19,80 €
ISBN:  978-3-942635-22-6

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GROTESK! ist eine Anthologie bestehend aus 22 Geschichten, geschrieben von 19 Autoren. Es gibt die unterschiedlichsten Handlungen, kurzes und knappes und langes, verschachteltes.

Wie der Name schon sagt, sind die Geschichten im Genre der Groteske angesiedelt. Ein Bereich in der Literatur, der nicht leicht zu definieren ist. Um herauszufinden, was genau sich hinter dem Begriff verbirgt, sollte man einfach dieses Buch zur Hand nehmen und sich überraschen lassen.

Die Geschichten sind alle völlig unterschiedlich und von „absolut schräg“ über „zum schmunzeln“ bis hin zu „leider erschreckend wahr“ angesiedelt.

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Ich wusste bei dieser Antholgie nicht wirklich was mich erwartet. Unter grotesk stellte ich mir vor: anders, etwas abgedreht und vielleicht gegen die „Norm“. Nach der Lektüre dieser 22 Geschichten fühlte ich mich in der Vermutung/Erwartung auch bestätigt.

Ich bin kein wahrer Fan von Anthologien, weil ich mich eigentlich lieber in die Handlung eines ganzens Romans fallen lasse. Ich möchte die Figuren, Protagonisten kennenlernen, ihnen zur Seite stehen und mit ihnen ihre Geschichte erleben.

Doch auch hier war dies möglich und ich habe das Lesen als kurzweilige Unterhaltung empfunden, die aber sehr wohl auch zum Nachdenken angeregt hat. Hier war es ganz besonders die Geschichte „Taubstummengasse“.

Aber auch Geschichten, die übergewichtige Frauen unter einer Schicht von Bonbonpapieren verschwinden lassen oder einem Mann, der  sich durch die Liebe zu seinen Tapeten selber eintapeziert, haben mir gut gefallen.

Da gibt es weiterhin einen Mann der wochenlang an einer ausgefallenen, roten Ampel steht und Tagebuch führt, wer über die rote Ampel geht sowie einen Ehemann, der nach seiner Pensionierung in der ehelichen Wohnung einen Staat gründet, gemeinsam mit seiner Frau, die wiederum einfach nur denkt „Der hat einen Knall!“. Ach, zu diesem Thema gibt es auch eine Story.

Die Schreibstile der verschiedenen Autoren sind wie die Längen der Geschichten absolut vielseitig und unterschiedlich. Die eine ist einfach und kurz und knapp ausformuliert. Die andere ist in langen, verschachtelten Sätzen geschrieben und in einem philosophischen Text geschrieben.

Die Geschichten werden vom Candela Verlag in einer sehr schönen, gebundenen Ausgabe mit Leseband präsentiert. Die Aufteilung der einzelnen Geschichten innerhalb der Buchdeckel ist sehr ansprechend. Jede beginnt auf einer rechten Seite, was optisch einfach schön wirkt. Es entsteht keinerlei Eindruck von Seiteneinsparung.

Weiterhin gibt es ein ausführliches Nachwort sowie im Anhang die Viten aller beteiligten Autoren, mit interessanten Informationen. Ich habe gesehen, dass einige österreichische Schreiber dabei sind.

Der Schutzumschlag ist in einem dunklen Antrazit gehalten und hat als Aufhänger nur zwei Augen, die durch einen Spalt schauen. Mir gefällt es sehr gut und die rückwärtige Inhaltsangabe ist im Blocksatz sehr übersichtlich.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für eine lesenswerte Sammlung von Geschichten aus einem Genre, welches sich eher in einer Nische der Literatur aufhält, aber dennoch ein großes,  kurzweiliges Lesevergnügen bereitet.

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Herausgegeben mit viel Einsatz und Herzblut von Jan-Eike Hornauer ( <— Klick zur Homepage)

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Inhaltsverzeichnis / Mitwirkende Autoren:

Michael Kramer – Der Gast und sein Mörder
Stefanie Kißling – Liebe an der Wand
Dirk Röse – Night-Flight to the Stars
Peter R. Bolech – Der letzte Spalt
Julia Werner – Jenseits der Mauern
Arnd Moritz – Seinsgrau
Karin Jacob – Menschenhaar
Jan-Eike Hornauer – Die Auferstehung
Raphaela Edelbauer – – Eine frühe Angstvorstellung
Matthias Kröner – Alle haben einen Knall
Steve Kußin – Aufzeichnungen eines wohlanständigen Bürgers
Beja C. Garduhn – Die Kür des Siegers
Harald Darer – Ein Hundeleben
Ulf Großmann – Imperium in imperio
Karsten Beuchert – Das Ei 
Matthias Kröner – Die Riesenratte
Gabriele Behrend – Vulcaniella Pomposella 
Mimi Awono – Unsicherheit
Margarete Karetta – Irritationen
Arnd Moritz – Rahmensprung
Jan-Eike Hornauer – Sechs aus Neunundvierzig 
Werner Vogel – Taubstummengasse 

niella Pomposella 
Mimi Awono – Unsicherheit
vierzig 
Werner Vogel – Taubstummengasse 

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Ich danke dem Candela Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

3 Bücher sind in dieser Woche angekommen …

 

Diese Woche haben drei neue Bücher den Weg in mein Bücher(Rezensions)regal gefunden:

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GROTESK! – Eine Genre Anthologie

Absonderliche Ideen, großes Lesevergnügen und literarisches Niveau: das bieten die Geschichten aller 19 Autoren in diesem Band. Hier wird die Tapete zum Liebesziel, die eigene Frau überraschend zum Mops, ein Sandkubus im Nirgendwo zum Ort der Erkenntnis und die heimische Wohnung zum souveränen Staat. Bonbonpapierchen versprechen Erlösung, Menschen im Haar erfreuen nicht lange und ein schillerndes Ei gibt Lebenssinn. Eine rote Ampel, ein Milchweib und ein geheimnisvoller Gast erschüttern Existenzen. Und es wird klar: Jenseits der üblichen Mauern ist die Welt voller Risse.
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Dabei zeigen die 22 Geschichten, die allesamt hier erstmals veröffentlicht sind, was Groteske alles sein kann, geben so einen Überblick über dieses literarisch bedeutende Genre und stellen ganz nebenher unter Beweis: Gute Grotesken zu lesen, macht einfach Spaß!

Ein sehr schönes gebundenes Buch mit Lesebändchen verpackt diese 22 Geschichten und ich bin neugierig …

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MESSERSCHARF von Silvia Kaffke

Down and out – bisher undenkbar für Barbara Pross, Serienmordspezialistin beim BKA. Zurzeit ist sie auf eigenen Wunsch beurlaubt. In ihrer Depression unfähig, Freunde und Familie um Hilfe zu bitten, lebt sie auf der Straße. Doch ausgerechnet hier geht ein Frauenmörder um. Seine Opfer: obdachlose Frauen und Prostituierte.
Bald findet sich Barbara unfreiwillig in einem Undercover-Job wieder …

Von „Das rote Licht des Mondes“ war ich sehr begeistert, darum freue ich mich auf diesen Krimi.

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IM WILDEN OSTEN DIESER STADT von Irene Stratenwerth

Am Badestrand eines Hamburger Sees wird eine Leiche gefunden: Anwältin Kristina Wolland hatte ihre Freundin Angie am Abend zuvor getroffen — die schien verängstigt, wollte aber nicht reden. Nun ist sie tot.

Tags darauf meldet ein junger Mann das plötzliche Verschwinden seiner Verlobten: Die junge Alina aus der Ukraine, wohnhaft zuletzt bei Angie, glaubte verfolgt zu werden.

Welche Verbindung bestand zwischen den beiden so ungleichen Frauen? Was versetzte sie in Angst und Schrecken? Kristina Wolland ist fest entschlossen, es herauszufinden …

Dieser Krimi spielt in Hamburg aber ich sehe ihn nicht als Regionalkrimi, denn letztendlich ist der Ort der Handlung ja egal. Ich lasse mich überraschen …

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© Buchwelten 15.01.2012

Das Haus am Zeilenweise-Platz – Anthologie verschiedener Autoren (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei edidoppelpunkt
148 Seiten
Preis: 11,50 €
ISBN: 978-3937950983

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Das Haus am Zeilenweise-Platz erzählt die Geschichten der Bewohner dieses Mehrfamilienhauses in Buchstedt. Viele verschiedene Menschen leben in diesem Haus. Junge, Alte, Einsame, Familien, Alleinerziehende, Künstler …

Unten im Haus befindet der Kiosk der Familie Vodnjani, die hinter dem Laden außerdem eine Wohnung bewohnt. Sie sind Kroaten und seit vielen Jahren leben sie in diesem Haus und führen dort ihren kleinen Laden, der nicht nur die Bewohner des Zeilenweise-Hauses mit den angenehmen und wichtigen Dingen des Alltags versorgt, sondern der auch immer wieder ein Treffpunkt für die Menschen ist um ein nettes Gespräch unter „Freunden“ zu führen.

Jeder kennt jeden und irgendwie doch wieder nicht. Man lebt im gleichen Haus, sieht sich, grüsst sich, aber so wirklich weiss man nicht, was hinter den Wohnungstüren der Nachbarn geschieht. Das Haus am Zeilenweise-Platz lässt den Leser die Türen öffnen, in die Wohnungen hinein sehen und all diese verschiedenen Bewohner kennenlernen …

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Knapp zwei lange Jahre hat es gedauert, bis die Grundidee dieses Projektes endlich in Buchform vollendet wurde. Die mitwirkenden Autoren haben sich regelmässig im Zeilenweise-Forum besprochen und ausgetauscht. 12 Autoren haben an diesem Projekt mitgewirkt und gemeinsam haben sie diese grundverschiedenen 29 Geschichten geschaffen.

Die Autoren haben jeweils eine Geschichte (einige haben auch mehrere geschrieben) über eine Mietpartei des Hauses geschrieben. Alle Genres waren erlaubt und der Herausgeber Hartmut W. H. Köhler hat es geschafft diese unterschiedlichen Geschichten so zu verbinden, dass es nicht auffällt, das hier unterschiedliche Autoren geschrieben haben. Die Anthologie liest sich wie ein Roman und ist einfach „rund“.
Die Idee, dass Herr Köhler diese Zwischentexte als Rahmenhandlung einfügt, ist erst relativ spät entstanden und eingebunden worden.

Die Autoren schreiben Ihre Geschichten meist in der Vergangenheit. Herr Köhler lässt als Rahmenhandlung den Kioskbesitzer Vodnjani in der Gegenwart erzählen. Er kennt natürlich alle Mitbewohner des Hauses und weiß somit über jeden etwas zu erzählen.
Dann geht es in die Autoren“kapitel“ und die entsprechende Wohnungstüre öffnet sich.

Wir lernen alte Ehepaare kennen, die gemeinsam einsam sind, weil der Partner sich wegen Demenz meist in die eigene Welt zurückzieht. Wir lernen einen Maler kennen, der doch sehr erschrickt, als der Tod bei ihm vorbeischaut. Das Grauen ist bei einer alten Dame zu Besuch und genießt frisch gekochten Kakao.
Wir lernen eine lebensmüde, einsame alte Dame kennen, die urplötzlich ihre junge Nachbarin vor der Türe stehen hat, weil sie sich für etwas bedankt und sie schliessen Freundschaft. Eine alleinerziehende Mutter schockt ihren Internet zockenden Sohn mit einem Troll im Badezimmer, eine Frau tanzt eng umschlungen mit ihrem verstorbenen Mann …

Der Schluß war schön und traurig zugleich. Für mich war es sehr schade, alle diese unterschiedlichen Menschen verlassen zu müssen. Ich hätte gut und gerne nochmal die gleiche Anzahl an Geschichten lesen können.

Dieses Buch ist wirklich absolut empfehlenswert. Und auch wenn ich es jetzt lesen konnte, weil mein Lebensgefährte als Mitwirkender ein Exemplar erhalten hat, weiss ich, dass ich mindestens eines davon kaufen und als Geschenk bereiten werde!

Denn das beste kommt zum Schluss: Dieses Projekt dient ausschließlich einem guten Zweck. Sämtliche Erlöse aus dem Verkauf der Anthologie fließen an ein Kinderheim in Istrien. Dort werden sexuell misshandelte Kinder betreut. Alle Autoren verzichten auf ein Honorar um dieses Projekt zu unterstützen.

Mein Glückwunsch an alle mitwirkenden Autoren und an Herrn W. H. Köhler. Mit sehr viel Hingabe und auch Einsatz wurde hier ein Werk geschaffen, dass nicht nur Spass macht. Es macht auch nachdenklich, glücklich, traurig.

Es war nicht einfach dieses Projekt auf die Beine zu stellen. Lange hat es gedauert, bis endlich ein geeigneter Verlag gefunden war. Es hat sich gelohnt. Ein dickes Lob an die Mitglieder des Zeilenweise-Forums.

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Und nun kommen die Autoren, die an dieser Anthologie mit geschrieben haben – in alphabetischer Reihenfolge:

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Philipp Brobowski – http://www.philippbobrowski.de/

Wolfgang Brunner – http://wolfgangbrunner.de/

Heidi Gotti – http://www.gottiswelt.de/

Heike Hultsch – http://paradalis.wordpress.com/

Hartmut W. H. Köhler – http://www.feierabend-autor.de/

Germaine Paulus

Mario B. Kuhl (Pseudonym)

Michael Romahn – http://www.michael-romahn.de/

Miriam Schaffner – http://www.miriamsmirakel.ch/

Anett Steiner – http://anett-steiner.de/

Isa Theobald – http://absonderliches.wordpress.com/

Markus Walther – http://www.din-a4-story.de/

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Mein Fazit: Eine tolle Idee, wunderbar und mit viel Einsatz und Ausdauer umgesetzt. Ein schönes Cover, wunderbare Geschichten, eine hervorragend gelungene Rahmenhandlung und all das für einen guten Zweck: 5 von 5 Punkten.

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Buchwelten 2011