Aufbruch zum Mond von James R. Hansen

Aufbruch zum Mond von James R Hansen

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 510 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-60463-6
Kategorie: Biografie

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Das gesamte Leben einer Legende: Neil Armstrong, der erste Mensch, der den Mond betreten hat. Von der spannenden Kindheit bis hin zur legendären Mission zum Mond.

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James R. Hansen nimmt den Leser auf eine unglaubliche und bewegende Lebensgeschichte mit, die an manchen Stellen wie ein wahr gewordenes Märchen wirkt. Das Leben von Neil Armstrong ist spannend und interessant, vor allem auch, weil man den Menschen hinter der Legende kennen lernt, der im Grunde genommen sehr zurückhaltend und scheu war. Das war zum Beispiel eines der vielen Dinge, von denen ich bis zu diesem Buch anders dachte. Armstrongs Leben war geprägt von technischen Dingen, die sich logischerweise auch auf seine Lebensgeschichte niederschlagen. Hansen hat hervorragend recherchiert und seine Erläuterungen und Ausführungen, was technische Details angeht, sind unglaublich detailliert. Sie sind manches Mal aber so detailliert, dass ich mir gewünscht habe, sie wären nicht so ausführlich besprochen, sondern nur gestreift worden. Für an diesen Bereichen Interessierte dürften die Schilderungen allerdings wiederum extrem informativ sein. Wie gesagt, ich war manchmal leicht überfordert mit der Fülle an Details. Nichtsdestotrotz nimmt dieser kleine Kritikpunkt, so es denn überhaupt einer ist, der epischen Gesamtheit dieser Biografie seinen Reiz nicht weg.

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Konsequenz Armstrong seinen Weg ging. Die Luft- und Raumfahrt war sein Leben, bedeutete ihm anscheinend sogar manchmal mehr als seine Familie, die er dennoch über alles liebte. Hansen beschreibt die Gemütszustände des nach außen hin gefühlskalt wirkenden Mannes sehr authentisch und macht Armstrong zu einem interessanten Menschen, der oftmals einsam und mit seinen eigenen Gefühlen überfordert wirkt. Das macht ihn aber auch sehr menschlich und auf eine gewisse Art und Weise sympathisch. Es macht Spaß, den Mann auf seinem Weg nach oben zu begleiten und zu erfahren, wie er sich in die Raumfahrt weit vor dem legendären Flug zum Mond eingebracht hat. Man bekommt durch diese Biografie eine völlig andere Sichtweise auf Neil Armstrong, die die Mondlandung im Nachhinein sogar noch zu etwas weitaus Größerem erscheinen lässt, als sie seinerzeit ohnehin schon war. Die Geschichte eines der berühmtesten Menschen läuft wie ein Film am inneren Auge des Lesers vorbei. So ist man am Ende des Buches um so mehr gespannt, wie die Verfilmung dieses aufregenden Lebens („Aufbruch zum Mond“, Original: „First Man“, 2018) wohl sein wird. Nach der Lektüre verspreche ich mir einen optisch wunderbaren und auch sehr emotionalen Film, obwohl Armstrong mit seinen eigenen Gefühlen ja wohl eher sparsam umging.

Der Höhepunkt in Neil Armstrongs Leben, und respektive auch irgendwie im Buch, stellt ohne Zweifel sämtliche Aktionen rund um die spektakuläre Mondlandung dar. Hansen versteht es hervorragend, die Vorbereitungen, die eigentliche Landung und die Rückkehr zur Erde so zu beschreiben, als wäre man direkt dabei. Ich fühlte mich während des Lesens wirklich an dem ganzen Unternehmen hautnah beteiligt, was nicht nur an den präzisen Beschreibungen lag, sondern auch an der Einbindung von originalen Gesprächsaufzeichnungen zwischen den Astronauten und der Bodenstation. Dieser Teil der Biografie las sich wie ein Roman, spannend, bildhaft und schlichtweg atemberaubend. Ich weiß gar nicht, wie oft ich bei diesen Szenen das Gefühl hatte, gerade live bei einer weltweiten Sensation mit dabei zu sein.
Und dann kam das Ende, das mich so begeisterte und mitnahm, dass ich es meiner Frau laut vorlesen wollte. Allerdings schaffte ich es nicht ganz, da ich diese Passage wirklich so zu Tränen rührte, dass ich nicht mehr weiter sprechen konnte. Und genau durch dieses Bild, das Hansen mit diesem kurzen Lebensabschnitt Neil Armstrongs hervorruft, schließt sich plötzlich ein Kreis beim Leser, der noch einmal das gesamte im Buch geschilderte Leben umfasst und zu einem emotionalen Finale bringt, das eben, wie erwähnt, zu Tränen rührt.

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Fazit: Unbedingt Lesen! Biografische Reise zum Mond mit einer Vor- und Nachgeschichte.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Schwerelos von Katie Khan

Schwerelos von Katie Khan

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  416Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-3183-4
Kategorie: Science Fiction, Liebe

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Die Astronauten Carys und Max schweben aufgrund eines unglücklichen Zwischenfalls einsam im Weltraum. Sie können ihre Raumstation nicht mehr erreichen und die Luftvorräte können sie nur noch etwa neunzig Minuten am Leben erhalten. Während die beiden verzweifelt versuchen, sich aus ihrer misslichen Lage zu retten, reden sie miteinander und erinnern sich an die Zeiten, als sie sich kennengelernt und ineinander verliebt haben. Mit unaufhaltsamer Grausamkeit verstreichen dabei die Minuten, die ihnen noch bleiben, und das unausweichliche Ende rückt immer näher …

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Man sieht das Cover, am liest den Titel und den Klappentext und denkt sofort, dass es sich hier um einen „Klon“ des Films „Gravity“ handelt. Auch während der ersten Seiten bekommt man den Gedanken nicht los, dass sich die Autorin in erster Linie an dem genannten Film mit Sandra Bullock und George Clooney in den Hauptrollen orientiert. Aber man wird eines besseren belehrt, denn Kathie Khan geht letztendlich einen ganz anderen Weg und nimmt lediglich eine ähnliche Ausgangssituation für ihren Roman. Bei „Schwerelos“ handelt es sich um eines der eher seltenen Bücher, die ich in das Genre „Science Fiction-Liebesroman“ stecken würde. Khan geht das Ganze wirklich sehr geschickt an, so dass man sich bereits nach der ersten „Rückblende“ in das Leben der beiden Protagonisten nur noch sehr schwer von den Seiten lösen kann.

„Schwerelos“ wirkt wie eine Mischung aus Science Fiction, Liebesroman und All-Age-Abenteuer á la „Die Tribute von Panem“, um nur ein Beispiel zu nennen. Das Buch kann sich aus meiner Sicht nicht wirklich entscheiden, ob es sich um einen Erwachsenen- oder Jugendroman handelt, was ich persönlich aber gar nicht schlimm finde. Denn wichtig ist, was drin steht und wie atmosphärisch der Plot auf mich wirkte. Wie gesagt, ich konnte mich wirklich sehr schwer von Carys und Max lösen, während ihre Lebensgeschichte erzählt wurde und sie im Weltraum um ihr Überleben kämpften. Kurzweiliger könnte man die Story gar nicht erzählen, wie es Katie Khan getan hat. Die Seiten fliegen nur so dahin, obwohl es sich im Grunde genommen „nur“ um eine einfache Liebesgeschichte handelt, die in ein SF-Gewand verpackt wurde. Dennoch funktioniert sie. Aber es ist nicht so, dass sich Khan einfach nur mit einer Geschichte über eine Liebe zufrieden gibt. Im letzten Drittel nimmt der Roman noch einmal so richtig Fahrt auf, in dem er sich verschiedener Ebenen bedient und tatsächlich noch echte Science Fiction-Elemente einbindet.

Gerade das Ende macht den ohnehin an manchen Stellen philosophisch angehauchten Roman in meinen Augen zu etwas besonderem. Man beginnt an manchen Stellen über sein eigenes (Liebes-)Leben nachzudenken und fiebert mit den Protagonisten mit. Katie Khan hat am Ende wunderschöne „Wendungen“ und Gedanken in ihren Roman verbaut, die auf manchen Leser kitschig wirken könnten, aber genaugenommen einfach nur darstellen, was „echte Liebe“ wirklich bedeutet. Mir hat die Entwicklung in diese Richtung sehr gut gefallen und das echte Ende verursacht in mir immer noch Traurigkeit, aber auch irgendwie Hoffnung. Katie Khan hat einen schönen und gut lesbaren Liebesroman geschrieben, der eine Science Fiction-Situation zum Ausgangspunkt hat. Ich hätte gut und gerne das doppelte an Seiten verschlingen können, um den beiden noch länger beizuwohnen, denn der flüssige Schreibstil und die philosophischen Überlegungen haben mich schlichtweg von der ersten Seite an gepackt. Ich bin schon jetzt gespannt, was als nächstes von dieser Autorin kommt, denn mit ihrem Debüt hat sie eines auf jeden Fall schon einmal bewiesen: Mut zum Anderssein, in dem man eine „kitschige“ Liebesgeschichte in ein SF-Gewand packt. Und das Konzept funktioniert einwandfrei. Interessant ist, dass die SF-Anteile, die zwar nur selten vorkommen, sehr detailliert und gut recherchiert sind und dem Roman dadurch eine tolle Glaubhaftigkeit verleihen. Ich mag diese Geschichte sehr.

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Fazit: Ein philosophischer Liebesroman im Science Fiction-Gewand. Faszinierendes Lesevergnügen.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten